Mensch und Mund 4/2016

 

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Das gesunde Frühstück

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4. Jahrgang · Ausgabe 4/2016 Mensch & Mund Ganzheitliche ZahnMedizin für interessierte Patienten Bildquelle: Fotolia©ManEtli Das gesunde Frühstück 1

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Mensch & Mund Das Frühstück – so gesund und so wichtig Eigentlich ist die Sache ganz einleuchtend: Wer erfolgreich ins Ziel kommen will, muss erst einmal gut starten. Im übertragenen Sinn bedeutet das: Wer tagsüber leistungsfähig sein möchte, braucht ein gutes Frühstück am Morgen. Ganz besonders gilt das für Kinder. Und je jünger sie sind, desto wichtiger ist es. Grafik Biber Studio Das jedenfalls ist das Ergebnis zahlreicher Studien zu Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Ernährungsverhalten von Schulkindern. So untersuchen beispielsweise die Wissenschaftler des Instituts für Bewegungswissenschaften an der ETH Zürich seit mehreren Jahren den Zusammenhang zwischen den Frühstücksgewohnheiten von Schülerinnen und Schülern und ihren Leistungen in Sporttests. Das gesunde Frühstück bringt nur Vorteile Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Kinder, die regelmäßig frühstücken, erzielten bei drei von fünf Motoriktests bessere Resultate als solche, die das Frühstück ausließen. Außerdem – und das mag auf den ersten Blick überraschen – hatten die Kinder mit Frühstück einen deutlich niedrigeren Body Mass Index (BMI) als die Kinder, die bloß manchmal, nur am Wochenende oder fast nie zuhause frühstücken. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig gute Ernährungsgewohnheiten sind, damit Kinder ihre besten Leistungen erzielen, sich gesund entwickeln, gerne bewegen und erst gar nicht übergewichtig werden. Konzentration und geistige Leistungsfähigkeit profitieren also vom regelmäßigen Frühstück. Das ist durchaus plausibel, wenn man sich vor Augen führt, wie viel Energie das Denken verbraucht. So macht zwar beim erwachsenen Menschen das Gehirn nur ungefähr 2 % der Körpermasse aus, es verbraucht aber rund 20 % der Energie! Und bei Schulkindern, de- ren Gehirn durch alle neuen Reize der Umwelt und den ganzen Lernstoff in der Schule von morgens bis abends ständig gefordert ist, ist dies natürlich umso mehr der Fall. Ernährung und gesunde Zähne Eine noch unmittelbarere Beziehung besteht zwischen den Ernährungsgewohnheiten und gesunden Zähnen. Auch hier haben Schulkinder ganz besondere Aufmerksamkeit verdient. Das erste Frühstück zuhause ist oft süß. Deshalb ist das anschließende Zähneputzen im Interesse der Zahngesundheit sehr wichtig, denn dadurch lässt sich auch ein süßes Frühstück in gewisser Weise kompensieren. Honig oder Marmelade, Nussaufstrich oder Cornflakes enthalten nämlich viel Zucker – nicht zuletzt deshalb sind sie bei Kindern so beliebt. 2 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2016

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MMeennsscchh&&MMuunndd Angriffe durch Zucker und Säure Zucker im Essen und Trinken begünstigt leider das Wachstum von Bakterien, die Karies hervorrufen – die gefürchteten Löcher im Zahn. Weniger bekannt – aber potenziell ebenso folgenreich für die Zähne – ist die Einwirkung von Säure. Sie kann zur Erosion des Zahnschmelzes führen: Der Zahn wird empfindlich und angreifbar für weitergehende Beschädigungen. Gefährlich wird es für den Zahn bei vier oder mehr Säureeinwirkungen pro Tag. Falsches Zähneputzen („Schrubben“) und Zahncreme mit Schmirgelwirkung (Aufheller, Zahnweiß) verstärken diesen negativen Effekt noch. Auch sollte man nach Säureeinwirkung auf die Zähne (also nachdem man z. B. eine Orange gegessen oder Orangensaft getrunken hat) 10 bis 20 Minuten mit dem Zähneputzen warten – und dann nicht zu fest schrubben, damit der Zahnschmelz nicht geschädigt wird. Der„zuckerfreie Vormittag“ Was aber passiert im Verlauf des restlichen Tages? Wenn Kinder in der Schule sind, haben sie meistens weder die Möglichkeit noch das Interesse, sich die Zähne zu putzen. Umso wichtiger ist es also, den Kontakt mit Zucker und Säuren möglichst gering zu halten. Eine beachtenswerte Initiative in dieser Richtung ist der „zuckerfreie Vormittag“. Die Idee dahinter ist überzeugend: Die Kinder sollen in der Schule möglichst wenig Kontakt mit Zucker haben, damit ihre Zähne erst gar nicht in Gefahr geraten, von kariesbildenden Bakterien angegriffen zu werden. Gleichzeitig geht es darum, dass die Schulkinder tagsüber möglichst nur solche Lebensmittel zu sich nehmen, die sie nachhaltig mit der Energie versorgen, die sie für die Schule brauchen. Zuckerfrei: gut für die Zähne, gut für die Konzentration Zuckerhaltige Lebensmittel geben oft nur einen schnellen, kurzen Energieschub, der nicht lange vorhält. Besser ist es, den Vormittag über solche Lebensmittel zu essen, die naturbelassen sind und bei denen die Kinder viel kauen müssen. Gemüse, frisches Obst und Vollkornprodukte enthalten viele wertvolle Nährstoffe und geben lang anhaltende Energie. Weil sie kräftig gekaut werden müssen, regen sie obendrein den Speichelfluss an. Der Speichel spült, repariert, härtet die Zähne und schützt damit Zähne und Zahnfleisch. Außerdem ist Kauen wichtig für den ganzen Körper – gut gekaute Speisen sind leichter verdaulich, und gerade für Kinder ist eine gut entwickelte Kaumuskulatur eine Voraussetzung für gute Sprachentwicklung. Konzentrieren können sich Kinder nur dann, wenn sie genügend Flüssigkeit trinken, idealerweise ohne Zucker, also Wasser/Mineralwasser oder ungesüßten Tee. Begleitend bewährt sich deshalb auch die Einrichtung einer Wasserbar in der Klasse. Dort steht dann immer Wasser/Mineralwasser bereit, damit die Kinder ihren Durst auf gesunde und zahnschonende Weise löschen können. Menge und Qualität des Speichels haben großen Einfluss auf die Zahngesundheit. Sprechen Sie darüber mit der Zahnärztin/dem Zahnarzt Ihres Kindes! Schlauer dank Klassenfrühstück? In einer Pilotstudie in Dreieich (Hessen) wurde ein gemeinsames Klassenfrühstück eingeführt, und die Schülerinnen und Schüler bekamen die Erlaubnis, während des Unterrichtes zu trinken. Mit deutlich positiven Auswirkungen: Die beiden Parameter IVG (Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit) und GWG (Gegenwartsdauer) wurden signifikant verbessert, der IQ der Kinder stieg um 10 Punkte! Quelle: Günter Wagner; Schulverpflegung und mentale Leistungsfähigkeit; Ernährung und Medizin 2009; 24:197– 199 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2016 3

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Mensch & Mund Das gemeinsame Schulfrühstück Am wirksamsten lässt dich der „zuckerfreie Vormittag“ einführen und durchhalten, wenn er als gemeinsames Klassenfrühstück (oder sogar Schulfrühstück) durchgeführt wird. Die Schülerinnen und Schüler nehmen ihr zweites Frühstück gemeinsam mit ihrer Lehrerin oder ihrem Lehrer ein und werden dabei dazu angehalten, auf Zucker zu verzichten. Das Schöne am zuckerfreien Vormittag: Man muss Zucker nicht komplett verbieten. Ein solches Verbot wäre in der Realität gar nicht durchzusetzen, die Kinder würden Wege finden, es zu umgehen. Viel wichtiger ist es, gutes Verhalten vorzuleben und einzuüben. Und dazu bietet der zuckerfreie Vormittag gute Gelegenheit (s. Tabelle). In den Schulen, die es eingeführt haben, bewährt sich das gemeinsame Klassenfrühstück unbedingt. In der extra Ess- Pause essen die Kinder in Ruhe ihr zweites Frühstück. Im Anschluss geht es auf den Schulhof in die Bewegungspause. Zusätzlich zur Besinnung auf das Essen lernen die Kinder obendrein, was alles ein gesundes Frühstück ausmachen kann. Sie sehen, was andere Kinder mitbringen, können neue Lebensmittel entdecken, nachmachen, tauschen oder selbst etwas abgeben. Das Frühstück in der Gruppe stärkt außerdem die Klassengemeinschaft. So wird das tägliche Frühstück schnell zu einer lieb gewonnenen Gewohnheit. Essen ist Gewohnheit Die Bedeutung von Gewohnheiten beim Essen kann nicht hoch genug bewertet werden. Bei Jugendlichen ist das Essverhalten weitgehend durch Gewohnheiten bestimmt und unreflektiert, bei jüngeren Schulkindern gilt das noch verstärkt. Mit zunehmendem Alter der Kinder nimmt der Einfluss des Elternhauses ab, das zeigt sich dann leider in einem Trend weg vom gesunden ersten Frühstück zuhause und hin zu mehr Süßgetränken pro Tag. So dokumentiert es die Studie „Kiggs“ (Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) des Robert Koch Instituts. Im Jahr 2013 bekamen demnach fast 90 % der 3- bis 6-Jährigen ein erstes Frühstück zuhause, aber nur noch 53 % der 14- bis 17-Jährigen. Hinzu kommt: Nicht jedes Elternhaus setzt Tabelle der empfohlenen Lebensmittel für das Frühstück in der Schule Lebensmittelgruppe Lebensmittelauswahl Getränke Trinkwasser/Mineralwasser Ungesüßte Kräuter- und Früchtetees Brot, Getreideprodukte Bei Brot und Brötchen werden mind. 50 % in Form von Vollkornprodukten angeboten Zuckerfreie Müslimischungen ( z. B. Getreideflocken, Sesam, Leinsamen, gehackte Nüsse), am besten mit Obst Obst und Gemüse Basis „5 am Tag“ www.5amtag.de Regionale und saisonale Produkte sind zu bevorzugen Ansprechendes Angebot als Fruchtspieße oder Obstsalat Angebot an Gemüse als Rohkost (z. B. in Stifte oder Scheiben geschnittene Möhren, Paprika usw. mit Quarkdip oder als Belag) Milch- und Milchprodukte Frischmilch (keine zuckerhaltigen Kakaogetränke) Naturjoghurt und Quark mit frischen Früchten oder Tiefkühlobst ohne Zuckerzusatz Käse (keine Schmelzkäsezubereitungen) Fleisch- und Wurstwaren Geflügel- oder Bratenaufschnitt, magerer Schinken als Belag auf Brote Passt ein Apfel zum „zuckerfreien Vormittag“? Bei Vollkornbrötchen, Tomaten und Gurken ist die Sache klar, aber wie steht’s zum Beispiel mit einem Apfel – der enthält doch auch Zucker? Trotzdem stört ein Apfel den zuckerfreien Vormittag nicht. Denn Äpfel muss man gründlich kauen, und durch das Kauen wird mehr und höherwertiger Speichel gebildet, der die Zähne vor dem Fruchtzucker des Apfels schützt. Ganz anders sieht die Sache übrigens mit fertiger Apfelschorle aus. Schon eine 0,33-Liter-Flasche enthält im Durchschnitt 19 g Zucker, und dieser Zucker kann die Zähne direkt angreifen, weil das Kauen und damit die Schutzwirkung des Speichels wegfällt. Außerdem wird Apfelschorle oft in kleinen Schlucken getrunken, und jeder Schluck ist ein Zuckerimpuls, der den Zahn angreifen kann. 4 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2016

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MMeennsscchh&&MMuunndd von sich aus die richtigen Akzente. Das betrifft keineswegs nur die viel zitierten „bildungsfernen Schichten“. Der Bundesfamilienbericht beobachtet gerade in Familien mit größeren finanziellen und zeitlichen Ressourcen die Tendenz, Kinder von der Hausarbeit zu befreien. Eltern legen dort oft mehr Wert auf eine Orientierung in Richtung Studium/Beruf als auf Hausund Familienarbeit. Entsprechend gering ist oft das Interesse der Jugendlichen an dieser Betätigung, und entsprechend wenig Erfahrungen und Kompetenzen erwerben sie zuhause bei so grundlegenden Dingen wie gesunder Ernährung. Schule als Trendsetter Es ist eine wichtige Chance für die Schule, hier positive Impulse zu setzen und gute Gewohnheiten einzuüben – am besten natürlich gemeinsam mit den Eltern. Denn wenn die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternschaft gut funktioniert, lassen sich viele gute Ideen in die Tat umsetzen – wie das gemeinsame Schulfrühstück. Zusätzliche Angebote der Schule Das Schulfrühstück ist für sich genommen schon eine sehr nützliche Initiative, und die gute Wirkung lässt sich noch verstärken: über die Anknüpfung von Unterrichtsthemen bis hin zu Projekttagen und Projektwochen. Selbst bei Schulfesten und Sportveranstaltungen kann man den Schwerpunkt sinnvoll verändern – es muss eben nicht immer nur Würstchen und Limonade sein, sondern man kann beim Ausprobieren von gesunden Lebensmitteln und zuckerfreien Getränken viel mehr Abwechslung in den Alltag bringen. Selbst im Schulkiosk kann das Angebot an Lebensmitteln und Getränken auf diese Weise ergänzt und bereichert werden. Dabei sollte gelten, dass zuckerhaltige Lebensmittel erst nachmittags verkauft werden – vormittags gibt es dann gemäß dem Gesamtkonzept keine zuckerhaltigen Limonaden oder Süßigkeiten, wohl aber Milch, frisches Obst und Vollkornprodukte. Frühstück ist durch nichts zu ersetzen Ein gesundes erstes Frühstück zuhause und ein ebenso gesundes zweites Frühstück in der Schule ist durch nichts zu ersetzen – zu groß sind die Vorteile auf allen Ebenen, von der schulischen Leistungsfähigkeit über die optimale Entwicklung von Sprache, Lernen und Bewegung bis hin zu gesunden Zähnen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind mit einem (zahn-) gesunden Frühstück in den Tag startet – und im Leben erfolgreich ist! Übrigens: Auch dieses Thema können Sie natürlich gerne mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt besprechen. Zahngesundheit und Gesundheit im Allgemein sind nicht voneinander zu trennen – und es gibt in diesem Bereich viele Impulse, die Sie für sich und Ihr Kind nutzen können. Ludwig Fiebig GZM – Sicherheit durch gezielte Qualitätsorientierung Die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) fördert die Kooperation zwischen Zahn-Medizin und Medizin und setzt sich stark für die Realisierung regionaler Netzwerke ein. Dazu organisiert und veranstaltet die GZM regelmäßig internationale Symposien und Kongresse. Die GZM fördert intensiv die Erforschung ergänzender Diagnose- und Therapiekonzepte und arbeitet aktiv daran mit. Qualifizierte Mitglieder der GZM haben eine umfangreiche Weiterbildung in verschiedenen Diagnose- und Therapieverfahren absolviert und sich einer Prüfung unterzogen. Eine Liste der Qualifizierten GZM-Mitglieder nach PLZ-Bereichen finden Sie im Internet unter www.gzm.org Wenn Sie 2,80 € in Briefmarken an die Geschäftsstelle schicken, erhalten Sie die Liste gerne auch per Post zugesandt. Dort sind auch weitere Broschüren zu verschiedenen Themen sowie Infopakete erhältlich. Bitte schreiben Sie an: Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin e.V. Kloppenheimer Str. 10 68239 Mannheim Tel.: +49 (0)621 48179730 Fax: +49 (0)621 473949 E-Mail: gzm@gzm.org www.gzm.org Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2016 5

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Mensch & Mund Yoga bei psychischen Störungen In einer Analyse werteten Jenaer Psychologen Studien zur Wirksamkeit von körperorientiertem Yoga bei psychischen Störungen aus. Ihr Fazit: Mit Atem- und Körperübungen als zentrale Bestandteile stellt diese Form von Yoga einen vielversprechenden ergänzenden Ansatz in der Behandlung psychischer Störungen dar. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Yoga ist eine weit verbreitete Freizeitaktivität und gilt damit als niedrigschwelliger, gut akzeptierter Therapieansatz. Es ist kostengünstig und hat kaum Risiken oder Nebenwirkungen – aber wirkt es auch? Bei körperlichen Beschwerden, z. B. bei chronischen Schmerzen und bei HerzKreislauf-Erkrankungen ist der positive Effekt von Yoga gut belegt. Wie wirksam körperorientiertes Yoga in der Behandlung psychischer Störungen ist, haben Psychologen des Universitätsklinikums und der Friedrich-Schiller-Universität Jena in einer Metaanalyse untersucht. In diesen Untersuchungen wurde Yoga zur Behandlung verschiedener psychischer Störungen eingesetzt: Ein großer Teil der Studien betrachtete Patienten mit Schizophrenien und Depressionen, aber auch bei Substanzabhängigkeiten, Angst- und anderen Störungen absolvierten die Probanden Yoga-Übungen – immer in Gruppen und unter Anleitung eines Yoga-Lehrers. Meist erfolgte das Training ergänzend zu einer medikamentösen Behandlung, die teilweise auch von anderen therapeutischen Interventionen begleitet wurde. Doch gab es auch Studien mit Yoga als alleinige Therapie. Die Kontrollgruppen erfuh- ren meist keine zusätzliche Behandlung, in einigen Studien wurde das Yoga mit Sport, Aufmerksamkeitskontrolle oder Psychotherapie verglichen. Insgesamt zeigte sich ein signifikanter Effekt von Yoga, was die Linderung der Symptome der betrachteten Störungen anbetrifft. Im Vergleich mit Sport oder Aufmerksamkeitskontrolle erwies sich Yoga als leicht effektiver. Als Ergänzung zu einer medikamentösen Behandlung war Yoga etwa genauso wirksam wie eine psychotherapeutische Standardbehandlung. Quelle: idw Bildquelle: wikipedia/Zach Dischner 6 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2016

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MMeennsscchh&&MMuunndd Chronische Schmerzen durch frühe Therapie verhindern Chronischer Schmerz ist eine eigenständige Erkrankung. Etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland leben mit dauerhaften Schmerzen, die sie in ihrem Alltag und Beruf stark beeinträchtigen. Schmerz gilt als ein Symptom das „Gefahr“ signalisiert, beispielsweise bei einer Verletzung. Er ist akut, tritt also plötzlich auf und lässt nach oder verschwindet, sobald die Ursache erkannt und behandelt worden ist. Dem gegenüber sind chronische Schmerzen ein eigenes Krankheitsbild mit vielen verschiedenen Ursachen. Weit verbreitet sind beispielsweise chronische Rückenschmerzen. Bei nur zehn Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen können klare körperliche Ursache als Auslöser feststellt werden. Ähnlich ist es bei Kopf- und Gelenkschmerzen und auch bei Schmerzen nach Operationen. Das Problem ist, dass manche Patienten den Schmerz anfangs als begleitendes Übel akzeptieren und dieser dann unzureichend therapiert wird. Bereits das kann die Chronifizierung auslösen. Aber nicht nur die „Abwartehaltung“ der Patienten kann ein Grund sein, dass Schmerzen chronisch werden. Chronifizierungsanzeichen bei Akut-Schmerzpatienten werden oftmals nicht erkannt. Risikopatienten für eine Chronifizierung müssen frühzeitig bei Auftreten bestimmter Risikofaktoren „herausgefischt“ werden. Bei Patienten mit Rückenschmerzen gehören dazu beispielsweise psychische Faktoren wie Depressivität oder berufliche Faktoren wie körperliche Schwerarbeit oder Verlust des Arbeitsplatzes. Der Erfolg – also das Vermeiden der Chronifizierung – ist davon abhängig, wie früh eine effektive Therapie eingeleitet wird. Zu einem wirkungsvollen Schmerzmanagement gehört heutzutage weit mehr als eine Medikamentengabe. Durch Physiotherapie, psychologische Beratung und Entspannungstechniken kann ein interprofessionelles Team dem Risikopatienten helfen, eine Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern. Quelle: www.dgss.org Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2016 7

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Mensch & Mund „Winter-Blues“ oder mehr? Diabetes und Depressionen treten häufig gemeinsam auf Vielen Menschen schlagen die dunklen und trüben Herbst- und Wintertage auf das Gemüt. Bei Menschen mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes kann jedoch auch eine Depression der Grund für Niedergeschlagenheit sein. Jeder achte Mensch mit Diabetes leidet an einer Depression, bei jedem fünften Patienten liegt eine erhöhte Depressivität vor. Umgekehrt haben stoffwechselgesunde Menschen mit einer Depression auch ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2. Beide Erkrankungen werden jedoch häufig erst spät erkannt. Dies kann den Erfolg einer Diabetestherapie gefährden. Betroffene sollten daher ihren behandelnden Arzt auf ihr Befinden ansprechen und sich behandeln lassen, empfiehlt diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Denn eine Therapie kann sowohl die Lebensqualität als auch die Prognose einer Diabeteserkrankung verbessern. Eine erhöhte Depressivität wie auch klinische Depressionen seien sowohl ein körperliches als auch ein seelisches Problem, so erklärt Dr. phil. Dipl. Psych. Berthold Maier vom Diabetes Zentrum Mergentheim: „Depressionen können sich auf eine sehr unterschiedliche Art und Weise äußern. Neben tiefer Niedergeschlagenheit, Mut- und Hoffnungslosigkeit leiden Betroffene häufig auch unter Angstgefühlen sowie Schlafstörungen oder körperlichen Schmerzen“. Um bei Menschen mit Diabetes schlechte Blutzuckerwerte und Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist es wichtig, sowohl eine erhöhte Depressivität als auch eine Depression früh zu erkennen und zu behandeln. Rechtzeitig festgestellt, seien Depressionen gut behandelbar, betont Berthold Maier: „Antidepressiva, Verhaltenstherapie oder eine Kombination aus beidem kommen dabei zum Einsatz“. Die Verhaltenstherapie helfe Betroffenen, ihre Erkrankung besser zu akzeptieren und das Selbstmanagement der DiabetesTherapie zu verbessern. Diabetes-Patienten mit entsprechenden Symptomen sollten daher mit ihrem Arzt sprechen, ob bei ihnen eine Depression vorliegen könnte. Umgekehrt haben Menschen mit einer Depression ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Sie wiederum sollten sich auch auf Diabetes untersuchen lassen. Eine Liste der „Fachpsychologen Diabetes“, die von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) anerkannt sind, können Betroffene im Internet unter www.diabetes-psychologie.de abrufen. Quelle: diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe Bildquelle: wikipedia/Richardfabi 8 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2016

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