Katzen Magazin 3/17

 

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Katzen Magazin 3/17

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No 3 · Juni/Juli 2017 · CHF 7.70 www.katzenmagazin.ch RATGEBER (BITTER)SÜSSE FREIHEIT WILDKATZEN DER MANUL Kastration Mythen und Fakten Eifersucht Das grünäugige Monster Das Geheimnis des Schnurrens Kätzchen: Das müssen Sie wissen! Merkblatt zum Herauslösen AMELIAS REISE: EINE KATZE AUF HOHER SEE · VERHALTENSRATGEBER

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Was?! SuienkdepnrnoefintiedraDesnaKnSnaietlzjeeertznntevnMonSauignesaeezrseinrkAnebicnohnt-?eAnktuionnd! lieben No 1 · Fwebwruwa.kr/aMtzäernzm2a0g15az·inC.HchF 7.70 IAEcUINhSEDRbEKMiAnTL‘ZEsEB,ELNuzy! NStoamr dinesieJrathfürredsen Wildkatzen DHRYOBRHIEDNISDIEERUNG WTReAUgRwIGeErREAaLItTÄzTen RATGEBER VERHALTEN MDAAKNSAATRGZICEEHNMTKEILGNOET &BfüirttneKuMsreL2nä0IdCnFeKnranSnEcikeeRhmn-e!iT(rnSeRieinIsCSpcaKhrKneSunrp:e1p0ie.8sr0-eAFlbroanvkoemn «Katzen Magazin». 4 Ausgaben gegenüber dem Kioskpreis!). inkl. Porto und MwSt. iBnikttl.ePGsoEeSrCntHoIdCHeuTEnnDEdSRiKMeATZmwE TSiErItL.e1/2i:nEVO1-LUJTIaONh•rGeESsU-NADHbEITo: EPvILoEPmSIE «Katzen Magazin» für nur 42 Franken! 6 Ausgaben, Name, Vorname Strasse, Nr. PLZ, Ort QP/14 Coupon bitte vollständig ausfüllen und per Post an VerlagsService, Via Zups 2, Postfach 10, 7013 Domat/Ems, per Mail an abo@verlagsservice.ch senden oder telefonisch unter Tel. 081 254 70 65 bestellen. IHRE VORTEILE: · 35 % Ersparnis! · Kompetent, vielseitig, auf den Punkt! · Kein Risiko – nach Ablauf der Bestelldauer jederzeit kündbar! · Bequem frei Haus! · Genügend Zeit zum Lesen – erscheint alle 8 Wochen! Besuchen Sie uns auf www.katzenmagazin.ch

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EDITORIAL VERHALTENSBERATUNG BETTINA VON STOCKFLETH Katzenpsychologin Bettina von Stockfleth ist ständige Autorin des «Katzen Magazins». Unter anderem beantwortet sie in der Rubrik «Verhaltensratgeber» Ihre Fragen. Wenn Sie Probleme mit Ihrer Katze haben, schildern Sie uns einfach Ihren Fall. Bettina von Stockfleth wird Ihnen gerne helfen. (Detaillierte Infos auf Seite 34.) VERLOSUNG Auch im Zusammenleben von Katzen und Menschen kommt es gelegentlich zu Beziehungskrisen. Katja Rüssels Katzen-Trickkiste hilft, grössere und kleinere Konflikte zu beheben oder schon im Vorfeld zu vermeiden. Unterhaltsam und praxisnah beschreibt die Katzenpsychologin einfache, wirkungsvolle Tipps und Tricks rund um Erziehung, Ernährung, Pflege und Gesundheit der samtpfotigen Mitbewohner. Viel Hintergrundwissen – beispielsweise zum Lernverhalten, zur Körpersprache und zur Bedeutung des Spiels – trägt zum besseren Verständnis der Katze und ihres Wesens bei und sorgt so für ein entspanntes Miteinander von Katze und Mensch. Wir verlosen zwei Exemplare! Senden Sie uns einfach eine Mail mit Ihren Kontaktdaten und dem Betreff «Buchverlosung» an leserforum@katzenmagazin.ch oder die gleichen Angaben per Post an die unten stehende Adresse. Teilnahmeschluss ist am 26. Juni. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Gewinner erhalten das Buch per Post zugesandt. Viel Glück! Die Katzen Trickkiste Einfache Strategien für einen entspannten Alltag mit Katze Katja Rüssel 160 Seiten, Hardcover ISBN: 978-3-8338-4219-1 19.90 Franken (UVP) KONTAKTMÖGLICHKEITEN Mail: leserforum@katzenmagazin.ch Post: RORO-PRESS Verlag AG Katzen Magazin, Erlenweg 8305 Dietlikon Telefon Redaktion: 044 835 77 35 Telefon Aboservice: 041 329 23 00 www.katzenmagazin.ch Liebe Leserinnen & Leser Es ist Frühling (auch wenn man es bei so viel Schnee Ende April nicht glauben mag). Und so werden bald wieder viele junge Kätzchen ein Zuhause suchen. Was die Kleinen für ein glückliches und unbeschwertes Leben alles brauchen, erfahren Sie im informativen Merkblatt zum Herauslösen in der Heftmitte. Im Gegensatz zu den süssen Katzenkindern, haben es Tiere mit einem Handicap schwierig, einen Lebensplatz bei verständnisvollen Menschen zu finden, obwohl sie im richtigen Umfeld ein genauso erfülltes Katzenleben führen können. Wir widmen uns ab Seite 36 diesen Tieren und stellen Ihnen einige Handicapbüsi vor, die zurzeit ein Zuhause suchen. Wenn man eine Katze bei sich aufnimmt, stellt sich immer auch die Frage, ob sie Freigang erhalten soll oder nicht. In unserem Ratgeber auf Seite 22 lesen Sie, wie Sie Ihre Freigängerkatze bestmöglich vor den vielfältigen Gefahren schützen können. Eine Massnahme, um Ihre Katze beispielsweise vor Verletzungen und Krankheiten zu bewahren, ist die Kastration. Warum eine solche in jedem Fall sinnvoll ist und was es mit den sich teils hartnäckig haltenden Mythen zur Kastration auf sich hat, lesen Sie im interessanten Artikel ab Seite 16. Nun wünschen wir Ihnen viel Spass beim Lesen des neuen «Katzen Magazins» und viele unbeschwerte Stunden mit Ihren Samtpfoten. Herzlichst, SANDRA SÜESS Chefredakteurin Katzen Magazin 3/17 3

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KATZEN MAGAZIN 3/17  Juni /Juli 39MERKBLATT Kätzchen Foto: Liz Clark Foto: fotolia.de Foto: fotolia.de 4 Katzen Magazin 3/17 28 WISSENSCHAFT Das Geheimnis des Schnurrens 10

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30 INHALT 22 (BITTER)SÜSSE FREIHEIT Freigänger vor Gefahren schützen Fotos: fotolia.de AKTUELL 6 Meldungen aus der Welt der Katzen 16 Kastration: Mythen und Fakten 22 (Bitter)süsse Freiheit – Ratgeber 36 Ein erfülltes Katzenleben trotz Handicap – Tierschutz 38 Zuhause gesucht – Katzen mit Handicap 39 Kätzchen: Das müssen Sie wissen! – Merkblatt THEMEN 10 Amelias Reise: Eine Katze auf hoher See – Reportage 2 4 Eifersucht – das grünäugige Monster 28 Das Geheimnis des Schnurrens – Wissenschaft 30 Der Manul – Wilde Verwandte 32 Buchrezension – Ist deine Katze ein Genie? 34 Verhaltensratgeber – Missglückte Zusammenführung 50 FLUTD – Wenn's beim Pinkeln klemmt 56 Leinentraining – Klickern Teil 2 62 Fallbeispiel Homöopathie – Unterdrückung 70 Legendenumwobene Schönheiten: Birma & Siam UNTERHALTUNG 54 Luzy – Luzy in the Sky with Diamonds 60 Kolumne – Ohne grosse Worte 66 Katzengeschichte – Die Black Mollys 72 KM-Leserinterview 74 Leserfotos 76 Rätselspass Teil 5 SERVICE 3 Editorial 43 Kleinanzeigen 4 8 Vereinsnachrichten 64 Buchtipps 77 Autorenvorstellung 78 Vorschau Katzen Magazin 3/17 5

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Amelias Reise: Eine Katze auf hoher See Liz Clark kreuzt mit einem Segelboot durch den Pazifik. Mit dabei ist Katze Amelia. Ihre gemeinsame Geschichte ist eine Geschichte von Entdeckerlust, kühner Seefahrerei, gegenseitigem Respekt und Treue, des Loslassens und Wiedergewinnens – und sie folgt der jahrhundertealten Tradition von Katzen auf Schiffen. Oben Amelia auf dem Beiboot der «Swell». Eisige, gletscherwassergrüne Augen blicken in die Videokamera, unbeweglich und unlesbar. Amelia, eine braun-grau-fuchsfarbige Tigerkatze mit viel Weiss, schaut in die Linse und hindurch. Fast fühlt es sich an, als könne sie den Zuschauer sehen. In sich ruhend, selbstbewusst – und ganz schön keck. In dem Video «Amelia the Tropicat» (zusammengesetzt aus «tropical» und «cat») «erzählt» sie: «Ich bin Amelia. Ich wurde nach der grossen Amelia Earhart benannt. Und wir wissen alle, was ihr zustiess. Ich meine, was hat sie sich gedacht, mich an Bord dieses Schiffes zu bringen und mich dann nach jemandem zu benennen, der auf hoher See starb?» (Anmerkung der Autorin: Earhart ist eine im Pazifik verschollene Flugpionierin.) Ein Stossseufzer. «Aber so sind die Menschen – so egoistisch. Sie dachte, sie würde mich retten. Und nun lebe ich auf einem Schiff, umgeben von Wasser. Wer will denn so was?» Moderne Nomadin Als Liz Clark im November 2013 in einer verlassenen Dschungelvilla in Französisch-Polynesien die halbwüchsige Amelia findet, ist sie bereits eine gestandene 10 Katzen Magazin 3/17

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REPORTAGE der Ansicht, dass intelligente, fühlende und emotional komplexe Lebewesen nicht für den menschlichen Gebrauch ausgenutzt werden dürfen.» So fragt sich Liz: Darf und kann ich Amelia ein Leben auf See zumuten? Ihre Lebensweise bringt mit sich, dass sie einen wenig geregelten Tagesablauf hat und die vielen Aufgaben als Skipperin alleine erledigen muss. Und Katzen sind ja an und für sich Landtiere. Dem Menschen schlossen sie sich erst an, nachdem dieser Häuser gebaut hatte. Dennoch ranken sich einige der abenteuerlichsten Katzengeschichten um seefahrende Katzen, die bei den Schiffsbesatzungen zudem ein ausserordentlich hohes Ansehen genossen. Einsatzorte von Schiffskatzen waren Kriegs-, Handels- und Expeditionsschiffe. Gerade auf mehrmonatigen See-Expeditionen in entlegene Gegenden waren Katzen beliebte Gefährten. Sie waren zum Mausen wichtig, da es sich mit verdorbenem Proviant schlecht reist. Zudem hebt ein Schmusetier auf rauer See nach den überlieferten Worten vieler Seeleute die Moral ganz beträchtlich. Bekannte samtpfotige Crewmitglieder von Expeditionsreisen sind Matthew Flinders’ «Trim» und Robert Falcon Scotts «Nigger» sowie «Mrs. Chippy», die auf Ernest Shackletons Imperial Trans-Antarctic Expedition dabei war. Eine «Landratte» auf See Hochseekapitänin. Seit 2005 segelt die heute 37-Jährige allein an Bord ihrer kleinen Segeljacht «Swell» (etwa «Woge» oder «Dünung») durch den Pazifik: entlang der Küsten Mexikos und Zentralamerikas, der Galapagosinseln und nun Französisch-Polynesien. Sie übersteht zerstörerische Stürme in der Einsamkeit des Pazifiks und schlägt sich an unbekannten Ankerplätzen mit wenig Geld und Sprachkenntnissen durch. Es ist gewiss, dass es kaum eine Ecke auf diesem Planeten gibt, die Katzen an Bord von Schiffen nicht bereisten. Ob die ersten Katzen zufällig an Bord gingen oder ob Menschenhand dabei im Spiel war, weiss Liz Clark und Amelia beim Strandausflug. Stets dabei: Ihre Surfbretter. Die Kalifornierin ist passionierte Surferin und immer auf der Suche nach entlegenen Surfspots. Durch ihre Reisen sieht sie viele paradiesische Orte, aber auch die katastrophale Meeresverschmutzung. Liz wird zur Umweltaktivistin. Sie engagiert sich in Umweltgruppierungen und bloggt auf ihrer Website für ihr Anliegen. Liz ist überzeugt, dass wir durch unser alltägliches Handeln auf die Umwelt einen grossen, positiven Einfluss ausüben können. Schon bevor Amelia in ihr Leben tritt, entscheidet sie sich für eine pflanzlich basierte Ernährung. «Ich bin Katzen Magazin 3/17 11

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Kastration: Mythen und Fakten Für die meisten Katzenhalter ist die Kastration ihrer Katze selbstverständlich und eine Tierschutzorganisation möchte sie längst zur Pflicht machen. Dennoch lehnen sie einige Halter strikt ab. So auch Reto T. (46), dessen Kater Lester ein unkastrierter Freigänger ist. Reto gibt zu bedenken, dass eine Kastration unnatürlich sei und sein Kater doch auch seinen Spass haben müsse. Zudem würden kastrierte Tiere nur fett und faul werden und keine Mäuse mehr fangen. Des Weiteren bestünde das Risiko, dass Lester nicht mehr aus der Vollnarkose erwachte. Das Markieren sei natürlich ärgerlich, allenfalls würde er den Kater sterilisieren lassen, damit dieses Verhalten aufhöre. Daniel Suppiger, Veterinärmediziner, der in Horgen Arn seit vielen Jahren seine Praxis betreibt, meint zum Thema: «Aus tierärztlicher Sicht wird die Bereitschaft, unkastrierte Katzen in die Umwelt zu entlassen, höchst kritisch bewertet. Am Ende sind vor allem die Katzen die Leidtragenden eines solchen Handelns. Spätestens wenn ein Kater zu markieren beginnt, wollen die Besitzer doch kastrieren, damit das aufhört. Zu diesem Zeitpunkt ist es jedoch oft schon zu spät und das Tier hat das Verhalten fest in sein Repertoire aufgenommen. Darum ist es wichtig zu kastrieren, bevor sich das Verhalten manifestiert.» Bittere Realität ist: Katzen, die nicht mehr aufhören zu markieren, landen oft im Tierheim oder werden ausgesetzt und verwildern. Wer sich – so wie Reto – 16 Katzen Magazin 3/17

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HALTUNG Narkoserisiko Auch das genannte Narkoserisiko ist unbestreitbar da, obschon sich dieses in den letzten Jahren erheblich vermindert hat. Die moderne Tiermedizin bietet dank neuer und schonender Narkosemittel und -verfahren ein hohes Mass an Sicherheit. Die Narkotika werden in Kombination und Dosierung auf das jeweilige Tier abgestimmt. Die Narkosetiefe ist jederzeit steuerbar. Nach dem Eingriff erwachen die Tiere sanft. Man darf aber auch nicht verschweigen, dass ein gewisser, wenn auch verschwindend geringer Teil der Patienten – menschlicher wie tierischer – während einer Narkose aufgrund von Komplikationen verstirbt. Diese Komplikationen müssen jedoch nichts mit der Narkose selbst zu tun haben. Für Tiere liegen leider keine gesicherten Daten vor, doch beim gesunden Menschen liegt das Sterberisiko zwischen 1 : 100 000 und 1 : 200 000 Anästhesien¹. Es wäre angesichts solch niedriger Zahlen vollkommen verkehrt, aus Angst vor einer Komplikation keine Operationen mehr durchzuführen. Bei einem Eingriff wie der Kastration ist eine Vollnarkose notwendig, doch dauert diese in der Regel nicht länger als zehn Minuten. Zudem wird dem Tier ein Schmerzmittel verabreicht, das man auch die nächsten ein, zwei Tage weiterhin geben sollte. Bei der Katze und beim Kater ist dieser Eingriff minimalinvasiv und wird in der Regel gut vertragen. der Kastration seiner Tiere verweigert, tut dies selten ohne Grund. Doch sind Retos Bedenken wirklich begründet? Wider die Natur Dann war da noch das Argument «Das ist doch unnatürlich». Was natürlich und was unnatürlich ist, hängt von der Interpretation ab. Kastration mag als 1 http://www.srf.ch/sendungen/puls/koerper/vollnarkose-fakten-statt  vorurteile Das Narkoserisiko bei der Kastration ist insbesondere bei jungen, gesunden Tieren sehr gering. Faktencheck Gewichtszunahme Tatsächlich neigt ein kastriertes Tier dazu, Fett anzusetzen und ein kleines Bäuchlein zu entwickeln. Der Stoffwechsel der Katze verlangsamt sich moderat durch das Absinken des Hormonspiegels nach der Kastration, was zu einer schnelleren Gewichtszunahme führen kann. Es muss aber nicht sein, dass eine Katze zunimmt. Darum sollte man bei kastrierten Tieren auf die Ernährung und genug Bewegung achten. Im Fachhandel gibt es zahlreiche kalorienreduzierte Futtersorten, die speziell für kastrierte Tiere geeignet sind. Natürlich sollte man durch regelmässiges Spiel für genug Bewegung sorgen. Wenn die Tiere nach draussen können, umso besser. Katzen Magazin 3/17 17

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Foto: fotolia.de Eifersucht – das grünäugige Monster Über missgünstige Miezen und Verlustangst unter Katzen Der berühmte Dramatiker William Shakespeare (1564–1616) bezeichnete die Eifersucht in Othello als «grünäugiges Monster» und lässt Portia im «Kaufmann von Venedig» die «grünäugige Eifersucht» beklagen. Zweimal «grünäugig» – ob der volksnahe Poet wohl dabei an Katzen dachte? Die Beziehung, die die Menschen der Renaissance zur Katze pflegten, war durchaus ambivalent. So wurden Tiere hemmungslos vermenschlicht – im Guten wie im Schlechten. Doch woher Shakespeare die Inspiration nahm, die Eifersucht ausgerechnet zu einem grünäugigen Monster zu machen, werden wir wohl nie erfahren. Heute, mehr als 30 Jahre nachdem auch Katzen in den Fokus der Verhaltensforschung gerückt sind, betrachten wir Tiere und ihre Emotionen differenzierter und hinterfragen kritisch, was in ihnen tatsächlich vorgeht, wenn sie bestimmte Verhaltensweisen zeigen und ob dabei Gefühle im Spiel sind, die mit den unseren vergleichbar oder sogar identisch sind. Die Frage, ob Tiere Eifersucht empfinden, bejaht der bekannte Verhaltensforscher Marc Bekoff unter anderem in seinem Buch The Emotional Lives of Animals. Hierin bezieht er sich auf eine Studie an Rhesusaffen, deren Männchen stark sexuell motivierte Eifersucht zeigten, da sie gewissermassen einen Besitzanspruch auf bestimmte Weibchen erheben.1 Im Interview mit dem «Schweizer Hunde Magazin», Heft Nr. 3/17, verweist Bekoff auf eine Studie von Christine Harris (University of California, San Diego, USA), die Eifersucht bei Hunden untersuchte2 und herausfand, dass diese ausgesprochen vehement mit Anstupsen, Bellen und Schnappen reagierten, wenn ihre Halter ihnen nicht die gewünschte Zuwendung zeigten, sondern sich bewusst anderen Objekten zuwandten. Doch wie sieht es mit unseren Hauskatzen aus? Gibt es zahlreiche grünäugige Monster unter ihnen oder ist ihnen Eifersucht weitgehend fremd? Wenngleich sich die Forschung unseren Samtpfoten noch nicht im Rahmen vergleichbarer Studien gewidmet hat, sprechen die Beobachtungen und Erkenntnisse unzähliger Katzenhalter eine deutliche Sprache: Katzen 24 Katzen Magazin 3/17

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VERHALTEN können extrem eifersüchtig sein und zeigen dies mitunter sehr deutlich. Hierbei geht es immer um Ressourcen, zu denen auch der Mensch zählt. Werden ihr der Sozialpartner, Nahrung oder das geliebte Kuschelkissen streitig gemacht, reagiert die Katze ungehalten. Sie versucht, ihre soziale Stellung sowie den weiteren Zugriff auf wichtige Ressourcen zu sichern. So ist es in Bezug auf materielle Dinge sicher nicht verkehrt, von Neid statt von Eifersucht zu sprechen. Dieser Beitrag behandelt den Besitzanspruch, den die Katze auf ihre Bezugsperson erhebt. Verlustangst wird oft verkannt Es erscheint nur logisch und liest sich wie eine Binsenweisheit, dass Katzen mit einer sehr engen emotionalen Bindung an ihre Bezugsperson besonders anfällig für Eifersucht sind. Bei ihnen spielt häufig starke Verlustangst eine wichtige Rolle, denn niemand möchte verlieren, was er oder sie liebt. Doch leider hält sich – und sei es unbewusst – in den Köpfen von Katzenhaltern vielfach die Meinung, dass unsere Büsi doch ziemlich unabhängig seien und auch ganz gut ohne besondere Zuwendung auskommen könnten. Greifen die Missverstandenen dann zu drastischen Mitteln, um auf ihre emotionale Not aufmerksam zu machen, werden ihnen oft unlautere Absichten bis hin zur Bosheit unterstellt. Missverständliche Liebesbotschaft In guter Erinnerung ist mir der Fall der beiden Kater Paul und Pepe3: Als pummelige, etwa fünf Jahre alte schwarz-weisse Stubentiger hatten sie es nicht leicht, ein neues Zuhause zu finden. Nach acht Monaten im Tierheim wurden sie endlich adoptiert und zogen zu einem berufstätigen Ehepaar mit viel Katzenerfahrung. Sie zeigten sich äusserst dankbar, begurrten und beschnurrten ihre Halter ständig, während sie ihnen auf Schritt und Tritt folgten. Von Anfang an durften sie im Bett schlafen und hielten sich vorbildlich an die Ruhezeiten. Alles schien in bester Ordnung zu sein, bis Pepe begann, seinem Herrchen morgens aufs Bett zu urinieren – immer dann, wenn dieser sich anschickte aufzustehen. 1 Ebd., S. 148. 2 Harris, Christine und Natalie Prouvost: Jealousy in Dogs. PLoS ONE 9 (7): e94597. doi:10.1371/journal.pone.0094597. 3 Namen geändert. Ich hatte zu jener Zeit noch nicht viel Erfahrung als Katzenpsychologin und war ratlos, bis ich den entscheidenden Hinweis erhielt, dass Pepe dieses Verhalten am Wochenende nicht zeigte. Seine Halter erklärten sich bereit, den Wecker zehn Minuten früher zu stellen, um den Katern vor dem Aufstehen ein Kuschelritual zukommen zu lassen. Die erste Mahlzeit wurde fortan erst kurz vor Verlassen des Hauses serviert – in einem Intelligenzspielzeug, sodass die Büsi sich nicht so sehr auf den Abschied fixierten. Der Plan ging auf, Pepe urinierte fortan immer seltener aufs Bett. Rückfälle gab es, wenn es morgens hektisch zuging oder Geschäftsreisen seines Herrchens Pepes Routine störten. Das Übrige brachte die Zeit: Nach einem Jahr im neuen Heim hatte der sensible Kater offenbar begriffen, dass seine neuen Menschen ihn nicht im Stich lassen würden – er hat seither nie wieder aufs Bett gemacht. Ich möchte mir jedoch gar nicht ausmalen, wie viele Menschen wahrhaft angepisst auf dieses Verhalten reagieren und sich schnell wieder von der Katze trennen. Damit setzt ein Teufelskreis für die unverstandenen Tiere ein, denn mit jeder Abgabe wächst deren Verlustangst … Terror aus Liebe Aber auch Katzen, die sich ihrer Beziehung zum Menschen sicher sind, können ihre Eifersucht sehr nachdrücklich zeigen. In Einzelfällen schrecken sie selbst vor dem wiederholten Einsatz von Zähnen und Krallen nicht zurück. Dies betrifft vor allem Handaufzuchten oder zu früh – also vor der zwölften Lebenswoche – abgegebene Katzen, die ihre Bezugsperson ihr Leben lang für sich allein hatten, bis das Subjekt ihrer Eifersucht auf der Bildfläche erschien, zum Beispiel ein neuer Partner oder eine neue Partnerin. Da eine angreifende Katze einen Links Gemeinsame Rituale wie Kuscheln im Bett stärken die Bindung und helfen so, Verlustangst einzudämmen.  Foto: fotolia.de Katzen Magazin 3/17 25

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VORSCHAU KATZEN MAGAZIN   August/September Foto: fotolia.de vzeSwrieepiatlesesmrseeiHntnadduneandmsd?«CgNKolieaeuitcpmzhoeennehinrnMeeAabignbenaeozaAbinneu!»sstgaeaullbseen Stressfreier Umzug mit Katzen Unsere Büsi sind Gewohnheitstiere, für die das vertraute Revier immens wichtig ist. Daher kann ein Umzug sensiblen Katzen sehr zu schaffen machen und sogar zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Wie Sie einen Umzug mit Ihren Fellnasen möglichst entspannt bewältigen, erfahren Sie in Ausgabe 4/17 des «Katzen Magazins». Orientierungskünstler «Katze findet nach Monaten Weg zurück nach Hause.» Solche Schlagzeilen liest man immer wieder. Aber was steckt dahinter? Wie schaffen es manche Katzen, ihr einstiges Zuhause über weite Strecken hinweg wiederzufinden? Wie orientieren sie sich? Erfahren Sie in der nächsten Ausgabe mehr dazu. Foto: fotolia.de Foto: Masayuki Oki 78 Katzen Magazin 3/17 Menschen und Katzen in Tokio – Harmonie mit Zwischentönen Katzen gehören zu Japan wie der Fuji-san und Sushi. Doch die Katzenliebe der Japaner hat auch Schattenseiten. Folgen Sie uns in den Tokioter Katzentempel Gōtoku-ji und das «Katzenviertel» Yanaka, und erfahren Sie in dem Interview, wie Fotograf Masayuki Oki auf die Katze kam. « »Der Hund lernt vom Menschen, sagt man. Der Mensch, wenn er Verstand hat, lernt von der Katze.  Eva Demski HERAUSGEBER Rolf Boffa, CEO RORO-PRESS VERLAG AG Erlenweg, CH-8305 Dietlikon Telefon 044 835 77 35 Telefax 044 835 77 05 info@katzenmagazin.ch www.katzenmagazin.ch ZUM MAGAZIN Titelbild: Britisch-Kurzhaar-Kätzchen Foto: sandra-schuermans.de Nächster Anzeigenschluss: 20. Juni 2017 Druckauflage: 10 430 Exemplare ISSN-Nr. 1423-6869 Herstellung: ib-Print AG, CH-5703 Seon REDAKTION UND PRODUKTION Sandra Süess, s.sueess@katzenmagazin.ch REDAKTIONSSEKRETARIAT leserforum@katzenmagazin.ch LEKTORAT Bettina von Stockfleth ABONNEMENTENSERVICE Leserservice Katzen Magazin Postfach, CH-6002 Luzern Tel. +41 41 329 23 00 katzenmagazin@dm-mediaservices.ch PREISE IN DER SCHWEIZ Einzelnummer: Fr. 7.70 Jahresabo: Fr. 42.– Zweijahresabo: Fr. 82.40 PREISE IM AUSLAND Einzelnummer: Euro 6.–­ Jahresabo: Euro 48.– Zweijahresabo: Euro 87.– Abopreise inkl. Versandkosten & gesetzlich geltender MwSt. ALLGEMEINE INFORMATIONEN Das «Katzen Magazin» wird auf elementarchlorfrei gebleichtem Papier gedruckt. Sämtliche Artikel und Bilder sowie das Layout sind urheberrechtlich geschützt. Jeglicher Nachdruck sowie die elektronische Verbreitung im Internet oder auf CD, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion gestattet. Zuwiderhandlungen werden rechtlich geahndet. Für unverlangt einge­sandte Manuskripte, Fotos usw. kann keinerlei Haftung übernommen werden. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge, Leserbriefe etc. geben die Meinung des Autors/Lesers wieder und müssen nicht den Redaktionsr­ ichtlinien entsprechen. Anzeigen und Beiträge können ohne Begründung abgelehnt werden, beispielsweise wenn sie nicht unseren Grundsätzen entsprechen. Das farbige, illustrierte «Katzen Magazin» erscheint zweimonatlich im RORO-PRESS VERLAG AG, Dietlikon und ist das offizielle Vereinsorgan von: Verein der Katzenfreunde Zürich, Katzenclub Aargau/Solothurn und Rasse­katzen-Vereinigung Ostschweiz. Der Inhalt der Vereinsnachrichten liegt in der Verantwortung der zeichnenden Vereine. 38. Jahrgang Copyright by

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HABEN SIE ES SCHON GESEHEN? UNSERE NEUE WEBSITE IST ONLINE! www.katzenmagazin.ch Katzen Magazin – vielseitig – kompetent – unterhaltsam Das Schweizer Katzen Magazin: ein Muss für Katzenfreunde! Das nächste KM erscheint in 35 Tagen SUCHEN … AAkutsugeallbee ➜ Wildkatzen Wegwerfkatzen Evolution … uvm! ➜ HOME ABO MAGAZIN THEMEN SUCHEN & FINDEN LINKS SERVICE WARENKORB Aktuelle Ausgabe BLÄTTERNNo 1 · Februar/März 2015 · CHF 7.70 aktuelIlnendeArusgabewww.katzenmagazin.ch ABJOENTNZIETREN Ich bin‘s, Luzy! AUS DEM LEBEN EINER KATZE Wildkatzen DROHENDE HYBRIDISIERUNG Wegwer atzen TRAURIGE REALITÄT NStoamr diensieJrathfürer dsen RATGEBER VERHALTEN KATZENKLO DAS RICHTIGE MANAGEMENT KMLäICnKnEchRe-TnR&ICKKSr:eisel GESCHICHTE DER KATZE TEIL 1/2: EVOLUTION • GESUNDHEIT: EPILEPSIE KLICKER-TRICKS Kunststücke sind zwar nicht unbedingt nützlich, aber sie machen Spass und sind oft relativ einfach zu weiterlesen… WILDKATZEN Die Europäische Wildkatze wurde im 18. und 19. Jahrhundert infolge intensiver Bejagung stark dezimiert. weiterlesen… WEGWERFKATZEN Ob es nun Halter sind, die nach dem Motto «defekte Ware gehört entsorgt» allzu schnell das Einschläfern weiterlesen… Das «Katzen Magazin» ist DIE Schweizer Zeitschrift für alle Katzenfreunde. Die vielseitigen, kompetenten und unterhaltsamen Beiträge richten sich gleichermassen an langjährige Besitzer, Liebhaber und Züchter. Testen Sie das «Katzen Magazin» und bestellen Sie gleich ein kostenloses Probeheft oder ein Schnupperabo – Für noch mehr Verständnis und Freude mit Ihrer Katze! Themen UPLOAD LESERFOTOS VORSCHAU KLEINANZEIGEN www.qualipet.ch DER Online-Shop für Ihre Katze. Ein riesiges gut sortiertes Angebot erwartet Sie auf >> Britisch-Kurzhaar-Kätzchen zu verkaufen liebevoll aufgezogene BKH-Kätzchen suchen ab Ende März ein liebevolles schönes >> LETZTE KOMMENTARE CatAddict lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dor sit >> CatAddict lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dor sit >> Tauchen Sie RATGEBER VERHALTEN QUALZUCHT GEFAHREN IM HAUSHALT ein in die spannende Welt der Katzen,loremipsumdolorsitloremipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit Ratgeber / Lesesto lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit LESERUMFRAGE teilen Sie uns Ihre Meinung zu Artikeln und unserem KannIhreKatzeauchTricks?Welche?Wiehaben Sie ihr diese beigebracht? Bitte beachten: Wir behalten uns das Recht vor, die Antworten/Bilder auch im Magazin zu verö entlichen. Bitte schreiben Sie bei «Ihr Name» hin, was wir verö entlichen dürfen (z.B. Vorname, Initialen oder Anonym). Magazin mit, blättern Sie in der aktuellen Ausgabe, ladenName Name der Katze TEXTEINGABEFELD Sie RASSEPORTRÄT KORAT MERKBLATT GIFTPFLANZEN ICH BIN‘S, LUZY Ihr Lieblings-Katzenfoto hoch und vieles mehr!loremipsumdolorsitloremipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit lorem ipsum dolor sit Foto hinzufügen (mind. 500KB) Absenden Antworten ansehen Copyright 2013 Schweizer Hunde Magazin IMPRESSUM KONTAKT VERLAG ES GIBT VIELES ZU ENTDECKEN – VIEL SPASS DABEI! www.katzenmagazin.ch

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