125 Jahre Passauer Hütte 1892 - 2017

 

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Passau alpin Extra

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3 1892 - 2017 125 Jahre Passauer Hütte Am 23. Juli 1892 konnte die damals noch junge Sektion Passau des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins ihre mit viel Mühen und Idealismus errichtete erste Schutzhütte, die Passauer Hütte in den Leoganger Steinbergen, feierlich einweihen. Seither steht diese Hütte – neben der einige Jahre später hinzugekommenen von-Schmidt-ZabierowHütte in den Loferer Steinbergern und die Lamprechtsofen-Schauhöhle – im Zentrum unserer Sektionsarbeit. Viel Herzblut, Arbeitskraft und natürlich auch erhebliche finanzielle Mittel wurden in all‘ den Jahrzehnten von den Passauer Alpenvereinsmitgliedern, aber auch von den Bergkameraden in den Talgemeinden, insbesondere in Leogang, aufgebracht, um unsere Hütte stets als Stützpunkt für alpine Unterneh- mungen im Leoganger Steinberg vorhalten zu können. Allen Freunden der Passauer Hütte ist diese Extra-Ausgabe des „Passau alpin“ gewidmet, in der wir die wechselvolle Geschichte der Hütte dokumentieren. Aber auch die letzten Umbaumaßnahmen, die von 2012 bis 2016 durchgeführt wurden, werden hier dargestellt. Wir freuen uns, dass zahlreiche beteiligte Firmen – allesamt aus der Region – mit einer Anzeige das Erscheinen dieser kleinen Festschrift ermöglichten. Ihnen gilt unser herzlicher Dank dafür aber auch für die hervorragende Arbeit, die von ihnen beim Umbau der Hütte geleistet wurde. Prof. Dr. Walter Schweitzer 1. Vorsitzender

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4 Die Passauer Hütte im Bauzustand bis 2012.

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5 Ein Stück Passau in luftiger Höhe 125 Jahre Passauer Hütte (2051 m) in den Leoganger Steinbergen von Walter Schweitzer Vorbemerkung Dies ist eine aktualisierte und erweiterte Fassung des Beitrages „Ein Stück Passau in luftiger Höhe – die Passauer Hütte (2051 m) in der Leoganger Steinbergen“, der 2015 im Passauer Almanach 11, Chronik des Jahres 2015 über Kunst und Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft, Natur, Kirche und Universität sowie Geschichte, Edith Rabenstein (Hg.), Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2015, S. 36 - 45, erschien. Gründung der Sektion Passau Die Erschließung der Alpen war noch im vollen Gange, als in Wien im Jahr 1862 der Österreichische Alpenverein (ÖAV) und im Jahr 1869 in München der Deutsche Alpenverein (DAV) gegründet wurden. Beide Vereine hatten die gleichen Aufgabengebiete und so lag die Fusion zum Deutschen und Österreichischen Alpenverein (DuÖAV) nahe, die 1873 bei der Generalversammlung in Bludenz (Vorarlberg) vollzogen wurde. Fast zur gleichen Zeit fanden sich in Passau 17 bergbegeisterte Männer (Frauen waren noch nicht darunter) zusammen und gründeten am 7. Januar 1875 im Gasthaus zur Sonne die Sektion Passau des DuÖAV. Das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm der Königliche Eisenbahn-Bezirksingenieur Josef Schmidt Edler von Zabierow, der bereits als Mitglied der Sektion Regensburg 1869 in München die Gründungsurkunde des DAV mit unterschrieben hatte. Josef von Schmidt-Zabierow diente in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts als Offizier in der K.u.K.-Armee, nahm in dieser Zeit am Österreichisch-Italienischen Krieg teil und studierte nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst Eisenbahnwesen an der Technischen Hochschule in Zürich und kam im Zuge des Baus der Eisenbahnlinie von Nürnberg nach Wien erst nach Regensburg und dann nach Passau. Die ersten 17 Sektionsmitglieder, der sich bei der Gründungsversammlung sechs weitere anschlossen, repräsentierten damals schon einen Querschnitt der Bürgerschaft der Stadt und der Region, und das hat sich bis heute nicht geändert - Bergsteigen ist nun einmal in allen Gesellschaftsschichten beliebt. Die Entwicklung der Sektion nach der Gründung Der 1. Vorsitzende, der dieses Amt bis zu seinem Tod 1904 ausübte, hatte zu Beginn mit größten Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Sektion hatte kein eigenes Arbeitsgebiet und keine zu betreuende Hütte – und die Alpen sowie die Wege dorthin waren weit und verkehrstechnisch noch unzureichend erschlossen. Ein Höhepunkt im noch jungen Sektionsleben war zweifellos, dass die Sektion bereits 1883 mit der Organisation der 10. Generalversammlung des DuÖAV beauftragt wurde. Die Mitgliederzahl wuchs zwar bald auf ca. 200 an, stagnierte dann aber über viele Jahre hinweg, da immer wieder Berginteressierte aus der ostbayerischen Region eigene Sektionen gründeten.

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6 Josef Schmidt Edler von Zabierow, Gründer und erster Vorsitzender des DuÖAV, Sektion Passau. Zu einem eigenen Arbeitsgebiet kann die Sektion Passau dann erst im Jahr 1888. Die Sektion Prag des DuÖAV, die als mitgliederstarke Sektion im Glocknergebiet, am Ortler und in den Zillertaler Alpen tätig und demzufolge mit einem solch großen Arbeitsgebiet überlastet war, übergab in ihrer Plenarversammlung am 25. Oktober 1888 die Loferer und Leoganger Steinberge an die Sektion Passau. In einem Brief von Johann Stüdl, dem damaligen 1. Vorsitzenden der Sektion Prag, nach dem der in Bergsteigerkreisen bestens bekannte Stüdlgrat am Großglockner benannt ist, wurde diese Abtretung mit wohlformulierten Worten bestätigt. Glückwünsche zur Übernahme des neuen Arbeitsgebietes kamen auch von Ludwig Purtscheller, dem damaligen 1. Vorsitzenden der Sektion Salzburg und Erstbesteiger des Kilimandscharo, der auch seine Unterstützung bei der Erschließung des neuen Arbeitsgebietes der Sektion Passau zusagte – beide Briefe verwahrt die Sektion mit Stolz in ihrem Archiv. Mit der Eisenbahnstrecke Innsbruck – Wörgl – Zell am See– Salzburg waren die Leoganger Steinberge von Anfang an verkehrstechnisch leichter zu erreichen – im Jahr 1929 wurde sogar ein eigener Haltepunkt „Leogang-Steinberg“ geschaffen, um den Hüttenaufstieg bequemer erreichen zu können. Die Anreise in die Loferer Steinberge war damals deutlich schwieriger – dies verbesserte sich erst, als im Jahr 1911 eine Motor-Post-Linie von Reichenhall über Lofer nach St. Johann i.T. eingerichtet wurde, der 1912 eine Linie nach Saalfelden folgte. Bau zweier Schutzhütten und Pacht der Lamprechtshöhle Die Besteigungen der Gipfel in den beiden Gebirgsgruppen waren damals zeitaufwändige Unternehmungen, da es noch keine Schutzhütten gab. Deshalb war es nach Übernahme der beiden Arbeitsgebiete sofort das erklärte Ziel der Sektion, dort Hütten zu bauen. Dieser Plan sollte in den Leoganger Steinbergen mit dem Bau einer Unterkunftshütte auf der Mittagsscharte in 2033 m Höhe östlich des Birnhorns, der beherrschenden Berggestalt in den Leoganger Steinbergen, umgesetzt werden. Nachdem in der Generalversammlung des DuÖAV der Hüttenbau gut geheißen wurde, konnte die neue Bergsteigerunterkunft am 23. Juli 1892 mit einer feierlichen Bergmesse eingeweiht werden; immerhin 17 Sektionsmitglieder nahmen an dieser Feier teil. Die Baukosten betrugen ca. 6000 Mark, 4000 Mark kamen vom Hauptverein, der Rest war Eigenleistung der Sektion. Die Hütte liegt zwar auf österreichischem Hoheits-

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7 gebiet, aber doch auf bayerischem Grund, der durch die Bayerischen Saalforste verwaltet und bewirtschaftet wird. Bereits im Mittelalter wurden den Salinenbetreibern in Reichenhall und Berchtesgaden Waldgebiete im Saalachtal zugewiesen; dies wurde 1412 durch einen Vertrag bestätigt. Dieser Vertrag wurde immer wieder den politischen Veränderungen angepasst, er ist aber bis heute gültig. Und deshalb hat die Sektion Passau auch mit den Bayerischen Saalforsten einen Pachtvertrag zur Nutzung des Hüttengrundstückes abgeschlossen, der mehrfach verlängert wurde. Ansprechpartner ist also bis heute das Forstamt der Bayerischen Saalforste in St. Martin bei Lofer. Schon bald plante die Sektion auch den Bau einer Schutzhütte in den Loferer Steinbergen, die dann 1899 feierlich eröffnet wurde, nachdem sich die Planungen dafür einige Jahre hinzogen. Diese neue Schutzhütte ersetzte die tiefer gelegene Steinbergalm, die als umgebaute Almhütte von der Sektion betrieben wurde, deren Grundmauern heute noch besichtigt werden können und die für die Bergbesteigungen in der dortigen Bergregion aber viel zu niedrig

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8 die damalige Zeit eine echte Sensation, gab es doch in der Talregion noch kein elektrisches Licht. Die Einnahmen aus dem Eintrittskartenverkauf für die Schauhöhle trugen und tragen bis heute dazu bei, die Schutzhütten, die von Anfang an wenige Besucher zu verzeichnen hatten, zu finanzieren. Aus heutiger Sicht war die Pacht der Schauhöhle eine weise Entscheidung der Vorstandschaft aus dieser Zeit, die aber damals keinerlei Unterstützung des Hauptvereins für diese Aktion erfuhr. Die Passauer Hütte (2051 m) wurde am 23. Juli 1892 feierlich eingeweiht. lag. Der 1. Vorsitzende Josef von Schmidt-Zabierow hat allerdings wegen seines körperlichen Zustandes nie mit eigenen Augen die schon zu Lebzeiten nach ihm benannte Hütte besichtigen können; er starb am 19. Dezember 2004 nach schwerer Krankheit. Noch im gleichen Jahr pachtete die Sektion wiederum von den Bayerischen Saalforsten die Lamprechtshöhle bei Weißbach im Saalachtal. Da wegen des Baus der Hütte in den Loferer Steinbergen die Sektion über keinerlei finanzielle Mittel mehr verfügte und der Hauptverein jede Unterstützung für die Höhle versagte, wurden Anteilsscheine zur Finanzierung der Erschließungsarbeiten in der Höhle an Sektionsmitglieder ausgegeben – ein Finanzierungsmodell, das sich der heutige Vorstand der Sektion Passau sicher nicht zutrauen würde. Am 30. Juli 1905 wurde der Besucherteil der Höhle eröffnet. Die elektrische Beleuchtung der Schauhöhle – der Strom wurde durch ein eigenes Höhlenkraftwerk, betrieben durch das Wasser des Höhlenbaches, erzeugt – war für Der Tatendrang der Sektionsleitung zeigte sich auch darin, dass sie sich trotz der Eröffnung der von-Schmidt-Zabierow-Hütte und der Pacht der Lamprechtshöhle im Jahr 1899 zutraute, bereits zum zweiten Mal die Generalversammlung des DuÖAV in Passau zu organisieren. Der Grund war auch darin zu sehen, dass der Hauptverein diese Generalversammlung gerne nach Passau vergab, da sich alle Teilnehmer der Versammlung im Jahr 1883 in der Dreiflüssestadt außerordentlich gut betreut fühlten. Die Passauer Hütte bis zum Beginn des 2. Weltkriegs Nach der Öffnung der Passauer Hütte im Jahr 1892 wurde das Unterkunftshaus zunächst von keinem ständigen Pächter bewirtschaftet; stattdessen wurde der Hüttenschlüssel nur an vertrauenswürdige Personen ausgehändigt und verschiedene Sektionsmitglieder sahen von Zeit zu Zeit auf der Hütte nach dem Rechten – ein damals auf vielen Alpenvereinshütten übliches Verfahren für die nur ca. 100 Besucher pro Jahr. Als diese Besucherzahl allmählich anstieg, wurde die Hütte vom Leoganger Bergführer Josef Oberlader (Hausname Priesteregger) von 1906 bis 1909 ständig bewirtschaftet. In diese Zeit fiel dann auch die weitere touristische Erschließung des Birnhorns (2634 m), das bereits 1831

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9 Am 14. August 1932 feierte die Sektion Passau des DuÖAV das 40jährige Hüttenjubiläum. von Peter Karl Thurwieser erstmals bestiegen wurde. Der heute noch übliche Anstieg auf diesen Paradeberg der Region wurde bereits 1880 auf Initiative des Leiters des Nickelbergwerks in Leogang, Michael Hofer – noch ohne die Mitwirkung der Sektion Passau – angelegt; dieser Steig trägt noch heute seinen Namen. Die Sektion Leogang des ÖAV sowie die Gemeinde Leogang haben 2016 für Michael Hofer, der sich auch als Kunstmaler betätigte und der den Tourismus in dieser Region stark förderte, zum 100jährigen Todestag in der Nähe des Melkerlochs am Beginn des Hofersteiges durch die Südwand des Birnhorns eine Gedenktafel angebracht. Karl Mayrhofer, der von 1902 bis 1911 und dann wieder 1913 bis 1915 im Vorstand der Sektion die Funktion des Hüttenwartes ausübte, bestieg mit dem Bergführer Josef Oberlader, dem späteren Hüttenwirt, viele Berge in der Hüttenumgebung, unter anderem im Jahr 1900 erstmals die Südwand des Birnhorns in neunstündiger Kletterei im 3. bis 4. Schwierigkeitsgrad, eine der höchsten Wände in den Ostalpen – höher als die Watzmann Ostwand. Josef Oberlader folgte 1910/1911 Anna Schwabl aus Leogang nach. Ab 1912 übernahmen Resi und Simon Weißenbacher aus Ramseiden bei Saalfelden die Bewirtschaftung. Sie setzten die Hüttenbetreuung auch während des 1. Weltkrieges fort, wobei ihnen zu Gute kam, dass die Umgebung der Hütte immer wieder für militärische Übungen genutzt wurde. Nach Kriegsende blieb die Hütte von 1916 bis 1921 verwaist und

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10 Die Passauer Hütte während des 2. Weltkrieges und unmittelbar danach Zum 100. Todestag hat die ÖAV-Sektion Leogang 2016 in der Nähe des Melkerloches eine Gedenktafel für Michael Hofer angebracht, einem Pionier in der Erschließung der Leoganger Steinberge. Sektionsmitglieder kümmerten sich nur fallweise um die Hütte, erst ab 1922 bis 1927 nahm das Ehepaar Weißbacher seine Tätigkeit wieder auf, da die Besucherzahl inzwischen wieder auf ca. 300 pro Jahr angestiegen war. Ab 1928 folgte dann Alois Hasenauer aus Saalfelden, der wegen der geringen Ertragskraft der Hütte auch zeitweise die Betreuung der Lamprechtshöhle übernahm - in dieser Zeit kamen praktisch keine deutschen Bergsteiger auf die Hütte, da der Grenzübertritt von Deutschland nach Österreich und umgekehrt nicht erlaubt bzw. nur gegen die Zahlung eines hohen Geldbetrages möglich war. Die Zeit nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 und die des 2. Weltkrieges waren sowohl für den DuÖAV als auch für die Sektion Passau sehr schwierig. Der DuÖAV wurde zum Deutschen Alpenverein (DAV) umbenannt und als Fachverband Bergsteigen zwangsweise in den nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert, nach Kriegsende dann aber aufgelöst. Das Sektionsleben ging zwar während des Krieges weiter, aber die alpine Tätigkeit war stark eingeschränkt. Schließlich hörte nach dem totalen Zusammenbruch Deutschlands auch die Sektion auf zu bestehen und wurde erst 1947 als Alpenclub Passau wieder gegründet, ein Jahr später wurde die ursprüngliche Bezeichnung Alpenverein – Sektion Passau wieder eingeführt – also noch vor der Wiedergründung des DAV im Jahr 1952. Die Grenzsperre behinderte den Zugang zum Arbeitsgebiet; deshalb musste die Feier zum 50jährigen Jubiläum der vonSchmidt-Zabierow-Hütte verschoben werden. Vor diesem dramatischen weltpolitischen Hintergrund feierte die Sektion 1950 ihr 75jähriges Gründungsjubiläum. Da Alois Hasenauer 1933 eine andere Hütte im Steinernen Meer übernahm, folgten ihm Eva und Hans Haggenmüller aus Saalfelden für die Jahre 1933/34. Im Jahr 1935 bewirtschaftete Mathias Kogler aus Pirzbichl bei Leogang die Hütte; ihm folgte 1936 Maria Forster aus Leogang. Matthias Kogler übernahm dann erneut von 1937 bis 1941 die Hüttenpacht; er wurde von seinen Geschwistern Liesl und Vroni Kogler unterstützt. In den Jahren 1942/43 gab es keinen Pächter, da die Hütte vom Militär beschlagnahmt worden war. Ruine der Passauer Hütte nach dem Brand 1946.

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11 Auch im Frühjahr, wenn noch Schnee in der Mittagsscharte lag und die Hütte noch geschlossen war, erfreute sie sich eines regen Besuches. Das Bild zeigt die wiederaufgebaute Passauer Hütte 1954. Da es in den Jahren 1942/43 keinen Pächter gab; wurde der Zustand der Passauer Hütte nur sporadisch kontrolliert. 1944/45 folgten dann die Wirtsleute Paula und Josef Schmidhofer aus Saalfelden. 1946 kam dann das vorläufige Ende der Passauer Hütte, sie brannte wegen Brandstiftung bis auf die Grundmauern nieder. An einen Wiederaufbau die Schutzhauses war zunächst nicht zu denken - Währungsreform, ungeklärte staatsrechtliche Eigentumsverhältnisse und der Mangel an Geld waren unüberwindliche Hindernisse. Die Zeit nach dem Wiederaufbau der Passauer Hütte Erst als nach der Neugründung des ÖAV 1945 und der Wiedergründung des DAV 1952 die rechtlichen Verhältnisse für das Hütteneigentum geklärt waren, wurde nach längerer Bauzeit die Hütte am 16. September 1956 mit einer großen Feier und einer Bergmesse eröffnet; die Gesamtkosten betrugen damals 28 000 DM. Als Hüttenpächter konnte Toni Daxecker aus Leogang gewonnen werden, der auch schon während des Krieges immer wieder die geschlossene Hütte besuchte, den Zustand der Hütte kontrollierte und der dann zusammen mit seiner Frau Marlis bis 1975 die Hütte bewirtschaftete. Nachfolger von Toni Daxecker

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12 So kannte man die Passauer Hütte seit 1977 bis zu den letzten Umbaumaßnahmen von 2012 bis 2015. wurden 1976/77 Rosi und Hans Wimmer, bis dann 1978 die Schwester von Hans Wimmer, Heidi Resch aus Thumersbach, die Hütte als Pächterin übernahm. Ein echter Glücksfall für die Hütte und die Sektion war es dann, dass mit dem Bergführer Nikolaus Stockklauser ein Hüttenwirt gewonnen werden konnte, der über großes handwerkliches Geschick verfügte und der deshalb auch mit größtem Einsatz bei den Umbau- und Erweiterungsarbeiten der Jahre 1977 bis 1979 tatkräftig mitwirkte. Danach sah die Hütte äußerlich so aus, wie sie sich dann bis zu den Baumaßnahmen der Jahre 2012 bis 2016 präsentierte. Die Baukosten betrugen ca. 205.000 DM. Die Einweihung fand am 15. September 1979 statt; die Bergmesse zelebrierte der damalige Passauer Weihbischof und spätere Bischof der Diözese Passau, Dr. h.c. Franz Xaver Eder; auch Oberbürgermeister Hans Hösl aus Passau und die Bürgermeister der Talgemeinden Leogang und Weißbach waren anwesend. Die Passauer Hütte nach 1980 Hüttenwirt Nikolaus Stockklauser war es auch, der 1986 im Kar unterhalb des Kuchelhorns eine ergiebige Quelle entdeckte - eine echte Sensation in Karstgebirge. Seitdem erfolgte die Wasserversorgung der Hütte durch einen 1,4 km langen Plastikschlauch, der vor dem Winter eingeholt und im Frühjahr wieder ausgebracht werden musste. Seit 2012 wurde diese provisorische Lösung durch eine hygienisch einwandfrei Quellfassung und eine permanent verlegte Wasserleitung mit höherer Leistung ersetzt; dieses Wasser wird seitdem auch zur Stromerzeugung genutzt.

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13 1,4 km von der Hütte entfernt entdeckte Nikolaus Stockklauser diese Quelle, deren Wasser nach wenigen Metern an der Oberfläche wieder im Karst verschwindet. Dem Ehepaar Angelika und Nikolaus Stockklauser, die 1990 nach Kanada auswanderten, folgte das Ehepaar Anni und Franz Steiner aus Leogang, unter deren Hüttenführung die Übernachtungszahl auf über 1000 anstieg, eine Zahl, die erst wieder nach der Jahrtausendwende erreicht wurde. Beide führten die Hütte umsichtig und zur Zufriedenheit aller Gäste bis zum Jahr 2002. Die Suche nach einem Nachfolger für Anni und Franz Steiner erwies sich als äußerst schwierig: Buchstäblich in letzter Minute vor Saisonbeginn fand sich Karl Breitfuß aus Saalfelden, der dann von 2003 bis 2005 die Hütte führte. Ihm folgte 2006 das Ehepaar Heidi und Hubert Steiner aus Leogang. Leider behinderten die Folgen eines Jagdunfalls Hubert Steiner zunehmend bei der Bewirtschaftung der Hütte, so dass beide das Pachtverhältnis 2011 beendeten. In ihre Zeit der Bewirtschaftung fallen die Einrichtung gesicherter Kletterwege am Fahnenköpfl (2110 m), dem Kletterberg der Hütte, sowie der Bau der beiden anspruchsvollen Klettersteige Leogang Süd und Nord auf die Westliche Mitterspitze (2160 m). Hüttenwarte der Passauer Hütte In diesem Beitrag soll aber auch an die Hüttenwarte der Passauer Hütte erinnert werden, die in der 125jährigen Geschichte der Passauer Hütte dafür verantwortlich waren, in der Sektionsleitung die Belange der Hütten zu vertreten, mit den Hüttenwirtsleuten eng zusammen zu arbeiten und den Kontakt zu örtlichen Behörden und Interessenvertretern, aber auch zu den Sektionen des ÖAV in der Talregion zu pflegen. Bereits erwähnt wurde, dass es nach dem Bau der Passauer Hütte 1892 keinen eigenen Hüttenwirt gab, stattdessen bewirtschaftete der Hüttenwart Julius Kanzler von 1892 bis 1901

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14 und dann der Hüttenwart Karl Mayrhofer von 1902 bis 1911 die Hütte nur zeitweise; ansonsten wurde der Schlüssel an vertrauenswürdige Bergsteiger ausgeliehen, die dann ohne Bewirtschaftung übernachten konnten. In diesem ersten Zeitraum der Tätigkeit von Karl Mayrhofer wurde dann auch die Hütte erstmals dauerhaft durch einen Hüttenwirt, nämlich Josef Oberlader, bewirtschaftet. Josef Oberlader und Karl Mayrhofer kannten sich – wie bereits erwähnt – von gemeinsamen Bergbesteigungen im Arbeitsgebiet bestens. Heinrich Bauer war 1912 nur ein Jahr als Hüttenwart tätig, bevor erneut Karl Mayrhofer 1913 bis 1915 dieses Amt übernahm. Eine fast unvorstellbar lange Zeit war Hans Höller als Hüttenwart tätig; diese Zeit von 1916 bis 1963 war allerdings auch durch die Zeitspannen der beiden Weltkriege unterbrochen, in denen die Hütte nicht zugänglich war. Hans Höller war gleichzeitig aber auch ab 1920 bis 1963 für die von-Schmidt-Zabierow-Hütte als Hüttenwart tätig, darüber hinaus aber von 1947 bis 1965 auch als Höhlenwart für die Lamprechtshöhle. Für die Passauer Hütte wurde Hans Höller von 1960 bis 1963 von Heini Dorsch unterstützt, der dann 1964/65 zusammen mit Heinrich Finz und dann ab 1966 bis 1970 zusammen mit den Kaufmann Helmut Wagner dieses Amt inne hatte. Heini Dorsch arbeitete von 1971 bis 1973 auch Josef Zillner in dieses Amt ein. Von 1974 bis 2002 war dann Josef Zillner, der vielen Sektionsmitgliedern auch heute noch in bester Erinnerung ist, allein für die Passauer Hütte verantwortlich. Von 2002 bis 2012 übernahm dann Eyke Burg diese Aufgabe, der wegen des plötzlichen Todes von Josef Schreib, dem langjährigen Hüttenwart der von-SchmidtZabierow-Hütte, im Jahr 2005 für ein Jahr auch diese Sektionshütte betreute. Ab 2013 war dann Lothar Schramm als Hüttenwart tätig, der seit 2015 im Vorstand der Sektion auch das Amt des 2. Vorsitzenden in Personalunion übernahm. Nur mit einem Schwerlasthubschrauber konnte ein Schreitbagger auf 2000 m gebracht werden. Mitten in der Geröllwüste des Kuchlkars entspringt unsere Quelle. Die Quelle wurde in einem Betonmantel gefasst. Die 1,4 Kilometer lange Wasserleitung musste im Felsboden einbetoniert werden.

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15 Der Umbau der Passauer Hütte 2012 bis 2016 Für die zweigeschossige Kläranlage wurde extra ein Gebäudeteil angebaut. Der Treppenabgang und der Eingang wurden überdacht. Schon seit 2006 liefen die Planungen für einen grundlegenden Umbau der Hütte, der sich dann aber durch Planmodifikationen, Behördenauflagen, Einsprüche der Talgemeinde und Änderungswünsche des Hauptvereins immer wieder verzögerten, so dass erst 2012 dieses Vorhaben umgesetzt werden konnte. Auch für eine Materialseilbahn wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, die aus Kostengründen aber verworfen wurde. Erneut war es schwierig, ein Pächterehepaar zu finden: Erst kurz vor Beginn der Sommersaison und der Umbauarbeiten konnte das Ehepaar Evelyn und Michael Faber aus der Gegend von Augsburg, später wohnhaft in St. Martin bei Lofer, gewonnen werden, das dann – beeinträchtigt durch die umfangreichen Bauarbeiten – 2012 ihre erste Saison auf der Hütte verbrachte. Mit dem neuen Wirtsleuteehepaar hatte die Sektion Partner gefunden, die bezüglich der Bewirtschaftung einer Berghütte die gleichen Vorstellungen entwickelten wie der Sektionsvorstand: der ursprüngliche Charakter der Hütte in einer gewaltigen Bergumgebung sollte trotz aller Umbau- , Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen erhalten bleiben. Anstelle des ehemaligen Trockenraumes wurde eine Schank eingebaut. Platz und neue Geräte machten für Evelyn die Arbeit leichter. Die Baumaßnahmen der Jahre 2012 bis 2016 bestanden aus drei Bauabschnitten: Der 1. Bauabschnitt, abgeschlossen im Herbst 2012, umfasste den Bau der Quellfassung im Kuchelkar, die 1,4 km lange Wasserleitung, das Klein-Wasserkraftwerk zur Energieerzeugung, die Abwasserreinigungsanlage sowie den Bau einer größeren Pächterwohnung. Dieser 1. Bauabschnitt war im Wesentlichen durch Behördenauflagen bedingt und wurde deshalb vom Land Salzburg, vom Österreichischen BundesUmweltministerium und vom Deutschen Alpenverein großzügig bezuschusst, es waren aber

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