p. 53 HWWI/Berenberg Bank Strategie 2030: Energierohstoffe

Die Sektorebene – einzelne Industriezweige werden unterschiedlich stark betroffen sein / Generelle Überlegungen

 

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Strategie 2030: Energierohstoffe. Strategie 2030 - Vermögen und Leben der nächsten Generation. Eine Initiative des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts und der Berenberg Bank

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hamburgisches weltwirtschafts institut energierohstoffe strategie 2030 vermögen und leben in der nächsten generation eine initiative des hamburgischen weltwirtschaftsinstituts und der berenberg bank b

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hamburgisches weltwirtschafts institut energierohstoffe teil i szenarien für die langfristige entwicklung auf den märkten für energierohstoffe teil ii strategieansätze unterschiedlicher energiepreisszenarien aus der sicht von politik notenbanken unternehmen und investoren strategie 2030 vermögen und leben in der nächsten generation eine initiative des hamburgischen weltwirtschaftsinstituts und der berenberg bank

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»berenberg bank · hwwi strategie 2030 ­ energierohstoffe« ist eine gemeinsame studie der berenberg bank · neuer jungfernstieg 20 · 20354 hamburg und des hwwi hamburgisches weltwirtschaftsinstitut · neuer jungfernstieg 21 · 20354 hamburg autoren michael bräuninger klaus matthies günter weinert teil i cornelia koller wolfgang pflüger axel-adrian roestel teil ii stand juli 2005 wir haben uns bemüht alle in dieser studie enthaltenen angaben sorgfältig zu recherchieren und zu verarbeiten dabei wurde zum teil auf informationen dritter zurückgegriffen einzelne angaben können sich insbesondere durch zeitablauf oder infolge von gesetzlichen Änderungen als nicht mehr zutreffend erweisen für die richtigkeit vollständigkeit und aktualität sämtlicher angaben kann daher keine gewähr übernommen werden bezug über berenberg bank · Öffentlichkeitsarbeit neuer jungfernstieg 20 · 20354 hamburg telefon 040 350 60-203 · telefax 040 350 60-907 · e-mail presse@berenbergbank.de

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strategie 2030 ­ vermögen und leben in der nächsten generation die goldene regel ist dass es keine goldenen regeln gibt g eorge b ernard s haw die welt steht vor einer zeitenwende große makroökonomische und geopolitische trends werden das leben und wirtschaften der menschheit in der nächsten generation verändern dazu zählen die neue dimension religiös motivierter terroristischer bedrohung westlicher demokratien die mit der erweiterung der europäischen union verbundene einführung des euro als nationalstaatlich übergreifender gemeinschaftswährung die entstehung neuer wirtschaftlicher schwergewichte in asien volksrepublik china indien mit unausweichlichen folgen für rohstoff und kapitalmärkte und vor allem die herausforderungen einer rapide alternden bevölkerung in vielen industrienationen mit all ihren konsequenzen für staatsfinanzen sozialsysteme arbeitsorganisation standortentscheidungen etc dies alles vollzieht sich vor dem hintergrund fortgesetzter technologiesprünge in einer sich globalisierenden wirtschaft in der folge finden politische gesellschaftliche technologische und wirtschaftliche veränderungen immer rascher statt mehr noch sie beeinflussen sich wechselseitig ­ mal verstärkend mal aber auch bremsend ­ und werden so in der wahrnehmung der menschen immer komplexer auch im sinne von weniger greifbar dies gilt umso mehr als sie weit in die zukunft reichen im fall des demographischen wandels sogar generationenübergreifend wirken trotz aller unsicherheit ­ eines ist klar politiker unternehmerisch handelnde und privatpersonen müssen sich diesem tiefgreifenden wandel planerisch und gestalterisch stellen so dürfte es ein lohnendes unterfangen sein nach orientierung gebenden wegweisern zu suchen sie als solche zu identifizieren und mögliche wegstrecken sowie zielorte zu beschreiben diesem versuch dient die gemeinsam vom hamburgischenweltwirtschaftsinstitut hwwi und der berenberg bank getragene schriftenreihe »strategie 2030 ­ vermögen und leben in der nächsten generation« sie vereint die expertise von über unsere landesgrenzen hinaus anerkannten konjunkturforschern mit den umfassenden erfahrungen eines führenden in der vermögensverwaltung tätigen privatbankhauses als sich ergänzenden eckpunkten der studien wir wünschen den lesern eine anregende und nützliche lektüre berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1 4

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inhaltsverzeichnis teil i szenarien für die langfristige entwicklung auf den märkten für energierohstoffe zusammenfassung 1 einleitung 2 historische entwicklung 2.1 energiepreise 2.2 energieverbrauch 2.3 verfügbarkeit der reserven 2.4 regionale verteilung der reserven 3 annahmen für die prognose 3.1 Überblick 3.2 nachfrage 3.3 reserven 3.4 preise 3.5 weitere energien 4 prognoseergebnisse 4.1 basisszenario 4.2 szenario verstärkte energieeinsparung 4.3 szenario halbierung der neufindungen von fossilen energieträgern 4.4 szenario stärkere preisreaktionen 4.5 szenario energiesparpolitik in nordamerika 4.6 szenario höheres wachstum in asien 4.7 kurzfristige preisausschläge 7 8 9 10 10 13 19 21 23 23 24 27 29 29 30 30 31 32 33 34 35 36 teil ii strategieansätze unterschiedlicher energiepreisszenarien aus der sicht von politik notenbanken unternehmen und investoren zusammenfassung 1 Ölpreise zwischen 120 und 180 fass ­ stehen wir vor einem neuen zeitalter dauerhaft verteuerter energierohstoffe 1.1 die ausgangslage 1.2 wunsch 1.3 und wirklichkeit 39 40 41 41 42 42 5 berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1

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2 mögliche folgen 2.1 konflikte 2.2 preissprünge 2.3 rückbildung zu regionalen wirtschaftszentren 3 staatlich aktive strategien ­ das setzen von rahmenbedingungen 4 energierohstoffe und kapitalmarktperspektiven 4.1 die lehren der vergangenheit 4.2 der blick in die zukunft 5 die sektorebene ­ einzelne industriezweige werden unterschiedlich stark betroffen sein 5.1 generelle Überlegungen 5.2 der transportsektor ­ das herzstück einer arbeitsteiligen weltwirtschaft 5.3 stahl und kohle 5.4 wenn die chemie nicht mehr stimmt 5.5 Öl und gasunternehmen ­ gewinner in der krise 5.6 versorger 6 die historie als anhaltspunkt für die zukünftige sektorale entwicklung 7 anhang vergleich zu anderen prognosen vergleiche zwischen alternativszenarien und basisszenario ein kurzer literaturüberblick literaturverzeichnis 44 44 44 44 45 47 47 52 54 54 55 60 62 63 66 71 73 73 74 76 77 berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1 6

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teil i szenarien für die langfristige entwicklung auf den märkten für energierohstoffe hwwi berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1 8

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zusammenfassung die vorliegende studie beschäftigt sich mit entwicklungen auf den märkten für die energierohstoffe Öl gas und kohle bis zum jahr 2030 zunächst werden die veränderungen auf diesen märkten in den letzten 30 jahren analysiert auf basis der historischen entwicklung werden szenarien entworfen in denen die künftige entwicklung von preisen angebot und nachfrage für energierohstoffe simuliert wird in allen betrachteten szenarien steigt die nachgefragte menge von energierohstoffen die produktion kann entsprechend gesteigert werden und in diesem sinne kommt es nicht zu länger andauernden engpässen allerdings nehmen die förderbaren reserven langsamer zu als der verbrauch deshalb kommt es zu preissteigerungen diese bremsen das nachfragewachstum und steigern den einsatz alternativer energien zunächst wird ein basisszenario betrachtet das die von uns erwartete entwicklung widerspiegelt in diesem szenario nimmt der energiekonsum bis 2030 um 75 zu dies entspricht einer jährlichen wachstumsrate von 2,1 dabei gibt es erhebliche unterschiede in den wachstumsraten der einzelnen energierohstoffe die nachfrage nach Öl und kohle wächst mit einer jährlichen rate von knapp 1,7 deutlich langsamer als die nach gas 2,4 und alternativen energieträgern 3,3 aufgrund der unterschiedlichen wachstumsraten sinkt der anteil von Öl am gesamten primärenergieverbrauch von 37 auf 33 und der von kohle von 27 auf 24 im gegenzug nimmt der anteil von gas von 24 auf 26 und der von sonstigen energien von 12 auf 17 zu der Öl und der gaspreis werden sich bis 2030 etwa verdreifachen während der kohlepreis etwa auf das doppelte steigt bei ansonsten konstanten lebenshaltungskosten bedeutet dies dass der Ölpreis um 60 der gaspreis um 50 und der kohlepreis um 14 steigt neben dem basisszenario werden alternativszenarien betrachtet in diesen werden jeweils deutlich vom basisszenario abweichende annahmen getroffen diese szenarien stellen wenig wahrscheinliche extremfälle dar mit denen die spannbreite der abweichungen vom basisszenario deutlich wird dabei hat das basisszenario die höchste wahrscheinlichkeit die extremfälle haben eine sehr geringe in den alternativszenarien wird z.b ein gegenüber dem basisszenario um zwei prozentpunkte höheres wachstum in asien angenommen in diesem fall steigt die energienachfrage um fast 120 dies führt auch zu erheblich größeren preissteigerungen so würde sich der Ölpreis gegenüber dem basisszenario um fast 35 prozentpunkte erhöhen Ähnlich starke preiseffekte hätte eine halbierung der exploration neuer reserven aber auch positive abweichungen vom basisszenario sind möglich so würden stärkere energieeinsparungen das verbrauchswachstum drosseln und so zu niedrigeren preissteigerungen führen eine schnellere erschließung neuer rohstoffreserven hätte niedrigere preissteigerungen und deshalb ein höheres wachstum der energienachfrage zur folge 9 berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1

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1 einleitung die langfristige entwicklung der preise für energierohstoffe ist nicht nur für die strategische ausrichtung von verschiedenen politikbereichen wie z.b die energie und verkehrspolitik entscheidend sondern auch für langfristige investitions und anlageentscheidungen in dieser studie sollen verschiedene szenarien für mögliche langfristige entwicklungen auf den relevanten märkten für energierohstoffe aufgezeigt werden im vordergrund steht die analyse der Öl gas und kohlemärkte für diese märkte werden szenarien abgeleitet mit denen die entwicklung bis zum jahr 2030 abgebildet wird die untersuchung findet in drei stufen statt · in der ersten stufe wird die historische entwicklung auf den märkten für energierohstoffe dargestellt dabei wird zum einen das wachstum des verbrauchs abgebildet zum anderen aber auch die Änderung der in lagerstätten vorhandenen vorräte und damit des potenziellen angebots betrachtet dies erlaubt es die reaktion von angebot und nachfrage auf preisänderungen abzuschätzen und umgekehrt auch zu prognostizieren wie die preise für energierohstoffe auf das verhältnis von bekannten vorräten in den lagerstätten und auf den verbrauch reagieren · in der zweiten stufe werden auf basis der historischen entwicklung annahmen für die zukünftigen entwicklungen getroffen die prognostizierte entwicklung der rohstoffnachfrage hängt dabei von der geschätzten weltproduktion den annahmen über technischen fortschritt und von der reaktion der energienachfrage auf preisänderungen ab das potentielle angebot in form von abbaubaren lagerstätten wird durch das technische wissen ­ welches die kosten des abbaus maßgeblich beeinflusst ­ und durch den preis bestimmt naturgemäß besteht über einzelne annahmen erhebliche unsicherheit deshalb werden hier verschiedene szenarien diskutiert · in der dritten stufe werden szenarien simuliert zunächst wird ausführlich ein basisszenario dargestellt das auf den annahmen basiert denen wir die größte wahrscheinlichkeit geben im anschluss werden alternativszenarien betrachtet mit diesen werden verstärkte energiesparmaßnahmen eine aggressivere preispolitik der Ölförderländer geringere neufindungen von reserven und ein höheres wachstum in asiatischen schwellenländern analysiert jeweils wird untersucht wie eine variation der annahmen auf energiepreis und -nachfrage wirkt so wird zum beispiel untersucht ob und inwieweit ein verstärktes wachstum in asien die rohstoffreserven verknappt und zu welchen preissteigerungen dies führt berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1 10

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2 historische entwicklung 2.1 energiepreise der internationale handel mit mineralöl kohle und erdgas erfolgt zu einem großen teil auf der basis längerfristiger lieferverträge bei rohöl wo rund 40 des internationalen handels auf den spotmärkten abgewickelt wird haben die täglichen notierungen an den rohstoffbörsen eine leitfunktion für die innerhalb der langfristverträge zu zahlenden preise spotpreise gibt es auch beim seehandel mit steinkohle der größte teil der kohlelieferungen insbesondere von kokskohle für die stahlindustrie wird allerdings zu jährlich neu ausgehandelten vertragspreisen abgewickelt im hwwa-index der weltmarktpreise von rohstoffen ist die entwicklung der spotpreise von rohöl und kohle im teilindex »energie« zusammengefasst siehe kasten 1 erdgas ist im hwwa-index mangels repräsentativer preise nicht enthalten anders als bei Öl existiert bei erdgas kein weltmarkt sondern es gibt mehrere regionalmärkte mit unterschiedlichen preisen aufgrund unterschiedlicher transportkosten und marktverhältnisse weichen preise und preisentwicklungen im amerikanischen europäischen und pazifischen wirtschaftsraum voneinander ab in einigen ländern ­ etwa den usa kanada und großbritannien ­ werden zwar spotpreise für erdgas notiert doch zumindest in kontinentaleuropa erfolgen die grenzüberschreitenden lieferungen überwiegend im rahmen langfristiger lieferbeziehungen in den lieferverträgen sind die gasbezugspreise an die entwicklung der Ölpreise gekoppelt üblicherweise mit einer halbjährlichen verzögerung diese koppelung entstand aufgrund der besonderheit des transports von gas durch ein leitungsnetz so wird erdgas grenzüberschreitend vor allem mit pipelines befördert der asiatische wirtschaftsraum bildet hier eine ausnahme angesichts der prinzipiellen substituierbarkeit sind dauerhafte größere abweichungen zwischen den preisen der verschiedenen fossilen energieträger nicht zu erwarten da die vorliegende studie die prognose der langfristigen entwicklung zum ziel hat wird der Ölpreis als leitpreis für die entwicklung auf dem gasmarkt verwendet die weltmarktpreise für energieträger haben sich im jahr 2004 deutlich nach oben bewegt der rohölpreis kletterte auf seinen historischen höchststand preisbewegungen wie wir sie seit ende der neunziger jahre bei Öl und kohle erleben sind allerdings nichts neues heftige preisausschläge sind geradezu ein kennzeichen vieler rohstoffmärkte abbildung 1 zeigt die entwicklung der hwwa-preisindizes von Öl und kohle für den zeitraum 1970 bis 2005 eine erläuterung zu diesen indizes findet sich im kasten 1 der Ölpreis hat sich im zuge der beiden Ölpreiskrisen zunächst vervierfacht 1973 74 und schließlich insgesamt verzwölffacht bis 1980 der verlauf von angebot und nachfrage zeigt deutlich dass diese preissteigerungen durch verknappungen des angebots zustande gekommen sind in den achtziger jahren gab es dann einen deutlichen rückgang der Ölpreise den anstoß dazu gab 11 berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1

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saudi-arabien ende 1985 mit der entscheidung die restriktive produktionspolitik aufzugeben und die fördermengen ­ ohne abstimmung mit den anderen opec-mitgliedern ­ deutlich zu erhöhen abgesehen von der Ölpreisexplosion im jahr 1990 im zusammenhang mit der besetzung kuwaits durch die irakische armee sind auch die neunziger jahre durch ­ aus heutiger sicht ­ relativ niedrige Ölpreise gekennzeichnet ein preissturz auf 10 us je barrel ende 1998 im gefolge der asienkrise und einer fehleinschätzung der Ölnachfrage durch die opec läutete das ende der niedrigpreisphase ein mit einer erhöhten produktionsdisziplin erreichten die opec-länder zum ende des jahrzehnts rasch einen deutlichen anstieg der Ölpreise krisenhafte entwicklungen in Ölförderländern vor allem im nahen osten sowie eine deutliche zunahme der weltölnachfrage führten schließlich zum historischen höchststand im jahr 2005 die preise für international gehandelte kohle zeigen einen ähnlichen verlauf wie die Ölpreise mit einer starken erhöhung in den siebziger jahren die anfang der achtziger jahre nur teilweise korrigiert wurden nach der hochpreisperiode bewegten sich die kohlepreise zwei jahrzehnte auf relativ niedrigem niveau etwa 30-40 us pro tonne ein erneuter anstieg bei dem in etwa das niveau zu beginn der achtziger jahre erreicht wurde erfolgte erst wieder im jahr 2004 eine besonders starke erhöhung gab es 2005 beim vertragspreis für die ­ hauptsächlich für stahlerzeugung benötigte ­ kokskohle der unerwartet kräftige anstieg des weltstahlverbrauchs ließ kokskohle knapp werden und die stahlunternehmen akzeptierten schließlich eine verdoppelung der abgabepreise für das jahr 2005 der anstieg der energiepreise seit beginn der siebziger jahre fällt weit weniger drastisch aus wenn er in beziehung zu anderen preisen gesetzt wird als deflator werden hier die exportpreise für industriewaren herangezogen wie abbildung 2 zeigt haben die so berechneten realen Öl und kohlepreise die höchststände der achtziger jahre noch nicht wieder erreicht entwicklung der energiepreise 200 150 100 50 0 1970 1975 1980 1985 1990 steinkohle erdöl abb 1 entwicklung der realen energiepreise 700 600 500 400 300 200 100 0 abb 2 erdöl steinkohle 1995 2000 2005 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 quelle hwwa-indizes 2000=100 jahreswerte 2005 januar-märz quelle hwwa-indizes 1970 100 2005 januar berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1 12

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hwwa-index der rohstoffpreise der vom hwwa entwickelte index der weltmarktpreise für rohstoffe misst die preislichen veränderungen bei den rohstoffimporten der industrieländer der index ist auf der website www.hwwa.de online verfügbar bei rohstoffpreisindizes wird üblicherweise die güterstruktur einer bestimmten periode als gewichtsschema zugrunde gelegt der index beantwortet dann die frage in welchem maße sich der warenkorb gegenüber dem basisjahr verteuert oder verbilligt hat im hwwa-index dienen als gewichte die anteile der einzelnen rohstoffe am gesamten rohstoffimport der oecd-länder ohne den binnenhandel innerhalb der eu bei dem im jahr 2002 zusätzlich eingeführten hwwa-index »euroland« wurden entsprechend die importe des euroraums aus drittländern herangezogen grundlage für die auswahl der rohstoffe ist die gesamtheit der »nicht-verarbeiteten waren« in der außenhandelsstatistik bei der auswahl wurde angestrebt nur unbearbeitete oder wenig bearbeitete waren einzubeziehen produkte mit einem hohen anteil von arbeitskosten und anderen wertschöpfungskomponenten bleiben weitgehend unberücksichtigt dabei wurden bestehende handelsusancen beachtet so werden ne-metalle nicht in der primären bearbeitungsstufe als erz sondern in einer höheren verarbeitungsstufe als metalle an den warenbörsen gehandelt und entsprechend als repräsentative preisnotierungen veröffentlicht um dem ziel der repräsentativität möglichst nahe zu kommen sind im hwwa-index die wichtigsten international gehandelten rohstoffe enthalten ausnahmen sind allerdings dann erforderlich wenn aktuelle bzw repräsentative weltmarktpreise fehlen daher bleibt z.b erdgas unberücksichtigt und in den teilindex energie gehen nur preise für rohöl und kraftwerkskohle ein edelmetalle sind nicht im index enthalten da sie besonders starken spekulativen preisschwankungen unterworfen sind und nur teilweise rohstoffcharakter im sinne einer verwendung als industrieller input haben insgesamt sind im hwwa-index 28 rohstoffe vertreten für sie sind 36 preisreihen als repräsentanten ausgewählt worden d.h einige rohstoffe werden durch zwei z.b kohle oder drei preisreihen rohöl vertreten um unterschiedliche qualitäten und damit verbundene preisunterschiede zu berücksichtigen kasten 1 13 berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1

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2.2 energieverbrauch der globale energieverbrauch hat sich seit 1970 nahezu verdoppelt vgl abbildung 3 den mit abstand größten anteil am energieverbrauch hat heute erdöl Öl hat im laufe der sechziger jahre kohle als wichtigsten energieträger abgelöst anfang der siebziger jahre trug Öl knapp die hälfte zum kommerziellen weltenergieverbrauch bei mittlerweile hat sich der Ölanteil auf 37 vermindert während kohle noch ein viertel zum verbrauch beiträgt erdgas hat seinen anteil am energieverbrauch im lauf der zeit auf ebenfalls ein viertel gesteigert den rest 12 teilen sich wasserkraft und kernenergie im kasten 2 wird kurz auf die verfügbarkeit von uran als energierohstoff für die atomkraft eingegangen die entwicklung der anteile wird in abbildung 4 dargestellt wie abbildung 6 zeigt ist die relative bedeutung der energieträger regional recht unterschiedlich ursächlich für die regionalen disparitäten sind die ressourcenausstattung sowie transportkosten und -wege s punkt 2.3 der anstieg des weltenergieverbrauchs verringerte sich im zeitablauf von 2,8 p.a in den siebziger jahren auf 1,4 p.a seit 1990 ein grund für diese verlangsamung war die reaktion auf die verteuerung und verknappung der energieträger in form von einsparungsund substitutionsbemühungen in den oecd-ländern ging die jährliche verbrauchszunahme von 1,7 in den siebziger jahren auf 1 in achtziger jahren zurück seither erhöhte sich die rate allerdings wieder in den entwicklungsländern deren energieverbrauch generell deutlich rascher zunimmt als der in den industrieländern zeigt sich eine entsprechende bis in die neunziger jahre anhaltende abwärtstendenz in den neunziger jahren trug die auflösung der sowjetunion die eine verminderung des dortigen energieverbrauchs um ein drittel zur folge hatte zu einer langsameren entwicklung des weltenergieverbrauchs bei energiemix im zeitverlauf 10000 9000 8000 7000 6000 5000 4000 3000 2000 1000 0 1965 1970 1975 1980 abb 3 anteile der energieträger 100 abb 4 wasserkraft kernenergie gas wasserkraft kernenergie 90 80 70 60 50 gas kohle 40 30 kohle erdöl 20 10 0 erdöl 1985 1990 1995 2000 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 mio tonnen Öläquivalent quelle bp statistik 2004 quelle bp statistik 2004 berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1 14

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uran uran ist seit den achtziger jahren deutlich preiswerter geworden bei langfristverträgen sanken die preise für bezieher in europa von rund 100 auf etwa 30 euro je kg einen ähnlichen verlauf nahmen die spotpreise im jahr 2004 haben die spotpreise allerdings angezogen auf etwa 40 euro pro kg ein grund dafür dürfte die verteuerung der fossilen energieträger sein die die chancen einer verstärkten nutzung der kernenergie erhöht vgl abbildung 5 die uranreserven sind auf wenige länder konzentriert die wichtigsten förderregionen sind australien nordamerika die länder der ehemaligen sowjetunion und einige afrikanische länder europa bezieht sein uran vor allem aus russland und kanada gefolgt von australien und niger etwa die hälfte des weltbedarfs wird durch sekundärquellen wie die abreicherung von waffenuran von mox-brennstoff oder aus lagerbeständen gedeckt.1 gegenwärtig gibt es in der welt 31 länder mit kernkraftwerken mehr als 85 der elektrizität auf der basis von kernenergie wird in 17 ländern erzeugt nach den bisher bekannt gewordenen ausbauplänen ist mit einem nur moderaten anstieg der stromerzeugung mit kernkraft zu rechnen in den europäischen oecd-ländern werden danach drei viertel der anlagen in den nächsten 25 jahren mit erreichen der altersgrenze vom netz gehen lediglich frankreich plant investitionen größeren umfangs in neue kernkraftwerke zum ersatz bestehender kapazitäten in asien wird die kernkraftkapazität in einer reihe von ländern ausgebaut werden insbesondere in china südkorea japan und indien mehrere länder neben den genannten auch finnland und russland haben in letzter zeit angekündigt die stromerzeugung mit kernenergie zu forcieren um die abhängigkeit von teuren Öllieferungen abzubauen.2 bei einer kräftigen ausweitung der stromerzeugung auf der basis von kernenergie müssten rasch neue vorkommen zu deutlich höheren als den bisherigen produktionskosten erschlossen werden 1 vgl iea world energy outlook 2004 s 200f 2 vgl bgr energie hat ihren preis commodity top news no 22 januar 2005 kasten 2 15 berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1

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uranpreis in lb kg 50 45 40 35 30 25 20 15 10 5 0 1998 1999 2000 abb 5 energieträger in den regionen der welt abb 6 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 wasserkraft kernenergie kohle gas Öl 2001 2002 2003 2004 2005 nordamerika süd/mittel europa amerika eurasien mittlerer osten afrika asienpazifik quelle thomson datastream quelle bp statistik 2004 energieintensität im zeitverlauf 0.5 usa 0.4 deutschland 0.3 japan 0.2 frankreich 0.1 0 1970 1975 1980 1985 1990 abb 7 Ölintensität im zeitverlauf 0.2 abb 8 0.1 usa japan deutschland frankreich 0 1995 2000 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 jeweils tonnen Öläquivalent je mrd bip quelle bp statistik 2004 oecd eigene berechnungen jeweils tonnen Öläquivalent je mrd bip quelle bp statistik 2004 oecd eigene berechnungen gasintensität im zeitverlauf 0.2 abb 9 kohleintensität im zeitverlauf 0.2 abb 10 0.1 usa japan deutschland frankreich 0.1 usa japan deutschland frankreich 0 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 0 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 jeweils tonnen Öläquivalent je mrd bip quelle bp statistik 2004 oecd eigene berechnungen jeweils tonnen Öläquivalent je mrd bip quelle bp statistik 2004 oecd eigene berechnungen berenberg bank · hwwi strategie 2030 · nr 1 16

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Strategie 2030 - Vermögen und Leben in der nächsten Generation - Die Reihe der Berenberg Bank und dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts »Strategie 2030 – Vermögen und Leben in der nächsten Generation« befasst sich mit der Entwicklung der nächsten 20 Jahre.

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