Mensch und Mund 3_2017

 

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Rauchen, Schleimhaut, Parodontitis

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5. Jahrgang · Ausgabe 3/2017 MMeennsscchh&&MMuunndd Ganzheitliche ZahnMedizin für interessierte Patienten Bildquelle: wikipedia H. Heath, 1827 Rauchen – Risiko für Ihre Mundgesundheit 1

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Mensch & Mund Ihre Zähne würden niemals rauchen Die Risiken des Rauchens sind hinlänglich bekannt, sollte man meinen. Doch auch die Mundgesundheit von Zunge, Zähnen, Zahnfleisch wird durch Rauchen beeinträchtigt. Die Auswirkungen sind unappetitlich, schmerzhaft – und gefährlich. Nutzen Sie unterstützende Angebote – und bitte hören Sie auf zu rauchen! Bildquelle: wikipedia/Tomasz Sienicki Karies Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit – hinter dieser allgemein gehaltenen Warnung verbergen sich die unzähligen negativen Auswirkungen des Rauchens auf alle Teile des menschlichen Körpers. Tabakrauch enthält Tausende giftiger Substanzen – und sie alle passieren beim Einatmen des Rauches die Mundhöhle und den Rachenraum, bevor sie in die Lunge gelangen. Dadurch wird der Mund- und Rachenraum in vielerlei Hinsicht beeinträchtigt oder gar geschädigt. Im Folgenden zeigen wir Ihnen die wichtigsten Auswirkungen auf. Allen gemeinsam ist: Sie beeinträchtigen Ihre Lebensqualität und Ihr Wohlbefinden. Im schlimmsten Fall verkürzen Sie sogar Ihr Leben. Ästhetik und Wohlbefinden Ein ansprechendes Äußeres – dazu gehören auch gesunde Zähne – ist gut für das Selbstwertgefühl. Doch leider wirkt Rauchen in die entgegengesetzte Richtung: Verfärbte Zähne und Lippen und eine belegte Zunge wird kaum jemand als attraktiv empfinden. Hinzu kommt: Raucher leiden öfter als Nichtraucher unter Mundgeruch. Doch nicht nur die Menschen in der Nähe von Rauchern sind betroffen, natürlich auch jeder Raucher selbst: Weil Rauchen den Geruchs- und Geschmackssinn stört, werden Geschmacksnuancen beim Essen und Trinken oft nicht wahrgenommen. Viele sehen darüber hinweg, aber empfindliche Zähne, Zahnschmerzen und Schmerzen im Mund lassen sich nicht gut verdrängen. Solche Zahnschmerzen rühren oft von Karies her, denn Rauchen erhöht das Risiko, an Karies zu erkranken. Dabei macht, wie so oft, die Dosis das Gift: Je mehr Tabak konsumiert wird, umso höher steigt das Risiko. Entsprechend ist zu beobachten, dass Raucher im Durchschnitt mehr Zähne mit Füllungen haben, und sie erleiden infolge von Karies auch häufiger einen Zahnverlust als Nichtraucher. Lippen-KieferGaumenspalten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sind die häufigsten Fehlbildungen im Kopfbereich bei Neugeborenen. Raucht eine Frau während der Schwangerschaft, hat ihr Kind ein doppelt so hohes Risiko wie das Kind einer Nichtraucherin, mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren zu werden. Das Risiko ist umso größer, je mehr Zigaretten die Mutter täglich raucht. 2 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 3/2017

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Parodontalerkrankungen Zahnverlust ist auch die Gefahr bei Parodontalerkankungen, also Entzündungen des Zahnfleisches im Umfeld des Zahnhalses bis hinunter zum Kieferknochen, der den Zahn hält. Es zeigt sich, dass Raucher ein bis zu 15-mal höheres Risiko haben – je mehr geraucht wird, desto ungünstiger ist es. Besonders tückisch: Während normalerweise immer Zahnfleischbluten als Warnsignal für Parodontalerkrankungen gilt, können Raucher dieses Warnzeichen oft nicht an sich feststellen – weil Rauchen die Blutgefäße verengt, auch im Mund, wird Zahnfleischbluten unterdrückt. Keine gute Nachricht, denn eine Parodontalerkrankung wird dann möglicherweise zunächst nicht ernst genommen. Schreitet die Erkrankung fort, lockern sich die Zähne häufiger als bei Nichtrauchern. Selbst die Therapieerfolge sind geringer. Auch das hängt mit der gestörten Durchblutung im Mundraum zusammen. Weniger Durchblutung bedeutet: Es gelangt weniger Sauerstoff zum Zahnfleisch. Und wenn zu wenig Sauerstoff in die Zellen gelangt, kann auch der Zellstoffwechsel nicht so stattfinden, wie er für eine gute Wundheilung unbedingt nötig ist. Deshalb verlieren Raucher oft Zähne, die ein Nichtraucher nicht verloren hätte. Implantate Ist ein Zahn verloren, so sollte er ersetzt werden, um die Funktion von Gebiss, Kauapparat, damit verbunden des gesamten Haltungsapparats des Körpers, und natürlich die Möglichkeit des guten Kauens und Verdauens zu erhalten. Implantate haben inzwischen bei Nichtrauchern eine Erfolgschance von 90 % – bei starken Rauchern können die Erfolgsaussichten bis zu einem Drittel niedriger sein. Schuld ist auch hier die schlechtere Wundheilung. Verschärfend kommt hinzu, dass Raucher auch ein höheres Risiko tragen, dass sich der Kieferknochen im Umfeld von Implantaten abbaut. Systemische Orale Medizin Bildquelle: wikipedia THOR Mensch & Mund Veränderungen der Mundschleimhaut Die eher ästhetisch bedenklichen Verfärbungen an Zähnen, Lippen und Zahnfleisch sowie eine belegte Zunge sind zwar allein schon unschön, viel folgenreicher sind allerdings die Veränderungen der Mundschleimhaut. Dabei spielen die Speicheldrüsen eine entscheidende Rolle: So finden sich schon nach dem Rauchen einer einzigen Zigarette große Mengen krebserzeugender Substanzen im Speichel. Je mehr geraucht wird, umso mehr Schadstoffe sind im Speichel. Prothesenträger haben dann vermehrt mit Entzündungen zu kämpfen. Diese Substanzen können aber auch zu sogenannten Präkanzerosen führen, also zu Veränderungen der Mundschleimhaut, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Jahre in Krebs umwandeln. Raucher haben wesentlich häufiger solche Veränderungen als Nichtraucher. Die häufigste Präkanzerose im Mundraum ist der weiße Fleck (Leukoplakie), vor allem am Mundboden und in der Wange. Leider treten diese potenziell lebensbedrohlichen Veränderungen umso häufiger auf, je mehr geraucht wird und je mehr Alkohol beim Rauchen konsumiert wird. Krebs Nicht nur die Lunge wird durch Rauchen gefährdet: Rauchen kann auch Krebs an den Lippen, im Mundraum, an der Zunge, an den Speicheldrüsen und im Rachen verursachen. Das ist lebensbedrohlich: Im Jahr 2008 war in Deutschland Krebs in der Mundhöhle und im Rachen bei Männern die sechsthäufigste Ursache für einen Tod durch Krebs. Auch hier gilt leider eine ungute Wechselwirkung mit Alkohol: Raucher – insbesondere, wenn sie gleichzeitig viel Alkohol konsumieren – erkranken statistisch gesehen rund 15 Jahre früher als Nichtraucher und Nichttrinker an Mundkrebs und sterben entsprechend früher. Von den damit verbundenen Qualen gar nicht zu reden. 3

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Mensch & Mund Der erste Schritt zum Nichtraucher Um im Bild zu bleiben: Diese Fakten sind starker Tobak. Doch wir möchten keine Panik verbreiten, denn Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber. Viel besser ist es, sich der Situation zu stellen und Schritte zu unternehmen, um mit dem Rauchen aufzuhören. Ein guter erster Schritt ist zum Beispiel, bei Ihrem nächsten Besuch mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt zu sprechen. Denn Sie sind nicht allein: Es gibt viele Möglichkeiten und unterstützende Angebote für alle, die mit dem Rauchen aufhören möchten. Denken Sie immer daran: Gründe für das Nichtrauchen gibt es so viele – Ihre Mundgesundheit ist ein ganz wichtiger Grund, und Ihre Allgemeingesundheit obendrein. Gute Auswirkungen direkt spürbar Wenden wir uns deshalb endlich einer guten Nachricht zu: Wer mit dem Rauchen aufhört, tut praktisch mit sofortiger Wirkung etwas Positives für seine Gesundheit. Ehemalige Raucher fühlen sich körperlich rundum wohler und leistungsfähiger – wer nicht mehr raucht, verbessert seine Lebensqualität. Mehr noch: Ein Rauchstopp senkt sofort das Risiko für verschiedene Krebsarten (vor allem Lungenkrebs), für Herz-Kreislauferkrankungen und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD). Speziell im Mundbereich senkt ein Rauchstopp das Risiko von Parodontalerkrankungen, Zahnverlust und Implantatverlust, Leukoplakien und Mundhöhlenkrebs. Es lohnt sich also immer, auf das Rauchen zu verzichten! Rauchfrei und unterstützend Eigentlich gibt es nur einen Weg zum Nichtraucher – nicht mehr rauchen. Doch klar ist auch: Das ist leichter gesagt als getan. Weil Rauchen sowohl eine körperliche Komponente (Suchterscheinungen) als auch psychologische Auswirkungen hat (bestimmte Situationen erscheinen besonders verführerisch), eignet sich am besten auch eine Kombination aus körperlichen und psychologischen Verfahren (Verhaltenstherapie), wenn das Rauchen dauerhaft der Vergangenheit angehören soll. Mit Verhaltenstherapie wird dabei umschrieben, was viele Menschen auch als Entwöhnungsgruppe bezeichnen würden. Dabei geht es darum, zunächst sich selbst zu beobachten und zu klären, warum genau man eigentlich raucht. Dadurch verliert das Rauchen seinen Automatismus, es wird durchschaubar, kontrollierbar und damit auch überwindbar. Als zweiter Schritt erfolgt der Rauchstopp – am besten komplett; ein langsames Ausschleichen ist nicht so erfolgversprechend. Die dritte Phase ist wahrscheinlich die größte Herausforderung: Der Erfolg muss langfristig gesichert werden, ohne dass man wieder in alte Verhaltensmuster zurückfällt und womöglich wieder anfängt zu rauchen. Dieser langfristige Erfolg lässt sich unterstützen. Bekannt sind Nikotinkaugummis und Nikotinpflaster, aber auch Medikamente können nach ärztlicher Verordnung bei der Entwöhnung angezeigt sein. Zwei weitere Verfahren sind zwar nicht evidenzgestützt, viele Ex-Raucher schwören aber auf die Wirksamkeit. Die Rede ist von Akupunktur und Hypnose. Beide unterstützen das aktive Aufhören, bieten also in der Phase 2, dem tatsächli- chen Rauchstopp, für viele Menschen die entscheidende Hilfe. Auch wenn immer wieder bemängelt wird, dass Langzeitstudien fehlten, lohnt sich die Beschäftigung mit Akupunktur und Hypnose immer wenn Sie eine grundlegende Affinität zu alternativen Formen der Gesundheitsversorgung haben oder überhaupt ein aufgeschlossener Mensch sind. Dann dürfte es Ihnen auch leichter fallen als vielen anderen, das Rauchen tatsächlich zu beenden. Holen Sie sich Rat Wie gesagt: Das Gespräch mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt ist ein guter erster Schritt in Ihre rauchfreie und gesunde Zukunft. Stellen Sie Ihre Fragen, erörtern Sie Ihre Bedenken, und lassen Sie die Informationen auf sich wirken. Und wenn Sie so weit sind, dass Sie Ihr Leben rauchfrei genießen möchten, werden Ihre Zahnärztin und Ihr Zahnarzt alles tun, um Sie dabei zu unterstützen. Im Interesse Ihrer Gesundheit – und Ihrer Lebensfreude. ... nein, Herr Busch, das ist doch wohl eher umgekehrt ... Holen Sie sich Hilfe! Hier finden Sie Unterstützung für einen Rauchstopp:  Rauchertelefon des DKFZ: +49 6221 424200 Mo–Fr 14–17 Uhr normaler Telefontarif  Rauchertelefon der BZgA: +49 1805 31313 Mo–Do 10–22 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr (0,14 €/min aus dem Festnetz, Mobilfunkpreis max. 0,42 €/min)  Arbeitskreis Raucherentwöhnung (AKR): www.medizin.uni-tuebingen.de/ukpp/akr 4 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 3/2017 Bildquelle: Wilhelm Busch

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Mensch & Mund Bildquelle: wikipedia/Rainer Zenz Mittelmeer-Diät senkt Risiko bei koronarer Herzkrankheit Menschen mit koronarer Herzkrankheit (verengte Herzkranzgefäße), die sich nicht nach den Grundsätzen der Mittelmeer-Diät ernähren, haben ein höheres Risiko für schwere und komplexe Erkrankungen ihrer Herzkranzgefäße. „Unsere Studienergebnisse verstärken die Evidenz für eine Herz-Kreislauf-schützende Wirkung der Mittelmeer-Diät“, sagt Dr. Christoph Waldeyer (Universitäres Herzzentrum Hamburg). Schwerpunkte dieser Ernährungsform liegen zum Beispiel auf Gemüse, Salat, Obst, Fisch, wenig rotem Fleisch, der Verwendung von Olivenöl und täglich nicht mehr als einem Glas Rotwein. Die Forscher hatten 1005 Patienten mit diagnostizierter koronarer Herzkrankheit untersucht und den Schweregrad und die Komplexität der Erkrankung gemessen. Zu Studienbeginn wurden mit einem Fragebogen zum Lebensstil der Patienten deren Essgewohnheiten erhoben und bewertet, wie sehr sie sich nach den Grundsätzen der Mittelmeer-Diät ernähren. Eine geringe Orientierung an der Mit- telmeer-Diät stand in einem eindeutigen Zusammenhang mit einem mittleren bzw. hohen Risiko für eine ausgeprägtere koronare Herzerkrankung. Diese Daten, so die Studienautoren, bestätigen die vorbeugende Wirksamkeit der MittelmeerDiät bei kardiovaskulären Krankheiten. Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie GZM – Sicherheit durch gezielte Qualitätsorientierung Die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) fördert die Kooperation zwischen Zahn-Medizin und Medizin und setzt sich stark für die Realisierung regionaler Netzwerke ein. Dazu organisiert und veranstaltet die GZM regelmäßig internationale Symposien und Kongresse. Die GZM fördert intensiv die Erforschung ergänzender Diagnose- und Therapiekonzepte und arbeitet aktiv daran mit. Qualifizierte Mitglieder der GZM haben eine umfangreiche Weiterbildung in verschiedenen Diagnose- und Therapieverfahren absolviert und sich einer Prüfung unterzogen. Eine Liste der qualifizierten GZM-Mitglieder nach PLZ-Bereichen finden Sie im Internet unter: www.gzm.org Wenn Sie 2,80 € in Briefmarken an die Geschäftsstelle schicken, erhalten Sie die Liste gerne auch per Post zugesandt. Dort sind auch weitere Broschüren zu verschiedenen Themen sowie Infopakete erhältlich. Bitte schreiben Sie an: Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin e. V. Kloppenheimer Str. 10 68239 Mannheim Tel.: +49 (0)621 48179730 Fax: +49 (0)621 473949 E-Mail: gzm@gzm.org www.gzm.org Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 3/2017 5

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Mensch & Mund Treppen steigen statt Aufzug Für einen starken Rücken zählt jede Bewegung Der Alltag bietet viele Chancen, sich zu bewegen und damit die Rückenmuskulatur zu stärken. Denn viele Menschen verbringen ihren Tag am Schreibtisch – häufig in Fehl- haltungen – und vernachlässigen den Ausgleich. Treffen schlecht trainierte Bauch- und Rückenmuskeln auf einen bewegungsarmen Alltag, können Rückenschmerzen die Folge sein. Rückenprobleme zählen zu den Volkskrankheiten: 80 bis 85 Prozent der Menschen in Deutschland leiden mindestens einmal in ihrem  Bewegt sitzen: Eine entspannte Sitzhaltung beugt Verspannungen vor, auch zeitweises „Lümmeln“ ist erlaubt. Wichtig ist, immer mal wieder be-  Balance halten: Wenn man in Bus oder Bahn steht, statt zu sitzen, und so das Gleichgewicht ausbalancieren muss, beansprucht und stärkt das die Mus- Leben an Rückenschmerzen. Besonders wusst die Sitzposition zu ändern. keln. Dabei immer eine Haltestange in betroffen sind Menschen, die ihren Arbeitstag vorm Computer verbringen. Sie sollten Bewegung in den Arbeitsalltag integrieren und für Ausgleich durch Sport in der Freizeit sorgen. Für einen starken Rücken empfehlen Orthopäden und Unfallchirurgen, neben Sport und einer rückenschonenden  5-Minuten-Pausen einlegen: Beim Arbeiten am Computer wirken sich kurze Unterbrechungen positiv auf die Rückengesundheit aus. Schon zweibis dreimal pro Stunde für 5 Minuten aufstehen reicht aus. Reichweite haben.  Entfernt parken und zu Fuß gehen: Legt man den Arbeitsweg mit dem Auto zurück, kann man einen entfernter liegenden Parkplatz nutzen. Dafür etwas mehr Zeit einplanen und die letzten 15 Minuten zu Fuß gehen. Haltung beim Heben, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen regelmäßig kleine Bewegungseinheiten in den Alltag einzubauen. Tipps für den Arbeitsweg  Täglich Treppen steigen: Fahrstuhl und Rolltreppe sind tabu, stattdessen  Fahrrad fahren: Erlaubt es die Entfernung, ist es ideal, für die Strecke zur Arbeit das Fahrrad zu nehmen. Damit ist das Transportmittel gleichzeitig die Treppe nehmen. Wer kann, sollte Sportgerät. Tipps für Bewegung am Arbeitsplatz am besten zwei Stufen auf einmal neh- men, das benötigt deutlich mehr Kraft. Sport in der Freizeit  Papierkorb an der anderen Seite des Zimmers aufstellen: So muss man aufstehen und kommt in Bewegung.  Drucker in einen anderen Raum stellen: Ein paar Schritte zum Drucker in den Nachbarraum sorgen für eine kleine Bewegungseinheit.  Sport soll Freude machen: Zum Bewegungsausgleich eignet sich grundsätzlich jede Sportart, die Spaß macht. Besonders geeignet sind Walking, Nordic Walking, Skilanglauf und Schwimmen. Dabei muss es nicht immer Rückenschwimmen sein, auch Brustschwimmen oder Kraulen sind geeignet.  Eine Station früher aus Bus oder Bahn aussteigen: So kann man sich noch etwas Bewegung verschaffen, indem man den restlichen Weg zu Fuß zurücklegt.  Bauch- und Rückenmuskulatur stär- ken: Bauch- und Rückenmuskeln las- sen sich am besten durch Training in sanften Ausdauersportarten aufbauen. Manche Krankenkassen bieten Kurse an und tragen zudem einen Teil der Kosten. Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e. V. 6 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 3/2017 Bildquelle: wikipedia/Coyau

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MMeennsscchh&&MMuunndd Mit ADHS zum Unternehmenserfolg Konzentrationsschwäche, Hyperaktivität, fehlende Selbstregulation – die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) äußert sich mit Symptomen, die auf den ersten Blick die Leistungsfähigkeit mindern. Andererseits werden immer wieder erfolgreiche Unternehmer mit ADHS in Verbindung gebracht.„Irgendwann fiel uns auf: Einige Symptome der Störung ähneln den Verhaltensweisen, die man gemeinhin als unternehmerisch bezeichnet – und zwar im positiven Sinn“, sagt Prof. Holger Patzelt vom Lehrstuhl für Entrepreneurship der Technischen Universität München (TUM). Gemeinsam mit Prof. Johan Wiklund von der Syracuse University (USA) und Prof. Dimo Dimov von der University of Bath (Großbritannien) befragte Patzelt 14 Selbstständige mit ADHS zu ihrer Diagnose, ihrer Arbeit und ihrem persönlichen Hintergrund. Die Studie zeigt, dass wichtige ADHS-Symptome ihre Entscheidung, eine Firma zu gründen, und ihr unternehmerisches Handeln maßgeblich beeinflussten: Impulsivität Menschen mit ADHS werden schnell ungeduldig. Langeweile in ihrem früheren Job nannten mehrere Befragte als Grund, sich selbstständig zu machen. So sind sie in der Lage, jederzeit ihre eigenen Ideen zu verfolgen. In Situationen, die andere Menschen ins Schwitzen bringen, wie etwa schwierige Gespräche mit wichtigen Kunden, blühen viele Befragte auf. „Ihre durch ADHS ausgelöste Impulsivität verschafft ihnen den Vorteil, auch in unvorhergesehenen Umständen zu agieren, ohne in Angst und Paralyse zu verfallen“, sagt Patzelt. „Eine ausgeprägte Bereitschaft, Neues auszuprobieren und Risiken einzuge- hen, ist eine wichtige unternehmerische Eigenschaft“, betont Patzelt. Zum Erfolg führte das impulsive Handeln der Befragten allerdings nur dann, wenn sie es auf Tätigkeiten fokussieren konnten, die wesentlich für die Firmenentwicklung waren. Einen Nachteil ihrer Impulsivität nannten alle Befragten: Probleme mit Routinearbeiten wie der Buchführung. Hyperfokus Sind Menschen mit ADHS an einer Aufgabe besonders interessiert, können sie eine außergewöhnlich intensive Konzentration auf diese Tätigkeit entwickeln, die Hyperfokus genannt wird. Ein Unternehmer berichtete, dass er oft völlig von der Arbeit absorbiert werde, wenn er neue Lösungen für seine Kunden suche. Ein anderer beschäftigt sich permanent mit den neuen Technologien seiner Branche und ist so zu einem gefragten Experten geworden. „Unternehmerinnen und Unternehmer können sich mit Leidenschaft, Beharrlichkeit und dem Fachwissen, das sie aufgrund dessen aufbauen, einen großen Wettbewerbsvorteil verschaffen“, sagt Patzelt. Hohes Aktivitätslevel Viele Befragte arbeiten Tag und Nacht, ohne sich Freizeit zu nehmen. Das liegt am Rausch, in den sie durch den Hyperfokus geraten, aber auch an der körperlichen Unruhe, die Menschen mit ADHS spüren. Die Unternehmerinnen und Unternehmer nutzen diese als Kraft für ihren großen Arbeitsaufwand. Da ihr Energielevel allerdings nicht gleichbleibend hoch ist, kommt ihnen die Selbstständigkeit entgegen, in der sie sich ihre Arbeit selbst einteilen können. Obwohl ein Drittel der Befragten mit ihrem Unternehmen scheiterte oder nur wenig Erfolg hatte, sieht Patzelt in diesem Forschungsergebnis einen wichtigen Anstoß, bisherige Annahmen der Wirtschaftswissenschaften zu überdenken: „Wie wir unternehmerische Entscheidungen beurteilen, richtet sich stark an Rationalität und positiven Ergebnissen aus. Doch können diese Entscheidungen im Angesicht einer unüberschaubaren Vielzahl an Unwägbarkeiten überhaupt immer rational sein? Menschen mit ADHS zeigen uns eine andere Logik, die vielleicht besser zu unternehmerischem Handeln passt.“ Quelle: idw Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 3/2017 7

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Mensch & Mund Dr. A. Lehnartz, C. Höchstetter Doc Alex‘ wunderbare Welt der Zähne Alles, was wir schon immer über Zähne wissen wollten Landwirtschaftsverlag GmbH Münster-Hiltrup 2016 Preis 19,95 €, Hardcover ISBN 978-3-7843-5427-9 Doc Alex räumt zusammen mit CoAutorin Cornelia Höchstetter mit Legenden und Mythen auf und erklärt anschaulich und einfach die Grundlagen der Zahnhygiene und unser Verhältnis zu unseren Zähnen. Wie war das noch mal mit den Putzbewegungen? Welche von den 389 Zahnpasten soll ich jetzt nehmen? Und warum in Gottes Namen macht der blöde Bohrer so ein fieses Geräusch? Doc Alex  beantwortet diese und viele andere Fragen humorvoll, ehrlich und treffend.  Spannend sind auch die Zahn-OrganBeziehungen, die gleich am Anfang des Buches dargestellt werden. Dank der vielen aussagekräftigen Illustrationen ist es eine Freude, in diesem Buch zu blättern und bereits dabei viel zu lernen. Informationen zu den verschiedenen Behandlungen beim Zahnarzt helfen zu verstehen, was auf dem Zahnarztstuhl im Mund passiert und damit Angst zu nehmen. Ein Buch für alle, die Ihre Mundhöhle und die zahnärztliche Therapie auf unterhaltsame Weise kennenlernen möchten. 8 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 3/2017

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