VNW Magazin 2/17

 

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VNW Magazin 2/17

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Magazin 9. Fachforum Rechnungswesen/Unternehmenssteuerung 26. und 27. Juni in Boltenhagen 2 2017 Mobilität Wohnungsmarkt-Analyse Digitalisierungstagung Freiraumplanung

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Partnerschaft, die Mehrwert schafft Machen Sie Ihre Immobilie fit mit einem zukunftsfähigen Netz. Vodafone Power to you Bieten Sie Ihren Bewohnern den Zugang zu vielfältigen Multimedia-Angeboten. Mit dem leistungsstarken Hybridnetz von Vodafone Kabel Deutschland, der idealen Kombination aus Glasfaser- und Koaxialkabel. Eine Entscheidung für die Zukunft. • Digitales Fernsehen – auch in HD-Qualität • Zeitflexibel fernsehen – mit dem Digitalen HD-Video-Recorder1 • Top-Filme und Serien auf Abruf mit der Vodafone Videothek2 • Internet mit Kabel-Power – mit bis zu 400 Mbit/s im Download bereits in einigen Ausbaugebieten verfügbar3 • Telefon-Anschluss – einfach und günstig über das Kabel3 • Kabel Internet Telemetrie – Bandbreite für Ihre Immobilie4 Mehr zu den Produkten und zur Verfügbarkeit unter www.vodafone.de/immobilienwirtschaft 1 Kopiergeschützte Sendungen (z. B. bestimmte Programme, Video-on-Demand) können aufgrund der Zusatzanforderungen einiger Programmveranstalter nicht angehalten, gespult oder aufgenommen werden. 2 Das Video-on-Demand-Angebot von Vodafone ist in immer mehr Städten und Regionen der Kabel-Ausbaugebiete von Vodafone verfügbar. Prüfung auf www.vodafone.de/vod. Voraussetzungen sind ein 862-MHz-Hausnetz, ein mit einer Giga TV 4K Box, einem Digitalen HD-Video-Recorder oder einem Digitalen HD-Receiver von Vodafone Kabel Deutschland ausgestatteter, kostenpflichtiger Kabel-Anschluss bzw. Vodafone TV Connect-Vertrag sowie ein InternetAnschluss. Empfohlene Bandbreite mindestens 6 Mbit/s. 3 Vodafone Kabel Deutschland Internet- und Telefonprodukte sind in immer mehr Ausbaugebieten von Vodafone Kabel Deutschland mit modernisiertem Hausnetz (862 MHz) verfügbar. Die Maximalgeschwindigkeit von 400 Mbit/s ist im Ausbaugebiet in ersten Städten und Regionen mit modernisiertem Hausnetz verfügbar. Weitere Städte und Regionen folgen. Bitte prüfen Sie, ob Sie die Produkte von Vodafone Kabel Deutschland in Ihrem Wohnobjekt nutzen können. Call-by-Call und Preselection nicht verfügbar. 4 Vodafone Kabel Deutschland Telemetrie ist in immer mehr Ausbaugebieten von Vodafone Kabel Deutschland verfügbar. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Stand: März 2017 Vodafone Kabel Deutschland GmbH • Betastr. 6–8 • 85774 Unterföhring

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magazin 2.I7 Mit einer Vision von einem Mosaik aus Grünflächen auf den Dächern Hamburgs gab der Erste Bürgermeister Olaf Scholz den Startschuss für die Erarbeitung und Umsetzung der Hamburger Gründachstrategie. Die Visualisierung zeigt, wie eine begrünte Dachlandschaft im dichten Hamburger Innenstadtbereich (hier: St. Georg) von oben aussehen kann. Nun gibt es dazu einen Wettbewerb. Siehe Seite 7. Quelle: Hamburger Behörde für Umwelt und Energie Visualisierung: TH Treibhaus Landschaftsarchitektur / Luftbild: Matthias Friedel 08 14 19 ZuwandeInruhnalgt 62 Vnw THEMA – ANALYSE – VISION 02 Vorwort 03 Wohnungsbau in Schleswig-Holstein 05 Genossenschaftstagung 06 Hamburger Wohnungsmarkt 07 IBA Partnerfrühstück 08 Tagungsrückblick: E-Mobilität 57 Nachrichten aus der norddeutschen Wohnungswirtschaft 10 Angstforschung 12 Bundestagswahl 14 Europäische Agenda 2017 17 Kunst am Wohnungsbau 19 Studie Sozialer Zusammenhalt 22 Wohnungsgenossenschaften als Partner 32 Mieterbefragung 35 Schwerpunkt: Serielles Bauen 40 Serie: Freiraumplanung 43 Serie: ERP-Umstellung 48 Vorsitz Beirat Nord 49 Schwerpunkt: Mobilität 54 Digitalisierungstagung „Die Wohnungswirtschaft präsentiert sich“ Mehr dazu auf Seite 63 Foto: GdW/Urban Ruths 1

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Vorwort Neue Mobilität im Wohnquartier – Der Weg zur digitalen Stadt Axel Gedaschko, Präsident GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. Ob E-Bike, Pedelec oder Carsharing: Neue Mobilitätsformen haben sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt und halten Einzug in die Wohnquartiere. Innovative technologische Entwicklungen sorgen dafür, dass sich das Mobilitätsverhalten der Bewohnerinnen und Bewohner verändert. Der technische Fortschritt und die neuen Möglichkeiten, gewohnte Strecken von A nach B auf effizientere und häufig umweltfreundlichere Art und Weise zurücklegen zu können, machen in der Quartiersund Stadtplanung ein neues Mobilitätsmanagement notwendig. Die Prozesse der Digitalisierung und Technologisierung entfalten dabei eine Dynamik, die das Wohnen, ganze Nachbarschaften und die gesamte Stadtgesellschaft massiv beeinflusst. Das "Internet of Things" wirkt in die für die Wohnungswirtschaft relevanten Wertschöpfungsketten ebenso hinein wie in die Datenhoheit und die städtebaulichen Regelungsinstrumente der Kommunen. Neue Mobilitätskonzepte stellen die bisherigen Konzepte der Verkehrs- und Stellplatzorganisation infrage. Die Wohnungswirtschaft hat ein großes Interesse daran, die neue Mobilität in ihre Stadtentwicklungskonzepte zu integrieren und innovative Prozesse aktiv mitzugestalten. Eine Stärke der vor Ort tätigen und häufig stark verwurzelten und vernetzten Wohnungsunternehmen und Sanierungsträger ist es, neue Entwicklungen vom Quartiersgedanken und seinen Bewohnern her zu bewerten und gestalten zu können. Ihr Alleinstellungsmerkmal besteht darin, Themen wie "e-mobility" nicht isoliert, sondern in ihrem Zusammenspiel für das Wohnen im Quartier weiterzuentwickeln. Wohnquartiere können hierbei als Reallabor für intelligente Mobilität dienen. Im Zusammenhang mit Mieterstromprojekten wird in einem Vorreiter-Projekt in Chemnitz bereits wohnungswirtschaftlich integrierte netzneutrale Elektromobilität erprobt. Konkret sollen hier Mehrfamilienhäuser mit technischen Anlagen ausgerüstet werden, die aus erneuerbaren Energien Strom produzieren – beispielsweise aus Sonnenergie. Der so erzeugte „grüne“ Strom soll zum einen als „Mieterstrom“ an die Mieter abgegeben werden und zum anderen genutzt werden, um Elektrofahrzeuge vor der eigenen Haustür aufzuladen. Der Strom wird anhand von Überkapazitäten, Auslastungsschwankungen und Netzstatus intelligent gesteuert. Das Potenzial ist groß: Der Mieter profitiert von günstigem Mieterstrom und von einer Carsharing-Lösung vor dem eigenen Haus. Das Wohnungsunternehmen, das die Lösung anbietet, kann sich Wettbewerbsvorteile sichern. Zudem kann der Mieter durch das Carsharing vor der eigenen Haustür auf die Anschaffung eines eigenen Autos verzichten. Das entlastet nicht nur die Umwelt, sondern auch das allgemeine Verkehrsaufkommen und die häufig kritische Parkplatzsituation in dicht bebauten Stadtgebieten. Innovative Energie- und Mobilitätskonzepte können aber nicht nur zu einem „Aufatmen“ in verkehrsbelasteten Ballungsräumen beitragen, sondern gerade auch in schrumpfenden Regionen für ein „Aufwachen“ sorgen. Durch die notwendige Verbesserung der Infrastruktur können Regionen mit Bevölkerungsrückgang stabilisiert und aufgewertet werden. Damit ist neue Mobilität viel mehr als nur Elektrofahrzeuge und Ladestationen: Auf dem Weg zur digitalen Stadt bietet sie die große Chance für eine bundesweit balanciertere regionale Entwicklung. 2

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Wohnungsbau in Schleswig-Holstein „Das Richtige an den richtigen Stellen“ VNW „Wir brauchen vielfältige, bunte, lebendige Wohnquartiere und bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen in unserer Stadt – ganz gleich, wie hoch ihr Einkommen ist. Die Förderrichtlinien des Landes müssen uns mithilfe von Zuschüssen ermöglichen, solchen Wohnraum zu schaffen und wirtschaftlich am Markt zu halten.“ Dr. Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister Kiel Bei der Landespressekonferenz am 2. März 2017 forderten VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner (2.v.r.) und der Vorsitzende des VNW Landesverbandes Schleswig-Holstein Raimund Dankowski (2.v.l.) gemeinsam mit Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer (r.), Flensburgs Bürgermeister Henning Brüggemann (l.) und Heides Bürgermeister Ulf Stecher (M.): Wohnungsbau braucht handlungsfähige Kommunen. Am 7. Mai wählen die Schleswig-Holsteiner ihren neuen Landtag. In keinem Parteiprogramm fehlt die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum. Der Neubaubedarf ist da. In der aktuellen Prognose zum Wohnungsmarkt rechnet das Land mit 154 000 zusätzlich benötigten Wohnungen bis 2030. Die meisten davon – 78 000 Wohnungen – bis 2019. Vor allem in den Groß- bzw. Universitätsstädten und deren Umland sowie im sogenannten Hamburger Speckgürtel wird mehr Wohnraum benötigt. „Das Land hat den Neubaubedarf erkannt. Nun muss gehandelt werden – und zwar schnell“, fordert deshalb VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner. „Kommunen müssen finanziell wie personell in der Lage sein, bedarfsgerecht Bauland zu entwickeln, in Erschließung und in Wohnfolgeinfrastrukturen zu investieren. Nur dann können wir das Richtige an den richtigen Stellen bauen.“ Breitner plädiert außerdem dafür, das Augenmerk auf den Bau von Mehrfamilienhäusern zu legen. „Wir fordern eine Abkehr vom Einfamilienhaus und eine Renaissance des Geschoss­ wohnungsbaus“, so der Verbandsdirektor. Dies würde auch das Ungleichgewicht zwischen einigen Kommunen begrenzen, in denen Kommune A für bezahlbaren, ggf. sozialen Wohnungsbau sorgt, während Nachbarkommune B nur Einfamilienhausgebiete ausweist und Menschen mit kleinen Einkommen schlicht auf Kommune A verweist. Wichtiges Thema beim Wohnungsbau bleiben weiterhin die steigenden Anforderungen und Kosten. „Wer Wohnungen baut und im Bestand hält, kommt an Qualität nicht vorbei. Die gesetzlichen Standards und die Notwendigkeit, langfristig vermieten zu können, sorgen dafür. In der Praxis müssen wir aber mit weit höheren Forderungen umgehen“, erklärt Raimund Dankowski, Vorsitzender VNW Landesverband Schleswig-Holstein e.V. „Konkret heißt das: mehr Klimaschutz, mehr Barrierefreiheit, mehr Mitsprache bei der Gestaltung. Selbst Städte mit gutem Nahverkehrsangebot verlangen im Geschosswohnungsbau zwei PKW- und drei Fahrradstellplätze pro Wohnung – auch für Sozialwohnungen. Das geht zulasten der Wohnfläche und erhöht die Kosten. Viele haben noch nicht einmal so einen hohen Stellplatzbedarf. Da muss sich dringend etwas ändern – und das geht nur mit entsprechender Konzentration aufs Thema. Wir brauchen Menschen in den Verwaltungen, die sich vorrangig mit Wohnungsbau beschäftigen. Wohnungsbau muss Chef­ sache werden“, fordert Dankowski. Angesichts des Bedarfs hat der VNW eine Wohnungsbaukonferenz vorgeschlagen. Das Land lädt in der zweiten Jahreshälfte 2017 die für den Wohnungsbau wichtigen Akteure ein. h „Sozialer Wohnungsbau kann nicht allein eine Aufgabe der Zentren sein. Diese Aufgabe muss regional im Stadt-Umland-Kontext gedacht werden. Hier ist auch das Land gefragt, das diesbezüglich landesplanerische Vorgaben setzen muss.“ Henning Brüggemann, Bürgermeister Flensburg „Bezahlbarer Wohnraum stellt die zentrale Grundlage für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung dar. Deshalb müssen Fördermöglichkeiten zielführend aufgestockt und Rahmenbedingungen flexibler werden.“ Ulf Stecher, Bürgermeister Heide 3

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VNW Jahreshauptversammlung Schleswig-Holstein Wohnungsbau für alle: gut, sicher, bezahlbar, wirtschaftlich Unter der Moderation von NDR-Moderatorin Karin Henningsen (r.) diskutierten zur Wohnungsbaupolitik (v.l.n.r.) : Peter Lehnert (MdL), CDU-Landtagsfraktion, Uli König (MdL), Parlamentarischer Geschäftsführer Piratenfraktion, Monika Heinold, Finanzministerin, Spitzenkandidatin Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Ralf Stegner (MdL), Vorsitzender SPD-Landtagsfraktion, Lars Harms (MdL), Vorsitzender SSW-Landtagsfraktion, und Christopher Vogt (MdL), Stellvertretender Vorsitzender FDP-Landtagsfraktion. Die Jahreshauptversammlung des VNW Landesverbandes Schleswig-Holstein e.V. hat am 3. März 2017 in Schleswig stattgefunden. Sie stand ganz im Zeichen der bevorstehenden Landtagswahl. Vorsitzender Raimund Dankowski begrüßte die rund 90 Gäste und bot einen Überblick über die wichtigsten bundesweit und regional diskutierten wohnungspolitischen Themen. Einen Einblick in die Landesentwicklungsstrategie Schleswig-Holsteins 2030 vermittelte Thomas Losse-Müller, Chef der Staatskanzlei, in seinem Vortrag „Gemeinsam Zukunft im echten Norden gestalten“. Einen Ausblick auf ihre zukünftige (wohnungs-) politische Richtung gaben Abgeordnete von CDU, SPD, GRÜNE, FDP, PIRATEN und SSW. Unter der Moderation von Karin Henningsen, NDR, debattierten sie, wie Wohnungsbau für alle gut, sicher, bezahlbar und wirtschaftlich funktionieren kann. Diskutiert wurden die Themen Baurecht, Grundstücksvergabe, spezielle Rahmenbedingungen für den sozialen Wohnungsbau, Grunderwerbsteuer, energetische Vorgaben, Stellplatzverordnungen, Zuschussprogramme, Kreditvergaben, Finanzausgleich, Infrastruktur und die finanzielle und personelle Ausstattung von Verwaltungen. Einig waren sich die Politiker nur in einer Sache: Schleswig-Holstein braucht mehr bezahlbare Wohnungen. h Thomas Losse-Müller, Chef der Staatskanzlei, stellte die Landesentwicklungsstrategie 2030 vor. Raimund Dankowski, Vorsitzender VNW Landesverband SH, begrüßte die Gäste. Die nächste Jahreshauptversammlung findet am 2. März 2018 im Ringhotel Waldschlösschen in Schleswig statt. 4

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BIM, Hanf und Krisenhandbuch Wohnungsbaugenossenschaften tagen in Schleswig VNW Ein volles Programm bot wieder die Konferenz der SchleswigHolsteinischen Wohnungsbaugenossenschaften. Rund 40 Vorstände kamen am 2. März 2017 nach Schleswig, um sich über Themen aus Technik, Recht und Kommunikation zu informieren. Sven Auen, Sprecher der Schleswig-Holsteinischen Wohnungsbaugenossenschaften, begrüßte die Gäste. Erster Redner war Joachim Eckert, Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Service beim GdW. Eckert präsentierte Ideen zum Thema „Dienstleistungen rund ums Wohnen“. Er erklärte, wie und warum die Wohnungswirtschaft verstärkt die Initiative in Sachen Vermarktung und Service ergreifen sollte. „Verdämmte Energiewende!“, lautete der Titel des Vortrages von Uwe Meyer aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit Falk Böhm von der Deutsche Amphibolin-Werke (DAW SE) erklärte er den Sachstand und die weitere Entwicklung rund um HBCD-haltige Dämmstoffe. Diskutiert wurde auch über die Dämmmateriala­ lternative Hanf. Technisch ging es in der Präsentation von Lars Kölln von der CORE architecture weiter. Er fragte „Planen und Bauen mit BIM: Ein Modell für die Wohnungswirtschaft?“ und zeigte anhand eines Pilotprojektes die Vorteile der Planungsmethode. Ein Praxisbeispiel in Sachen „Abriss / Neubau – welche Risiken können bestehen?“, stellten Axel Neugebauer und Klaus-Dieter Schmitt von der Baugenossenschaft Kiel-Hassee eG zur Diskussion. Dabei gingen sie vor allem auf drei Punkte ein: 1. vertragliche Stellung der Mieter, 2. Duldungspflicht und Sonderopfer, 3. Organisationszuständigkeit. Um „Krisenprävention durch Kommunikation – Wege für die Wohnungswirtschaft“ ging es in dem Vortrag von Birka Friedrich von der Johanssen + Kretschmer Strategische Kommunikation GmbH. Friedrich riet: „Löschen, bevor es brennt.“ Ein Krisenhandbuch sei dafür gut geeignet. Abschließend erläuterten Gerhard Viemann, Prüfungsdirektor des VNW und Rainer Maaß, VNW-Justiziar, den Sachstand und die Auswirkungen der Genossenschaftsrechts-Novelle. h Die Vorträge der Konferenz können hier unter Eingabe der Online-Zugangsdaten abgerufen werden: Die nächste Konferenz der Schleswig-Holsteinischen Wohnungsbaugenossenschaften findet am 1. März 2018 im Ringhotel Waldschlösschen in Schleswig statt. VNW lädt ein: FachForum Rechnungswesen Das FachForum Rechnungswesen hat sich für alle, die im Wohnungsunternehmen Verantwortung für Rechnungswesen und Unternehmenssteuerung tragen, zu einem wichtigen Treffpunkt entwickelt. Am 26. und 27. Juni 2017 lädt der VNW wieder dazu ein. Der Schwerpunkt in diesem Jahr liegt im Bereich der Digitalisi­erung und deren Auswirkungen auf das Rechnungs­ wesen. Anmelden können Sie sich unter www.vnw.de. h 9. FachForum 26./27. JUNI 2017 • BOLTENHAGEN Rechnungswesen/ Unternehmenssteuerung Anzeige_VNW-MAGAZIN_U4_Rechnungswesen_2017.indd 1 516.02.17 11:47

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VNW Hamburger Wohnungsmarkt „Es gibt keinen Grund zur Panik“ Hamburg ist als Metropole mit wachsen- der Bevölkerung seit Langem ein begehr- ter Wohnstandort. Dies ist mit steigenden Immobilien- und Mietpreisen sowie sin- kendem Wohnungsleerstand verbunden, insbesondere in den stark nachgefragten Stadtteilen. Von Wohnungsnot und explo- dierenden Mieten kann jedoch generell nicht die Rede sein. Zur Versachlichung des Themas hat die Hamburger Woh- nungswirtschaft zum zweiten Mal eine unabhängige Studie beim Center for Real Estate Studies (CRES) in Auftrag gegeben. Bei der Präsentation der CRES-Studie (v.r.n.l.): Andreas Breitner, Als Grundlage dieser großen umfassenden Untersuchung zum Mietpreisgefüge in der Hansestadt dienen „echte“ Miet- VNW-Verbandsdirektor, Heinrich Stüven, Vorsitzender des Grundeigentümer-Verbandes Hamburg, Sönke Struck, BFW-Landesvorsitzender, und Axel-H.Wittlinger, Vorsitzender des IVD Nord. marktdaten aus dem Jahr 2016 von rund 250 500 Mietwohnungen sowohl von privatwirtschaftlichen als „Die Studie verdeutlicht mir drei Dinge: auch von städtischen und genossenschaftlichen Vermietern. Die 1. Hamburg ist nicht gleich Hamburg. Datenbasis der Studie steht im Gegensatz zu diversen anderen 2. Der Wohnungsmarkt ist angespannt. Untersuchungen, deren Datengrundlage auf Angebotsmieten 3. Es gibt keinen Grund zur Panik. aus Internetportalen basiert. Die Hansestadt bietet ein heterogenes Wohnungsangebot. Dass Das Ergebnis: Mieter können in der Elbmetropole nach wie es auch günstige Wohnungen gibt, zeigt nicht zuletzt die Durch- vor ausreichend Angebote zu marktrealistischen Konditionen schnittsmiete von 6,34 Euro der VNW-Mitgliedsunternehmen. finden. Hochgerechnet auf den gesamten Hamburger Mietwoh- Doch bezahlbare Mieten setzen bezahlbares Bauen voraus. Bei nungsmarkt (697 000 Mietwohnungen) liegt die rechnerische den hohen Bau- und Grundstückspreisen ist das aktuell eine Durchschnittsmiete monatlich bei 8,15 Euro pro Quadratmeter Herausforderung. Hinzu kommen die gestiegenen ordnungs- netto-kalt. 68 Prozent der Hamburger Mieten liegen zwischen rechtlichen und kommunalen Anforderungen. Hier benötigen 6,36 und 9,94 Euro pro Quadratmeter. Bei der SAGA Unter- wir dringend Lösungen. Das ‚Bündnis für das Wohnen‘ ist dafür nehmensgruppe und den Wohnungsgenossenschaften liegt eine gute Grundlage. Wir werden uns dort weiterhin stark die Durchschnittsmiete insgesamt sogar nur bei 6,34 Euro pro machen, damit der Wohnungsmarkt so heterogen bleibt und Quadratmeter. Bei den privaten Vermietern liegt sie bei 9,22 Euro auch die Mieterinnen und Mieter mit geringerem Einkommen pro Quadratmeter. Zu den Ergebnissen der Studie erklärt zum Zuge kommen.“ VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner: 4,1 4,3 4,5 4,7 4,9 5,1 5,3 5,5 5,7 5,9 6,1 6,3 6,5 6,7 6,9 7,1 7,3 7,5 7,7 7,9 8,1 8,3 8,5 8,7 8,9 9,1 9,3 9,5 9,7 9,9 10,1 12000 10000 8000 6000 4000 2000 0 Ø 6,34 Euro Nettokaltmiete in EUR pro Quadratmeter Histogramm der Quadrat­ metermieten der Gruppe 1 (Wohnungsgenossenschaften und SAGA Unternehmens­ gruppe) Quelle der beiden Grafiken: Studie zum Hamburger Mietwohnungsmarkt, 2017, CRES. absolute Häu gkeiten 6

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VNW Die CRES-Studie finden Sie auf www.vnw.de und hier: Vergleich der Fluktuation der Gruppen 1 (Wohnungsgenossenschaften und SAGA Unternehmensgruppe) und 2 (privatwirtschaftliche Verwalter/ Verwaltungsunternehmen bzw. Woh­ nungsbaugesellschaften) Die Neuvertragsmieten bzw. Wiedervermietungsmieten liegen naturgemäß höher als die Bestandsmieten. Bei der SAGA Unternehmensgruppe und den Wohnungsgenossenschaften liegen diese bei 6,37 Euro pro Quadratmeter in normaler und bei 7,30 Euro pro Quadratmeter in guter Wohnlage, bei den privaten Vermietern sind es 10,39 Euro pro Quadratmeter in normaler Wohnlage und 11,51 Euro pro Quadratmeter in guter Wohn­ lage. Auch die Höhe der ermittelten Fluktuationsrate, das heißt das Verhältnis der in einem Jahr neu vermieteten Wohnungen zum Gesamtbestand, spiegelt einen funktionierenden Mietwohnungsmarkt wider. Die durchschnittliche Fluktuation über die gesamte Studie beträgt im Untersuchungszeitraum April 2015 bis April 2016 neun Prozent. Die Fluktuationsquote lag bei den kommunalen und genossenschaftlichen Vermietern bei acht Prozent und bei den privaten Vermietern bei 14,4 Prozent. Häufiger Mieterwechsel setzt ein entsprechendes Angebot attraktiver Wohnungen voraus. h Hamburger Preis für Grüne Bauten Die Behörde für Umwelt und Energie der Freien und Hansestadt Hamburg sucht besondere und innovative Gebäudebegrün­ungen, die beispielhaft für gelungene Gestaltung und spannende Nutzung stehen. Voraussetzung: Die begrünte Fläche misst mindestens zwölf Quadratmeter und das Gebäude liegt im Hamburger Stadtgebiet oder einem der angrenzenden Landkreise. Informationen finden Sie unter www.hamburg.de/gruendach. Einsendeschluss ist der 2. Juni 2017. h Quelle: BUE / Visualisierung: TH Treibhaus Landschaftsarchitektur / Luftbild: M. Friedel VNW erstmals Gastgeber des IBA Partnerfrühstücks Am 22. März 2017 hatte der VNW zum IBA-Partnerfrühstück in den Kulturpalast Billstedt eingeladen. Mit der Wahl des Ortes verdeutlichten die VNW-Mitgliedsunternehmen ihr Engagement im Quartier. Sie sind in vielen Stadtteilen aktiv, kooperieren mit kulturellen Einrichtungen und unterhalten selbst Nachbarschaftstreffs und Begegnungsstätten für ihre Mieterinnen und Mieter. h Rund 80 Gäste kamen zum IBA Frühstück. Darunter VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner und Hamburgs Bausenatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt. Foto: IBA Hamburg GmbH / Tyll Birnbaum 7

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VNW Immobilienpartner im Gespräch „Elektromobilität und Immobilie“ Machten mobil (v.l.n.r.): Timo Paulsen, Stromnetz Hamburg GmbH, Stefan Söchtig, HFK Rechtsanwälte LLP Hamburg, Volker Claussen, Bauverein der Elbgemeinden eG, Petra Memmler, VNW, Dr. Joachim Wege, HFK Rechtsanwälte LLP Hamburg, Peter Lindlahr, hySOLUTIONS GmbH Hamburg, und Frank Christian Hinrichs, inno2grid GmbH Berlin. (Nicht auf dem Foto: Referenten Ulrich Görg, Allego GmbH, und Matthias Kock, Staatsrat Stadtentwicklung und Wohnen Hamburg) „Elektromobilität und Immobilie“ – ob und wie das zusammenpasst, darüber informierten sich am 3. April 2017 rund 60 Teilnehmer im Rahmen der VNW-Veranstaltungsreihe „Immobilienpartner im Gespräch“ in Hamburg. Der Tag begann bereits mit einem Highlight: Bei strahlendem Sonnenschein nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, eine Proberunde in einem von vier E-Mobilen zu drehen. Im Anschluss eröffnete VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner offiziell die Veranstaltung: „Welche Anforderungen stellen wir an die Immobilie der Zukunft?“, fragte er. Dieser Frage gingen im Laufe des Tages Experten aus den Bereichen Politik, Recht und Wirtschaft nach. Im Mittelpunkt: das Thema E-Mobilität. Stefan Söchtig von der Kanzlei HFK Rechtsanwälte stellte zunächst formale Rahmenbedingungen, aber auch Fördermöglichkeiten vor. „Der Mieter kann Sie heute noch nicht zur Bereitstellung einer Lade­ infrastruktur für Elektromobile zwingen“, erklärte er. Von Zwang wollte auch der Hamburger Staatsrat für Stadtentwicklung und Wohnen, Matthias Kock, nicht sprechen. Er verwies auf das „Bündnis für das Wohnen“: Die Parteien hätten sich auf Ziele für die E-Mobilität in der Stadt geeinigt – der Senat vertraue darauf, dass die Wohnungswirtschaft an der Erfüllung arbeite. Ulrich Görg, Allego GmbH, erläuterte, welche Schritte zum Aufbau einer Ladeinfrastruktur notwendig sind, während Timo Paulsen, Stromnetz Hamburg GmbH, zukünftige Anforderungen an das Stromnetz sowie Ladeinfrastruktur-Lösungen für Wohnungsunternehmen vorstellte. Peter Lindlahr, hySOLUTIONS GmbH Hamburg, ergänzte Paulsens Vortrag, indem er die Anforderungen der jeweiligen Elektrofahrzeuge darstellte: „Es gibt bereits Lösungen. Jetzt muss die Wohnungswirtschaft herausfinden, welche zu ihr passen“. Ein praktisches Beispiel bot der Vortrag von Volker Claussen, Bauverein der Elbgemeinden eG: Anhand des Quartiers Heidrehmen gewährte Claussen den Teilnehmern einen Einblick in das Energie- und Mobilitätskonzept der Ham- 8 burger Genossenschaft, die bereits drei E-Mobile zu ihrer Flotte zählt. Gemeinsam mit dem Anbieter Cambio hat sie außerdem ein Carsharing-Konzept auf die Beine gestellt. Die abschließende Podiumsdiskussion griff insbesondere einen Aspekt des Beitrags von Frank Christian Hinrichs, inno2grid GmbH, auf. „Wohnungswirtschaft: Treiberin oder Getriebene?“, hatte dieser vormittags gefragt. In einem Punkt waren sich die Anwesenden einig: Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wohnungswirtschaft und Gesellschaft sowie Anbieter und Dienstleister sollten sich austauschen, um mehr Klarheit zu schaffen. h Probesitzen: VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner im BMW i3. Weitere Informationen zum Thema „Mobilität“ erhalten Sie im Schwerpunkt dieser Ausgabe ab Seite 49. Dort finden Sie auch die Beiträge der beiden Referenten Frank Christian Hinrichs und Stefan Söchtig.

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Hanf dämmt grüner. Die natürliche Alternative. Was wäre, wenn Fassadendämmung einfach nachwachsen würde? Nachwachsend, nachhaltig, natürlich. Das ist unsere neue Generation der Wärmedämmung. Das revolutionäre Dämmsystem Capatect System Natur+ basiert auf Hanf, einer der ältesten Nutzpflanzen der Welt. Die Dämmplatte besteht aus natürlichen Rohstoffen und verfügt über hervorragende Dämmeigenschaften. Auch die hohe Diffusionsoffenheit und der ausgezeich­ nete Schallschutz werden Sie überzeugen. Capatect System Natur+ Erfahren Sie mehr zum Capatect System Natur+ für eine gute Zukunft unter: www.caparol.de/hanf-daemmt-gruener

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Angstforschung Werden wir eine Gesellschaft der Angst? Von Prof. Dr. Borwin Bandelow, Universität Göttingen Professor Bandelow ist Psychiater und Neurologe, Psychologe und Psychotherapeut. Er ist Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen, Experte für Angsterkrankungen und Autor mehrerer Bestseller über psychologische Themen. Er war zu Gast beim diesjährigen Zwischenahner Gespräch des vdw Niedersachsen Bremen. „Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. I n den Medien überschlagen sich Meldungen, die uns täglich immer mehr Angst machen: Der Terroranschlag in Furcht führt zu Wut. Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“ Zitat vom Jedi-Meister Yoda aus der Filmreihe „Krieg der Sterne“ getötet oder verletzt zu werden, sehr gering ist. Auch in Deutschland muss man sich die Statistik ansehen: So Berlin, ständig neue Nachrichten sterben pro Jahr 9 000 Menschen über ausgehobene Terrorzellen, Zunahme der Gewaltkriminalität bei Haushaltsunfällen, die gleiche Anzahl kommt bei Freizeit­ durch Ausländer, osteuropäische oder nordafrikanische Banden, unfällen ums Leben – das sind fast dreimal so viele wie die zu die zunehmend in Wohnungen einbrechen oder Geldautoma­ verzeichnenden jährlichen Verkehrstoten (3 000). Nun denkt ten sprengen, Überfälle von Migranten auf Frauen in Köln und niemand, der sich morgens an die Hausarbeit macht, daran, anderen Großstädten – es scheint so, dass unser Leben deutlich dass er dabei sterben könnte. Es gibt einen Hype um Elektro­ gefährlicher geworden ist als noch in früheren Jahren. Vor allem fahrräder – im Jahre 2016 starben jedoch immerhin 46 Deutsche haben wir das Gefühl, dass uns niemand vor diesen Gefahren beim Gebrauch von Pedelecs. Aber warnt der Innen­minister vor schützen kann. Der Innenminister redet von einer dauerhaft Elektrofahrrädern? erhöhten Gefährdungslage. Es wird den Bürgern aber nicht klar, Warum haben wir derzeit mehr Angst vor islamistischen wie und ob uns die Politik oder die Polizei vor diesen neuen Be­ Terroranschlägen oder vor der Bedrohung durch Migranten als drohungen schützen kann. Als einzige Lösung wird uns von den vor den alltäglichen Bedrohungen? Dafür gibt es zwei Gründe: Regierenden immer wieder die Aufstockung des Polizeiaufgebots Zum einen unterschätzen wir Gefahren, die uns als neu und angeboten, zu bezahlen durch den Steuerzahler – aber niemand unbeherrschbar erscheinen. Wenn ein neues Virus auftaucht, das hat den Eindruck, dass dies uns dauerhaft vor diesen Gefährdun­ fünfzig Todesopfer verursacht hat, befürchten wir, uns anzu­ gen schützen kann, selbst wenn die Personalerhöhung zeitnah stecken und das nächste Opfer zu werden. Im gleichen Jahr sind in die Tat umgesetzt werden würde. aber in Deutschland vielleicht 15 000 Menschen an banalen, Sind wir diesen neuen Gefahren schutzlos ausgeliefert? bekannten Grippeviren gestorben. Werden wir in den nächsten Jahren in zunehmender Angst Unser Gehirn hat zwei Zentren, in denen Angst verarbeitet leben? Gerät unser Leben aus den Fugen? Wird sich unsere wird. Zum einen gibt es ein sehr einfaches, primitives Angstzen­ Lebensqualität massiv verschlechtern? trum, das noch aus der Urzeit der Menschheit stammt. Dieses Bei nüchterner Betrachtung ist es allerdings so, dass die neu Zentrum warnt uns zum Beispiel davor, Spinnen anzufassen. heraufbeschworenen Ereignisse doch recht selten eintreten. Vor hunderttausend Jahren mögen die Spinnen auch in unserer Jemand hat ausgerechnet, dass die Chance, Opfer eines Terror­ Gegend noch gefährlich gewesen sein. Heutzutage gibt es in anschlags zu werden, weltweit bei 1:27 Millionen liegt. Ein paar Deutschland keine gefährliche heimische Spinne mehr. Dennoch Zahlen zum Vergleich: In den USA starben in einem Jahr neun läuft beim Anblick eines Achtbeiners ein inneres Programm ab: Menschen durch islamistische Terroristen. Von diesen islamis­ Sobald unser primitives Angstsystem im Gehirn davor warnt, tischen Tätern waren nur zwei Ausländer; die übrigen sieben diese Spinne könnte einen töten, sagt uns unser vernünftiges waren US-Bürger (ein Einreisestopp hätte also diese Taten kaum Gehirn, dass dies gar nicht möglich ist, da unsere heimischen Ex­ verhindern können). Im gleichen Zeitraum starben durch Rasen­ emplare nicht beißen. Diese beiden Angstzentren arbeiten aber mäherunfälle 69 Personen, durch Blitzschläge 31 Personen nicht notwendigerweise zusammen. Das urzeitliche Angstsystem und durch bewaffnete Kinder 21 Personen. Durch andere ist zwar relativ einfach gestrickt und nimmt im Gegensatz zum amerik­ anische Staatsbürger wurden 11 737 Personen getötet. intelligenten Angstsystem einen weitaus kleineren Raum ein, Dreitausend Menschen wurden durch ihren Ehepartner ermor­ aber es hat Vorrang vor dem schlaueren Part, weil es schon det. Auch wenn die überlebenden Opfer von schrecklichen immer unser Überleben gesichert hat. Die Folge: Wir wissen, Terrora­ nschlägen und deren Angehörige durch solche Zahlen­ dass die Spinne harmlos ist, aber wir würden sie im Rahmen spiele nicht getröstet werden, so muss man doch sagen, dass für einer Wette selbst für hundert Euro nicht anfassen. jeden von uns die Chance, von einem terroristischen Anschlag Wir können Ängste überwinden, indem wir versuchen, mit 10

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unserem intelligenten Gehirn auf dieses einfache Angstsystem einzuwirken – dies ist aber nicht ganz einfach. So versteht das einfache Angstgehirn eben nichts von Statistik. Wenn wir schreckliche Bilder von einem Terroranschlag sehen, können wir uns nicht einfach damit beruhigen, dass es statistisch sehr unwahrscheinlich das nächste Opfer zu sein. Allerdings ist es so, dass die „neuen“ Gefahren irgendwann nicht mehr neu sind. Dann gewöhnen wir uns auch an diese Bedrohungen. Man denke an Menschen, die in Städten wie Bagdad oder Kabul leben, in denen fast täglich Bombenan­ schläge stattfinden. Auch dort gehen die Menschen jeden Tag zur Arbeit oder auf einen Markt, um einzukaufen. In Städten wie Rio de Janeiro oder Johannesburg gehört es zum Alltag, über­fallen oder vergewaltigt zu werden. Dennoch ist die Lebensfreude der Menschen dort nicht notwendigerweise geringer als in unseren sicheren deutschen Städten. Man hat sogar den Eindruck, dass es in den Slums von Jakarta oder in den Favelas von Rio de Janeiro mehr lachende Gesichter gibt als im Banken­ viertel von Frankfurt am Main. Menschen können sich sehr gut an Ängsten adaptieren. Dies berichteten auch Deutsche, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben. Menschen sind unglaublich anpassungsfähig, was Gefahren angeht. Daher ist nicht zu er­ warten, dass wir als Gesellschaft immer ängstlicher werden und unsere Lebensqualität immer mehr sinkt. Die Entwicklung in der Politik in der letzten Zeit gibt uns eben­ falls großen Anlass zur Sorge. Die USA, ein Land, das bisher als berechenbarer und stabiler politischer Faktor angesehen wurde und bei uns immer das Gefühl hinterließ, dass man sich recht sicher fühlen kann, wenn man nur mit den Amerikanern zusammen arbeitet, ist ein unsicherer Kandidat geworden. Angstforschung Auch Russland, das in den letzten Jahrzehnten die Großmacht­ allüren teilweise abgelegt hatte, ist wieder unberechenbarer und bedrohlicher geworden. Die Annexion der Krim zeigte uns allen deutlich, dass imperialistische Phantasien in Russland weiterbe­ stehen. Zudem droht Europa durch die wirtschaftliche Dominanz der Chinesen ins wirtschaftliche Aus zu driften. Gleichzeitig sieht man in China eine starke militärische Aufrüstung in einem Maße, die zumindest territoriale Konflikte nicht als abwegig erscheinen lassen. Wer das Buch „1984“ von George Orwell gelesen hat, hat verstanden, dass die drei Großmachtblöcke der Welt sich eigentlich immer einig sind, weil sie die Macht untereinander aufteilen. Sie führen nur psychologische Scheingefechte gegen­ einander, indem sie vorgeben, verfeindet zu sein. Insgeheim ver­ halten sie sich aber wie Mafiaorganisationen, die das Territorium einer Stadt nach ungeschriebenen Gesetzen untereinander auf­ teilen. Aber die Großmächte lassen ständig Stellvertreterk­ riege zwischen den kleineren Ländern führen, wobei die kleineren Völker, die zwischen die Fronten geraten, auf der Strecke bleiben. Dieses gibt Anlass zu großer Sorge. Auch in Europa kracht es im Gebälk, und das Schreckgespenst der Auflösung der europäischen Union erscheint nicht mehr abwegig. Dennoch ist nicht zu erwarten, dass sich das Lebensgefühl unserer Gesellschaft entscheidend zum Negativen verändern wird. Die Natur hat uns mit einem strapazier- und anpassungs­ fähigen Gehirn ausgestattet, das mit sehr schwierigen Situatio­ nen zurechtkommen kann. Auch wenn es so scheint, dass sich ein allgemeines Gefühl breitmacht, dass man sich auf nichts mehr verlassen kann, können die Menschen zurückkehren zu einer positiven oder zumindest neutralen Grundhaltung. h NICHT VERPASSEN Aareon Kongress 2017 31.05. – 02.06.2017 www.aareon-kongress.de Digital. Mobil. Innovativ. Mein Immobilienmanagement www.aareon.de Ein Unternehmen der Aareal Bank Gruppe WE MANAGE IT FOR YOU 11

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Bundestagswahl Merkel die Vierte? Die Monate bis zur Bundestagswahl Von Prof. Dr. Andrea Römmele, Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele ist seit 2010 Professorin für Kommunikation an der Hertie School of Governance in Berlin. Sie ist Gründerin und Mitherausgeberin der Zeitschrift für Politikberatung, die vierteljähr­ lich erscheint. Sie hat an der Universität Heidelberg und an der University of California, Berkeley, USA studiert. Nach ihrer Habilitation an der Freien Universität Berlin war sie Projektleiterin am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung der Universität Mannheim. Ihre Forschungs­ gebiete liegen im Bereich der empirisch vergleichenden politischen Kommunikationsforschung sowie in der Parteienforschung. „Können auch Männer Bundeskanzlerin sein?“ Diese Frage bekam ich letzte Woche bei einem Vortrag in einer Grundschule gestellt. Klar – die zehnjährige Hanna kennt niemand anderen. Und auch für uns etwas Älteren ist Angela Merkels Vorgänger, Alt-Bundeskanzler Schröder, der von 1998 bis 2005 im Amt war, schon ganz weit weg. Zwölf Jahre Angela Merkel – und im Sep­ tember geht es um ihre vierte Amtsperiode. Sollte sie gewinnen und ihre vierte Amtszeit zu Ende bringen, würde sie sogar dem „ewigen Kanzler“ Helmut Kohl Konkurrenz machen, der ganze 16 Jahre im Amt blieb. Doch wie steht es um ihre Chancen, im Kanzleramt zu bleiben? Welche Themen bewegen Deutschland, welche Themen werden den Wahlkampf bestimmen? Diese Fragen stehen im Zentrum meines Vortrages. Frau Merkel regierte von 2005 bis 2009 in einer großen Koali­ tion – ihr „Gegenüber“ beim sozialdemokratischen Juniorpartner war der damalige Parteivorsitzende Frank Müntefering bis 2007, danach Frank-Walter Steinmeier. Die großen Themen dieser Legislaturperiode waren noch geprägt von der Agenda 2010, einem ausgeglichenen Haushalt durch Erhöhung der Mehr­ wertsteuer und Anhebung des Rentenalters, Reduzierung der Arbeitslosigkeit und natürlich international nach wie vor von den Nachwirkungen der Anschläge des 11. September 2001, dem darauffolgenden Krieg im Irak und dem Einsatz in Afghanistan. In dieser Regierung verbesserte sich das transatlantische Verhält­ nis deutlich, vor allem nach der Wahl von Barack Obama 2008. Die Wahl 2009 brachte dem Koalitionspartner SPD mit 23 % das historisch schlechteste Ergebnis im Nachkriegsdeutschland, die FDP erzielte mit 14,6% ein Rekordergebnis. Die schwarz- gelbe Wunschkoalition mit Merkel und Westerwelle an ihrer Spitze stand. Themen dieser Koalition waren Steuerreform und Energiewende (vor allem nach dem Unglück von Fuku­ shima), wobei sich diese Koalition politisch oft im Klein-Klein verstrickte. Die Finanzkrise (ausgelöst durch das Platzen der Immobilienblase in den USA 2007) war ein globales Thema das sich durch diese Regierungsperiode zog. Hinzu kam die griechi­ sche Staatsschuldenkrise, die Angela Merkel federführend mit Wolfgang Schäuble meisterte. Und schon da entwickelte sie sich zu „Mrs. Europe“ – und diese Rolle erfüllt sie weiterhin in zunehmendem Maße. Manchmal wird sie gar als letzte Verteidi­ gerin des freien Westens bezeichnet. In ihrer dritten, momentan noch laufenden Regierungsperiode gab es durch den katastrophalen Absturz der FDP eine Neuauf­ lage der Großen Koalition mit Sigmar Gabriel als Juniorpartner. Der Krisenmodus hat sich verfestigt: Neben Finanzkrise und Europa-Stabilisierung ist das zentrale Thema die Bewältigung der Flüchtlingskrise sowie die schwierige Beziehung zu strategisch zentralen Partnern wie der Türkei und den USA. Der Brexit hat das Projekt Europa vor eine massive Herausforderung gestellt und auch hier sind alle Augen auf Angela Merkel gerichtet. Und nun möchte sie es noch einmal wissen, ein viertes Mal. Ohne Zweifel: Sie genießt in der Bevölkerung nach wie vor großen Rückhalt, das zeigen uns die verschiedensten Umfrage­ ergebnisse. Allerdings machen sich klare Erosionserscheinungen bemerkbar. Werden sich diese verfestigen und zu einem Regierungs- und Machtwechsel im September 2017 führen? Gehen wir ihre Hauptangriffsflanken einmal durch. 12

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Bundestagswahl Eine ihrer Stärken ist ihre Expertise – man weiß, was man an ihr hat. Das war auch ihr Mantra im zurückliegenden Wahl­ kampf, am besten symbolisiert durch die mittlerweile legendäre „Kanzlerraute“. Aber das könnte auch genauso gut als zentrale Schwäche gedeutet werden. Der Wunsch nach einem neuen Gesicht, nach frischem Wind wird lauter. Noch lässt sich in den Umfragen keine massive Wechselstimmung festmachen, aber das kann sich im Wahlkampf ändern. Merkel ist keine Kanzlerin der klaren öffentlichen Worte. Sie wägt ab, taktiert, hält sich zurück. Dies wird im kommenden Wahlkampf nicht funktionieren. Es wird eine klare Positionierung bzw. klare Lösungsvorschläge zur Flüchtlingsproblematik, zur Situation in der Türkei und zu einem neuen Amerika unter Donald Trump verlangt. Mit ihrem Herausforderer Martin Schulz hat sie einen Gegner auf Augenhöhe, der das Wortduell mit ihr suchen wird – inhaltlich setzt sie auch die umfragenstarke rechtspopulistische AfD unter Druck. Nur Kanzlerinnenraute wie im vergangenen Wahlkampf wird hier nicht mehr reichen. Die Union ist in den Ländern nicht gut aufgestellt, sie stellt lediglich fünf Ministerpräsidenten. Frau Merkel hat es zudem in ihren Anfangsjahren versäumt, junge, politisch motivierte Politi­ ker zu fördern. Das hat sich vor allem in der Wahl des Bundes­ präsidenten gezeigt – der Union gelang es nicht, einen überzeu­ genden Kandidaten für dieses Amt zu finden. Ihre Unterstützung für den ohne Zweifel extrem fähigen Frank-Walter Steinmeier muss als unionsinterne Niederlage gewertet werden. Wie also wird sich Merkel im Wahlkampf aufstellen, um diese Schwächen auszugleichen? Folgende Themen werden mit Sicherheit im Vordergrund stehen: Europa – wie auf Brexit und starken Rechtspopulismus reagie­ ren? Merkel wird eine klare pro-europäische Haltung vertreten. Dazu wird aber erst einmal das Ergebnis der Wahlen in Frank­ reich relevant, denn ohne starken Bündnispartner wird eine pro-EU-Haltung immer schwieriger. Angesichts der Regierungen in Polen und Ungarn und des Brexit muss Merkel klare Kante zeigen. Auch die noch nicht überstandene Schuldenkrise wird mit Sicherheit zum Thema. Zweitens, das größte Thema dieses Jahrzehnts: Einwanderung. Der Flüchtlingsdeal mit Erdogan bröckelt, die Solidarität anderer EU-Länder fehlt, in Deutschland schwankt die Stimmung Rich­ tung Abschottung – eine riesige politische Herausforderung, Die Frage nach dem „guten Leben“ spielte in den vergan­ genen Jahren für das Merkelsche Kabinett eine große Rolle. Angesichts einer guten wirtschaftlichen Lage wird wohl auch dieses Thema in den Wahlkampf einfließen. Die große Konkurrenz könnte dieses Jahr von der SPD kommen, die unter Umständen zu ihrem Kernthema soziale Gerechtigkeit zurückgefunden hat. Steigende Ungleichheit und ein Auseinanderdriften der sozialen Schere sorgen zunehmend für Frustration bei der Bevölkerung, die vom wirtschaftlichen Aufschwung nur wenig mitbekommt. Das könnte den Druck auf Merkel erhöhen, auch soziale Themen in den Wahlkampf aufzunehmen. h 13

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