Dorfpostille 1. Sammelband

 

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Dorfpostille 1. Sammelband

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Langendreerer Dorfpostille 1. Sammelband Nr. 1/1982 bis 10/1984 3

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Verteilung der „Langendreerer Dorfpostille“ von zwei Gründungsmitgliedern, nämlich Uwe Schürmann (im linken Bild) und Carsten Stricker (im rechten Foto) an der Bushaltestelle am Markt im Dorf im Herbst 1983 Vorwort Die Idee gab’s schon lange. Versuche ihrer Umsetzung scheiterten immer wieder an der Vorstellung der Arbeit, die damit einher ging. Die Idee: Einen Sammelband heraus zu geben, in dem man die alten Dorfpostillen lesen konnte. Die Voraussetzungen waren gegeben: Alle Ausgaben lagen vor ab der Nr. 1 vom Juni 1982. Fehlende Originale konnten wir ergänzen, indem wir sie von Freunden der „Langendreerer Dorfpostille“ kopierten. Aber jetzt müsste Seite für Seite eingescannt und möglicherweise bearbeitet werden, damit sie wenigstens einigermaßen lesbar waren. Denn die Qualität der ersten Schwarz-Weiß-Ausgaben war eh schon schlecht, waren sie ja in den 80er Jahren per Kopierer vervielfältigt worden. Und jetzt lagen sie ja auch schon seit über dreißig Jahren im Ordner. Wer sollte das leisten? die uns zwar nicht neu, aber auf dem Bildschirm besonders augenscheinlich war: Texte waren passagenweise kaum bis gar nicht mehr lesbar und die glücklicherweise spärlich eingesetzten Fotos glichen meist rätselhaften Schwarz-WeißFlecken, die nur im Zusammenhang der sie umgebenden Texte etwas von dem verrieten, was sie mal darstellen sollten. Die Frage der Zumutbarkeit Stellte sich die Frage: Alles so lassen, wie es war, also eine Art Faksimile-Sammlung herausgeben, eine originalgetreue Nachbildung der Vorlagen? Konnte man das den möglichen Leserinnen und Lesern zumuten? Oder unleserliche Passagen lesbar neu einsetzen – zumindest da, wo man ahnen konnte, was da mal als Text stand? Die erste CD Die Wallbaums waren es, die den Gedanken aufnahmen – vormals Nachbarn im Oberdorf und nach wie vor leidenschaftliche Freunde der Dopo. Und irgendwann ging Christian, der Sohn, ans Werk und scannte ein. Bald ergänzte ein anderer Christian, nämlich der Bruder von Karsten Höser, die Scan-Arbeit – und nach Monaten schließlich erhielt ich eine CD mit den gescannten Ausgaben der Nummern 1 bis 20. Wir blätterten sie durch und waren einerseits begeistert: die alten Schwarz-Weiß-Dopos auf dem Bildschirm! Andererseits waren wir entsetzt angesichts der üblen Qualität, 4 Nachdem wir uns für das Projekt „Sammelband“ entschieden hatten, wählten wir den Kompromiss: Mit dem Bildbearbeitungsprogramm über Helligkeit-, Kontrast- und Graustufenbearbeitung versuchten wir Lesbar- und Erkennbarkeit zumindest zu verbessern. Manches blieb rätselhaft, musste rätselhaft bleiben, weil das Original eben schon rätselhaft war nach über dreißig Jahren „Bleichzeit“. Blicke zurück Und so legen wir jetzt tatsächlich den ersten Sammelband Dopos vor – wohl wissend, dass es sich einerseits um eine optische Zumutung handelt, aber andererseits auch um die einmalige Gelegenheit, in die vergangenen Jahrzehnte Lan-

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gendreers zu blicken, all das zu lesen, was die Dopo-Leute seit den frühen 80er Jahren für berichtenswert hielten, ihre Bewertungen politischer Entscheidungen, ihre kritische Begleitung sozialer Entwicklungen, ihre Entdeckungen im Stadtteil, ihre Ideen für Veränderungen. Wie jeder weiß, beansprucht die Dorfpostille nicht die Perspektive der Objektivität, die es ja eh nicht gibt. Die 10 Gründungsmitglieder versammelten sich 1982, um eine Stadtteilzeitung zu schaffen, in der sie aus eher jungsozialistischer Perspektive Ereignisse politischer, sozialer und kultureller Art vor allem im regionalen Umfeld unter die Lupe nehmen wollten. Und was war vorher passiert? Man sammelte Ideen für Artikel, die Aufträge zur Fertigung wurden verteilt, die gesammelten Artikel wurden schließlich mit Schreibmaschine getippt, danach ausgeschnitten, auf Seiten in bestimmter Reihenfolge aufgeklebt, und schließlich wurden noch Fotos, Bildchen, Überschriften und andere Gestaltungselemente eingebaut. Dann wurde das alles kopiert. Die Seitenzahl erhöhte sich bis zur Nr. 10 von 12 auf 28 Seiten, von denen allerdings 4 doppelt vorhanden waren. Eine neue Methode war eingeführt worden, nämlich das Zusammenlegen statt Heften – und prompt passierte dieser Legefehler! Der 1. Sammelband Es geht in diesem Sammelband um die Dopo-Ausgaben 1 bis 10 mit insgesamt 184 Seiten, die von Juni 1982 bis Juni 1984 erschienen. Ob es weitere Sammelbände geben wird, entscheiden wir nach den Rückmeldungen, die wir nach Herausgabe dieses ersten Bandes erfahren. Nr.1/1982 bis Nr.10/1984 Es begann mit 10 jungen Leuten, die vorwiegend aus dem Spektrum der Jungsozialisten kamen und z.T. noch die Lessing-Schule besuchten. Der Älteste war „Paul“ Wilfried Möller, 35jähriger Lehrer an der Gesamtschule Bochum, der mit anderen Stadtteilaktivisten einige Monate vorher den „Laden“ an der Lünsender Str.23 gemietet hatte, um von da aus Stadtteilarbeit zu betreiben. Es war die Zeit des bürgerschaftlichen Engagements, der „Bürgerinitiativen“, und in dem Zusammenhang ist auch die Gründung der „Dorfpostille“ zu sehen: außerhalb der üblichen „etablierten“ Strukturen aufzubrechen in neue Erfahrungsfelder. „Postille“ statt „Bömbsken“ Bei einem Treffen im „Laden“ im Frühjahr 1982 einigte man sich auf den Namen „Langendreerer Dorfpostille“, hatte „Bömbsken“ verworfen, und wollte mit so einem traditionellen, ja altertümlichen Namen auch an Leserschichten herankommen, die eher nicht als aufgeschlossen und neuen Ideen zugängig galten. Finanziert wurden die ersten Ausgaben der Dorfpostille durch das „Netzwerk- Ruhrgebiet-Ost“, einem Zusammenschluss vielfältiger Initiativen und Projekte, die aus Mitgliedsbeiträgen bestehender neue Initiativen und Projekte unterstützten. Mit Schere und Klebe Die allererste Ausgabe der Dorfpostille im April 1982 geriet so schlecht kopiert, dass die 300 Exemplare gleich wieder eingestampft wurden. So erschien die erste Ausgabe Anfang Juli mit 12 Seiten in einer Auflage von 1000 Stück, die aus Einzelblättern zusammengeheftet werden mussten: Die Blätter lagen in der Reihenfolge auf dem Tisch, jede/r nahm sich jeweils ein Blatt und heftete die sechs Blätter dann mit dem Tacker zweimal zusammen. Mehr als 2 Jahre lang fand dieser „Dopo-Rundlauf“ im „Laden“ statt. Die in den redaktionellen Eingangstexten immer wieder werbenden Aufforderungen nach Anzeigenkunden zur zusätzlichen finanziellen Absicherung des Projekts wurden schließlich immer erfolgreicher - 16 Anzeigen in der Nr. 10 - wie sich auch die Zahl der Verteilstellen für die Dopo von zunächst 12 bis schließlich 42 steigerte. Bezeichnend für die Anfangsbegeisterung des Zeitungsprojekts ist die relativ hohe Zahl an Mitarbeitenden an den ersten Ausgaben ((10, 11, 15,…), die sich nach 2 Jahren allerdings bei einem Stamm von sieben stabilisiert. Allerdings kommen auch zunehmend Beiträge von außen, heißt von Initiativen, Gruppen und Vereinen des Stadtteils. Es lebe die Handschrift! Zum äußeren Erscheinungsbild gab es schon einige Anmerkungen. Abgesehen von der oft begrenzten Lesbarkeit der Texte und Erkennbarkeit der Fotos, so fällt doch auf, dass die handschriftlichen Eingriffe im Laufe der Ausgaben nachlassen. Der Einsatz von Lettra-Set setzt sich zunehmend durch (das schablonenhafte Aufdrücken von Zeichen und Buchstaben). Vermerkt man in Nr.1 die Seite noch handschriftlich mit „Seite 3“, so gibt’s in der Nr. 10 nur noch „2“ bis „23“. Allerdings fertigte man die Anzeige „Zur alten Brauerei“ in Nr. 10 noch in Handschrift! Auffällig sind auch in diesen 10 Ausgaben kleine gemalte Figürchen und andere Objekte, die seinerzeit der Auflockerung dienen sollten. Die Titelblätter der ersten 10 Ausgaben fallen nicht nur durch den mit der Hand gefertigten Schriftzug „Langendreerer Dorfpostille“ auf, sondern auch durch das ab Nr.2 gemalte „Wappen“ Langendreers, das allerdings nicht eingeweihten Leserinnen und Lesern eher als rätselhaftes Drei-Linien-Zeichen vorgekommen sein muss. Von der „Friedenbewegung“ bis zur „Grünen Lunge“ Inhaltlich spiegeln die ersten 10 Dopos Themen wieder, die in den frühen 80ern auch bundesweit die Herzen und Köpfe bewegten: die Friedensbewegung mit ihren Demonstrationen und Protestaktionen, die sich auch in Langendreer realisierten, die Frage der Ausländerintegration, die seinerzeit besonders die türkischen Arbeitnehmer und Familien betraf, und in dem Zusammenhang auch auslän- 5

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derfeindliche Tendenzen, denen man auch in Langendreer zu begegnen versuchte. Die spezifisch Langendreerer Themen sind vielfältig: Die Initiative für einen Kulturbahnhof kommt in Schwung, der „Laden“ stellt regelmäßig seine Angebote vor, neue Initiativen von Arbeitslosen und Frauen kommen zu Wort, Jugendliche und alte Menschen in Langendreer sind in zwei Ausgaben „zentrale Themen“, die Parteien werden zur Kommunalwahl befragt und Entwicklungen im Bereich Nahverkehr, Bebauung und Entgrünung werden thematisiert genauso, wie „Patenschaften für Bäume“ und die Gründung des Gartenvereins „Grüne Lunge“ ihren Platz finden. Dies alles und noch viel mehr können Sie, liebe Leserinnen und Leser, jetzt in den abgedruckten ersten 10 Dorfpostillen in unserem 1. Sammelband lesen. Zum Erscheinungsbild Noch einige Schlussbemerkungen zum Erscheinungsbild der abgedruckten Ausgaben: Sie sind etwas kleiner als die Originale, die im DIN A 4-Format erschienen. Das ist dem Seiten-Layout geschuldet. Die Originale sind alle etwas „schmuddeliger“, abgegriffen, z.T. angefleckt, denn im Laufe der Jahrzehnte gerieten sie durch viele verschiedene Hände. Das merkt man halt! Es sind ja keine Kunstwerke, sondern zeitgeschichtliche Dokumente zum Gebrauch. Mittlerweile hüten wir sie natürlich - wie Kunstwerke! Beim Bearbeiten für diesen Sammelband wollten wir streng unserer schwarz-weißen Linie treu bleiben, was wir ja auch fast 20 Jahre durchgehalten haben. Deshalb gibt‘s in dem Sammelband auch keinerlei Farbe - was übrigens auch ein Grund für den günstigen Preis ist. Manche Seite fällt radikal schwarz-weiß aus, deshalb, weil es uns dann darum ging, die Lesbarkeit zu gewährleisten. Wir wollten durchschimmernde Texte und Fotos verschwinden lassen, weil uns Erkennbarkeit und Lesbarkeit bei unseren Bearbeitungsbemühungen bestimmten. Das hat zur Folge, dass diese Seiten natürlich nicht über den schmuddeligen Charme der Originale verfügen, die dafür aber oft auch kaum noch lesbar sind. Einige Seiten, z.B. manche Titelblätter, behalten ihre Flecken und Knicke, man erkennt Faltungen und vielleicht auch Risse. An so manchen Stellen war nichts zu machen mit Lesbarkeit, weil nämlich das Original schon nicht lesbar war und ist. Ein extremes Beispiel dafür ist die Computer Jakobs-Anzeige auf S. 171, die selbst beim Erstabdruck 1984 nicht viel besser war. Hans Jakobs hatte sein Vergnügen! Auf geht‘s! Jetzt aber rein ins Leseabenteuer. Die zehn ersten Dopos sind eine Fundgrube für Entdeckungen unterschiedlichster Art: Nicht nur die Inhalte erinnern uns Zeitgenossinnen und Zeitgenossen an bewegte Jahre nicht nur in Langendreer. Wir erleben den Beginn der „Kohl“-Zeit mit ihren Auswirkungen, aber auch den vielfältigen Widerstand „von unten“ gegen politisch und sozial bedenkliche Entwicklungen, die bis heute die Gemüter bewegen. Wir erleben Selbstorganisation, wie Menschen sich ihres Schicksals annehmen, sich zusammentun und verändernd tätig werden. Wir erleben Mitgefühl und Solidarität im Stadtteil, wir erleben kulturelle Aufbrüche, für die unser „Bahnhof“ exemplarisch steht. Und neben diesen Inhalten werden Sie auch Entwicklungen anderer Art im Stadtteil erfahren, wenn Sie z.B. die Dopo-Verteilerstellen betrachten. So manche gibt es längst nicht mehr oder hat einen anderen Namen. Und die noch spärlichen Anzeigen sprechen auch für sich und den Zeitgeist. Dass ein Computer beim Jakobs damals auch schon für knapp 13.000 DM zu kaufen war, wird so manchen jungen Menschen unter uns nicht wenig wundern. Und das alles und noch viel mehr im ersten Sammelband!. Wenn der gut ankommt, gibt‘s natürlich Nachfolger. Jetzt aber erst mal gute Unterhaltung mit den Dopos Nr. 1 bis 10! „Paul“ Wilfried Möller und Karsten Höser für die Dopo-Redaktion Dieser 1. Dopo-Sammelband erscheint erstmalig zum 12. „Weihnachtsmarkt im Dorf “ 2016 und ist darüber hinaus zu erwerben über die Dopo-Redaktionsadresse (Oberstraße 100) und die Buchhandlung Gimmerthal. Er wird herausgegeben vom Stadtteilverein „Laden e.V.“ 6

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Nr. 2, November1982 19

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