Calluna mit Heidja Frühling 2017

 

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Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide, Ausgabe Frühling 2017

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www.calluna-magazin.de Nr. 72/19. Jahrgang Frühling 2017 Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide + Heft im Heft: Unser neues Magazin für Gesundheit & gutes LeCbalelunna 1

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Museumsdorf Hösseringen Das Freilichtmuseum der Lüneburger Heide Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10:30–17:30 Uhr Veranstaltungsübersicht unter www.museumsdorf-hoesseringen.de Mit Calluna ins Museumsdorf Das Museumsdorf Hösseringen und das Südheide-Magazin Calluna – das sind zwei, die gut zusammenpassen. Beide zeigen Ihnen die schönsten Seiten des Landlebens. Wenn Sie Calluna abonnieren, erhalten Sie als Begrüßungsgeschenk zwei Eintrittskarten für das Museumsdorf. Als Abonnent/in müssen Sie künftig nicht befürchten, kein Heft mehr abzubekommen, wenn es bei Ihnen im Ort bereits vergriffen ist. Calluna wird Ihnen alle drei Monate druckfrisch ins Haus geliefert. Das Magazin erhalten Sie gratis. Sie zahlen lediglich eine Versandkostenpauschale von 10 Euro im Jahr. Calluna im Paket mit den Eintrittskarten ist auch als Geschenk-Abonnement mit Geschenkgutschein für Ihre Freunde oder Verwandte erhältlich. Bestellen können Sie Ihr Abonnement per E-Mail an abo@calluna-magazin.de oder telefonisch unter 05371 5 5506. Die Laufzeit des Abonnements beträgt zwei Jahre (acht Hefte). Danach können Sie das Abo weiterlaufen lassen oder es jederzeit formlos kündigen. Gifhorn|Naturstrom – der Wechsel zu grünem Strom ist ganz einfach! Kundenbüro Torstraße 7 . 38518 Gifhorn Telefon 05371 8393-789 www.stadtwerke-gifhorn.de 2 Calluna

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Titelbild (blühender Löwenzahn bei Wierstorf): Inka Lykka Korth I Teaserfotos (von oben): Inka Lykka Korth, Marion Korth, Jana Wejkum Foto: Marion Korth EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser, die Welt scheint aus den Fugen zu geraten, und das macht mir ein bisschen Angst. Wenn ich morgens das Radio einschalte und die Nachrichten höre, könnte ich manchmal verzweifeln. Wird die Menschheit denn nie vernünftig!? Statt zu resignieren, gehe ich nach draußen zu den Pferden. Das hilft ebenso wie ein kleiner Spaziergang mit den Hunden. Danach kann ich gelassener in den Tag starten. Gerade jetzt, wenn die Natur aus dem Winterschlaf erwacht und es überall zu blühen und zu grünen beginnt, gibt es kein besseres Gegenmittel gegen den Mix aus Wut und Weltschmerz, als durch Wald und Wiesen zu streifen und festzustellen: Die Welt ist nach wie vor wunderschön – trotz allem Unbehagen. Auch den Politikern, allen voran so polternden wie Trump und Erdogan, würde es sicher gut tun, öfter einmal das Smartphone in den Flugmodus zu schalten und für ein paar Stunden (oder gerne auch für immer) das Weite zu suchen. Doch ebenso wie die Wichtigen dieser Welt verhalten auch wir unwichtige Wichte uns leider oft wie Getriebene und machen uns unnötig Stress. Vielleicht sollten wir uns alle ein Beispiel an unseren skandinavischen Nachbarn nehmen. Dreimal waren die Dänen glücklichste Nation der Welt, neuerdings sind die Norweger Spitzenreiter. Bis auf den vierten Platz, der an die Schweiz ging, werden die vorderen Ränge von nordischen Ländern belegt: Neben Norwegen stehen Dänemark, Island und Finnland oben auf der Liste, gefolgt von den Niederlanden, Kanada, Neuseeland, Australien und Schweden. Deutschland kam auf Platz 16. Ich glaube, den Norden gut genug zu kennen, um zu verstehen, was das Glücklichsein dort ausmacht: Meiner Meinung nach ist es vor allem die Abwesenheit von Stress, die mit einer wohltuenden Unaufgeregtheit einhergeht. Man sieht die Dinge entspannter, lässt sich nicht unter Druck setzen und hat auch nicht den Anspruch, alles sofort und perfekt zu erledigen, schließlich lebt man ja nicht, um zu arbeiten ... Ein Gruß geht von hier aus an die dänische Verwandtschaft, die schon vor Jahrzehnten kopfschüttelnd konstatierte: »Ihr Deutschen mit eurem Stress, ihr macht euch doch selbst kaputt.« Die Dänen haben gut Reden, sie haben Hygge. Dieser Begriff, vom Wörterbuch etwas hilflos mit Gemütlichkeit übersetzt, steht für ein spezielles Lebensgefühl, das uns hierzulande fehlt oder abhanden gekommen ist. Immerhin haben wir das etwas altertümliche Wort heimelig, das ähnlich wie hyggelig klingt und vom Duden als eine behagliche, gemütliche, wohlige Atmosphäre verbreitend beschrieben wird. Der Leiter des Kopenhagener Instituts für Glücksforschung (ja, das gibt es wirklich), Meik Wiking, dessen Buch »Hygge« ein Bestseller ist, benennt, was für ihn Hygge ausmacht: Atmosphäre, Gegenwart, Vergnügen, Gleichheit, Dankbarkeit, Harmonie, Bequemlichkeit, Frieden, Zusammensein und Schutz. Ich vermisse in dieser Aufzählung Gelassenheit. Wenngleich wir den Begriff nicht wortwörtlich übersetzen können, sollten wir Hygge auch in unserem Alltag zulassen. Mit unseren Radtouren und kleinen Geschichten, die von Land und Leuten erzählen, können wir hoffentlich ein wenig dazu beitragen. Und weil wir festgestellt haben, dass die Themen Gesundheit und gutes Leben für immer mehr Menschen immer wichtiger werden, haben wir ihnen ein eigenes, kleines Magazin gewidmet, das Sie von dieser Ausgabe an unter dem Titel Heidja in der Heftmitte finden. Einen hyggeligen Frühling und bis bald im Sommer! Inka Lykka Korth und Fussel INHALT Gelb & Grün Mit dem Fahrrad zu den Farben des Frühlings R(h)apsodie auf Rädern Frühlingstour für „Gelbsüchtige“ Schatzsuche Warum es Sinn macht, alte Gemüsesorten zu retten Getestet und für gut befunden Das „Patentamt“ für Pflanzen Huu-hu-huhuhuhuu Der Waldkauz ist der Vogel des Jahres 2017 Hot Spots für Birdwatcher Vögel beobachten in der Südheide Wiedervereint im Museumsdorf Wiegeschuppen und Viehwaage Zum Gasthaus gehörte ein Wiegehaus In einigen Orten sind sie noch zu besichtigen Laura wollte schon als Kind hoch hinaus Als Frau im Dachdeckerhandwerk Gut geerdet Petra Hansen und ihre Töpferei in Pollhöfen Dörfliche Idylle am Stadtrand Die Gifhorner Ortsteile Neubokel und Wilsche Reformation in der Region Als Luthers Lehre in die Südheide kam Eine Wohnung wird Museum Vor 20 Jahren im Kavalierhaus in Gifhorn Landschaft wird Kunst Demnächst im Landkreis Uelzen: Landart 2017 Unhemlich Liiden Plattdüütsch SüdheideKalender Buchempfehlungen Calluna-Partner Impressum 4 12 16 18 22 24 26 29 36 44 48 50 54 55 58 30 56 42 56 Viele unserer Geschichten finden Sie auch im Internet, angereichert mit weiteren Fotos und zum Teil auch mit Karten und Videos. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass dieses kostenfreie Zusatzangebot unseren Abonnenten und Anzeigenkunden vorbehalten ist. Wenn Sie Abonnent sind, schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit Ihrem Namen und Ihrer Abo-Nummer, die Sie auf Ihrer Abo-Rechnung finden, an plus@calluna-magazin.de, und Sie erhalten von uns den Link zu Callunaplus. Sie haben noch kein Calluna-Abo? Kein Problem, schicken Sie einfach eine E-Mail mit Ihrer Adresse an abo@callunamagazin.de. Das Jahresabo kostet 10 Euro. Die Mindestlaufzeit beträgt zwei Jahre (acht Hefte). Bei allen neuen Abonnenten bedanken wir uns mit zwei Freikarten für das Museumsdorf Hösseringen. Kontakt Redaktion Anzeigen Abonnement redaktion@calluna-magazin.de Telefon 05832 979840 anzeigen@calluna-magazin.de Telefon 05832 979938 abo@calluna-magazin.de Telefon 05371 55506 www.calluna-magazin.de CallunaMagazin Calluna 3

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4 Calluna www.celler-bier.de STREIFZÜGE Gelb & Grün Mit dem Fahrrad zu den Farben des Frühlings INKA LYKKA KORTH / Text / Fotos E ndlich wieder Frühling! Jetzt aber ’raus aus dem Haus, ’rauf aufs Rad und ’rein in den Farbenrausch! Unter blauem Himmel vorbei an saftig grünen Wiesen voller gelber Punkte – der Löwenzahn blüht –, und knallgelben Rapsfeldern, denen betörender Honigduft entströmt. Natürlich ist die Farbpalette des Frühlings noch vielfältiger, aber Gelb und Grün sind doch die vorherrschenden Farben dieser Jahreszeit. Am intensivsten lassen sie sich Anfang Mai erleben, und deshalb haben wir für genau diese Zeit zwei Radtouren ausgewählt. Zu beiden Touren gibt es die Karten und GPS-Tracks bei Callunaplus im Internet (exklusiv für unsere Abonnenten). Bevor es losgeht, wollen wir aber noch zum Geburtstag gratulieren: Das Fahrrad wird 200 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Es war am 12. Juni 1817, als Karl Drais seine erste dokumentierte Ausfahrt auf zwei Rädern unternahm. Sein Fahrrad hatte zwar noch keine Pedale und war mehr eine Laufmaschine, aber sah schon fast genauso aus wie die Fahrräder heute. Während die Zukunft des Autos ungewiss ist, wird sich die Erfolgsgeschichte des Fahrrads noch lange fortsetzen. Wenn es nach den Experten für Mobilitätsentwicklung geht, hat das Fahrrad seine besten Zeiten noch vor sich. Neue Autobahnen? Das sind Pläne von gestern (an manchen davon wird leider immer noch trotzig festgehalten). Der Bau der ersten Radschnellwege hat schon begonnen. Für eine Nord-Süd-Verbindung gäbe es in unserer Region dafür übrigens schon die perfekte Trasse: Am Elbe-Seitenkanal entlang. Die Wege sind bereits vorhanden, nur die geschotterten Fahrspuren müssten gepflastert werden. Im Süden hätten Radfahrer dann direkten Anschluss an die Ost-WestVerbindung von Wolfsburg nach Hannover und weiter ins Ruhrgebiet – am Mittellandkanal entlang. Schon jetzt nutzen zahlreiche Pendler diesen inoffiziellen Radschnellweg für die tägliche Fahrt zu ihrem Arbeitsplatz im Volkswagenwerk. Wir wollten gerne einen dieser Fahrradpendler vorstellen, aber offenbar scheuen sich die Autobauer davor, sich öffentlich zum Fahrrad zu bekennen. Na, vielleicht klappt es ja doch noch. Auf unserer 54 Kilometer langen Frühlings-Radtour, die uns vom Calluna-Redaktionssitz in Oerrel aus über Hankensbüttel, Steimke, Wierstorf, Lüder und Bad Bodenteich führt, wählen wir die Strecke am Elbe-Seitenkanal für die Rückfahrt. Bergetappe zum Start der Tour Würden wir nicht auch in Oerrel wohnen, hätten wir dort den Picknickplatz unter den Eichen am Ehrenmal für ein zweites Frühstück nutzen können. Ein Tipp vielleicht für Auswärtige. Auf den ersten Metern geht es auf der schmalen Straße in Richtung Emmen, von der wir bald nach links auf den Waldweg nach Hankensbüttel abbiegen, gleich stramm bergauf bis auf den (dem GPS zufolge) 110 Meter hohen Prachelberg – 103 Meter

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1 Blühendes Rapsfeld an der Straße nach Wierstorf. 2 Grüner Gartenzaun mit floralen Jugendstil-Ornamenten in Wierstorf. 3 Auf dem Weg durch den Lüderbruch, der mit dem Schweimker Moor zusammen ein wertvolles Vogelschutzgebiet bildet. 4 Junker Georgs Steinkreuz in Steimke. 5 Blick von Wierstorf über einen frisch aufgepflügten Kartoffelacker und gelbe und grüne Felder auf den Lüderbruch. Calluna 5

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kontakt@winkelhof-mueden.de - www.winkelhof-mueden.de 6 Calluna STREIFZÜGE über Normalnull misst er laut (alter) Landkarte. Das ist für unsere Gegend schon eine beachtliche Höhe. Hier freut sich, wer mit elektrischer Unterstützung pedalieren kann. Als wir aus dem Wald herausfahren, haben wir einen weiten Blick nach Osten. In der Ferne können wir sogar den Schornstein und den Kühlturm des Heizkraftwerks Wolfsburg-West erkennen. Junker Georgs Steinkreuz Es folgt eine kräftezehrende Berg- und Talfahrt durch Hankensbüttel bis hinauf in den Nachbarort Steimke. Dort besichtigen wir das im Denkmalweg am Picknickplatz stehende Steinkreuz. Beim Ritt zur Wallfahrtskapelle in Steimke soll der Junker Georg von Blankenburg aus Steinhorst durch einen Sturz vom Pferd tödlich verunglückt sein. Sein Vater setzte im Jahre 1244 das Steinkreuz zur Erinnerung an dieses Ereignis und stiftete außerdem die Kirche in Steinhorst. An einer Waschbetonmauer schräg gegenüber erinnert eine Tafel an den Brunnen der mittelalterlichen Wallfahrtskapelle, der angeblich heilkräftiges Wasser spendete. Auf dem Weg zu dem schönen kleinen Ort Wierstorf versüßt uns der Honigduft von einem blühenden Rapsfeld neben der Straße die Weiterfahrt. In Wierstorf führt die Dorfstraße auf einen Hof zu, dessen Metallzaun offenbar aus der Zeit des Jugendstils stammt und dessen Farbgebung in Grün und Gelb perfekt zum Thema unserer Tour passt. Vor dem Zaun biegen wir links ab in den Burkamp und dann rechts in den Maschkamp. Die Straße führt uns hinab in das Tal des Bottendorfer Baches, der die Grenze zum Landkreis Uelzen markiert. Wir überqueren den Bach und tauchen ein in das großartige und ökologisch besonders wertvolle Naturschutzgebiet Schweimker Moor und Lüderbruch, wo Kranich, Schwarzstorch und Brachvogel brüten. Wir sind von der vielfältigen Vegetation so begeistert, dass wir, statt gleich vorne im Wald links abzubiegen, versehentlich geradeaus weiterfahren. So treffen wir etwas weiter südlich als geplant auf die Straße von Wentorf nach Lüder. Das macht aber nichts, denn die Straße ist schmal und wenig befahren. Wir empfehlen aber, den anderen Weg zu nehmen. Dieser mündet in den schnurgeraden, größtenteils asphaltierten Hauptweg durch den Lüderbruch und ist landschaftlich reizvoller. Wenn der Weg die Straße kreuzt, einfach geradeaus weiterfahren. Für uns heißt es dort dagegen rechts abbiegen. Als wir auf die Langenbrügger Straße treffen, halten wir uns links und fahren in den Ort Lüder hinein. Der Riese von Lüder Lüder lohnt sich: Hier gibt es nicht nur ein rustikales Bauernhofcafé, das sich für eine Pause empfiehlt, sondern es bietet sich auch die Gelegenheit, den Riesen von Lüder zu besuchen. Dieser 34,2 Tonnen schwere Findling aus Granit wurde beim Bau des Elbe-Seitenkanals in zehn Metern Tiefe entdeckt und anlässlich des Dorfjubiläums 1000 Jahre Lüder im Jahr 2006 in die Ortsmitte versetzt. Für das Fundament des Turms der Backsteinkirche im Hintergrund wurden ebenfalls Findlinge verwendet, allerdings viel kleinere. St. Bartholomäus, 1373 erbaut, war bis kurz vor der Reformation eine Wallfahrtskirche. Der Turm wurde allerdings erst im 17. Jahrhundert errichtet. An ihm lassen sich noch Spuren des Dreißigjährigen Krieges erkennen. Bei den Eichen zwischen dem Riesen und der Kirche erklärt uns eine Schautafel, wie Lüder zu dem Beinamen Dorf der 1000 Eichen kam: Viele der Eichen wurden nach einem

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1 Der Riese von Lüder vor der Kirche St. Bartholomäus. 2 Kunstvoll gestaltetes Kirchenfenster. 3 Die Aue am östlichen Ortsrand von Lüder. 4 Die alte Wassermühle in Lüder lieferte einst auch den elektrischen Strom für den gesamten Ort. 1 23 4 Calluna 7

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Mittelstrasse 1 FahrräderKnesebeck LeidenschaftTel.: 05834-5261 sind unsere Starten Sie mit uns in die Saison 2017 Wir haben die große Auswahl für E-Bikes und Fahrräder im Nordkreis Gifhorn Top Beratung und Service Individuelle Probefahrt LLiliileies sRäRdäedrelarulfaeunfleenichleteicr.h..ter... wwww.lwilwie.-likline-eksneebseebcekc.kd.ede RadreiseregionRadReiseRegion Uelzen Neue Radkarte mit 36 Thementouren auf über 900 km Routennetz Detailkarten und Infotafeln zu allen Strecken Kostenlose E-Bike-Ladestation Herzogenplatz 2, 29525 Uelzen Tel. (05 81) 7 30 40 info@heideregion-uelzen.de www.heideregion-uelzen.de HEIDEREGION UELZEN 8 Calluna STREIFZÜGE verheerenden Dorfbrand (1869) gepflanzt, um künftig Funkenflug zu verhindern. Wer mag, macht jetzt noch einen kleinen Abstecher zum Schützenplatz, der Anfang des 20. Jahrhunderts ebenfalls mit Eichen bepflanzt wurde und sich zu einem wunderschönen Eichenhain entwickelt hat, und fährt dann noch in die Röhrser Straße, um einen Blick auf die alte Wassermühle an der Aue zu werfen. Der im Jahr 1910 anstelle des alten Mühlengebäudes errichtete, viergeschossige Backsteinbau ist ein schönes Beispiel dafür, dass Industriearchitektur nicht unbedingt kalt und abweisend wirken muss, sondern durchaus ansprechend sein kann. Der Neubau des Mühlengebäudes war notwendig geworden, weil die Mühle auf die damals moderne Turbinentechnik umgerüstet werden sollte. Mit der Turbine hielt elektrisches Licht Einzug in dem kleinen Heidedorf. 40 Jahre lang versorgte die Turbine den Ort mit Strom. In den 1970er Jahren, nachdem Lüder an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen worden war, wurde die Mühle stillgelegt. Nach unserer Runde durchs Dorf wollen wir jetzt weiter. Am Ortsausgang in Richtung Bad Bodenteich biegen wir links in die Straße An der Aue ab und fahren auf der Brücke über den Bach und dann parallel zum Elbe-Seitenkanal nach Norden. Etwa auf der Hälfte der Strecke überqueren wir in Höhe der Kanalbrücke die von Reinstorf nach Bad Bodenteich führende Straße. Hinter dem Campingplatz biegen wir links ab und erreichen so die Bodenteicher Heide. Auf der Löwenbank am Schafstall gönnen wir uns eine kleine Pause. Obwohl die Calluna noch längst nicht blüht, finden wir, dass sich der kleine Abstecher in die Heide auch jetzt im Frühling schon lohnt. Vorbei an Bienenkörben und einem Insektenhotel schieben wir die Räder durch den Heidesand. Am Waldrand gelangen wir auf einem Querweg zurück zur Straße, die hier in einer Rechtskurve zur Kanalbrücke und hinüber nach Häcklingen führt. Hinter der Brücke nehmen wir den rechts abzweigenden Heideweg. Auf ihm fahren wir ein Stück durch Häcklingen und sehen dabei einige schöne alte Häuser. Der Heideweg mündet in die Lange Straße ein, die in Bad Bodenteich zur Häcklinger Straße wird. Vorbei am Waldbad und der Reithalle, wo gerade ein großes Ponyturnier ausgetragen wird, fahren wir in die Ortsmitte von Bad Bodenteich, überqueren abermals die Aue und erreichen über die Burgstraße die Burganlage. Wo die Raubritter hausten Vom Burgplatz haben wir gen Osten einen Panoramablick über die Seewiesen, die wir in einer früheren Ausgabe dieses Magazins schon ausführlich vorgestellt haben. Noch weiter reicht der Blick vom Bergfried aus. Der aus Backstein gemauerte, wuchtige Turmbau erinnert an die Zeit der Raubritter. 1474 wurde der als en grot stratenrover berüchtigte Ludolf von Bodendike in Lüneburg geköpft. Mit ihm ging die finstere Zeit zuende, und die Burg, deren Geschichte bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht (das lassen zumindest Grabungsfunde vermuten), wurde fortan als Amtssitz genutzt. Heute befinden sich im Herrenhaus das Burgmuseum und die Kurverwaltung mit Touristinformation. Das Burggelände ist alljährlich auch Schauplatz des großen Burgspektakels mit Ritterspielen und Mittelaltermarkt (29. April bis 1. Mai 2017). Bevor wir mit den Fahrrädern das Burggelände in Richtung Aue verlassen – am Bach entlang führt ein Weg zurück in den Ort –, nutzen wir noch eine der bereitstehenden breiten Liegebänke für ein kurzes Sonnenbad.

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12 45 6 3 1 Schafstall in der Bodenteicher Heide 2 Das Herrenhaus der Burg Bodenteich. 3 Der Bergfried erinnert an die Zeit der Raubritter. 4 Dieser Ritter ist garantiert nicht räuberisch veranlagt. 5 »Trockenfisch« am Ufer des Parksees. 6 Tretboote auf dem Parksee, im Hintergrund die Kirche St. Petri. Eintauchen, Abtauchen, Wohlfühlen Ein Besuch im Gifhorner Sport- und Freizeitbad allerwelle lohnt immer. Das Bad ist ein echter Hingucker. Alles ist edel in Glas und Holz gearbeitet. Neben dem Sportschwimmbecken lohnt das Eintauchen im Therapieschwimmbecken mit immer gemütlichen 30 Grad Celsius Wassertemperatur.Im Attraktionsbecken mit illuminiertem Wasserschleier, Nackenschwallduschen, Massagedüsen, Gegenstromanlage, Sprudelliegen und Wassergrotte lässt es sich richtig gut entspannen. Zur Allerwelle 1 · 38518 Gifhorn · Fon 0 53 71 / 99 01 888 · E-Mail info@psg-gifhorn.de · www.allerwelle.de Das Sport- und Freizeitbad Calluna 9

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S austall und Kutschfahrten mayer 10 Calluna STREIFZÜGE Weitere solcher Liegebänke stehen im Kurpark, der unsere nächste Station ist. An der zum Parksee aufgestauten Aue gibt es dort herrliche Spazierwege, einen Kiosk mit überdachten Sitzplätzen, Minigolfplatz und Tretbootverleih sowie weitere Freizeiteinrichtungen. An verschiedenen Stellen im Park laden Tische und Bänke zum Picknicken ein. Am südlichen Ende des Parksees, in Höhe der Seepark-Klinik, fahren wir nun unter der alten Eisenbahnbrücke hindurch auf dem Radweg an der Lüderschen Straße bis zur Kanalbrücke bei Lüder, fahren aber nicht über die Brücke in den Ort hinein, sondern direkt am Elbe-Seitenkanal entlang nach Süden. Der Mittelstreifen zwischen den beiden Fahrspuren präsentiert sich uns als grüne Löwenzahnwiese. Um nicht nur die Kanalböschung, sondern auch die Landschaft dahinter zu sehen, wechseln wir unterwegs für ein paar Kilometer auf den parallel verlaufenden, weitgehend asphaltierten Wirtschaftsweg. Bevor die Teerstraße endet, sollte man lieber an den Kanal hinunter, denn oben beginnt jetzt eine ziemlich schlechte Wegstrecke. Wir haben es trotzdem nicht bereut, sie unter die Räder genommen zu haben, denn sonst wäre uns ein schönes Fotomotiv entgangen: die braunweiß gefleckte Kuh auf der Löwenzahnwiese. Kilometerfressen am Kanal Nach einigen weiteren Kilometern am Kanal entlang erreichen wir den Wittinger Hafen, in dem gerade Holz verladen wird. An den Kaianlagen des Hafenbeckens entlang fahren wir bis zum riesigen Hoyer-Öltank. Dort finden wir einen kleinen Weg, der uns wieder an den Kanal leitet. Und weiter geht es am in der Sonne glitzernden Wasser entlang. Da es windstill ist, kommen wir so zügig voran, dass wir sogar ein Binnenschiff überholen. Die Strecke am Kanal entlang ist relativ lang, aber nachdem wir auf dem ersten Teil der Tour so viele Eindrücke gesammelt haben, stört es uns nicht, jetzt kilometerweit stur geradeaus fahren zu müssen. Im Gegenteil: Wir finden, dass es durchaus etwas Meditatives hat. Noch ganz in Gedanken an das auf dieser Tour Erlebte versunken, hätten wir beinahe die Abfahrt verpasst. Kurz vor der Knesebecker Kanalbrücke, dort wo die Kiekenbruchsrönne unter dem Kanal hindurchgeführt wird, fahren wir links in den Wald hinein, kommen auf die Königsallee – an ihr entlang pflanzen die Knesebecker Schützenkönige ihre Königseichen – und strampeln die Auffahrt zur Brücke hinauf. Auf der anderen Seite geht es rasant abwärts. Vorsicht: Unten endet die Asphaltstraße, und der Weg hat einige Schlaglöcher. Wer zu schnell von der Brücke herabflitzt, läuft Gefahr zu stürzen. Der Weg nähert sich jetzt der Ise. Direkt am Fluss lädt ein Rastplatz mit Infotafel zu einer letzten Pause ein, bevor der Endspurt beginnt. Über die Ise durch den Emmer Leu und vorbei an der Freundschaftseiche der Schützenvereine Oerrel und Schönewörde erreichen wir bald die grüne Wiesenlandschaft am Oerreler Moor. Zwischen der Hässelmühle und dem Ortsschild von Oerrel zweigt links der Naturlehrpfad ab. Von einem Aussichtsturm lassen sich dort die Hirsche und Wildschweine in den an das Jagdmuseum angrenzenden Freigehegen beobachten. Vom Jagdmuseum rollen wir das letzte Stück auf der Hässelmühler Straße bergab zu unserem Ausgangspunkt, dem Rastplatz unter den Eichen am Ehrenmal in Oerrel. Im Rasen blühen hier die Gänseblümchen und ergänzen dezent die Farbpalette dieser Fahrradtour. Ja, auch Blütenweiß ist eine Frühlingsfarbe. INFO Die Karte zur Tour finden Sie unter calluna-magazin.de bei Callunaplus.

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1 2 34 1 Gut, dass sie nach draußen darf und nicht den ganzen Tag im Stall stehen muss. 2 Holzverladung im Wittinger Hafen. 3 Idyllischer Rastplatz an der Ise. 4 Auf dem Weg durch das (weitgehend entwässerte) Oerreler Moor. Im Hintergrund der Hässelberg. Calluna 11

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AschauTeiche STREIFZÜGE Jeden Freitag: Hofverkauf von 15 bis 18 Uhr! Bornstraße 15 · 31311 Uetze/Eltze Tel. 0 51 73 / 92 25 89 12 Calluna R(h)apsodie auf Rädern Frühlingstour für »Gelbsüchtige« von Rätzlingen nach Bad Bevensen INKA LYKKA KORTH / Text / Fotos Unsere zweite Radtour zu den Farben des Frühlings führt uns durch die landwirtschaftlich geprägte Gegend östlich der Ilmenau zwischen Uelzen und Bad Bevensen. Wir entdecken hier einige malerische Bauerndörfer, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, und genießen von den Hügeln und Hochebenen aus herrliche Ausblicke auf eine weite, offene Landschaft mit wenig Wald, aber dafür mit einem Mosaik aus leuchtend gelben Rapsfeldern und frühlingsgrünen Wiesen. Blühende Obstbäume am Wegesrand, die LandArt im Kurpark von Bad Bevensen mit ihrem vielfältigen Angebot an Blumen, Stauden und dekorativen Gartenaccessoires machen diesen Ausflug am Maifeiertag zu einem perfekten Start in den »Wonnemonat«. Die R(h)apsodie auf Rädern beginnt in Rätzlingen. Der Ort liegt an der Bundesstraße 493, die von Uelzen nach Lüchow führt. Von der Kreuzung am Dorfteich in der Ortsmitte fahren wir mit dem Auto in Richtung Rosche, biegen aber gleich nach links in die erste Querstraße (Am Hang) ab und parken dort. Auf einem Kiesweg gelangen wir zum Dorfteich mit Kopfweiden, Sitzbank und Insektenhotel am Ufer. Auf der Stöckener Straße verlassen wir den Ort in nördliche Richtung und biegen in den ersten asphaltierten Wirtschaftsweg auf der rechten Seite ein und fahren bis Jarlitz. Kurz vor dem Ort bietet sich uns ein Panoramablick über das gen Westen abfallende Gelände. Weiter geht es durch ein kleines Wäldchen mit einigen alten Buchen nach Süttorf, ein hübsches kleines Bauerndorf in hügeliger Landschaft. Von Süttorf führt ein relativ neuer Kiesweg durch die Wiesen an der Wipperau entlang nach Dörmte. Wir verlassen das Flusstal und fahren auf ansteigender Straße nach Bruchwedel und von dort aus weiter nach Testorf, ein kleines, in lieblicher Landschaft gelegenes Bauerndorf mit fast kreisrunder Ringstraße. Am Ortsrand informiert der NABU auf einer Tafel über das EU-Vogelschutzgebiet Ostheide. Wir wenden uns nun gen Westen und fahren vorbei an einem weiteren Rapsfeld, kreuzen eine stillgelegte Bahnlinie und treffen auf eine Kreisstraße. Wir überque-

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1 34 25 6 1 Blick von Oetzendorf nach Westen. 2 Auf den Nebenstraßen sind uns nur wenige Autos begegnet. 3 Teichlandschaft am Ortsrand von Oetzendorf. 4 Birnenblüten am Wegesrand. 5 Rapsfeld zwischen Riestedt und Rätzlingen, im Hintergrund der begrünte Damm des Wasserspeichers von Stöcken, der das Waschwasser der Uelzener Zuckerrübenfabrik aufnimmt und für die Feldberegnung zur Verfügung stellt. 6 Blühende Schlehenhecke am Feldweg nach Groß Hesebeck. Calluna 13

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14 Calluna STREIFZÜGE ren diese und nehmen den Waldweg nach Oetzendorf. Dort erwartet uns ein phantastischer Ausblick. Vorbei an einem kleinen Teichgebiet geht es jetzt auf einem Wirtschaftsweg steil bergab, und ich bin froh, dass mein Faltrad mit kräftig zupackenden Scheibenbremsen ausgestattet ist. Heil unten angekommen, fahren wir jetzt auf dem mit Bäumen und blühenden Büschen gesäumten, überwiegend asphaltierten Feldweg – rückblickend empfinden wir dieses Teilstück als das schönste der Tour bis in das im malerischen Tal des Röbbelbachs (größtenteils Naturschutzgebiet) gelegenen Dorf Groß Hesebeck. Direkt am Röbbelbach gibt es auf einer Blumenwiese einen Picknickplatz mit einem alten Ziehbrunnen. Hier sollte man unbedingt kurz rasten, um sich für die bevorstehende »Bergetappe« zu stärken. Wir müssen jetzt nämlich die Anhöhe zwischen Röbbelbach- und Ilmenautal überwinden. Die Fahrt hinunter nach Bad Bevensen auf dem Radweg an der Landesstraße 254 absolvieren wir in flottem Tempo. Durch die Baumreihe am Fahrbahnrand leuchtet der blühende Raps. Wir überqueren den Elbe-Seitenkanal und rollen in die Stadt hinein. Da die meisten Geschäfte im Kurort im Sommerhalbjahr sonntags geöffnet sind, nutzen zahlreiche Besucher die Gelegenheit zum entspannten Einkaufsbummel. Zudem lockt Bad Bevensen mit zahlreichen Veranstaltungen, Anfang Mai traditionell mit dem LandArt-Markt im Kurpark. Da wir mit Falträdern unterwegs sind, können wir keine großen Einkäufe transportieren. So beschränken wir uns diesmal aufs Gucken und widerstehen schweren Herzens den Verlockungen. Stattdessen freuen wir uns über Kaffee und veganen Kuchen. Der örtliche Bio-Markt hat Tische und Stühle vor die Tür gestellt, und die Inhaberin kämpft mit dem riesigen Sonnenschirm, der offenbar an diesem Tag seine Premiere hat. Macht nichts, uns stören die wärmenden Sonnenstrahlen nicht. Sie machen uns nur etwas schläfrig. Aber zum Glück entfaltet das Koffein schon bald seine Wirkung, und wir schwingen uns wieder auf die Räder. Vom Kurpark aus fahren wir auf dem Ilmenauradweg nach Süden aus der Stadt heraus. An der Ilmenaubrücke bei Klein Bünstorf bewundern wir einmal mehr den malerischen Heidehof mit bis ans Flussufer reichender Pferdeweide, der uns schon auf unserer Kajaktour von Uelzen nach Bad Bevensen aufgefallen war (nachzulesen im Sommerheft 2015). Auf dem Weg nach Klein Hesebeck kreuzen wir einmal mehr den Elbe-Seitenkanal, zur Abwechslung diesmal aber nicht auf einer Brücke, sondern im Tunnel. Durch die grünen Wiesen des Ilmenautals fahren wir nach Jastorf und folgen dort dem Wegweiser zum Jastorfer See. Wie weiter südlich der Bernsteinsee und der Tankumsee ist auch der Jastorfer durch Sandaushub beim Bau des Elbe-Seitenkanals entstanden. Der einstige Baggersee ist heute ein Vogelschutzgebiet. Das Baden ist verboten. Stattdessen gibt es am Ufer einen Beobachtungsturm für (Hobby)-Ornithologen. Schade, dass wir diesmal kein Fernglas dabeihaben. Durch das winzige Dorf Heitbrack fahren wir weiter nach Molzen, überqueren dort die Wipperau und erreichen schließlich Ristedt, ein weiteres schönes, altes Bauerndorf. Am Ortsrand überqueren wir die Bundesstraße 191 und fahren einmal mehr entlang eines blühenden Rapsfeldes auf der wenig befahrenen Straße nach Rätzlingen, wo wir den Ausgangspunkt unserer 44 Kilometer langen Tour erreichen, die auch ohne Musik die reinste R(h)apsodie war. INFO Die Karte zur Tour finden Sie unter calluna-magazin.de bei Callunaplus.

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1 2 34 www.landbaeckerei-grete.de 5 1 Stiefmütterschen im Kurpark von Bad Bevensen. 2 An der Wipperau bei Dörmte. 3 Verwilderte Bauerngartenblume am Wegesrand bei Groß Hesebeck: Das Einjährige Silberblatt (Lunaria annua) bringt die in Trockensträußen beliebten »Silbertaler« hervor. 4 LandArt-Marktstände in Bad Bevensen. 5 Heide-Bauernhof mit Pferdeweide am Ufer der Ilmenau bei Klein Bünstorf. Pause genießen! ...in Gretes Mühlenbäckerei in Hillerse, Hauptstraße 31. Bestes traditionelles Bäckerhandwerk mit viel Atmosphäre im Bäcker-Café. Jeden Sonntag geöffnet und immer ein lohnendes Ziel für eine leckere Kaffeepause! Hillerse, Hauptstraße 31 geöffnet: Mo. - Fr. 5.00 - 18.00 Uhr Sa. 5.00 - 12.00 Uhr · So. 7.00 - 10.30 + 13.00 - 17.00 Uhr Calluna 15

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