Willich erleben - Ausgabe 06/2016

 

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Willich erleben - Ausgabe 06/2016

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6 6 | 2016 Jetzt kostenlos mitnehmen! WILLIeCrlHebenWillich, Anrath, Schiefbahn & Neersen

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#ichauch Johanna (90) Cora (36) Jaro (19) ERFOLGJEDEHRAT EINE GESCHICHTE ... DEINE GESCHICHTE BEGINNT JETZT! www.deutschland-trainiert.de/erfolg VEREINBAREN SIE JETZT IHR PERSÖNLICHES BERATUNGSGESPRÄCH! Halle 22 Fitness & Gesundheit e.K. ● Schmelzerstraße 5 (im Stahlwerk Becker) 47877 Willich ● Telefon: 02154/88660 ● www.halle22.de

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// Willich erleben Liebe Leserinnen und Leser, Was war das für ein Jahr – rasant, schnell, mit vielen guten aber auch weniger guten Nachrichten. Für uns, dem Team von Willich erleben war es ein besonderes Jahr und eine neue Herausforderung: Das neue Magazin, eine eigene APP und eine erfolgreiche Erweiterung der Internetseite. All das wäre aber nicht möglich gewesen, wenn wir nicht Sie als unsere Leser und User gehabt hätten. Wir hoffen und wünschen uns, dass Sie uns auch im neuen Jahr treu bleiben. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen, die uns unterstützt haben. Im nächsten Jahr wird unser Magazin wieder sechs Mal erscheinen, dazu arbeiten wir aktuell schon an einer Ausweitung. In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen das Buch „Die Geschichte der Juden in Willich“ von den Autoren Bernd-Dieter Röhrscheid und Udo Holzenthal vor. Ebenso haben wir ein interessantes Gespräch mit Pfarrer Rolf Klein geführt, der uns seine Gedanken zu Weihnachten erzählt hat. Dazu haben wir auf Seite 33 alle Gottesdienst-Termine an Heiligabend für Sie zusammen­ gestellt. Natürlich gibt es wieder Neuigkeiten aus Kultur- und Sportvereinen sowie die beliebten Tipps vom Rechtsanwalt Bernhard Kinold, Reisebüro Olaf Krüger, den Gartentipp von Gärtnermeister Jan Hartfiel oder den Tierarzt-R­ at von Dr. Jean-Michel Muller. Wenn Sie auch ein Thema haben, treten Sie einfach mit uns in Kontakt. Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder Ihre E-Mail. Wir präsentieren in „Willich erleben – Das Magazin“ das „Willicher Leben“ in all seinen Facetten! Viel Spaß beim Lesen des Magazins und ein Tipp: Besuchen Sie uns auf www.willicherleben.de. Wir wünschen Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes neues Jahr. Nadia Joppen & Wolfgang Dille Herausgeber Inhaltsverzeichnis // Willicher Leben 6 10// Kultur erleben 12// Willicher Leben 15// Musik erleben Gedanken zu Weihnachten 20// Geschichte erleben Kulturprogramm 2017 22// Vereine erleben Die Geschichte der Juden in Willich 32// Willicher Leben 90er Jahre Party im Stahlwerk 33// Willicher Leben Schule II – Willicher Heide Kurz Tipps Weihnachtsmarkt Neersen Gottesdienste an Heiligabend 3

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4 //  Willich erleben Auf dieser Seite in „Willich erleben – das Magazin“ präsentiert unser Fotograf Sascha Lucas immer eines seiner Fotos. Heute: Innenraum der katholischen Kirche St. Johannes Anrath in der Adventszeit. Im Vordergrund das offen liegende Adventevangelium. Mehr Fotos von Sascha Lucas unter www.slucas.de

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// Willich erleben Mensch, Willich ist ein Dorf…!? WEM: … Dieses Mal kein Tratsch aus dem Dorf an dieser Stelle, sondern Hinweise auf den guten Zweck bei uns in der Stadt? DK: Richtig, dieses Mal wollen wir über etwas anderes sprechen. Unser Heft erscheint Anfang Dezember. Die Menschen in den Stadtteilen freuen sich auf Weihnachten. Die ersten Weihnachtsmärkte haben bereits stattgefunden. Es ist die Zeit der Geschenke und Spenden. Um ihre so wichtige Arbeit zu machen, sind viele Vereine und wohltätige Organisationen in unseren Stadtteilen auf kleine und größere Spenden angewiesen. WEM: Welche vier Spendenziele stehen exemplarisch für die Stadt­ teile? DK: Fangen wir mit dem kleinsten Stadtteil an – Neersen: Dort findet regelmäßig im Schlosspark das große Kinderfest des Kinderschutzbund Willich e.V. statt. Einfach ein ganz toller Tag für die Kinder bei uns in der Stadt. Mit wirklich allem, was dazugehört. Der Andrang ist immer riesig. Nicht zuletzt haben auch die Erwachsenen dort entspannte Stunden. Für die Kleinsten in unserer Stadt im Einsatz – toll! Spendenkonto Kinderschutzbund: IBAN: DE09 3205 0000 0000 2231 80 BIC: SPKRDE33 Sparkasse Krefeld WEM: Machen wir weiter mit Anrath, wer kann dort unterstützt werden? DK: In Anrath hat der Tierschutz für Willich e.V. seinen Sitz. Ein Verein, der im Grunde täglich und fast 24 Stunden rund um die Uhr für seine Schützlinge im Einsatz ist. Wie in anderen Vereinen auch, sind die Ehrenamtler mit sehr viel persönlichem Einsatz und Engagement unterwegs. Erschwerend kommt hinzu: Sie müssen nicht nur oft sehr schnell Pflegefamilien für zu betreuende Katzen und Hunde finden, sondern nicht selten sind auch Medikamente oder Operationen nötig. Diese sind oft sehr teuer und reißen ein Loch in die Vereinskasse. Wir finden, diese Aufgabe gehört unterstützt! Spendenkonto Tierschutz: IBAN: DE14 3205 0000 0029 0679 80 BIC: SPKRDE33XXX Sparkasse Krefeld WEM: Wechseln wir nach Schiefbahn, wer engagiert sich dort? DK: Viele Menschen und Vereine, allerdings gibt es einen Verein, der den meisten bekannt sein dürfte. Die Aktion und Mission Leprahilfe Schiefbahn e.V. Sie kümmert sich um Projekte außerhalb des Ortes. Der Verein sammelt Sach- und Geldspenden für z.B. die Trinkwasserversorgung in Ostafrika, indem sie den Brunnenbau dort fördert. Aber auch die Schulund Berufsausbildung wird aktiv von ihr unterstützt. Medikamentenhilfe organisiert der Verein für kleinere Krankenstationen in Indien und Ostafrika. Menschen helfen – nicht nur in der eigenen unmittelbaren Umgebung – auch dies finden wir unterstützenswert. Spendenkonto Aktion und Mission Leprahilfe: IBAN: DE40 3205 0000 0042 1109 08 BIC: SPKRDE33XXX Sparkasse Krefeld WEM: Bleibt Alt-Willich. Wer ist hier aktiv? DK: Zum Beispiel die Freiwillige Feuerwehr, der Löschzug Willich – wobei dies ein überregionales Spendenprojekt ist. Sowohl weil alle Löschzüge der Stadt Willich dieses Projekt unterstützen, als auch die Feuerwehren der ganzen Region. Seit 24 Jahren gibt es die Rumänienhilfe der Feuerwehren. Am 26. November haben sie Lebensmittelspenden in den Feuerwehrgeräte­ häusern gesammelt. Diese werden jetzt nach Rumänien und dort etwa zu Kinder- und Seniorenheimen gebracht. Den Transport führen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren selbst durch. Aber es werden auch Spendengelder benötigt – denn schon der Sprit muss bezahlt werden. Toll, dass unsere Feuerwehr hier aktiv ist. Menschen, die 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr für unsere Hilfe und Rettung bereit stehen, kann man guten Gewissens bei ihrer Aktion unterstützen. Spendenkonto Rumänienhilfe der Feuerwehren: IBAN: DE67 3246 0422 1008 4680 16 BIC: GENODED1KLL Volksbank Kleverland JETZT KOSTENLOS HERUNTERLADEN: UNSERE WILLICH ERLEBEN-APP! www.willicherleben.de facebook.com/willich.erleben twitter.com/willicherleben instagram.com/willicherleben 5

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Jeder ist willkommen und soll einen schonen Gottesdienst haben Helfen ist Herzenssache! Der Förderverein zugunsten krebskranker Kinder Krefeld e. V. hilft betroffenen Familien. www.villaU-snosnenrennsecuheeisn-Pkrroejfeekldt.d!e Mehr Infos unter www.krebskinder-krefeld.de oder unter 02151 306644. Sie möchten uns unterstützen? Unsere Spendenkonten Förderverein zugunsten krebskranker Kinder Krefeld e. V. Sparkasse Krefeld IBAN DE37 3205 0000 0000 0088 88 BIC: SPKRDE33XXX Volksbank Krefeld e.G. IBAN DE32 3206 0362 0000 7700 00 BIC GENODED1HTK Spenden für die Villa Sonnenschein mit Stichwort: Villa Sonnenschein 6 //  Willicher Leben „Weihnachten hat eine hohe Frequenz und ich sehe in den Gottes­ diensten viele: Ich habe sie getauft, bei Beerdigungen begleitet oder beim Schützenfest – Meine Einstellung ist: Super, sie sind da und sie sollen einen schönen Gottesdienst haben“ – Für Pfarrer Rolf Klein von der ev. Emmaus-G­ emeinde in Willich ist der Heiligabend ein besonderer Tag – aber in anderer Hinsicht als für die meisten Willicher: Er ist ein besonders intensiver Arbeitstag. Der 60-jährige, der seit 30 Jahren Pfarrer in seiner Gemeinde ist, feiert mit den Mitgliedern seiner Gemeinde an diesem Tag fünf Gottesdienste – einerseits vor der Besonderheit dieses hohen Feiertages für die Christen weltweit und andererseits als Zielpunkt für die adventlichen Aktivitäten, die in der Emmaus-Gemeinde schon am ersten Adventsonntag begonnen haben – mit dem traditionellen Adventsbasar des ökumenischen Arbeits­ kreises „Hilfe für Frauen“ nach dem Gottesdienst. „Den Erlös spenden die Frauen seit Jahren für das Frauenhaus Viersen“, erklärt Rolf Klein. Weitere Tradition im Advent sind die abendlichen Gottesdienste am Mittwoch, bei denen Klein immer aus einer Kunst-Installation den thema­ tischen Mittelpunkt ableitet – in diesem Jahr wird das Thema „Weg“ im Fokus stehen. Genauso gut gehört aber auch die Weihnachts-Jazz-Veranstaltung am 2. Advent zur Vorbereitung in der Gemeinde. Am Heiligabend feiert Klein in seiner Willicher Gemeinde die fünf Gottes­ dienste, seine Kollegen in Schiefbahn und Neersen jeweils zwei. „Wir machen es immer so, dass jeder Kollege in seinem Gemeindeb­­­­ezirk die Gottesdienste durchführt“, so Klein – und für ihn beginnt der Feiertag um 11:00 Uhr mit der Feier im Altenheim Moosheide. Um 15:00 Uhr ist dann Gottesdienst für Familien mit Kleinkindern, um 16:30 Uhr Familien-­ Gottesdienst für die etwas älteren Kinder. „Den Kleinkinder-Gottesdienst gestalte ich mit drei Handpuppen, für die Größeren ist das Kindermusical eine Tradition“, so Klein. Der Haupt-Gottesdienst mit dem Chor beginnt um 18:00 Uhr und um 22:00 Uhr ist ein „stiller abschließender Gottesdienst“, beschreibt er. Um die Gottesdienste zu gestalten, sammelt er in den Vormonaten Material, das in Frage kommen könnte. In diesem Jahr werden etwa der Inhalt eines Buches, das er vor kurzem gelesen hat, und seine Überlegungen dazu einen Gottesdienst beeinflussen. Ganz wichtig ist ihm, dass er seine Predigten zwar in Stichpunkten gut vor­bereitet, aber im Gottesdienst frei spricht und immer den Blick­kontakt zur Gemeinde hält. Er sehe dann, wer da sei und greife unter Umständen über einen Satz einen Gedanken auf, der speziell für dieses Gemeinde-­ Mitglied gedacht ist. Weihnachten ist – trotz aller Aussagen über Erwartungen, Geschenke und eines zu kommerziellen Festes – für die Menschen immer ein hoch­sensibles Fest. Sie möchten Atmosphäre, die vertrauten Lieder und Abläufe, vielleicht die Erinnerungen an die Kindheit – und für Klein ist es deswegen keine Frage, ob der Mensch vor ihm regelmäßig oder nur sporadisch in die Kirche kommt: „Gottesdienst ist immer öffentlich, wer kommt, der kommt – ich freue mich über jeden und weiß, dass auch viele katholische Menschen kommen“, meint er. Kirche sei für den Menschen da, betont er – nicht um­ gekehrt: „Ich sehe mich als Dienstleister. Die Menschen haben eigene Meinungen und Vors­tellungen, darüber kann ich nicht hinweg gehen. Ich kann nicht als Pfarrer den Leuten die Welt erklären“.

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// Willicher Leben // : Rolf Klein liebt seinen Beruf: „Wenn mir etwas an die Nieren geht, dann ist es wichtig, dass ich meine Frau habe Dazu kann er sich aber auch immer wieder über eine Reaktion auf das, Überlegung: „Religion und Glaube gehören heute zu den Tabu-Themen – was er in seinen Predigten ausführt, freuen: „Manchmal kommt das ganz darüber spricht man nicht. Das ist intim geworden, die alte Sprache wird direkt nach dem Gottesdienst, manchmal dauert es aber auch Jahre, weil nicht mehr verstanden“. den Menschen ein Thema in Erinnerung bleibt“, aber wenige Menschen bek­ämen so viel Reaktionen auf ihre Arbeit wie ein Pfarrer. Der Pfarrer sei Rolf Klein liebt seinen Beruf – auch wenn dieser manchmal schwierig bei den Predigten frei in seinen Entscheidungen – es gebe keine Vor­schriften sei: „Wenn mir etwas an die Nieren geht, dann ist es wichtig, dass ich meine aus dem Presbyterium, betont er. Frau habe: Sie sieht mich nur an und fragt: Schlimm? – und ich brauche es nur zu bestätigen“, beschreibt er. Wichtig sei es immer, eine professionelle Distanz zu halten, denn << Gottesdienst ist immer öffentlich, wer kommt, der kommt – wenn er selber zu nahe an einem Thema sei, dann könne er nicht tun, was er tun solle. Denn zu seinen Arbeitsbereichen gehört auch die ich freue mich über jeden und weiß, dass auch viele katholische Notfallseelsorge – wenn etwa die Mitglieder der Willicher Feuerwehr Menschen kommen >> belastende Einsätze hatten. Man entwickele mit den Jahren Mechanismen und Wege, auch für sich selber zu sorgen – und dann kommt aber auch mit voller Über­ zeugung der Satz: „Toll ist es, wenn ich das Gefühl habe, dass ich es Respektlosigkeit ist bedauerlich so gemacht habe, dass es für die Menschen tröstlich gewesen ist!“ Trotz aller Besinnung auf Kindheit und liebgewordene Gebräuche zu Weihnachten – Pfarrer Klein verkennt nicht, dass es auch Ablehnung oder Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche gibt – und hat keine Scheu davor, ein­ mal einen Menschen mit so einer Einstellung heraus zu fordern: „Wenn ich zum Beispiel bei einer Hochzeit einen Menschen erlebe, der von vornherein mit Desinteresse in den Gottesdienst kommt, nur weil es dazu gehört. Dann möchte ich den ansprechen und erreichen. Wenn die Leute einem keine Chance geben, das finde ich nicht fair“. Er erlebe, dass die Menschen Kirche respektlos gegenüber treten – empört hat ihn jüngst ein Autofahrer, der an einem Beerdigungszug vorbei fuhr und unbedingt überholen musste. Das passiere „aber nicht zu Heiligabend. Die Leute, die in die Gottesdienste kommen, wollen hören“, meint er. Was bedeutet Weihnachten? Zu dieser Frage gebe es eine Umfrage – Weihnachten sei Tradition, ein Fest, das mit Familie zu tun habe, aber „auch ein Fest mit riesen­großen Erw­ artungen an Harmonie und Freude. Das Theologische steht nicht im Vordergrund“, meint er – und kommt auf eine andere grundsätzliche Foto: Sascha Lucas 7

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Hans Brocker KG · Im Fließ 14 · 47877 Willich Tel. 02154 9566-0 · Fax 02154 9566-49 · www.brocker-moehren.de Junges Gemüse sucht Liebhaber! 8 //  Kultur erleben

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// Willicher Leben Vereine erleben – Mannergesangverein Eintracht 1896 Schiefbahn e.V. Am Abend des 15. November 1896 trafen sich einige sangesbegeisterte junge Männer in der „Schankwirtschaft“ Alt-Theissen (heute Hubertuseck), um ihrer Begeisterung für gemeinsamen Gesang und Geselligkeit nachzuk­ ommen. Bereits ein paar Tage darauf unterzeichnete der damalige Bürgermeister Wilhelm Wirtz die Genehmigung zur Gründung des zunächst als „Quartettverein Eintracht“ gegründeten Vereins. Elf junge Männer ge­hörten zu den Gründungsvätern. Bis zur Jahrhundertw­ ende wuchs der Verein auf über vierzig Sänger an und man beschäftigte sich überwiegend mit Gesangswetts­treiten und Freundschafts­ singen mit volkstümlichen Liedern. Im Jahre 1909 wurde aus dem Quartettverein dann der „Männer-Gesang-Verein Eintracht“, da die Gruppe der Sänger sich entsprechend vergrößert hatte. Dies änderte sich mit Beginn des Ersten Welt­ krieges. Zu diesem Zeitpunkt reichte die Anzahl der Sänger nicht einmal mehr um ein Quartett zu bilden. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich das Vereinsleben dann langsam und schleppend wieder neu. Das silberne Jubiläum im Jahre 1921 wurde mit einem großen Bankett gefeiert. Doch die Zeiten wurden schlechter, die In­ flation, die große Arbeitslosigkeit und der Zweite Weltkrieg brachten das Vereins­leben vorübergehend ganz zum Erliegen. Der alte, provisorische Vorstand um Karl Gehlen bemühte sich im August 1945, das Vereinsleben auf­ leben zu lassen. Schließlich stand das 50-jährige Vereinsjubiläum kurz bevor, welches, wenn auch zunächst nur im kleinen Rahmen, feierlich im Jahre 1946 be­gangen wurde. In den Nachkriegsjahren wuchs die Chorstärke auf über sechzig Sänger an. Die chorischen Ansprüche stiegen und man nahm am Kreismeistersingen 1950 in Krefeld teil. Dieses schlossen die Schiefbahner Sänger trotz gründlichen Probens mit einem enttäuschenden 4. Platz ab. Mit der Wahl des jungen Johann Weuthen zum Vorsitzenden und der Übernahme des Dirigates durch Hans Förster im Jahre 1952 rückte der reine, qualitativ hochwertige Chorgesang in den Fokus. Im Jahre 1953 wurde ein unver­ gessliches Konzert mit dem damals jungen Willi Schneider im Saale Holtz aufgeführt. Chorpartnerschaft mit Linselles Ende der sechziger Jahre übernahmen jüngere Sänger die Vereinsführung. Der Chor studierte moderne Lieder ein und durch die Chorpartnerschaft mit dem Chorale „Ste.Cécile“ aus Linselles kam auch ein internationales Repertoire dazu. Im Jahre 1996 war großes Jubiläum: Mit vier Festveranstaltungen wurde das 100-jährige Bestehen des Vereins gefeiert. Der MGV Eintracht erhielt im Oktober des Jahres 1996 im Auftrag des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eine der höchsten Auszeichnungen im deutschen Chor­ wesen, die „Zelter-Plakette“. Mit dem jetzigen Vorsitzenden Peter Klenner wurden neue und interessante Projekte angegangen. So z.B. das große Chor- und Instrumentalkonzert „Feuerw­ erk der guten Laune“ in der Willicher Jakob-Frantzen-Halle 2001. Nicht zu vergessen ist die enge Freundschaft nach Slowenien seit 1996. Der M.G.V. Eintracht ist somit in Städten und Dörfern unserer Heimat eine kulturelle Stütze und über die Grenzen hinaus ein völkerverbindendes Element. Der Verein hat heute 29 aktive Sänger, das jüngste Mitglied ist 24 Jahre. Heinz-Josef Clemens ist seit Januar 1991 Chorleiter der Eintracht und hat mit seinem musikalischen Können die Sänger zu vielen nationalen und intern­ ationalen Erfolgen geführt. Der Chor probt jeweils montags von 20:00 bis 21:30 Uhr in der Gaststätte „Be dem Bur“ Horster. Wer Interesse hat, kann einfach vorbei kommen und erst einmal ohne Verpflichtung mitsingen. „Wir singen nach Gehör, Mund und Ohr müssen zusammenpassen“, weist Klenner auf die Grundlage hin. Als Sänger könne man sich im Chor weiter entwickeln, „es ist kein Zwang, keiner wird vom Chorleiter bloßgestellt“. Weitere Informationen unter www.eintracht-schiefbahn.de Männergesangverein Eintracht 1886 e.V. Schiefbahn Geschäftsstelle Jakob Steves Schulstr. 15 47877 Willich Tel.: 02154 / 7 09 79 E-Mail: info@eintracht-schiefbahn.de Vorstand: Peter Klenner (Vorsitzender) Jakob Steves (Geschäftsführer) Michael Schäfer (Kassierer) 9

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Vielfalt in jeder Sparte – das Kulturprogramm 2017 In Sachen Kultur kann die Stadt Willich im nächsten Jahr ihren Bürgern wieder viel bieten – über das ganze Jahr verteilt abwechslungsreiche Termine und bekannte Künstler in sechs verschiedenen Sparten und dazu das Alleinstellungs-Merkmal Willichs im Kreis Viersen, die Schlossfestspiele Neersen. Das Kulturteam (Sonja Janssen, Katrin Ruelfs, Viola La Seta, Jutta Saum, Stefanie Büschkes und Astrid Kottal sowie Doris Thiel für die Schlossfest­ spiele) hat ein hochwertiges Programm zusammengestellt. Wie gewohnt ist das Kulturprogramm auf die beiden Jahreshälften verteilt – während der Spielzeit in Schloss Neersen gibt es keine Termine. Highlight der ersten Jahreshälfte ist die Umsetzung eines lang gehegten Wunsches: Ein Mann – ein Mikrofon = nur Nuhr. Dieser Mann, seine eigenwillige und unübliche Weltsicht und sein gelassenes Auftreten garantieren einen Angriff auf Hirn und Zwerchfell gleichermaßen. DIETER NUHR tritt am 08. April (20:00 Uhr) in der Jakob-Frantzen-Halle auf, Karten gibt es über eventim. Die zweite Gemeinschafts-Veranstaltung zwischen Kulturt­eam und dem Fitness- und Gesundheitsstudio Halle 22 findet Ende September statt – ein Vortrag mit dem Ausdauersportler, Unternehmer und Musiker JOEY KELLY (30. September, 19:30 Uhr, Jakob-Frantzen-Halle) Die Sparten im Einzelnen: Klassik Das Kulturjahr beginnt klassisch – und zwar mit dem beliebten TEA TIME ENSEMBLE & FRIENDS Anfang Januar – wegen der großen Nachfrage gibt es ein Konzert um 11:00 Uhr und eines um 15:00 Uhr. Das fünfköpfige Ensemble spielt Melodien aus der großen Zeit der Caféhaus-Musik – Tango, Walzer, Polka, Märsche… (08. Januar, 11:00 Uhr; 15:00 Uhr, Schloss Neersen) Beim zweiten Klassik-Termin im Frühjahr treten unter dem Titel „Spirit & Pleasure“ JOHANNA SEITZ (Barock-Harfe) und CHRISTOPH MAYER (BarockVioline) auf. Ihr Programm ist umfassend – von Musik aus dem Italien des 17. Jahrhunderts bis zum Scottish und Irish Folk des 18. Jahrhunderts. (28. Mai, 11:00 Uhr, Kapelle Klein-Jerusalem Neersen) Das ENSEMBLE STILART kommt dann am 27. August um 11:00 Uhr ebenfalls in die Kapelle Klein-Jerusalem. Jazz-Fruhling Das Jazz-Programm konzentriert sich traditionell auf den Frühling: Den Auf­takt machen FAY CLAASSEN & TRIO PETER BEETS aus den Niederlanden. Sie bieten ein Programm aus dynamischen Uptown Swing und ruhigen Momenten mit tiefer Emotion – und haben damit den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2016“ geholt. (03. März, 20:00 Uhr, Motte Schloss Neersen) Junger deutscher Jazz steht im Mittelpunkt des zweiten Termins – mit „THREE FALL“. Sie kombinieren Jazz mit HipHop, Afrobeat oder Reggae – und covern so auch aktuelle Hits. Chad Smith (Drummer der Red Hot Chilli Peppers) bezeichnete ihre Peppers-Cover als „die besten, die ich je gehört habe“. (31. März, 20:00 Uhr, Motte Schloss Neersen) Den dritten Termin gestalten KLARO! – Karolina Strassmayer, Rainer Böhm, John Goldsby und Drori Mondlak (21. April, 20:00 Uhr, Motte Schloss Neersen) Kabarett Abwechslungsreich auch der Terminkalender im Bereich Kabarett: In der ersten Jahreshälfte kommt Autor, Kabarettist und Comedian BILL MOCKRIDGE (auch „Erich Schiller“ aus der Lindenstraße) nach Willich. Sein Programm „alles frisch?!“ beweist, dass Alter sich im Kopf abspielt und nicht auf der Geburtsurkunde. (21. Januar, 20:00 Uhr, Motte Schloss Neersen) Zum Weltfrauentag holen Kulturteam und Gleichstellungsstelle die Kabarettistin ANNY HARTMANN mit der Frage „Ist das Politik, oder kann das weg?“ nach Willich. Volker Pispers sagt über sie: „Sie vereint in ihrer Person die drei großen H des Kabarett: Haltung, Humor, Hirn…“ (18. März, 20:00 Uhr, Motte Schloss Neersen) Die weiteren Termine: STEFAN WAGHUBINER: „Außergewöhnliche Belastungen“ 09. September, 20:00 Uhr, Motte Schloss Neersen MARKUS BARTH, MORITZ NETENJAKOB, HÜLYA DOGAN-­ NETENJAKOB, SERHAT DOGAN: „Zuckerfest für Diabetiker” 13. Oktober, 20:00 Uhr, Motte Schloss Neersen MARK BRITTON: „Ohne Sex geht’s auch (nicht)“ 18. November, 20:00 Uhr, Motte Schloss Neersen INGO BÖRCHERS: „Ferien auf Sagrotan“ 09. Dezember, 20:00 Uhr, Motte Schloss Neersen Kinderprogramm Das Kulturprogramm für Kinder bietet für jede Altersgruppe etwas. Das Figurentheater HILLE PUPPILLE erzählt die Geschichte von „Löwenzahn und Seidenpfote“ – zwei Mäusekinder, die sich ungewöhnlich entwickeln. (13. April, 15:00 Uhr, Motte Schloss Neersen) Das turbulente Märchen „Die sieben Geisslein“ vom SEIFENBLASEN-­ FIGURENTHEATER richtet sich an Kinder ab drei Jahren. (20. April, 15:00 Uhr, Motte Schloss Neersen) 10 //  Kultur erleben

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Im zweiten Halbjahr kommen noch der FEUERWEHRMANN SAM mit „Rettet den Zirkus!“ (01. Oktober, 15:00 Uhr, Jakob-Frantzen-Halle) und wieder das Figurentheater HILLE PUPPILLE mit „3 kleine Schweinchen“ (26. Oktober, 15:00 Uhr, Motte Schloss Neersen) nach Willich. Phantasievoll wird es in der „WERKSTATT DER SCHMETTERLINGE“ (02. November, 15:00 Uhr, Motte Schloss Neersen), dann folgt der „WEIHNACHTSSPUK BEI ZIMTSTERN & CO.“ (14. Dezember, 15:00 Uhr, Motte Schloss Neersen). Weiteres Element im Kinder-Kulturprogramm sind Angebote der „KULTUR­ STROLCHE“ und im „KULTURRUCKSACK“ – diese werden an Schulen und in Jugendeinrichtungen durchgeführt. Lesungen und Ausstellungen In der „Galerie Schloss Neersen“ gibt es in diesem Jahr fünf Ausstellungen von Künstlern mit internationalem Hintergrund: Gemälde von COSKUN DEMIROK & Secil Erel (29. Januar – 26. Februar) und danach von RHEA STANDKE (12. März – 09. April). Während der Schlossfestspiele wird eine Skulpturen-Ausstellung von JÜRGEN MÖLLER und BOGDAN PAPROTNY im Schlosspark gezeigt. Es folgen noch „Malerei und Grafik“ von PETRA FRÖNING (17. September – 08. Oktober) und eine Ausstellung mit Gemälden von LEVENTE SZÜCS (12. November – 10. Dezember) Zu Lesungen kommen die Autoren CHRISTIAN ELOUNDOU mit Auszügen aus der Autobiographie „König der Sonne – Flucht vor der Heimat (31. Januar, 19:30 Uhr, Stadtbücherei) und FRANK GOOSEN mit Auszügen aus seinem Roman „Förster, mein Förster“ (12. Mai, 19:00 Uhr, Kulturhalle) nach Willich. Den Abschluss im Jahr macht HORST ECKERT mit einer Lesung aus dem Roman „Wolfsspinne“. (20. Oktober, 20:00 Uhr, Motte Schloss Neersen) Das Kulturprogramm liegt in den Verwaltungseinrichtungen aus, die digitale Version findet sich auf www.stadt-willich.de und es gibt eine neue „Kultur-App“ zum download. Infos: Tel.: 02154 / 949-606. // Kultur erleben 11

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Die Geschichte der Juden in Willich – erst integriert, später ermordet oder geflüchtet „Wir haben an vielen Stellen erfahren und teils mit Bildern doku­ mentiert, dass die in Willich lebenden jüdischen Familien vor der NS-Zeit in das Leben in den Orten integriert waren“, schildert Bernd-Dieter Röhrscheid, mit Udo Holzenthal Autor des Buches „Die Geschichte der Juden in Willich“, ein Ergebnis der Recherche-Arbeit. Jüdische Mitbürger waren Förderer von Vere­ inen, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, sie unterstützten das Schützenwesen und beteiligten sich an humanitären Aktivitäten in der Gemeinschaft…. Umso absurder und unmenschlicher erscheint dem Leser das, was das Buch thematisiert: das Schicksal der jüdischen Mitbürger und Nachbarn in Willich während der NS-Zeit , die Berichte von Deportationen und Ermordungen in den KZs, die Berichte über Menschen, die Heimat und Familie verlassen um sich eine neue Existenz im Ausland aufzubauen und ihre Angehörigen dann nachzuholen. Willicher Erinnerungskultur Dieses Buch wiederzugeben ist schwierig – es ist methodisch eine sehr sorg­ fältige und genaue Arbeit, die rund 1.000 Schicksale von jüdischen Mit­­ bürgern – vom alten Menschen im Seniorenheim bis zu dem kleinen Mädchen im Grundschulalter – darstellt. Mit viel Archivarbeit haben die Autoren die Informationen zusammengestellt, Bilder der Menschen, Dokumente sowie eine Vielzahl von Stammbäumen zeigen bis in die heutige Zeit auf, wie sich die Überlebenden der jüdischen Willicher Familien in der Welt weiter entwickelt haben – mit zum Teil großen Erfolgen in Wirtschaft oder Wissenschaft. Alles das ist eine große wissenschaftliche Leistung – aber viel stärker wirkt vielleicht der Gesamteindruck dessen, was Udo Holzenthal als „Willicher Erinnerungskultur“ bezeichnet, die seit Jahren immer wieder mit Aktionen verschiedenster Art das Schicksal der ermordeten und vertriebenen Willicher in das Bewusstsein der lebenden Willicher holt. Die Arbeit zur Erinnerung an die Willicher jüdischen Glaubens begann 1988 – als Bernd-Dieter Röhrscheid, damals noch Lehrer am St. Bernhard-G­­ ym­ nasium – anlässlich der 50. Wiederkehr der Pogromnacht (09. November 1938) mit einem Sozialwissenschafts-Kurs am Wettbewerb „Verschüttete Spuren“ des NRW-Innenministeriums teilnahm. Die Schüler hatten verschollene und getötete jüdische Mitbürger gesucht und deren lebende Nachfahren angeschrieben. Sie erhielten von fast allen An­ geschriebenen eine Antwort und aus diesen Antworten stellte Holzenthal eine erste Dokumentation zusammen. Eine andere gute Quelle war auch ein Buch des Historikers Ludwig Hügen aus dem Jahr 1985. 2011 startete im Zusammenhang mit dem „Zug der Erinnerungen“, der in Viersen Station machte, ein neues Schülerprojekt: Sie beschäftigten sich mit dem Schicksal der vier deportierten Kinder Günter Laubinger, Ruth Rübsteck, Herbert Heumann und Bruno Schönewald: Alle waren in den KZs ermordet worden, ihre Geschichte wurde Teil einer Ausstellung im „Zug der Erinnerungen“. „Das war der Anreiz, weiter zu forschen und so entstand die Idee, die „Stolperstein“-Aktion des Künstlers Günter Demnig auch nach Willich zu holen“, so Röhrscheid. Er und Holzenthal loben, dass in Willich sofort Einigkeit herrschte, diese Form der Erinnerung mitzutragen. Am 06. Februar 2012 wurden auf der Schulstraße in Schiefbahn die ersten sieben Stolpersteine zur Erinnerung an die Mitglieder der Familie Kaufmann verlegt – unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. In den Folgejahren gab es in allen vier Stadtteilen weitere Verlegungen, ein Höhepunkt war die Verlegung im Dezember 2012, zu der auch Nachfahren der jüdischen Familien Kaufmann, Lion, Rübsteck und Servos nach Willich gekommen waren: „Wir fanden die Reaktion der Nachfahren beeindruckend: Sie fanden es rührend, dass wir uns um die Geschichte ihrer Vorfahren kümmern. Einige fanden dadurch auch ihren Frieden“, schildert Röhrscheid. Es gebe für ihre Eltern und Vorfahren keine Gräber, daher sei die Reaktion auf die Verlegung der Steine vor den Häusern immer sehr emotional, „für die Nachfahren ist es wichtig, einen Anlaufpunkt zu haben, um zu gedenken“. Verständlich ist aber auch eine andere Reaktion: Zwei Nachfahren der Familie Salomon Servos leben in den Vereinigten Staaten: Der 1928 geborene Kurt Servos kam zwei Mal nach Deutschland, seine 1927 geborene Schwester Henni hingegen nie. Sie habe auch nie auf Anfragen geantwortet, berichten die Buchautoren. Streiflichter Die im September 2016 erschienene „Geschichte der Juden in Willich“ ist ein weiteres Element der Willicher Erinnerungskultur. Die Autoren wollen nicht nur schreiben, sondern mit Bildern und Gesichtern Zusammenhänge zeigen, um das Geschehene vor allem für Schüler und Jugendliche verständlich zu machen. „Stolpersteine, Biografien und Bilder sollen den geflüchteten und ermordeten Menschen ihre Identität wiedergeben“ so Röhrscheid. // : Diese vier Stolpersteine erinnern an Mitglieder der Familie Lion. 12 //  Willicher Leben

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// Willicher Leben Einige Auszüge sollen hier zeigen, was diese Menschen erlebt haben: Moses Kaufmann Moses Kaufmann war Inhaber eines Hauses auf der Hochstraße in Schiefbahn, er war Ehrenmitglied des MGV Cäcilia und ein Foto zeigt ihn mit Schiefbahner Ortsgrößen. Er floh 1938, nach dem Tod seiner Frau, zu seinem älteren Sohn nach Portugal. Weitere Kinder flohen in die USA und nach England. Seinem Sohn Eugen war nach der Pogromnacht 1938 verboten worden, als Tierarzt in Glehn zu arbeiten. In England lernte Eugen Kaufmann die englische Sprache, ließ die Approbation und die Promotion anerkennen und arbeitete unter anderem als Tierarzt der königlichen Familie. Siegfried Wallach „Siegfried Wallach war einer der Mutigen“, beschreibt ihn Udo Holzenthal: Der Viehhändler, der ebenfalls Mitglied im Ehrenkomitee des Gesangs­vereins Cäcilia war, wurde gezwungen, seine wirtschaftliche Tätigkeit einzustellen. Er weigerte sich aber, die Einverständnis-Erklärung zu unterzeichnen und floh. Später wurde er in Frankreich verhaftet und 1944 in Auschwitz ermordet. Julius Hermanns Der Neersener zog zuerst mit seiner Familie nach Mönchengladbach, um in der Stadt nicht so sehr als Juden aufzufallen. Später wurde er in Dachau verprügelt und wollte nach Kuba emigrieren. Weil die Schiffstickets für ihn, seine Frau und Tochter aber zu teuer waren, reiste er alleine mit dem Schiff voraus. Während der Schiffspassage gelang es den Nazis, mit Kuba ein Überein­ kommen auszuhandeln, in dem alle Einreisegenehmigungen widerrufen wurden. Das Schiff lag erst zwei Wochen im Hafen von Havannah, dann kehrte es nach Europa zurück. Die jüdischen Passagiere wurden teils nach Frankreich, England, Belgien oder in die Niederlande gebracht. Julius Hermanns wurde in Frankreich aufgenommen, verhaftet, interniert und 1942 in Auschwitz ermordet. Seine Frau Grete und seine Tochter Hilde sah er nicht wieder. Sie wurden 1944 und 1945 auf Todesmärschen ermordet. Stolperstein-Verlegung Die nächste Stolperstein-Verlegung ist noch im diesem Jahr: am 19. Dezember um 12:30 Uhr werden in Schiefbahn drei Erinnerungssteine für weitere Mitglieder der Familie Kaufmann verlegt. Um 13:00 Uhr werden an der Kickenstraße in Neersen Stolpersteine zur Erinnerung an die Mitglieder der Familie Max Salmons verlegt. Zum Abschluss werden vor dem Gefängnismuseum in Anrath drei Steine verlegt. Hier wurden drei jüdische Mitbürger in „Schutzhaft“ genommen und sie starben im „Zuchthaus“ – angeblich an Altersschwäche oder Blutsturz. „Diese Todesursachen konnten bisher nicht geklärt werden und sind zumindest fragwürdig. Die drei Juden wurden in einem Sondergrab 50 Meter vom Jüdischen Friedhof in der Zisdonk bei Anrath bestattet“, so Holzenthal. Überhaupt sei die Rolle des Anrather Gefängnisses während der NS-Zeit kritisch zu sehen: „Es war auch Haftanstalt für hohe österreichische Geistliche, die sich im Widerstand engagiert hatten, aber über ihr Schicksal ist nicht viel bekannt“, so Holzenthal: „Es gibt noch viele Geheimnisse, die nicht geklärt werden, weil die Unterlagen vernichtet wurden.“ Am 25. Januar anlässlich des weltweiten Holocaust-Gedenk­ tages gibt es eine Buchlesung der beiden Autoren in der Willicher Buchhandlung. // : Moses Kaufmann, Siegfried Wallach und Abraham Rübsteck waren Mitglieder im Ehrenkomitee des MGV Cäcilia Schiefbahn. Das Bild zeigt Kaufmann mit anderen Schiefbahner Ortsgrößen // : Das Haus rechts neben dem Fachwerk-Haus ist heute die Gast­ stätte Alt-Willich. Es war das Familienhaus Lion. Abraham Lion hatte 1910 eine Viehweide an der Bahnstraße gekauft, auf der 1927 zum ersten Mal ein Schützenzelt aufgebaut wurde. Seither gilt der Platz als Schützenplatz des ASV Willich. Abraham und sein Bruder Hermann waren Mitglieder der Willicher Freiwilligen Feuerwehr und im ASV. Info: Bernd-Dieter Röhrscheid, Udo Holzenthal Die Geschichte der Juden in Willich (Jüdisches Leben in den Gemeinden Anrath, Neersen, Schiefbahn und Alt-Willich von 1700 bis heute) Hrsg. von den Heimat- und Geschichtsfreunden Willich e.V. Hardcover, 278 Seiten, 320 Abbildungen, 27 Stammbäume ISBN: 978-3-00-053281-8 Preis: 29,90 Euro Verkauf: • Willicher Buchhandlung • Glückspilz Schiefbahn & Wekeln • Anrather Bücherecke • Lotto Toto Leyendecker, Neersen 13

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Marzenfest – erleben Wer kennt sie noch? Die Hits von Ace of Base, 2 Unlimited, Dr. Alban, Haddaway, Snap, La bouche oder Latin Pop von Ricky Martin oder auch die Soft-Hits der Kelly Family? Das Disco Team DEMO aus Mönchengladbach sind DJ-Spezialisten auf diesem Gebiet und präsentieren die Musik während der 90er Jahre Party am Freitag (17. März 2017) ab 19:00 Uhr im Festzelt im Stahlwerk Becker an der Wasserachse. „Das beheizte Festzelt werden wir für den Abend in eine Groß-Disco umfunktionieren und eine Riesen-Spiegelkugel aufhängen“, erklärt Klaus Caris, ASV-Vizepräsident und amtierender König: „Ich freue mich schon darauf, dass wir alle gemeinsam mit unserer Jugend auf die Hits abtanzen können“. Mit der 90er Jahre Party beginnt das dritte ASV-Märzenfest im Stahlwerk Becker. Am Samstag (18. März) findet in bayerischer Tradition – mit Dirndl und Lederhose – das eigentliche Märzenfest mit der Original Wies’n-Band „Münchner Zwietracht“ statt. „Der Samstagabend ist seit Wochen ausverkauft und wenn überhaupt gibt es nur noch vereinzelte Karten-Rückläufer“, freut sich ASV-Organisator Siggi Gaubitz. Dazu gibt es am Samstag und Sonntag im Gründerzentrum eine Ausstellung mit Fotos aus der 131-jährigen Geschichte des ASV, die Archivar Peter Wynands zusammengestellt hat. Am Sonntag ist dann ab 12:00 Uhr „rund um die Wasserachse“ ein großer Trödelmarkt mit einer Landmaschinen- und Traktoren-Ausstellung geplant, im Festzelt findet nach der ASV-Generalversammlung der „ASV–Familientag“ statt. Neben Vorführungen auf der Bühne, angefangen vom Zauberer bis hin zu Tanz-Aufführungen, findet erstmalig im Festzelt ein Kindertrödelmarkt statt. „Wir haben den Kindertrödelmarkt ins Festzelt verlegt, damit die Kinder nicht der Witterung ausgesetzt sind“, erklärt Siggi Gaubitz: „Ebenso haben Mütter oder Väter die Möglichkeit im Festzelt ausgediente Spiel- oder Anziehsachen beim Kindertrödelmarkt anzubieten.“ Wer beim Kindertrödelmarkt mitmachen möchte, muss sich allerdings anmelden, da nur begrenzter Platz zur Verfügung steht. Telefonisch unter 02154 / 48 67 14 oder per E-Mail an info@asv-willich.de Kartenvorverkauf: Für die 90er Jahre-Party gibt es ausr­eichend Karten im Vorverkauf bei Farben Steppen-Greins auf der Kreuzstraße und an der Aral-Station Budde (Krefelder Straße). SIE KOSTEN NUR 5 EURO zzgl. VVK. // Willicher Leben GmbH Walzwerkstraße 10 · 47877 Willich Tel.: 0 21 54/41 44 50 · Fax: 0 21 54/41 44 30 www.elektro-luecke.de 15

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