Erinnerungen

 

Embed or link this publication

Description

Autobiographisches Interview

Popular Pages


p. 1

christoph oling erinnerungen ein autobiographisches interview erinnerungen ein autobiographisches interview motto diener mehrerer herren1 © 2011 christoph oling-laurents 1 in der 11 klasse spielte ich in carlo goldonis stück der diener zweier herren den kaufmann pandolfo 1

[close]

p. 2

i erinnerungen an meine tätigkeit in dornach was haben sie beruflich vor ihrer tätigkeit an der ita wegman gemacht seit 1973 habe ich noch während meiner kaufmännischen ausbildung bereits einzelne aufträge im vermögensverwaltungsbereich angenommen was 1978 zur eigentlichen gründung meines zunächst kleinen büros im treuhandwesen führte es begann in meinem zimmer an der dorneckstr 8 erfuhr dann eine erweiterung in einer einzimmerwohnung im hinterhaus dorneckstr 8a und schliesslich durch einen umzug an die hauptstr 20 in grössere büroräume die vorher der raiffeisenbank dienten dort hatte ich auch teilzeitmitarbeiterinnen denn das büro hatte sich stetig vergrössert und damit auch die zahl der mandate meine mandanten setzten sich zusammen aus gewerbetreibenden wirten der gemeinde dornach aber auch den institutionen aus anthroposophischem umfeld dem goetheanum der rudolf steiner nachlassverwaltung dem philosophisch-anthroposophischen verlag dem speisehaus dem gästehaus friedwart schliesslich war das büro so gewachsen dass eine eintragung ins handelsregister erfolgen musste dies geschah am 27.6.1979 ende des gleichen jahres wurde ich passivmitglied des schweizerischen treuhänderverbandes und nach den obligatorischen 5 jahren aktivmitglied mitte 1990 wurde mir der titel treuhandexperte stv zuerkannt während meiner tätigekit an der ita wegman klinik ruhte dann diese selbständige arbeit weitgehend durch meine mitwirkung im stiftungsrat der pensionskasse des klinisch-therapeutischen instituts ergab es sich dass auch liegenschaften zum anlageportefeuille gehörten so entstand nebenbei wieder der bezug zu diesem metier schliesslich umfasste das mandat eine stattliche zahl von mietobjekten die ich nebenbei zu verwalten hatte vermutlich haben sie die entwicklung der kleincomputer auch miterlebt o ja das war eine aufregende zeit natürlich habe ich versucht damit zu arbeiten es war anfänglich aber sehr mühsam und frustrierend vor allem wenn nach stundenlanger erfassungsarbeit alles weg war weil irgendwelche einstellungen nicht exakt aufeinander abgestimmt waren festplatten gab es anfänglich keine alles wurde auf disketten sogen floppydisks abge2

[close]

p. 3

speichert die verbuchung von erfassungsjournalen erfolgte von einer floppy auf die andere wehe sie liefen nicht synchron dann stürzte alles ab ich erinnere mich noch gut daran etwa alle 14 tage nach basel in die gundeldingerstrasse fahren zu müssen um die beiden laufwerke wieder synchronisieren zu lassen mit was für einem pc begann das abenteuer begonnen habe ich zunächst einmal 1975 mit einer uralten gebrauchten buchungsmaschine das war eine kienzle wie man auf dem bild sehen kann hatte dieses ungetüm einen langen wagen links eine schreibmaschineneinheit welche sich selbst entlang des wagens bewegte die tasten liefen einem beim schreiben also langsam davon rechts eine rechenmaschine mit der man die buchungen eingab da der wagen schwer war gab es jedesmal einen lautes geräusch wenn der wagen nach einer zeileschaltung in die ausgangsposition zurück krachte da mein büro in einer kleinen wohnung eines mehrfamilienhauses untergebracht war kleidete ich die wände um die buchungsmaschine mit schallschluckplatten aus das nächste modell war eine buchungsschreibmaschine mit der ich beispielsweise alle lohnabrechnungen des speisehauses erstellte aber auch buchhaltungen führen konnte dann folgte ein ruf-nixdorf buchungsautomat dieser hatte ein modernes kunststoffgehäuse bereits eine minikassette mit einem programm welches in der lage war gewisse vorgänge zu automatisieren die kontoblätter waren aus halbkarton hatten lochstanzungen auf den beiden seiten anhand derer sie eingezogen wurden den letzten buchungssaldo musste 3

[close]

p. 4

man jeweils erneut erfassen wobei er zwecks fehlervermeidung in roter farbe überdruckt wurde dadurch waren abweichungen optisch erkennbar bilanzen und erfolgsrechnungen konnten nur erstellt werden wenn man jedes kontoblatt nacheinander einzog damit die saldi eingelesen werden konnten das dauerte bei buchhaltungen mit vielen konti schon einige zeit immerhin hatte dieses gerät bereits einen kugelkopf als schreibwerk und 1980 kaufte ich mir einen commodore pet der hatte gerade einmal 32 kb ram dann folgte ein jahr später ein commodore 8032 sk der sah schon stromlinienförmiger aus und hatte bereits eine abtrennbare tastatur leider änderte aber das unzuverlässige speichermedium des vorgängermodells nicht einen echten fortschritt bot demnach der modellwechsel nicht 4

[close]

p. 5

dann folgte 1982 ein quantensprung zu meinem ersten pc mit ms-dos betriebssystem später dann microsoft windows 3.1 und 10 mb festplatte ein schwedischer sirius victor das war wie weihnachten und geburtstag in einem zu ende die abstürze mit dem floppylaufwerk alles lief zig mal schneller und zuverlässiger aber das produkt war enorm teuer alles zusammen kostete mich damals 25 000 franken Überhaupt waren büromaschinen noch sehr teuer mein erster elektronischer tischrechner kostete 2 500 franken und konnte gerade einmal die grundrechenarten ohne speicher können sie etwas erzählen aus ihrem engagement für alleinstehende alte damen unvergesslich sind mir begebenheiten aus meiner tätigkeit als vormund oder beistand von älteren damen eines tages besuchte mich der gemeindepräsident in meinem büro an der dorneckstrasse 8a und bat mich dringend eine vormundschaft zu übernehmen er hatte bereits in seiner eigenschaft als gerichtsschreiber mit dem bruder der betreffenden dame unerfreuliche erfahrungen gemacht und fand nun in der gemeinde niemanden der sich das antun wollte schon deshalb nicht weil es sich um eine prominente anthroposophin aus den anfängen der bewegung in dornach handel5

[close]

p. 6

te sie war bereits seit jahrzehnten schwer krank und mehrfach in spitalbehandlung gewesen geplagt von fürchterlichen schmerzen im kopfbereich mein vater erzählte mir öfters von seinen begegnungen mit ihr er kannte auch die familienverhältnisse als kind war ich von ihren illustrierten kinderbüchern umgeben kurz hilde langen war ein begriff noch jung und unerfahren sagte ich kurz entschlossen zu der gemeindepräsident war mir noch lange zeit dankbar dafür dass ich ihm eine heisse kartoffel abgenommen hatte und ich lernte im umgang mit dem bruder arthur langen mich zu behaupten und nicht klein beizugeben auch vor drohungen nicht zurückzuschrecken auch als es zum prozess kam den ich mit hilfe von bernhard christ gewann eine andere story war agathe horst in jüngeren jahren schriftstellerisch tätig wohnte sie in unmittelbarer nähe zum goetheanum in einem kleinen wäldchen einsam in einem häuschen die sozialhilfe bat mich um unterstützung bei veranstaltungen im goetheanum an denen sie für gewöhnlich teilnahm viel sie unangenehm auf randalierend rechthaberisch unwirsch einen wachhabenden feuerwehrkollegen griff sie gelegentlich mit ihrem stock sogar tätlich an nur konnte dieser emotional damit umgehen die betreuung war nicht leicht ich war jung sie war alt und verwirrt jedenfalls habe ich dabei ruhe bewaren nachhaltig gelernt schliesslich verstarb sie meine frau half mir bei der auflösung des haushalts bzw was davon noch übrig war unbeschreiblich ina schuurman die witwe des komponisten betreute ich ebenfalls bei einem brand den sie blind lebend verursachte war ich als feuerwehrmann dabei der rüttiweg mit seinen verschiedenen stichstrassenteilen bot ein reines verwirrspiel für die ausrückenden kollegen einige von uns fuhren in einen südteil andere nach osten die im osten waren richtig ich erinnere mich noch deutlich an den einsatz schon deswegen weil ich mit zwei anderen kollegen vermummt mit atemschutzkleidung schweren atemluftflaschen auf dem rücken im stockdunkeln die steile estrichtreppe hinaufkletterte um oben zu löschen wo es am heftigsten brannte und unversehens die gesamte estrichtreppe hinunterkullerte weil diese vollgestellt war mit konfitürengläsern die bescherung und unser aussehen waren farbig später sassen wir oben nach erledigter brandbekämpfung und lasen unter freiem himmel bei herrlichem sonnenschein in uralten illustrierten die stapelweise dort oben lagerten und ein herrliches brandrisiko darstellten 6

[close]

p. 7

später dann wurde es gesundheitlich noch schwieriger und führte zu einem sturz bei dem ich zusammen mit dr anton gerretsen ins haus einbrechen musste um die dame zu retten das war wohl die entscheidende begegnung die später zu meinem engagement in der ita wegman klinik geführt haben dürfte hans arensohn war buchhalter in der rudolf steiner nachlassverwaltung er erlebte einen beträchtlichen teil der geschichte der anthropsophischen gesellschaft zusammen mit heinrich o proskauer einem sprachgestalter schauspieler und forscher an goetheas farbenlehre wohnte er zusammen in einem zweifamilienhäuschen leider kam es im hohen alter zu orientierungslosigkeit was wiederum meine hilfe in finanziellen angelegenheiten in form einer beistandschaft erforderte diese orientierungslosigkeit äusserte sich hin und wieder darin dass er sich während bahnreisen in sein geliebtes tessin verirrte ausgedehnte suchaktionen waren jeweils die folge dieses mandat erstreckte sich über jahre und bot mir einblicke in längst vergangene zeiten wurden sie auch tätig als willensvollstrecker ja sicher sogar recht oft es gab damals wenig sachkundige personen in dornach welche sich in diesen angelegenheiten auskannten daher wurde ich schon zu lebzeiten der ratsuchenden um hilfe angefragt da ich den erbschaftsbeamten und den inventurbeamten der gemeinde gut kannte profitierte ich von deren praktischer erfahrung mit möglichen und unmöglichen verfügungsarten die bei der testamentseröffnung zu problemen führen würden verstarb eine person welche mich als willensvollstrecker eingesetzt hatte wurde ich beigezogen oft schon bei der inventaraufnahme da es häufig vorkam dass die erben im ausland wohnten gestaltete sich die abwicklung entsprechend zeitintensiv bei der suche nach gesetzlichen erben half ich oft dem erbschaftsbeamten indem ich die kenntnis der familiären zusammenhänge nutzte welche mir die erblasser zu ihren lebzeiten oft erzählten ich bemühte mich die erbteilung wenn immer möglich innert 6 monaten abzuschliessen das war natürlich nur jeweils dann der fall wenn es nicht zu erbstreitigkeiten kam aber das war dann sache des gerichts eindrücklich sind mir in erinnerung geblieben die trauerfeiern auf dem friedhof am hörnli in basel wo die damen ely ruschmann und marga tuschoff stets als zeremonienmeisterinnen anwesend waren sie organisierten alles nichts blieb dem zufall überlassen die abläufe waren bis in kleinste detail geplant daraus bildete 7

[close]

p. 8

sich das geflügelte wort von der wiege bis zur bahre ruschmann ist das einzig wahre was haben sie in der zeit als feuerwehrmann am goetheanum so alles erlebt das waren sehr bewegte sieben jahre da am goetheanum bei allen öffentlichen veranstaltungen zwei bis drei feuerwehrleute anwesend sein mussten war es nicht einfach die dienstpläne zu machen ich hatte als freierwerbender ideale voraussetzungen auch tagsüber an den veranstaltungen dienst zu tun auf diese weise habe ich insgesamt etwa tausend veranstaltungen erlebt darunter mehrere zyklen der faustaufführungen mysteriendramen sah unzählige male dramen von albert steffen viele klassiker von shakespeares maria stuart bis minna von barnhelm und natürlich jedes jahr die weihnachtsspiele nahm an vielen vorträgen teil sass bei tagungen aller art im grossen saal hörte konzerte sah unzählige eurythmieaufführungen und erlebte in dieser zeit alle generalversammlungen 1968 meldete ich mich bei der rekrutierung zu diesem dienstzweig und habe nach und nach karriere gemacht nach meiner offiziersausbildung wurde ich kommandant dieser einheit und habe auch die administrativen aufgaben übernommen wie dienstpläne erstellen und die rechnungsstellung an das goetheanum später dann wurde ich vom finanzvorstand dr werner berger und dem leiter der administration des goetheanum baues emil estermann darum gebeten mich fachlich um die sicherheit im goetheanum zu kümmern heute würde man sagen ich war damals sicherheitsbeauftragter und in dieser funktion auch zuständig für den gesamten unterhalt der feuerlöscher der fluchtwege der brandabschnitte und löschposten eindrücklich waren die einsätze auf der bühne die umbauten die beleuchtung die effekte die schauspieler im bühnenportal sitzend war man mitten im geschehen unvergesslich der moment in faust i wo ich kurt hendewerk in der osternacht beim text half als er mitten in der dramatischen szene kurz vor dem herunterholen des giftbechers plötzlich nicht weiter wusste 8

[close]

p. 9

fällt ihnen aus ihrer 23-jährigen zugehörigkeit zur dornacher feuerwehr sonst noch etwas markantes ein nun ja alles in den schatten stellte natürlich das tragische ereignis des flugzeugabsturzes in hochwald 1973 ich sass mit meiner verlobten am tisch und löffelte die suppe als der alarm um 12h45 los ging zuvor hörten wir schon einige zeit sirenengeheul von in der ferne vorbeifahrenden einsatzfahrzeugen und aus den 12h30 nachrichten wusste ich dann was auf mich zukommen würde es war der 10 april der todestag meiner grossmutter es schneite heftig damals ungewöhnlich spät im frühling es stellte sich später heraus dass die alarmzentrale gar nicht realisiert hatte das hochwald im kanton solothurn liegt weshalb die solothurner ortsfeuerwehren relativ spät aufgeboten wurden wir fuhren damals mit unserem tanklöschfahrzeug die gempenstrasse hoch wo lauter sanitätsfahrzeuge aus basel mit ihren sommerbereifungen liegen geblieben waren in hochwald leitete man uns in die verkehrte richtung nämlich auf der strasse nach seewen statt direkt zur herrenmatt nach einem kurzen stück auf einer forstsstrasse blieben wir natürlich im hohen schnee stecken von dort ging es zu fuss weiter irgend wann kamen wir dann von der anderen seite her auch zur absturzstelle es hat sich unvergesslich in mein erleben eingebrannt wie wir im wald nach toten suchten und sie auch fanden 9

[close]

p. 10

der flugzeugrumpf lag kopfüber zwischen bäumen einige noch nicht geborgene angeschnallte passagiere hingen ebenso in ihren sitzen in den folgenden tagen wurden wir immer wieder aufgeboten zu helfen der feuerwehrkommandant mit dem ich befreundet war wagte es mich zu fragen ob ich freiwillig bereit sei mit ihm im keller der turnhalle nachtwachen zu übernehmen es galt die wertvollen verkaufsprodukte wie uhren und schmuck zu bewachen schliesslich ­ und das war am härtesten ­ fragte er mich ob ich bereit sei ihm zu helfen dem sanitätsdienst die verunfallten oder was von ihnen noch übrig war in plastikhüllen aus den notsärgen auf den untersuchungstisch zu tragen zur konservierung und vorbereitung für den transport nach england in verbleiten särgen ich war einer der wenigen die sich dafür zur verfügung stellte das hat mich aber im traum noch jahrelang verfolgt drei jahre später wurde das birstal von einer jahrhundertflut heimgesucht wenn ich später im fernsehen überschwemmte gebiete in ostdeutschland oder australien sah lässt sich etwas erahnen wie es den leuten dort gehen könnte denn das damalige hochwasser war zwar eindrücklich aber längst nicht so verheerend wie die heutigen wir pumpten tagelang keller aus und als die meldung über funk einging in der benachbarten pharmazeutischen firma pentapharm seien giftschlangen weggeschwemmt worden stellten die gemeindebehörden schlagartig die trinkwasserförderung aus der birs ab wir bekamen den auftrag mit unserem tanklöschfahrzeug am hügelweg wasser aus dem arlesheimer trinkwassernetz in das dornach leitungsnetz einzuspeisen um die wasserversorgung aufrecht zu erhalten wie immer war ich bei den freiwilligen und half nächtelang die maschinerie in betrieb zu halten wie erging es ihnen als dornacher gemeinderat die dornacher bevölkerung teilte sich in die bewohner der drei dorfteile oberdornach dornachbrugg und apfelsee und dann gab es noch eine gemischte gegend ums goetheanum wo vor allem die anthropsophen lebten politisch war das nicht einfach denn einerseits wurde bemängelt diese würden sich nicht am dorfleben beteiligen taten es einzelne dann doch empfand man dies als einmischung in innere angelegenheiten es gab jedoch auch naturtalente wie karl mohr der goldschmied und leiter der kleinodienschule am goetheanum otfried doerfler gymnasiallehrer in basel johannes blank unternehmer und inhaber der decor 10

[close]

p. 11

ag welche die bekannten und beliebten holzspielzeuge herstellte durch meine aktive tätigkeit in der gemeinde meinem büro mitten im dorf meine zugehörigkeit zur fdp und deren parteivorstand zur feuerwehr da lag es nahe mich für den gemeinderat zu nominieren als nachfolger von johannes blank gelang es dann mit grossem aufwand genügend wähler zu mobilisieren die mir 1977 ihre stimme gaben es folgten acht jahre die ersten im 22 köpfigen gemeinderat die zweite vier jahre im auf 15 personen verkleinerten gremium ich erlebte noch max gerber als gemeindeammann später hans walter meine rolle als vertreter der anthroposophischen wähler war nicht immer einfach ab und zu wurden meine kapuzinerreden wie sie gerber nannte kritisiert in lebhafter erinnerung ist mir der besuch bei bundesrat otto stich in seinem büro im bundeshaus west der den ganzen gemeinderat damals einlud oder aber mein engagement für die rudolf steiner schule birseck als kommissionsmitglied oder kommissionspräsident erlebt man sicher auch einiges mehrere jahre war ich mitglied der baukommission in der Übergangsphase zwischen zwei bauverwaltern haben wir damals im milizsystem baugesuche geprüft ich sehe mich noch zu hause auf der terrasse im sommer über baupläne gebeugt grenzabstände kontrollieren polygone nachmessen gebäudehöhen und fassadelängen prüfen unser baupräsident willy jäggi war ein gütiger und gerechter bürger der seine aufgabe sehr gewissenhaft versah von ihm habe ich viel gelernt die zeit als präsident der personalkommission dgo fiel in die einführung des neuen gehaltssystems es mussten sämtliche arbeitsplätze und funktionen nach einem punktesystem neu bewertet werden und anschliessend fanden jährlich qualifikati11

[close]

p. 12

onsgespräche mit den mitarbeitern der gemeinde statt die ergebnisse entschieden dann über boni und mali bei den gehältern man machte sich damit nicht immer beliebt auch einstellungsgespräche waren zu führen als mitglied der rechnungsprüfungskommission lernte ich das gesamte rechnungswesen der gemeinde kennen und als mitglied der kommission für die beschaffung einer neuen edvanlage war ich mit evaluationen betraut selbst bei der organisation der entsorgung der abfälle und bei der trinkwasserplanung war ich beteiligt oft galt es bei wahlen und abstimmungen bei der auszählung der stimmen mitzuwirken daher war ich einige jahre auch mitglied des wahlbüros oberdornach ein ganz besonderes erlebnis war meine zweijährige karriere als lebensmittelkontrolleur zusammen mit einem älteren herrn war ich im ganzen gemeindegebiet unterwegs und hatte die aufgabe in sämtlichen restaurants lebensmittelgeschäften bäckereien und in firmen mit getränkeautomaten die hygiene zu kontrollieren zweimal pro jahr waren wir auf achse da sich die probleme auf einige spezialgebiete konzentrierten erwarb ich mir recht rasch einen blick dafür neuralgische punkte waren das frittieröl die tücher der teigauswallmaschinen die temperatur der kühlgeräte rostiges werkzeug die hackbretter der metzgereien da wir unangemeldet kamen war die sauberkeit nicht überall zufriedenstellend insbesondere schubladen hatten es oft in sich sie waren doch auch mitglied der blasmusik concordia ja das kam durch meinen sohn welcher trompete spielte und das später auch studierte fünf jahre habe ich mich beim klarinettenspiel erfreut während der schulzeit hatte ich unterricht am konservatorium in zürich bei karl fanghänel dem damaligen ersten klarinettisten am tonhalleorchester dann habe ich 22 jahre nicht mehr gespielt und mir danach wieder das notenlesen und den umgang mit dem instrument mit einer grifftabelle beigebracht in den ferien habe ich jeweils wochenlang geübt ohne sonderlich fortschritte zu machen es reichte aber um mithalten zu können danach habe ich genau so plötzlich wieder aufgehört wie ich neu begonnen hatte alle instrumente von der c ­klarinette bis zur bassklarinette habe ich verkauft 12

[close]

p. 13

die Ära speisehaus dürfte ein prägendes erlebnis gewesen sein können wir darüber auch etwas erfahren ja gerne als mitglied der verwaltung der genossenschaft hestia fing es an emil estermann elsy ruschmann waldemar kumm albert diefenbach der gründer und direktor der holle nährmittel ag waren in dieser verwaltung bei der erstbesten personellen notsituation und von denen gab es immer welche nahm es mir den Ärmel rein das eskalierte derart dass ich ­ eh ich mich s versah ­ plötzlich geschäftsführer war ich stellte das personal an von der aushilfskellnerin bis zum küchenchef machte die löhne führte die kasse teilte das personal ein und besorgte die buchhaltung bis zur abschlusserstellung später kamen renovationsplanungen dazu höhepunkt war die totalsanierung der innenhalle ich erinnere mich noch wie stolz ich über das ergebnis des lebendigen verputzes war welcher glimmer enthielt und in warmem naturfarbton gehalten war später hat man leider alles übermalt sogar die naturbetonfassade eine spezielle erfahrung war die beliebtheit der kaffeelöffel bei den gästen da sie anfänglich aus silber waren verringerte sich der lagerbestand kontinuierlich dieses phänomen begegnete mir später in der ita wegman klinik auch aus diesem grunde musste ich schweren herzens auf billiges besteck umstellen und das problem war gelöst während dieser zeit machte ich meine erfahrungen mit dem gesamten gastronomieeinkauf besuchte jeweils die fachmessen und fuhr zu den grossisten es galt vom mobiliar bis zur tisch und bettwäsche möglichst gute qualität zu moderaten preisen zu finden das gästehaus friedwart gehörte auch zur gleichen genossenschaft ich habe damals hannelore feuerstack gebeten die leitung zu übernehmen wir haben dann zusammen das ganze haus renoviert und im keller hat später rudolf feuerstack mit dem modellbau des ersten goetheanums begonnen am 19.12.1983 endete diese Ära durch meinen austritt aus der genossenschaft die tätigkeit für das goetheanum war sicher lehrreich ja das kann man wohl sagen durch emil estermann erhielt ich viele aufträge im glashaus war ich oft anzutreffen 1968 wurde elsy ruschmann meine patin für die mitgliedschaft in der allgemeinen anthroposophischen gesellschaft sie schenkte mir damals ein aufgezogenes foto des weltenhumors der plastischen holzgruppe von rudolf steiner welches noch heute in meinem büro zu hause hängt dr iur 13

[close]

p. 14

werner berger damals vorstandsmitglied und schatzmeister bat mich als externer berater im philosophisch anthroposophischen verlag der leiterin ruth savin beizustehen während der phase der verhandlungen zur gründung einer eigenen anthroposophischen verlagsauslieferung in deutschland in zusammenarbeit mit martin sandkühler ich lernte auf diese weise benediktus hardorp kennen wolfgang niehaus vom verlag freies geistesleben johannes meyer vom verlag urachhaus wolfgang militz vom mellinger verlag der prozess war schwierig schliesslich endete es doch noch positiv durch einen vertrag mit koch neff oettinger bei diesem mandat konnte ich meine zweitausbildung zum verlagshersteller anwenden gab es noch andere tätigkeiten im auftrage der öffentlichen hand ja einige jahre war ich für den kanton tätig und zwar als immobilienschätzer für die kantonale steuerverwaltung 1970 wurde die neue katasterschätzung im kanton solothurn beschlossen was notwendig machte dass alle gebäude neu geschätzt werden mussten ich war mitglied einer schätzungskommission auf diese weise war ich in allen häusern der gemeinden metzerlen mariastein hofstetten flüh rodersdorf gempen hochwald seewen teilen von dornach bärschwil und grindel schulhäuser kirchen die klöster dornach und mariastein sowie das goetheanum gehörten auch dazu das dauerte einige jahre wie ich das mit meinem beruf dem büro der politik der feuerwehr der schulgründung unter einen hut bekam ist mir heute noch ein rätsel es kamen schon auch skurile momente vor in rodersdorf wurden wir von einem hauseigentümer mit gewehr im anschlag erwartet in bärschwil wollte man einen milde stimmenden eindruck vermitteln und versuchte uns mit schnaps freundlich zu stimmen beim versuch die kubatur des goetheanums zu berechnen reichten die stellen des taschenrechners nicht aus ähnlich ging es uns beim kloster mariastein 14

[close]

p. 15

ii die gründung der rudolf steiner schule birseck was war der anlass eine neue waldorfschule zu gründen 1977 wurde bekannt dass die basler rudolf steiner schule keine möglichkeit mehr sah weitere kinder aufzunehmen einige besorgte eltern ergriffen die initiative abhilfe zu schaffen da ich damals bereits gemeinderat war kamen sie zu mir wir trafen uns in meinem wohnzimmer und überlegten was zu tun sei daraus wurde ein kraftakt in meinem büro an der hauptstrasse bildete sich das provisorische schulsekretariat wir druckten einladungen und aufrufe adressierten sie mit dem damals üblichen adrema-platten-system und packten sie mit hilfe meiner couvertieranlage ein zunächst begann die erste klasse mit heinz albrecht noch in miete in der schule in basel wo stand das erste schulgebäude der harte kern des zwanzigköpfigen gründungsvorstands welcher sich an der gründungsversammlung im speisehaus kurzerhand aus allen anwesenden interessierten bildete suchte fieberhaft in dornach und umgebung nach einem grundstück als gemeinderat war ich dabei einerseits sehr exponiert andererseits galt ich als hoffnungsträger walter keller welcher schliesslich statt konrad hoenes den auftrag erhielt war ungemein initiativ und unermüdlich mit ihm habe ich unzählige stunden investiert michael schmid christian hartmann rudolf dörfler ingrid hewel silvia chappuis brigitte biesantz waren persönlichkeiten welche ebenfalls nächtelang dafür arbeiteten und mithalfen das unmögliche möglich zu machen schliesslich gelang es das areal wo heute das alters und pflegeheim wollmatt steht von der gemeinde zu pachten und ein holzpavillon-provisorium zu erstellen walter keller organisierte und leitete die freiwilligen arbeit beim aufbau 15

[close]

Comments

no comments yet

YOUBLISHER
About
What Others Say
Sitemap
Impressum

PUBLISHERS
Login
Signup
Tutorials
FAQ
Support

BUSINESS
Overview
Advertising
Support

DEVELOPERS
API

LEGAL
Report a Copyright Violation
Copyright FAQ
Terms of Use
Privacy Policy