Christus König Halver Netzwerk 2017 Juli

 

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Description

Magazin der Pfarrei Christus König Halver-Schalksmühle-Breckerfeld-Dahl

Popular Pages


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christus könig netzwerk Magazin der Pfarrei Christus König Halver – Breckerfeld – Schalksmühle – Hagen-Dahl Ausgabe 2/2017 Unterwegs… vor Ort Pfarreientwicklungsprozess – Erste Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen Ökumene in der Welt Reise in die Sahelzone Reise auf die Philippinen im Internet Unsere neue Homepage Auch er ist unterwegs: Hirte aus der Sahelzone Foto: © Ralf Lothar Knop

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Editorial Inhalt 2 Inhalt/Impressum/Impuls 3 Geleitwort 4-6 Bericht von Zukunftstag/PEP 7 Aus der AG Ökumene 8-9 Ökumenischer Abend 10-12 Ökumenische Podiumsdiskussion 13 Handarbeitstreff 14-15 Reformation (Teil 3) 16-18 Reise in die Sahelzone 19 Leih dir was! Die Büchereiseite 20-21 Reise auf die Philippinen 22 Briefe aus Sodom 23 Termine 24 Neue Homepage Wie Sie uns erreichen Katholische Pfarrei Christus König Hermann-Köhler-Straße 15 58553 Halver, Telefon 0 23 53 / 37 30 Filialkirche Sankt Georg, Oberbrügge Gemeinde Sankt Jakobus Am Wehrgraben 7, 58339 Breckerfeld Telefon 0 23 38 /1316 Gemeinde Sankt Thomas Morus Hälverstraße 8, 58579 Schalksmühle Telefon 0 23 55 / 66 79 Gemeinde Herz Jesu Kallestraße 4, 58091 Hagen-Dahl Telefon 0 23 37/ 6 21 Impressum Herausgeber: Katholische Pfarrei Christus König, Hermann-Köhler-Straße 15, 58553 Halver, Tel. 0 23 53 / 37 30 Redaktion: Ascan von Bargen, Ralf Lothar Knop, Eva Koch, Maximilian Marx, Cornelia Nölle, Claus Optenhöfel, Heidrun Rediger, Dr. Johannes Sander. Mitarbeit an dieser Ausgabe: Ileana Beckmann, Anna Brosch, Moritz Pietzschke, Sandra Schnell, Ralf Wegerhoff, Barbara Wilk. Bilder: Falls nicht anders vermerkt: S. 13: Anna Brosch, Nicole Pulvermacher, Ann Vanhove, Silvia Wieprecht; Redaktionsteam, wikimedia commons. Kontakt: netzwerk@christus-koenig.de Herstellung: Heidrun Rediger, HR-Typo Mediengestaltung, Halver Internet: www.christus-koenig.de Hinweis: Die Redaktion behält sich aus technischen und inhaltlichen Gründen vor, Texte redaktionell zu bearbeiten oder zu kürzen. Namentlich gezeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers oder der Redaktion wieder. Über Leserbriefe freut sich die Redaktion, kann allerdings nicht in jedem Fall den Abdruck garantieren. Des Rätsels Lösung… In der Ausgabe 1/2017 des »netzwerk« gab es ein Osterrätsel für Kinder. Hier sind die Lösungswörter: 1. Osterhase 5. Ostereier 2. Jesus 6. Karfreitag 3. Osterkranz 7. Sonntags 4. Osterkerze 8. Fastenzeit Das nächste »netzwerk« erscheint Ende September 2017. Die Redaktion wünscht Ihnen einen wunderschönen Sommer! 2 netzwerk Firmung 2017 Sonntag, 17. September 11 Uhr Gemeinden Breckerfeld und Dahl 15 Uhr Gemeinden Schalksmühle und Halver Pfarrkirche Christus König in Halver Rund 50 Jugendliche empfangen an diesem Tag durch Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck das Sakrament der Firmung.

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Schöne Ferien! Mit solchen Wünschen werden sich viele Schülerinnen und Schüler in diesen Wochen voneinander verabschieden, auch in den Schulgottesdiensten. Ich wünsche auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser unseres PfarreiMagazins: Schöne Ferien! Nicht für jeden ist der Sommer unbedingt die große Ferienzeit. Aber Ferien – eine Auszeit – ein Luftholen brauchen wir alle. In den letzten Jahren habe ich gemerkt, wie das »dünner« wird: auch während der Sommerzeit verabreden wir uns zu diversen Arbeitsterminen, der Pfarreientwicklungsprozess muss zum Ende kommen – und, und, und. So wird es auch in diesem Jahr sein. Trotzdem: ein bisschen »Luft« braucht jeder. Ein gelassenes »in den Tag hinein leben« – vielleicht ist das Smartphone abgeschaltet oder liegt irgendwo weit weg. Erst solche »Luft« lässt wieder so atmen, dass ich spüre: Ich bin nicht erst wer, wenn ich »funktioniere« – mein Leben besteht nicht nur aus der Erfüllung diverser Anforderungen und der Erledigung von Aufgaben. Erholung tut not und tut gut – ja, sie macht bewusst, welche Würde uns zukommt, von Gott her. Das ist der Hauptgrund dafür, dass ich mich der sonntäglichen Ladenöffnung in der Regel verweigere. Nein, ich kaufe da nicht ein, ich tanke sonntags auch nicht, wenn es nicht zwingend nötig ist – anders als über wegbleibende Kunden lässt sich den ach so »liberalen« Zeitgenossen nicht vermitteln, dass es Werte gibt jenseits der Ökonomie. Der Sonntag als Tag der Ruhe knüpft an die biblische Vorstellung einer von Gott geordneten und dem Menschen entsprechenden Woche an. Wir können dieses Modell mit unseren Möglichkeiten sehr wohl stützen! Gott allerdings macht keine Ferien. Auch sind die Ferien nicht als gottesdienstfreie Zeit gedacht. Darum haben wir uns bemüht, in allen Gemeinden weiterhin Sonntagsgottesdienste anzubieten. Da in der Regel nur ein Priester zur Verfügung steht, haben wir die Zeiten »entzerrt«. Sonntagsgottesdienste gibt es während der Sommerferien ab 15. Juli samstags um sonntags um Sonntagabend um 17.00 Uhr in Oberbrügge 09.30 Uhr in Halver, 10.30 Uhr in Breckerfeld und 11.30 Uhr in Dahl sowie am 18.30 Uhr in Schalksmühle. Einzelne Gottesdienste werden als Wortgottesdienste gefeiert. Und noch etwas »geht weiter«: Zwei verantwortlich Mitarbeitende werden ihren Dienst beenden. Gemeindereferentin Barbara Wilk beendet ihren Dienst aus persönlichen Gründen. Früher als von den meisten erwartet, scheidet sie zum 31. August aus dem Arbeitsleben aus – und wird mit ihrem Ehemann aus Breckerfeld wegziehen. Seit fast sechs Jahren war sie in Christus König tätig, davon über fünf Jahre mit Koordinierungsaufgaben für die Gemeinde St. Jakobus. Mit ihrer lebendigen Art hat sie schnell in unsere Pfarrei hinein gefunden und uns durch ihre Tätigkeit vielfältig bereichert. Ein großes »Dankeschön« gebührt ihr – und wird das bei ihrer Verabschiedung, die für den 27. August geplant ist, sicher auch zu hören bekommen. Es wird jetzt Aufgabe des gesamten Pastoralteams und auch vieler engagierter Ehrenamtlicher sein, ihren Dienst zu ersetzen, bzw. Lösungen für all die Dinge zu finden, die sie in den letzten Jahren getan und übernommen hat. Mit einer neuen »Gemeindereferentin für Breckerfeld« jedenfalls ist vorerst nicht zu rechnen. Dann beendet unser koordinierender Kirchenmusiker, Ulrich Isfort, seinen Dienst zum 30. September. Seit über neun Jahren hatte er einen Vertrag mit uns und seiner Haupt-Dienstpfarrei St. Marien, Schwelm, durch den er mit 30% bei uns tätig sein konnte. Durch seine Kündigung gilt es nun bei uns, seine Aufgaben – die Leitung von Chorissimo, Orgelunterricht, Organistendienste im Gottesdienst und die Planung und Diensteinteilung der Kirchenmusik – neu zu regeln. Hier werden wir in den nächsten Monaten auf »bruchstückhafte« Lösungen angewiesen sein und vielleicht erst in einiger Zeit etwas klären können. Den Zeitpunkt der Verabschiedung von Herrn Isfort werden wir noch bekanntgeben. So ist der Sommer Zeit für Ferien und Luftholen – aber auch Zeit der Veränderung und des neuen Sortierens. Für all das erhoffe ich uns als Pfarrei, denen, für die sich manches ändert – aber auch Ihnen in Ihren persönlichen Lebensfragen – Gottes guten Geist, gute Entscheidungen und eine gesegnete Zeit. Ihr Pfarrer netzwerk 3

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Auf der Spur der Vision einer »neuen« Kirche – unter diesem Titel gestalten wir den Entscheidungsprozess unserer Pfarrei seit der Umfrage im vergangenen Spätsommer. Diese »neu gedachte« Kirche – sie sollte, so hat es sich für mich eingeprägt, vor allem eine Kirche der Menschen und Kirche mit den Menschen sein. Damit meine ich: eine Kirche, die entschieden und gezielt nach den Bedürfnissen und Hoffnungen der Menschen fragt und ihr »Kirche-Sein« daran ausrichtet. Am 6. Mai haben sich die Gremien unserer Pfarrei und Interessierte getroffen, um die Weiterentwicklung seit Herbst kennenzulernen und einzuschätzen. Der Tag war geprägt von Visionen und Ideen, denn die fünf Arbeitsgruppen, die seit November an den Ergebnissen der Umfrage weiter gedacht hatten, präsentierten Ergebnisse. Den Anfang machte die Gruppe beständig (bleiben), deren Vorstellung wenig Aufregung hervorrief; ging es hier doch darum, herauszustellen, was erhalten werden soll. Spannender wurde es schon bei der Gruppe lokal (leben), die zwei Feststellungen mitbrachte: Zum einen soll in jeder der vier Gemeinden weiterhin kirchliches Leben stattfinden. Zum anderen soll dieses je mit besonderem Schwerpunkt geschehen, der Auswirkungen auf Räume, Personen und Angebote haben wird. Die näheren Ideen dazu und konkrete Vorschläge werden zur Zeit in einem ersten »Durchgang« formuliert. In Gemeindeversammlungen im September sollen alle Gemeinden auf diese Vorschläge Rückmeldung geben. Ein zentraler Inhalt der Überlegungen ist »Ökumene«. Wir können uns nicht vorstellen, weiterhin als Pfarrei zu wirken, ohne das mit unseren ökumenischen Partnern abzustimmen und gemeinsam weiterzuentwickeln – weil unser Wirken zum Wohl der Menschen sein soll. So schlug die Gruppe ökumenisch (handeln) als entscheidenden Schritt vor, in allen Gemeinden verbindliche ökumenische Absprachen zu suchen, vorzugsweise durch einen Ökumene-Ausschuss des jeweiligen Gemeinderats in Zusammenarbeit mit den Presbyterien. 4 netzwerk

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Außerdem sollen einfache Formen der Begegnung und überkonfessionelle Projekte vermehrt Gelegenheit zum christlichen Miteinander bieten. Umfangreiche Vorschläge konnte die Gruppe modern (werden) vorstellen, bei der es einerseits vor allem um Kinder und Jugendliche ging. Zugleich betont die Gruppe aber, dass moderne Formen und Entwicklungen alle Generationen betreffen und ansprechen sollen. Das betrifft den Dialog: Große Umfragen zu »Kirche« wie 2016 und kleinere Befragungen zu bestimmten Themen und Anlässen sollen künftig regelmäßig durchgeführt werden und Grundlage für die weitere Ausrichtung sein. Für die Orientierung an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen sind verschiedene Ideen im Blick – auch diese können im Spätsommer konkreter vorgestellt und besprochen werden. Außerdem wurde das Thema »Kommunikation und Transparenz« angesprochen – hier geht es sowohl um technische Weiterentwicklung als auch um die Haltung aller kirchlich Aktiven. Schließlich präsentierte die Gruppe glaubwürdig (auftreten) ihre Ergebnisse. Mit dem Grundgedanken: »Unsere Pfarrei ist glaubwürdig, wenn man ihr ansieht, dass sie im Namen Jesu handelt« präsentierte die Gruppe konkrete Verhaltensweisen, an denen ein solches Handeln erkennbar werden könnte. Sie sollen Leitlinien unserer Entwicklung werden und mehr und mehr präsent werden, wo »Kirche« aktiv ist. Zusammengefasst lässt sich feststellen: Der Prozess bleibt auf gutem Weg und bleibt den Impulsen verpflichtet, die die Befragung 2016 und der Zukunftstag am 20. November 2016 ergeben haben. Handlungsleitend bleiben die pastoralen Schwerpunkte und Entwicklungen unter dem Motto »kirche neu denken«. Die Pfarrei wird den Prozess transparent und partizipativ weiterführen und lädt alle Interessierten und Engagierten ein, sich mit ihren Rückmeldungen, Ideen und Möglichkeiten einzubringen. Das abschließende Votum zur Präsentation für den Bischof soll am 18. November 2017 auf einer gemeinsamen Klausur von PGR und KV beschlossen werden. Wie geht es weiter? Beratung der ersten Ergebnisse im Pfarrgemeinderat (11. Juli). Formulierung von Ergebnissen und Entscheidungen zu den unterschiedlichen entwickelten Vorschlägen, jeweils durch Verantwortliche/Zuständige, die von der Koordinierungsgruppe angesprochen werden. Bis zum 11. Juli 2017: Festlegung von Terminen für Gemeindeversammlungen, die möglichst in der zweiten Septemberhälfte stattfinden. Fotos S. 4 – 6: © Moritz Pietzschke netzwerk 5

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Auf den Gemeindeversammlungen stellen Mitglieder der Koordinierungsgruppe die formulierten Vorschläge vor und laden zur Beratung ein. Einarbeitung der Rückmeldungen in ein zusammengestelltes Votum bis zum 18. November 2017. Beschlussfassung über das Votum am 18. November (durch Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat). Was derzeit geschieht… In der jetzt begonnenen Phase des Urteilens geht es auch darum, die – kleiner werdenden – Ressourcen den beschlossenen pastoralen Schwerpunkten anzupassen. D.h. zu beantworten sind die Fragen: welche Räume und welches Personal können wir uns künftig leisten, welche besonderen Projekte und Schwerpunkte wollen wir finanzieren, um die pastoralen Vorhaben zu verwirklichen? • In diesem Rahmen wird z.B. bei allen bestehenden Beschäftigungen mit Küstern, Kirchenmusikern, Sekretärinnen überlegt: soll diese Stelle auf Dauer neu besetzt werden, wenn der/die Stelleninhaber/in kündigt oder in Rente geht? • Bei allen Gemeinderäumen, Kirchen, Pfarrhäusern wird das Gebäude einer Kategorie zugeordnet: A = soll auf Dauer, also bis mindestens 2030, von der Pfarrei genutzt und in gutem Zustand erhalten werden. B = Die Notwendigkeit dieses Gebäudes für das Gemeindeleben ist mittelfristig zu überprüfen. Standortzusage über 10 Jahre hinaus nicht möglich. C = Das Gebäude scheint nicht unbedingt notwen dig. Das Gemeindeheim sollte geschlossen werden/ die Kirche soll/soll nicht profaniert werden/das Pfar haus wird vermietet. Auch der Verkauf von Gebäuden ist möglich. Die Entscheidungen zu diesen Fragen werden Bestandteil des Votums an den Bischof sein. Was die Entscheidungen bedeuten… Die Entscheidungen des Votums geben eine Richtung vor. Ab 2018 kommt dann die Phase der Umsetzung. Das heißt: auch der Beschluss, eine Kirche möglichst zu schließen, heißt nicht, dass sie ab 2018 geschlossen ist. Er bedeutet aber, dass konsequent ein überschaubar langer Prozess der Schließung angegangen wird. Auch die Entscheidungen dieses Votums werden alle paar Jahre daraufhin überprüft werden müssen, ob sie (noch) auf die Wirklichkeit passen. Mit dem Votum ist der Prozess nicht zu Ende, sondern er nimmt – durch die Umsetzung – Gestalt an. (Claus Optenhöfel) 6 netzwerk

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AG »christlich ökumenisch handeln« Beim Zukunftstag im November hatten sich Interessierte aus fast allen Gemeinden für unsere Arbeitsgruppe gemeldet. Da bei unserem ersten Treffen dann aber nur Vertreter aus Dahl dabei waren, haben wir, wie in der letzten Netzwerkausgabe berichtet, versucht, über die Gemeinderäte die Ausgangslage in den anderen Gemeinden festzustellen. Leider haben wir keinen konkreten Rücklauf zu diesem Thema erhalten und uns gefragt, wie groß das Interesse an der ökumenischen Zusammenarbeit in den einzelnen Gemeinden eigentlich ist. Bei unserer weiteren Recherche konnten wir dann feststellen, dass es in allen Gemeinden – in der einen mehr, in der anderen weniger – ökumenische Projekte gibt, aber keine einheitliche Vorgehensweise und daher auch keinen Überblick über die jeweilige Zusammenarbeit. Aufgrund der Ergebnisse unserer Bestandsaufnahme haben wir bei unserem zweiten Treffen eine Handlungsanleitung formuliert, die wir auf der gemeinsamen Sitzung am 6. Mai vorgetragen haben. Es handelt sich dabei um einen Weg der kleinen Schritte, wie ihn die katholische und evangelische Gemeinde in Dahl in den letzten Jahren schon begonnen haben. Der erste Schritt ist die Gründung eines ökumenischen Ausschusses auf Gemeindeebene mit Interessierten beider Konfessionen. Dieser beginnt mit der Planung und Durchführung gemeinsamer Gottesdienste, Gemeindefesten, Anschaffung gemeinsamer Liedhefte, Gründung bzw. Förderung gemeinsamer Gruppen usw. Mit der Zeit sollten diese gemeinsamen Aktionen mehr und mehr Interessierte ansprechen und zu regelmäßigen Treffen und Unternehmungen führen. Dann könnten auf der Grundlage dieser Zusammenarbeit in der Zukunft sicher auch zentrale Themen der Gemeindearbeit vor dem Hintergrund schwindender finanzieller und personeller Ressourcen zusammen gestemmt werden: • gemeinsam genutzte Gebäude sparen Erhaltungs- und Personalkosten • ein gemeinsames Büro benötigt nur eine Sekretärin und eine Büroausstattung • gemeinsame Kirchenmusik sorgt durch mehr Talente, die angesprochen werden können, für eine größere Vielfalt • gemeinsame Jugendarbeit spart Räume und freiwillige Helfer und trägt außerdem den ökumenischen Gedanken in die nächste Generation • gemeinsame Gruppen stärken den Zusammenhalt jeder einzelnen Gemeinde, sowie zwischen den Gemeinden und Konfessionen Diese Zusammenarbeit wird auf Dauer ein Fortbestehen aller Gemeinden mit ständigen Ansprechpartnern vor Ort ermöglichen. (Conny Nölle) ▼ Diese Postkarte ist eine tolle Idee aus Dahl. Wer macht‘s nach? Die Kopie ist die ehrlichste Form des Kompliments... netzwerk 7

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Martin Luther, Teresa von Avila und Dirk Pollmann Ein ökumenischer Abend Der Frauenabendkreis der evangelischen Frauenhilfe Schalksmühle-Dahlerbrück trifft sich jeden dritten Dienstag im Monat im Erlöserkirchenzentrum. Unter der Leitung von Gunhild Klawitter fand am 16. Mai 2017 zu dem Thema »Teresa von Avila und Martin Luther« ein ökumenischer Abend statt, zu dem auch einige Mitglieder der St.-Thomas-Morus-Gemeinde erschienen waren. Pfarrer Dirk Pollmann war der Referent des Abends. Im 16. Jahrhundert war die Angst vor Gott und dem Teufel sehr groß. Genau wie Teresa von Avila wurde auch Martin Luther von der Angst beherrscht, Gott nicht zu genügen, und beide waren stets auf der Suche nach einem Mittel gegen ihre Angst vor dem grausamen und zornigen Gott. Martin Luther trieb es aus dem Kloster hinaus, doch er blieb sein Leben lang nur Theoretiker ohne jegliche praktische Begabung. Durch das Studium der Bibel fand Luther schließlich seinen Weg aus der Angst. Der Mensch wird nur durch den Glauben gerecht: Christus allein. ▼ Martin Luther Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren (1472 – 1553) Kunstsammlung der Veste Coburg Foto: © Ralf Lothar Knop Zwischen Teresa von Avila, nordwestlich von Madrid geboren und Martin Luther in Wittenberg lagen 2.300 Kilometer, für die Verhältnisse im 16. Jahrhundert eine wahre Weltreise und als Martin Luther starb, war Teresa noch ein Kind. So ist es nicht verwunderlich, dass Martin Luther und Teresa von Avila sich nie begegnet sind. Außerdem ist es fraglich, ob zwei solche »Alphatiere« (Pollmann) sich überhaupt verstanden hätten, obwohl Luther Erfahrungen mit starken Frauen hatte (Katharina von Bora). Dennoch gibt es zwischen ihnen große Ähnlichkeiten, die Pfarrer Pollmann an diesem Abend aufzeigte. Mit knapp 20 Jahren trat Teresa von Avila gegen den Willen ihres Vaters ins Kloster ein. Sie wollte auf gar keinen Fall heiraten und sich einem Mann unterordnen, denn »Ehe ist für die Frau nur eine Knechtschaft«.“ Sie wollte lieber lesen, studieren und wissenschaftlich arbeiten, was für Frauen im 16. Jahrhundert fast unmöglich war. So geriet Teresa denn auch in Konflikt mit der Kirche und wurde von den Vertretern des Vatikans als »ungehorsames, widerspenstiges Weib« bezeichnet. Trotzdem fand sie immer wieder einen Weg, sich durchzusetzen. Schließlich wurde sie im 20. Jahrhundert sogar als bis dahin einzige Frau in der katholischen Kirche als »Kirchenlehrerin« anerkannt. 8 netzwerk

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Teresa von Avila Gemälde von Peter Paul Rubens (1577 – 1640) Kunsthistorisches Museum Wien Foto: © David Monniaux Auch Teresa von Avila fand ihren eigenen Weg zu Gott: »Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.« Auf Spanisch: »Solo dios basta« Allein Gott – basta. »So hat es Luther auch gesagt: Solus Christus, Christus allein verdanken wir unser Leben und unser Heil. Und das genügt. Basta – dieses Wort hätte Luther sicher sehr gut gefallen.« (Zitat Pollmann) Zwei eigensinnige Persönlichkeiten haben ihren je eigenen Weg zu Gott und zum Glauben gefunden. Beide waren davon überzeugt, dass es nicht ausreicht, einfach nur das nachzubeten, was andere einem vorbeten.   Als ein wunderbares Beispiel dafür zitierte Pfarrer Pollmann schließlich am Ende des Abends ein Gebet der Teresa von Avila: Her, du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde. Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen. Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen. Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch, hilfreich, aber nicht rechthaberisch zu sein. Mein umfangreiches Wissen sollte eigentlich nicht brachliegen, aber du verstehst, Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte. Bewahre mich davor, Einzelheiten endlos aufzuzählen und verleihe mir Flügel, zum Kern der Sache zu gelangen. Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr. Ich erflehe nicht die Gabe, Krankheitsschilderungen anderer mit Genuss zu lauschen, aber lehre mich, sie wenigstens geduldig zu ertragen. Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken und verleihe mir, oh Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen. Ich wage nicht, um ein besseres Gedächtnis zu bitten, nur um etwas mehr Bescheidenheit und etwas weniger Bestimmtheit, wenn mein Gedächtnis nicht mit dem der anderen übereinstimmt. Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann. Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte keine Heilige sein, sie sind schwer zu ertragen, aber ein alter Griesgram ist das Werk des Teufels. (rlk) netzwerk 9

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Die Konfessionen sind die Dialekte des Glaubens1) Die evangelische Gemeinde Hülscheid-Heedfeld hatte eingeladen und alle waren sie gekommen, um eine Idee in die Tat umzusetzen, die gemeinsam zwischen der evangelischen Pastorin Doris Korte und dem katholischen Pastor Armin Rogge entstanden war, ein öku- menischer Abend zu dem Thema: »Warum ich so gerne evangelisch/katholisch bin…«. In dem fast vollbesetzten Gemeindesaal in Heedfeld hatten sich folgende Personen zusammengefunden, um ein Podiumsgespräch zu dem genannten Thema zu führen: Fred Ritzhaupt, katholisch aufgewachsen, heute Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Schalksmühle; Christoph Schriever, Presbyter der evangelischen Gemeinde Hülscheid-Heedfeld; Monika Schriever, engagiert in der katholischen Kirche; Doris Korte, reformierte Pastorin in der evangelischen Gemeinde Hülscheid-Heedfeld; Jörg Bohmeier, Presbyter der evangelischen Gemeinde Hülscheid-Heedfeld; Iris Bohmeier, engagiert in der katholischen Kirche; Pastor Armin Rogge, früher evangelisch, heute katholischer Pastor der Gemeinde St. Thomas Morus (von links nach rechts). Sie alle gaben uns einen tiefen Einblick in ihre Vergangenheit und in ihr heutiges Leben. So erzählte Fred Ritzhaupt, dass er streng katholisch aufgewachsen sei und eigentlich Welt-Priester werden wollte, doch er kam zu der Überzeugung, dass dies nicht der richtige Weg für ihn war: »Allein mit einer Haushälterin, das könnte schief gehen.« Deshalb ist er dann lieber in den Jesuitenorden eingetreten. Wie zutreffend seine ursprüngliche Vermutung war, zeigte sich dann, als im Alter von 45 Jahren bei ihm die Sehnsucht nach Kindern so groß wurde, dass er aus dem Orden austrat. »Meine Frau hat es mir leichter gemacht, aus dem Orden auszutreten.« Seine Einstellung zur Ökumene kommentierte Fred Ritzhaupt mit dem Satz: »Im Himmel sind auch keine Zäune zwischen Evangelischen und Katholischen.« Ganz anders verlief die Sozialisation bei Armin Rogge, der in einem kommunistischen Elternhaus aufwuchs, in dem es überhaupt keine religiösen Ambitionen gab; man war vielmehr stolz darauf, dass einer der Vorfahren mit Rosa Luxemburg befreundet war. Im Alter von fünf Jahren sah er dann in Kevelaer zum ersten Mal einen katholischen Priester und dachte spontan: »Das mache ich auch mal.« 10 netzwerk 1) Fulbert Steffensky, erst katholischer, dann evangelischer Theologe

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Trotz der kommunistischen Einstellung seiner Eltern wurde Armin Rogge evangelisch getauft und er ist überzeugt, dass es ohne die evangelische Kirche den katholischen Priester nicht geben würde. Seine Eltern waren natürlich sehr irritiert, als sie feststellten, dass Armin lieber »Ein feste Burg ist unser Gott« sang als »Brüder, zur Sonne, zur Freiheit«. Als Jugendlicher im Alter von etwa 15 Jahren besuchte Armin Rogge dann die katholische Messe und den evangelischen Gottesdienst. Zu einem einschneidenden Erlebnis kam es, als Armin sah, wie der evangelische Pastor den Messwein in den Spülstein schüttete und er den Pastor fragte: »Was mache ich denn jetzt mit dem Leib Christi? Soll ich den etwa den Tauben geben?« Daraufhin kam es zu einem tiefgreifenden Gespräch, in dem der Pastor ihm den Unterschied zwischen der evangelischen und der katholischen Abendmahlslehre erklärte, was schließlich dazu führte, dass Armin Rogge im Alter von 18 Jahren konvertierte. Dieser einschneidende Schritt hat dann dazu geführt, dass fast alle Familienangehörigen nichts mehr mit Armin zu tun haben wollten: »Mir ist nur mein jüngster Bruder geblieben, alle anderen haben sich zurückgezogen.« Auch Rogge trat ins Kloster ein und hat es immerhin 30 Jahre mit seinen Ordensbrüdern ausgehalten. Doch auch er kam zu der Überzeugung, dass er das Leben im Kloster nicht bis an sein Lebensende aushalten würde. Bei ihm war es allerdings nicht die Sehnsucht nach einer Frau und nach Kindern, die ihn schließlich dazu bewegte, das Kloster wieder zu verlassen. Seit dem 1. Juli 2016 ist Armin Rogge kein Mönch mehr, sondern »weltlicher« Priester, zu 50 % in Halver und zu 50 % in Altena. Anschließend informierte das Ehepaar Schriever über die unterschiedlichen Einstellungen ihrer Eltern und ihren eigenen Weg zu einem toleranten Miteinander. Monika Schriever ist in einem tief katholischen Elternhaus aufgewachsen: »Für meine Eltern wäre wahrscheinlich ein evangelischer Freund schlimmer gewesen als ein kommunistischer.« Beide Eltern waren in der katholischen Kirche engagiert und wären entschieden gegen einen evangelischen Freund gewesen, inzwischen hat sich das jedoch gelegt. Für Monika selbst war es immer wichtig, dass ein Freund überhaupt etwas glaubt: »Bei einem Atheisten hätte ich Schwierigkeiten gehabt.« Ihr Ehemann, Christoph Schriever, ist ein waschechter Sauerländer und in einem evangelischen Elternhaus aufgewachsen. Sein Vater war Presbyter in der Landeskirche und seine Mutter war Mitglied in der Freien evangelische Kirche. Er ist frei-evangelisch aufgewachsen, es kam jedoch zu einem Bruch, der ihn zur Landeskirche zurückbrachte. Er selbst hatte nie ein Problem damit, eine katholische Freundin zu haben; es war ihm allerdings wichtig, dass sie ihren Glauben engagiert vertritt. Im Gegensatz dazu hatten seine Eltern anfangs schon Schwierigkeiten, zu akzeptieren, dass ihr Sohn eine katholische Freundin hatte. Doch ihre Einstellung hat sich inzwischen geändert. Ein Problem tauchte dann bei der Frage auf, wie die Kinder getauft werden sollten. »Nach vielen Gesprächen haben wir entschieden, dass unsere Kinder katholisch getauft werden.« (Zwischenruf einer Zuhörerin: »Die Katholiken setzen sich immer durch.«) Iris Bohmeier ist in einem katholischen Marienwallfahrtsort aufgewachsen und dort in eine Nonnenschule der Ursulinen gegangen. Es gab in diesem Ort einfach keine evangelischen Christen. So war ihr heutiger Ehe- netzwerk 11

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mann ihr erster Kontakt zur evangelischen Kirche, was für ihre Eltern jedoch kein Problem darstellte. Auch ihre Großmutter war in dieser Hinsicht sehr tolerant, mit ihren 90 Jahren gab sie der Enkelin nur einen einzigen Rat: »Pass nur auf, dass keiner für den anderen konvertiert.« Jörg Bohmeier ist dagegen in einem Ort in Ostwestfalen aufgewachsen, in dem es einfach keine Katholiken gab. Die protestantische Tradition war bei allen so tief verwurzelt, dass die Kinder zum Geburtstag von Tür zu Tür zogen und dort »Ein feste Burg ist unser Gott« sangen. Die Eltern waren nicht religiös orientiert, ganz im Gegensatz zu den Großeltern, wo die Bibel jeden Tag auf dem Tisch lag. Erst in der siebten Klasse hat er die katholische Kirche kennengelernt. Als er seine heutige Frau kennenlernte, dachte er nur: »Ist die halt katholisch, auch egal.« Probleme entstanden hier erst durch die Heirat, wobei die Bedenken der Großmutter noch das geringste Problem darstellten. Nachhaltig wurde Jörg Bohmeier durch die Äußerung des Heimatpfarrers geprägt: »Unterstehen Sie sich, dass in meiner Kirche ein Protestant zur Kommunion geht.« Danach ist Jörg nie wieder zur Kommunion gegangen. Die Taufe der Kinder stellte dann jedoch wieder ein leicht zu lösendes Problem dar. Hier wurde es genauso wie bei den Schrievers gelöst: »Iris hat mich überzeugt, unsere Kinder katholisch taufen zu lassen.» Der zweite Teil des Abends stand unter der Frage: Was dürfen wir voneinander lernen? Hier zeigte sich eine große ökumenische Einigkeit unter den Diskussionsteilnehmern. Als Einleitung zu dieser Frage zitierte Doris Korte den Ministerpräsidenten und Katholiken Winfried Kretschmann, der die Ökumene als eine lebenspraktische Aufgabe bezeichnet hat. Nach Kretschmann geht es dabei um die globale Welt der Katholiken, die biblische Tiefe der Protestanten und die Spiritualität der Orthodoxen. Armin Rogge stellte zu diesem Thema die rhetorische Frage: »Wann ist die Einheit der Kirche erreicht, wenn alle katholisch sind oder wenn wir uns gegenseitig bedingungslos als Kirche anerkennen?« (Er wurde einmal durch die Frage einer evangelischen Frau schockiert, die ihn fragte: ›Wie, ihr betet Esspapier an?‹) Als Antwort bringt Rogge seine Überzeugung auf den Punkt: »Durch gegenseitige Wertschätzung und Liebe kommen wir der Einheit ein ganzes Stück näher.« Deshalb war er auch entsetzt, als der damalige Papst Benedikt der evangelischen Kirche das Kirchesein abgesprochen hat: »Wir sollten diejenigen sein, die sagen ›Kommt zu uns‹, aber wir waren immer nur Türsteher, die sagten ›Du kommst hier nicht rein!‹.« Und er fährt fort: »Luther ist nicht vom Teufel in die Welt geschickt, sondern von Gott gesandt worden. Hätte man Luther ernst genommen, hätte es keine Reformation, sondern nur eine Reform gegeben.« Auch hat Luther das Kommunionsverständnis der Kirche nie aufgegeben, so feiern Altlutheraner noch heute die katholische Messe mit Kommunion. Rogge findet es schade, dass er nicht mit der Pastorin Doris Korte am Altar stehen und die Kommunion austeilen darf: »Was ist wichtiger, das Kirchengesetz oder dass wir der Liebe Gottes freien Lauf lassen.« Es ist einfacher, dass ein Protestant in der katholischen Kirche zur Kommunion geht, als dass ein Katholik in der evangelischen Kirche zum Abendmahl geht. Die Katholikin Monika Schriever geht allerdings auch in der evangelischen Kirche zum Abendmahl: »Und wenn das dann nicht der Leib Christi ist, dann ist das eben so.« Sie freut sich auch, wenn ihr Mann mit zur Kommunion geht: »Das ist doch in Ordnung, solange der Pastor nicht meckert.« Noch einmal bekräftigte Armin Rogge seine Überzeugung: »Wenn wir verständnis- und respektvoll miteinander umgehen, sind wir auf einem guten Weg. Wir haben der Welt etwas zu sagen. Wir müssen in vielen Bereichen wieder politischer werden. Glauben darf niemals auf Angst basieren.« Schließlich beendete Doris Korte den Abend, indem sie dies noch einmal mit anderen Worten unterstrich: »Ich wünsche mir, dass wir hier rausgehen und sagen, ist das toll, dass es euch gibt.« Nicht nur für die Katholiken zitierte sie schließlich noch ein Wort von Bischof Overbeck: Das Geheimnis der Kirche besteht darin, dass wir bei aller Verschiedenheit und Unterschiedlichkeit uns stets der Verbindung mit Christus vergewissern. Unsere Lebendigkeit als Christen, unsere Glaubwürdigkeit als Kirche, unsere Fruchtbarkeit mitten in unserer vielfältigen, oft schwierigen, aber auch wunderbaren Welt hängt davon ab, wie tief wir aus Christus heraus leben und handeln. Dr. Franz-Josef Overbeck (rlk) Fotos S. 10 + 11: © Ralf Lothar Knop 12 netzwerk

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Im Rahmen des Pfarreientwicklungsprozesses werden wir in »netzwerk« Gruppen aus der Pfarrei vorstellen, die ökumenisch und generationenübergreifend sind. Den Anfang macht Der Handarbeitstreff Erfolgserlebnis garantiert Alle zwei Wochen treffen sich circa zehn Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Konfession zum Handarbeitstreff im Gemeindesaal der Schalksmühler Kirche St. Thomas Morus. Dort besteht die Möglichkeit, vielfältigen handwerklichen Tätigkeiten wie beispielsweise dem Häkeln und Stricken oder dem klassischen Nähen nachzugehen. Während des zweistündigen Beisammenseins besteht auch die Möglichkeit, sich über Neuigkeiten auszutauschen und eigens angefertigte Stücke zu präsentieren. Die jüngeren nehmen gern Tipps von den älteren Teilnehmerinnen an, die sich wiederum von den Ideen der jungen Generation begeistern lassen. Jede bringt sich mit ihren Talenten ein. Ich selbst wurde für mein Firmprojekt sehr herzlich empfangen und sofort gut integriert. Selbstverständlich wurde mir geholfen und schon nach dem ersten Treffen hatte ich meine erste eigene Kissenhülle genäht. Neueinsteiger – auch aus den anderen Gemeinden der Pfarrei – sind jederzeit herzlich willkommen und brauchen nicht unbedingt Vorwissen mitzubringen. Bei Interesse können Sie sich gerne bei Mareike Czelakowski unter der 0 23 55 /50 85 04 melden. (Anna Brosch) Ökumene Was nicht passt, wird passend gemacht: die Damen vom Handarbeitstreff prüfen genau, ob alles gut sitzt. Kissenbezug von Anna Brosch SNtircaomlepPleurlvveornmacher Kleid und Anzug von Silvia Wieprecht netzwerk 13

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Unterwegs in der Geschichte Zur Geschichte der Reformation – Teil 3 Ein Funke im Kornfeld Kaum ein anderes Ereignis hat die Kirchengeschichte – speziell in Deutschland – aber auch die weltliche deutsche Geschichte sowie die Entwicklung der deutschen Sprache so geprägt, wie die Reformation. Auch wenn die katholische Kirche formal unverändert weiter bestand, so blieb sie dennoch nicht unberührt von den Ereignissen, die seinerzeit von Martin Luther, einem Mönch aus dem Orden der Augustiner-Eremiten angestoßen wurden. Was als Protest eines einfachen Mönches begann, breitete sich schließlich wie ein Flächenbrand in Deutschland und Europa aus und führte zu politischen Verwicklungen, Kriegen, aber auch dringend benötigten Reformen. Anno 1512 wurde Martin Luther in Wittenberg zum Doktor der Theologie promoviert. Kurz darauf übernahm er den dortigen Lehrstuhl für Bibelauslegung. Getrieben von der Suche nach einem gnädigen Gott traf ihn in seinem als Lehrstube dienenden Turmzimmer plötzlich der befreiende Gedanke, dass allein die Gnade Gottes (sola gratia) und keine noch so zahlreichen guten Werke dem Menschen Erlösung bringen könne. Ob es sich bei diesem »Turmerlebnis« wirklich um ein singuläres Ereignis oder nicht vielleicht doch mehr um einen langsamen Prozess gehandelt hat, ist bis heute umstritten. Als dann ▼ Johann Tetzel. Sein Wirken war einer der Anlässe Martin Luthers zur Verkündigung der 95 Thesen. Porträt von Moritz Steinla (1791–1858). 1517 im nahen Brandenburg der Ablassprediger Johann Tetzel einfachen Gemütern suggerierten, sie könnten sich für ein wenig Geld das Himmelreich erkaufen, sah sich Luther genötigt einzuschreiten und verfasste 95 Thesen auf Latein. Ob diese Thesen wirklich jemals wie oft behauptet an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen wurden ist bis heute umstritten, dienten solche Thesen doch in erster Linie dem Disput unter Theologen. Ihre Verbreitung fanden sie allerdings dennoch, denn bereits im Dezember desselben Jahres kannte man ihren Inhalt in ganz Deutschland. In den beiden Folgejahren kam es zu Disputationen mit Luther in Heidelberg und Leipzig, sowie zu einem Verhör durch Kardinal Cajetan in Augsburg. Immer mehr kristallisierte sich dabei heraus, dass es um weit mehr als nur um die Rechtfertigungslehre ging. Vielmehr sah sich die kirchliche Obrigkeit auch in ihrer Autorität herausgefordert. Ein allzu autoritäres Vorgehen gegen Luther verbot sich aber zunächst, da man den Kurfürsten von Sachsen, Friedrich den Weisen, der Luther wohlwollend gegenüberstand, für die anstehende Kaiserwahl nicht verärgern durfte. Der Kirchenbann wurde Luther daher erst nach der erfolgreichen Wahl im Juni 1519 angedroht. 1521 folgten dann die eigentliche Bannbulle gegen Luther und ein Verhör vor dem Wormser Reichstag. Als Luther dort den Päpsten und Konzilien Irrtümer und Widersprüche vorwarf und unter Berufung auf sein Gewissen verlangte, er möge »durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werden«, erließ Kaiser Karl V. das Wormser Edikt, in dem die Reichsacht über Luther und seine Anhänger ausgesprochen wurde. Luther geriet dadurch aber nicht wirklich in Gefahr: Durch das beherzte Eingreifen seines Landesherren Friedrich hatte man ihn bereits kurz nachdem er Worms verlassen hatte, »entführt« und auf der Wartburg versteckt. Darüber hinaus blieb dem Kaiser zunächst keine Zeit sich um die Durchsetzung der Reichsacht zu kümmern, denn ein Aufstand in seinem Königreich Spanien – Kaiser Karls Herrschaftsgebiet war damals bekanntlich so groß, dass in »seinem Reich die Sonne nie unterging« – und der Krieg mit dem französischen König und einstigen Mitbewerber um die Kaiserkrone Franz I. nahmen ihn für die nächsten neun Jahre voll in Beschlag. Die Popularität Luthers nahm unterdessen auch außerhalb der Gelehrtenstuben immer mehr zu. Verantwortlich dafür waren nicht zuletzt die zahlreichen auf deutsch verfassten Publikationen Luthers, die auch von dem gemeinen Mann gelesen werden konnten, sowie der nur wenige Jahrzehnte zuvor von Johannes Gutenberg erfundene Buchdruck, der maßgeblich zur Verbreitung der Schriften beitrug. Auch nationale Aspekte spielten wahrscheinlich eine Rolle. So bezeichnete der Humanist 14 netzwerk

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Martin Luther als »Junker Jörg« auf der Wartburg. Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren (1472 – 1552). Ulrich von Hutten (1488 – 1523) Luther als den »Befreier Deutschlands von Rom«. Von besonderer Bedeutung war zweifelsohne die auf der Wartburg angefertigte deutsche Bibelübersetzung. Sie war zwar keineswegs die erste ihrer Art, dafür aber sprachgewaltiger als ihre Vorläufer und somit prägend, nicht nur für die Reformation, sondern auch für die deutsche Sprache. Während Luthers Abwesenheit führten in Wittenberg andere Personen die Reformation fort. Darunter waren zum einen gemäßigte Kräfte, wie Philipp Melanchthon (1497 – 1560), aber auch radikale Schwärmer wie Andreas Bodenstein von Karlstadt (1486 – 1541), der zum Bildersturm aufrief und damit die örtliche Gemeinde spaltete. Die weltliche Obrigkeit sah sich schließlich genötigt Luther zurückzurufen, dem es dann auch gelang, die Ordnung wieder herzustellen. Außerhalb Wittenbergs wirkte zudem der noch radikalere Thomas Müntzer (1489 – 1525), der Luthers Rechtfertigungslehre ablehnte, da sie die Gnade betone, nicht aber die Härte des Gesetzes lehre. Als dann 1524 die soziale Not, aber auch die Ermutigung durch Luthers Schrift »Von der Freyheith eines Christenmenschen« zahlreiche deutschen Bauern sowie Angehörige der städtischen Unterschicht in den Aufstand trieben, schloss sich Müntzer dieser Bewegung an, wurde gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet. Luther indessen, der stark zwischen dem weltlichen und dem geistlichen Schwert unterschied, erkannte zwar zunächst einige der erhobenen Forderungen an, wandte sich dann aber angesichts der verübten Greueltaten zu- Bildnis des Papstes Hadrian VI. als Priester. Gemälde von Francesco Ubertini (1494 – 1557). Foto: © Museumslandschaft Hessen-Kassel nehmend entsetzt ab und forderte die Fürsten sogar mit seiner Schrift »Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern« zum harten Einschreiten auf. Noch einmal keimte allerdings die Hoffnung, die drohende und schon fast vollzogene Kirchenspaltung doch noch abwenden zu können: Nachdem Ende 1521 Papst Leo X. an einem Malariaanfall verstorben war, fiel die Wahl seines Nachfolgers auf den aus Utrecht stammenden Hadrian Florensz d‘Edel, der als Hadrian VI. die Cathedra Petri bestieg. Er war damit der letzte nicht-italienische Papst vor Johannes Paul II.! Hadrian lehnte den Nepotismus, d.h. die Vergabe hoher Kirchenämter an Verwandte ab, bekannte sich öffentlich zur Schuld auch des Papsttums an den Missständen in der Kirche und begann mit der längst überfälligen Reform der Kurie. Doch ihm schlug Widerstand und Hass nicht nur innerhalb der katholischen Kirche, sondern auch auf Seiten der Reformatoren entgegen. Schließlich verstarb er nach einem nur 20 Monate langen und damit viel zu kurzem Pontifikat und hinterließ eine Welt, die zunehmend von religiösen Gegensätzen geprägt war. (Dr. Johannes Sander) netzwerk 15

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