VNW magazin 5

 

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2016

Popular Pages


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Magazin 20. ManagementForum 2017 17. & 18. Januar 2017 in Rostock-Warnemünde 5 2016 BETA Nord Elektronische Archivierung Zukunft im Quartier Typenhäuser

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Partnerschaft, die Mehrwert schafft Machen Sie Ihre Immobilie fit mit einem zukunftsfähigen Netz. Vodafone Power to you Bieten Sie Ihren Bewohnern den Zugang zu vielfältigen Multimedia-Angeboten. Mit dem leistungsstarken Hybridnetz von Vodafone Kabel Deutschland, der idealen Kombination aus Glasfaser- und Koaxialkabel. Eine Entscheidung für die Zukunft. • Digitales Fernsehen – auch in HD-Qualität • Zeitversetzt fernsehen – mit dem Digitalen HD-Video-Recorder1 • Filme und Fernsehen auf Abruf – mit Select Video2 • Internet mit Kabel-Power – mit bis zu 400 Mbit/s im Download bereits in einigen Ausbaugebieten verfügbar3 • Telefon-Anschluss – einfach und günstig über das Kabel3 • Kabel Internet Telemetrie – Bandbreite für Ihre Immobilie4 Mehr zu Produkten und Verfügbarkeit unter www.vodafone.de/immobilienwirtschaft 1 Kopiergeschützte Sendungen (z. B. bestimmte Programme / Select Video) können aufgrund der Zusatzanforderungen einiger Programmveranstalter nicht angehalten, gespult oder aufgenommen werden. 2 Select Video (Video-on-Demand) ist in immer mehr Städten und Regionen der Kabel-Ausbaugebiete von Vodafone verfügbar. Prüfung auf www.selectvideo.de. Voraussetzungen sind ein 862-MHz-Hausnetz, ein mit einem Digitalen HD-Video-Recorder oder einem Digitalen HD-Receiver von Vodafone Kabel Deutschland ausgestatteter, kostenpflichtiger Kabelanschluss sowie ein Internetanschluss. Empfohlene Bandbreite mindestens 6 Mbit/s. 3 Vodafone Kabel Deutschland Internet- und Telefonprodukte sind in immer mehr Ausbaugebieten von Vodafone Kabel Deutschland mit modernisiertem Hausnetz (862 MHz) verfügbar. Die Maximalgeschwindigkeit von 400 Mbit/s ist im Ausbaugebiet in ersten Städten und Regionen mit modernisiertem Hausnetz verfügbar. Weitere Städte und Regionen folgen. Bitte prüfen Sie, ob Sie die Produkte von Vodafone Kabel Deutschland in Ihrem Wohnobjekt nutzen können. Ab einem Gesamtdatenvolumen von mehr als 10 GB pro Tag behält sich Vodafone Kabel Deutschland vor, die Übertragungsgeschwindigkeit für Filesharing-Anwendungen bis zum Ablauf desselben Tages auf 100 Kbit/s zu begrenzen. Call-by-Call und Preselection nicht verfügbar. 4 Vodafone Kabel Deutschland Telemetrie ist in immer mehr Ausbaugebieten von Vodafone Kabel Deutschland verfügbar. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Stand: September 2016 Vodafone Kabel Deutschland GmbH • Betastr. 6–8 • 85774 Unterföhring

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magazin 5.I6 ZuwandeInruhnalgt Die WOGE Kiel feiert in diesem Jahr ihr 90-jähriges Bestehen. Auf dem Foto zu sehen ist der Neubau „Wohnen am Tannenberg“, der im Frühjahr 2016 fertiggestellt wurde. Bericht auf Seite 46. Foto: Birgit Schewe 05 09 22 50 VNW THEMA – ANALYSE – VISION 02 Vorwort 03 Klimaschutz mit BETA Nord 04 Ein Jahr Wohnbrücke 05 Flüchtlingskonferenz 06 Gebührenschraube dreht sich 07 Internationale Genossenschaftstagung 08 Bauprojektmanagement 49 Eigentumsorientierte Genossenschaften 50 Neubau in Mecklenburg-Vorpommern 53 Trikotspende für Nachwuchskicker 54 VNW-Nachrichten 55 Jahresempfang mit Abschied 56 Fairnesspreis 09 Quartiersentwicklung 13 Technik für Kaufleute 14 SERIE: Elektronische Archivierung 18 Umrüstung von L- auf H-Gas 22 Schwerpunkt: Serielles Bauen 33 Genossenschaften 35 Krisen-PR 36 BIM (I) 40 Dauerwohnrecht 44 Fachtagung IT 45 Mietrechtstag 46 Jubiläum WOGE Kiel 1

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Vorwort Marai Schlatermund, Rechtsanwältin Liebe geneigte lesende Person (geschlechtsneutral formuliert, Sie wissen was ich meine), wenn man im November so kurz vor Jahresschluss ein Vorwort schreiben darf, dann drängen sich Rück- und Ausblick geradezu auf. Rückblickend hat 2016 kaum ein Thema so dominiert und polarisiert, wurde so instrumentalisiert und diskutiert, wie „Asylsuchende in Deutschland“. Ausblickend dürfte dies in 2017 seine Fortsetzung finden. Insbesondere in der Wohnungswirtschaft wird die Causa im kommenden Jahr an Aktualität gewinnen, denn auch wenn die Zahl der EASY-Registrierungen im scheidenden Jahr deutlich zurückging, so gilt es nun die große Zahl der Asylberechtigten und (anerkannten) Flüchtlinge kurz- bis mittelfristig mit Wohnraum zu versorgen. Neben Fragen hinsichtlich Integration, Sprachunterschieden, Vertragspartner, Mietzahlungen, Aufenthaltsstatus, Reaktion der bestehenden Mieterschaft, Mülltrennung und Wohnverhalten, werden voraussichtlich speziell die rückwirkend zum 1. Januar 2016 eingeführte und umstrittene Wohnsitzauflage des § 12a AufenthG – der zum 6. August 2019 wieder außer Kraft treten soll – und der Familiennachzug die Vermieterschaft beschäftigen. In Sachen Wohnsitzauflage stehen den Bundesländern zwei Modelle zur Auswahl: So können die Landesregierungen Flüchtlingen für drei Jahre entweder genau vorschreiben, wo sie wohnen sollen. Oder eben wo sie es gerade nicht dürfen, "insbesondere wenn zu erwarten ist, dass der Ausländer Deutsch dort nicht als wesentliche Verkehrssprache nutzen wird". Der Deutsche Städte und Gemeindebund (DStGB) hat eine Wohnsitzauflage bereits seit langem gefordert und GdW und VNW begrüßen sie ebenfalls. Bislang wurde sie jedoch nur in Bayern und Baden-Württemberg eingeführt; in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen werden derzeit noch die Vor- und Nachteile der Wohnsitzauflage abgewogen. Alle anderen Bundesländer haben sich bereits gegen die Einführung einer solchen Regelung entschieden. In Sachen Familiennachzug geht es aus Sicht des Vermieters vor allem um eine mögliche Überbelegung, welche an sich bereits einen vertragswidrigen Gebrauch darstellt, und des daraus in aller Regel vermehrten Lärms (Störung des Haus- friedens). Bei der Beurteilung, ob eine Überbelegung vorliegt, geht die Rechtsprechung davon aus, dass jeder Person 8 – 10 Quadratmeter zur Verfügung stehen sollten; ähnlich beurteilen dies auch die Wohnungsaufsichtsgesetze einzelner Bundesländer. Sicher ist aber, dass es in 2017 um etwas anderes gehen sollte: nämlich darum Schutzsuchenden zu helfen und Fremdenfeindlichkeit, gleich welcher Art, klar und deutlich entgegenzutreten. Eine 80-jährige Vermieterin aus Hamburg tat dies unlängst, als sie die für sie tätige Hausverwaltung anwies, zukünftig frei werdende Wohnungen nur noch an Asylberechtigte/Flüchtlinge zu vermieten. Diese Entscheidung teilte sie zugleich in einem Brief all ihren Mietern mit und stellte klar, dass das Haus ihr gehöre und sie daher entscheiden könne, wer Mieter werde und wer nicht. Sodann gab sie für Rückfragen ihre persönliche Telefonnummer an. h Hohoho & auf das niemand in einer kalten Nacht in einem Stall oder Zelt zur Welt kommen muss, Marai Schlatermund, Rechtsanwältin. 2

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BETA Nord Projekt gestartet Wohnungswirtschaft stark im Klimaschutz VNW Vor zehn Jahren startete der VNW die Aktion „Energiewende für Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit“. Seitdem liefert der Verband turnusgemäß eine Energiebilanz der VNW Mitgliedsunternehmen, um Energieverbrauch, CO2-Emissionen und Energiekosten transparent zu machen. Mit Projekten wie „ALFA Nord – Allianz für Anlagentechnik“ sorgt er für eine stetige Verbesserung der Anlagen der Verbandsunternehmen. Nun folgt das Anschlussprojekt „BETA Nord – BetriebsEffizienz Technischer Anlagen“. Denn: „Wer A(LFA) sagt, muss auch B(ETA) sagen.“ Im Vordergrund von BETA Nord steht die laufende energetische Betriebsführung und Optimierung von Heizungsanlagen mit dem Ziel, den Energieverbrauch im Gebäudesektor deutlich zu verringern. Die BETA Box ermöglicht es, die Temperaturverläufe und Verbrauchsdaten im Minutentakt auf einen Server in der BETA Zentrale zu übertragen, auszuwerten und innerhalb eines Tages den Fehler, der zum energetischen Mehrverbrauch führt, zu finden und zu beseitigen. Die VNW-Mitgliedsunternehmen starten das Projekt mit 100 Anlagen. Erwartet wird eine Effizienzsteigerung von bis zu 30 Prozent und mehr in zwei Jahren, dies entspricht einer Einsparung von rund 3 Kilotonnen CO2 jährlich. Den Startschuss für BETA Nord gaben VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner und Umweltsenator Jens Kerstan am 19. Oktober 2016 beim Bauverein der Elbgemeinden, BVE, in Hamburg-Iserbrook. Kerstan ist Schirmherr von BETA Nord: „Um den Klimaschutz voranzubringen, sind solche Projekte von großer Bedeutung. Die Freie und Hansestadt Hamburg engagiert sich seit vielen Jahren im Klimaschutz – doch allein lassen sich die Ziele der Energiewende kaum erfüllen. Wir brauchen starke Partner mit innovativen Ideen. Der Gebäudesektor mit seinem hohen Wärmebedarf steht beim Thema Wärmewende besonders im Fokus. Da lässt sich mit dem Projekt BETA Nord viel erreichen – für den Klimaschutz, für die Wohnungsunternehmen, für die Mieterinnen und Mieter und nicht zuletzt für ganz Hamburg.“ Am 19. Oktober 2016 gaben VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner und Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan den Startschuss für BETA Nord. Im Heizhaus des Bauvereins der Elbgemeinden, BVE, wurde die BETA Box aktiviert. Zehn Verbandsunternehmen beteiligen sich bisher an BETA Nord und weitere haben ihre Teilnahme angekündigt. VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner ist optimistisch: „Für die Vermieter bedeutet BETA Nord nicht nur, einen wichtigen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Die Anlagen sind weniger störungsanfällig, Wartungs- und Reparaturkosten können gespart werden und die Zufriedenheit der Bewohner steigt – durch verlässlichere Energie- und Wärmezufuhr und – nicht zuletzt – durch geringere Betriebskosten. BETA Nord ist für alle ein Gewinn und ein vielversprechendes Projekt mit Vorbildfunktion. In öffentlichen Gebäuden wie Schulen könnte das Verfahren ebenfalls eingesetzt werden. Wir bieten unser Know-How gern an.“ h Weitere Informationen erhalten Sie unter vnw.de und hier Grafik links: Ein Vorher-Nachher Beispiel des Projektes BETA Nord. 3

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VNW Ein Jahr Wohnbrücke Hamburg Vor einem Jahr, am 1. November 2015, startete das Projekt Wohnbrücke Hamburg. Die Wohnbrücke vermittelt Wohnungen mit unbefristeten, regulären Mietverträgen an Menschen mit Fluchthintergrund und begleitet die Mietverhältnisse mit ehrenamtlichen Wohnungslotsen. Die Wohnbrücke Hamburg ist aus dem Runden Tisch Integrative Flüchtlingsunterbringung (IFU) entstanden und wird von der Stiftung Wohnbrücke in Partnerschaft mit der Lawaetz - wohnen & leben gGmbh und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Hamburg getragen. Spenden sichern die Laufzeit der Wohnbrücke von Ende 2015 bis Ende 2017. Seit Start vor einem Jahr ist viel passiert. Grund genug für das VNW-Magazin bei Anne Woywod, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Wohnbrücke Hamburg und Mitinitiatorin des Projektes, nachzufragen. Anne Woywod mit Musikern aus Syrien, die über die Wohnbrücke eine Wohnung gefunden haben. Foto: Daniel Müller magazin: Ein Jahr Wohnbrücke Hamburg – wie fühlt sich das an? Anne Woywod: „Großartig. Wir haben viel erreicht und es geht immer weiter. Als Selbständige „nebenbei“ ehrenamtlich solch ein wichtiges Projekt aufzubauen, zu begleiten und um dessen Zukunft zu kämpfen, ist mit viel Aufwand verbunden – aber die Anfragen und die Vermittlungszahlen zeigen, dass es sich lohnt.“ magazin: Wie viele Menschen konnten über die Wohn­ brücke Hamburg bisher ein neues Zuhause finden und wer hat dabei unterstützt? „Seit Start im November 2015 konnten wir 251 geflüchtete Menschen in 84 reguläre Mietverhältnisse vermitteln. Für jeden Einzelnen von ihnen bedeutet das: Ankommen, durchatmen, ein neues Leben aufbauen. Die eigenen vier Wände sind ein wichtiger Schritt zur Integration. Die neue Nachbarschaft ermöglicht viele alltägliche soziale Kontakte, die z.B. für den Spracherwerb oder die Vermittlung eines Praktikumsplatzes sehr wichtig sein können. Die Vermittlung erfolgt über drei Hauptamtliche in der Koordinierungsstelle der Lawaetz - wohnen & leben gGmbh. Die Wohnungssuchenden wie auch die Vermieter werden von ehrenamtlichen Wohnungslotsen unterstützt, die vom Paritätischen Wohlfahrtsverband in Schulungen auf ihr Engagement vorbereitet werden. Mehr als 140 Freiwillige haben sich seit Projektstart schulen lassen.“ magazin: Wer bietet die freien Wohnungen an? „Unsere erste Überlegung war, an Privateigentümer her- anzutreten und zu fragen, ob diese beispielsweise eine leerstehende Einliegerwohnung haben. Doch uns war schnell klar, dass das nicht ausreichen würde. Daher haben wir neben wichtigen Vertreterinnen und Vertretern von Sozialverbänden, Initiativen und Behörden auch die Hamburger Wohnungswirtschaft an den Runden Tisch geholt und frühzeitig Kontakte geknüpft. Etwa 75 Prozent der Wohnungen werden von privaten Vermietern angeboten. Aber auch Wohnungsgenossenschaften aus dem VNW sind dabei. Da wir einen Unterstützungsfonds anbieten, sind mögliche finanzielle Risiken abgedeckt und eventuelle Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Neumieter und Vermieter werden durch die Wohnungslotsen von vorneherein vermieden.“ magazin: Nun ist ein Jahr um – geplant ist eine Pilotphase bis Oktober 2017. Wie geht’s weiter? Die Hamburgische Bürgerschaft hat am 9. November 2016 beschlossen, die Wohnbrücke Hamburg mit bis zu 200 000 Euro aus dem Integrationsfonds zu fördern. Damit können wir die Koordinierungsstelle personell deutlich stärken, die Zahl der Wohnungsvermittlungen erhöhen und die Schulungen der Wohnungslotsen ausbauen. Die Förderung aus dem Integrationsfonds ist übrigens die zweite gute Nachricht für die Wohnbrücke innerhalb weniger Wochen: Im September sind wir mit einem Beratungsstipendium von Startsocial e.V. ausgezeichnet worden. Ehrenamtliche Berater werden uns bei der Zukunftsplanung unterstützen. Wir bleiben also optimistisch – auch über das kommende Jahr hinaus.“ magazin: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg. h www.wohnbrücke.de 4

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VNW bei Flüchtlingskonferenz in Lübeck Übers Wohnen zur Integration VNW Ministerpräsident Torsten Albig eröffnet die Flüchtlingskonferenz vor rund 700 Gästen. Quelle: Staatskanzlei Schleswig-Holstein. Rund 18 Monate nach Abschluss des Flüchtlingspaktes im Mai 2015 zwischen der schleswig-holsteinischen Landesregierung und zahlreichen Vereinen, Verbänden und Initiativen hat am 9. November 2016 in der Lübecker MUK eine zweite Flüchtlingskonferenz stattgefunden. Die Landesregierung zog Bilanz der bisherigen Flüchtlingsarbeit und stellte Leitlinien vor, die den weiteren Weg der Flüchtlings- und Integrationspolitik beschreiben. Die 700 Gäste konnten sich über die vergangenen Monate austauschen, neue Aufgaben diskutieren und Ziele setzen. Wohnen ist – neben Spracherwerb und Qualifikation/Arbeit – ein relevanter Baustein auf dem Weg Richtung Integration. 2015 hat Schleswig-Holstein 50 000 Asylsuchende aufgenommen. 35 000 sind geblieben. In diesem Jahr kamen bislang knapp 8 900 Menschen. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steigt dadurch weiter an. Im Flüchtlingspakt hatten das Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten (MIB) und die Wohnungswirtschaft, darunter der VNW Landesverband Schleswig-Holstein e.V., gemeinsame Ziele verabredet. Schwerpunkt war die Bereitstellung und Schaffung geeigneter Wohnungen zur dezentralen Unterbringung in normalen Nachbarschaften. Die Verbandsunternehmen und der VNW haben seitdem viel geleistet. Bislang konnte rund 3 600 Geflüchteten in 1 600 Wohnungen ein erstes Zuhause außerhalb von Gemeinschaftsunterkünften gegeben werden. Viele Wohnungsunternehmen unterstützen die Geflüchteten auch aktiv bei der Integration. Sie haben Dolmetscher und Sozialarbeiter eingestellt, organisieren Patenschaften mit Alteingesessenen und bieten Hilfen im Alltag an – häufig auch in Kooperation mit Wohlfahrtsverbänden. Der VNW hat sein Angebot ebenfalls verstärkt und unterstützt die Mitgliedsunternehmen mit Fortbildungen zu den Themenfeldern Interkulturelle Kompetenz und Asylrecht, bietet einen Muster- mietvertrag an, hat ein Handout zu zentralen Fragen rund ums Wohnen in sieben Sprachen erstellt und ist stetig in Gesprächen mit Politik und Initiativen, um die Integration der neuen Nachbarn voranzubringen. Raimund Dankowski, Vorsitzender des VNW Landesverbandes Schleswig-Holstein, nahm bei der Flüchtlingskonferenz an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wohnungsbau und Integration gehen Hand in Hand“ teil und betonte: „Wenn wir eine Gesellschaft wollen, die weiterhin offen für Zuwanderung ist, muss Integration gelingen. Dass wir Zuwanderung brauchen, ist mit Blick auf den demografischen Wandel hinlänglich bekannt. Der Austausch heute ist wichtig. Die Landesregierung sollte aber auch ihre Möglichkeiten für mehr Planungssicherheit nutzen. Wir fordern weiter die Einführung der Wohnsitzauflage. Die Akteure vor Ort könnten besser planen. Geflüchtete und Unterstützer hätten mehr Zeit, die es für gelingende Integration braucht.“ Auch das Thema Wohnungsbau wurde diskutiert. Das Land hat die Weiterentwicklung der sozialen Wohnraumförderung angekündigt. Fördermittel sind verfügbar. Doch das damit bislang Erreichte zeigt, dass nachgesteuert werden muss. Dankowski machte bei der Flüchtlingskonferenz deutlich, dass VNW und Verbandsunternehmen ausdrücklich gesprächsbereit sind. h 5

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VNW Die Gebührenschraube dreht sich auch 2016 weiter VON LIANE HERCHER VNW-Referentin für Wohnungswirtschaft Das Ergebnis der diesjährigen Preisabfrage kommunaler Gebühren und Abgaben in Mecklenburg-Vorpommern macht deutlich, dass sich die Gebühren- und Abgabenschraube kommunaler Ver- und Entsorgungsleistungen weiterdreht. Damit verteuern sich – trotz aller Einsparbemühungen – die Wohnnebenkosten für Mieter und Genossenschaftsmitglieder. Neben weiteren Erhöhungen der Grundsteuerhebesätze und der Müllgebühren gibt es drastische Steigerungen im Wasser- und Abwasserbereich, vor allem in den Grundzentren. Während in den Oberzentren mit durchschnittlich 4,78 Euro pro Kubikmeter der Mischpreis für Wasser und Abwasser um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist und in den Mittelzentren um 3,5 Prozent, ist die Steigerung in den Grundzentren mit 5,57 Euro pro Kubikmeter und 6,3 Prozent zum Vorjahr deutlich höher ausgefallen. Besonders betroffen sind die Mieter in Gemeinden, in denen die Zweckverbände ihr bisheriges Gebührenmodell geändert haben und die Grundgebühren – statt wie bisher mengenabhängig nach der Nenngröße des Hauptwasserzählers – neuerdings nach Nutz- bzw. Wohneinheiten, also mengenunabhängig, bewerten und hier der gleiche Maßstab zur Anwendung kommt wie bei Einfamilienhäusern. Das mag diesen Eigentümern gerecht vorkommen, ist es aber nicht. Das Mehrfamilienhaus hat auch nur einen Hausanschluss, der instandgehalten und abgelesen wird. Die Vorhaltekosten für ein Gebäude mit 30 Wohnungen sind keineswegs dreißigmal teurer, als die eines Einfamilienhauses. In der Fachliteratur wird z.B. bei zehn Wohnungen im Vergleich zu einer Wohnung ein Faktor von 1,7 und nicht zehn genannt. Mit dem linearen Wohneinheiten- maßstab wird der Grundsatz der Kostenverteilungsgerechtigkeit verletzt. Anzustreben ist eine degressiv gestaltete Grundgebühr, um so drastische Kostensteigerungen abzufedern. Bedrohlich ist die Situation in den sich ohnehin entleerenden ländlichen Regionen. Hier werden die Bewohner durch eine solche kommunale Preispolitik regelrecht zum Wegzug angehalten. Wer möchte schon für Wasser/Abwasser einen Preis bezahlen, der 40 bis 50 Prozent über dem Durchschnitt aller Grundzentren liegt bzw. für eine vergleichbare Leistung mehr als das Doppelte zahlen? Auch unter dem Aspekt der Angemessenheit der Wohnkosten nach SGB II stimmt diese Tendenz bedenklich. Einerseits legen „klamme“ Landkreise die Angemessenheit nach Kassenlage fest, andererseits erhöhen die Zweckverbände jedoch die Gebühren, um haushaltstechnisch über die Runden zu kommen. Wer zahlt da die Zeche? Es ist die unternehmerische Wohnungswirtschaft, die über ihren Versorgungsauftrag gar nicht anders kann, als in der Gesamtbetrachtung aller Wohnkosten die Nettokaltmiete zu reduzieren. Wie lange soll das gut gehen? h Preisentwicklung 2015 / 2016 6

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18. Internationale Genossenschaftstagung VNW Unter dem Motto: „Identität und Wachstum“ hat vom 14. bis 16. Sep- tember 2016 die Internationale Genos- senschaftswissenschaftliche Tagung (IGT 2016) in Luzern stattgefunden. Rund 170 hochkarätige Referentinnen und Referen- ten aus dem In- und Ausland diskutierten in über 60 Veranstaltungen über die genossenschaftliche Unternehmensform, Erfahrungen aus der Praxis und wissen- schaftliche Beiträge. Erstmals wurde die „genossenschaftliche Praxis“ aufgeru- fen, sich mit Themen an der Tagung zu beteiligen. Diesem Aufruf sind vom VNW zum einen Michael Wulf und Peter Finke vom Bauverein der Elbgemeinden eG aus Hamburg mit einem Beitrag über die Kindergenossenschaft „BVE Kids“ ge- folgt. Außerdem waren René Gansewig von der NEUWOBA Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft eG und Dr. Iris Beuerle vom VNW mit einem Beitrag über das „Genossenschaftliche Lebenszyklusmodell zur Kommunikation der Förder- Peter Finke, Michael Wulf, Iris Beuerle, Anja Herzberg, Professor Jürgen Keßler, René Gansewig und Monika Kegel, GdW, besuchten die IGT in Luzern. leistungen in Wohnungsgenossenschaften“ dabei. Ein weiteres Thema aus Deutschland präsentierten Professor Jürgen Keßler und Anja Herzberg. Altersgruppen auf: für unter 18-Jährige gibt es z.B. Krabbelgrup- pen, Kindernachmittage, Kinderfeste und die Beteiligung an der Lebenszyklusmodell zur Kommunikation der Förderleistungen Neugestaltung von Spielplätzen. Für über 65-Jährige werden unter anderem ambulant betreute Wohngruppen, Urlaubs- und Verhinderungspflege, Wohnberatung und Service-Wohnen Aus der Erfahrung ihrer genossenschaftlichen Beratung für angeboten. Dienstleistungen für jede Altersgruppe sind z.B. Mit- Mitarbeiter, Vorstände und Aufsichtsräte weiß Iris Beuerle, dass glieder- und Wohnquartiersfeste, Sport-, Freizeit- und Kulturan- die Förderleistungen von Wohnungsgenossenschaften schwer gebote, Unterstützung im Haushalt oder ein Reparaturservice. zu kommunizieren sind. Als in Workshops mit Mitarbeitern der Fazit: Das Lebenszyklusmodell zeigt sowohl den Mitarbeitern NEUWOBA sämtliche Förderleistungen aufgenommen und visua- als auch Neukunden und Mitgliedern das umfassende Angebot lisiert wurden, hat sich ein Förderkatalog ergeben, der sämtliche und die Förderleistungen der Genossenschaft auf einen Blick. Es Leistungen im Laufe eines Lebenszyklus aufzeigt. Damit war die dient als Kommunikationsinstrument insbesondere zur Stärkung Idee für dieses Thema geboren. der Identifikation der Mitglieder mit der Genossenschaft und ist Theorie: Mit Eintritt in die Wohnungsgenossenschaft erwirbt ein einfach erklärbares Kommunikationsmittel zur Darstellung das Mitglied ein Dauernutzungsrecht. Mit diesem Recht ist eine der Förderleistungen. Der Kreativität bei der grafischen Darstel- lebenslange Nutzung der Leistungen des genossenschaftlichen lung sind dabei keine Grenzen gesetzt. Das Modell kann von Geschäftsbetriebes verbunden. allen Wohnungsgenossenschaften genutzt werden, die ihren Praxis: Die NEUWOBA interpretiert das Dauernutzungsrecht Mitgliedern mehr als eine Wohnung anbieten. h für ihre Mitglieder als „Lebenslanges Wohnen im Quartier“ und bietet neben Wohnungsangeboten auch viele Dienstleistungen als Förderleistungen für die Mitglieder im Lebenszyklus, wie z.B. Wohnungsangebote für Auszubildende, Studierende, Alleinerzie- hende, Singles, Familien und Senioren. Die ergänzenden Dienstleistungsangebote umfassen Nachbarschaftsförderung, häusliche Pflege, fachgerechte Beratung, Betreuung und Versorgung etc. Zur Verdeutlichung der Förderleistungen können diese in einem Lebenszyklusmodell abgebildet werden, um auf einen Blick das Der Beitrag inklusive Lebenszyklus­ modell der NEUWOBA wurde im Tagungsband veröffentlicht. Sie finden diesen unter vnw.de und hier: umfassende Angebot für alle Lebenslagen sichtbar zu machen. Das Lebenszyklusmodell der NEUWOBA zeigt die Angebote nach 7

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VNW ImmobilienPartner im Gespräch Erfolg durch Kooperation – Neue Ansätze für das Bauprojektmanagement Die Referenten der Tagung: Achim Freund (ASSMANN AG), Dr. Joachim Wege und RA Ernst Wilhelm (beide HFK Rechtsanwälte LLP), Stefan Wulff (Otto Wulff GmbH) und Christian Zumwinkel (ASSMANN AG). (nicht auf dem Foto: VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner und Dirk Hinzpeter, Vorstand der HANSA Baugenossenschaft eG.) In Deutschland ist das Bauen (meist) schwierig, langwierig und teuer. Lösungen sind gefragt. Bei der Fachtagung „Neue Ansätze für das Bauprojektmanagement“ am 27. September 2016 in der Hamburger HafenCity tauschten sich rund 40 Experten darüber aus. VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner eröffnete die Veranstaltung und wies auf das große Interesse der Verbandsunternehmen hin, störungsfreier und kostengünstiger bauen zu wollen. Abgesehen von notwendiger politischer Unterstützung und der eigentlich wünschenswerten Deregulierung könne dies im Planungs- und Bauprozess nur im Zusammenwirken aller Beteiligten gelingen. Achim Freund, Architekt bei der ASSMANN AG, stellte das Thema „Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft“ vor und erläuterte die „Eskalationsprävention durch Projektorganisation“. Wichtig sei eine klare und vollständige (Ausführungs-) Planung mit detaillierten Schnittstellenabstimmungen zwischen den Planern und einer detaillierten Bauablaufplanung. Stefan Wulff, Geschäftsführer der Otto Wulff Bauunternehmung GmbH, berichtete über den großen Vorteil, den eine Projektbegleitung und –steuerung vom Anfang bis zur Übergabe oder sogar Bewirtschaftung als „Partnerschaftsmodell“ mit sich bringe. Dadurch werde eine kostenoptimierende Gesamtbetrachtung möglich. Im Anschluss schilderte Dirk Hinzpeter, Vorstand der HANSA Baugenossenschaft eG, anhand aktueller größerer Neubauvorhaben die Erfahrungen und Wünsche der aktiv bauenden Wohnungsunternehmen. Er bestätigte seinem Vorredner, dass das von ihm angebotene schlüsselfertige Bauen mit frühem Einstieg möglichst bereits bei Aufstellung des B-Plans zu einem optimierten Preis-/Leistungsverhältnis und einer unkomplizierten Bauabwicklung führen könne. Wichtig bei allen 8 Gemeinschaftsprojekten sei und bleibe hohe Einflussmöglichkeit, Kostentransparenz, gleichgerichtete Interessen und das Gleichgewicht der Partner. Für das Ziel, mehr und schneller bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sei die Reduktion von Hindernissen und Komplexität sowie eine Kostenoptimierung notwendig. Der auch als Mediator bei Baukonflikten erfahrene Rechtsanwalt Ernst Wilhelm, leitender Partner der HFK Rechtsanwälte LLP in Berlin, erläuterte die juristische Dimension von Kooperationen beim Planen und Bauen. Wichtig für ein konfliktfreies Miteinander seien transparente und eindeutige Verträge. Vor allem auch die technische Baubeschreibung müsse klar und eindeutig sein und dürfe rechtliche und technische Fragen nicht vermengen. Das anschließende Fachgespräch moderierte der frühere VNWVerbandsdirektor Rechtsanwalt Dr. Joachim Wege. Ergänzend zu den Referenten nahm hieran als Vertreter der ASSMANN AG auch Direktor Christian Zumwinkel teil. Fazit: Ein integriertes Projekt- und Vertragsmanagement sei dringend geboten, um Bauprojekte einfacher, schneller und günstiger zu gestalten. Erstmalig hatte der VNW gemeinsam mit der ASSMANN Beraten und Planen AG und der auf Immobilien spezialisierten Kanzlei HFK Rechtsanwälte LLP zu der Veranstaltung „Immo­ bilienPartner im Gespräch“ geladen. Diese soll fortgesetzt werden. h Einen detaillierten Veranstaltungsrückblick von Dr. Joachim Wege finden Sie auf vnw.de und hier.

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SERIE: Quartier Gut versorgt im Quartier Fotolia, Peter Maszlen Von Dr. h.c. Jürgen Gohde, Kuratorium Deutsche Altershilfe Foto: S.Unger Der Wind hat sich gedreht. Nach Jahren, in denen öffentlich eher deklamatorisch über den de­ mografischen Wandel geredet wurde, hat nun die Phase praktischer Gestaltung begonnen. Auf der privaten Ebene läuft das anders. Viele von uns haben sich gefragt, wie oder wo sie alt werden wollen. Manche haben in der Familie diskutiert, ob sie in ihrer jetzigen Wohnung bleiben können oder doch lieber in einen anderen Stadtteil umsiedeln sollen. Wie wollen wir morgen leben und was wollen wir dafür tun? Es sind keine „weichen“ Themen: Umfragen weisen darauf hin, dass die Angst vor Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit tief sitzt. Die Telekomumfrage 2016 hat es auf die ersten Seiten der Zeitungen gebracht: Pflegebedürftigkeit, Armut im Alter und Terroranschläge sind die Top 3 des persönlichen Sorgenkatalogs der Deutschen. 48 Prozent haben Angst vor Pflegeb­ edürftigkeit und Demenz. g 9

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SERIE: Quartier E igentlich eine gute Nachricht: Die Zahlen waren schon einmal wesentlich höher. Hart wird es, wenn es plötzlich kommt: etwa wenn sich das Leben von einem auf den anderen Tag nach einem Sturz oder Schlaganfall verändert. Wir können dankbar sein, dass es nach wie vor eine riesige Bereit­ schaft zur Solidarität gibt. Wir schulden all den Frauen und Männern, die aus Pflichtgefühl oder Familiensinn zu pflegen bereit sind, nicht nur Anerkennung und Respekt. Wir schulden ihnen Anstrengungen für eine gute Infrastruktur, die gepflegte menschliche Nähe möglich macht. Pflege ist keine Ware, sondern ein Vertrauensgut. Wir sollten uns deshalb hüten, dies als selbstverständlich anzusehen. Ohne Unterstützung, ohne Kooperation von professionellen Diensten und von ehren­ amtlichem und familiärem Engagement läuft nichts. Allein schafft das niemand, die Belastungen sind groß. Wer pflegt, wird schnell einsam. Eine Krise entsteht immer dann, wenn neue Alltagsanforderungen aufgrund fehlender Ressour­ cen nicht mehr bewältigt werden können oder weil soziale Beziehungen bzw. Netzwerke sich auflösen oder weil gesell­ schaftliche, rechtliche und politische Strukturen das Individuum überfordern, z.B. in Situationen der Armut, der Wohnungslosig­ keit, der Arbeitslosigkeit. Die Unterschiede sind groß. Klar ist nur, und das hat der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen 2009 herausgestellt, was ältere Menschen brauchen, wenn es ernst ist: Ältere Menschen mit chronischen Erkrankungen, Multi­ morbidität und/oder Pflegebedürftigkeit sind auf eine integrierte und kontinuierlich vernetzte Langzeitversorgung vor Ort ange­ wiesen. Damit sind Anforderungen für das Versorgungssystem formuliert, das gute Beratungsangebote braucht. Es geht aber noch um mehr. Trotz steigender Zahlen liegt die Zukunft der Pflege und Betreuung nicht im weiteren Ausbau stationärer Angebote. Die Zukunft der Pflege liegt im Quartier. Der demografische Wandel ist eine Gestaltungsaufgabe für alle und mit allen Generationen. Bisherige Versorgungsverantwort­ lichkeiten stoßen an ihre Grenzen: Sorge ist nicht länger allein Sache der Familie, aber auch nicht allein Sache professioneller Dienstleistungserbringer. Wir brauchen eine Kultur gegenseitiger Sorge, eine aktive, mitgestaltende Bürgergesellschaft. Eine Ge­ sellschaft ohne Care-Orientierung hat keine Zukunft. Wie kann eine Lösung aussehen? Mehr Geld für noch mehr gleiche Leistungen wird keinen nachhaltigen Erfolg bringen. Wir brauchen stattdessen Beteili­ gungen und Konzepte mit höherem Wirkungsgrad, Pflege­ vermeidung durch bessere Rehabilitation und tragfähige Hilfenetzw­ erke in den Lebensräumen der Menschen vor Ort. Wir brauchen Kooperation und den Pflegemix im Quartier. Wir brau­ chen generationengerechte Wohnangebote und Infrastruktur vor Ort sowie neue lokale Verantwortungsgemeinschaften, die in den Quartieren gezielt gefördert werden, sowie generations­ übergreifende, kleinräumige Unterstützungsnetzwerke. In einem breiten Diskussionsprozess von Ländern, Gemeinden, Kassen, Leistungsanbietern und Partnern wie der Wohnungswirtschaft haben sich neue Allianzen (2l) gebildet und sie bewähren sich. Es geht dabei nicht mehr nur um die klassischen Themen der Barrierefreiheit oder technische Unterstützung zum Erhalt der Selbstständigkeit in der eigenen Wohnung. Es geht um neue Nachbarschaft und Achtsamkeit. Bei der altersgerechten Quartiersentwicklung geht es darum, Lebensräume für alle Generationen bedarfsgerecht mit dem Ziel zu gestalten, Menschen – auch wenn sie Unterstützungsbedarf haben – ein selbstbestimmtes Leben in ihrem vertrauten Wohn­ Wettbewerb zur Förderung der alter(n)sgerechten Quartiersentwicklung Die Stadt Hannover hat erstmals einen Wett­ bewerb zur Förderung der alter(n)sgerechten Quartiersentwicklung ausgelobt. „Damit wol­ len wir in den Quartieren Projekte anstoßen und unterstützen, die den Auf- und Ausbau sozialer Infrastrukturen, die Teilhabe und den Generationen­dialog fördern. Die Mittel aus dem Wett­bewerb sollen Starthilfe geben“, erläutert Hannovers Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf die Zielsetzung der Ausschreibung. Insgesamt stehen 100 000 Euro zur Verfügung. Die Bewerbungsfrist für Träger, Organisationen und andere läuft bis zum 30. November 2016. Unterlagen bitte an Landeshauptstadt Hannover Fachbereich Senioren Ihmepassage 5 30449 Hannover umfeld zu ermöglichen. Daran sollen möglichst viel Akteure sowie Bürgerinnen und Bürger vor Ort beteiligt werden. Es geht dabei um Stadtentwicklung für alle Generationen, nicht um die Planung stationärer Einrichtungen: „Bauleitplanung, Gestaltung der Wohnbereiche, Wohnungsmarkt, Regelung des Verkehrs und Impulse für das soziale Leben im Nahraum, die Sicherung des bürgerschaftlichen Engagements, die Schaffung von Begeg­ nungs- und Kommunikationsräumen sowie der regionale Arbeitsm­ arkt sind der Hintergrund, auf dem Entscheidungen über die pflegerische Infrastruktur und Auswahlentscheidungen über die Inanspruchnahme von Dienstleistungen getroffen wer­ den. Dies muss sich zu einer regionalen Gesamtverantwortung und einer besonderen Aufgabe der infrastrukturellen Gestaltung von Quartieren und Dorfgemeinschaften verdichten.“ (KDA/ FES, Gute Pflege vor Ort, 16) Fragt man nach Gründen für diese Entwicklung, kommt man um den 6. Altenbericht der Bundesregierung (2010) nicht herum, der die Veränderungen der Altersbilder beschreibt. Der 7. Altenbericht (2016) beschäftigt sich mit der veränderten Rolle der Kommunen, die ihre Gestaltungskraft zurückgewinnen müssen. Er entwickelt das Leitbild sorgender Gemeinschaften und gibt Anreize, Subsidiarität neu zu buchstabieren. Jedes Alter wird gebraucht und hat etwas zu bieten. Die Engagement­ berichte unterstreichen dies. Auch die beiden ersten Pflegestärkungsgesetze (PSG) haben dazu einen wichtigen Beitrag geleistet. Indem sie den Abschied vom am Defizit orientierten Bild der Menschen mit Pflegebedürf­ tigkeit vollziehen, lenken sie den Blick auf seine Potenziale und entsprechen so dem Wunsch, möglichst lange selbstbestimmt und selbstständig in der eigenen Umgebung zu leben. 10

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SERIE: Quartier Ein Quantensprung. Die Leistungen für Menschen mit Demenz sind stark verbessert worden. Auch wenn wesentliche Teile noch nicht erledigt sind – die Frage des Bedarfs an Fachkräften ist noch nicht gelöst, die Gesetzgebung zur Ausbildung lässt auf sich warten – ist viel passiert. Weit mehr ist geschehen als die Vorlage für ein neues Leistungsrecht. Herauszuheben ist das Pflegestärkungsgesetz III, das die Rolle der kommunalen Steuerungs- und Planungskompetenz für die regionale Pflegestruktur entscheidend stärken soll. Zu Recht, denn PSG I und II ohne Stärkung der kommunalen Rolle im PSG III sind ein Torso. Bund, Länder, Kommunen, Pflegekassen und Pflegeeinrichtungen müssen bei der Versorgung pflegebedürfti­ ger Menschen und der Unterstützung ihrer Angehörigen besser zusammenwirken. Leider bleibt der vorliegende Gesetzentwurf weit hinter den Ergebnissen der vorbereitenden Bund-LänderArbeitsgruppe zurück. Die gesetzliche Regelung über die Rolle der Kommunen bleibt aus. Hier braucht es Entscheidungswillen. Dennoch: Die Aufforderung und Erwartung zu neuer sozialer Kreativität und geteilter Verantwortung auf lokaler Ebene ist der Grundton, auf den alles gestimmt ist. Das braucht Mut und Gestaltungswillen. Eine neue Architektur für das Leben im Alter und die Pflege im Quartier ist sichtbar und könnte umgesetzt werden. Der Schlüssel ist die Beteiligung der Bürger selbst. Es hat sich ein Konsens herausgebildet, der viel erwartet von der Zukunft der Pflege im Quartier, nicht nur hinsichtlich der Versorgung, sondern auch hinsichtlich der Beteiligung der Generationen. Altenpolitik bezieht sich nicht mehr allein auf die ältere Generation, sondern hat das Zusammenleben der Alten und Jungen, der Gesunden und Kranken, der Behinderten und Nichtbehinderten, der Armen und Reichen im Auge. Für die­ sen Gestaltungsprozess ist das Leitbild der Caring Community formuliert, Kommune als sorgende Gemeinschaft von Bürgern. Damit wird ihre Verantwortung für die Daseinsvorsorge nicht verabschiedet, aber sie muss unterschiedliche Interessen mode­ rieren, Dialoge organisieren und Netzwerke zusammenbringen, Teilhabechancen eröffnen und Engagement als Stadtentwick­ lungschance begreifen. Die Mitverantwortung der Bürger wird akzentuiert. Keine Gesellschaft kann ohne Orientierung leben. Ohne neue Nachbarschaften, ohne Dialog mit Zugezogenen und Migrantinnen ist keine Kultur geteilter Verantwortung zu gestalten. Die Engagementberichte haben die ungebrochene Be­ reitschaft von Bürgern, sich zu beteiligen, unterstrichen. In vielen Kommunen sind erfolgreiche lokale Allianzen für Menschen mit Demenz entstanden. Zwei Bewegungen kommen damit zusammen und bewirken gemeinsam Gutes: die Wiederentdeckung der Bedeutung der Kommunen und das Engagement der Bürger selbst. Billiger geht es nicht. Die Unterschiede sind groß, aber die Potenziale des Alters haben sich auch verändert. Die Bereitschaft zum Engage­ ment wächst altersunabhängig. Das zählt. Es gibt nach wie vor eine riesige Bereitschaft zur Solidarität der Generationen. Es ist Zeit, in sie zu investieren. h flight1-067-baecker-vdwmagazin-182x128.indd 1 07.10.16 17:35 11

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SERIE: Quartier Die Zukunft liegt im Quartier 11. Demografie-Kongress Best Age, Berlin VON DAGMAR VOGT-JANSSEN, Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Senioren, Leiterin des Kommunalen Seniorenservice Hannover Im Fokus des diesjährigen Kongress zum demografischen Wandel, dem 11. Best Age Kongress in Berlin, stand das Land Niedersachsen. Zentrale inhaltliche Frage: Welche Bedeutung kommt zukünftig einem integrierten Quartiersmanagement zu? Der Staatssekretär im Bundesinnen­ ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Dr. Ralf Kleindiek, wies in seiner Eröffnungsrede auf die Notwendigkeit eines lebendigen Miteinanders in den Quartieren hin und richtete sich dabei sowohl an die Verantwortlichen in den urbanen Ballungszentren als auch in den ländlichen Regionen. Cornelia Rundt, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Ge­ sundheit und Gleichstellung, führte in ihrer Eröffnungsrede für das Land Niedersachen die unterschiedlichen Faktoren auf, die Auswirkungen auf die Quartiersentwicklung haben. Dabei nann­ te sie die Städtebauförderung, für die in Niedersachsen (Bundesund Landesmittel) rund 89,3 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Daneben seien die soziale Wohnraumförderung und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum entscheidende Faktoren. Quartiersentwicklung ist nach Worten der Ministerin notwen­ dig, um ein soziales Wohnumfeld für die vielfältigen Bedürfnisse der unterschiedlichen Bewohner eines Quartiers, eines Viertels, einer Nachbarschaft zu schaffen. Dabei gehe es auch darum, Versorgung in seiner gesamten Tragweite – Nahversorgung, Kultur, Verkehrsanbindung, gesundheitliche und pflegerische Versorgung – zu sichern. Dazu gehören für ältere Menschen fußläufig erreichbare Arztpraxen ebenso wie ein barrierefreies bzw. barrierearmes Wohnumfeld. Ein weiterer wichtiger Ansatz sei die Stärkung der ambulanten Pflege. Dazu habe das Land das Förderprogramm „Stärkung der ambulanten Pflege im ländlichen Raum“ aufgelegt. Außerdem werden mit dem Landesprogramm „Wohnen und Pflege im Alter“ Projekte gefördert, die ein selbstständiges Leben im Alter im häuslichen Umfeld auch bei zunehmenden Einschränkungen ermöglichen. Auch Professorin Silke Weidner von der Brandenburgisch Tech­ nischen Universität Cottbus-Senftenberg hob hervor, dass eine integrierte Stadtentwicklung sowohl Verdichtungsräume als auch Freiflächen zur Erholung im Blick haben muss. Attraktive Quar­ tiere brauche es unabhängig davon, ob es sich um schrumpfen­ de oder wachsende Kommunen handele. Im Anschluss wurden verschiedene Sichtweisen auf das Thema Quartier vorgestellt und diskutiert. So machte Eberhard Hoffmann, Geschäftsführer des Studentenwerks Hannover, deut­ lich, wie wichtig es sei, Studierende in der Kommune zu halten und den Satz „study and stay“ mit entsprechenden (Wohn) angeboten zu unterfüttern. vdw-Referentin Sarah Leuninger kündigte an, der Verband werde bei der landesweiten Verortung von Quartiersmanagementstrukturen eine wichtige Rolle ein­ nehmen. Gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen will der vdw Handlungskonzepte entwickeln und einen internetbasierten Methoden- und Instrumentenkoffer anlegen. Die Wohnungs­ wirtschaft könne als Vernetzungsstelle agieren. In der Podiumsdiskussion „Überfüllte Städte – leeres Land“ stellte vdw-Verbandsdirektor Heiner Pott klar, die soziogeografischen und wirtschaftlichen Unterschiede der einzelnen Räume sowie die Vielfalt der Bedarfe vor Ort wahrzu­ nehmen. Nur nach einer Analyse vorhandener und erforderlicher Infrastrukturen kann es gelingen, Versorgungsketten aufzubau­ en, die einer modernen, zukunftsorientierten und am Menschen ausgerichteten Daseinsvorsorge entsprechen. Dabei geht es immer um ein von der Kommune gesteuertes und unter den Akteuren vor Ort abgestimmtes Vorgehen. Der vdw, so fuhr Pott fort, werde in den nächsten Jahren Akzente setzen, die deutlich machen werden, wie es mit integrierten Handlungskonzepten gelingen kann, bedarfs- und bedürfnisgerechte Infrastrukturen vor Ort in den Quartieren gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern aufzustellen.h 12

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vdw und VNW bieten gemeinsamen Lehrgang an: Bautechnische Grundlagen für Kaufleute, Verwalter, Makler und alle Nicht-Techniker Lehrgang I n der Vergangenheit haben die beiden Verbände bereits erfolgreich Tagess­ eminare zum Thema „Grundlagen der Bau­ technik für Nicht-Techniker“ angeboten. Die Veranstaltungen erfreuen sich großer Beliebtheit, häufiger kommt aber die Frage auf, wie eine Vertiefung in dem Thema möglich ist. Dafür haben die beiden Landesverbände gemeinsam mit Dipl.-Ing. Dr. Armin Hartmann einen zertifizierten sechstägigen Lehrgang konzipiert. Ziel ist ein tieferer Einblick in verschiedene Aspekte der Bautech­ nik. Der Lehrgang richtet sich an Kaufleute in Wohnungsunter­ nehmen, aber auch an Verwalter und Makler. Der Lehrgang hilft, bautechnische Fragestellungen und Vorgänge besser beurteilen zu können und sich in Gesprächen mit Architekten, Bautechni­ kern oder Kunden durch umfassendes Basiswissen behaupten zu können. Wissen zur „Hardware“ Haus, Wohnung und Umfeld wird für komplexer werdende Aufgabenstellungen rund um die Wohnungswirtschaft immer unverzichtbarer. Kaufmännische und technische Abteilungen in Wohnungsun­ ternehmen arbeiten eng bei der Umsetzung von Neubauten und Modernisierungen zusammen. Nicht selten fehlt das gegen­ seitige Verständnis für die jeweilige Sicht auf das Projekt und die sehr unterschiedlichen Problemlagen. Das Kennenlernen bau­ technischer Grundlagen und Begriffe ist ein Schritt zur Problem­ lösung und zur Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses. Im Lehrgang werden sowohl der Neubau als auch Besonder­ heiten bei Modernisierungen berücksichtigt. Der gesamte Kurs wird praxisnah und mit vielen Beispielen aus Wohnungsunter­ nehmen gestaltet; auch zwei Exkursionen sind vorgesehen. Die Teilnehmer sind ausdrücklich zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion eingeladen und erhalten nach erfolgreichem Abschluss ein entsprechendes Zertifikat des vdw / VNW. Armin Hartmann ist promovierter Bauingenieur und Chartered Surveyor. Nach über zehnjähriger Erfahrung in der Wohnungswirtschaft ist er seit 2007 mit dem Unternehmen „Hartmann Real Estate“ als beratender Ingenieur tätig (www.hartmann-re.de). „Mehr Verständnis füreinander“ Die Termine der jeweils zweitägigen Seminarblöcke: MODUL 1: Das Haus vom Fundament bis zur Dachpfanne 27./28 Februar 2017 – Dipl.-Ing. Dr. Armin Hartmann magazin: Warum ist es auch für Nichttechniker sinnvoll, sich bautechnische Grundlagen anzueignen? Armin Hartmann: Das gegenseitige Verständnis von techni­ schen und kaufmännischen Abteilungen in Wohnungsunterneh­ men kann maßgeblich gesteigert werden – hier gibt es häufig Schwierigkeiten. MODUL 2: TGA – Technische Gebäudeausstattung 29./30. März 2017 – Dipl.-Ing. (TU) Peter B. Schmidt MODUL 3: Teil 1: Bauschäden, Schadstoffe 6. April 2017 – Dipl.-Ing. Gotthard Grieseler Teil 2: Baurecht 10. Mai 2017 – RA Peter Schulze Weitere Informationen und Anmeldung auf www.vdw-wohnen.de bzw. www.vnw.de veröffentlicht. Ansprechpartner: Karsten Dürkop (0511 12 65-127) und Andreas Daferner (040 520 11-218). Sie führen für vdw und VNW schön länger Tagesseminare zum Thema durch, warum nun die Ausweitung? Wir haben häufiger festgestellt, dass viele Teilnehmer dieses Thema vertiefen wollen. So ist die Idee zu der sechstä­ gigen Zusatzausbildung entstanden. Hier ist genügend Raum, um in die Tiefe zu gehen. Durch den Praxisbezug werden echte Mehrwerte für die tägliche Arbeit geboten. Das Tagesseminar als Einstieg wird aber weiterhin angeboten. Welche Erwartungen haben Sie an die Veranstaltung? Wir erhoffen uns interessierte Teilnehmer, die viele Fragen aus der täglichen Situation mit Kunden mitbringen. Ziel ist die Vermittlung grundlegender Kenntnisse mit einer Vertiefung in verschiedenen Bereichen. Am Ende werden die Teilnehmer natür­ lich nicht das Detailwissen von Architekten oder Bauingenieuren haben, aber durchaus auf Augenhöhe mitsprechen können. h 13

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