Frisches Ufo vor der Stadt 6

 

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Frisches Ufo vor der Stadt 6

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№6 Hot 2017 Starring: Elisabeth Thoma J a n Ö z t ü r k- Le t t a u Stephanie Mehnert Pitz Mena Standhaft H F Co l t e l l o a ka Der Stille 550 King Seb Dim asti itry a n Ve Lo re ck shc h a g i n t r y Anika Maaß Tex t Tr u l l a Luca Klaus A. Maria E rd o s t i t e r Sonja Gagel S y l v i e We l l e r Ko m m a n d e u r

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Kleines Büro, highest design. www.oberrang.com

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DerH a l l o , l o s j e t z t . G u t f ü r u n s : Stille Kommandeur h a t d e n K ü c h e n - m ä d c h e n -Tex t g e s c h i c k t . B i l d s c h ö n b e b i l d e r t (mit Candy und Knarre) vo n y o u n g Elisabeth Thoma. U n d b i t t e w e n n s c h o n Fo t o s , d a n n v o n Jan ÖztürkLettau u n d Anika Maaß. D i e g e h e n dorthin, wo es weh tut. Hier ist Ship 6… 3 Titel-Illustration: Sonja Gagel

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Die Küchenmädchen. 40 Minuten nach dem letzten Ton ihres Konzertes sind sie im Hotel. Sie haben sechs Zimmer. Alle sechs Zimmer sind im ersten Stock. Für fast jeden ein schönes Zimmer. Nur Mazzo schläft lieber im Bus. Denn im Bus sind noch Chips. Und die sind Mazzo viel wichtiger als so ein frisch bezogenes Bett und überhaupt so ein Zimmer. In den Zimmern ists ruhig. Alle versuchen, in den Schlaf abzusinken. Kurz nachdem alle so gut wie in den Schlaf abgesunken sind, kracht Krczyczs Zimmertür auf und alle sind wieder wach. Irgendetwas ist mit meinem Kopfkissen nicht in Ordnung, brummt Krczycz vor sich hin und stapft im langen Flur auf und ab. Peng, kracht die Zimmertür von Seppotage auf. Irgendetwas ist auch mit meinem Kopfkissen nicht in Ordnung, sagt Seppotage und geht mit Krczycz nun gemeinsam den Flur auf und ab. Es dauert nicht lange, bis Biene aus seinem Zimmer kommt und vor sich hin mault: Scheiß Kopfkissen, schwules Kopfkissen, ist nicht in Ordnung. Da kracht Steve Hahns Zimmertür auf. Ja ja dat wat!!!, schreit er im Flur rum und geht jetzt mit Krczycz, Seppotage und Biene den langen Flur auf und ab. Da krachen die Zimmertüren von Colt und Markus Köstner auf. Beide haben ihre Kopfkissen in der Hand. Leute..., sagt Markus Köstner und versucht zu beschwichtigen. Leute eh Leute... Vielleicht sollten wir..., fährt Colt dazwischen, ...auf die Zimmermädchen warten, …dass sie uns die Kopfkissen austauschen. Oder wir nehmen die Zimmermädchen als Kopfkissen, das wär auch nicht so schlecht. Okee, sagt Biene. Kann mit leben. Aber wann komm denn Zimmermädchen? Wahrscheinlich um neun, sagt Markus Köstner. Wie langs denn no bis neun? fragt Biene. Jetzt isses zwölf, sagt Seppotage. Also..., sagt Colt, ...noch ungefähr acht bis zwölf Stunden. Oder noch länger. Man weiß es nie ganz genau. Zu lange, sagt Biene. Wie gehn mal runter zum Empfang. Und schauen mal da nach. Im Gänsemarsch gehen sie die Treppe hinunter nach unten. Unten im Empfang ist niemand zu sehen. Okee, sagt Biene. Wie klauen mal alles, was wir gebrauchen können hier unten. Ja, sagt Markus Köstner. Ich glaube, hier kann ich eine Menge gebrauchen. Ja ja, dat is ja klar, sagt Steve Hahn. 4 Die Küchenmädchen · Text: HF Coltello aka Der Stille Kommandeur · Foto: A. Maria

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KDüiechenmädchen. (Fortsetzung) Krczycz klaut drei Flaschen Wodka aus der Hotelbar. Biene klaut eine Tischlampe, eine Stehlampe und einen Spiegel. Markus Köstner klaut ein paar Bücher und Steve einen Teppich. Dann gehen alle wieder nach oben und in Colts Zimmer. Bestaunen ihre Errungenschaften und saufen den Wodka. Vier Uhr morgens fragt Biene: Wann komm denn Zimmermädchen, muss schlafen langsam, wir müssma nach Stuttgart. Vielleicht..., sagt jetzt wieder Colt, …sollten wir die Zimmermädchen vergessen und mal runter in die Küche gehen, vielleicht sind die Küchenmädchen schon da, wir können die Küchenmädchen dann fragen. Sie gehen raus aus dem Zimmer und runter in die Küche. Die Küchenmädchen bereiten das Frühstück schon vor. Die Chefin der Küchenmädchen mustert die sechs ziemlich betrunkenen Männer. Sieht sie streng an. Seppotage tritt an sie heran und sagt: Wir wollten fragen, weil mit unseren Kopfkissen ist was nicht in Ordnung, können wir vielleicht die Küchenmädchen als Kopfkissen haben? Da holt die Küchenmädchenchefin aus und haut Seppotage voll eins ins Gesicht. Seppotage haut es nach hinten. Die Küchenmädchen schreien auf und eilen zu Seppotage. Seppotage liegt am Boden. Die Küchenmädchen tätscheln Seppotage die Wangen und ziehen an seinem Ohrring. Sie tätscheln so lange seine Wangen und ziehen an seinem Ohrring, bis Seppotage wieder lächelt. Nun sehen alle zur Küchenmädchenchefin hin. Wir wollten nur fragen..., sagt jetzt Krczycz sehr nüchtern zur Küchenmädchenchefin, ...ob wir sechs von den Küchenmädchen als Kopfkissen haben können, bei unseren Kopfkissen ist was nicht in Ordnung und wir müssen gleich früh weiter nach Stuttgart. Da dreht sich die Küchenmädchenchefin um und will auch Krczycz eins ins Gesicht hinein hauen. Sie holt großzügig aus, hat mächtig Schwung in ihrer Faust, erkennt aber plötzlich Krczyczs scharfkantiges Gesicht, hat Angst sich die Hand aufzureißen an Krczyczs scharf geschnittenen Zügen und bremst ihre Hand ab. Und da in diesem Moment packt Biene die Küchenmädchenchefin und sperrt sie in einen Schrank. Okee, sagt er ruhig, nachdem die Küchenmädchenchefin verstaut ist, ...Küchenmädchen komm eu mal mit mit die hübsche Jungs. Die Küchenmädchen gehen, ohne ein weiteres Wort der Nachfrage, mit den hübschen Jungs auf die Zimmer und legen sich quer über die Betten. Die hübschen Jungs legen ihre Köpfe auf die schönen Bäuche der Küchenmädchen. Die Küchenmädchen atmen ganz ruhig und die hübschen Jungs schlafen glücksselig ein. Gegen neun Uhr morgens kommen die Zimmermädchen, jagen die Küchenmädchen davon und schicken die hübschen Jungs weiter nach Stuttgart. 6 Die Küchenmädchen · Text: HF Coltello aka Der Stille Kommandeur · Foto: Elisabeth Thoma

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Fina Shop Stop. Ein schneeweißer Mercedes hält direkt vor der Automatic Door. Derart weißes Weiß und so dicht an der Automatic Door – sie öffnet sich. Tür öffnet Tür. Ich staune. Zwei Kerle springen raus. Drei-Tage-Bärte. Vier Ketten um die Hälse. Fünf vor zwölf. Friday I‘m in love. Zuhälter etwa? Albaner? Südstadt? IS? Nummernschild Niedersachsen. Oh, das bedeutet nichts Gutes. Warum bin ich nicht umgekehrt? Stattdessen zwänge ich mich am Kotflügel vorbei rein in den Schlamassel – Sogwirkung – schleiche in Richtung Kühlregal, sitz in der Falle. Die Kerle haben’s eilig. Ohoh. Ist das ein Überfall? Hier sind doch bestimmt Beobachtungskameras. For what? Bringt dem Erschossenen auch nix. Außerdem – ich kann jetzt nicht zurück, wie sieht das denn aus? Nachdem mich die Kerle fast über den Haufen gerannt haben. Nein, nein. Da bin ich dabei. Da bleib ich locker wie der Walters Klaus. »Zahlt wohl Vati die Leasingrate, wa? Diese Löcher-Jeans trägt man jetzt ja längentechnisch bis oberhalb des Knies. Schaut Scheiße aus bei euch«. Mir kribbelt’s leicht. Ich denk an Martina. »Musst du immer Bier an der Tanke kaufen?« Ich hätte vor Acht beim Edeka noch zwei … Dings … mein Leben zieht vorbei. Der Pfarrer aus Laupheim. Die Bombe von Manchester. Ohoh. Kerl 1 aus Niedersachsen baut sich auf und ruft: »Gibt’s Marshmellows hier?« Hinter dem Tresen drängen sich die Fina Shop-Angestellten zwecks Kassenrollenwechsel. Der kleine Dicke ist der Fina Shop-Pächter. Der brüllt zurück: »Nein!« »Warum nicht, Alda?« tönt Kerl 2 aus Niedersachsen. »Weil wir keine Zeit haben für so ’nen Scheiß.« Ohoh. »Kei-ne-Zeit-für-so-’nen-Scheiß. Klar? Kapito? Gut.« Der Fina Shop-Pächter grummelt noch was von »Marshmellow-Kartons schleppen«, »Marshmellow-Regale auffüllen«, »Marshmellows nachbestellen«, »Marshmellows womöglich anfassen müssen«. Wir gehen dann lieber wieder. Die zwei Kerle und ich. Die Automatic-Door still open. 8 Fina Shop Stop · Text: Erdostiter · Foto: oberrang

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Sevgili Babacığım Ich kaufe Luftballons und lasse sie fliegen. Mit jedem Ballon lasse ich einen Wunsch in den Himmel steigen. Hier am Kemeraltı Basar. Hier wo die Luft duftet, nach Tee, nach Gewürzen, nach Gegrilltem, nach Obst. Hier beim Uhrenturm wo die Kinder die Tauben füttern. Hier lasse ich meine Ballons in die Luft steigen, die erfüllt ist von Hupen, dem Schreien der Händler und dem Ruf des Muezzin. Ich wünsche den Ballons eine gute Reise – hier schüttet man Wasser hinter jemandem her, der sich auf eine Reise macht … die Reise soll so hindernislos verlaufen, wie das Wasser fließt. Hier lasse ich meine Ballons steigen, wo das Putzwasser nach Chlor riecht und sich in kleinen Rinnsalen den Weg nach unten sucht — Gute Reise und viel Glück … Oğlun In Izmir hat mir mein Papa gezeigt, dass man in der Türkei eine Straße dann sicher überquert, wenn man die Autofahrer nicht ansieht. 10 Sevgili Babacığım · Text: Jan Öztürk-Lettau · Foto: Jan Öztürk-Lettau/lumopix.de

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70 Richtung Barbados Fenster an Fenster, TÜr an TÜr. Ein Bau wie der Andere. Grau scheint die Welt. Auf dem Platz spielen Kinder, fast wie Leben! Hier in Nowa Huta. Einfach mit der 70 Richtung Barbados. Sie sehen dich an; und sie warten. Warten auf den Moment, wenn du den Blick erwiderst. Endlich! Du wirst es nicht tun. No we are gangster. We are dangerous. That’s why I want to take photographs of you. No! Ok. No. Und dann fÄhrst du wieder. Weg mit der 70. Weg von Nowa Huta. Nicht mehr Richtung Barbados. 12 70 Richtung Barbados · Text: Anika Maaß · Foto: Anika Maaß

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illegaler live-club unterm schwabacher stadtpark by erdostiter Angefangen hat’s mit einem heimlichen Konzert am ersten Juli-Wochenende (Samstag oder Sonntag). Und zwar trat im Gebäude Eisentrautstraße/Ecke Stadtparkstraße die wiedervereinte Underground-Gruppe OSBERT INCH AND THE LETHAL DOSE auf. Unbemerkt. Nicht einmal die Schwabacher Stadtwacht hat was mitbekommen. Die Nachbarschaft hielt dicht/war dicht/hatte man exklusiv eingeladen und abgefüllt. Paar Tage später dann Getuschel, der illegale Club sei umgezogen – und zwar – jetzt kommt‘s – unter den Schwabacher Stadtpark! (Völlig unmöglich!?) Erst hieß es, der Eingang würde sich gleich links hinter dem Ausschankbereich des Hörauf-Biergartens befinden, gut getarnt zwischen einer Hagebutten-Hecke und einer stark duftenden Scheinakazie. Stimmt aber nicht. Claude nimmt mich in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli mit. Im Stockfinsteren tasten wir uns durch den Park. Ich spür schlappe Äste im Gesicht. »Paar Schritte noch«, flüstert Claude. Runter geht’s also irgendwo bei Trauerweide und Weiher. »Obacht! Da liegen zwei Holzkrokodile im Gras«, warnt Claude. Schilf wankt in Zeitlupe im Gegenschummerlicht. Hier sind wir richtig. Ich staune. Zigtausend Glühwürmchen zieren im Spalier den Eingang. Sie bilden eine Art Leuchtlaufschrift – rhythmisch stakkatohaft wie ein Ticker: LIVE TONIGHT # THE FLOPPY FUTURE (UK) # BEER 2 € # DOORS 23 h. Gut gemacht, find ich. Eine morsche Leiter führt steil ins Erdinnere. »Die Macher des Ladens scheuen das nature-high-tech-mix keineswegs«, erklärt Claude. Unten treff ich Heike aus Gostenhof und Jan Bratenstein. Hat sich scheint’s schnell herumgesprochen. Erfreulich: es gibt Helles und Chips (cheese & onion), keine Rhabarberschorle, nirgends hängen Hirschgeweihe. »Plaudere das nicht aus, hörst du. Nicht, dass die Leute mit den Kistentrommeln hier demnächst aufschlagen«, mahnt Claude. Schön, dass Schwabach um eine versteckte Attraktion reicher ist. Seit dem NEW WAVE (80er-Kult-Disco) ist nicht viel passiert und im neuen JUZE wird nur noch gehäkelt. Freilich, Aushöhlen ist immer mit Vorsicht zu genießen. Das kennt man ja. Siehe Tiefgarage unter dem Marktplatz – dadurch extreme Schräglage der Stadtkirche. THE FLOPPY FUTURE waren großartig. Ich hab nach dem Set die Gelegenheit mit Ronny, einem der beiden Betreiber (Kunststudenten aus Stadtroda, Thüringen, Nebenberufler bei ELEKTRONIC STADTRODA) zu sprechen: »Wie kriegt ihr das mit den Glühwürmchen hin?« Ronny grinst: »Eischendlisch illegal.« 14 Illegaler LIVE-Club … · Text: Erdostiter · Foto: Anika Maaß

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