Sport in Hessen 02/2016

 

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Sport in Hessen 02/2016

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Nr. 02 | 23. Januar 2016 | 70. Jahrgang Sportstätten – fit für die Zukunft? Sport und Moral Dr. Rolf Müller fordert Generaldebatte Sport und Flüchtlinge Minister Beuth bittet Vereine um Mithilfe

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EDITORIAL Editorial Liebe Sportfreundinnen und Sportfreunde, auch wenn 2016 schon ein paar Tage alt ist, wünsche ich Ihnen viel Glück, Gesundheit und Erfolg für das neue Jahr! Als Vertreter des organisierten Sports hatte man es in den vergangenen Monaten und Jahren manchmal nicht einfach. Immer wieder wurde man in Sippenhaft genommen für die Doping-Skandale im Spitzensport, die Vorgänge, die zur Sperrung von FIFA-Chef Blattner und UEFA-Präsident Platini führten oder für die Vergabe von Olympischen Spielen an autokratische Staaten wie Russland oder China. Vor diesem Hintergrund atmet man erleichtert auf, wenn Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen, eine Generaldebatte über die Werte im Sport fordert. Ihm geht es darum, den organisierten Sport wieder fest auf dem Sockel seiner Werte zu verankern. Wir alle – auch der Landessportbund – sind aufgerufen zu überlegen, welchen Beitrag wir dazu ganz konkret leisten können. gewiesen. Im Interview mit „Sport in Hessen“ erläutert Rolf Hocke, Vizepräsident Vereinsmanagement des Landessportbundes Hessen, die Bedeutung nachhaltiger Sportstätten für die Vereine, die Möglichkeiten der Förderung sowie Zukunftsperspektiven. Damit der Sport seine integrierende Kraft wirklich entfalten kann, ist er entscheidend auf moderne Sportstätten an- Doch auch die anderen Artikel zum Titelthema dieser Ausgabe machen deutlich: Der Landessportbund Hessen verfügt über umfangreiche Erfahrung im Bereich Sportinfrastruktur. Zusammen mit seiner Unabhängigkeit macht ihn das zu einem gefragten Gesprächspartner der Vereine. Und nun viel Spaß bei der Lektüre Ihrer „Sport in Hessen“ wünscht Ihre Dr. Susanne Lapp SIH 02 / 23.01.2016

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THEMA DER SEITE Inhalt INHALT 1 4 Die Finanzen des Sports im Griff Vizepräsident Helmut Meister ist seit 25 Jahren Mitglied des lsb h-Präsidiums 8 Titelthema Hessens Sportstätten – fit für die Zukunft? 18 Sport und Flüchtlinge Hessens Sportminister Peter Beuth bittet Vereine um Mithilfe 36 Im Porträt Eishockeyspieler Helmut Keller: Der Hesse aus Bad Tölz 39 Sportjugend Hessen Sport-Coaches für Flüchtlinge in den Startlöchern 3 Sport und Politik Dr. Rolf Müller fordert eine Generaldebatte über die moralischen Grundlagen des Sports 6 Sport und Ernährung Fit essen für bewegliche Faszien 16 Integration auf einen Klick Datenbank für Integrations- und FFlüchtlingsprojekte im Sport ist online 17 Vor zehn Jahren Integration im Sport hat lange Tradition 21 Aus der Praxis Der Übungsleiter 23 Olympiastützpunkt Kooperation mit der Hochschule Geisenheim 25 Behindertensport Netzwerke als wichtiger Schlüssel 30 Neue Bücher Lesenswertes rund um den Sport 35 Sport und Geschichte Sporthistoriker tauschen sich aus 36 Bildungsakademie Neue Kurse 37 Sport und Demenz Projekt „moment!“ gewinnt Sozialpreis 42 Entspannung steht hoch im Kurs Bildungsakademie zieht Bilanz für 2015 Impressum Herausgeber: Landessportbund Hessen e. V. (lsb h); Otto-FleckSchneise 4, 60528 Frankfurt, Tel.: 069/6789 -0. Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Susanne Lapp, Vizepräsidentin für Kommunikation und Marketing, Glauburgstraße 11, 60318 Frankfurt. Redaktion: Ralf Wächter (Leitung), Isabell Boger, Markus Wimmer, Otto-Fleck-Schneise 4, 60528 Frankfurt, Tel.: 069/6789-262, Fax: 069/6789-300. Verlag: Pressehaus Bintz-Verlag GmbH & Co. KG, Waldstraße 226, 63071 Offenbach. Druck und Vertrieb: Dierichs Druck + Media GmbH & Co. KG, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel. Abonnementverwaltung: Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel, Tel.: 0561/60280-452, Fax: 0561/60280-499, E-Mail: abo-sih@dierichs-druck.de SIH 16 / 05.09.2015 Anzeigen Nord/Mitte: Claudia Brummert, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel, Tel.: 0561/60280-180, Fax: 0561/60280-199, E-Mail: brummert@ddm.de Anzeigen Süd: Regina Väth, Waldstraße 226, 63071 Offenbach, Tel.: 069/85008-373, Fax: -394, E-Mail: sih@op-online.de Sport in Hessen erscheint vierzehntägig zum Wochenende Bezugspreis: Jährlich Euro 51,11 einschl. Postgebühren und MwSt. Bestellungen für Vereine beim Landessportbund Hessen e. V., für Privatpersonen bei Dierichs Druck + Media GmbH & Co. KG. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung der Verfasser wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder wird keine Gewähr übernommen. Eine Rücksendepflicht besteht nicht. Titelfoto: Unser Titelfoto zeigt die ukrainische Artistin Viktoria Gnatuk, die mit ihrer Handstandakrobatik die Ballbesucher begeisterte. Foto: lsb h www.landessportbund-hessen.de

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6 SPORT UND ERNÄHRUNG Fit essen für bewegliche Faszien Sport und Ernährung: Funktionelle Lebensmittel In der Fitness- und Gesundheitsbranche sind sie in aller Munde: die Faszien. Der lateinische Begriff bedeutet so viel wie Bündel oder Band. Genau so sehen die Faszien (Bindegewebe, Sehnen und Bänder) aus: Es ist ein reißfestes netzartiges Gewebe, das den gesamten Körper durchzieht und aus kollagenen Fasern, Wasser und verschiedenen Klebstoffen besteht. Sie halten Organe und Muskeln an Ort und Stelle, sorgen aber gleichzeitig für Elastizität und Gleitfähigkeit, so dass diese geschmeidig bewegt werden können. „Manche Faszien sind sogar stärker von Nervenfasern durchzogen als Muskeln und verfügen über Schmerzrezeptoren, die empfindlich auf Stress reagieren“, urteilt Prof. Dr. med. Mense, Universität Heidelberg. Er betrachtet Faszien mittlerweile als das größte sensorische Organ des Körpers. Wenn das Fasziengewebe verklebt Neben Blutgefäßen führen auch Lymphgefäße durch das Fasziengewebe. Mit der Lymphflüssigkeit werden Nährstoffe zu den Zellen hin und Stoffwechselabbaustoffe sowie Schadstoffe wegtransportiert. Der Lymphfluss wird ausschließlich durch Muskelbewegung in Gang gehalten. Wenn nun eine dauerhafte Muskelverspannung, z. B. im Nacken-, Schulteroder Rückenbereich besteht, kann sich die Lymphe stauen. In der Folge lagert sich der „Klebstoff“ Fibrinogen im Gewebe an und es kommt zu Verklebungen“ (= Ansammlung von Fibrin) in der Netzstruktur. Die Bewegungsfähigkeit der Muskeln ist dann eingeschränkt und eingeengte Nervenfasern sorgen für Schmerzen. Bei Rückenschmerzen sollen nur in 20 Prozent der Fälle die Bandscheiben verantwortlich sein, schätzt der Faszienfor- scher. Dr. Robert Schleip, Humanbiologe und Leiter des Fascia Research Project der Universität Ulm. Die übrigen 80 Prozent haben andere Ursachen, darunter nicht selten verklebte Faszien. Menschen, die überwiegend am Schreibtisch arbeiten, klagen häufig über Nacken-, Schulter- oder Rückenschmerzen. Stress (plus eine vermehrte Hormonausschüttung wie Kortisol) als Kofaktor verschlimmert die Anspannung im Gleitgewebe. Unbewusst nehmen Betroffene eine Schonhaltung ein, die dann an anderer Stelle eine Verklebung der Faszien bewirkt – ein Teufelskreis! Höchste Zeit also, in Bewegung zu kommen und das Fasziengewebe wieder zu entspannen. Sanftes Training wie Qi Gong, Yoga oder Tai Chi wirkt positiv, ebenso Ausdauertraining wie Radfahren, Walken oder Schwimmen. Regelmäßiges Training mit der Faszienrolle hilft Verklebungen zu lösen (siehe Foto). Einseitiges Stressessen schadet den Faszien Bei anhaltendem Stress oder Überlastung spielt oft Zeitmangel eine Rolle. Zu gern wird dann vermehrt zu kleinen „Sünden“ wie Schokoriegel, Kuchen oder Keksen am Nachmittag gegriffen. Nicht selten ist die Versuchung groß, sich schnell beim Fast-Food-Stand Burger, Pommes oder Salami-Pizza zu holen, anstatt mit Muße zuhause zu kochen. Und wenn dann noch wenig (mineralstoffreiches) Mineralwasser, ungesüßte Kräuter-, Früchtetees oder leichte Saftschorlen getrunken werden, dafür mehr Limonaden, reine Säfte oder auch mal Bier oder Wein, gerät die Nährstoffversorgung des empfindlichen Fasziengewebes in die Schieflage. OBEN Regelmäßiges Training mit der Faszienrolle hilft, Verklebungen zu lösen. Foto: PRV Kirsten Brüning, Diplom-Oecotrophologin und Ernährungsberaterin am Olympiastützpunkt Hessen, gibt an dieser Stelle regelmäßig Tipps zu gesunder Ernährung. SIH 02 / 23.01.2016

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SPORT UND ERNÄHRUNG Umgangssprachlich „übersäuert“ der Körper, das heißt zu wenig Wasser kombiniert mit zu wenig Mineralstoffen und Vitaminen trägt dazu bei, dass das feine Netzgeflecht seine Flexibilität verliert. In der Folge beeinträchtigt dies den Blutund Lymphfluss ebenso wie die Muskelaktivitäten. Die überschüssige Säure reizt zudem das empfindliche Gewebe, so dass Entzündungen in allen Körperbereichen entstehen können. Davon sind auch die von den Faszien umhüllten Nerven betroffen, die dann wieder Schmerzen signalisieren. Gute Nährstoffe für ein vitales Fasziengewebe Deshalb gilt: Täglich mindestens 1,5 bis 2,0 Liter Wasser in Form von Mineralwasser (mindestens 100 mg Magnesium/ Liter und 150 mg Calcium/ Liter, 1500 mg Hydrogencarbonat/ Liter sehr empfehlenswert), leichten Saftschorlen (1:3) oder Kräutertee trinken. Pro Stunde Training jeweils mindestens 0,5 Liter extra einplanen. Nach intensivem Training ist es regenerativ wirksam, mineralstoffreiches Mineralwasser mit ca. einem Viertel roten Saft plus einem Esslöffel Konzentrat aus roten Säften zu mischen. Basenreich essen ist einfach: Täglich mindestens drei Handvoll Gemüse und zwei bis drei Handvoll Obst verzehren. Mindestens zwei Portionen Vollkornprodukte (1 Portion = 1 Scheibe Brot oder 4 EL Getreideflocken) pro Tag sichern zudem eine gute Versorgung mit Kieselsäure, einem der wichtigsten Baustoffe des Fasziengewebes. Beerenobst, Zitrusfrüchte, Kiwi, Mango und Ananas sind reich an Antioxidantien, die gegen Entzündungen im Körper vorgehen. Karotten, Tomaten und Paprika liefern jede Menge Beta-Carotin, das ebenfalls die Zellen schützt. Kohlgemüse, Erbsen und Bohnen sind nicht zu verachten wegen ihres hohen Anteils an Magnesium und Folsäure. Hülsenfrüchte versorgen uns dazu mit Eiweiß und Ballaststoffen. Kartoffeln als wertvoller Vitalstoff-Lieferant (Süß-)Kartoffeln sind u. a. wertvolle Lieferanten für Kalium, Kieselsäure und Vitamin C. Da die Vitalstoffe unter der Schale sitzen, sollten die Knollen am besten im Ganzen verzehrt werden. Haferflocken, Naturreis, Hirse oder Quinoa können als Flocken oder geschrotetes Getreide (z. B. im Brot oder Auflauf) verzehrt werden. Hochwertige Fettsäuren stecken im Traubenkern-, Walnussoder Speiseleinöl. Walnüsse, Mandeln oder Pistazien liefern ebenfalls Mineralstoffe und die essentielle Linolensäure. Fettreicher Fisch (z. B. Hering, Lachs, Thunfisch oder Sardinen) sollte wenigstens zweimal pro Woche verzehrt werden, um den Bedarf an wertvollen Omega-3-Fettsäuren und hochwertigem Eiweiß zu decken. Fleisch und Milchprodukte eher fettarm wählen. Praktische Ernährungstipps: Täglich eine Portion Haferflocken mit Weizenkeimen oder geschrotetem Leinsamen und Molkeneiweiß plus Obst stärkt das Bindegewebe effektiv. Mindestens jeden zweiten Tag Biokartoffeln auf den Speiseplan stellen und mit der Schale verzehren – gekocht als Beilage für Fisch, Quark, Gemüse oder Salat schnell zubereitet. Wer es gern knuspriger mag, kann die gekochten Kartoffeln in mit wenig Öl und Rosmarinzweigen anbraten bzw. im Ofen rösten. SIH 02 / 23.01.2016 7 Rezept des Monats (Rezepte für 4 Personen) Gnocchi mit Pfifferlingen und Salbei Zutaten: 600 g Gnocchi (aus dem Kühlregal), 400 g Pfifferlinge (geputzt), 60 g Speckwürfel, 2 EL Olivenöl, 1 Zwiebel (fein gewürfelt), 150 ml Gemüsebrühe, 150 g Creme fraiche (30 % Fett) oder Saure Sahne (10 % Fett), 10 Blätter Salbei, 40 g Parmesan gerieben, 150 g Feldsalat, 2 mittelgroße Karotten, 2 Stängel frische Petersilie, Saft einer Zitrone, 3 TL Walnussöl, Pfeffer, Salz, 1 Prise Zucker Zubereitung: 1. Die Speckwürfel in dem Öl anbraten. Die Zwiebel und die Pfifferlinge zugeben und kräftig anbraten. Die Gnocchi nach Packungsanweisung garen. 2. Die Pfifferlinge mit dem Gemüsefond ablöschen und etwas einreduzieren lassen. Creme fraiche zugeben und mit Salz und Pfeffer würzen. Den Salbei in feine Streifen schneiden und mit den Gnocchi in die Sauce geben. Mit Parmesan bestreut servieren. 3. Feldsalat putzen, KarotteN grob raspeln und mit Dressing aus Zitronensaft, Walnussöl, Pfeffer, Salz und Zucker verrühren. Fein geschnittene Petersilie darüber geben. Den Feldsalat auf vier Schalen verteilen und den Karottensalat darauf verteilen. Fein geschnittene Petersilie darüber streuen. Quark-Sanddorn-Timbale Zutaten: 1 Bio Zitrone, 4 Blatt Gelatine, 500 g Magerquark, 80 g Puderzucker, 2 EL Grand Marnier, 200 ml Schlagsahne, 1 EL gehackte Pistazienkerne, 8 TL Sanddornaufstrich Zubereitung: 1. Für die Timbale die Hälfte der Zitronenschale fein abreiben. Zitronensaft auspressen. Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Quark in eine Schüssel geben und mit Zitronenabrieb, Zitronensaft und Puderzucker glatt rühren. Orangenlikör erwärmen und die tropfnasse Gelatine darin auflösen. Gelatine unter die Quarkmasse rühren und ca. 30 min (bis die Masse anzieht) kaltstellen. 2. Sahne steif schlagen und nach und nach unter die Quarkmasse heben. Quarkcreme in 4 Timbaleförmchen füllen und 4 Stunden kaltstellen. 3. Timbale auf Teller stürzen mit dem Sandornaufstrich anrichten und mit den gehackten Pistazien bestreut servieren. Wir wünschen guten Appetit! Ihr lsb h-Küchenteam Nährwertangaben pro Person: ca. 900 kcal (3800 kJ), 83 g Kohlenhydrate, 44 g Eiweiß, 40 g Fett, 10 g Ballaststoffe, 5 g essentielle Fettsäuren (1 mg Omega-3-Fettsäuren/ 4 g Omega-6-Fettsäuren 1:4)

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8 TITELTHEMA: SPORTINFRASTRUKTUR Guter Rat für Sportstätten mit Zukunft Das Angebot des Geschäftsbereichs Sportinfrastruktur ist vielfältig und hilft den Vereinen ganz konkret beim Sparen, wenn es um das Thema Bau und Betrieb von Sportstätten geht Rund 7.800 Sportvereine sind dem Landessportbund Hessen als Mitglieder angeschlossen. Alle von ihnen nutzen Sportstätten – ob sie nun dem Verein selbst, dem Landkreis oder einer Stadt oder Gemeinde gehören. Dadurch profitieren auch alle Vereine von den Leistungen des Geschäftsbereichs Sportinfrastruktur des Landessportbundes Hessen. Wir geben Ihnen mit dem Titelthema dieser Ausgabe einen Überblick: sourcen eingespart und die CO2-Belastung wirksam reduziert werden. Auch in Hinblick auf einen aktiven Umweltschutz geben die lsb h-Berater wichtige Tipps an die Hand. Letztendlich helfen die Berater auch bei der Umsetzung konkreter Vorhaben, bei der Beantragung von Fördermitteln für regenerative Energieerzeugung, Grundwasserabgabe etc. Sonderförderung Öko-Check-Beratung Strom, Wasser, Gas – steigende Energie- und Rohstoffkosten können für Vereine mit eigener Sportanlage, aber zunehmend auch für kommunale Träger zum Problem werden. Veraltete Anlagen belasten zudem die Umwelt. Doch wo rentiert es sich zu investieren? Welche Neuanschaffung macht keinen Sinn, weil sie sich nie amortisieren würde? Hilfe beim Treffen dieser Entscheidungen leistet der Geschäftsbereich Sportinfrastruktur mit seiner kostenlosen Öko-Check-Beratung für Sportanlagen. Er umfasst eine komplette Bestandsaufnahme der Sportstätte mit allen Nebengebäuden und Außenflächen. In einem mehrseitigen Erfassungskatalog wird alles für die spätere Auswertung festgehalten. Die Vorschläge für Sanierungs- oder Verbesserungsmaßnahmen werden in einem Abschlussbericht – mit allen Empfehlungen und den ermittelten Einsparpotenzialen – dem Betreiber der Sportanlage zur Verfügung gestellt. Ziel der vorgeschlagenen Maßnahmen ist es in erster Linie, die Energiekosten zu senken. Außerdem sollen dadurch Res- Vereine, die eine Öko-Check-Beratung in Anspruch genommen haben, können beim Landessportbund Hessen auch eine Sonderförderung von Klimaschutz- und Kosteneinsparmaßnahmen beantragen. Wird dieser Antrag genehmigt, stellt der Landessportbund zusätzlich zur normalen Vereinsförderung aus dem Vereinsförderfonds pauschal 500 Euro je Förderbereich zur Verfügung. „Wir wollen, dass die Vereine, die wir beraten, auch einen unmittelbaren Nutzen haben, wenn sie die vorgeschlagenen Maßnahmen umsetzen“, sagt der zuständige Geschäftsbereichsleiter Jens Prüller. Knapp 1.000 Sonderförderungen hat der Landessportbund ihm zufolge seit 2006 vergeben. Der große Vorteil der Sonderförderung besteht übrigens darin, dass er mit anderen Fördermitteln kumuliert werden kann. Das bedeutet, eine lsb h-Förderung reduziert weder die Ansprüche noch die Höhe anderer Fördermittel. Qualitätssiegel für den Klimaschutz Mit Unterstützung seines Partners Fraport AG hat der Landessportbund Hessen das Qualitätssiegel „7 Sterne für den Klimaschutz in Sportanlagen“ aufgebaut. Auch dafür kommt OBEN Sportstätten müssen in Schuss gehalten werden, damit der Spaß an der Bewegung für die Nutzer erhalten bleibt. Foto: Jens Prüller SIH 02 / 23.01.2016

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TITELTHEMA: SPORTINFRASTRUKTUR 9 – nach Beantragung – ein Berater des lsb h in den Verein. Unter Hinzunahme der Verbrauchswerte der letzten drei Jahre, des aktuellen Schornsteinfegerprotokolls und der erforderlichen Baupläne ermittelt er mögliche Schwachstellen. Außer dem umfassenden Auswertungsbericht mit Tipps und Empfehlungen wird im Anschluss auch das Qualitätssiegel verliehen. Dabei werden in sieben Kategorien Sterne für den Klimaschutz vergeben. Jeder Stern ist in Bronze, Silber und Gold erhältlich. Folgende Bereiche werden berücksichtigt: 1. Controlling/Management, 2. CO2-Bilanzierung, 3. Wärmeschutz Gebäude, 4. Wärmeerzeugung, 5. Stromverbrauch, 6. Einsatz regenerativer Energie, 7. Gesamtbewertung. terstützung der Fraport AG ist er mit 3.500 Euro dotiert und wird an jeweils drei Vereine vergeben. Ihnen muss es gelungen sein, über bauliche sowie benutzerorientierte Maßnahmen eine Verringerung der energie- und ressourcenbezogenen Betriebskosten ihrer Sportstätte zu erreichen. Der Wettbewerb fokussiert dabei die Verbesserung des Umweltmanagements, der CO2-Bilanz, des Wärmeschutzes im und am Gebäude sowie die Verringerung des Stromverbrauchs und den Einsatz regenerativer Energien. Das Preisgeld muss jeweils für zweckgebundene Maßnahmen eingesetzt werden, die zur weiteren Verbesserung der Energieeffizienz des Sportvereins beitragen. „Das Qualitätssiegel soll dazu motivieren, weitere Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen und kann bei sukzessiver Anlagenoptimierung von Bronze über Silber bis zu Gold ergänzt beziehungsweise ausgetauscht werden“, erklärt Jens Prüller. Das Bestreben seines Geschäftsbereichs sei es, die Sportanlagen energetisch zu optimieren, den Klimaschutz in den Sportanlagen sowie die Sensibilität bei den Vereinsmitgliedern zu verbessern. Seminare und Partnerschaften Die Beratungen des Landessportbundes sind, im Gegensatz zu vielen kommerziellen Angeboten, nicht verkaufsorientiert und daher objektiv. Dennoch ist der lsb h einige UnternehmensPartnerschaften eingegangen. „Es hilft uns, immer auf dem neuesten Stand zu sein, zu wissen, welche Trends gerade aufkommen und welche Neuerungen anstehen“, sagt Prüller. Davon profitieren auch die Vereine: „Wir laufen dadurch keine Gefahr, bei Beratungen Produkte zu empfehlen, die demnächst überholt sein könnten oder von denen wir mit- bekommen haben, dass sie Probleme machen.“ Zudem, sagt der Geschäftsbereichsleiter, hätten die lsb h-Partnerfir- men noch mehr Detailwissen. „Gerade wenn es um seltenere Problemstellungen geht oder ein Verein ganz konkrete Fachfragen hat, können wir an unsere Partner verweisen.“ Sportstätten Zudem lädt der Geschäftsbereich regelmäßig zu Seminaren ein, die dank der Partner kostenfrei – fit für die Zukunft? sind. Ob Kunstrasenplatz, Hallenheizung oder Boden- beläge – der Landessportbund und die jeweilige Firma in- formieren dabei über Hintergründe und aktuelle Entwicklun- gen. Meistens finden die Seminare zudem in einer Sportstätte statt, in der die Maßnahmen bereits umgesetzt wurden. Klimaschutzpreis Zudem vergibt der Landessportbund Hessen einen Klimaschutz- und Energieeffizienzpreis für Sportanlagen. Dank Un- Isabell Boger Ansprechpartner im Überblick Die Mitarbeiter des Geschäftsbereichs Sportinfrastruktur stellen sich vor Jens Prüller koordiniert als Geschäftsbereichsleiter die Maßnahmen des lsb h im Geschäftsbereich Sportinfrastruktur. Er ist Ansprechpartner für die Sportstättenentwicklung, Naturschutzfragestellungen und das Sonderförderprogramm „Klimaschutz- und Kosteneinsparmaßnahmen im Sportverein“. Telefon 069/6789-277, E-Mail: jprueller@lsbh.de Matthias Schwing vertritt den Geschäftsbereichsleiter und ist als Energie- und Sportstättenberater Ansprechpartner bei technischen Fragen. Telefon 069/6789-330, E-Mail: mschwing@lsbh.de Michael Willig ist Ansprechpartner für die Organisation und Koordination der Sportstättenberatungen und Veranstaltungen sowie die Öffentlichkeitsarbeit im Geschäftsbereich. Telefon 069/6789-416, E-Mail: mwillig@lsbh.de Frank Grübl betreut den Verkauf der Handbuchreihe „Zukunftsorientierte Sportstättenentwicklung“, betreut den Internetauftritt des Geschäftsbereichs und ist Ansprechpartner für Veranstaltungen und Bauleitplanungen. Telefon 069/6789-266, E-Mai: fgruebl@lsbh.de 0115717 Schulsport · Vereinssport · Fitness · Therapie SIH 02 / 23.01.2016 Jetzt GRATIS Katalog anfordern Tel. 05357–18186 Sport-Thieme.de

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10 T I T E L T H E M A : S P O R T I N F R A S T R U K T U R Öko-Check: Alles auf dem Prüfstand Bei der kostenlosen Energieberatung des Landessportbundes erhalten Vereine Tipps, wo sie sparen und gleichzeitig die Umwelt schonen können In Hessen gibt es tausende Sportstätten: Sportplätze, Tennishallen, Reithallen, Turn- und Mehrzweckhallen, Hallen- und Freibäder. Eine Vielzahl davon ist in Vereinsbesitz – und häufig schon etwas in die Jahre gekommen. Mit seiner kostenlosen Sportstättenberatung unterstützt der Landessportbund Hessen e. V. (lsb h) die Vereine dabei, den Sanierungsbedarf zu ermitteln und so Energie und Kosten einzusparen. Ein Tag mit lsb h-Berater Matthias Schwing. „Hier war ich schon mal“, sagt Matthias Schwing, als er auf den Parkplatz fährt. Er öffnet die Autotür, steigt aus, schießt erste Fotos. Die Flutlichtanlage – klick. Das Hallendach – klick. Die Queransicht des Gebäudes – klick. Aus dem Gastraum des FSV Münster, Sportkreis Darmstadt-Dieburg, kommt Peter Samoschkoff. Der Vereinsvorsitzende freut sich. „Schön, dass Sie da sind“, sagt er zu Schwing. Für den ist dieser Besuch Routine. Rund 15 Tage im Monat ist er in ganz Hessen unterwegs. Von Bad Karlshafen ganz im Norden bis Neckarsteinach ganz im Süden gibt es kaum eine Gemeinde, die er noch nicht besucht hat. Oder besser: kaum eine Sportanlage. „Der Landessportbund bietet seit 1998 eine kostenlose Sportstätten-Beratung für seine Vereine an – das ist ziemlich einzigartig in Deutschland“, erzählt Schwing. Geld sparen – Umwelt schonen Unter dem Motto „Geld sparen – Umwelt schonen“ ist der sogenannte Öko-Check eines der am häufigsten nachgefragten Angebote. Auch der FSV Münster hat deshalb zu sich eingeladen. Im Vereinsheim, das momentan von den Mitgliedern bewirtschaftet wird, haben sich alle an einen Tisch gesetzt: Schwing, Vorsitzender Samoschkoff, die Rechnerin Rita Wandinger, die einen Stapel voller Unterlagen mitgebracht hat, und Gerhard Heil vom Sportkreis Darmstadt-Dieburg. Stolz berichtet Samoschkoff von der Solarstromanlage, die sein Verein vor fünf Jahren installiert hat. „Leider ohne Eigenverbrauch“, sagt Rechnerin Wandinger. „Können Sie in fünf Jahren umstellen“, entgegnet Schwing. Dann holt er seinen Fragbogen hervor. Wann wurde das Vereinsheim gebaut? Wohin geht das Regenwasser? Wie viel Strom wurde im vergangenen Jahr verbraucht? Lassen sich die Flutlichter getrennt einschalten? Samoschkoff antwortet meist aus dem Stand. Er kennt seinen Verein, seine Sportanlage – und auch deren Schwachstellen. „Uns ist klar, dass wir modernisieren müssen“, sagt der Vorsitzende. Die kleine Gruppe erhebt sich, erkundet zuerst den Wirtschaftsbereich. „Alte Kühltheken wie diese hier fressen enorm viel Strom“, sagt Schwing. „Da muss man überlegen: Muss ich die Getränke wirklich zweimal kühlen? Hinten im Kühlhaus und hier?“ Der Vereinsvorsitzende schaut ein bisschen unentschlossen, nickt aber verstehend mit dem Kopf. Das Kühlhaus: „Ist ja selbstgebaut, und ich sehe hier nur Getränke drin. Wären da nicht zwei Kühltruhen sparsamer?“, fragt Schwing. Er ist kritisch, gerade jetzt am Anfang. Deshalb ist Samoschkoff ganz stolz, als er den neuen Herd präsentieren kann: „Mit Induktionsfeld – sehr energiesparend.“ Schwing lässt sich nicht beeindrucken. Er macht seine Notizen, schießt immer wieder Fotos mit der kleinen Digicam. „Es bringt ja nichts, wenn ich Lob verteile. Wichtig ist, dass wir gemeinsam die Problemstellen erkennen und ich Tipps geben kann, wo sich Energie und damit auch Geld einsparen lässt“, erklärt er später. Wichtige Hinweise Im Heizungsraum ist der lsb h-Mitarbeiter größtenteils zufrieden. „Was Ihnen aber zum Problem werden könnte, ist dieses Mischwasserthermostat“, erklärt er, „wenn es kaputt ist, darf es nach den heutigen Richtlinien nicht mehr ersetzt werden.“ Samoschkoff ist überrascht. „Solche Hinweise sind wichtig“, sagt er. „Dann können wir jetzt schon überlegen, wie wir mal damit umgehen.“ Anschließend werden alle etwas entspannter: Schwing findet die Toiletten „in Ordnung“, als er eine der Duschen andreht, fragt der Vereinsvorsitzende schmunzelnd: „Soll ich Ihnen ein Handtuch bringen?“ Weiter in der Turnhalle. „Sie haben boden- OBEN Energieberater Matthias Schwing (Mitte) erfasst während des Gesprächs wichtige Daten und Fakten. NÄCHSTE SEITE Vereinsvorsitzender Peter Samoschkoff freut sich, dass Schwing mit der Heizungsanlage größtenteils zufrieden ist. Fotos: Isabell Boger Sportstätten – fit für die Zukunft? SIH 02 / 23.01.2016

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TITELTHEMA: SPORTINFRASTRUKTUR nahe Sportarten“, sagt Schwing und zeigt auf die bunte Ringermatte. „Sie brauchen Wärme bis maximal 2,50 Meter Höhe – da bietet sich eine Deckenstrahlungsheizung an“, erklärt er. Die Vereinsverantwortlichen machen sich eifrig Notizen. Das, sagt Schwing, sei aber eigentlich gar nicht nötig: Nach der Beratung bekommt jeder Verein einen Auswertungsbogen: Wo in der Halle gibt es Schwachstellen? Welche Kosten (Wasser, Strom oder Heizung) erscheinen besonders hoch und woran könnte das liegen? Schwing und seine lsb h-Kollegen listen aber auch auf, welche Maßnahmen wie schnell notwendig sind – und wann sie sich amortisieren. „Die neue Technik muss zum Verein passen“, sagt der Sportstätten-Berater. Objektiv und erfahren Sein größtes Kapital ist seine Erfahrung – und seine Objektivität. Immer wieder rät Schwing zwar dazu, mal bei der einen oder anderen Firma anzufragen und sich ein Angebot machen zu lassen. Er ist dabei aber unabhängig. „Das gibt uns Sicherheit, schließlich kennen wir uns mit vielen dieser technischen Dinge überhaupt nicht aus“, sagt Rechnerin Wandinger. Für sie interessant seien auch die Hinweise auf Fördermöglichkeiten – durch das Land, den Landkreis, die Stadt und den Landessportbund. Am Ende müssen die beiden Vereinsverantwortlichen dann noch ein paar zusätzliche Fragen beantworten. Manchmal gibt es dabei kleine Diskussionen: Wie viele Vereinsmitglieder sind wirklich aktiv? Wie viele kommen mit dem Auto, wie viele zu Fuß? Und wie viele Liter messen eigentlich die Mülltonnen des Vereins? Ihre Antworten dienen dazu, den Verein zu zertifizieren: mit dem Qualitätssiegel „7 Sterne für den Klimaschutz in Sportanlagen“. Isabell Boger Der Landessportbund Hessen bietet den Vereinen und Verbänden auch kostenlosen Beratungsservice in anderen Bereichen an: Naturschutzrechtliche Genehmigungen / Naturschutzrecht; Lärmproblematik; Wasserberatung; Heizungsberatung; Beleuchtungsberatung; Neubau, Erweiterung und Sanierung von Sportstätten; Schulhofplanung; Rasen-, Kunstrasen- und Tennenplatzpflege; Agenda 21 im Sportverein. Aktuelle Informationen zum Geschäftsbereich Sportinfrastruktur sowie zur Energie- und Bauberatung für Vereine gibt es unter www. landessportbund-hessen.de/bereiche/ sportinfrastruktur SIH 02 / 23.01.2016 11 „Beratung absolut empfehlenswert“ Vier Fragen an Peter Samoschkoff, Vorsitzender des FSV Münster Sie haben gerade eine Öko-Check-Beratung in Anspruch genommen. Wie sind Sie auf dieses Angebot aufmerksam geworden? Ich habe vor einiger Zeit ein Seminar besucht, in dem es um verschiedene Fördermöglichkeiten für Vereine ging. Dort habe ich von der kostenlosen Öko-Check-Beratung des Landessportbundes gehört. Wie ich jetzt erfahren habe, ist diese Beratung zwar nicht Voraussetzung, um eine Förderung beantragen zu können. Schon jetzt, also noch vor der Auswertung, würde ich sie aber jedem Verein empfehlen. Man erfährt einfach, wo Modernisierungen nötig sind und welche sich auch rechnen. Warum ist eine Öko-Check-Beratung für Ihre Sportstätte nötig? Unsere Anlage, vor allem die Sporthalle mit Vereinsheim, ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Außerdem machen die Energiekosten – für Heizung, Wasser und Strom – einen großen Batzen unserer Ausgaben aus. Wenn wir hier etwas einsparen können, hilft uns das weiter. Schließlich ist mittlerweile auch in Vereinen alles eine Sache des Geldes. Wie hilfreich ist die Beratung des lsb h in dieser Hinsicht? Die endgültige Auswertung werden wir erst in wenigen Wochen vorliegen haben. Doch schon jetzt hat das Gespräch mit dem Berater Matthias Schwing etwas gebracht: Er hat uns viele Tipps und Hinweise gegeben – und das aus einem objektiven Blickwinkel heraus. Wenn die Auswertung ergibt, an welcher Stelle wir besonders gut sparen können, werden wir das dann auch umsetzen. Sie selbst kennen Ihre Vereinsanlage ja am besten. Gab es für Sie im Verlauf der Beratung trotzdem Überraschungen? Viele Schwachpunkte hatte ich ähnlich einge- schätzt. Aber es gab auch Überraschungen. In Hin- blick auf die Mischbatterie in der Duschanlage habe ich zum Beispiel gedacht: Ups, das ist gut zu wis- sen! Auch Herr Schwings Vorschlag, die Halle künf- tig mit einer Deckenstrahlungsheizung zu verse- hen, hat mich überrascht, aber überzeugt. Die alte Lüftung macht eh oft Ärger und verbraucht viel Energie. ib

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12 T I T E L T H E M A : S P O R T I N F R A S T R U K T U R „Viel Fachwissen nötig“ Rolf Hocke, Vizepräsident Vereinsmanagement, spricht im Interview über nachhaltige Sportstätten, Möglichkeiten der Förderung und Zukunftsperspektiven Herr Hocke, als Vizepräsident Vereinsmanagement sind Sie seit 2009 auch für den Bereich Sportinfrastruktur zuständig. Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit in Sportstätten? Sportstätten sind DIE zentrale Ressource für den Sport in Hessen: Ohne intakte Sportstätten kann kein Trainings- und Wettkampfbetrieb stattfinden. Als Landessportbund setzen wir deshalb schon lange auf nachhaltige Sportstätten. Meine hauptamtlichen Kollegen versuchen im Rahmen unserer Beratungen in den Sportanlagen individuelle Potenziale zu erschließen. Das gelingt bereits seit 17 Jahren. Wir sind bundesweit führend im Bereich Nachhaltigkeit. Verbessert werden kann Nachhaltigkeit im Sport ganz klassisch durch eine energetische Sanierung von Bestandsanlagen. Aber auch der Kauf und Verkauf von nachhaltig erzeugten Lebensmitteln und Sportgeräten sowie Fahrgemeinschaften zu Sportveranstaltungen können einen Beitrag leisten. „Individuelle Potenziale der Sportstätten erschließen“ – warum sollte ich dafür den lsb h ins Boot holen? Wegen unserer großen Erfahrung: Wir haben bei rund 2.500 Öko-Checkberatungen alleine in Hessen gelernt, dass in Sportanlagen erhebliche Potenziale stecken. Wir helfen den Vereinen, diese zu erkennen. Heutzutage ist in vielen Bereichen – von rechtlichen Vorgaben im Naturschutz bis zur Energieeinspar- oder Trinkwasserverordnung – Fachwissen nötig. Nicht in jedem Vereinsvorstand kann es dafür einen Experten geben. Genauso wenig kann man erwarten, dass sich ein Vorstandsteam neben der Organisation des sportlichen Ablaufs auch noch ausführlich mit energetischen oder klimaschutzrelevanten Fragestellungen befasst. Bei uns können die Vereine dieses Wissen aber abfragen. Schließlich haben wir uns auf diesen Bereich spezialisiert und können eine neutrale, kompetente Beratung anbieten. Sie ist zudem kostenfrei und mit vielen Handlungsempfehlungen versehen. Darüber hinaus haben wir in den letzten Jahren auch einen starken Kooperationsverbund aus Sport, Wirtschaft und Wissenschaft gegründet, um auch tiefgreifende Fragestellungen beantworten zu können. Bietet der Landessportbund auch finanzielle Hilfe? Ja, wir haben zwei Förderprogramme für energetische Baumaßnahmen: die Vereinsförderung über unseren Vereinsförderungsfonds und das Sonderförderprogramm für Klimaschutz- und Kosteneinsparmaßnahmen im Sportverein. Diese Mittel können zusätzlich zur Förderung des Innenministeriums, das die energetische Sanierung von Sportanlagen seit Jahren umfangreich fördert, und den Mitteln der Landkreise und Kommunen beantragt werden. Besonders froh sind wir, dass wir unsere Wartezeiten deutlich reduziert haben und die Mittel jetzt nach sechs bis neun Monaten ausgezahlt werden. Wir wissen jedoch auch, dass der Sanierungsstau im Bereich der Sportstätten laut Schätzungen des DOSB noch gigantisch ist und noch große Kraftanstrengungen notwendig werden. Wie sehen die Sportstätten der Zukunft aus? Leider kann ich Ihnen das nicht genau sagen! Fest steht aber: Es wird sich einiges verändern. Nicht zuletzt der Wandel der Sportnachfrage, die demografische Entwicklung und die Flüchtlingssituation machen Veränderungen am Bestand notwendig. Einen Königsweg gibt es wohl nicht, dazu sind die Bedingungen zu unterschiedlich: etwa im Rhein-MainGebiet im Gegensatz zu ländlichen Gegenden. Generell erwarten wir, dass sich das Sportstättenspektrum weiter ausdifferenzieren wird. Kooperationen und Zusammenschlüsse, insbesondere bei Mannschaftssportarten, werden ebenfalls Auswirkungen haben. Wir wollen und werden die Vereine jedenfalls auf ihrem Weg zu zukunftsorientierten Sportstätten begleiten. OBEN Individuelle Potenziale der Sportstätten erschließen – wie das geht, wird bei der Beratung des Landessportbundes vermittelt. Foto: Isabell Boger UNTEN Rolf Hocke ist als Vizepräsident des Landessportbundes auch für den Bereich Sportinfrastruktur zuständig Foto: lsb h Sport in der Natur ist heute sehr beliebt – ob im Wald oder auf Fließgewässern. Ist der lsb h auch in diesem Bereich Ansprechpartner? Der Sport – und dies trifft insbesondere bei unseren Natur- sportarten zu – braucht eine gesunde und intakte Umwelt. Gleichzeitig wissen wir, dass wir mit dem Sport in die Na- tur eingreifen. Leider hat der Verlust der biologischen Vielfalt bereits viele negative Auswirkungen. Daher ist es für uns ein Anliegen, in Bereichen, die wir beeinflussen können, unseren Beitrag zu leisten. Ein Beispiel ist die Beteiligung an Programmen der Landesregierung zur Verbesserung der biologischen Vielfalt Sportstätten – fit für die Zukunft? in Hessen. Hier kann der Sport ein guter Multiplikator sein. Im Bereich der hessischen Fließgewässer haben wir derzeit auch einige Probleme, die wir gemeinsam mit unseren Vereinen, Verbänden und den Ministerien zu klären versuchen. SIH 02 / 23.01.2016

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TITELTHEMA: SPORTINFRASTRUKTUR 13 Entlastung für die Vereinskasse Ein Beispiel aus Seligenstadt zeigt, dass man durch Modernisierung bares Geld sparen kann Geballte Kompetenz auf einem Fleck Alle zwei Jahre – dieses Jahr am 16./17. November – veranstaltet der Landessportbund Hessen die Fachmesse „sportinfra“ Am 16. und 17. November findet in Frankfurt die „6. sportinfra Sportstättenmesse & F achtagung“ statt. Interessierte Vereins- und Verwaltungsmitarbeiter von Städten, Gemeinden oder Landkreisen erhalten dort die Möglichkeit, sich über nachhaltige Sportstätten und Bewegungsräume zu informieren. Ein Ausblick. „Wege zu nachhaltigen Sportstätten und Bewegungsräumen – kooperieren, finanzieren, modernisieren“. Wer das Motto der Messe zum ersten Mal liest, kommt vielleicht ins Stutzen: Wie passt das Wort „kooperieren“ da hinein? „Ganz einfach“, sagt Jens Prüller, Geschäftsbereichsleiter Sportinfrastruktur beim Landessportbund Hessen: „Auch in Hessen ist der demografische Wandel inzwischen spürbar. Vor allem in ländlichen Gebieten haben Vereine Schwierigkeiten, genügend Jugendliche zusammenzubringen. Außerdem steht es um die finanzielle Situation vieler Städte, Gemeinden und Vereine schlechter als noch vor Jahren.“ Wo es möglich sei, böten sich deshalb Kooperationen an. Dafür müssten sich aber nicht nur Vereinsstrukturen ändern. „Auch die Sportstätten müssen an die veränderten Bedingungen angepasst werden“, sagt Prüller. Themenschwerpunkte der diesjährigen Messe sind deshalb unter anderem Vereinszentren, Vereinsfusionen und die Verbindung von Schulund Vereinssport. Doch natürlich stehen auch Klassiker wie Vereinsmanagement, Finanzierung und Förderung oder die allgemeine Sportstät- tenentwicklung auf dem Programm. Die Messe punktet dabei vor allem mit ihren zahlreichen kompetenten Ausstellern. „Hier finden Sie geballtes Fachwissen auf einem Fleck“, sagt der Geschäftsbereichsleiter. Er weiß aus den Vorjahren, dass vor allem die individuellen Beratungen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Sport bei den Besuchern gut ankommen. „Außerdem bietet die Messe einen guten Überblick darüber, welche neuen und innovativen Angebote es gibt, um Sportstätten noch nachhaltiger zu gestalten“, so Prüller. Neben den klassischen Messeständen organisiert der lsb h dieses Jahr rund 20 Veranstaltungen. Für rund ein Drittel davon holt er sich Partner ins Boot. „2014 gab es zum Beispiel ein Bäderforum“, erzählt Prüller. Durchgeführt wurde es von der „Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen“ (IAKS). „Wir selbst machen keine Bäderberatung, daher haben wir uns Experten dazugeholt.“ Das kommt an: Aus dem gesamten Bundesgebiet reisen die Besucher mittlerweile an. Prüller führt das auch auf die sukzessive Weiterentwicklung der Messe zurück. „Wir wollen immer besser werden und sind deshalb auch bereit, etwas zu verändern“, so Prüller. Einiges hat aber gute Tradition: Etwa, dass der erste Messetag mit dem „Sportgespräch“ sich eher an kommunale Vertreter und Sportkreis-Vorsitzende wendet. Am 17. November können dann die Vereinsvertreter ihr Wissen erweitern. Isabell Boger Öko-Check-Beratung schön und gut – doch tut sich nach der Beratung tatsächlich etwas? Ja! Das zeigt sich am Beispiel der SpVgg 1912 Seligenstadt. Jährliche Kosten von mehr als 6.000 Euro – so viel verursachte die 30 Jahre alte Gasheizung der SpVgg Seligenstadt bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 120.000 kWh. Das war für den 640-Mitglieder-Verein auf Dauer nicht mehr tragbar. Die Verantwortlichen hörten deshalb auf den lsb h-Berater – und bauten 2010 ein optimiertes Gasbrennwertgerät sowie einen Pufferspeicher ein. Zusätzlich wurde auf dem Dach eine thermische Solaranlage mit 20 m2 Nutzfläche installiert. Rund 150 Arbeitsstunden brachten die Mitglieder selbst ein. Die Gesamtkosten beliefen sich trotzdem auf 27.000 Euro. 26 Prozent davon brachte der Verein selbst auf, etwa gleich viel kam vom Landessportbund. Das Land Hessen, die Stadt Seligenstadt und der Kreis Offenbach bewilligten die restlichen Mittel. Neben dem Wunsch, die Betriebskosten zu senken, war es dem Verein wichtig, mit der Modernisierung einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Dafür nahm die SpVgg sogar höhere Anschaffungskosten der energieeffizienten Heizungsanlage in Kauf. 2.500 Euro pro Jahr gespart Das lohnte sich: Seit der Fertigstellung kann der Verein eine CO2-Entlastung von 1.800 Kilogramm pro Jahr vermelden. Die Kostenersparnis beträgt jährlich rund 2.500 Euro, der Ressourcenverbrauch wurde um die Hälfte gesenkt. Außerdem wurde der Verein 2014 mit dem lsb hQualitätssiegel „7 Sterne für den Klimaschutz“ in Silber ausgezeichnet. Doch damit nicht genug: 2014 fand eine weitere Öko-Check-Beratung statt: Dieses Mal ging es um die Wärmedämmung in den Bereichen Dach und Außenfassade sowie um energiesparende Beleuchtung. Außerdem sollen die Kellerräume im Vereinsheim komplett umgebaut werden: Wo früher eine Kegelbahn Platz fand, sollen nun neue Umkleideräume entstehen. Die Bauarbei- ten sollen 2016 abgeschlossen werden. ib SIH 02 / 23.01.2016

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14 Nachhaltiger Sportstättenbau Seminar zu Sportbodensystemen, Prallschutzwänden und neuen Outdoor-Sportbelägen Der Landessportbund Hessen veranstaltet gemeinsam mit seinem Kooperationspartner, der F irma Haro Sports F looring, am 10. März ein Fachseminar zu den Themengebieten „Sportbodensysteme nach DIN 18032-2 für verschiedene Sportarten, Prallschutzwände in Sporthallen, Pflegemaßnahmen für Sportbodenbeläge und die neuen Outdoor-Sportbeläge“. Gerade in Zeiten knapper Kassen ist die Wahl des richtigen Sportbodensystems mit allen Installationsmöglichkeiten und Wärmeschutzmaßnahmen entscheidend, um den Betrieb in Sport- und Mehrzweckhallen auch langfristig aufrecht erhalten zu können. Auch die Pflege der Sportbodenbeläge und die Installation von Prallschutzwänden spielen eine entscheidende Rolle. Zudem eröffnen neue Outdoor-Sportbodenbeläge die Möglichkeit, Sport ins Außengelände zu verlagern. Auf was es bei der Sanierung eines Sporthallenbodens und/oder einer Erweiterung einer Sportanlage ankommt und wie das ganze kostengünstig realisiert werden kann – darüber gibt das Seminar am 10. März Auskunft. So referiert Ludger Röbig von der Firma Haro Sports Flooring zu den Themen „ Indoor Sportbodensysteme nach DIN V 18032-2“ sowie über Prallschutzwände nach DIN 18032-1 und DIN 18032-3). Nach der Besichtigung des neuen Sportbodenbelages und der neuen Prallschutzwände der Sporthalle des Turnerbunds Wiesbaden J.P. folgt ein Vortrag über „Pflege und Maßnahmen zum Erhalt der Sportbodenbeläge“. Referent ist Markus Kenngott von der Firma Marob Hygienetechnik. Ludger Röbig informiert anschließend über „Out- door Sportbodenbeläge für Sportfreianlagen“, Jens Prüller, Geschäftsbereichsleiter Sportinfra- struktur des Landessportbundes, referiert über „Energetische Sanierung in Sportanlagen / För- derung von Sanierungsmaßnahmen“. Anschlie- ßend können die Teilnehmer diskutieren und Fragen stellen. ib Seminar im Überblick: Termin: 10.03.2016, 16-20 Uhr Ort: Sporthalle Turnerbund Wiesbaden J.P., Kurt-Schumacher-Str. 17, 65197 Wiesbaden Plätze: begrenzte Teilnehmerzahl (Reservierung erfolgt nach Eingang der Anmeldungen) Teilnahme: kostenfrei (Getränke und Imbiss inklusive) Anmeldeschluss: 03.03.2016 Anmeldungen für alle Seminare richten Sie bitte schriftlich an: Landessportbund Hessen e. V., Geschäftsbereich Sportinfrastruktur, Frank Grübl, Otto-Fleck-Schneise 4, 60528 Frankfurt am Main, Tel.: 069/6789-266, Fax: 069/6789-428, E-Mail: umwelt@lsbh.de TITELTHEMA: SPORTINFRASTRUKTUR Schulhof in Bewegung Seminar „Macht euren Schulhof fit für die Zukunft“ OBEN Der Schulhof bietet ungeahnte Möglichkeiten als Lebens- und Bewegungsraum. Foto: Degerfeldschule Butzbach Bewegung stellt insbesondere in Zeiten von Technisierung und Digitalisierung eine entscheidende psychische, physische und soziale Gesundheitsressource dar. Auch Schulen und Lehrer können dazu beitragen, den zunehmend motorischen Defiziten vieler Kinder aktiv zu begegnen. Nötig dafür ist ein anregendes und bewegungsförderndes Umfeld. Der Schulhof bietet hier ungeahnte Möglichkeiten als Lebens- und Bewegungsraum. Dafür darf er aber keine Betonwüste sein. Weil noch viel zu viele Schulhöfe eintönig, langweilig und teilweise in marodem Zustand sind, stellt der Landessportbund Hessen anhand von drei erfolgreich abgeschlossenen Schulhofgestaltungen in Nord-, Mittel- und Südhessen vor, wie man Schulhöfe multifunktional, bewegungsaktiv und naturnah gestalten kann. Neben Kurzreferaten zu „Veränderten kindlichen Lebenswelten und deren Auswirkung auf Bewegung, Lernen und Gesundheit“ und „Von der Sportentwicklungsplanung zum bewegungsfreundlichen Schulhof“ wird das jeweilige Schulprojekt vorgestellt – von der Vorplanung bis zur letzten Bauphase, Fördergelder, Sponsoren, aktive Mithilfe und Probleme. Michael Willig/ib Seminartermine: Butzbach: Montag, 18. April 2016, 14.30 – 16.30 Uhr, Degerfeldschule, Astrid-LindgrenStr. 2 Gernsheim: Dienstag, 19. April 2016, 14.45 – 16.45 Uhr, Peter-SchöfferSchule, Schulstr. 5 Neukirchen: Montag, 25. April 2016, 14.30 – 16.30 Uhr, Astrid-LindgrenSchule, SchulratVonholdt-Weg 1 SIH 02 / 23.01.2016

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TITELTHEMA: SPORTINFRASTRUKTUR 15 Sauberes Wasser, gepflegter Rasen Landessportbund setzt Seminarreihe „Zukunftsorientierter Sportstättenbau und -betrieb“ fort Spielen wie in Wimbledon Die Firma Sandmaster aus Wendlingen reinigt und pflegt Tennisplätze Der Landessportbund Hessen (lsb h) setzt seine Seminarreihe zum Thema „Zukunftsorientierter Sportstättenbau und -betrieb“ auch 2016 fort. Bereits jetzt kündigt der Geschäftsbereich Sportinfrastruktur in Kooperation mit verschiedenen Partnern mehrere Seminare an. „Trinkwasserhygiene in Sportstätten“ In Kooperation mit der Firma Pall GmbH lädt der lsb h alle interessierten Vereins- und Verbandsvertreter zum Seminar „Trinkwasserhygiene in Sportstätten“ ein. Es findet am am 16. März in der Frankfurter Sportschule, Otto-FleckSchneise 4, statt. Anmeldeschluss für das kostenlose Seminar ist am 9. März. Zuerst erhalten die Teilnehmer allgemeine Informationen zur Trinkwasserverordnung sowie zu Rechten und Pflichten (etwa der Meldepflichten) der Betreiber von Trinkwasseranlagen, beispielsweise in Sportanlagen. Referent ist Harald Jung von TWH-Analysen. Beim Vortrag „Gelebte Trinkwasserhygiene: Was tun bei Legionellen & Co. in der Trinkwasser-Installation?“ wird aufgezeigt, welche Maßnahmen ergriffen werden können und müssen, wenn eine Belastung des Trinkwassers festgestellt wird. So kann während der Sanierung von Sportstätten beispielsweise ein Pall Wasserfilter eingesetzt werden. Referent ist Pall-Produktmanager Sebastian Geyr. Abschließend informiert Jens Prüller, Geschäftsbereichsleiter Sportinfrastruktur beim lsb h, über entsprechende Beratungs- und Fördermöglichkeiten des Landessportbundes. Nach einer Abschlussdiskussion stehen die Referenten für Fragen zur Verfügung. „Kunststoffrasen und Überdachungen“ und Verbände. Die Seminare finden in Kooperation mit den Firmen Polytan GmbH und SMC2 im Sportpark Dreieich, An der Lettkaut/Am Bürgeracker 24, 63303 Dreieich, statt. Neben den allgemeinen Informationen über die verschiedenen Kunststoffrasensysteme bilden Qualitätsanforderungen, Bau und Pflege von granulatverfülltem Kunststoffrasen sowie Überdachungs- und Sportstättensysteme die Schwerpunkte des Seminars. Die Firmen Polytan GmbH und SMC2 werden einen Überblick über ihr allgemeines Tätigkeitsfeld vermitteln. Praktische Umsetzungstipps, die Vorführung von Pflegemaschinen und die Besichtigung eines Kunststoffrasenspielfeldes sowie die Besichtigung einer optisch ansprechenden TextilmembranTribünendachkonstruktion für 256 überdachte Sitzplätze runden diese kostenfreien Seminare ab. Anmeldeschluss ist der 13. April . „Moderne Kunststoffrasensysteme“ Um moderne Kunststoffrasensysteme geht es am Donnerstag, 2. Juni, 16-19.30 Uhr, auf der Sportanlage des KSV Baunatal (Parkstadion, Friedrich-Ebert-Allee 22). Zum kostenlosen Seminar lädt der Landessportbund in Kooperation mit der Firma Polytan GmbH interessierte Vereins- oder Verbandsvertreter ein. Anmeldeschluss ist der 26. Mai. Neben den allgemeinen Informationen über die verschiedenen Kunststoffrasensysteme bilden Qualitätsanforderungen, Bau und Pflege von granulatverfüllten Kunststoffrasen die Schwer- punkte des Seminars. Die Firma Polytan GmbH wird einen Überblick über ihr allgemeines Tä- tigkeitsfeld vermitteln. Praktische Umsetzungs- tipps, die Vorführung von Pflegemaschinen und die Besichtigung eines Kunststoffrasenspielfel- des runden dieses Seminar ab. ib Das Seminar „Kunststoffrasen sowie Überdachungs- und Sportstättensysteme“ wird gleich zweimal angeboten: am Mittwoch, 20. April (13-16.30 Uhr) für Kommunen und ebenfalls an diesem Mittwoch von 17-20.30 Uhr für Vereine Anmeldungen für alle Seminare an: Landessportbund Hessen, Geschäftsbereich Sportinfrastruktur, Frank Grübl, Otto-Fleck-Schneise 4, 60528 Frankfurt am Main, Tel.: 069/6789 - 266, Fax: 069/6789-428, E-Mail: umwelt@lsbh.de Verschmutzte und abgenutzte Tennisplätze bringen nicht nur Sorgenfalten auf die Stirn der Betreiber, sondern auch auf die der Spieler: Wer beim Ballwechsel auf jeden Schritt achten muss, um sich nicht zu verletzen, verliert schnell den Spaß. Und wer möchte nicht unter schönsten Bedingungen, fast wie in Wimbledon oder bei den French Open auf Rasen und Sand stehen? Dafür ist eine regelmäßige Wartung der Untergründe nötig. Offene Nähte oder Löcher sehen nicht nur schlecht aus – bei fehlender Pflege können auch Gefahren entstehen: Es folgt eine Moos- oder Algenbildung, wodurch die Drainagewirkung nicht mehr gegeben ist und die Rutschgefahr der Sportler steigt. Dies verhindert der lsb h-Partner Sandmaster durch spezielle sanfte Reinigungsverfahren für die jeweilige Sportfläche: Betonoder Acrylböden werden gleichmäßig mittels Drehwirbelverfahren gereinigt, KunstrasenTennisplätze werden wie auch andere Kunstrasenflächen aufgelockert und von groben Verschmutzungen wie Feinstpartikeln befreit. Eine Sonderleistung bietet Sandmaster bei besonders verhärtetenKunstrasenplätzenan.Wenn Verkrustungen des Bodenbelags aufgebrochen werden müssen, sind verschiedene Maschinentypen und Reinigungsverfahren im Einsatz: das Bürsten-Schwemmverfahren mit einer speziellen Nassreinigung, das Drehwirbelverfahren mit direkter Schmutzwasserabsaugung oder das einfache Hochdruckverfahren. Nachdem die Verhärtung entfernt wurde, wird neues Füllmaterial aufgebracht, eingebürstet und glattgezogen. Neben der intensiven Pflege sind auch Zusatzleistungen wie eine professionelle Analyse und das Erstellen von Wartungsplänen durch einen kompetenten Mitarbeiter möglich. Text/Bild: Sandmaster GmbH SIH 02 / 23.01.2016

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18 I N T E G R A T I O N Förderprogramm „Sport und Flüchtlinge“ Hessens Innen- und Sportminister Peter Beuth wendet sich in einem Schreiben an alle Vereinsvorsitzende / Bitte um Mithilfe Die Hessische Landesregierung hat zum Jahresbeginn 2016 das Förderprogramm „Sport und Flüchtlinge“ gestartet. Zunächst stehen zwei Millionen Euro zur Verfügung, um landesweit Sportangebote für Schutzsuchende zu fördern und sogenannte „Sport-Coaches“ einzusetzen. Warum sich das Land zu diesem Programm entschlossen hat, was genau es beinhaltet und wie wichtig die Rolle der Sportvereine bei der Integration von Flüchtlingen ist, erläutert Peter Beuth, Hessischer Minister des Innern und für Sport, in einem Brief an alle Sportvereine: Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Vereinsvertreterinnen und -vertreter, die große Zahl der Schutzsuchenden, die zurzeit zu uns kommen, stellt unsere gesamte Gesellschaft vor Herausforderungen. Die vielfältigen Sport- und Bewegungsangebote bieten sehr gute Möglichkeiten, Flüchtlingen schnell und unkompliziert das Ankommen in unserer Gemeinschaft zu erleichtern. Als Sportvereine leisten Sie – nicht nur in der aktuellen Flüchtlingssituation – unbezahlbare und unbürokratische Integrationsarbeit vor Ort. Für dieses Engagement möchte ich Ihnen meinen herzlichen Dank aussprechen. Die Hessische Landesregierung ist sich bewusst, dass dies nicht selbstverständlich ist. Die integrative Kraft des Sports und seine Möglichkeiten vor Ort haben uns bewogen, zusammen mit der Sportjugend Hessen im Landessportbund Hessen e. V. das Förderprogramm „Sport und Flüchtlinge“ aufzusetzen. In die Entwicklung des landesweiten Programms flossen die Erfahrungen und Erkenntnisse des gleichnamigen Modellprojekts der Sportjugend Hessen ein. Im Mittelpunkt des Programms stehen sogenannte Sport-Coaches. Diese bündeln die Interessen der Sportvereine, der Flüchtlinge sowie der Betreuer und Initiativen vor Ort. Dafür werden die Netzwerker eigens von der Sportjugend Hessen geschult. Der Einsatz von Sport-Coaches durch die Stadt oder Gemeinde ist eine unabdingbare Fördervoraussetzung. Antragsberechtigt sind zunächst Städte und Gemeinden. In Abhängigkeit der Anzahl der – in eigenen oder in Einrichtungen der Landkreise – untergebrachten Flüchtlinge können sie eine Förderung in Höhe von 5.000 bis 25.000 Euro erhalten. Städte und Gemeinden, in denen eine Erstaufnahmeeinrichtung, eine Außenstelle oder Notunterkunft besteht, können zusätzlich Mittel bis zu 25.000 Euro beantragen. gruppen für Flüchtlinge anleiten sowie für Sachmittel und Schulungsmaßnahmen. Erhält Ihre Stadt oder Gemeinde Fördermittel aus dem Programm, können diese auch an Sportvereine und weitere Institutionen, die entsprechende Angebote für Flüchtlinge anbieten, weitergegeben werden. Die jeweilige Stadt oder Gemeinde entscheidet jedoch grundsätzlich eigenständig darüber, für welchen der genannten Bereiche die Mittel verwendet werden. Wenden Sie sich daher bei Interesse bitte zunächst an Ihre Stadt oder Gemeinde. Gleichzeitig möchte ich Sie bitten, Ihre Stadt oder Gemeinde bei der Suche eines Sport-Coaches zu unterstützen – Sie kennen sicherlich Personen, die dafür in Frage kommen. Ergänzend stehen Ihnen hierfür Flyer und Plakate zur Verfügung, die Sie auf www.sportjugend-hessen.de bestellen können. Hier finden Sie zudem, wie auch auf der Internetseite des Hessischen Innen- und Sportministeriums (www. hmdis.hessen.de/sport), alle aktuellen Informationen zum Programm. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Volker Rehm, Beratung@sportjugend-hessen.de, Tel. 069/6789-245. Ich hoffe, dass wir mit dem bundesweit einmaligen Programm „Sport und Flüchtlinge“ einen wichtigen Beitrag für Ihre Arbeit vor Ort und die Integration in und durch den Sport leisten. Ich danke Ihnen bereits jetzt für Ihre Unterstützung und wünsche Ihnen und Ihren Familien ein erfolgreiches Jahr 2016! Die Fördermittel können eingesetzt werden für Aufwandsent- Ihr schädigungen der Sport-Coaches und Personen, die Sport- Peter Beuth OBEN Sportminister Peter Beuth (r.) und Sportjugend-Vorstandsmitglied Behzad Borhani sind sich einig: Sport kann bei der Integration eine wichtige Rolle spielen. Foto: HMdIS Mehr Informationen zum Programm „Sport und Flüchtlinge“ gibt es auch auf den Seiten der Sportjugend (S. 39) www.hmdis.hessen.de/sport SIH 02 / 23.01.2016

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28 I N K L U S I O N Netzwerke als wichtiger Schlüssel Kongress des Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes erörtert Chancen der Teilhabe Inklusion: Jeder ist willkommen“ – so lautete das Thema des 2. Sportkongresses des Hessischen Behindertenund Rehabilitations-Sportverbandes (HBRS) in der Franfurter Sportschule. In Referaten und Workshops wurden theoretische und praktische Erkenntnisse vermittelt, damit das gemeinsame Sporttreiben von Menschen mit und ohne Behinderung in Vereinen ganz selbstverständlich möglich wird. Denn Inklusion zielt auf eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und an der jeder gleichberechtigt und selbstbestimmt teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religionszugehörigkeit oder Bildung – und unabhängig von Behinderungen. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) verbrieft dieses Recht seit 2006. In Deutschland ist es erst seit 2009 gesetzlich verankert. Nicht reden, sondern handeln „Nicht soviel über Inklusion reden, sondern handeln“, mahnte HBRS-Präsident Gerhard Knapp (Heppenheim). „Inklusion ist eine Querschnittsaufgabe. Sie mit unseren Partnern umzusetzen, also in Netzwerken, kann für uns alle ein Gewinn sein.“ Im Tischtennis, Schwimmen, Fußball oder Golf sei Inklusion längst Praxis, befand der Präsident des rund 60.000 Mitglieder und etwa 600 Vereine zählenden Verbandes. Weitere Sportarten müssten folgen. Dabei sind Insellösungen kontraproduktiv, wie mehrfach verdeutlicht wurde. Hessens Innen- und Sportminister Peter Beuth: „Inklusion ist kein Projekt, das man an einem Tag stemmt und dann Erfolg hat.“ Vielmehr müssten Ängste und Vorbehalte bei allen Beteiligten – Behinderten, Vereinen, Schulen, Lehrern, Übungsleitern, Politikern – langfristig abgebaut werden. Dafür sei Geduld gefragt. „Wir müssen vor allem Barrieren in den Köpfen überwinden, das ist die entscheidende Frage“, so Beuth. fortschritte gemacht. Das Wichtigste ist, das man Menschen hat, die handeln.“ Professor Volker Scheid, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft der Uni Kassel, spürt, dass sich nach den ersten Irrungen und Wirrungen der Schleier der Orientierungslosigkeit lüftet. Inzwischen seien reichlich Wegweiser auf dem Markt. Scheid: „Wir entwickeln jetzt Modelle für inklusive Pädagogik.“ Mit der Uni Gießen hat er eine Rezeptur für inklusiven Schulunterricht entworfen. Darin enthalten sind praktische Tipps für sieben Unterrichtseinheiten in fünf Bewegungsfeldern. Darunter Schwimmen, Basketball, Werfen und Springen sowie Bewegungsparcours. Sie orientieren sich an Stärken und Defiziten der Zielgruppe. Keine Patentrezepte „Das Prinzip der Individualisierung ist ein Problem für sich“, urteilte Scheid. Seriöse Wegweiser hüteten sich deshalb vor Patentrezepten. Der Zuschnitt von Angeboten sei immer abhängig von der Zielgruppe, lokalen Gegebenheiten (barrierefreie Sportanlagen) und Netzwerken vor Ort. Die Landesregierung habe mit einer Stabsstelle Sport für Menschen mit Behinderung und Inklusion reagiert. Hessen stand auch an der Spitze einer Kommission, die jetzt für die 16 Bundesländer Handlungsempfehlungen entwickelt hat. Peter Beuth, lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller und Gerhard Knapp unterzeichneten zu Beginn des Kongresses eine Absichtserklärung „Inklusion im Sport in Hessen“. Ebenfalls eingebunden sind Special Olympics, der Gehörlosenverband, die Uni Kassel sowie die Sportjugend Hessen, die bereits seit 1988 inklusiv arbeitet. Rolf Müller dazu: „Wir haben Riesen- Neben Ängsten und Missverständnissen erweist sich die mangelhafte Qualifikation der Multiplikatoren in Schulen und Vereinen, vor allem der Lehrer und Übungsleiter, als Bremse für die Inklusion. „Das ist eine große Herausforderung, vor der wir stehen. Wir brauchen qualifizierte Fachkräfte“, forderte Scheid. Denn er weiß: Viele Lehrkräfte an Grund- und Sonderschulen berichten zwar von Erfahrungen mit Inklusion, halten sich selbst jedoch für nicht qualifiziert. Hans-Peter Seubert OBEN Innenminister Peter Beuth (v.l.), lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller und HBRS-Präsident Gerhard Knapp unterzeichneten beim Kongress eine Absichtserklärung „Inklusion im Sport in Hessen“. Foto: Eckhard Cöster SIH 02 / 23.01.2016

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