Mensch und Mund 1-2017

 

Embed or link this publication

Description

Patientenzeitung GZM

Popular Pages


p. 1

5. Jahrgang · Ausgabe 1/2017 Mensch & Mund Ganzheitliche ZahnMedizin für interessierte Patienten Bildquelle: Biber Studio Wenn Mund und Zunge brennen 1

[close]

p. 2

Mensch & Mund Zungen- und Mundbrennen: Wie Sie dem Leidensdruck begegnen Bildquelle: © proDente e.V./ Peter Vogt Wann immer eine Störung des Wohlbefindens viele verschiedene Gründe haben kann, ist eine ganzheitliche Betrachtung besonders hilfreich – für die Abklärung der jeweils ganz spezifischen Ursache, vor allem aber für einen individuell geeigneten Therapieansatz. So ist es auch beim Zungen- und Mundbrennen. Ein Brennen im Mund und auf der Zunge, oft an der Zungenspitze – das ist für die Betroffenen unangenehm, schmerzhaft, belastend. Nicht selten findet der Hausarzt keine klare Ursache. Das ist für viele Patienten der Anfang eines langen Wegs auf der Suche nach Linderung und Heilung. Die gute Nachricht zuerst: In den allermeisten Fällen ist Zungen- und Mundbrennen kein Indiz für eine schwere Krankheit im Sinne einer bedrohlichen oder gar lebensverkürzenden Störung. Das ist sicher tröstlich – trotzdem ist der Leidensdruck bei Zungen- und Mundbrennen oft sehr hoch. Weit verbreitet, aber nicht völlig geklärt Ein Problem beim Zungen- und Mundbrennen: Nur bei rund zwei Drittel aller Patientinnen und Patienten lässt sich überhaupt eine Ursache finden. Das restliche Drittel muss sich mit der lapidaren Aussage zufrieden geben: „idiopathisches Mundbrennen“. Mit anderen Worten: Bislang gibt es dafür keine wissenschaftlich erforschte Erklärung. Eine starke Belastung Wer selbst von Zungen- und Mundbrennen betroffen ist, will aber eine Erklärung haben und Abhilfe schaffen – zu belastend und schmerzhaft ist das Missgefühl an einer der empfindlichsten Stellen des menschlichen Körpers. Nicht selten verlieren die Patienten den Spaß am Leben: Reden, Essen, Sozialkontakte leiden unter dem dauernden Brennen. Das kann so weit gehen, dass man das Gefühl hat, man könne gar nicht mehr an etwas anderes denken, als an dieses Brennen im Mund. 2 Systemische Orale Medizin · 6. Jahrgang 1/2017

[close]

p. 3

MMeennsscchh&&MMuunndd Ursachen kennen, Heilung suchen Gerade weil Schmerz und damit Leidensdruck ganz individuell empfunden werden, ist es sinnvoll, auf der Suche nach Heilung oder mindestens Linderung alle möglichen Ursachen genau unter die Lupe zu nehmen. Findet sich ein Anhaltspunkt, lässt sich auch eine Therapie danach ausrichten. Falls nicht, so steht immer noch der Weg offen, zumindest die Symptome dieser schmerzhaften Störung zu lindern. Schauen wir also zunächst auf mögliche Ursachen. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen Ursachen direkt in der Mundhöhle und solchen, die von anderen Stellen im Körper ausgehen. Ursachen innerhalb der Mundhöhle Innerhalb des Mundes selbst kommen vor allem drei Bereiche als Auslöser in Betracht: Bakterien, Pilze und Zahnersatz. Bakterien. Wenn das gesunde Gleichgewicht im Mund gestört ist, hat das nicht nur Auswirkungen auf die Zahngesundheit – hier kann auch eine Ursache für Zungen- und Mundbrennen liegen. Das Zusammenspiel der „guten“ Bakterien kann gestört sein – durch Zahnpasta mit synthetischen Tensiden ebenso wie durch häufige Anwendung von aggressiver Mundspülung. Selbst von kosmetischen Produkten kann ein Risiko ausgehen, wenn zum Beispiel chemische Bestandteile aus Lippenstift oder Lipgloss über die Lippenschleimhaut in die Mundhöhle gelangen. Pilze. Eine andere mögliche Ursache sind Pilzerkrankungen. Solche Pilze können sich direkt in der Mundhöhle ansiedeln oder als Folgeerscheinung von Störungen der Darmflora bis in den Mund „aufsteigen“. Bei Zahnprothesen können sich Pilze auch im Kunststoff des Zahnersatzes einnisten. Bitte bleiben Sie gelassen Zahnersatz. Ein schlecht sitzender Zahnersatz kann ebenfalls Zungenund Mundbrennen hervorrufen. Selbst kleinstes – vom Patienten selbst gar nicht bemerktes – Wackeln der Prothese kann die Mundschleimhaut so reizen, dass sie brennt. Auch Fehlbelastungen (falscher Biss) können eine Rolle spielen. Nicht zuletzt die Zusammensetzung der Materialien des Zahnersatzes kann Mundbrennen hervorrufen. Leider ist der zeitliche Zusammenhang oft nicht direkt erkennbar: Symptome können erst etliche Zeit nach Einpassen der Prothese auftreten, sodass man dann gar nicht mehr an die Materialien als Auslöser denkt. Hier können Tests aus der Umweltzahnmedizin mehr Klarheit bringen (Effektorzelltypisierung, Multielementanalyse des Speichels). Weitere mögliche Ursachen Vitaminmangel. Zu den bekanntesten Ursachen des Zungenbrennens, die nicht direkt im Mund zu suchen sind, zählt ein Mangel an Vitamin B12, Folsäure oder Eisen. Wechseljahre. Frauen über 45 sind überdurchschnittlich oft von Zungen- und Mundbrennen betroffen. Wenn der Östrogenspiegel sinkt, führt das oft zum Austrocknen der Haut, und auch die Mundschleimhaut wird trocken. Dadurch kann sich die Mundflora verändern und ein Brennen verursachen. Nebenwirkungen von Medikamenten. Manche Medikamente können als Nebenwirkung Zungenbrennen hervorrufen, darunter Blutdrucksenker, Antidepressiva und Antibiotika. Auch hier sind Umsicht und Spürsinn gefragt, denn die Nebenwirkungen treten manchmal erst Monate nach der ersten Einnahme auf. Diese Aufzählung enthält zwar auch einige schwerwiegende Erkrankungen. Aber grundsätzlich gilt: Ein Zungenoder Mundbrennen wird zwar als sehr störend empfunden, ist aber im physiologischen Sinne fast immer harmlos. Chronische Erkrankungen. Es gibt chronische Erkrankungen, die mit Zungenbrennen einhergehen, in erster Linie Diabetes, aber auch das sog. SjögrenSyndrom (das zu trockenen Augen und Mundtrockenheit führt und deshalb auch als Sicca-Syndrom bezeichnet wird, von lateinisch siccus = trocken). Selbst neuronale Krankheiten (Multiple Sklerose) und Autoimmun-Erkrankungen (Sklerodermie, Knötchenflechte) können mit Mundbrennen einhergehen. Darm. Die Verdauung beginnt nicht erst im Darm, sondern schon beim gründlichen Kauen im Mund. Kein Wunder also, dass zum Beispiel die traditionelle chinesische Medizin und auch die Naturmedizin Zusammenhänge zwischen Zunge und Dick- bzw. Dünndarm sehen. Bestimmte Darmungleichgewichte oder -erkrankungen können sich auch durch Zungen- und Mundbrennen bemerkbar machen. Neurologische Erkrankungen. Selbst Erkrankungen des zentralen Nervensystems können mit Zungen- und Mundbrennen auftreten. Psychische Faktoren. Das ist ein heikles Feld, weil sowohl psychische Störungen Zungen- und Mundbrennen hervorrufen können als auch umgekehrt ein lang anhaltender, hoher Leidensdruck zu psychischen Veränderungen führen kann. Dabei muss man gar nicht unbedingt an Krankheit denken – es gibt immer wieder Situationen, in denen man intensivem Stress oder hohem Druck am Arbeitsplatz oder in der Familie ausgesetzt ist, die aber auch wieder vorübergehen – dann klingen oft auch die belastenden psychosomatischen Beschwerden ab. Systemische Orale Medizin · 6. Jahrgang 1/2017 3

[close]

p. 4

Mensch & Mund Ganzheitliche Betrachtung hilft weiter Die vielen verschiedenen möglichen Ursachen betreffen mehrere medizinische Fachgebiete – hier bewährt sich unbedingt eine ganzheitliche Betrachtung, damit den Betroffenen möglichst schnell und wirksam geholfen werden kann. Es liegt nahe, bei Brennen an der Zunge und im Mund zunächst seine Zahnärztin oder seinen Zahnarzt zu konsultieren – idealerweise jemanden mit ganzheitlicher Sichtweise. An erster Stelle wird dann immer die Abklärung der zahnmedizinischen Situation stehen – falls das aber nicht zu einem eindeutigen Ergebnis führt, können entsprechende andere Ärzte hinzugezogen werden. Möglichkeiten zu Heilung oder Linderung Je nach Diagnose haben sich unterschiedliche Vorgehensweisen als hilfreich erwiesen: Bei Belastung der Mundflora mit Bakterien. Verwenden Sie statt aggressiver Zahnpasta lieber alternative Produkte mit natürlichen oder naturheilkundlichen Wirkstoffen. Spülen Sie Ihren Mund außerdem nicht zu oft mit chemischen Produkten; grüner Tee oder auch Kamillen-, Salbei- oder Pfefferminztee belasten die Mundschleimhaut nicht, sondern unterstützen den Heilungsprozess. Pilzerkrankung. Ein Abstrich der Mundschleimhaut zeigt, ob und welche Pilze vorliegen. Dann ist eine abgestimmte Pilzbehandlung angezeigt und (vor allem bei Candida) eine zuckerfreie Diät, eventuell in Kombination mit einer sogenannten Symbioselenkung (Darmsanierung). Pilzfeindlich und damit in diesem Fall förderlich ist es auch, Bärlauch, Zwiebeln, Knoblauch und frische Küchenkräuter zu essen. Das sollten Sie vermeiden Es gibt Menschen, die durch lang anhaltendes Zungen- und Mundbrennen regelrecht verzweifeln. Lassen Sie sich aber nicht zu radikalen Lösungen hinreißen. Zähne ziehen, weil man dort einen Entzündungsherd vermutet, sollte Prothesen. Der korrekte Sitz sollte geprüft werden, und auch die Materialien von Zahnersatz sollten abgeklärt werden. Bei Pilzbefall auf Prothesen ist eine spezielle Reinigung durch den Zahnarzt erforderlich. Vitaminmangel. Die Versorgung des Körpers mit Vitaminen kann im Blut untersucht werden. Oft hängt eine Mangelerscheinung mit einer gestörten Aufnahme im Darm zusammen, die Vitamine können also nicht ausreichend über die Nahrung zugeführt werden. Dann können sie auch intramuskulär verabreicht werden. Wechseljahre. Ob das Zungen- und Mundbrennen wirklich mit der hormonalen Umstellung in den Wechseljahren zusammenhängt, sollte durch einen Gynäkologen oder Endokrinologen gesichert festgestellt werden. Falls ja, können sogenannte Phytoöstrogene zum Einsatz kommen, also sekundäre Pflanzenstoffe, die strukturelle Ähnlichkeit mit den Östrogenen besitzen, ohne selbst Hormone zu sein. Medikamente. Falls sich zeigen sollte, dass das Zungen- und Mundbrennen auf Nebenwirkungen von Medikamenten zurückzuführen ist, sollten Alternativpräparate gesucht werden. Oft gibt es ähnlich wirkende Medikamente, die individuell besser verträglich sind. erst nach eingehender Untersuchung und gründlicher Abwägung der Folgen in Erwägung gezogen werden. Auch „Geheimtipps“ wie die lokale Anwendung von Pfeffer oder Capsaicin (Chili) steigern teilweise sogar den Schmerz. Sie sind weder von der Wirkung her noch in Sachen Nebenwirkungen zuverlässig untersucht. Glauben Sie an Ihre Selbstwirksamkeit Darüber hinaus können Betroffene selbst einiges dafür tun, um das unangenehme Brennen zu lindern – von Spülen mit Tees über naturheilkundliche Verfahren (z. B. Schüßler-Salze) bis hin zur Harmonisierung des Säure-Basen-Haushalts des Körpers und ganz grundsätzlich die Stärkung des Immunsystems. Besprechen Sie mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt, wie Sie in Ihrer persönlichen Situation am besten vorgehen sollten. Gründlich und ganzheitlich So unterschiedlich die Ursachen für Zungen- und Mundbrennen sind, so vielfältig sind auch die möglichen Therapieansätze. Allerdings führt nicht jede Untersuchung zu einer Therapie, und nicht jede Therapie führt schnell zum Erfolg. Hier brauchen Betroffene Geduld, nicht zuletzt mit sich selbst. Denn falls sich herausstellen sollte, dass sie mit ihrem Zungen- und Mundbrennen leben müssen, muss diese schwerwiegende Information erst einmal verarbeitet werden. Aber keine Sorge: Bevor es soweit ist, besprechen Sie Ihre Situation eingehend mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt. Die Ganzheitliche Zahnmedizin ist gerade in vielschichtigen Fällen wie diesen ein Garant für die gründliche Betrachtung aller relevanten Faktoren – zu Ihrem Nutzen. Ludwig Fiebig 4 Systemische Orale Medizin · 6. Jahrgang 1/2017

[close]

p. 5

MMeennsscchh&&MMuunndd Bildquelle: wikipedia Hoenny GZM – Sicherheit durch gezielte Qualitätsorientierung Die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) fördert die Kooperation zwischen Zahn-Medizin und Medizin und setzt sich stark für die Realisierung regionaler Netzwerke ein. Dazu organisiert und veranstaltet die GZM regelmäßig internationale Symposien und Kongresse. Die GZM fördert intensiv die Erforschung ergänzender Diagnose- und Therapiekonzepte und arbeitet aktiv daran mit. Qualifizierte Mitglieder der GZM haben eine umfangreiche Weiterbildung in verschiedenen Diagnose- und Therapieverfahren absolviert und sich einer Prüfung unterzogen. Eine Liste der qualifizierten GZM-Mitglieder nach PLZ-Bereichen finden Sie im Internet unter: www.gzm.org Wenn Sie 2,80 € in Briefmarken an die Geschäftsstelle schicken, erhalten Sie die Liste gerne auch per Post zugesandt. Dort sind auch weitere Broschüren zu verschiedenen Themen sowie Infopakete erhältlich. Bitte schreiben Sie an: Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin e. V. Kloppenheimer Str. 10 68239 Mannheim Tel.: +49 (0)621 48179730 Fax: +49 (0)621 473949 E-Mail: gzm@gzm.org www.gzm.org LED-Lampen könnten für die Augen toxisch sein Ein französisches Forschungsteam hat gezeigt, dass LED-Lampen potenziell toxisch für die Augen sind. Diese Lampen kommen täglich zum Einsatz und könnten die altersbedingte Makuladegeneration aufgrund bestimmter Wellenlängen fördern. Zur Untersuchung dieses Problems wurden Ratten in drei Gruppen aufgeteilt, um die Wirkungen verschiedener Lichtarten zu vergleichen: LED-Lampe, Glühbirne und Kaltkathodenlampe (Leuchtröhre). Die Forscher setzten die Ratten zunächst über 24 Stunden einer hohen Lichtintensität (6000 Lux) aus und konnten beobachten, dass unabhängig von der Lichtquel- le ein Entzündungsprozess einsetzte, der den Zelltod (Apoptose) förderte. War die Lichtintensität geringer (500 Lux, wie in einer normalen Wohnung), wurde die Netzhaut der Ratten nur durch das LEDLicht beeinträchtigt, jedoch nicht von den anderen Lichtquellen. Die Ursache dieser Schädigungen liegt im blauen Licht begründet, das in LED-Lampen mit gelbem Licht vermischt wird, um weißes Licht zu erzeugen. Diese Lampen werden heute sehr häufig eingesetzt, weil sie wirtschaftlicher und seit 2005 von der Europäischen Kommission vorgeschrieben sind. Weitere Forschungen sind also notwendig, um das mögliche Fototoxizitätspotenzial von LED-Lampen vollständig aufzudecken. Quelle: http://www.wissenschaft-frankreich.de Systemische Orale Medizin · 6. Jahrgang 1/2017 5

[close]

p. 6

Mensch & Mund Bildquelle: wikipedia Bruce Blaus Genetische Defekte im Zahnschmelz begünstigen die Bildung von Karies Nicht nur Bakterien können Karies auslösen, auch die Widerstandsfähigkeit der Zähne spielt eine wichtige Rolle. Forschende der Universität Zürich konnten nachweisen, dass mutierte Gene zu Defekten im Zahnschmelz führen und damit die Entwicklung von Karies begünstigen können. Warum putzen einige Menschen immer fleißig die Zähne und bekommen dennoch Karies, während andere es nicht so genau nehmen mit der Mundhygiene und trotzdem keine Löcher haben? Schliesslich befinden sich bei beiden auf der Zahnoberfläche Bakterien, die den Zahnschmelz angreifen können. Zahnschmelz bildet sich durch die Mineralisation spezifischer Schmelzproteine. Ist die äußerste Schicht der Zähne defekt, kann Karies eindringen. Forschende der Universität Zürich konnten nun erstmals einen Genkomplex identifizieren, der für die Bildung von Zahnschmelz verantwortlich ist. Die beiden Teams vom Zentrum für Zahnmedizin und vom Institut für Molekulare Biologie verwendeten dazu Mäuse mit unterschiedlichen Mutationen in den Schmelz-Proteinen, die am sogenannten Wnt-Signalweg beteiligt sind. Dank diesem Übertragungsweg reagieren menschliche und tierische Zellen auf äußere Signale und aktivieren im Zellkern gezielt ausgewählte Gene. Der Signalweg ist für die embryonale Entwicklung essenziell und spielt auch bei der Entstehung von Krebs oder körperlichen Fehlbildungen eine zentrale Rolle. Mutationen in Proteinen lösen defekten Zahnschmelz aus „Alle Mäuse mit Mutationen in diesen Proteinen zeigen Schmelzdefekte an ihren Zähnen. Damit konnten wir aufzeigen, dass ein direkter Zusammenhang besteht zwischen Mutationen in den genetischen Bauplänen für diese Proteine und der Entwicklung von Defekten im Zahnschmelz“, erklärt Pierfrancesco Pagella, einer der beiden Erstautoren der Studie. Dieser genetische Befund trägt wesentlich dazu bei, die Produktion von Zahnschmelz besser zu verstehen. Als weltweit erstes Forscherteam verwendeten die Wissenschaftler moderne genetische, molekulare und biochemische Methoden, um Zahnschmelzdefekte detailliert zu untersuchen. „Dabei zeigte sich, dass drei bestimmte, am Wnt-Signalweg involvierte Proteine nicht nur an der Entstehung schwerer Krankheiten beteiligt sind, sondern auch an der qualitativen Verfeinerung von Gewebe, das sehr weit entwickelt ist. Funktioniert die Signalübertragung nicht richtig, kann sich die Struktur des Zahnschmelzes verändern“, erklärt Ko-Erstautor Claudio Cantù von der Forschungsgruppe Molekularbiologie unter Prof. Konrad Basler. Erhöhtes Kariesrisiko bei defektem Zahnschmelz Härte und Zusammensetzung des Zahnschmelzes kann sich auch auf das Fortschreiten von Karies auswirken. „Wir haben aufgezeigt, dass Karies nicht nur im Zusammenhang mit Bakterien steht, sondern auch mit der Widerstandsfähigkeit des Zahnes verbunden ist“, sagt Thimios Mitsiadis, Professor für Orale Biologie vom Zentrum für Zahnmedizin. Bakterien und ihre toxischen Produkte könnten leicht in einen Zahnschmelz mit einer weniger stabilen Struktur eindringen. Dies führe zu kariösen Läsionen, selbst wenn die Mundhygiene eingehalten werde. Das Verständnis über die molekularbiologischen Zusammenhänge der Zahnschmelzentwicklung sowie die Auswirkungen von Mutationen, die zu Schmelzdefekten führen, eröffnet neue Möglichkeiten zur Kariesprävention. „Dank neuer Produkte, die ein Fortschreiten von Zahnkaries bei defektem Zahnschmelz verhindern, werden wir die Mundgesundheit von Betroffenen deutlich verbessern können“, ergänzt Thimios Mitsiadis. Quelle: www.media.uzh.ch 6 Systemische Orale Medizin · 6. Jahrgang 1/2017

[close]

p. 7

MMeennsscchh&&MMuunndd Heike Katzmarzik Große Heiler der Welt Trinity Verlag, München, 2012 592 Seiten; gebunden; 29,95 € ISBN: 978‐3‐941837‐28‐7 Eine inspirierende Reise in eine andere Welt der Heilung Wie arbeiten Heiler? Wodurch erzielen sie ihre Heilerfolge? Und sind diese Erfolge wissenschaftlich messbar? Die Autorin und Medizin-Journalistin Heike Katzmarzik stellt in ihrem neuen Buch 31 Heiler aus aller Welt vor. Sie erzählt deren Lebensgeschichten und was sie dazu bewogen hat, Heiler zu werden. Ihre jeweilige Ausbildung und Arbeitsweise wird ebenso anschaulich beschrieben wie ihre Heilerfolge. Viele Klienten, zum Teil mit „unheilbaren“ Krankheiten, die von der Schulmedizin bereits aufgegeben waren, kommen zu Wort und berichten davon, wie sie wieder gesund wurden. Es werden völlig neue Methoden beschrieben, die zum Teil bei uns in Deutschland noch unbekannt sind. Der Autorin geht es dabei hauptsächlich darum, dem interessierten Leser neue Wege der Heilung aufzuzeigen, das Bewusstsein für die Eigenverantwortung zu schärfen und eine Zusammenarbeit von klassischer Medizin und alternativen Heilmethoden anzuregen. Eine eigene schwere Krankheit der Autorin und der Weg in ihre Heilung war der Grund dafür, dieses Buch zu schreiben. Als Medizin-Journalistin wollte sie genauer wissen, wie Heilung überhaupt zustande kommt. Sie stellte Recherchen an und durchlief selbst mehrere HeilerAusbildungen bei den verschiedensten Heilern aus aller Welt. Ihre äußerst spannenden persönlichen Erfahrungen, die sie sehr offen und farbig schildert, und die von Wissenschaftlern durchgeführten Tests der Heiler-Erfolge geben diesem Buch seine besondere Authentizität. Heike Katzmarzik entdeckte im Laufe ihrer fünfjährigen Recherche über Heilenergie, dass nicht nur Techniken erlernbar sind, sondern auch ungeahnte Fähigkeiten zum Zuge kommen können, die bereits in uns schlummern und nur darauf warten, geweckt zu werden. Sie ist sich sicher, dass es eine Kommunikation gibt, die uns mit allem verbindet, was existiert und je existiert hat. Jede Zelle des Menschen sei in der Lage, zu kommunizieren – z. B. über Licht und akustische Signale, die sogar als hörbare Töne von Wissenschaftlern beschrieben würden. Elektronen im Körper speicherten alles, was der Mensch je erlebt habe, und sie tauschten Informationen aus, die unter bestimmten Bedingungen sogar abrufbar seien. Muskeln verfügten über spezielle Sensoren, die mit dem Gehirn kommunizierten, was wiederum gezielt therapeutisch zur Heilung genutzt werden könne. Der Körper habe ein eigenes, vom Gehirn unabhängiges Erinnerungsvermögen, das jedes Fehlverhalten und jede Stresssituation sowie Traumata – eigene und auch die naher Verwandter – speichere. Schamanen seien in der Lage, mit Seelen- anteilen zu kommunizieren, um ein Trauma aufzuspüren, was die Grundlage dafür sei, dass der Mensch wieder in sein Gleichgewicht komme und gesunden könne. Die Autorin fasst die unterschiedlichsten Methoden zusammen und gibt ihnen einen Namen: Spirituelle Medizin. Diese könne in Zukunft das Bindeglied der klassischen und der integrativen Medizin darstellen. Katzmarziks Buch gewährt nicht nur spannende Einblicke in ungewöhnliche Arbeitsweisen erfolgreicher Heiler, sondern zeigt auch, wie wir unseren eigenen „inneren Heiler“ finden können. Dieses aktuelle Sachbuch liest sich flüssig wie ein Roman und spannend wie ein Krimi und bietet sowohl an Gesundheit interessierten Laien als auch medizinisch vorgebildetem Fachpersonal Information und Anregung zum Weiterdenken. Heike Katzmarzik war über 15 Jahre als Drehbuchautorin, Chefredakteurin, Regisseurin und Journalistin tätig. Sie realisierte Polit- und Wissenschaftsmagazine, drehte zahlreiche Dokumentarfilme und verantwortete Magazinbeiträge für diverse Fernsehsender. Sylvia Ederle Systemische Orale Medizin · 6. Jahrgang 1/2017 7

[close]

p. 8

Mensch & Mund Harte Schale – gesunder Kern Darmkrebs: Ernährungswissenschaftler klären Schutzwirkung von Nüssen auf Geröstet und gesalzen, gemahlen im Gebäck oder frisch geknackt direkt aus der Schale – wer gerne Nüsse verzehrt, für den haben Ernährungswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena gute Nachrichten: Nüsse, so zeigen ihre aktuellen Studienergebnisse, können das Wachstum von Krebszellen im Darm reduzieren. Bereits seit Längerem ist bekannt, dass Nüsse voller Inhaltsstoffe stecken, die gut sind für das Herz-Kreislaufsystem, die vor Übergewicht oder Diabetes schützen. Auch ihre vor Darmkrebs schützende Wirkung deutet sich bereits in zahlreichen Studien an. Die gesundheitsfördernde Wirkung von Nüssen beruht unter anderem darauf, dass die körpereigene Abwehr zur Entgiftung von reaktiven Sauerstoffspezies aktiviert wird. Solche Substanzen, die beispielsweise durch ultraviolette Strahlung oder verschiedene Chemikalien entstehen, können Zellschäden verursachen, die zur Krebsentstehung führen. Der Körper verfügt aber über eine ganze Reihe von Schutzmechanismen, die reaktive Sauerstoffspezies unschädlich machen. Diese, so haben die Jenaer Ernährungswissenschaftler nun gezeigt, werden durch Nüsse und ihre Inhaltsstoffe angekurbelt. Untersucht haben die Forscher die Wir- kung von insgesamt drei verschiedenen Nusssorten und zwei Steinfrüchten: Macadamia-, Hasel- und Walnuss sowie Mandeln und Pistazien. Dazu sind die Nüsse künstlich – im Reagenzglas – „verdaut“ worden. Die so entstandenen Verdauungsprodukte haben die Wissenschaftler anschließend auf ihre Wirksamkeit an Zelllinien untersucht. Dabei haben sie festgestellt, dass etwa die Aktivität der Schutzenzyme Katalase und Superoxiddismutase in den behandelten Zellen ansteigt. Außerdem wird durch die Verdauungsprodukte in den behandelten Krebszellen der sogenannte programmierte Zelltod induziert. Diese Wirkung konnte bei allen untersuchten Nusssorten nachgewiesen werden. Quelle: idw Bildquelle: wikipedia/JLPC 8 Systemische Orale Medizin · 6. Jahrgang 1/2017

[close]

Comments

no comments yet