LOCATION-Mülheim-10_2016

 

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Location Mülheim

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Oktober 2016 l Ausgabe 235 Das Magazin für LebensArt in Mülheim IN FREIER WILDBAHN Jägerin Anke Gleichmar setzt auf Transparenz 2 EURO SAARN Die Ruhr darf wieder knabbern Seite 8 INNENSTADT Der Kaufhof wird jetzt abgerissen Seite 12 EXKLUSIAVpSEatsasRlilfoünGhartuaE-nTWgickISeNtesitmeN6it

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1V\MZXZM\ Ob Anna Netrebko, Anne-Sophie Mutter oder Alfred Brendel – bei uns sprechen große Interpreten in aller Offenheit. Außerdem würdigen wir bedeutende Künstler der Vergangenheit. 2Ibb 3TI[[QS]VL 2IbbPI]\VIP MZTMJMV Sie wollen mehr als Klassik und lieben anspruchsvolle Musik? Jeden Monat entführen wir Sie auch in die Welt des Jazz – vom Standard bis zum Free Jazz und empfehlen die besten CDs. :MXWZ\IOM Wissen, was los ist. In jeder Ausgabe berichten wir über aktuelle Themen aus der Welt der Klassik. Seien Sie stets top informiert zu allen wichtigen Fragen rund um die Musik. )]KPIT[-8IXMZ Ab sofort ist das E-Paper (8,99 Euro) von FONO FORUM auch im E-Paper-Abo für 89,99 Euro erhältlich. Es kann auf jedem Computer und mit allen Mobilgeräten bequem heruntergeladen und gelesen werden. Mit dem E-Paper steht FONO FORUM in digitaler Form für Android- und Apples iOS-Geräte zur Verfügung. 1VNWN†Z8ZQV\)JWVVMV\MV" Abonnenten des FONO FORUM erhalten das E-Paper zum Vorzugspreis von nur 1 Euro je Ausgabe. Buchen Sie das E-Paper-Upgrade komfortabel auf www.nitschke-verlag.de. Zusatzangebote & Dienstleistungen für Abonnenten gelten nur für Kunden der Reiner H. Nitschke Verlags-GmbH Jeden Monat im gut sortierten Zeitschriftenhandel. Oder nutzen Sie die vielen Vorteile eines Abonnements. Infos unter: ___NWVWNWZ]ULM ___VQ\[KPSM^MZTIOLM

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Editorial SUSANNE JÄSCHKE Freie Redaktionsmitarbeiterin dieser Ausgabe Liebe Leserinnen, liebe Leser, beim Thema Jagd gibt es erhebliche Meinungsunterschiede. Viele haben das Bild vom verantwortungslosen Trophäensammler im Kopf, der das Jagderlebnis mit Schnaps begießt. Jagen sei einfach nur blutiger Freizeitspaß, heißt es von ihrer Seite. Jäger sind Naturfreunde, die durch den Abschuss die Wildbestände regulieren und so den Wald pflegen, betonen die anderen. Zudem seien sie Lieferanten für echtes Biofleisch aus der Region. Zunächst einmal ist das Jagen ein teures Hobby. Zwar kann jeder, der die erforderlichen Qualifikationen nachweist, Jäger oder Jägerin werden – Anforderungen und Bedingungen sind für alle, die den Jagdschein erwerben wollen, gleich und auch derjenige, der kein eigenes Revier besitzt oder gepachtet hat, erhält eine Jagdmöglichkeit – allerdings ist die Ausrüstung tatsächlich ziemlich kostspielig. Ein echter Freund des Jagens bin auch ich nicht. Selbst im Namen des Tierschutzes kann ich das gezielte Töten mit einem vielleicht nicht immer sauberen Schuss eines Lebewesens nur schwer akzeptieren. Auf meinem Speiseplan steht partout kein Fleisch, dennnoch ist es mir gelungen, nach dem ausführlichen Gespräch mit einer Jägerin Vorurteile abzubauen. Über die Tradition der Waidmänner und Frauen wird weiter heiß diskutiert werden, das ist klar. Wichtig ist dabei, dass sich beide Lager zuhören und um Ausgleich bemüht sind. 6XIhre VDQQH-lVFKNH TITEL 10/2016 Bild: Peter Braczko Anke Gleichmar ist Jägerin in dritter Generation und damit ausgebildete Naturschützerin. Wir sprachen mit der Pressesprecherin der hiesigen Kreisjägerschaft, zu lesen ab Seite 10.

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Kurzzeilig Bild: H. Heitmüller HORATIO HÄLT DEN ATEM AN Denn gemeinsam mit allen Freunden des LEAF-Festivals erwartet er in Bälde die Entscheidung, ob The Lord Chamberlain‘s Men auch im kommenden Jahr im Kloster Saarn ihr genüssliches Shakespeare-Spiel aufführen werden. Wenn, dann wird die ‚Komödie der Irrungen‘ (The Comedy of Errors) im englischen Original auf die Bühnenbretter gebracht. Wir drücken ganz fest die Daumen, dass das LEAF-Maskottchen Horatio auch im September 2017 Königin Elisabeth I. in unserer Stadt begrüßen kann. In diesem Jahr war das Festival so gut besucht wie nie. Organisatorin Bronwen Gray-Specht schwärmt von vielen tollen Reaktionen: „Wir hatten wieder eine wundervolle Atmosphäre mit einem absolut großartigen, applausfreudigen Publikum, Sonnenschein und herzerwärmenden Gesprächen. Beethovens Briefe sorgten für Freude, ebenso die ungewöhnlichen Instrumente. Viele probierten sich an der ‚noseflute‘, der Nasenflöte, und schätzten den sehr persönlichen Gedankenaustauch mit den Lord Chamberlain‘s Men.“ Auch deswegen gilt Gray-Spechts ganzes Bestreben – und das aller Mitstreiter – im nächsten Jahr wieder durch das ganz besondere Kultur-Event Menschen einander näher zu bringen und die LEAF-Hauptattraktion ‚The Lord Chamberlain‘s Men‘ nach Mülheim einladen zu können. Frauen helfen Frauen Außergewöhnliche Projekte unterstützen, das ist seit Jahren das Anliegen der ‚Ladies 4 Mülheim‘. Die engagierten Frauen spendeten in diesem Jahr jeweils 1.500 Euro an die Familienhebammen und das Frauenhaus in unserer Stadt. Die Familienhebammen an der Wallstraße haben ein umfangreiches Netzwerk aufgebaut, bieten Beratungsgespräche, Untersuchungen sowie Geburtsvorbereitungskurse an. Das Frauenhaus profitiert zum dritten Mal von einer Spende der engagierten Mülheimerinen. Dass das Geld gebraucht wird, zeigen die Zahlen: Im letzten Jahr nahm die Einrichtung 100 Frauen und 58 Kinder aus 21 Ländern auf. Wer den ‚Ladies‘ folgen möchte, bekommt Infos bei Birte Jess unter ☎ 899 29 40. HILFE BEI DER FLURWOCHE Moderator Mona Adebisi (5.v.l) half dem Ensemble des Mondpalastes in Wanne Eickel bei der Flurwoche mit einem Gastauftritt. Gerade in Flurwochen ist Hilfe gern gesehen. Das geht dem Ensemble des Mondpalast Wanne Eickel nicht anders, die in ihrem gleichnamigen Klassiker schon einige Prominente als Gastdarsteller begrüßen konnten. In diesem Monat versuchte sich Moderator Mona Adebisi als Postbote in der bekannten Komödie. Sein Fazit: „Schauspielern ist deutlich schwerer als moderieren. Doch die Location, das Stück, die Schauspieler und das Publikum sind Weltklasse.“ Ecki Eumann (3.v.r), künstlerischer Leiter im Mondpalast, hatte die Rolle extra für den 43-Jährigen in das Stück geschrieben. „Mola hat toll mitgemacht und war richtig locker“, lobte MondpalastPrinzipal Christian Stratmann seinen Gaststar. Die nächsten Flurwochen, eine der beste Komödien des Ruhrgebiets, gibt‘s vom 11. bis 20. November im Mondpalast. Infos und Reservierung: ☎ 02325 588 999. ART SQUARE IN DER CITY Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr erweitert der Kulturbetrieb in diesem Jahr das Projekt ,ART SQUARE‘. Austragungsort wird das ehemalige Woolworth-Gebäude (Schloßstraße 37), das sich bis 30. Oktober als Kreativ-Quartier präsentiert und drei Wochen lang Heimat für Mülheimer Künstler, Kreative und Kulturschaffende bietet. Geplant sind Atelierräume, Auftrittsmöglichkeiten, ein Regalshop und vieles mehr.

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L cation! Oktober 2016 _ 5 SOUL MIT LEBO Soulmusikerin Lebo in Begleitung der Band ‚Sister Gwen‘ gastieren am 28. Oktober um 20 Uhr beim Salonfestival bei bulthaup am Saalbau in Essen, Huyssenallee 5256. Mit ihrer großartigen Stimme, der Botschaft von ‚Love & Hope‘ und beeindruckender Bühnenpräsenz hat die Südafrikanerin und Wahl-Hamburgerin eine wachsende Fangemeinde gewonnen. Tickets sind erhältlich über: www. salonfestival.de ‚FROHSINN‘ IN DER SPARKASSE Der Mülheimer MännerGesang-Verein ‚Frohsinn‘ – dienstältester Chor unserer Stadt – lädt zur Konzertmatinee in die Kundenhalle der hiesigen Sparkasse am Berliner Platz ein. Am 23. Oktober um 11 Uhr präsentieren die singenden Männer unter der Leitung von Chordirektor Stephan Kassel das Programm ‚Komm schöner Tag‘. Als Gastmusiker sind die Damen des Mülheimer Frauenchores – hier ist die Chorleiterin Stefanie Melisch – eingeladen. Karten für das Benefizkonzert (10 €) sind an der Kasse der Sparkasse am Berliner Platz erhältlich. Der Gesamterlös kommt der Stiftung Kunst & Kultur für Mülheim an der Ruhr zugute. Düsseldorfer Straße 83 45481 Mülheim - Saarn Fon 0208 . 899 29 40 Web www.dieoptiker-jess-jess.de :ALL= =AFKL=A?=F& PARTY IM AUTOHAUS Das Mülheimer Nachtleben ist seit 2008 um ein zündendes Partyformat reicher: The Club Mülheim – im Audi Showroom im Autohaus Gottfried Schultz an der Ruhrorter Straße. Der Ausstellungsraum, in dem sonst edle Karossen präsentiert werden, verwandelt sich am 29. Oktober zum 22. Mal für eine Nacht in eine Party-Area – dank aufwendiger Lichteffekte, einer hochwertigen Soundanlage, stylischen Bars- und Lounge-Möbeln. In lockerer, ungezwungener Atmosphäre werden bei ‚The Club Mülheim‘ abseits vom Arbeitsalltag entspannte Gespräche bei kühlen Drinks geführt und zu guter Musik getanzt. Die Discjockeys Caba Kroll, Frank ‚Zappel‘ Klemans sowie DJ Pearl sorgen ab 22 Uhr (Einlass: bereits um 21 Uhr) mit tanzbaren Rhythmen für einen Partyabend der Extraklasse. Wer Spaß am kommunikativen Miteinander in exklusiver Umgebung mit gepflegter Gästestruktur hat, sichert sich Karten (15 Euro, inklusive Willkommensgetränk) im Restaurant ‚Alte Schule‘, Kölner Straße 191, in der Espressobar ‚Perfetto‘, Kohlenkamp 41, im Fair1 Heim, Mintarder Straße 21 oder im Autohaus, Ruhrorter Straße 13. Ein Teil der Eintrittsgelder geht an das Tierheim in unserer Stadt. 8YY%€_ec`Z_%Dfkfi`j`\ile^cXlk8e^\Yfk% CGE:A&9MKF}LRDA;@ MF<OADDA;@& J`\YiXlZ_\e\`eXcckX^jkXl^c`Z_\j8lkf#XY\iJ`\nfcc\e \`e\eD@E@6;Xee]i\l\eJ`\j`Z_Xl][`\=lebk`feXc`k€k [\jD@E@:clYdXe%I\j\im`\i\eJ`\@_i\GifY\]X_ik lek\iK\c\]fe')'/&*.,.$'9\_Xggp%9<D@E@% H`adahh9mlgegZad]?eZ@ Il_ifik\iJki%,* +,+./D•c_\`d K\c%')'/*.,.$' =Xo')'/*.,.$)' nnn%g_`c`gg$XlkfdfY`c\%[\ <=JEAFA;DM:E9F&                 

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MGITEMWACIHNENN EUNND! Exklusiver Gewinn WIR LASSEN SIE STALLDUFT SCHNUPPERN Am 3. Dezember gastiert die neue Apassionata-Show ,Cinema of Dreams‘ in der Westfalenhalle Dortmund. Wir haben für unsere Leser nicht nur Tickets gesichert, sondern auch eine exklusive Stallführung organisiert. Im 14. Jahr und bei jährlich rund 500.000 Besuchern muss diese Familienshow eigentlich niemandem mehr vorgestellt werden: ,Apassionata‘ lebt von herausragender Reitkunst, edlen Pferderassen, atmosphärischen Kompositionen, aufwendigen Lichteffekten und stets auch einer Story, die jede Altersklasse faszinieren kann. In diesem Jahr versetzt Apassionata seine Gäste um fast 100 Jahre in die Vergangenheit und erzählt aus der Epoche, als die Bilder laufen lernten: Die große Zeit des Films ist angebrochen. In einer kleinen Stadt eröffnet das Kino ,Majestic‘ und hier erleben die jungen Freunde Tom und Eve ihre ersten großen Leinwandfilme mit wilden Piraten, die mit ihren Pferden das Meer zum Schäumen bringen, feurigen Voodoo-Zauberern, die eine Festung unsicher machen und der geheimnsivollen Schneekönigin, die mit ihrem Gefolge aus Akrobaten, Eseln, und Friesenhengsten den kalten Winter zelebriert. Eve und Tom bleiben ihrem geliebten Kino bis zur letzten Vorstellung treu und lassen schweren Her- zens das schließende Filmtheater hinter sich zurück. Nach vielen Jahren zieht es die beiden Freunde wieder an ihren Heimatort. Als sie vor der überwucherten Ruine des einstmals so bedeutenden Kino stehen, fassen sie den Entschluss, ihren großen Traum nicht aufzugeben. Am 3. Dezember gastiert ,Cinema of Dreams‘ mit zwei Aufführungen (15 und 20 Uhr) in den Dortmunder Westfalenhallen. Für die Abendshow verlosen wir unter unseren Lesern 5 x 2 Eintrittskarten. Zusätzlich bringen wir Sie hinter die Kulissen bei der exklusiven Stallführung (nach der Show ab ca. 22:30 Uhr). Wer gewinnen möchte, schickt bitte bis zum 9. November eine E-Mail oder Postkarte mit Namen, Adresse, Telefonnummer, Alter, sowie dem Stichwort ,Apassionata‘ an: LOCATION Bert-Brecht-Straße 29 45128 Essen mediaservice@ location-magazin.de %XFKHQZHJ2EHUKDXVHQ

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L cation! Oktober 2016 _ 9 Das Moderatoren-Duo Ben Redelings und Uwe Fellensiek (links) trafen sich vor dem langen Quizabend auf eine Currywurst mit dem Location Team: (v.r.) Eckart Capitain, Redak- teur Marc Lorenz, Hans-Jürgen Depenbrcok und Thorsten Schmitz. Bild: Peter Braczko GEBALLTES WISSEN Exzellente Mannschaftsleistung beim Quiz im Deutschen Fußballmuseum: Unsere Leser bewiesen im LocationTeam ihren Fußballsachverstand. Eine vorbildliche Mannschaftsleistung lieferte das Location-Team beim ,Auswärtsspiel‘ in Dortmund ab. Unsere Leser bewiesen beim erst zum zweiten Mal veranstalteten ,N11 Fußballquiz‘ im Deutschen Fußballmuseum großen Fußballsachverstand und ließen beachtliche 15 gegnerische Mannschaften hinter sich. Dass es am Ende mit hervorragende 31 Punkten nicht sogar aufs Treppchen, sondern ,nur‘ für den vierten Platz langte, darf zurecht dem eigentlich zu Berichterstattung angereisten Redakteur angekreidet werden. Damit die Mannschaft nicht nur zu dritt gegen teilweise achtköpfige Teams antreten musste, knobelte er übereifrig mit und kostete entscheidende Punkte. „In welcher Stadt steht das Bundesligastadion, das Adventskranz genannt wird?“ Als Köln schon auf dem Zettel stand, meinte es die Journaille mal wieder besser zu wissen und votierte für Dortmund. Es war der erste von insgesamt nur zwei Punkten, die zum dritten Platz fehlten. Dass unsere Leser deutlich besser über Fußballfakten informiert sind, bewiesen Thorsten Schmitz (Essen), Hans-Jürgen Depenbrock (Oberhausen) und Eckart Capitain (Mülheim) ein ums andere Mal. Folgend einige der insgesamt 60 Fragen zum Mitraten (die Antworten stehen am Ende des Textes): 1) Wie viele Zuschauer fasste das Bochumer Ruhrstadion an seinem Eröffnungstag am 21. Juli 1979? 2) Von welchen drei Personen ist in folgendem Zitat die Rede? „Wir brauchen den Philosophen nicht, der Zwerg und ich reichen vollkommen.“ 3) Nach wem ist das HSV-Maskottchen ,Dino Hermann‘ benannt? 4) Welches Land spielte bei der EM 2016 ohne Spieler aus ausländischen Ligen? 5) Welche Ehre wurde Hicham Zerouali nach seinem Wechsel zum FC Aberdeen als ersten Spieler zuteil? Nicht zu selten rauchten im N11-Restaurant des Fußballmuseums die Köpfe und die Fest- 1) 49.522 Zuschauer 2) Zlatan Ibrahimovic über Pep Guardiola und Lionel Messi. 3) Nach Masseur Hermann Rieger, der 27 Jahre für den HSV tätig war 4) England 5) Er durfte im Trikot mit der Nummer 0 (Zero) spielen. stellung des prominenten Moderatoren-Duos Ben Redelings und Uwe Fellensieck: „Beim ers- ten Mal waren die Fragen zu leicht. Jetzt haben wir das Quiz ein bisschen schwerer gemacht“, konnte beim Meet&Greet mit unseren Lesern auch nicht gerade beruhigen. Trotz aller, oft viel zu heftigen Fragen: Am Ende war man sich zumindest im Location-Team einig: „Wir hätten nicht gedacht, dass Fußball ohne Ball so span- nend und unterhaltsam sein kann.“ Voraussichtlich am 4. Dezember wird Ben Rede- lings zum dritten N11-Fußballquiz laden. Infos unter: www.fussballmuseum.de malo Die Antworten: :HGQDQQ.Q¦+FKRHUVWPD Q Q

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Saarn DIE RUHR DARF WIEDER KNABBERN Achtung: Uferarbeiten! An den westlichen Saarner Ruhrauen wird in den nächsten Wochen das Ufer entsiegelt, damit sich die Natur wieder entfalten kann. Wie alt die steinernen, tonnenschweren Befestigungen sind, die gerade am Ufer der Saarner Ruhrauen mit einem Kran der Böschung entrissen werden, vermag kaum jemand genau zu sagen. Mehrere hundert Jahre dürften es wohl sein, schätzt Jürgen Buderus. Angelegt, um die ,Wasserstraße Ruhr‘ schiffbarer zu machen. Dieser Kanalcharakter soll nun – da wo‘s möglich ist – verschwinden, um das natürliche Uferhabitat zurückzubringen. Oder wie es Buderus, der Dezernent für Ruhrunterhaltung und Ruhrschifffahrt bei der Bezirksregierung, salopp ausdrückt: „Wir wollen die Ruhr wieder am Ufer knabbern lassen.“ Diese Absicht hat keinesfalls nur einen optischen Hintergrund. Durch die Wasserbausteine werden natürliche, dynamische Prozesse verhindert und der Flora und Fauna der natürliche Lebensraum vorenthalten. Zwar ist bei dieser Entsiegelung, die in den nächsten Wochen am westlichen Ruhrufer kurz vor der Mendener Brücke auf einer Strecke von rund 400 Metern durchgeführt wird, federführend die Bezirksregierung in ihrer Zuständigkeit für die Ruhrunterhaltung tätig. Dem Mülheimer Umweltamt liegt ein gemeinsames Vorgehen allerdings nurdeecrhPt ymraitmide Fliesen-, Sanitär- und Natursteinausstellung auf über 2000m2 s EXKLUSIVE!USSTELLUNGEN s 7AND UND"ODENmIESEN INGRO”ER!USWAHL s .ATURSTEINEAUSALLER7ELT s 3ANITÊRKERAMIKUND!RMATUREN s QUALIlZIERTE"ERATUNG Sonntag Schautag von 11.00 - 17.00 Uhr s $"ADPLANUNG s (OUSEOF 6ILLEROY"OCH s "ISAZZA 3TUDIO FLIESEN+MARMOR OBERHAUSEN ,INDNERSTRA”E /" "USCHHAUSEN Wir sind für Sie da: -O &R  5HR 3A  5HR 4EL   WWWmIESEN MARMOR OBERHAUSENDE FLIESEN+MARMOR HARBECKE 7ESELER3TR -àLHEIM (AFEN Wir sind für Sie da: -O &R  5HR 3A  5HR 4EL  WWWHARBECKEHAGEBAUDE Ausstattungsbeispiel Freiheit draußen und drinnen Der Salsa M2 von Sunrise mit Mittelradantrieb: wendet auf der Stelle optimale Traktion an Schrägen und im Gelände Einzelrad-Aufhängung mit sechs Rädern dämpft unebene, holprige Wege Flexibilität gewinnen mit dem optionalen Sitzlift: beim Einkauf, zu Hause, im Job, in der Freizeit... Jetzt testen: In unserer Rollstuhlausstellung in Duisburg-Hamborn Neu: Filiale Meiderich Am Bahnhof 10d Tel. 02 03 / 44 41 80 Duisburg-Hamborn Altmarkt 15–17 Duisburg-Innenstadt Fr.-Wilhelm-Straße 80 02 03 55 59 60

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L cation! Oktober 2016 _ 9 sehr am Herzen: „Damit haben wir die Möglichkeit, die Ufer und die angrenzenden Auenbereiche in ihren ursprünglich Zustand zurückzubringen, damit sich Insekten, Vögel, Fische und Pflanzen, wie Silberweiden und Pappeln wieder auf natürlichem Wege ansiedeln können.“ Denn auf der Wunschliste der Umweltbehörde steht diese Absicht schon länger. Ein entsprechendes Maßnahmenkonzept zum Erhalt wertvoller Lebensräume wurde bereits vor fünf Jahren von der Biologischen Station Ruhr erarbeitet. EU-Förderanträge, um die Arbeiten für rund 3,2 Millionen Euro finanzieren zu können, wurden allerdings 2013 und 2014 abgelehnt. „Bei uns ist so etwas deutlich teurer als in einigen anderen europäischen Ländern“, hat Gabriele Wegner, die stellvertretende Leiterin des Mülheimer Umweltamtes, inzwischen wenig Hoffnung, dass die EU-Gelder irgendwann doch noch bewilligt werden. Mit kleinen Schritten soll das Konzept nun langfristig realisiert werden. „Wir stecken unsere Kraft nicht mehr in die komplizierte EU-Bürokratie, sondern in die Kooperation mit der Bezirksregierung.“ Die kann nämlich die Uferentsiegelung im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie umset- zen. Buderus: „Wir verbessern dadurch an vielen Stellen die Verbindungen zu den Nebenarmen und -gewässern der Ruhr. Die sind teilweise fast ausgetrocknet und völlig verschlammt. Statt nun mit dem Bagger anzurücken und den Schlamm abzutragen, ist es deutlich günstiger, die Ruhr die Arbeit machen zu lassen. Zu einer Verbreiterung des Flusses wird es aber nicht kommen. Der muss weiter schiffbar bleiben.“ Dass es an den ,neuen‘ Ufern dennoch zu Überschwemmungen kommen kann, ist nicht nur einkalkuliert, sondern auch erwünscht. „Damit wird in diesem Naturschutzgebiet der Erhalt und die Neuansiedlung von Flora und Fauna ideal gefördert“, sagt Gabriele Wagner. Entnommen werden die Steine ausschließlich wasserseitig. Mit Kran und Mulden ausgestattete Schiffe der Bezirksregierung haben die Arbeit bereits aufgenommen. Bis Ende des Monats sollen die ersten 400 Meter fertig werden, abhängig davon, wie gut man vorankommt, schließlich dürfen die Uferbeiche nicht zerstört werden. Die tonnenschweren Steinmassen sollen übrigens wiederverwertet werden, teilweise für künstliche Inseln im Ruhrbett. Marc Lorenz q%JFHS—„UF4PDLFOLFUUFBN %VJTCVSHFS*OOFOIBGFOTDIBGGFOg 4PDLFJOFJOFSVOTFSFS(FTDI‡GUTTUFMMFOBCHFCFOVOE J1IPOFHFXJOOFOÅ *OGPTVOUFSXXXWPMLTCBOLSIFJOSVISEFTQBSTUSVNQG 4QB%S#FVTJ[UOTSFEV[NNVUCFNQJFMGOSBFCIHNFFCOFÅO Auf dem Stromaufsichtsboot ,Bussard‘ informierten Gabriele Wegner, stellvertretende Leiterin des Mülheimer Umweltamtes, und Jürgen Buderus, Dezernent für Ruhrunterhaltung und Ruhrschifffahrt bei der Bezirksregierung, über die Uferarbeiten an den Saarner Ruhrauen. Bilder: Peter Braczko +FEFS.FOTDIIBUFUXBT EBTJIOBOUSFJCU 8JSNBDIFOEFO8FHGSFJ XXXWPMLTCBOLSIFJOSVISEF Ihr Partner der Region

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Besuch im Revier Am Hohen Meißner in der Nähe von Eschwege ist Anke Gleichmar, hier mit Dackel Lilo, regelmäßig auf der Pirsch. Bild: Thomas Gleichmar RESPEKT VOR DEM LEBEN & DER NATUR Naturidylle. Das Reh sucht nach Futter. Arglos läuft es aus dem Dickicht auf die Wiese, äst zwischen den Halmen, stellt die Ohren in den Wind und lauscht. Anke Gleichmar setzt ihr Jagdwaffe an die Schulter, macht sich bereit und erlegt das ihr anvertraute Wild mit einem sauberen Treffer. Das Tier sackt zusammen. Schweigen im Walde. Wer jetzt erschüttert die Augen verdreht und das Reh bedauert, darf nicht vergessen, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 60 Kilo Fleisch pro Jahr isst. Biofleisch gilt als kulinarischer Genuss. Und Gerichte mit wilder Note stehen hoch im Kurs. Ich treffe Anke Gleichmar in der Waldschule an der Großenbaumer Straße. Die Pressesprecherin der Kreisjägerschaft in Mülheim an der Ruhr erzählt: „Die im Wald lebenden Tiere kennen glücklicherweise keine Massentierhaltung, hatten vielmehr ein gutes Leben in Freiheit und in diesem Fall einen stressfreien Tod.“ Trotzdem werden Jäger vielfach kritisiert. Darum setzt Gleichmar auf Offenheit und Transparenz, scheut keinerlei Diskussion. Sie erklärt, dass das 'Strecke legen' – alle geschossenen Tiere des Jagdtages werden gewogen, gesäubert und nebeneinander gelegt – zum jagdlichen Brauchtum gehört: „Der Respekt vor dem Leben und der Natur ist untrennbar mit der Jagd verbunden. Dem Wild wird hier die letzte Ehre erwiesen. Je nach Wildart wird ein Signal geblasen.“ In Plänen der Unteren Jagdschutzbehörde steht, wie viel Wild geschossen werden muss. Eine Regulierung des Bestandes sei notwendig, damit weniger landwirtschaftliche Schäden entstehen. Zum Beispiel verursachen Wildschweine Schäden in Weizen- und Maisfeldern. Rotwild ziehe die Rinde vom Baum und Rehwild verbeißt junge Forstplanzen, was die natürliche Verjüngung des Waldes stört. Für die Mülheimer Jägerin stehen bei der Jagd das Naturerlebnis, die Weite der Landschaft im Vordergrund. Abseits vom Alltag. Im Hochsitz. Drumherum Wald. Allerlei Vogelstimmen. Blätterrascheln. Windrauschen. Gucken und sich freuen. „Wenn es leise ist und die Sinne scharf sind, merkt man erst, wie laut es im Wald ist“,

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L cation! Oktober 2016 _ 11 erzählt Gleichmar. Jagd bedeutet aber auch das Zusammenspiel aller Beteiligten, einschließlich der gut ausgebildeten Hunde: „Mein Rauhaarteckel Lilo ist ein Jahr alt. Vorher hatte ich eine braune Deutsch Langhaar-Hündin, mit der ich viele tolle Jagderlebnisse hatte. Jagd ohne Hund ist Schund.“ Oft geht es im weitläufigen Waldgebiet über lange Strecken. Auf der Pirsch ist die Windrichtung zu beachten, die Kleidung darf nicht rascheln, soll sich farblich harmonisch in die Umgebung einfügen: „Es gibt mittlerweile tolle Funktionskleidung.“ Sicherheitsvorschriften und Abschussregelungen müssen stets berücksichtigt werden. Beispielsweise darf sich kein Jäger während einer gemeinsamen Jagd von seinem Stand wegbewegen. Ein Schuss von links, zwei hintereinander von rechts. Es wäre lebensgefährlich, da durch den Wald zu laufen. Natürlich ist auch ‚Zielwasser‘ bei der Jagd ein Unding. Jeglicher Konsum von Alkohol bei der Jagdausübung hat der Widerruf der Waffenbesitzkarte und den Einzug des Jagdscheins zur Folge. Jagen erfordert höchste Konzentration und handwerkliches Geschick. Außerdem muss die Situation eindeutig und das Wild gut sichtbar sein. Welches Geschlecht? Hat es Nachwuchs dabei? Anke Gleichmars Sohn Tom beginnt im nächsten Jahr mit der Jungjägerausbildung. Sie selber übt in dritter Generation das Jägerhandwerk aus. 1997 legte die heute 49-Jährige in Mülheim die Prüfung ab. Eine Jägerin sollte handfest gestrickt sein, meint Gleichmar: „Ich muss in der Lage sein, ein Stück Wild zu bergen, auch im schwierigeren Gelände. Ich muss es aufbrechen und damit umgehen können.“ Hochsitz statt Herd setzt sich mehr und mehr durch: „Natürlich gibt es Männer, die sagen: Frauen und Anke Gleichmar spielt im dritten Jahr bei den Mülheimer Waldschul-Hornissen. Derzeit wird in- tensiv für die Hubertusmesse am 12. November (17 Uhr) in der Kirche St. Mariae Geburt auf dem Kirchenhügel geprobt. Ein großartiges Musikerlebnis. Bild: Peter Braczko Jagen? Das passt gar nicht zusammen. Frauen sollen Kinder kriegen und keine Tiere schießen.“ Aber: „Überwiegend sehen die Männer uns Frauen mittlerweile doch als Bereicherung. Bei den Veranstaltungen in der Waldschule spürt man das sehr deutlich.“ Beispielsweise beim traditionellen Treffen der Mülheimer Jäger über 70 in der Waldschule: „Der Vorstand persönlich bewirtet und betreut die Senioren. Alle erzählen sich von ihren Jagdabenteuern, bis die Müdigkeit kommt und sich die Hüttentür hinter ihnen schließt.“ Auch wenn der Sommer gerade erst vorbei ist, blickt Anke Gleichmar bereits auf den Kommenden. Nein, dabei denkt sie nicht an Urlaub oder Jagderlebnis, sondern an die Landwirte. Ihr großes Anliegen: „Kontrolliert bitte immer vor dem ersten Wiesenschnitt eure Felder nach Rehkitzen.“ Denn die sogenannte Mahd gehe zeitgleich damit einher, dass die Ricken ihre Jungen setzen, die sich im hohen Gras ver- steckt halten. Pflügen die Mähmaschinen dann durch die Wiesen, werden sie zermahlen und verenden kläglich. Ihr Appell: „Liebe Landwirte. Macht euch die Mühe und meldet euch vor der Ernte bei uns. Wir gehen die Koppeln ab, oft auch mit Unterstützung von Freiwilligen. Dann ist die menschliche Witterung da, wir stellen Flatterbänder in die Wiesen und retten so die Jungtiere.“ Vorbildlich verhalte sich der mehr- fach ausgezeichnete Saarner Metzger Thomas Jakob, rufe jedes Jahr an – „und hat in den vergangenen Jahren glücklicherweise nichts ausgemäht.“ Die Kreisjägerschaft ist unter ☎ 0208 48 71 94 und info@muelheimer-jaeger. de zu erreichen. Susanne Jäschke Die schönsten Stunden erleben Sie an einem Ort, an dem alles stimmt. Mit Formen, die einfach und klar sind. Die Küche Einrichtungs GmbH Huyssenallee 52 – 56. 45128 Essen Tel. +49 201 713806 www.diekueche-bulthaup.de

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Innenstadt Der Abriss des ehemaligen Kaufhofs hat begonnen. Anfang 2019 soll hier das neue ,StadtQuartier Schloßstraße‘ fertigge- stellt sein. 2019 WIRD QUARTIER BEZOGEN Leider ist man es von solch ehrgeizigen Großbauten schon gewohnt: Ambitionierte Zeitvorgaben müssen im Laufe der Planungen und Genehmigungen relativiert werden. So verhält es sich auch beim ,StadtQuartier Schloßstraße‘, dass auf dem ehemaligen KaufhofAreal in der Mülheimer Innenstadt errichtet wird. Vom ersten Fertigstellungstermin Anfang 2018 (Stand Sommer 2015) über Ende 2018 (Stand Februar) wird inzwi- schen das erste Quartal 2019 avisiert. Doch dass es nun endlich losgeht, wird in den nächsten Tagen auch weithin sichtbar sein. Dann nämlich soll mit dem Abriss der Außenhülle des seit sechs Jahren leer stehenden Kolosses begonnen werden. Gerade läuft noch der Rückbau verwertbarer Materialien im Inneren. Wie die Investorengruppe um Fortress Immobilien, AIP und Mülheimer Wohnungsbau, die den /HLQHZHEHUVWUD‰H 0OKHLP 7HO    

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L cation! Oktober 2016 _ 13 Kaufhof im August 2015 erwarb mitteilt, sollen die Abrissarbeiten noch in diesem Jahr beendet werden. Anders als in den frühen Planungsphasen angekündigt, wird aus Kostengründen nun doch das gesamte Gebäude vollständig abgerissen, also auch das angeschlossene Parkhaus. Die Gesamtinvestition für das Stadtquartier wird inzwischen mit 68 Millionen Euro angegeben. Die ersten Planungen der Investoren sahen noch 55 bis 60 Millionen Euro vor. Entstehen sollen dafür zwei parallel ausgerichtete, sechsgeschossige Der Durchgangsverkehr auf der Schollenstraße (,Kaufhof-Umfahrung‘) wird ab Mitte Oktober für die Abrissarbeiten vollständig gesperrt. Gebäude, die zwischen sich Platz für eine acht Meter breite Einkaufs- und Restaurant-Passage lassen, die das bislang fehlende Verbindungsstück zwischen der Fußgängerzone in der Innenstadt und dem neu entwickelten Ruhru- Über das ,StadtQuartier Schloßstraße‘ informierten: (v.l.) Albert Heinermann (AIP), Baudezernent Peter Vermeulen, Ulrich Henssen, OB Ulrich Scholten, Frank Esser (MWB), Architekt Michael Martin, Gerd Rainer Scholze (AIP) und Jürgen Steinmetz (MWB). Bild: Walter Schernstein Die Passage zwischen den Gebäuden soll das Ruhrufer mit Hafenbecken (unten im Bild) mit der Fußgängerzone (oben im Bild) verbinden. Projektbilder: AIP Düsseldorf fer mit Hafenbecken und Gastronomie bilden soll. Die vermietbare Fläche geben die Investoren mit rund 35 000 Quadratmetern an (Bruttogeschossfläche ca. 49.000 m²). Bis auf wenige Restflächen seien allerdings fast alle Bereiche bereits vermietet. Entstehen soll ein Mix aus Wohnen, Büro, Hotel, Pflege, Fitnesscenter, Handel und Gastronomie. Als Ankermieter stehen bereits das Hotel ,Holiday Inn Express‘ (140 Zimmer auf sechs Etagen), die Alloheim Seniorenresidenz auf 5 000 m² mit 80 Einzelzimmern sowie 3 000 m² mit betreutem Wohnen und das Fitnessstudio ,FitX‘ auf 3 000 m² fest. Die geplanten Supermarkt- flächen im Erdgeschoss werden von Netto und einem Biomarktan- bieter belegt. Etwa ein Drittel der gesamten Flächen trägt der Mül- heimer Wohnungsbau (MWB) als Investor. Deren Baukörper steht an der Schollenstraße gegenüber des Rathauses. Geplant ist hier eine Mischnutzung aus 20 % Wohnen, 15 % Gastro, 50 % Büro und 15 % sonstiger Nutzung. Damit beide Gebäude nicht zu klobig wirken, soll die Fassade mit Balkonen, abgesetzten Fens- terflächen, Naturstein und wei- ßem Putz aufgelockert werden. Gemeinsam mit der Stadt wolle man auch ein Begrünungskonzept aufstellen. malo 1RFKIU7HHLUPLQH :HLKQDFKWVIHLHU VFKRQJHEXFKW" %XFKHQ6LH,KUHXQYHUJHVVOLFKH :HLKQDFKWVIHLHU LP0HGLWHUUDQ 6HSDUDWHU 6DDOIU ELV]X3HUVRQHQ $PXQGVRZLH-DQXDU KDEHQZLU JHVFKORVVHQ %DFKVWU   0OKHLPD G 5XKU $OWVWDGW 0R  6D  8KU 6R  8KU 7LVFKUHVHUYLHUXQJHUEHWHQXQWHU     ZZZUHVWDXUDQWPHGLWHUUDQGH www.catering-hoeppner.de

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Künstler im Porträt „DAS GIBT ES NUR EINMAL“ David Kumpernas ist gelernter Fotograf, der die Einzigartigkeit liebt. Entsprechend speziell sind seine Aktionen als Aktiver in der Kunst-Szene des Ruhrgebiets. Das Publikum buchstäblich hinter die Kulissen geführt hat er vor drei Jahren mit der von ihm inszenierten ,DASCH Kollektiv Performance‘, die im benachbarten Essen-Werden bei ‚kunstwerden‘ stattfand. Der Verein ist im Tor 2 an der Ruhrtalstraße ansässig und Kumpernas Mitglied im Bühnenbeirat: „Das geladene Publikum stand zunächst einmal vor dem Nichts, im leeren Raum. Nach und nach wurden große Styropor-Buchstaben herein getragen und die zahlreich anwesenden Fotografen – extra dazu eingeladen – lichteten die verschiedenen Buchstaben-Konstellationen samt Publikum ab. Dann wurden die Lettern wieder hinaus getragen und die Zuschauer blieben im leeren Raum zurück.“ Was damals Ratlosigkeit hinterließ, wurde eine Woche später bei der Vernissage aufgelöst und mit einem ‚Aha-Effekt‘ erkannten die Beteiligten, dass sie selber inmitten der Buchstaben zum Kunstwerk geworden waren. „Der Raum, die Menschen, die Stimmung waren Bestandteil der Ausstellung“, erklärt Kumpernas. „Die entstandenen Bilder wurden aufgehängt, zum Ansehen und Kaufen angebo-

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L cation! September 2016 _ 15 David Kumpernas offenbart sich mit Fotografien und Collagen: „Die richtigen Worte zu finden, um meine Gedanken, Gefühle und Empfindungen auszudrücken, fällt mir schwer. Sonst könnte ich bestimmt Romane schreiben.“ Er bewundert Menschen, die gute Geschichten schreiben. Begeistert ist er vom belgischen Schriftsteller Georges Simenon, „ein fantastischer Erzähler“ und von der deutschen Band ‚Element of Crime‘, deren Texte „lyrisch und wahr sind“. Bilder: Peter Braczko ten. Was nicht verkauft wurde, kam während der Finissage in einen Schredder.“ Schließlich wird auf der Welt beinahe täglich Kunst zerstört, ohne das es jemandem auffällt. Dann kann sie ja auch weg. Weg kommt aber bei Kumpernas sonst kaum etwas. Beispielsweise sammelt er Blockvasen und Untersetzer aus Großmutters Zeiten. In seinem Atelier stapeln sich Hirschgeweihe, Knöpfe, Plastikpuppen. Alles Dinge, die für seine vielen Kunstprojekte und Ideen eingesetzt werden können. Up-Cycling ist unter anderem sein Thema: „Neues erschaffen aus alten Sachen.“ Unter dem Titel ‚Gemischte Tüte‘ ist er beim Weihnachtszauber in den Werdener Toren dabei (3. und 4. Dezember), zeigt Fotografien, Malereien, Objektkunst und außerdem „tragbare Kleider aus Stuhlhussen“, die er mit einer befreundeten Designschülerin derzeit konzeptioniert. Und Kumpernas setzt auf ‚Vereinzelung‘, vermittelte das zuletzt bei der Kunstspur im Essener Süden. In Gudrun Quinckes großzügiger Werkstatt für Kamine in Werden war er einer von sechs Künstlern, zeigte Fotografien und Dias und primär seine Collagen: „Wenn Gedanken, die in Fetzen hängen, nicht in Worten ausgedrückt werden können, helfen Schnipsel von Papier, um dem Unausgesprochenen einen Ausdruck zu ermöglichen“, sagt Kumpernas. Er beobachtet, filtert, sortiert und fügt zusammen, was oftmals die Absurdität der Wirklichkeit betont. Die Resonanz des Publikums auf die Collagen: „Vielen haben sie gefallen, wurden aber letztlich doch eher als Bastelarbeit denn als Kunst empfunden.“ Wichtig war und ist es Kumpernas, seinen eigenen Weg und Stil zu finden, keinen Vorbildern nachzueifern. Besser ist es, die Kunst in sich selber zu entdecken. Dennoch: Als er bei einer Tomi Ungerer-Ausstellung Collagen sah, die seinen Arbeiten sehr ähnlich waren, „fand ich das sehr eigenartig, aber auch sehr schön. Denn das zeigt mir, dass Künstlerseelen ähnlich ticken können.“ Jede seiner Arbeiten ist ein Unikat. In Sachen Fotografie liebt der 46-Jährige expressive und emotionale Aufnahmen, die mit Unschärfe und Abstraktion spielen. So ist beispielsweise eine Foto-Reihe mit Karl Walter Sprungala entstanden. Der in Aachen lebende Schauspieler ist zum guten Freund geworden. Sprungala feierte zusammen mit Rufus Beck in einer Dramatisierung des Hollywood-Klassikers ‚Rain Man‘ am Schauspiel Stuttgart großen Erfolg. Auch Kumpernas war einige Male mit ihm in Sachen ‚Rain Man‘ auf Tournee. In dieser Zeit entstand die Bilder-Serie, die Sprungala abseits der Bühne beim Klavierspiel zeigt und zwar an den skurrilsten Orten: „Einmal war das unter der Bühne in einem winzigen Kämmerchen oder das Klavier wurde in ein Bürgeramtsfoyer geschoben. Da sind irre Bilder entstanden, alles ohne Nachbearbeitung im Labor oder am PC, ohne Stativ, Blitz oder Filter. Echte Unikate – auch deshalb, weil ich sie in der Farbgebung verfremdet durch den Drucker befördert habe. Das gibt es nur einmal.“ Zu sehen war die Fotoreihe 2013 in einer Ausstellung im Mülheimer Bismarckturm. Auch in Gelsenkirchen war Kumpernas jahrelang aktiv, hob gemeinsam mit Theatermann Daniel Schulz die ‚Kunst Peripherie Ruhrstadt‘ aus der Taufe – als neckischer Vorwurf an die Kulturhauptstadt-Macher, bei denen lokale Akteure sich eher an den Rand gestellt fühlten: „Mit einem Male merkten die Leute, dass auch in direkter Nachbarschaft eine großartige Künstlerin, ein toller Künstler wohnt und die enorme Vielfalt an Kreativen hat alle Beteiligten überrascht und Freude erzeugt.“ Hier lernte Kumpernas Thorsten Sträter kennen, der zwar noch nicht ganz so bekannt wie heute, aber schon genauso witzig war: „Er hat für den Hut gespielt und thronte dabei im Barock-Sessel. Das hat ihm sehr gut gefallen.“ Susanne Jäschke

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