Christus König Halver Netzwerk 2016 Dezember

 

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Magazin der Pfarrei Christus König Halver-Schalksmühle-Breckerfeld-Dahl

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christus könig netzwerk Magazin der Pfarrei Christus König Halver – Breckerfeld – Schalksmühle – Hagen-Dahl Ausgabe 3/2016 In der schweigenden Welt, die der Winter umfangen hält, hebt sie einsam ihr weißes Haupt. Selber geht sie dahin und schwindet eh‘ der Lenz kommt und sie findet. Aber sie hat ihn doch verkündet, als noch keiner an ihn geglaubt. (Johannes Trojan)

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Editorial Wißt ihr es nicht? Hört ihr es nicht? Jesaja und der Advent Eine der anrührendsten biblischen Adventslesungen ist für mich die aus dem 40. Kapitel des Buches Jesaja – sie beginnt: »Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.« In diesem Jahr ist sie nur wochentags »dran«, sonntags hören wir andere, auch bewegende Lesungen. Mich aber rührt allein dieses doppelte »Tröstet« am Beginn sehr an. Und Trost, scheint mir, brauche ich im tiefen Inneren immer wieder – nicht nur in konkreter Trauer um einen lieben Menschen, sondern auch angesichts von Erfahrungen mit der Welt und ihrer Not. Da gilt es, aktiv zu werden, zu helfen, etwas zu ändern, die Welt etwas besser zu machen ist ein guter Auftrag für Christen. Aber er ist eben immer nur die eine Seite: die andere Seite ist der »Trost« – und der kommt von Gott. Ich verbinde mit dem Advent eben diese Zusage des Trostes. Da ist keine billige Vertröstung; kein »ach, es wird schon wieder« Gottes – sondern vielmehr ein Trost, den ich darin finde, dass Gott selbst sich in dieser, vielfach so friedlos und so hoffnungslos kriegerischen, gnadenlosen Welt (und vor allem Menschheit!) zu mir stellt. Er wird mein Bruder. Er kommt zu mir. Er lässt sich auf diesen »Weltschlamassel« ein. Mitten in diesem 40. Kapitel des Buches Jesaja finde ich zweimal Worte, die mich auf den kommenden Advent hin aufhorchen lassen. Es sind die Fragen: »Wisst ihr es nicht? Hört ihr es nicht? Ist es euch nicht von Anfang an verkündet worden?« (Vers 21) und noch einmal: »Hast du es nicht erkannt? Hast du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist der Herr.« (Vers 28) Wenn du nur hinhörst – wenn du nur hinschaust: dann entdeckst du, wie dieser Gott wirkt. Wie er die Welt in seinen Händen hält. Wie er ankündigt, was einmal werden soll: Kraft für die scheinbar Schwachen, Verbundenheit für die so zerstreut und verloren Scheinenden. Das Buch Jesaja spricht das einem sich verloren fühlenden Volk Israel zu. Ich höre es heute für alles, was werden soll: In der Gesellschaft und der Kirche gibt es viele Unsicherheiten. Wir suchen neue Wege. Unser Pfarreientwicklungsprozess geht jetzt vom »Sehen« ins »Urteilen« über. Sehen wir wirklich? Können wir entdecken, wohin Gott uns weiterführt? Das Jahr 2017 wird das Gedenkjahr »500 Jahre Reformation« sein. Sehen wir, hören wir einander, ahnen wir, wie Gott sein Volk, das in verschiedenen Gemeinschaften nebeneinander herläuft, auf seinen Weg zusammenbringen will? Der Advent ist Gottes Initiative. Er kommt zu uns. Wir sind eingeladen, wirklich zu sehen, wirklich zu hören. Ihn. Und dann seine Wege mit uns neu einzuschlagen. Eine gesegnete, wache Zeit des Sehens und Hörens wünsche ich Ihnen in diesen Wochen. Und die weihnachtliche Erfahrung: Gott ist längst »mit uns«. Ihr Pfarrer Inhalt 2 Geleitwort/Inhalt/Impressum 3 Messdienereinführung 4/5 Orgelgeschichten 5 Kita St. Georg 6 Wallfahrt 7 Seelsorger in zwei Gemeinden 8/9 Pfarreientwicklungsprozess 9 Erfolgreicher Erntedankgabenverkauf 10/11 Reformation 12 Gottesdienste 13 Leih dir was! Die Büchereiseite 14/15 Religionsunterricht heute 16/17 Für Kinder 18 Ein Weihnachtslied 19 Stern über Bethlehem 20/21 Jahreschronik 22 Jubiläum in St. Thomas Morus 23 Termine 24 Sternsinger/Termine Impressum Herausgeber: Katholische Pfarrei Christus König, Hermann-Köhler-Straße 15, 58553 Halver, Tel. 0 23 53 / 37 30 Redaktion: Ascan von Bargen, Maximilian Marx, Cornelia Nölle, Claus Optenhöfel, Heidrun Rediger, Dr. Johannes Sander Mitarbeit an dieser Ausgabe: Ileana Beckmann, Ruth Dahlhaus, Michael Kißing, Ralf Lothar Knop, Armin Rogge, Svea Raßmussen. Bilder: Titel: Katharina Wagner, in: pfarrbriefservice.de. S. 3: Heidrun Rediger; S. 4: wikimedia.org; S. 5: Ralf Wegerhoff; S. 6: Conny Nölle; S. 7: Mediothek des Bistums Passau, Quelle: Emotionen (Bilder-CD) in: pfarrbrief-service.de; S. 7 unten: Svea Raßmussen; S. 8 u. 9: Rafael Berger; S. 9 unten: Michael Kißing; S. 10/11: wikipedia; S. 15: privat; S. 17 oben: Dr. Gerhard Lau- kötter; S. 17 unten: Iris Bohmeyer; S. 19: wikiart.org; S. 21: Monika Berling, in: pfarrbriefservice.de; S. 22: Svea Raßmussen; S. 24: Kindermissionswerk »Die Sternsinger«. Kontakt: netzwerk@christus-koenig.de Herstellung: Heidrun Rediger, HR-Typo Mediengestaltung, Halver Internet: www.christus-koenig.de Hinweis: Die Redaktion behält sich aus technischen und inhaltlichen Gründen vor, Texte redaktionell zu bearbeiten oder zu kürzen. Namentlich gezeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers oder der Redaktion wieder. Wie Sie uns erreichen Katholische Pfarrei Christus König Hermann-Köhler-Straße 15 58553 Halver, Telefon 0 23 53 / 37 30 Filialkirche Sankt Georg, Oberbrügge Gemeinde Sankt Jakobus Am Wehrgraben 7, 58339 Breckerfeld Telefon 0 23 38 /1316 Gemeinde Sankt Thomas Morus Hälverstraße 8, 58579 Schalksmühle Telefon 0 23 55 / 66 79 Gemeinde Herz Jesu Kallestraße 4, 58091 Hagen-Dahl Telefon 0 23 37/ 6 21 2 netzwerk

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Wir sind im Dienst für Gott Messdienereinführung Die neuen Messdiener/innen der Pfarrei wurden am Sonntag, dem 18. September 2016 in einer feierlichen Messe in der Pfarrkirche Christus König in Halver der ganzen Pfarrei vorgestellt. Sie haben eine schöne und wichtige Aufgabe im Gottesdienst: Sie dienen stellvertretend für die Gemeinde am Altar. Das betonte Pastor Armin Rogge in seiner kleinen Ansprache zur Begrüßung. Jedes Kind wurde namentlich aufgerufen und vorgestellt. Im Laufe des Gottesdienstes bekamen die Kinder von Pastor Rogge ihre Plaketten, herzliche Glückwünsche und natürlich den fröhlichen Beifall der Gottesdienstbesucher. Zusammen mit ihren älteren Kolleg/innen wurden die Gaben zum Altar gebracht und sorgfältig darauf geachtet, dass auch alles ordentlich und feierlich ablief. Im Anschluss fuhren die Messdiener nach Lüdenscheid und verbrachten noch einige interessante Stunden in der Phänomenta. Wir begrüßen folgende Mädchen und Jungen aus den Gemeinden Christus König Halver: Lena Brosch, Nora Miebach, Viktoria Marnikovic, Mara Steinacker, Cornelia Trinks Herz Jesu, Dahl: Tobias Menschel, Max Uszkoreit St. Jakobus, Breckerfeld: Hannah Wegerhoff St. Thomas Morus, Schalksmühle: Mika Kleberg, Lina Scheckel netzwerk 3

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Kirchenmusik Orgelgeschichten Als 1930 der Bau unserer Christ-König-Kirche in Angriff genommen wurde, waren alle Verantwortlichen froh, dass die Finanzierung einigermaßen gesichert war. Geld für eine Orgel war nicht übrig. So waren alle zufrieden mit einem Harmoniumspiel. Im Jahr 1936 ergab sich die Möglichkeit, in Köln für 3000,– Mark eine gebrauchte pneumatische Orgel zu bekommen. Diese Orgel hat bis 1980 ihre Dienste getan, wenn auch zwischenzeitlich einige Umbauten und Erweiterungen notwendig waren. Die Gemeinde hatte 1936 eine Orgel, aber leider keinen Organisten. Man musste sich behelfen. Und das geschah mit einer sogenannten »Harmonista«*. Transponier-Harmonista, Bad Kreuznach, ca. 1925–1930; Exponat im Haus der Musik (Fruchtkasten), Landesmuseum Württemberg, Stuttgart Das war ein mit einer Tastatur versehener Kasten, der auf die Orgeltastatur – möglicherweise schon zuvor auf die des Harmoniums – aufgesetzt wurde. Die Tasten dieser Harmonista trugen Zahlen. Mit jeder Zahl wurde ein bestimmter Akkord auf der Orgel abgerufen. So konnten auch Laien eine Orgelbegleitung zu den einzelnen Liedern spielen. Diese Notlösung wurde wohl bis 1936 praktiziert. 1936 verlies der einzige Lehrer, Herr Düllmann, die einklassige katholische Schule. Herr Hubert Gellermann aus Bochum bewarb sich für die frei werdende Stelle. Dass Herr Gellermann Orgel spielen konnte, hat wohl den Ausschlag für seine Einstellung gegeben. So hatte die Christ König Gemeinde ab 1.Mai 1937 seinen ersten Organisten. Leider wurde diese Freude schnell getrübt. Herr Gellermann wurde gleich zu Anfang des Zweiten Weltkrieges zum Militär einberufen. Ich habe nicht in Erfahrung bringen können, wie man die Zeit überbrückt hat. Ich nehme an, wieder mit der Harmonista. Ich war damals erst sechs Jahre alt, glaube aber, mal gesehen zu haben, wie jemand die Harmonista spielte. Das müsste eine meiner älteren Schwestern gewesen sein. *Transponier-Harmonista und Spielhilfe für Harmonium: Spielhilfe für Noten-Unkundige, zur Liedbegleitung (Choralsingen). 1908 für Emil Müller in Werdau/Sachsen patentiert und maßgeblich in dessen Betriebsstätte produziert. Zum Auflegen auf eine Harmonium-Tastatur; verschiebbar (»transponierend«). Beim Druck auf einen Spielknopf werden vier Tasten gleichzeitig bedient, so dass ein voller Akkord erklingt. Auch in der Pfarramtsstelle gab es fast zur gleichen Zeit eine Veränderung. Vikar Kuhfus, der seit 1936 in Halver wirkte, wurde versetzt. Seine Nachfolge trat 1941 Vikar Josef Neunzig an. Leider wurde Vikar Neunzig schon am 23. August des gleichen Jahres von den Nationalisten verhaftet. Es wurde ihm vorgeworfen, er hätte polnischen Zivilarbeitern Geschenke gemacht. Nach kurzer Zeit, am 4. September 1941, wurde Vikar Alfons Freistühler, gerade frisch geweiht, als Vertretung nach Halver versetzt. Zu diesem Zeitpunkt war Halver, seit der Einberufung von Herrn Gellermann, schon wieder eine Zeit lang ohne Organisten. Vikar Freistühler war noch jung und voller Energie. Beim Kennenlernen der Jugend hatte er wohl festgestellt, dass meine Schwester Elisabeth Thissen ganz gut Klavier spielen konnte war. Er sprach unsere Eltern an und erzählte, dass er, bevor er nach Halver beordert wurde, kurze Zeit in Hagen in der Gemeinde St. Marien tätig war und dort einen Orgellehrer kennen gelernt hätte. Er wollte mit diesem Herrn Kontakt aufnehmen mit der Bitte, Elisabeth im Orgelspiel zu unterrichten. Unsere Eltern gaben die Zustimmung und fortan fuhr Elisabeth, gerade 16 Jahre alt, zunächst nach Hagen und später nach Letmathe, dem Heimatort des Orgellehrers, zur Orgelstunde. Schnell lernte sie die Grundkenntnisse und konnte schon bald den Gesang der Gemeinde mit der Orgel begleiten. Das sprach sich schnell in Halver herum und bald kamen Anfragen, ob dieser Orgellehrer wohl noch mehr Schüler unterrichten würde. Herr Sommer, so hieß der Orgellehrer, kam dann wöchentlich ein- oder sogar zweimal nach Halver und hatte dann außer Elisabeth noch drei weitere Schülerinnen. Nach Beendigung des Krieges und der Rückkehr Herrn Gellermanns nahm dieser seine unterbrochene Tätigkeit als Organist wieder auf. Es fanden sich auch schnell wieder Sänger und Sängerinnen für einen Kirchenchor. 1952 kam Hans Senge als Organist und Chorleiter nach Halver. Er zog aber schon ein Jahr später aus familiären Gründen nach Regensburg. Die jetzt wieder vakante Stelle wurde schnell durch Herrn Artur Knaup besetzt. In den vorangegangenen Jahren war unser alter Küster, Herr August Duchatsch verstorben und diese Stelle konnte aus finanziellen Gründen nicht mehr hauptamtlich vergeben werden. So musste Herr Knaup die Arbeiten des Küsters mit übernehmen. Die Jahre mit Herrn Knaup waren kirchenmusikalisch ein großer Gewinn für Halver. Leider erkrankte er 1975 schwer. Seine Frau Ursula vertrat ihn nach besten Kräften. Die Entwicklung der Krankheit von Herrn Knaup war so negativ, dass er das Amt nicht mehr ausführen konnte. Seine Frau wurde dann seine Nachfolgerin. 4 netzwerk

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Wenn es nötig war, wurde sie von Friedel Blechmann, der das Orgelspiel autodidaktisch erlernt hatte, vertreten. Die Orgel – vor rund 40 Jahren gebraucht gekauft – wurde zunehmend altersschwach und zeigte immer mehr Mängel. Ausgerechnet an Weihnachten 1972 gab sie den Geist auf. Kurze Zeit später kam es zur Gründung einer Orgelbaustiftung. Aber es sollte noch Jahre dauern, bis sich Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat 1978 nach hartem Ringen zu einer Spendenaktion entschließen konnten. Der Erfolg war positiv, so dass im Sommer 1979 der Auftrag zum Bau einer neuen Orgel an die Firma Oberlinger in Windsheim bei Bad Kreuznach vergeben werden konnte. So bekam die Christ-König-Gemeinde 50 Jahre nach dem Bau der Kirche eine neue, dem Kirchenraum in Klang und Akustik angepasste Orgel. Das neue Instrument hat zwei Manuale und 23 klingende Register. Insgesamt sind mehr als 1200 Klangkörper unterschiedlicher Bauart aus Holz und Metall verbaut. Frau Knaup hatte inzwischen die Altersgrenze erreicht und wollte zumindest etwas kürzer treten. Seit 1997 war Frau Henryka Kajstra-Varosi einige Jahre in Halver als Organistin tätig. Ab und zu begleitet sie auch jetzt noch die Gemeinde. Nach Gründung der Großpfarrei Christus König im Jahr 2006 kam Herr Ulrich Isfort als hauptamtlicher Organist und Chorleiter zu uns. Weil Herr Isfort aber noch in der Pfarrei in Schwelm tätig ist, übernehmen häufig Frau Ursula Knaup, Herr Herbert Müller oder Herr Stefan Wüller das Orgelspiel im Gottesdienst. Die Oberlinger-Orgel in Christus König. Im Rahmen einer Inspektion wurde 2010 die Orgel neu intoniert, die Lautstärken der einzelnen Pfeifen innerhalb der Register einander angepasst, auch das Lautstärkenverhältnis der Pfeifengruppen zueinander wurde verbessert und damit einige »Kinderkrankheiten« beseitigt. So hat die Gemeinde Christus König die Freude und den Genuss, eine wunderbare Orgel zu besitzen … und Organisten, die sie spielen. (Ruth Dahlhaus) Aus der Traum? Kita St. Georg läuft 2018 aus… Kita St. Georg Es waren bewegte Monate zwischen März und August. Nachdem der Kita-Zweckverband auf seine unnachahmliche Art das Auslaufen der Kita in Oberbrügge verkündet und großen Aufruhr verursacht hatte, haben sich Elternvertreter und Engagierte aus dem Kirchenvorstand Christus König zusammengetan und überlegt, was möglich ist. Schnell wurde klar, dass eine katholische Kita nur mit Hilfe von zusätzlichen Finanzen zu retten ist. So, wie in der ersten Zeit erhofft, ist dies nun doch nicht möglich gewesen. Auch mit einem Budget der Kirchengemeinde und der Bereitschaft einzelner, durchaus beachtliche Summen dazu zu tun, war nicht ersichtlich, dass wir den Fehlbetrag würden finanzieren können. Dazu kam, dass auch eine »Rettung für zwei, drei Jahre« keine langfristige Lösung gewesen wäre. Auf der anderen Seite hatte der Märkische Kreis von Anfang an signalisiert, in Oberbrügge in jedem Fall eine Kita erhalten zu wollen – mit jedem Träger, dem das möglich würde. Und erkennbar war, dass manche Eltern dann doch durch diese Zusage einer Betreuung ihrer Kinder beruhigt waren. Der Kreis brauchte aber auch ein Signal, um planen zu können – und so hat die »Task Force St. Georg«, wenn auch schweren Herzens, dieses Signal gegeben. Zurzeit ist also davon auszugehen, dass die Kita St. Georg zum Sommer 2018 auslaufen wird – und 2017 dann letztmals Kinder aufnehmen kann. Eine Kita in neuer Trägerschaft würde diese Kinder dann 2018 übernehmen können; möglicherweise in einem anderen Gebäude, zumindest aber in Oberbrügge. Dankbar bin ich für alle Engagierten in diesen Monaten – die immer wieder zwischen Hoffen und Bangen neu gesucht und überlegt, und verschiedene Optionen ernsthaft geprüft haben. Aus der Traum? Vielleicht also ja. Und vielleicht nicht der letzte – wenn sich jetzt zeigen sollte, dass wir als Kirche einüben müssen, uns von Einrichtungen verschiedener Art zu trennen. Im Bistum Essen steht eine Vielzahl von Kindertageseinrichtungen auf dem Prüfstand. Und der Pfarreientwicklungsprozess wird uns sicher auch bezüglich aller anderen Arten, sich kirchlich zu engagieren, herausfordern. (Claus Optenhöfel) netzwerk 5

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Pfarrei unterwegs Eine begeisternde Wallfahrt »Selig die Barmherzigen…« Unter diesem Motto, passend zum von Papst Franziskus ausgerufenen Jahr der Barmherzigkeit, führte der Weg eine Gruppe von 35 Pilgern unserer Pfarrei am Samstag, 1. Oktober, zur Basilika der Heiligen Ida nach Lippetal-Herzfeld. Diese dem Hochadel des 8. Jahrhunderts entstammende Heilige baute aufgrund einer Vision an der Stelle der jetzigen Basilika eine Kirche, in der sie nach dem Tod ihres Mannes zweimal täglich Gaben an Bedürftige verteilte. Die Menschen verehrten sie schon zu Lebzeiten als »Mutter der Armen« (die genaue Heiligen-Geschichte gab es in der letzten Netzwerk-Ausgabe). Das Gedenken an ihre Barmherzigkeit bildete den Mittelpunkt der diesjährigen Pfarrei-Wallfahrt. Nach dem Pilgersegen in den Gemeindekirchen ging es mit dem Bus nach Hamm-Uentrop. Nach einer Gebetsstation auf dem dortigen Autohof und der Abfahrt der Radfahrer auf ihren 35 km langen Pilgerweg entlang der verschiedenen Kapellen der Bauernschaften Lippetals, ging es für den Großteil der Gruppe mit dem Bus weiter zu den Stationen an den verschiedenen Kapellen (St. Agatha in Kesseler, Anna und Joachim in Heckentrup, St. Antonius in Rassenhövel). Ein besonderes Erlebnis war die Anna-Kapelle, eine private Kapelle auf einem Bauernhof in Schachtrup, der von dem Großvater der jetzigen Besitzerin (Frau Uelentrup, die viel über die Kapelle und ▼ Die fröhliche Pilgerschar vor dem Haus Idenrast in Herzfeld. ihre Geschichte zu erzählen wußte) gebaut worden ist, um Gott für das Überleben einer Blinddarmoperation zu danken. Unterwegs trennten sich dann die Gruppen, die noch zehn bzw. fünf Kilometer zu Fuß pilgern wollten, von den Busfahrern. Grundlage für die einzelnen Stationstexte waren die Heiligen der jeweiligen Kapellen und Gedanken zur Barmherzigkeit. Wer mit dem Bus zur Basilika fuhr, konnte dort noch eine interessante Kirchenführung mitmachen. Nach einem gemeinsamen Essen im Haus Idenrast, zu dem wieder alle Pilger etwas beigetragen haben, ging es zum Kreuzweg in den Lippeauen. Mittelpunkt der Kreuzwegstationen war ein Marienlied, das den Leidensweg ihres Sohnes beschreibt. Der Tag endete mit einer gemeinsamen Vorabendmesse in der Wallfahrtskirche. Nach einem langen Tag brachte der Bus die erschöpften aber zufriedenen Pilger zurück in die einzelnen Gemeinden. Als Mitarbeiterin des Vorbereitungsteams bin ich froh, dass der Tag für alle gut verlaufen ist. Im Bus waren vor allen Dingen positive Gedanken zu diesem Tag zu hören. Schade fanden alle die geringe Teilnehmerzahl. Es wäre schön gewesen, diesen Tag mit mehr Pfarreimitgliedern teilen zu können. (Conny Nölle)

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»Du kannst nicht   auf zwei Hochzeiten tanzen!« Seelsorge Liebe Schwestern und Brüder, dieser Satz, den ich oft von meiner Mutter hörte, wenn ich mich mal wieder nicht entscheiden konnte, kam mir in den Sinn, als ich gewahr wurde, dass ich zum Pastor für zwei Pfarreien ernannt werde. Ich fragte mich, ob das überhaupt gut gehen würde, ob das machbar wäre, und ob ich den Menschen in den beiden Pfarreien gerecht werden könne. Nun bin ich seit einem Jahr Pastor in der Pfarrei Halver und der Pfarrei Altena und ich denke, es ist an der Zeit, einmal zu erzählen, wie sich mein Dienst gestaltet. Vorbei sind – nicht nur in unserem Bistum – die Zeiten, in denen ein Priester zum Pastor für eine Gemeinde ernannt wurde, die dann »ihren« Pastor hatte. Das ist dem Mangel an Priestern geschuldet, immer weniger Priester müssen die Menschen in den Gemeinden begleiten, eine Entwicklung nicht nur in unserem Bistum. Zunächst wurde ich Pastor in der Pfarrei Halver und ich wohne seit November 2015 in Schalksmühle. Dank meiner Nachbarn und den Menschen in Schalksmühle fühle ich mich dort beheimatet und lebe gern dort. Ziemlich bald wurde klar, dass ich auch zum Pastor in der Pfarrei Altena ernannt werden würde. Im Krankenhaus wurde eine Palliativstation eröffnet, und Pfarrer Schmalenbach brauchte dringend Hilfe in der Pfarrei, da ein Mitbruder sehr krank war und der andere bald in den Ruhestand gehen würde. Da ich zuvor Seelsorger im Klinikum Hellersen war, wurde ich gefragt, ob ich mir diese Aufteilung der Stelle vorstellen könnte. Nachdem alle beteiligten Geistlichen sich beraten hatten, sagte ich zu. So kommt es, dass ich zu 50% Pastor in Halver und zu 50% Pastor in Altena bin. Von den 50% in Altena entfallen dann 20% auf das St.-Vinzenz-Krankenhaus, dessen Zukunft zur Zeit mehr als ungewiss ist. Dienstags, donnerstags und samstags bin ich in Altena tätig. Ich betreue dort die Patienten und Mitarbeiter im Krankenhaus und habe in der Regel samstags die Vorabendmesse in St. Matthäus. Außerdem erarbeite ich zusammen mit anderen ein Präventionskonzept für die Gemeinde zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Aus diesem Grund kann ich zum Beispiel an den genannten Tagen in der Pfarrei Halver keine Termine wahrnehmen. Zudem bin ich von katholischer Seite her zuständig für das Trauer-Café Momo, wo ich die Mitarbeiter begleite. Mittwochs, freitags und sonntags bin ich hier in der Pfarrei Halver tätig. Neben den Gottesdiensten bin ich im Besonderen zuständig für Wiederaufnahmen in die Kirche, sowie für Erwachsenentaufen und Erwachsenenfirmungen. Außerdem begleite ich unseren Kindergarten St. Georg in Oberbrügge. Montags habe ich dann meinen freien Tag. Auch durch meine Tätigkeit im Krankenhaus habe ich gemerkt, dass mir Trauer- und Sterbebegleitung sehr liegen. Daher arbeite ich dienstags und donnerstags nach Dienstschluss, wenn keine Sitzungen im Kalender stehen, im Hospiz in Lüdenscheid mit. Seit dem Antritt meiner Stelle bin ich nun in einem Jahr 33 000 Kilometer gefahren. So unterschiedlich die beiden Pfarreien auch sein mögen, beide befinden sich in einem Prozess der Neuorientierung. Wir müssen in beiden Pfarreien neue Wege gehen und darüber nachdenken, wie wir die Zukunft gestalten können. Ich kann nach diesem einem Jahr sagen, dass ich mich freue, in beiden Pfarreien Pastor sein zu können. Und so bin ich dann weiter »unterwegs im Namen des Herrn«. Es grüßt sie herzlich Ihr Pastor Armin Rogge netzwerk 7

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Der Halveraner Herbst – ein großer »Auftritt« für unsere Befragung. Wir gehen auch zum Dahler Bauernmarkt, ich war in Kitas und am Anne-Frank-Gymnasium. Konzertbesucher und Gottesdienstteilnehmer haben Bögen ausgefüllt, über 100 sind online beantwortet worden; wie viele Menschen ihren Bogen aus »BENE«, dem Bistumsmagazin genommen haben, wissen wir nicht. Halveraner Herbst, am letzten sonnigen und warmen Septembersonntag. Tausende Menschen sind in Halver unterwegs, viele Stände und Angebote säumen die Straßen. Mittendrin: der Stand unserer Pfarrei. Die »Marke« macht Menschen aufmerksam. Manche gucken zweimal hin. Manche scheinen uns eher für eine Sekte zu halten, nehmen sichtbar Abstand. Andere kommen zögernd näher. Eine Frau spricht mich direkt an: Ach, das ist also die Umfrage. Hab ich ja schon von gehört. Ich komme aus Brügge – bei uns in Lüdenscheid ist es jetzt auch losgegangen mit dem Prozess. Darf ich den Fragebogen denn auch sehen? Sie darf. Sie darf ihn auch beantworten. Wir wollen mit diesem Bogen ja viele – auch diejenigen erreichen, die nicht sonntags in die Kirche kommen, die wir nicht in Gruppen und Gemeindehäusern treffen. Kirche für die Menschen – und mit den Menschen, die hier wohnen, und die Wünsche und Interessen haben, Vorstellungen davon, wie Kirche für mich sein könnte. Die Frau, die mich direkt angesprochen hat, bleibt eine von wenigen. Viele gehen einfach vorbei. Andere kennen mich, lassen sich ansprechen, einzelne werden auch neugierig und nehmen interessiert einen Fragebogen mit. Eine Jugendliche muss ihn sofort ausfüllen, lässt ihre Mutter weitergehen zum Auto, nein, das muss jetzt sein. Was wir wissen: viele haben geantwortet. Über 500 werden es bis Ende Oktober wohl gewesen sein. Und die Antworten sind sehr interessant. Die Werbeagentur, mit der wir zusammenarbeiten, hat einen Professor aus Iserlohn mit der Auswertung beauftragt. Da werden auch aus den vielen zusätzlich geschriebenen Texten auf den Antwortbögen häufig vorkommende Worte gesammelt, Themen aufgetan. Mit denen können wir am 20. November weiterarbeiten, aus denen können wir filtern: Wie kann »Kirche« bei uns in den nächsten Jahren aussehen? Aus welchen Themen und Schwerpunkten können wir was machen? Wir: das sind alle, die sich einbringen, mit Gedanken und konkreter Beteiligung an Projekten. Denn die Umfrage ist ja Bestandteil unseres Pfarreientwicklungsprozesses – sie soll uns also helfen, für die kommenden Jahre solche Schwerpunkte zu setzen, an denen Menschen wirklich liegt. Und unsere – ja sicher: kleiner werdenden – Möglichkeiten darauf auszurichten. An diesem 20. November kann der »Zukunftstag« uns weiterbringen. Wir haben nicht nur die »üblichen Verdächtigen« aus den Gremien der Gemeinden dazu eingeladen, sondern auch diejenigen, die den Verantwortlichen eingefallen sind: Familien, evangelische Partner, Bürgermeister, »Querdenker«. Und was an Ideen und Projekten von diesem 20. November ausgeht, wird die pastorale Vision unserer Pfarrei prägen – eine Vision, die wir dann 2017 »mit den Realitäten unserer Kräfte, Finanzen, Gebäude abgleichen« müssen, um im nächsten Jahr Entscheidungen zu treffen. Unsere Umfrage – sehr professionell von der Firma siegerbrauckmann entwickelt – ist sehr gut angekommen. Wir haben über BENE alle katholischen Haushalte angefragt, waren auf öffentlichen Veranstaltungen, haben mehrere tausend Fragebögen verteilt. So etwas gibt es sonst nirgendwo! Unter allen Pfarreien des Bistums sind wir die Einzigen – oder zumindest die Ersten – manche sagen auch: die Mutigsten. An anderen Orten scheut man sich vielleicht auch vor der »ungeschminkten Rückmeldung aller«. Auch die evangelischen Gemeinden sind an unseren Ergebnissen interessiert, denn die Fragen, vor denen die Kirchen stehen, sind ähnlich. Neben dem Pfarreientwicklungsprozess gehen zwei Projekte für unsere Kirchengebäude nun weiter. Etwas »unabhängig« vom großen Ganzen haben sie sich in der letzten Zeit entwickelt. Sie passen gut zu den Inhalten des Zukunftsbildes unseres Bistums, so dass wir hier auch auf finanzielle Mithilfe bzw. Förderung durch das Bistum rechnen. 8 netzwerk

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In die Entscheidungen zur Zukunft werden diese Projekte noch eingebracht werden müssen – ich denke aber, dass sie sich gut damit werden verbinden lassen: 1. »Illuminierung des Kirchenraumes«: Gemeindemit glieder aus Halver haben sich Gedanken gemacht, für die Pfarrkirche ein neues Beleuchtungskonzept zu entwickeln, das den Einsatz von buntem Licht für unterschiedliche »Stimmungen« ermöglicht. Daraus ist inzwischen ein Projekt geworden, das – in einer Kombination von festen und mobilen Anteilen – moderne Lichttechnik für die Nutzung in allen Kirchen der Pfarrei einrichten möchte. Erste Ideen, zu welchen Gelegenheiten so etwas einzusetzen wäre, sind da. Ein Besuch bei »Kirche im Licht« in Hagen-Wehringhausen hat neue Impulse gebracht. Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand haben dem Antrag zugestimmt – nun hoffen wir auf Bezu schussung aus dem Innovationsfond des Bistums. 2. Eine größere »Umgestaltung« ist seit einigen Jahren für die Breckerfelder Kirche im Gespräch, nachdem ein Experiment in der Fastenzeit 2014 ganz neue, ungewohnte Kirchenraum-Erfahrungen ermöglicht hat. Auch hier haben die Gremien zugestimmt, das weiter zu verfolgen. So sind wir Bestandteil des Bistums-Projektes »neue Kirchenräume und litur- gische Raumkonzepte« und werden mit Experten Ideen für eine neue Innengestaltung der St.-Jakobus-Kirche entwickeln und beraten. (Claus Optenhöfel) Erntedankgabenverkauf für ein wichtiges Projekt Am Erntedanksonntag, dem 2. Oktober 2016, haben die Pfadfinder, wie in den Vorjahren, wieder erfolgreich Erntedankgaben an der Christus-König-Kirche in Halver verkauft. Gerne möchten wir den Besuchern und den interessierten Gemeindemitgliedern mitteilen, dass in diesem Jahr ein Reinerlös von EUR 174,25 eingenommen wurde, der dem Spendenziel, der Jahresaktion »H2O 16« unseres Pfadfinderdachverbandes, zugeführt wird. Es geht dabei um die wichtigste Ressource auf der Erde: Wasser. Wasser ist lebenswichtig, ohne Wasser können wir nicht existieren. Genauere Informationen bekommen Sie bei den Pfad- findern und auf der Internetseite http://dpsg.de/h2o16.html (Michael Kißing) Erntedank netzwerk 9

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Wissenswertes Zur Geschichte der Reformation – Teil 1 Das Feld wird bereitet Damit ein Same aufgeht, braucht es fruchtbaren Boden. Das gilt auch für historische Ereignisse wie die Reformation. Zu einem anderen Zeitpunkt in der Geschichte oder vielleicht auch an einem anderen Ort hätten die Thesen Martin Luthers kaum ihre große Wirkung entfalten können. Die Vorgeschichte der Reformation, deren Beginn sich im nächsten Jahr zum 500. Mal jährt, vollständig auszuloten ist allerdings kaum möglich, so dass notgedrungen ein kurzer Überblick und die Beschränkung auf wenige Beispiele genügen müssen: Im Laufe des Mittelalters war die einst bestehende Einheit von geistlicher und weltlicher Macht zunehmend zerbrochen. Unter den Salierkaisern hatte das Reformpapsttum um die Freiheit der Kirche von weltlicher Bevormundung gestritten. Ihren Höhepunkt fand diese Auseinandersetzung im Investiturstreit, bei dem es um die Frage ging, wer das Recht habe Bischöfe einzusetzen. Beigelegt wurde dieser Streit schließlich 1122 mit dem Wormser Konkordat, in dem Kaiser Heinrich V. der Kirche die Wahl der Bischöfe überließ. Unter den Stauferkaisern setzte sich dann die Machtprobe zwischen Papst und Kaiser fort. Eine Folge dieses Konfliktes war die Schwächung der Zentralgewalt in Deutschland, bei gleichzeitiger Stärkung der Landesfürsten, ein Umstand, der später die Ausbreitung der Reformation begünstigen sollte. Frankreich als neue aufstrebende Macht in Europa geriet bald ebenfalls in Konflikt mit dem Papsttum: Dem Versuch des französischen Königs Philipps IV. den Klerus zu besteuern, widersetzte sich Papst Bonifaz VIII. (1294 – 1303) heftig. Französische Intrigen brachten schließlich den aus der Gascogne stammenden Clemens V. auf den Papstthron. Für die nächsten rund 70 Jahre residierten die Päpste jetzt nicht mehr in Rom, sondern in Avignon und standen so unter der Kontrolle der französischen Krone. Ein erstes Opfer dieses »babylonischen Exils der Kirche« war der zu Unrecht aufgehobene Templerorden, auf dessen Vermögen es der französische König abgesehen hatte. Nicht zuletzt dem Druck der Heiligen Katharina von Siena (1347–1380), die zudem vehement kirchliche Reformen forderte, war es schließlich zu verdanken, dass die Päpste nach Rom zurückkehrten. Der erste nicht-französische Papst nach dem Exil, Urban VI., erwies sich jedoch als Despot. Einige Kardinäle fielen daher von ihm ab und wählten einen Gegenpapst: Clemens VII., der seinen Sitz wieder in Avignon nahm. Ab jetzt gab es zunächst zwei, später nach einem missglückten Versuch das Schisma zu beenden, sogar drei Papstlinien, die um ihre jeweilige Anhängerschaft buhlten. Erst das Konzil von Konstanz konnte 1417 unter massivem Druck König Sigismunds mit der Wahl Martins V. diesen unerträglichen Zustand beenden. Es folgte das Zeitalter der Renaissancepäpste, die oftmals genauso machiavellistisch handelten, wie die weltlichen Fürsten ihrer Zeit. Als besonders abschreckendes Beispiel gilt bis heute – nicht in allen Punkten zurecht – Papst Alexander VI. (1431– 1503), nach dessen Tod angeblich die »Höllenhunde im Vatikan geheult hätten«. Die Verwicklungen in weltliche Streitigkeiten hatten nicht nur dem Ansehen des Papsttums sehr geschadet, sondern ihm oft auch die Kraft für dringend nötige Reformen geraubt. Hinzu kam, dass die Menschen durch die Wiederentdeckung der Antike (Renaissance), technische Neuerungen – der von Gutenberg entwickelte Buchdruck eröffnete immer mehr Menschen den Zugang zu Wissen – und eine zunehmende Individualisierung ein wacheres Auge für die in der Kirche herrschenden Missstände entwickelten: So sahen viele Kleriker die Kirche als ihren eigenen Besitz an, mit dem sie nach Belieben sowohl zu ihrem eigenen Wohl, als auch zum Wohl ihrer Familie verfahren konnten. Die Vergabe kirchlicher Ämter an Verwandte (Nepotismus) war daher nicht selten. Viele Priester lebten zudem im Konkubinat und besaßen kaum religiösen Geist, ganz zu schweigen von der oft nur Hl. Katharina von Siena, Fresko von Andrea Vanni, 14. Jahrh. 10 netzwerk

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Wissenswertes mangelhaften Ausbildung vor allem vieler Landpfarrer. Es erstaunt daher nicht, dass bereits vor Luther Reformer aufgetreten sind, die die Kirche erneuern wollten. An der Wende vom 12. zum 13. Jht. sammelte der einst reiche Kaufmann Petrus Waldes (+ 1218) aus Lyon als Laienprediger eine Anhängerschaft um sich, die als Waldenser bezeichnet werden. Bis heute existieren sie in Italien, Süddeutschland und Südamerika und gelten als (vor-)protestantische Kirche. Anders als bei anderen Armutsbewegungen, wie z.B. den Franziskanern, kam es bei den Waldensern bald zum Bruch mit Rom. Für die sich anschließende Verfolgung durch die Inquisition hat sich Papst Franziskus 2015 entschuldigt. Den fast zeitgleich in Südfrankreich entstandenen Katharern war ein weniger günstiges Schicksal beschieden, sie wurden bis zum 14. Jht. vollständig ausgerottet. Unter dem Einfluß von John Wyclif lehnte auch der Prager Magister und Priester Jan Hus (1374–1415) schriftwidrige Dogmen ab und forderte die Kelchkommunion auch für Laien. Besonders geißelte er den Ablasshandel, die Bilderanbetung und Wundergläubigkeit vieler Christen. Trotz der Zusicherung freien Geleits wurde Jan Hus 1415 auf dem Konzil von Konstanz – auf dem zwei Jahre später auch das Große Abendländische Schisma beendet werden sollte – als mutmaßlicher Ketzer zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Papst Johannes Paul II. bedauerte 1999 diesen Vorgang, eine Rehabilitierung ist allerdings bislang nicht erfolgt. Den Tschechen gilt Jan Hus heute als Nationalheld. Girolamo Savonarola (Allessandro Moretto, 1524) John Wyclif (Kopie eines mittelalterlichen Originals, Thomas Kirkby) In England lehnte der Theologe John Wyclif (1329/1330 –1384) die Lehre von der Transsubstantiation, d.h. die Wesensverwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi, das Papsttum und die Mittlerschaft der Priester ab und lehrte, dass der Mensch allein durch die Gnade Gottes zu seinem Heil vorherbestimmt sei. Wer dieser unsichtbaren Kirche der Geretteten angehöre, könne niemand mit Gewissheit sagen. John Wyclif wurde damit zum Vorläufer und Inspirator für den späteren Reformator Johannes Calvin (1509–1564). Die Missstände in der sichtbaren Kirche kritisierte er scharf. Daher billigte er auch den Fürsten das Recht zu, über missbräuchlich genutztes Kirchengut zu verfügen. Einige Jahrzehnte später wirkte in Florenz der Dominikanermönch Girolamo Savonarola (1452–1498) als Bußprediger. Er griff zwar die traditionelle Lehre der Kirche nicht an, wohl aber das Verhalten des Klerus. Sein Eifer ging so weit, dass er versuchte, mithilfe der weltlichen Obrigkeit ganz Florenz in ein Kloster zu verwandeln, womit er sich allerdings auch viele Feinde machte. Unter dem Druck Papst Alexanders VI. wurde er schließlich gefangen genommen, gefoltert und zum Tode verurteilt. Seit 1998 läuft ein Seligsprechungsprozess für Savonarola. Die Liste der hier angeführten Vorreformatoren soll einen Eindruck davon vermitteln, wie der Weg zur Reformation gebahnt wurde. Eine Wertung bezüglich der Lehren und des Lebens der einzelnen Personen stellt sie hingegen nicht dar. Nach dem Prediger im Alten Testament gibt es »nichts Neues unter der Sonne« (Koh 1,9). Dies mag man anzweifeln, gewiss ist aber, dass jede Geschichte ihre eigenen Wurzeln hat, die zu ihrem Verständnis von entscheidender Bedeutung sind. (Dr. Johannes Sander) netzwerk 11

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Gottesdienste in der Advents- und Weihnachtszeit Samstag, 26. November 17.00 Uhr Vorabendmesse bei Kerzenlicht (Rorate- messe) – OB Sonntag, 27. November – 1. Advent 09.30 Uhr Hl. Messe – HV 09.30 Uhr Kinderwortgottesdienst »Kleiner König« – HV 09.30 Uhr Familienmesse – SM 11.00 Uhr Heilige Messe – BF 11.15 Uhr Heilige Messe – DA Mittwoch, 30. November 19.15 Uhr Messfeier bei Kerzen- licht (Roratemesse) – SM Samstag, 3. Dezember 17.00 Uhr Familienmesse mit der KiTa St. Georg – OB anschl. Nikolausfeier Sonntag, 4. Dezember – 2. Advent 09.30 Uhr Familienmesse – HV 09.30 Uhr Heilige Messe – SM 11.00 Uhr Heilige Messe – BF 11.15 Uhr Heilige Messe mit Kinderchor »Herzens klänge« – DA Mittwoch, 7. Dezember 19.15 Uhr Messfeier bei Kerzen- licht (Roratemesse) – SM Samstag, 10. Dezember 17.00 Uhr Vorabendmesse – OB Sonntag, 11. Dezember – 3. Advent 09.30 Uhr Heilige Messe – HV 09.30 Uhr Heilige Messe – SM 09.30 Uhr Wortgottesdienst für Kinder – SM 11.00 Uhr Familienmesse, mitge staltet von »Kirche für Kids« und Familien adventssingen – BF 11.15 Uhr Heilige Messe mit Jugendchor »Stimmlich(t)« – in Rummenohl 17.00 Uhr Alternativer Buß- gottesdienst für die Pfarrei – HV Mittwoch. 14. Dezember 19.15 Uhr Messfeier bei Kerzen- licht (Roratemesse) – SM Samstag, 17. Dezember 17.00 Uhr Vorabendmesse bei Kerzenlicht (Rorate- messe) – OB Sonntag, 18. Dezember – 4. Advent 09.30 Uhr Heilige Messe mt der Kantorei Halver – HV 09.30 Uhr Heilige Messe – SM 11.00 Uhr Heilige Messe mit Kirchenchor – BF 11.15 Uhr Familienmesse mit Aussendung des Friedenslichts, mitge staltet von den Pfad- findern – DA 17.00 Uhr Traditioneller Buß gottesdienst für die Pfarrei – DA Mittwoch. 21. Dezember 19.15 Uhr Messfeier bei Kerzen- licht (Roratemesse) – SM Donnerstag, 22. Dezember 08.15 Uhr Ökumenischer Schul gottesdienst des AFG – HV 10.15 Uhr Schulgottesdienst – OB Samstag, 24. Dezember – Heiligabend 15.00 Uhr Kinderkrippenfeier – HV 15.30 Uhr Kinderkrippenfeier – SM 17.00 Uhr Kinderkrippenfeier – BF 17.00 Uhr Kinderkrippenfeier – DA 18.00 Uhr Christmette – HV 18.30 Uhr Christmette – DA 22.00 Uhr Christmette – BF 22.00 Uhr Christmette – SM Sonntag, 25. Dezember – Weihnachten – Hochfest der Geburt des Herrn 09.30 Uhr Heilige Messe mit Chorissimo – HV 09.30 Uhr Heilige Messe – SM 11.00 Uhr Heilige Messe – OB 11.00 Uhr Heilige Messe – BF 11.15 Uhr Heilige Messe – DA Montag, 26. Dezember – Hl. Stephanus 09.30 Uhr Heilige Messe – HV 09.30 Uhr Heilige Messe mit Kirchenchor – SM 11.00 Uhr Heilige Messe – BF 11.15 Uhr Heilige Messe – DA Samstag, 31. Dezember – Silvester 17.00 Uhr Heilige Messe zum Jahresschluss – OB 18.00 Uhr Heilige Messe zum Jahresschluss – HV 18.30 Uhr Heilige Messe zum Jahresschluss – SM Sonntag, 1. Januar 2017 – Neujahr 11.00 Uhr Heilige Messe – BF 11.15 Uhr Heilige Messe – DA 16.00 Uhr Ökum. Andacht als Auftakt zum Neujahrs spaziergang – HV HV = Halver, OB = Oberbrügge, DA = Hagen-Dahl, BF = Breckerfeld, SM = Schalksmühle 12 netzwerk

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Katholische öffentliche Bücherei Halver Öffnungszeiten: Sonntag nach der Hl. Messe, Dienstag und Freitag 15 – 17 Uhr Breckerfeld Öffnungszeiten: Sonntag 10.30 – 12.30 Uhr, Mittwoch 15 – 16 Uhr, Freitag 16 – 17 Uhr Schalksmühle Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 15.30 – 18.00 Uhr Dahl Öffnungszeiten: Sonntag 10.30 – 12.15 Uhr, Montag 17.30 – 18.30 Uhr, Dienstag und Donnerstag 16 – 18 Uhr Ein Roman, der gut tut: Max ist seit fünfundzwanzig Jahren mit Tina verheiratet, sie ist die Liebe seines Lebens. Er betreibt eine kleine Bar, tagsüber bringt er das Altglas weg, repariert das Mobiliar – oder begibt sich auf die Suche nach einem ausgestopften Stierkopf, der unbedingt über dem Tresen hängen soll. Max liebt sein Leben, so wie es ist, seine Familie, seine Freunde. Das wird ihm einmal mehr bewusst, als Tina zum ersten Mal in ihrer gemeinsamen Ehe beruflich ohne ihn unterwegs ist. »Das Leben ist gut« verteidigt mit scharfem und versöhnlichem Blick das, was im Alltag schnell übersehen wird. Es ist ein Roman über das Menschsein – vor allem aber eine Hymne an die Liebe. Der neue Roman des Bestsellerautors Alex Capus. Familienspiel: Das Kinderspiel des Jahres 2016 erfordert eine Kombination aus Glück, Erinnerungsvermögen, Taktik und Sammlergeist.Wer gut ist bei Memory, der kommt also auch hier gut voran! Gut voran zu kommen bedeutet, die notwendigen Waren zu sammeln: Fische, Mammutzähne und ähnliches. Damit kann man dann die Hütten für die eigene Siedlung bauen. Wer zuerst drei Hütten gebaut hat, der hat gewonnen. – Ein richtig gutes Familienspiel, das sich auch mit Vierjährigen zumindest mit etwas Hilfe gut spielen lässt. Es ist schnell zu verstehen und einfach, aber auch nicht in irgendeiner Weise langweilig oder banal. Dadurch deckt das Spiel eine ungewöhnlich hohe Altersbreite ab und ist deshalb sehr familientauglich. Die Büchereien empfehlen für die Advents- und Weihnachtszeit: Ein Poster-Adventskalender zum Vorlesen und Ausschneiden: In welchem Land werden die Geschenke bereits Mitte November überreicht? Wo verstecken die »dreizehn Weihnachtskerle« Süßigkeiten in den Schuhen? Und wer isst am Heiligabend ein Festmahl aus zwölf traditionellen Speisen? In 24 spannenden Geschichten führt dieser besondere Adventskalender in die Weihnachtstraditionen aus aller Welt ein: von den Philippinen bis Mexiko, von Island bis zu den Seychellen! – Die Jubiläumsausgabe des erfolgreichen Klassikers, neu illustriert und überarbeitet und mit einem großen Weltposter. Buch und CD: Peter und der Wolf, m. Audio-CD Ein musikalisches Märchen für Kinder von Sergej Prokofjew. Mein Gott, dein Gott, unser Gott von Franz Hübner (Autor), Giuliano Ferri (Illustrator). Ab 5 Jahre. Drei Freunde, David, Ibrahim und Johanna diskutieren immer wieder dieselbe Frage: Wessen Gott mag wohl der Richtige sein? Um eine Antwort zu finden, zieht Ibrahim los und begegnet unterwegs vielen verschiedenen Menschen, die alle eine andere und doch immer die gleiche Antwort haben: Der See, der Wald, die Freundschaft... alles hat »ihr« Gott geschaffen. Am Ende erkennen die Freunde, dass es immer der eine Gott ist, der viele Gesichter und Eigenschaften hat und zu dem es unterschiedliche Zugänge gibt. Das Buch liefert keine Antwort auf die Frage nach dem »richtigen« Gott, aber Denkanstöße und Gesprächsanlässe sowie Freude am Nachdenken und ein Aufruf zu mehr Frieden und Toleranz. Hinweis: Im März/April 2017 empfehlen die Büchereien wieder Bücher und andere Geschenke zur Erstkommunion. Genaue Angaben (Ausstellungstermine) entnehmen Sie bitte den Pfarrnachrichten. netzwerk 13

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Gemeinschaft Religionsunterricht in der Schule 2016 Interview mit zwei Religionslehrern aus unserer Pfarrei, Barbara Vormann (Halver) und Marc Raude (Dahl). Du bist Lehrer/in. An welcher Schule (Schulform) und in welchen Fächern unterrichtest du? Marc Raude: Ich unterrichte an der Realschule HagenHalden Englisch und Religion. Barbara Vormann: Ich bin Lehrerin an einer Gesamtschule in Remscheid. Meine Fächer sind katholische Religion und Biologie. Da unterrichte ich zurzeit vorwiegend in der Oberstufe. Das mache ich gern, denn gerade der Religionsunterricht bietet die Möglichkeit, Themen zu diskutieren; das erlebe ich in der Oberstufe auf einem hohen Niveau. Macht die Arbeit Spaß bzw. bringt sie Erfüllung? Barbara Vormann: Ja – denn ich bin mit jungen Menschen gemeinsam unterwegs. Ich erlebe, wie die Schülerinnen und Schüler sich weiter entwickeln – und erlebe auch, dass ich selber von ihnen etwas lerne. Derzeit zum Beispiel, die Schüler in ihrem Andersein wahrzunehmen, ihre Lebenswelt kennenzulernen, mit »theologischen Fragestellungen« zu verknüpfen und dafür eine ›neue‹ Sprache zu suchen und zu finden. Rückmeldungen und Anfragen sind in jedem Kurs und für jeden Schüler/ jede Schülerin anders. – Ich merke: ich gehe gern zur Arbeit. Marc Raude: Lehrer sein ist definitiv mehr als ein Job. Ob mir die Arbeit Spaß macht, hängt sehr von dem jeweiligen Kurs bzw. der Klasse ab und ist oft auch Tagesform – sowohl meiner als auch der der Schüler – abhängig. Wieso hast du dich gerade für das Fach Religion entschieden? Marc Raude: Weil ich in der Oberstufe eine sehr inspirierende Lehrerin hatte. Außerdem war ich in einem Alter, wo man sich einfach Fragen zum Thema Religion gestellt hat. Diesen Fragen wollte ich dann im Theologie-Studium auf den Grund gehen. Barbara Vormann: Religion und Biologie haben mich beide interessiert, als ich studiert habe. Das waren – und sind – meine Themen: Fragen nach dem Leben, nach Sinn, nach Gott. Damit wollte ich mich gern beschäftigen, und habe das dann studiert. In der Biologie waren es vor allem Fragen der Ökologie und der Gentechnik. Biologie und Theologie – beides hat irgendwie damit zu tun, die Welt zu ›verbessern‹. Aber auch damit, Maßstäbe für den ›richtigen‹ Umgang mit der Welt zu diskutieren und zu finden… Sind an deiner Schule im Religionsunterricht nur katholische Schüler oder handelt es sich um konfessionsübergreifenden Unterricht? Barbara Vormann: Mein Fach ist natürlich katholischer Religionsunterricht. In der Oberstufe können die Schüler ja die Fächer frei wählen, und da sind dann immer wieder auch evangelische oder muslimische Schüler in den Kursen. Marc Raude: Wir haben an unserer Schule katholischen und evangelischen Religionsunterricht. Vereinzelt sind in meinem katholischen Kurs auch orthodoxe Christen. Für muslimische und nicht getaufte Schüler gibt es Ersatzunterricht. In der neunten und zehnten Klasse wird anstelle von Religionsunterricht auch Philosophie angeboten. Wie ist das Verhältnis der Jugendlichen verschiedener Konfessionen untereinander? Marc Raude: Insgesamt kann man feststellen, dass die Jugendlichen der verschiedenen Konfessionen gut miteinander auskommen. Die sind weiter als wir Erwachsenen. Barbara Vormann: Gerade in den jüngeren Jahrgängen wissen die Schüler oft gar nicht genau, welche Konfession sie haben. Viele bringen eher geringe »religiöse Sozialisation« mit, da sind unsere Religionsstunden auch so etwas wie eine »Alphabetisierung«. Es gibt auch einzelne Ausnahmen, dass Schüler aus der Familie eine Prägung mitbringen. Gibst du im Unterricht nur Schulwissen weiter oder kannst du auch Glauben vermitteln? Barbara Vormann: Der Lehrplan sieht vor, verschiedene Kompetenzen v.a. auf sachlicher und methodischer Ebene zu vermitteln. Aber manchmal ist mehr möglich, und das versuche ich auch: religiöse Erfahrungen zu ermöglichen, und so die Tür zur Glaubenserfahrung zu öffnen. Da haben wir zum Beispiel zum Thema der Mahlpraxis Jesu im Kurs mit Brot und Traubensaft Mahl gehalten. Solche Situationen sind immer ein Experiment. Wie es gelingt, hängt sehr von den Kursen, ja von den einzelnen Schülern ab, wie offen sie für so etwas sind. Es gibt suchende junge Menschen – andere suchen eben weniger. Besser noch gelingt es, den Glauben zu berühren, auf Tagen Religiöser Orientierung, wenn wir mit Schülern für ein paar Tage wegfahren und ein Team mit ihnen die Tage gestaltet. Marc Raude: Glauben möchte ich im Unterricht nicht vermitteln, dass muss sich bei jedem selber entwickeln. Es ist auch einfach nicht zeitgemäß – wenn man als Missionar vor der Klasse steht, hat man schon verloren. Man will das Grundinteresse der Schüler ja auch erhalten. Ich kenne das doch von mir – in der achten Klasse habe ich auf die Frage nach meinem Hass-Fach mit Religion geantwortet, in der Oberstufe hat sich dann die Entscheidung zum Glauben in mir entwickelt. Außerdem geht es in der Schule um das Basiswissen. Die Entscheidung des Einzelnen kann man letztendlich nicht beeinflussen, das muss von selber kommen. Außerdem finde ich gut, dass ich als einziger Lehrer, wenn es um Religion geht, auch mal sagen kann: Ich weiß es nicht. Haben die Kinder und Jugendlichen heute überhaupt noch Interesse an Religion? Marc Raude: Es gibt heutzutage alles: Kinder, die über die Jahre bei der Stange bleiben, welche, die schnell weg 14 netzwerk

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Gemeinschaft sind und Religion abwählen, sobald dies möglich ist, welche die Philosophie ausprobieren und auch die, die plötzlich wieder zurück in meinem Unterricht sind. Alles ist möglich. Barbara Vormann: Einmal hatte ich einen Kurs, da hatte ich das Gefühl: die brauchen überhaupt nichts von mir, bei denen gäbe es keine Fragen, die ich ansprechen könnte. Dann besprach ich das mit einer Kollegin, und die erlebte es ganz anders: dieser Kurs ist total auf der Suche! Schüler, Menschen sind auf der Suche – aber sie sehen oftmals nicht, dass Religion beim Suchen hilfreich sein könnte. Kannst Du/Können Sie feststellen, ob und wie die Kinder noch Rückhalt durch die Familien im Glauben haben? Barbara Vormann: Manchmal erzählen die Schüler von der Oma und deren religiöser Praxis oder deren Glauben. Aber sie sagen auch: bei mir ist das anders. Meist ist die Elterngeneration schon wenig am Thema Religion für ihre Kinder interessiert. Wie gesagt: es gibt einzelne Familien, da ist es auch anders. Aber die sind nach meiner Erfahrung die Ausnahme. Ich merke es auch in der Schule: Natürlich sind Mathe, Englisch und Deutsch den Eltern viel wichtiger. Damit es da ordentlich läuft, kann – aus deren Sicht – Musik oder Religion ruhig mal ausfallen oder gekürzt werden. Marc Raude: Man merkt es am Wissensstand der Kinder in Bezug auf Kirche-Weihnachten-Ostern und daran, dass diese Kinder oft auch als Jugendliche weiter im Religionsunterricht dabei sind. In diesem Zusammenhang fände ich es schön, in einer Schule zu arbeiten, die zu meiner Pfarrei gehört, da man dann die Familien besser kennt. Außerdem könnte man dann auch an einer besseren Zusammenarbeit zwischen Schule und Gemeinden arbeiten. gunsten eines allgemeinen Ethik-Unterrichtes aufgeben würde. Damit würden wesentliche ›Aspekte‹, die unser Land prägen und geprägt haben, nicht mehr weiter gegeben. – Ich jedenfalls möchte Religion unterrichten. Würdest du wieder Lehrer werden und sich auch wieder für das Fach Religion entscheiden? Barbara Vormann: Ja, würde ich wieder, ich mache es gern! – Begründung: siehe oben. Marc Raude: Religion auf jeden Fall! Der Lehrplan ist nicht so eng, die Kurse sind klein – man hat einfach mehr Freiheiten. Es ist in meinem Beruf schön, Kinder und Jugendliche ein paar Jahre zu begleiten. Es läuft dabei nicht immer alles perfekt und rund, aber ich habe immer die Zukunft vor mir – da ist immer Leben und man sieht das Potential der einzelnen Schüler. Ich baue dabei auf ein gutes freundschaftliches Verhältnis und nicht zu sehr auf Disziplin. Unser Job ist wie der eines Fußballtrainers, z.B. wie bei Jürgen Klopp: Du musst Kumpel sein, aber trotzdem zeigen, wo es lang geht. Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Freude in eurem Beruf! (Conny Nölle) Welchen Stellenwert hat der Religionsunterricht heute noch in der Schule und wie ist die Meinung zum Thema Ethik-Unterricht anstelle des Fachs Religion? Marc Raude: Wir machen für die Schüler zwei Gottesdienste im Jahr, zu Weihnachten und zum Schuljahresende. Wenn es von der jeweiligen Klasse gewünscht ist, gibt es auch einen Abschlussgottesdienst für die 10erKlassen. Insgesamt wird an unserer Schule noch sehr viel Wert auf den klassischen Religionsunterricht gelegt. Ethik-Unterricht ist daher kein Thema. Wenn möglich, wird in der 9. und 10. Klasse parallel noch Philosophie angeboten. Allerdings – Religion fällt bei einem Lehrerengpass als erstes aus. Barbara Vormann: In unserer Schule gehören die »Tage Religiöser Orientierung« ins Schulprogramm. Das zeigt ja doch eine gewisse Anerkennung. Bei uns läuft parallel zu den Reli-Kursen »praktische Philosophie«. Beide Bereiche haben in der Schule ihre Akzeptanz – es geht ja auch bei beiden um Wertevermittlung. Rechtlich ist es so, dass, wer getauft ist, normalerweise in den Religionskurs geht – aber Abmeldungen sind möglich. Dann ist »praktische Philosophie« die Pflicht-Alternative. Die nicht-christlichen Schüler werden gefragt, was sie möchten; viele von denen gehen auch zu Religion. – Ich könnte mir nicht vorstellen, dass man das Fach »Religion« zu- Barbara Vormann ist Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von Christus König. Sie engagiert sich u.a. beim Pfarreientwicklungsprozess und im Kreiskatholikenrat. Marc Raude ist aktiv in der Gemeinde Hagen-Dahl. Sein Hobby ist die Musik. Er spielt Keyboard in der Kirchenband »Heartbeat«. netzwerk 15

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