Calluna Winter 2017

 

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Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide, Ausgabe Winter 2017

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www.calluna-magazin.de Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide Calluna 1

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VERNUNFT-ATTACKE für ENERGIEBÜNDEL GAS, ÖL, BLOCKHEIZKRAFTWERK ODER HYBRIDSYSTEM … wie eine moderne Kesselanlage Ihre jährlichen Ausgaben senken kann, verraten wir Ihnen auf unserer 600 Quadratmeter großen Ausstellung „Moderne Heizungen + Bad-Trends“. MSM Bäder + Wärme GmbH | Schulstr. 23 | 29399 Wahrenholz | 0 58 35/ 9 60 - 0 | www.m-s-m.de MIT SICHERHEIT MEISTERHAFT Gifhorn|Naturstrom – der Wechsel zu grünem Strom ist ganz einfach! Kundenbüro Torstraße 7 . 38518 Gifhorn Telefon 05371 8393-789 www.stadtwerke-gifhorn.de 2 Calluna

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EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser, der Winter – die Zeit, um innezuhalten, sich zu erinnern, ein biss- chen das Tempo zu verlangsamen. Es ist schon wieder viel zu früh dunkel geworden und zu kalt, um den Hühnerstall neu zu streichen oder irgendetwas im Garten zu tun. Darüber können wir uns ärgern oder es einfach nur als Hinweis verstehen, dass wir einen Gang zurückschalten sollten und deshalb nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben müssen. Also innehalten, sich erinnern, an das, was in diesem Jahr ge- wesen ist. Ganz unbewusst ist der kleine Tisch im Schlafzimmer mit seiner Sammlung von Petroleum- lampen und Windlichtern zu einem Altar der Erinnerung geworden: Da er- innert eine blühende Christrose an ihre »Schwestern« draußen an der Haus- wand und an all die anderen pflanzli- chen Geschöpfe, die im Garten in Ru- hestellung die kalte Jahreszeit überdau- ern. Da ist die kleine getöpferte Vase mit der Minirose darauf – ein Mitbring- sel von einem wunderschönen Fahr- radausflug im Sommer nach Bad Be- vensen, wo gerade ein kunsthandwerk- licher Keramikmarkt stattfand. Dunkel zogen Gewitterwolken auf, die uns auf Gesammelte Erinnerungen dieses Jahres, unseren Rädern vor sich hertrieben, ein vereint auf einem kleinen Tisch. bisschen nass sind wir geworden, ob- wohl wir so schnell fuhren. Da sind die Zweige getrocknete Heide mit ihrem herben Geruch und noch einer Ahnung der satten, warmen Augustsonne. Ja, es war schön, draußen zu sein, zu Fuß und mit dem Fahrrad, schauen, staunen, erleben. Das geht auch jetzt im Winter, aber eben etwas geruhsamer. Wir laden Sie ein, auch diese Jahreszeit bewusst zu genießen und ihre Schönheiten – nicht nur die des magischen Winterlichts auf den beiden nächsten Seiten – zu ent- decken! Kommen Sie wohlbehalten durch den Winter! Bis bald im Frühling! Inka Lykka Korth Das Calluna+-Logo am Ende einer Geschichte signalisiert Ihnen, dass + Sie diese Geschichte auch im Internet finden, angereichert mit weiteren Bildern und teilweise auch mit Karten oder Videoclips. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass dieses kostenfreie Zusatzangebot unseren Abonnenten und Anzeigenkunden vorbehalten ist. Wenn Sie Abonnent sind, schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit Ihrem Namen und Ihrer Abo-Nummer, die Sie auf Ihrer Abo-Rechnung finden, an plus@calluna-magazin.de, und Sie erhalten von uns den Link zu Calluna+. Sie haben noch kein Calluna-Abo? Kein Problem, schicken Sie einfach eine E-Mail mit Ihrer Adresse an abo@callunamagazin.de. Bei allen neuen Abonnenten bedanken wir uns mit zwei Freikarten für das Museumsdorf Hösseringen. Foto: Marion Korth INHALT Dieses Licht ... Winterimpressionen Er heißt mal so, mal so und bleibt dabei doch derselbe Winterwanderung an der Aue Zum vergessenen Ort am Blauen Berg Spurensuche bei Suderburg Ein Garten für mich und für ... Plädoyer für mehr Miteinander Vernetzt denken – nachhaltig handeln Mit Permakultur die Natur zum Vorbild nehmen Zu schade für die Mottenkiste Manche Gemüse kommen aus der Mode – dabei steckt viel Gutes in ihnen Schlepper, Fledermäuse und Marunde Museumsdorf Hösseringen startet in neue Saison Hilfe für in Not geratene Greifvögel Wildtierstation um fünf Volieren erweitert Wohngemeinschaft mit Stacheltieren Maria Kellner hilft Igeln über den Winter Suffolk-Schafe im Schnuckenland Alexander Schellin ist Premium-Züchter Knaggen, Kehlen und ein Eselsrückenbogen Das Höfersche Haus wird saniert, Teil 2 Hochburg der Handwerkskünste Die Werk- und Lebensgemeinschaft Dalle Schiffchen ahoi! Weben ist nicht nur Hand-, sondern auch Fußarbeit Faszinierend filigran Marlis Mährle macht Kunst aus Papier Die ältesten Brillen der Welt Das Kloster Wienhausen hütet diesen Schatz Die Wassermühle an der Wiehe ... ... brachte dem Müller beachtlichen Wohlstand Reis in de Wintertied Plattdüütsch Besser leben SüdheideKalender Kulturszene Buchempfehlungen Calluna-Partner Impressum Titelbild (mit dem ersten Schnee dieses Winters bestäubte kleine Kiefer im Oerreler Moor): Inka Lykka Korth Teaserfotos (von oben): Christine Kohnke-Löbert (2), Susanne Zaulick, Kontakt Redaktion redaktion@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 98 40 Anzeigen anzeigen@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 99 38 Abonnement abo@calluna-magazin.de Telefon 0 53 71/5 55 06 www.calluna-magazin.de CallunaMagazin 4 6 12 16 17 18 26 27 28 31 36 42 44 46 58 62 66 20 52 64 51 34 4 Calluna 3

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IMPRESSUM Das Südheide-Magazin Calluna erscheint vierteljährlich im Verlag HERAUSGEBERINNEN Merle Höfermann, Inka Lykka Korth REDAKTION Inka Lykka Korth (verantwortlich) inka.korth@calluna-medien.de Christine Kohnke-Löbert christine.kohnke@calluna-medien.de AUTOREN Marion Korth, Burkhard Ohse, Niels Tümmler, Jana Wejkum, Susanne Zaulick LAYOUT Inka Lykka Korth ANZEIGENGESTALTUNG Friederike Kohnke friederike.kohnke@calluna-medien.de ANZEIGENVERKAUF Jennifer Mallas (verantwortlich) jennifer.mallas@calluna-medien.de Werner Remus werner.remus@calluna-medien.de Susanne K. Knöpfle / telemotion susanne.knoepfle@calluna-medien.de DRUCK MHD Druck und Service GmbH, Hermannsburg AUFLAGE 12.500 Exemplare (Winterausgabe: 10.000) ABO҃JAHRESBEZUGSPREIS 10,- Euro inkl. Porto und Versand REPRODUKTIONEN jeglicher Art, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. KLIMA҃ UND UMWELTSCHUTZ Calluna wird mit mineralölfreien Druck- farben auf hochwertigem Recyclingpapier gedruckt, das mit dem Umweltsiegel Blauer Engel ausgezeichnet ist. Die beim Druck freigesetzten Treibhausgase werden durch Investitionen in zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. Print kompensiert Id-Nr. 1658711 www.bvdm-online.de KONTAKT www.calluna-magazin.de CallunaMagazin REDAKTION redakঞon@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 98 40 ANZEIGENABTEILUNG anzeigen@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 99 38 Telefax 0 58 32/97 98 41 BÜRO GIFHORN (Verlagsanschri[) Steinweg 3 · 38518 Gi orn Telefon 0 53 71/555 06 BÜRO ISENHAGENER LAND Oerreler Dorfstraße 22 29386 Dedelstorf-Oerrel Tel. 0 58 32/97 98 40 BÜRO UELZEN Gartenstraße 16 29525 Uelzen Tel. 05 81/97 39 20 71 Ihr Partner für alles rund um den Druck Damit unser Klima geschützt wird, drucken wir auf Wunsch CO2-neutral auf FSC®-, Recycling- und diversem anderen Papier. Zusätzlich setzen wir Bio-Farbe ein, drucken alkoholreduziert, verwenden chemielose Druckplatten und beziehen Öko-Strom. Die hohe Nachfrage nach herkömmlichen Papieren führt zu einer Suche nach umweltfreundlicheren Alternativen, wie dem Stein- oder Graspapier. Diese Papiere setzen ganz neue Maßstäbe in puncto umweltfreundliches Papier. Probieren Sie es gemeinsam mit uns aus. Wir stehen Ihnen zur Seite. Südheide-Schau MHD-Umweltsong MHD Druck und Service GmbH Harmsstraße 6, 29320 Hermannsburg Telefon: 05052 | 9125-0, Telefax: 05052 | 9125-22 info@mhd-druck.de, www.mhd-druck.de 4 Calluna Dieses Licht ... INKA LYKKA KORTH / Text / Foto W arum bloß war es früher bei Omas, Opas, Großtanten und Großonkeln immer so ungemütlich? Als Kind hätte ich die Frage nicht beantworten können, obwohl ich viel darüber nachgedacht habe. Erst die Beschäftigung mit der Fotografie brachte mich später auf des Rätsels Lösung: Es lag am Licht. Ich meine nicht das Tageslicht, das spärlich durch die gelblich grauen Stores vor den Fenstern in die Zimmer fiel, sondern die elektrische Beleuchtung, die sich damals in der Regel auf eine in der Mitte des Raumes direkt unter der Zimmerdecke angebrachte, viel zu helle Lampe beschränkte. Dank dieser Lichtquelle, die in der Regel aus einer 100-WattGlühbirne in einer gläsernen Lampenschale bestand, hatten wir, wenn wir am Esstisch saßen, alle Schatten unter den Augen – und sahen irgendwie krank aus. Am schlimmesten war es in der Küche. Dort baumelte an einer Plastikhalterung eine kreisrunde Leuchtstoffröhre. Deren Licht war so kalt und gleißend wie das der Sommersonne. Jeder halbwegs ambitionierte Hobbyfotograf weiß: Gegen Morgen und gegen Abend lassen sich bessere Fotos machen als gegen Mittag, wenn die Sonne am höchsten steht und ihr Licht quasi im rechten Winkel auf die Erde fällt. Dann wirkt alles platt, wie in eine Lichtsuppe getaucht. Diese Erkenntnis gilt allerdings nur für das Sommerhalbjahr. Jetzt im Winter scheint die Sonne auch mittags nie senkrecht von oben, und deshalb ist ein sonniger Wintertag ein Fest für jeden Fotografen. Die tief über dem Horizont stehende Sonne modelliert das Motiv, und der hohe

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WINTERIMPRESSIONEN Rotanteil, der von uns Menschen als warm und daher besonders angenehm empfunden wird, schmeichelt jedem noch so blassem Teint. Die blattlosen Baumkronen wirken im Gegenlicht wie Scherenschnitte, und wenn Bodennebel über den taufeuchten Wiesen wabert, bekommt die Landschaft etwas Märchenhaftes, Mystisches. Besonders schön ist es an Sonnentagen, die auf eine knackig kalte Nacht folgen. Dann glitzern an den Blättern und Zweigen der Sträucher und an den Grashalmen die Eiskristalle, die Kälte zwickt ein bisschen in der Nase, und bei jedem Schritt knirscht es unter den Füßen, und mit jedem Atemzug stoßen wir kleine, lustige Dampfwolken aus. Da sich trockene Kälte viel besser ertragen lässt als nasses Schmuddelwetter mit Temperaturen im einstelligen Plusbereich, und das Sonnenlicht den Winterblues wirksamer bekämpft als jede Johanniskrautkapsel, stellen sich auf einer Winterwanderung an einem sonnigen Tag fast zwangsläufig Glücksgefühle ein. Im Sommer erwarten wir, dass die Sonne den ganzen Tag scheint, aber erst jetzt im Winter, wenn die Tage kurz und die Nächte lang sind, wissen wir die wohltuende Kraft der Sonne erst richtig zu würdigen, sind dankbar für jede Sonnenstunde. Die meisten Menschen hierzulande mögen den Winter nicht, und auch ich hadere mit ihm, wenn er mal wieder wochenlang allzu grau und trüb daherkommt, aber umso größer ist die Freude über den ersten Sonnentag. Dann hält mich nichts mehr im Haus, dann schnappe ich mir die Ka- mera und nehme die Hunde an die Leine und gehe hinaus, wandere durch Wald und Wiesen. Arbeiten kann ich auch noch, wenn es draußen dunkel ist. Es soll Leute geben, die den Klimawandel insgeheim begrüßen, hoffen sie doch, dass mit ihm irgendwann der Winter ganz abgeschafft wird. Was für eine schreckliche Vorstellung! Wie abgestumpft und der Natur entfremdet muss jemand sein, der sich im Jahr 365 Sommertage wünscht. Es ist doch gerade der Wechsel der Jahreszeiten, der begeistert, und jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz, und ihr besonderes Licht. Wie für fast alles auf diesem Planeten, gilt auch für die Jahreszeiten und ihr Licht: Vielfalt ist der wahre Reichtum, und diesen Schatz sollten wir stets sorgsam hüten. ... macht den Winter so magisch Über einer Wiese am Rand des Oerreler Moores wabert Bodennebel, und die blattlosen Bäume wirken im Licht der tief stehenden Wintersonne fast wie Scherenschnitte. Calluna 5

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STREIFZÜGE Er heißt mal so, mal so und bleibt dabei doch derselbe Winterwanderung an einem Bach entlang, dessen Wasser eine weite Reise vor sich hat INKA LYKKA KORTH / Text / Fotos Der Traum: blauer Himmel über weißer Winterlandschaft. Die Realität: oben graue Suppe, unten grünbraunes Mischmasch. Statt knackiger Kälte fünf Grad plus und Nieselregen, und so richtig hell werden wird es heute wohl auch nicht mehr. Wer würde bei solchem Wetter freiwillig auch nur einen Fuß vor die Tür setzen! Tatsächlich kaum jemand, und so haben wir an solchen trüben Wintertagen die Welt da draußen fast immer ganz für uns allein. Auch an diesem Sonntag treffen wir keinen einzigen Menschen auf unserer rund zwölf Kilometer langen Wanderung entlang der Aue von Bokel nach Röhrsen und zurück, noch nicht einmal einen Jäger oder einen Landwirt. Allerdings ist das in dieser Gegend auch gar nicht so ungewöhnlich. Bokel, der Ausgangspunkt unserer Wanderung, gehört zur Gemeinde Sprakensehl, die mit 16,2 Einwohnern je Quadratmeter für deutsche Verhältnisse vergleichsweise dünn besiedelt ist. Als »roten Faden« haben wir uns für die Wanderung diesmal einen Bach ausgesucht, der im Juni 2015 traurige Berühmtheit erlangte – nahezu alle überregionalen Medien zwischen Hamburg und München berichteten darüber –, nachdem aus einer Biogasanlage in Bokel infolge eines technischen Defekts rund 5000 Liter Gärsubstrat ausgelaufen und in den Wasserkreislauf gelangt waren. Die trübe, stinkende Brühe floss in der Aue bis in den Parksee in Bad Bodenteich und ließ dort die Fische sterben und machte aus dem Seepark-Triathlon einen Dulathon, weil der Schwimmwettkampf abgesagt werden musste. Im Gegensatz zu den ökologischen Folgen war der Imageschaden für das Heidedorf Bokel, das stolz auf seine »Ilmenauquelle« ist, eher gering und auch nur von kurzer Dauer. Die Aue, die bis zur Kreisgrenze nach Uelzen gemeinhin als Bokeler Bach bezeichnet wird, entspringt westlich des Ortes in den Wiesen am Heidehof Günne, in unmittelbarer Nähe zur sagenhaften Bullenkuhle, einer unter Naturschutz stehenden, kesselartigen Geländeformation mit Moortümpel. Auf den ersten Kilometern ist der Bach grabenartig ausgebaut. Hinter der Kreisgrenze darf er sich frei bewegen und schlängelt sich, von Erlen gesäumt, als Röhrser Bach durch die Landschaft. Nachdem er Röhrsen passiert hat, wird er erneut in ein wie mit dem Lineal gezogenes Bett gepresst, darf sich dann aber nach einem abermaligen Namenswechsel – jetzt heißt er endlich Aue – wieder munter winden. Er fließt durch Bad Bodenteich und Wieren und vereinigt sich östlich von Stederdorf mit der Esterau zur Stederau, die wiederum aus dem Zusammenfluss mit der Gerdau die Ilmenau bildet, die bei Hoopte nordwestlich von Winsen/Luhe in die Elbe mündet. Der Weg des Wassers lässt sich also von der Ilmenau bis zum Quellgebiet des Bokeler Baches zurückverfolgen. Bokel besitzt somit zwar nicht die Ilmenauquelle, aber immerhin eine der beiden Quellen des größten Flusses der Lüneburger Heide. Das hat die Leute in Röhrsen jedoch nicht daran gehindert, an der Brücke über den Röhrser Bach einen Stein mit dem Namen Ilmenau aufzustellen. Aber bei einem Bach, der so häufig seinen Namen wechselt wie die Aue, kommt es auf eine Bezeichnung mehr oder weniger auch gar nicht mehr an. Hätten die Bienenbütteler ihre Samtgemeinde nicht schon Samtgemeinde Ilmenau genannt, hätten die Bodenteicher und Wrestedter, als sich sich (aus finanzieller Not) 2011 zur Samtge- meinde Aue zusammenschlossen, vielleicht den prestigeträchtigeren Namen für sich reklamiert. So ein kleiner Bach und so ein großes, breites Flusstal! An trüben, grauen Wintertagen sind die weitläufigen, grünen Wiesen beiderseits des Baches die reinsten Augenweiden. 6 Calluna

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Als Bokeler Bach mehr ein Graben, als Röhrser Bach dafür umso schöner ist die Aue, die zuweilen auch als Ilmenau bezeichnet wird. Besonders bemerkenswert auf unserer Wandertour fanden wir die Birke mit der stark zerfurchten Rinde, die verbarrikadierte Haustür in Röhrsen, den Wachholderhain am Eichhof und das ungleiche Baumtrio am Wegesrand. Wer erkennt die Stämme? Bei dem Baum links handelt es sich um eine Fichte, in der Mitte steht eine Buche und rechts daneben eine Kiefer. Calluna 7

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STREIFZÜGE Mittelstrasse 1 Neues RadKnesebeck geplant?Tel.: 05834-5261 Da hätten wir was für Sie ... Fahrräder Elektroräder aus der Saison 2016 zu Sonderpreisen Viele Neuheiten 2017 eingetroffen LLiilliieessRRääddeer rlaluafuenfeleniclhetiecrh..t.er... www.wliwliew-.klinliee-skenbeseecbke.cdke.de Kurhaus Bad Bevensen Veranstaltungen, Tagungen, Messen & Feiern Das neue Kurhaus liegt zentral neben der Jod-Sole-Therme, direkt am Kurpark. Der Neubau präsentiert sich modern, anspruchsvoll und nachhaltig und ist idealer Ort für Ihre Veranstaltung. • Großer Saal für 499 Personen mit Bühne zum Freiluftkonzert platz • 3 Seminarräume • Foyer mit Blick in den Kurpark, Infotresen, Sitzgelegeneiten und Ausstellungsfläche • Barrierefreiheit im gesamten öffentlichen Bereich Infos & Reservierungen Bad Bevensen Marketing GmbH Veranstaltungsbüro Tel.: 05 82 1 97 68 3-31 veranstaltungen@bad-bevensen.de www.bad-bevensen.de 8 Calluna Für unsere Wanderung spielt all das keine Rolle, aber wenn wir den Verlauf des Baches auf der Karte betrachten, wird deutlich, dass er Bestandteil eines großen, zusammenhängenden Gewässersystems ist und welche weitreichenden Folgen solche Unfälle wie der auf dem Gelände der Biogasanlage haben können. Wer, wie wir, aus Richtung Hankensbüttel nach Bokel kommt, biegt hinter der Biogasanlage rechts in die Straße Zum Eichhof ab. Wir lassen den Ort hinter uns und halten kurz, bevor die Straße nach rechts schwenkt, auf dem Seitenstreifen. Wacholderhain am Wegesrand Von dort gehen wir bis zur Weggabelung, an der ein Stein mit der Aufschrift »Eichhof 600 m« steht. Wir folgen nicht weiter der Straße, sondern nehmen jetzt den unbefestigten Weg, der links am Stein vorbei führt, bis zur ersten Wegkreuzung, an der wir rechts am Waldrand die Gebäude des Eichhofs sehen. Direkt an der Kreuzung, an der wir links abbiegen und ins Auetal hinuntergehen, können wir auf einer Weide einen üppigen Wacholderhain bewundern, der einen faszinierenden Anblick bietet, was man von der grabenartigen Aue nicht unbedingt behaupten kann. Kaum zu glauben, dass so ein kleiner, unscheinbarer Bach einst – die Eiszeit lässt grüßen – mit seinen Wassermassen so ein breites Tal in die Landschaft »gefräst« hat. Allein für dieses saftig grüne Bachtal mit seinen sanften Hängen und den Wacholderhain hat es sich schon gelohnt, hierher gekommen zu sein, sind wir uns einig. Oben im Wald wandern wir ein kleines Stück bis zu einer Art Doppelkreuzung – der von links kommende Querweg gabelt sich im Kreuzungsbereich – und nehmen den zweiten der beiden rechts abzweigenden Wege. Diesem Weg folgen wir durch abwechslungsreichen Wald bis nach Röhrsen. Außer zwei Gemüsegärten, in denen stattliche »Winterpalmen« (Grünkohl) wachsen, fällt uns hier eine bemerkenswerte Haustür auf: Sie ist bis in Augenhöhe zugemauert. Bei näherer Betrachtung stellen wir allerdings fest, dass die Steine nur gestapelt, aber nicht mit Mörtel miteinander verbunden sind. Kurios sieht es dennoch aus. Hinter der Bushaltestelle in der Ortsmitte biegen wir rechts ab und gehen zum Bach hinunter. Auf der linken Straßenseite befand sich früher direkt am Bach eine Wassermühle. Von der Brücke aus betrachtet, wo auch der »Ilmenau-Stein« steht, ist die Aue kaum wiederzuerkennen. Aus dem Graben ist ein hübscher, mäandrierender Bach geworden. Die Brücke bildet den Wendepunkt unserer Wanderung. Gleich hinter ihr zweigt rechts ein Weg von der Straße ab, der parallel zum Bach verläuft. Wir nehmen ihn. An einem Sammelplatz für Feldsteine steht eine Bank, die perfekt ist für eine kleine Pause mit heißem Tee aus der Thermoskanne. Dazu gibt es für uns alle ein paar Kekse – Hundekekse für die Vierbeiner, und Menschenkekse in einer veganen Variante für die Zweibeiner. Ein bisschen Blau im Himmelsgrau Gut gestärkt geht es weiter, uns siehe da: Als Belohnung dafür, dass wir alle so schön aufgegessen haben, öffnet sich der graue Vorhang am Himmel, und ein bisschen Blau blitzt hervor. Die Freude darüber währt allerdings nur kurz. Wenige Minuten später setzt erneut der Nieselregen ein. Aber das macht nichts, denn wir kommen jetzt wieder in den Wald, und zwar in einem Blaubeerwald, in dem es zu dieser Jahreszeit natürlich nichts

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OBEN Eine pittoreske Birkenallee, ein Ameisenhaufen mit Schutzgitter, eine kleine Buche im Blaubeerwald, die offenbar vergessen hat, im Herbst ihr Laub abzuwerfen. RECHTS Die Früchte des Gewöhnlichen Schneeballs (Viburnum opulus) sind nicht etwa schneeweiß, sondern rot. UNTEN Die mit Moos bewachsene Holzbank fügt sich harmonisch in die Umgebung ein, aber dennoch bevorzugen wir für unsere Pause das Modell aus Stahl und Kunststoff. Der Wegweiser ist wahrscheinlich noch älter als die verwitterte Bank. Calluna 9

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STREIFZÜGE „Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen, nicht mit den Autoreifen.“ Georges Duhamel, Schriftsteller, 1884-1966 Die 100 schönsten Wandertouren durch die östliche Südheide und die westliche Altmark in vier Bänden. Die Bände 1 und 2 sind bereits erschienen. Band 3 erscheint im Herbst 2017, Band 4 im Herbst 2018. Jeder Band im jackentaschenfreundlichen Postkartenformat mit praktischer Ringbuchbindung. Preis je Band: 8,90 Euro. Erhältlich im Buchhandel oder direkt bei Calluna. Bestellen Sie per E-Mail: buchshop@calluna-magazin.de oder telefonisch: 0 58 32/97 98 40. Wir liefern versandkostenfrei. Sie zahlen per Banküberweisung (Rechnung beiliegend). Weitere Bücher und Broschüren aus dem Calluna-Verlagsprogramm finden Sie unter www.calluna-magazin.de 10 Calluna zu ernten gibt, und hier machen sich die Baumkronen als Regenschirme nützlich. Auch auf dem Rückweg müssen wir uns nicht als Pfadfinder betätigen. Es geht immer geradeaus, und dennoch wird es nicht langweilig, da die Landschaft am Wegesrand so vielfältig ist, dass unterwegs für reichlich Abwechslung gesorgt ist. Und wir haben ja ohnehin einen Blick für die Details: hier ein pittoresk mit Moos bewachsener Baumstumpf, dort die roten Beeren des Schneeballs und ein Stück weiter eine alte Birke mit tief zerfurchter Rinde. Als die lange, gerade Wegstrecke endet und auf einen Querweg trifft, biegen wir links ab und gehen am Waldrand entlang. An der nächsten Abzweigung geht es rechts weiter. Wir sind jetzt am Rand des Schweimker Moores. Ein mit Bäumen gesäumter Weg führt durch weitläufige, feuchte Wiesen. Auf der Höhe eines Weideschuppens, der nicht, wie üblich, aus Holz, sondern aus Steinen gemauert und dennoch schon halb verfallen ist, biegen wir abermals nach rechts ab. Es geht an alten Fischteichen vorbei und über den Ahrenbach hinweg durch die Wiesen. Der Weg steigt leicht an. Am Waldrand kommen wir an der Stelle vorbei, an der einst das Forsthaus Grube stand, das bis zum 19. Jahrhundert eine wichtige Raststätte an der einst hier verlaufenden mittelalterlichen Fernhandelsstraße war (mehr darüber im Fahrradexkursionsführer »Entdeckertour« zu Kulturdenkmälern in der Samtgemeinde Hankensbüttel von Dr. Henning Tribian (Calluna-Verlag, 4,50 Euro). »Im einsamsten Winkel vom Amte Isenhagen« Die Wüstung Grube, die nur noch aus einem Steinhaufen besteht, war einst Schauplatz von Spukgeschichten. Der bis heute in Hankensbüttel verehrte Schriftsteller Karl Söhle erzählt eine davon in seinem 1918 erschienenen Buch »Schummerstunde – Bilder und Gestalten aus der Lüneburger Heide«. Im Mittelpunkt der schaurigen Erzählung »Die Grube« steht der dort tätige Förster. Faszinierend ist, wie Söhle die Landschaft beschreibt: »Im einsamsten Winkel vom Amte Isenhagen, ..., da senkt die Heide tief sich herab zu einer weitgedehnten Mulde, die Grube genannt. Ein wüster Fahrweg quält sich durch den Bleisand, auf die Stadt Uelzen zu. Nur selten ist ein Wandersmann darauf zu erblicken, noch seltener ein Gespann. ... Öde ist‘s in der Grube, gottverlassen öde. Nur der Wacholder gedeiht. Hier und da noch spärliche Siedlungen krüppelligter Zwieselfuhren, einzelne Kummerbirken, doch sonst kein grünes Laubblatt und nicht die Spur von Leben weiter ...« Hätten wir nicht zuvor die Erzählung gelesen, hätten wir diesen Ort gar nicht als schaurig empfunden. Im Gegenteil: Von der Wüstung am erhöht gelegenen Waldrand aus wirkt die Grube heutzutage alles andere als abweisend. Aber wir können uns lebhaft vorstellen, wie mühsam es für die Gespanne gewesen sein muss, sich durch den Heidesand den Hang hinaufzuquälen. Das Bild vom »Bleisand« passt durchaus. Wir gehen geradeaus weiter, bis wir wieder auf den Wacholderhain an der Wegkreuzung treffen, die wir bereits auf dem Hinweg passiert haben. Von dort brauchen wir nur noch ein paar Minuten, bis wir wieder zurück am Auto sind. Fazit: Eine landschaftlich vielfältige Tour, die bestimmt auch zu jeder anderen Jahreszeit reizvoll ist. Obwohl es zuvor reichlich geregnet hatte, waren die Wege in einem gut begehbaren Zustand. Auch mit dem Fahrrad ist die Tour zu machen, allerdings würden wir im Sommer wegen einiger sandiger Abschnitte zu Mountainbikes raten.

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Calluna-Abon- + nenten können sich bei Calluna+ – Hinweise zum Zugang auf Seite 3 dieses Heftes – eine Karte mit dem Verlauf der Tour, Höhenprofil und GPS-Daten herunterladen. Vorbei an den alten Fischteichen am Ahrenbach geht es auf der mittelalterlichen Fernhandelsstraße den Hang hinauf zur Wüstung Forsthaus Grube. Die einzigen Überreste des Forsthauses sind ein kleiner Hügel am Waldrand mit etlichen großen Feldsteinen, die möglicherweise als Fundamente dienten. Calluna 11

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STREIFZÜGE Zum vergessenen Ort am Blauen Berg Von Suderburg aus machen wir uns auf die Suche nach den Resten einer alten Segelflugzeughalle CHRISTINE KOHNKE҃LÖBERT / Text / Fotos W enn Horst und ich wandern gehen, dann gerne so, dass wir unseren Ausflug mit einem konkreten Ziel verknüpfen und wieder ein Stückchen Heimat erkunden. Dies- mal haben wir uns vorgenommen, die Reste der alten Segelflug- zeughalle am Blauen Berg bei Suderburg zu suchen, die meine Kollegin Inka Lykka Korth bereits im Rahmen der Reportage übers Geocaching im Winterheft 2012 aufgespürt hatte. Klar, ich könnte mir von der Kol- legin die Stelle im Wald zeigen lassen oder sie um die GPS-Koordinaten bitten, habe aber den Ehr- geiz, diese ohne Hilfe und ohne technische Un- terstützung zu finden, denn das macht die Suche spannender. Nicht weit vom Jeduttenstein sollen die Hallenreste liegen, am Wegesrand, parallel zum Bodenteicher Weg. Das ist schon mal ein Die Autorin und Momo guter Hinweis, den ich vom Tourismusverein Su- auf Spurensuche. derburger Land erhalten habe. Der Bodenteicher Weg führt direkt auf den Blauen Berg hinauf, er verband früher die Orte Bodenteich und Nienwohlde und ver- lief an Suderburg vorbei über Böddenstedt in Richtung Soltau. Ge- nutzt wurde er von den Anwohnern der Region, eine überregionale Bedeutung ist aber nicht überliefert. Direkt am Bodenteicher Weg steht der Jeduttenstein – und den kennen wir. Eine Sage aus alter Zeit erzählt, dass der Heidekönig, der auf der Suderburger Burg lebte, sich vor dem Ansturm seiner Feinde nicht mehr zu retten wusste. Um seiner Tochter, einer wunderschönen Prinzessin, das Leben zu retten, schloss er sie in einen großen Findling ein – den Jeduttenstein. Einst werde ein Jüngling aus königlichem Geschlech- te kommen und ihm werde es gelingen, mit dem Schlag einer Gerte den Stein zu öffnen und das schlummernde Königskind zu erwe- cken. Dann werde das Paar den Thron des alten Heidekönigs be- steigen und über das weite Heideland regieren. Leider glaubten die Menschen später nicht mehr daran. Der große Findling auf dem Blauen Berg wurde 1848 gesprengt und als Bau- material für die Eisenbahnbrücke bei Bevensen-Medingen verwen- det. Sein kleiner Bruder aber liegt noch heute auf dem Blauen Berg. Den Jeduttenstein haben wir schon erkundet, da müssten wir die Reste der alten Segelflugzeughalle eigentlich leicht finden. Meinen wir. Horst zieht trotzdem lieber noch den kleinen Wanderführer durch das Suderburger Land zu Rate. Der Suderburger Ortschro- nist Rolf Hillmer hat hier in einer wahren Fleißarbeit unglaublich viele Informationen über das Suderburger Land zusammengetra- gen. Seine Karten konnten damals in den 1980er Jahren allerdings nur stark verkleinert ausgedruckt werden. Deshalb machen wir uns auch noch einen Punkt auf unserer neuesten Wanderkarte und füh- len uns gut ausgestattet. Momo kommt auch mit. Eiszeitliche Endmoräne Wir starten in Suderburg am Schweinsmoorweg in Richtung der sanften Hügellandschaft zwischen Suderburg und Wrestedt. Sie markiert den Randbereich des Eispanzers der Saale-Eiszeit, der vor rund 200.000 Jahren unsere Region bedeckte. Vor sich her scho- ben die Eismassen jede Menge Sand, Steine und Geröll – den Endmoränenzug, als dessen Teil wir heute den Blauen Berg, den Hornberg oder auch den Hundebornsberg kennen. Rechterhand liegt die 1000 Jahre alte Suderburger Kirche mit dem markanten runden Findlingsturm, der einmal ein Bergfried gewesen sein soll. Nebenan verläuft der kleine Schweinebach, der nicht weit von hier in die Hardau mündet. Eine wunderschöne lichte Birkenallee führt in das Waldgebiet, das die Hügelkette heute prägt. Vor noch nicht allzu langer Zeit sah es hier allerdings ganz anders aus, statt des lichten Waldbestandes, der heute beidseitig von Ackerflächen gerahmt wird, erstreckten sich endlose Heideflächen. Wir biegen nach links ab in Richtung Hornberg. »Irgendwo hier muss eine einzeln stehende Linde sein«, meint Horst, davon sehen wir aber erst einmal nichts, dafür kommen wir an einer Teichlandschaft vorbei. Hier wurde der Schweinebach aufgestaut, um Fischteiche anzulegen. Eine dünne, glitzernde Eisschicht bedeckt die Wasserfläche, in deren Mitte eine kleine Insel liegt. Zierliche Birken winken zu uns hinüber. Wir folgen dem hohen Dammweg durch die Niederung und steuern direkt auf eine Sandkuhle zu. Drinnen ragt ein blaues Fass aus dem Boden und macht den Eindruck friedlicher Natur ein gut Teil zunichte. Die freiliegende Sandkante lässt uns vermuten, dass hier auch in jüngerer Zeit noch Sand entnommen wurde und sie zeigt uns, worauf wir herumwandern: feiner gelber Sand, den die Eismassen hergebracht haben. Ein nachträglicher Blick auf die Karte verrät uns, dass es sich bei der langgestreckten Kuhle vermutlich um die alte »Mergelkuhle bei Döhrmanns Schafstall« handelt. Vom Schafstall ist jedoch keine Spur mehr zu finden. »Suderburger Schweiz« Wir wenden uns nach rechts und steigen bergan. »Hier ist es ja so schön, man könnte fast von der Suderburger Schweiz sprechen«, meint Horst. Entlang der Waldkante geht es hinauf. Unterwegs müssen wir viele abgebrochene Äste umrunden, die noch vom Schneefall zeugen, der uns im November überrascht hat. Horst hält immer noch Ausschau nach der einzeln stehenden Linde, deshalb halten wir uns erst einmal an den Waldrand – und da entdecken wir sie. Der Baumsolitär, ein Naturdenkmal, steht mitten auf dem Acker, seine Äste haben eine perfekt ovale Form ausgebildet. Sie steht voll im Herbstlaub, so als hätte der Winter in diesem Jahr noch keinen eisigen Gruß geschickt. Am Fuße des Baumes steht ein heruntergekommener Ansitz, den Momo unbedingt untersuchen möchte. Deshalb machen wir uns auf den Weg über den Acker, dessen Gründünger einen intensiven Kohlgeruch verbreitet. Momos Hundenase scheint das aber nichts auszumachen. An der Linde angekommen schenkt uns die Sonne einen wunderbar warmen Moment, und wir fühlen uns ein bisschen wie im Spätsommer. Wo ist aber nun die Ruine der Segelflughalle? Horst steigt auf einen Hochsitz am Waldrand und hält Ausschau. Fehlanzeige, das hätten wir uns auch denken können. Wir gehen zurück in den Wald und halten auf den Alten Bodenteicher Weg zu. Die Strecke ist hier ziemlich holperig und per Fahrrad sollte man sich lieber nicht auf den Weg machen. Linkerhand fällt das Gelände ab und Horst entdeckt eine alte blaue Emaillekanne, die unter dem Laub hervorlugt. Unser Forschergeist 12 Calluna

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Von der Suderburger Kirche aus geht es vorbei an den Fischteichen am aufgestauten Schweinebach zum Blauen Berg. Unterwegs kommen wir an einer alten Mergelkuhle und an der früheren Müllkuhle vorbei, in der wir einen rostigen Eimer entdecken. Wir freuen uns über die in der Sonne glitzernden Eiskristalle an den Pflanzen, und am Waldrand bewundern wir die einzeln stehende Linde. Horst steigt auf einen Hochsitz und hält Ausschau. Momo bleibt lieber unten und schnuppert. Calluna 13

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14 Calluna STREIFZÜGE ist geweckt, und während ich ein altes Einmachglas begutachte, zieht Horst einen rostigen Eimer hervor. Wir haben also die alte Müllkuhle von Suderburg entdeckt. Na, wenigstens etwas. Nun wird es auch langsam düster. Wir machen uns auf den Heimweg, aber ich bin frustriert. Zuhause greife ich nach dem Telefon, kann meine Freundin Martina vom Tourismusverein aber nicht erreichen. Also rufe ich einen Ratskollegen an, von dem ich weiß, dass er sich in der Gegend gut auskennt: Götz Schimmack. »Wissen Sie, wo die alte Segelflughalle stand?«, frage ich ihn. Er überlegt ein bisschen. »Ja, aber da war ich lange nicht mehr.« »Können Sie mir zeigen, wo das ist?« »Ja, klar.« »Geht es auch schon morgen?« »Ja, ich glaube, das passt.« Moosbewachsene Mauerreste Wir treffen uns an der Suderburger Kirche und starten, diesmal fahren wir ein gutes Stück heran. »Ist es dieser Weg oder der nächste?« Ich bin schon leicht besorgt, denn auch Götz Schimmack muss überlegen. Schließlich schlägt er zielgerichtet einen großen Waldweg ein, der wie eine breite Schneise zwischen den reifbedeckten Bäumen liegt. Und dann sehen wir sie: Moosbewachsene Mauerreste umgeben eine etwa 15 mal 20 Meter große Fläche. An vielen Stellen ist das Mauerwerk geborsten. Es umfasst eine ebene Betonplatte, die inzwischen gänzlich von Moos und kurzen Gräsern überwachsen ist. Ein umgefallener Baum klammert seine Äste an den Mauerrand, auf dem Moos glitzern Eiskristalle. Wir haben unseren »vergessenen Ort« gefunden! Und Götz Schimmack spürt sogar den Geocache auf, den wir bereits aus dem Winterheft 2012 kennen. Wo einst Heide war, ist jetzt Wald Die Suderburger Ortschronik von Rolf Hillmer lässt uns wissen, dass es sich bei der Anlage um Reste einer Segelflugzeughalle handelt, die im September 1936 eingeweiht wurde und sechs bis acht Flugzeugen Platz bot. Im Frühjahr 1936 hatte die Ortsgruppe Uelzen des Deutschen Luftsportverbandes hier einen Flugplatz für Segelflugzeuge eröffnet, nachdem sich andere Übungsfelder bei Molzen, Verßen und Oldenstadt als ungeeignet erwiesen hatten. Der Hang des Blauen Berges dagegen bot ideale Bedingungen für den Segelflugsport, denn dort, wo sich heute ein dichter Kiefernbestand die Hangfläche hinunterzieht, lag damals eine offene Heidefläche. Die »Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide« hatte im August und September 1936 über den Bau der Flughalle und den seit dem Frühjahr herrschenden Flugbetrieb am Blauen Berg berichtet. Wie lange die Halle benutzt wurde, wissen wir nicht. Aber die hochgewachsenen Bäume lassen vermuten, dass die Segelfliegerei hier nur eine kurze Episode war und mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs endete. Heute sind die Reste der Flugzeughalle ein »vergessener Ort« – wir verzichten hier lieber auf den geläufigen Pseudoanglizismus »lost place« –, und, wie wir feststellen mussten, ohne GPS-Daten oder einen ortskundigen Führer gar nicht so leicht zu finden. LITERATUR · Rolf Hillmer, „Geschichte der Gemeinde Suderburg“, Becker Verlag Uelzen, 1986 · Ulrich Brohm und Sigrid Vierck, „125 Jahre Landkreis Uelzen“, Landkreis Uelzen, Kreisarchiv, Uelzen, 2010 +

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Götz Schimmack hat uns zu den mit Moos bewachsenen Fundamenten der Segelflugzeughalle geführt – ein vergessener Ort mit einer besonderen Atmosphäre. Heute könnte von dort kein Flieger mehr starten, denn die einstigen offenen Heideflächen an den Hängen des Blauen Berges sind mittlerweile bewaldet. Calluna 15

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