Geld, Tausch und Nachhaltigkeit (MoneyMuseum)

 

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Geld, Tausch und Nachhaltigkeit - Die Motoren der künftigen Wirtschaft - Dr. Jürg Conzett / Money Museum

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geld tausch und nachhaltigkeit die motoren der künftigen wirtschaft

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inhaltsverzeichnis geld tausch und nachhaltigkeit die motoren der künftigen wirtschaft inhaltsverzeichnis vorwort nicht für dm oder euros ­ für talente oder prinzen nicht für pesos und dollars ­ sondern für créditos geld und tausch geld und nachhaltigkeit nachhaltige geldanlagen ­ sozialverträglich und erfolgreich geld und moderne gesellschaft ­ die geschichte einer innigen beziehung geld und der weibliche archetyp 1 2 4 6 9 15 19 21

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vorwort welt ebenfalls in unglaublichem tempo und nicht zuletzt befinden sich einst prosperierende länder wie argentinien nahe am bankrott sind renommierte unternehmen zusammengebrochen und erschüttern skandale um gierige manager und bilanzfälschungen das vertrauen in unser scheinbar so stabiles wirtschaftssystem die vielfältigen krisen der gegenwart bewirken allerdings gerade durch die kraft mit der sie uns schockieren ein umdenken und einen paradigmenwechsel dass dieser sich auch auf der geldebene manifestiert wundert mich dabei nicht denn geld hält der gesellschaft immer einen spiegel vor um diese spiegelung geht es auch in dieser publikation sie beinhaltet sieben beiträge die sich auf je unterschiedliche weise mit geld beschäftigen die ersten drei texte widmen sich dem thema «geld und tausch» wobei die ersten beiden alternative formen von zahlungsmitteln vorstellen wie sie heute von tauschringen und zeitbörsen entwickelt werden denn gerade sie veranschaulichen besonders gut wie erfinderisch menschen auf eine veränderte wirtschaftslage zu reagieren vermögen die nächsten zwei beiträge plädieren vor allem dafür im umgang mit geld neben den finanziellen auch vermehrt ethische d h soziale und ökologische Überlegungen anzustellen das betrifft insbesondere auch das geldanlegen denn hier stelle ich ebenfalls einen wandel in der wahrnehmung fest der anleger nämlich ist nicht länger allein auf den schnellen und möglichst hohen profit fokussiert ­ vielmehr will er wissen was mit seinem geld genau passiert darum enthält diese broschüre auch zwei interviews mit experten in sachen nachhaltigkeit ein weiterer text analysiert die wechselwirkung zwischen geld und gesellschaftssystemen ­ und ein letzter schliesslich deckt verborgene neue aspekte des themas auf insgesamt bietet ihnen diese publikation also eine fülle von anregungen näher über die beziehung zwischen mensch und geld nachzudenken und sollten sie über diese anregungen hinaus auch auf neue erkenntnisse stossen freue ich mich besonders jürg conzett juli 2003 «direktor» moneymuseum www.moneymuseum.com dr jürg conzett jürg r conzett 1947 studierte geschichte und psychologie an der universität zürich dr phil i 1972 in den usa absolvierte er die management-schule an der stanford university kalifornien mba 1976 mehrjährige aufenthalte in new york und tokyo 1976 ­ 80 als finanzanalyst bei citibank bildeten ihn in der globalen vermögensverwaltung aus als mitglied der geschäftsleitung der dow banking corporation in zürich 1982 ­ 86 entwarf er die anlagepolitik dieser bank bei bank cantrade in zürich 1986 ­ 90 einer tochtergesellschaft der ubs war er verantwortlicher direktor für finanzanalyse seit 1990 ist er selbständig in der finanzberatung und im verlagswesen tätig conzett jopp und oesch verlage vorwort «der wechsel allein ist das beständige!» dies wort des deutschen philosophen arthur schopenhauer war das lieblingszitat meines unternehmeronkels in der tat den steten wandel erleben wir heute täglich ­ privat und am arbeitsplatz wir ziehen um die familie wächst oder zerbricht unser unternehmen fusioniert oder ändert seine struktur auch in wissenschaft und forschung werden scheinbar gültige erkenntnisse ständig durch neue ersetzt die globalisierung die intensivierung des wettbewerbs und technologische innovationen verändern unsere 1

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nicht für dm oder euros für talente oder prinzen nicht für dm oder euros ­ für talente oder prinzen nicht nur für privatpersonen sondern auch für firmen und vereine interessant tauschringe und zeitbörsen talente als währung alle brauchen es alle wollen es nur die meisten haben zu wenig davon geld was also tun wenn das geld für einen babysitter für den regelmässigen frisör-besuch oder den sprachkurs fehlt was tun wenn die wohnung dringend einen frischen anstrich benötigt ich aber «zwei linke hände» beklage und kein freund oder nachbar hilft «seit ich mitglied in unserem freiburger-talentetauschring bin ist das kein problem mehr für mich» erzählt die 43-jährige sozialarbeiterin elke schüler ich treffe sie in der wohnung von ulrich jankowski auch er ist mitglied im freiburger tauschring elke schüler steht auf der leiter und putzt die küchenfenster einmal in der woche hilft sie dem 51-jährigen alleinstehenden informatiker bei der hausarbeit wenn sie mit ihren arbeiten fertig ist erhält schüler für ihre hilfe allerdings keine d-mark auch wird jankowski nicht wie in der direkten nachbarschaftshilfe üblich sich mit einem blumenstrauss oder einer handreichung bei ihr revanchieren sie erhält für ihre arbeiten so genannte «talente» so heisst die verrechnungseinheit mit der alle leistungen und waren in ihrem tauschring verrechnet werden ulrich jankowski wird einen buchungsauftrag über 50 talente ausstellen und dieser betrag wird schüler auf ihr konto bei der zentrale des tauschrings gutgeschrieben im gegenzug wird das konto von jankowski mit dem gleichen betrag belastet «mit den talenten kann ich das finanzieren was ich mir für d-mark sonst nicht leisten könnte» beschreibt schüler ihre beweggründe für den eintritt in den tauschring sie ist alleinerziehende mutter und mit ihrer halbtagsstelle verdient sie nur das nötigste mit den talenten jedoch konnte sie beispielsweise die reitbeteiligung ihrer tochter oder deren französisch-nachhilfeunterricht bezahlen für sich selbst hat sie einen computer gekauft und die pc-schulung bezahlt manchmal leiht sie sich auch einen wagen aus jankowski wurde nach seiner scheidung auf den tauschring aufmerksam er erhoffte sich hilfe bei den hausarbeiten ein ungewohnter und nicht einfacher schritt für den informatiker er hat «lernen müssen» wie er es nennt seine fähigkeiten als computer-fachmann nicht anonym gegen d-mark sondern in einem sozialen kontext gegen talente anzubieten inzwischen weiss er diese 2 vorteile zu schätzen seine geburtstagsfeier hat er ebenso von tauschringmitgliedern organisieren lassen wie den umzug seiner kranken eltern daneben die hilfe im eigenen haushalt um seine talentschulden zu begleichen bietet er dienste an die für ihn einfacher sind und ihm mehr spass machen pc-beratung und hilfe bei der existenzgründung angebot und nachfrage kennen gelernt haben sich schüler und jankowski über dessen anzeige in der marktzeitung «suche hilfe bei hauhaltsarbeiten » mit der mitgliedschaft erhält jeder diese monatlich erscheinende zeitung des tauschringes in der die angebote und nachfragen der mitglieder veröffentlicht werden und schon können die tauschaktivitäten beginnen die marktzeitung ist zusätzlich zu den floh oder tauschmärkten das bedeutendste vermittlungsinstrument für die tauschpartner so unterschiedlich die mitglieder im tauschring sind so vielfältig sind die angebote in den grossen tauschringen wie in berlin hamburg und münchen mit ihren bis zu 1500 mitgliedern liest sich die marktzeitung wie ein kleines branchenbuch von «a» wie altenpflege oder autoverleih bis «w» wie wohnungsauflösung sind hier bis zu 500 angebote zu finden dazu gehören babysitting büroarbeiten computerkurse druckereierzeugnisse elektroarbeiten fahrradreparaturen ferienwohnungen haushaltshilfe kleintransporte medizinische betreuung nahrungsmittel sprachkurse umbau oder renovierungsarbeiten bis zu umzugshilfen in einigen tauschringen ist man inzwischen so weit mit talenten selbst die betreuung von kranken zu organisieren kindergärten umzubauen ­ und selbst eine freie schule mitzufinanzieren dabei läuft der austausch der dienstleistungen und waren innerhalb der 350 tauschringe in deutschland nach dem gleichen prinzip der wert der erbrachten leistung wird in der jeweiligen lokalen verrechnungseinheit auf ein konto bei der tauschringzentrale gutgeschrieben umgekehrt wird das konto desjenigen der die leistung beansprucht hat mit dem gleichen betrag belastet die komplementäre nebenwährung «talente» «blüten» «kreuzer» «peanuts» «tiden» ­ die namen die die tauschringe den verrechnungseinheiten gegeben haben sind je nach ort und stadtteil verschieden und orientieren sich häufig an regionalen begebenheiten allen verrechnungseinheiten gemein ist dass sie nicht konvertibel zur d-mark sind ein anreiz in den ringen zu tauschen denn guthaben und schulden dürfen nicht mit d-mark beglichen werden.

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nicht für dm oder euros ­ für talente oder prinzen zwischen den tauschringen gibt es allerdings einen deutlichen unterschied in der frage nach welchen kriterien die leistung zu berechnen ist dabei lassen sich grundsätzlich zwei strömungen unterscheiden in der einen wie im talente-tauschring freiburg handeln die mitglieder das entgeld für ihre leistungen untereinander frei aus dabei dient die d-mark als orientierungsmarge für die verrechnungseinheit die tauschringe der anderen richtung berechnen die leistungen mittels einer so genannten zeitwährung und werden auch als «zeitbörsen» bezeichnet bei ihnen ist eine stunde babysitting ebensoviel wert wie eine stunde sprachunterricht oder computereinführung dabei haben die jeweiligen tauschringzentralen für eine stunde arbeitsleistung jeweils einen richtwert festgelegt in berlin-kreuzberg z b sind es 20 kreuzer in bremen 6 tiden in eschwege 20 werra-thaler den weg den die zeitbörsen beschritten haben ­ fast zwei drittel der tauschringe in deutschland arbeiten mittlerweile nach ihren prinzipien ­ birgt gewiss ein grösseres moment an utopie demgegenüber verweisen die befürworter der differenzierenden leistungsbewertung insbesondere auf die notwendigkeit breite schichten anzusprechen und die tauschringe auch für gewerbebetriebe attraktiv zu gestalten die bank die tauschringzentrale verbucht die eingehenden gut und lastschriften auf den entsprechenden konten und weist auf kontoüberziehungen hin grundsätzlich werden alle leistungen bargeldlos über die eigene währungseinheit verrechnet dabei erfolgt die kontoführung ­ wie in einer bank ­ elektronisch damit leistungen nicht nur abgerufen werden und sich einzelne tauschringmitglieder so einseitig auf kosten der anderen bereichern können haben alle tauschringe eine schuldenobergrenze festgelegt und die mehrzahl hat auch ein guthabenlimit eingeführt diese limits liegen bei den meisten tauschringen zwischen 25 und 35 arbeitsstunden oder dem entsprechenden Äquivalent in der alternativwährung wer das schuldenlimit erreicht hat muss erst selbst wieder aktiv werden um hilfe beanspruchen zu können wer am guthabenlimit angelangt ist muss erst einmal einen dienst in anspruch nehmen bevor er selbst wieder einen leisten darf zinsen auf die schulden zahlt niemand ­ gutgeschrieben aber werden auch keine nur eine kleine gebühr wird monatlich vom konto abgezogen dies als beitrag zur vergütung der in der tauschzentrale arbeitenden mitglieder für ihre bürodienste die kontoführung die herausgabe der marktzeitung und Öffentlichkeitsarbeit auch sie erhalten für ihre arbeit aber kein bargeld sondern bekommen verrechnungseinheiten gutgeschrieben ungewöhnlich für den menschen der an das bankgeheimnis gewöhnt ist in den tauschringen sind alle kontostände öffentlich jeder kann einsicht in die schulden oder guthaben des tauschpartners nehmen ein selten beanspruchtes recht mit dem die tauschringe einem möglichem missbrauch vorbeugen wollen die mitglieder die nachhaltige stärke der tauschsysteme liegt in der vielfalt ihrer mitglieder deren interessen und sozialen milieus sie kommen aus den unterschiedlichsten berufs und altersgruppen hier sind medizinerinnen und therapeuten ebenso vertreten wie architekten und lehrerinnen angestellte ebenso wie facharbeiter studentinnen hausfrauen arbeitslose und rentner entsprechend unterschiedlich sind auch die gründe die die mitglieder zum engagement bewegen bei den einen stehen die wirtschaftlichen aspekte im vordergrund hier können sie ihre kenntnisse und fähigkeiten einbringen die im marktsektor nicht ­ oder nicht mehr ­ gefragt sind und im gegenzug dienste und waren in anspruch nehmen die sie sich für d-mark kaum leisten könnten oder würden wieder andere wollen arbeiten ausführen lassen die sie selbst ungern tun um die so gewonnene zeit für die ausübung der eigenen talente zu nutzen vielen ist zudem auch an einem nebeneffekt des tauschs gelegen an der kommunikation und am aufbau neuer nachbarschaftlicher und kommunikativer netze wieder andere sind in den tauschringen eher aus sozialen und ideellen gründen aktiv neben den privatpersonen treten inzwischen auch immer mehr freiberufler und kleine gewerbebetriebe in die tauschsysteme ein in der zeit stagnierender aufträge und umsätze erwarten sie sich hier einen zusätzlichen markt so zählen in freiburg bereits landwirtschaftliche betriebe und winzer zu den mitgliedern des tauschrings dazu bioläden und restaurants eine nudelfabrik eine gärtnerei und eine imkerei ein sägewerk eine druckerei und eine schreinerei in der zeit der knapper werdenden finanziellen ressourcen haben inzwischen auch die kirchen wohlfahrtsverbände und vereine die vorteile des ringtauschs kennen gelernt auch sind die ersten kommunen mitglied in den örtlichen tauschringen geworden so z b die stadt witten im ruhrgebiet oder die stadt baden-baden andere ­ wie die lutherstadt wittenberg oder die gemeinde schriesheim ­ haben gar die gründung des tauschrings initiiert und finanziell unterstützt 3

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nicht für pesos und dollars ­ sondern für créditos der boom der tauschringe vor dem hintergrund steigender arbeitslosenzahlen und zunehmender sozialer isolierung wurde in deutschland der erste tauschring 1992 in halle a d saale gegründet 1995 fand bereits das erste bundestreffen der tauschringe in berlin statt an dem vertreter von 50 zeitbörsen und tauschkooperativen teilnahmen seitdem erleben die regionalen tauschsysteme nicht nur in deutschland sondern weltweit eine hochkonjunktur alleine in europa sind in den letzten zehn jahren rund 1 200 tauschsysteme mit lokalen währungen entstanden weltweit sind es rund 2 500 einige von ihnen haben inzwischen ihr eigenes lokales geld im umlauf gebracht so wird in ithaca im us-bundesstaat new york der ithacahours von farmern geschäftsleuten und gewerbebetrieben als zahlungsmittel angenommen in argentinien können die 370 000 mitglieder der tauschvereine mit ihrem credito auf märkten ebenso bar bezahlen wie in angeschlossenen geschäften und selbst kurse für die berufliche weiterbildung lassen sich damit finnzieren in der bundesrepublik ist die zahl der tauschringe inzwischen auf 350 gestiegen mit ca 40 000 mitgliedern die gründungswelle der tauschringe hat sich inzwischen von den städten auch auf kleinere gemeinden ausgedehnt so wird in der sächsischen gemeinde weisswasser ebenso selbstverständlich gegen talente getauscht wie im bayerischen bad aibling gegen wendelsteine oder in der gemeinde prinzhöfte gegen prinzen und ein ende der neugründungen ist nicht abzusehen denn wöchentlich kommen ein bis zwei hinzu zentrale internet-adressen unter diesen adressen finden sie u a weitere homepage-adressen einzelner tauschringe aber auch adressenlisten links und weitere literatur zum thema www.tauschring.de www.tauschring-archiv.de ten halbjahr fast die hälfte seines wertes verloren in den supermärkten explodieren die preise während die löhne auf der stelle treten die arbeitslosigkeit hat mit 25 prozent rekordniveau erreicht und täglich kommen tausende hinzu obwohl in argentinien genügend weizen gemüse fleisch milch und andere grundnahrungsmittel produziert werden um fast das zehnfache der eigenen bevölkerung zu ernähren leben heute bereits mehr als die hälfte der 37 millionen einwohner unterhalb der armutsgrenze es fehlt das geld um die heimischen produkte zu kaufen blühender tauschhandel schon früh am morgen strömen die menschen schwer bepackt mit grossen taschen kartons säcken und plastikbeuteln auf eine leer stehende fabrikhalle im zentrum von buenos aires zu sie heisst «la estacion» und ist der grösste überdachte tauschmarkt in der hauptstadt von rund 3500 menschen die hier zweimal in der woche zusammenkommen wird am nächsten tag die tagespresse wieder sprechen in drei geschossen auf endlosen tischreihen aufgetürmt wird hier alles getauscht was die einen entbehren können und in geld umsetzen wollen ­ und was die anderen dringend benötigen vor allem nahrungsmittel sind gefragt mehl zucker reis eier brot frisches obst und gemüse gefolgt von kinderkleidung medikamenten bettwäsche haushaltsgegenständen bis hin zum bürobedarf aber nicht gegen pesos oder dollars werden hier die waren getauscht sondern gegen «créditos» kredite so heisst die neue alternative währung la estacion ist nur einer der über 7000 tauschmärkte in argentinien deren adressen und Öffnungszeiten in endlosen spalten täglich in den zeitungen veröffentlicht werden aber nicht nur auf den tauschmärkten auf freien plätzen in kirchen oder leer stehenden fabrikgebäuden ist der crédito als währung akzeptiert taxifahrer nehmen ihn ebenso an wie handwerker niedergelassene Ärzte privatkliniken oder restaurant und hotelketten inzwischen wird selbst der kauf von grundstücken und häusern auf crédito-basis von den notaren beglaubigt in der 13 000-seelengemeinde calchaqui im armen norden des landes können mit den kreditscheinen sogar die steuern bezahlt werden rund vier millionen argentinier überleben dank der neuen währung inzwischen ist der tauschhandel zu einem bedeutenden wirtschaftszweig geworden auf rund eine milliarde dollar wird der tauschumsatz für das jahr 2001 geschätzt selbst auf plakaten in der untergrundbahn in buenos aires wird werbung für den tauschhandel gemacht der 2001 einen zuwachs von rund 80 prozent verzeichnete nicht für pesos und dollars ­ sondern für créditos hungern im schlaraffenland argentinien zählte einst zu den zehn reichsten nationen der welt heute hat sich die situation verkehrt das ehemalige vorzeigeland des neoliberalismus erlebt die schwerste wirtschaftskrise seiner geschichte angesichts der kapitalflucht hat die regierung alle konten eingefroren um den zusammenbruch des bankensystems zu verhindern das land ist zahlungsunfähig der peso hat im letz4

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nicht für pesos und dollars ­ sondern für créditos «club del trueque» im frühjahr 1995 steht die argentinische wirtschaft unter dem schock der in mexiko ausgelösten «tequila-krise» die arbeitslosigkeit klettert erstmals auf nahezu 20 prozent drei wissenschaftler ­ ein chemiker ein psychologe und ein museumsverwalter alle arbeitslos ­ schliessen sich in bernal einem vorort von buenos aires zusammen sie gründen den ersten tauschclub argentiniens auf spanisch «club del trueque» «mit pesos hätten wir uns alles leisten können aber da niemand von uns geld in der tasche hatte haben wir einfach angefangen das geld selber zu drucken» erzählt rubén ravera einer der drei initiatoren «und der tauschhandel schlug ein und funktionierte obwohl diese créditos durch gar nichts gedeckt waren ausser dem vertrauen und dem glauben der klubmitglieder» so ravera wer mitglied im tauschclub werden will muss dies schriftlich beantragen und die «prinzipien des globalen tauschnetzes» anerkennen sie bedeuten «jeder kann irgendetwas und jeder vermag etwas einem angebot entgegenzusetzen.» «wir glauben dass es möglich ist auf dem weg der gegenseitigen hilfe die kalte konkurrenz den profit und die spekulation zu überwinden» so die statuten jedes neue mitglied erhält 50 selbstgedruckte créditos den wert des créditos legten die initiatoren mit 1 crédito 1 peso fest mit dem club del trueque suchten die gründerväter nicht nur eine praktische lösung ihrer alltagsprobleme sie suchten auch nach einer theoretischen alternative zur herrschenden kapitalistischen logik des marktes inspiration holten sich die drei pioniere bei dem deutschen silvio gesell 1862-1930 der vor dem ersten weltkrieg mit alternativen wirtschaftsmodellen experimentierte er lebte zusammen mit seinem bruder einige jahre lang in argentinien wo die beiden so tiefe spuren hinterliessen dass eine stadt nach ihnen benannt wurde villa gesell entstehung einer komplementären wirtschaft während die argentinier das vertrauen in ihre regierung und in ihre währung verloren haben wächst das vertrauen in die selbst gedruckten papiere der tauschklubs was 1995 mit dem verkauf von flohmarktartikeln in der leer stehenden textilfabrik la bernalesa begann hat sich heute zum landesweiten so genannten «globalen tauschnetz» entwickelt die örtlichen tauschclubs werden über so genannte «knoten» lokal verwaltet und geleitet mit 1500 knoten ist das globale tauschnetz das grösste soziale netz des landes und reicht von la quiaca an der bolivianischen grenze bis hinunter nach ushuaia am südlichen zipfel feuerlands «wir wissen dass die tauschmärkte nur solange existieren wie waren produziert werden die man dort eintauschen kann» so graciela draguicevitch direktorin des tauschclubs la estacion «deshalb wollen wir einfluss auf die reale wirtschaft nehmen auf die landwirtschaftliche und auf die industrielle produktion gleichzeitig wollen wir produzenten und konsumenten zusammenführen ohne zwischenhändler ohne multinationale konzerne.» die örtlichen knoten haben inzwischen sozialwerke eingerichtet diese kaufen tonnenweise mehl und reis bei landwirtschaftlichen kooperativen ein sie bezahlen die bauern mit pesos denn mit créditos können sie in ihrem dorf oft wenig anfangen die pesos stammen aus den geringen eintrittsgebühren die das sozialwerk von mitgliedern des tauschklubs verlangt in buenos aires wird das mehl und der reis abgepackt und etikettiert und gelangt um die hälfte billiger als in den supermärkten zum verbraucher viele mitglieder decken sich hier nicht nur für den täglichen verbrauch ein sondern kaufen die grundnahrungsmittel für ihre kleine pizza tortilla empanada oder kuchenproduktion mit dem verkauf dieser waren können sie wieder einen teil ihres lebensbedarfs decken da ein immer grössere teil der bevölkerung verarmt und sie die medizinische betreuung und die lebenswichtigen arzneien nicht mehr bezahlen kann haben die sozialwerke damit begonnen gesundheitszentren aufzubauen allgemeinmediziner kinderoder zahnärzte die wie viele kollegen ihre praxen schliessen mussten untersuchen und behandeln hier die patienten gegen créditos in den angeschlossenen apotheken können die medikamente ebenfalls mit der neuen währung bezahlt werden es sind generikas nachgemachte produkte die argentinische oder brasilianische labors herstellen «der tauschklub ist aber kein rechtsfreier raum die medikamente werden wie die labors und die Ärzte von verbraucherorganisationen und dem gesundheitsministerium kontrolliert so verhindern wir die astronomischen gewinnspannen bei den arzneien» berichtet pedro cazes der auch die pharmazeutische abteilung des posadas-krankenhauses leitet mit der ausbreitung des netzes vollzieht sich eine verdichtung der organisation getauscht werden heute auch zahlreiche dienstleistungen in einem katalog sind vertreter aller möglichen berufskategorien ­ vom schreiner und spengler bis zur schneiderin vom architekten bis zum rechtsanwalt ­ aufgelistet die ihren service gegen créditos anbieten gewisse mischformen von bar und ersatzgeldeinsatz sind dabei erlaubt und geläufig z b das material in pesos die arbeitsleistung in créditos zu bezahlen 5

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geld und tausch die neue zentralbank schätzungsweise 150 millionen créditos sind heute im umlauf ein paralleles währungssystem ist entstanden auf das die staatliche zentralbank keinen einfluss hat die funktion einer «zentralbank» die dieses ersatzgeld druckt und in umlauf setzt haben die gründer des globalen netzes von tauschhandelsvereinen inne mit der ausdehnung der tauschwirtschaft wächst allerdings ein problem dass auch der peso und der dollar kennen es tauchen immer mehr gefälschte créditos auf «wir haben keine angst vor diesen fälschungen» sagt rubén ravera.«wer créditos nachmachen will fördert am ende doch nur den handel.» ein angebot der zentralbank fälschungssichere tauschscheine in der staatsdruckerei zu drucken haben die verantwortlichen abgelehnt sie befürchten das sich die banker und damit auch der internationale währungsfonds einmischen könnten allerdings haben sie inzwischen selbst damit begonnen neue fälschungssichere scheine mit nummern und wasserzeichen zu drucken gerade hat die regierung vorgeschlagen in zukunft arbeitslosen und den im beschäftigungsprogramm tätigen créditos und nicht pesos auszuzahlen dies haben die tauschklubs rundweg abgelehnt nur prämien und einmalzahlungen dürften notfalls mit ihren tickets entrichtet werden die behörden sehen es mit wohlwollen dass zwei ökonomische kreisläufe entstehen der kreislauf der realen wirtschaft in dem die zentralbank geld ausgibt in dem steuern erhoben werden und sozialversicherungen existieren und der kreislauf der informellen wirtschaft mit privaten tauschtickets wo wenig oder gar nicht besteuert aber vom staat auch nichts erwartet wird keine gesundheitsfürsorge keine renten keine förderung von sozial benachteiligten nationales währungschaos nirgendwo auf der welt herrscht so ein währungschaos wie in argentinien 22 währungen sind im umlauf die legal oder zumindest nicht illegal sind da ist zunächst der us-dollar den die argentinier als das einzig wirkliche zahlungsmittel ansehen sein aktueller kurs hängt an der kasse im supermarkt in läden restaurants und reisebüros aus währung nummer zwei ist der peso ausgegeben von der argentinischen zentralbank daneben haben die provinzregierungen wechsel und obligationen ausgegeben die wie spielgeld aussehen und deren druckerschwärze oft verwischt die aber inzwischen nicht nur in der provinz sondern landesweit normale zahlungsmittel sind sie sehen wie kleine formulare aus auf denen ein stempel prangt wichtig ist aber nicht der stempel sondern die nummer denn bestimmte seriennummern sollte man nicht annehmen weil ihre laufzeit zu ende 6 geht niemand nimmt diese obligationen gerne aber den meisten geschäftsbesitzern bleibt nichts anderes übrig wollen sie nicht ihre kunden verlieren die landesregierung von buenos aires bezahlt ihre beamten und lieferanten ausschliesslich mit diesen papieren dazu gesellen sich die créditos jeden tag werden 250 000 weitere tickets an neue mitglieder ausgegeben die organisatoren rechnen damit dass bis ende 2002 rund zehn millionen argentinier auf die neue währung angewiesen sein werden geld und tausch «die geschichte des tausches ist die geschichte der verdrängung des symbolischen durch den wirtschaftlichen tausch.» aldo haesler briefmarken küsse rollen waren tauschen dass der mensch ein «zoon politikon» ein gesellschaftliches wesen sei stellte schon der griechische philosoph aristoteles 384-322 v chr fest wo menschen zusammenleben findet austausch statt ­ von blicken gedanken meinungen gefühlen und eben auch waren seit der mensch die arbeitsteilung kennt ist der tausch das gegenseitige nehmen und geben von gegenständen symbolen und zeichen ein wesentliches element der sozialen interaktion durch den tausch bilden sich gesellschaftliche beziehungen aus dem wirtschaftlichen tausch von gegenständen sagen wir von einer kuh gegen zehn säcke getreide hat sich dann das geldwesen entwickelt wenn wir heute von tausch sprechen meinen wir im wesentlichen den tauschhandel der primär fragt «was gibst du mir wenn ich dir meine blaue mauritius gebe?» ­ oder das geldwesen das den austausch in der wirtschaft heute fast ausschliesslich prägt das war aber nicht immer so der soziologe und wirtschaftswissenschaftler aldo haesler erinnert uns an die andere die symbolische seite des tausches in seiner dissertation über «tausch und gesellschaftliche entwicklung» hinterfragt er das alltägliche für uns so selbstverständliche phänomen des tausches und findet dabei heraus dass dessen vorherrschende form sich entscheidend auf die sozialen beziehungen auswirkt die zwei formen des tausches haesler stellt fest dass es im wesentlichen zwei formen von tausch gibt « den symbolischen tausch dessen zweck nicht primär der austausch von gegenständen sondern die etablierung von sozialen beziehungen und bindungen durch den austausch von gegenständen ist.» der wirtschaftliche

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geld und tausch tausch hingegen hat primär den austausch von gegenständen zum zweck in der historischen entwicklung sei nun der symbolische tausch der in archaischen und antiken gesellschaften den absoluten vorrang hatte immer mehr durch den wirtschaftlichen tausch verdrängt worden bis zu dem punkt wo im allgemeinen verständnis der wirtschaftliche tausch das geldwesen als der tausch schlechthin gelte um zu verstehen wie dies die beziehungen zwischen den menschen beeinflusst ist es nötig näher auf die unterschiede zwischen symbolischem und wirtschaftlichem tausch einzugehen der symbolische tausch als medium der mensch-mensch-beziehungen stellen sie sich vor sie gehen zu einem freund oder jemandem den sie gerne als freund hätten und geben ihm ein geschenk dies geschenk ist nun keine einmalige sache sie erwarten dass etwas zurückkommt das was zurückkommt ist ­ unabhängig vom materiellen wert ­ ganz eindeutig ein signal wie der andere auf ihr geschenk einer eigentlichen einladung zu einer vertieften beziehung reagiert japan z b ist eines der länder in denen das gegenseitige schenken hoch ritualisiert ist die geschenke sind wunderschön verpackt sie werden gegenseitig überreicht aber nie voreinander geöffnet als sei der inhalt vertrauenssache aber auch wenn sie jemanden zum essen einladen ist das weder eine wirtschaftliche transaktion noch ein uneigennütziges geschenk ihre einladung schafft eine verpflichtung und stellt den eingeladenen vor fragen wie «wann und in welchem rahmen lade ich zurück ein?» den symbolischen tausch finden wir immer wieder in unserem alltag wenn mein grossvater seinen enkeln an seinem geburtstag jeweils ein «goldvreneli» schenkt steht weniger das Übergeben eines geldbetrages als der ausdruck von sympathie und wertschätzung im vordergrund der symbolisch mit der schönen münze gezeigt wird im symbolischen tausch verkörpert sich also der starke hang des menschen etwas zur schau zu stellen zu teilen zu geben und zu nehmen d h durch den austausch von gaben soziale beziehungen zu schaffen der wert der ausgetauschten gegenstände ist dabei sekundär kula ­ ein klassiker des symbolischen tausches das kula-ritual ist ein klassisches beispiel für den symbolischen tausch der begriff «kula» stammt von einer kleinen inselgruppe im osten papua-neuguineas und bezeichnet ein rituelles tauschsystem des trobriand-archipels bei dem nach einem vorgegebenen muster armbänder gegen halsketten getauscht werden diese zwei gegenstände ­ von hohem wert aber ohne nutzen ­ zirkulieren in einem riesigen gebiet die halsketten im uhrzeiger die armbänder im gegenuhrzeigersinn jeder kann mit jedem tauschen ein geringer mann mit dem häuptling um den wert der gegenstände wird nie gefeilscht er darf nie angezweifelt werden theoretisch kann so der kula-partner ein wertloses armband gegen eine wertvolle kette geben ohne dass der tausch je rückgängig gemacht werden darf täuschung ­ das wort ist übrigens mit «tauschen» verwandt ­ kommt dabei relativ selten vor weil sich der täuschende in gefahr begibt vom geist des sache bestraft zu werden beim kula-ritual werden nämlich nicht nur zwei sachen getauscht neben dem eigentlichen kulagegenstand wird auch die seele des gebenden getauscht ­ mit einem besonders wertvollen gegenstand veräussert der kula-partner auch ein stück seiner selbst es ist dies ein beweis des vertrauens des sich auslieferns erstattet nun der andere kulapartner ein wertloses kula so bricht er das vertrauen zeigt sich dessen unwürdig der geist der in der wertvollen gabe steckt wird sich gegen ihn wenden ihn mit krankheit und tod bestrafen darüber hinaus verliert er sein gesicht ins kula-ritual ist eine vielzahl verschiedener stämme involviert so kommt es zu fortwährenden begegnungen zwischen den bewohnern auch weit entfernter gebiete beim festlichen tausch werden aber auch nachrichten und kenntnisse weitergegeben politische beschlüsse gefasst und waren ausgetauscht das kula dient so dem herstellen menschlicher beziehungen seine funktion ist politische integration es dient als medium um den potenziell ständigen kriegszustand in der gesellschaft der kopfjäger in einen relativen frieden zu verwandeln so übernehmen tauschformen wie das kula eine wichtige mittlerfunktion ­ und schaffen lebenslange freundschaftsbeziehungen denn es gilt «einmal kula immer kula.» der wirtschaftliche tausch als medium der mensch-ding-beziehungen der wirtschaftliche tausch der markttausch kommt in allen kulturen vor hat ein stamm z b Überschüsse an reis der andere an kopra kokosfasern so tauscht man die Überschüsse bevor es geld gab tauschten die menschen untereinander also waren aus später wurde geld zum tauschgegenstand wenn sie zwei franken oder euro über den ladentisch reichen erhalten sie im austausch ein eis oder ein brot dabei geht es ihnen aber nicht um die beziehung zu der netten italienerin die den laden führt sondern darum dass sie jetzt ein eis oder ein stück brot essen wollen der erwerb eines gegenstands sein wert und sein preis stehen im vordergrund wenn sie bezahlt haben sind sie frei und die verbindung mit der italienerin ist beendet mit dem geld geben sie auch nichts von ihrer seele der wirtschaftliche tausch hat keine bündnisqualität die die eigentliche transaktion überdauert der beziehungsaspekt der im symboli7

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geld und tausch schen tausch sehr wichtig ist tritt hier hinter den sachlichen aspekt zurück so hat der wirtschaftliche tausch der heute vorwiegend über das geld definiert wird seit der renaissance die symbolischen tauschformen immer stärker verdrängt ­ heute halten wir ihn gar für den tausch schlechthin wir trennen nicht mehr zwischen symbolischem und wirtschaftlichem tausch wie es archaische gesellschaften getan haben weil sie wussten wie heikel die vermischung der beiden aspekte war modernes geld ­ der tauschgegenstand wird entmaterialisiert geld in unserem modernen sinn vereinigt drei funktionen auf sich die des tauschens des messens und des aufbewahrens lange zeit war geld an sein material an die edelmetalle gold silber und bronze gebunden wenn ich mit geld bezahlte hatte ich noch einen tauschgegenstand in der hand ich gab eine münze ­ schwer an gewicht mit einem schönen bild beprägt ­ und erhielt dafür etwas anderes der tauschgedanke hinter der wirtschaftlichen transaktion war nachvollziehbar seit der renaissance hat aber eine entwicklung begonnen innerhalb derer sich das geld immer mehr entmaterialisiert von der goldmünze über die assignaten der französischen revolution und das papiergeld bis hin zur kreditkarte und zum cybermoney ist der tauschgegenstand im geld immer unsichtbarer geworden paradoxerweise beherrscht aber das unsichtbar gewordene geld das ­ für uns ungreifbar ­ in einem komplizierten system zirkuliert unsere gedanken umso mehr der grundgedanke des tausches aber der gedanke der gegenseitigkeit das römische «do ut des» droht mit dem geld zu verschwinden für die gesellschaft hat diese entmaterialisierung wie haesler befürchtet verheerende folgen sie wird zu einer gesellschaft der nehmer und geber in der die einen nur fordern und die andern nur das gefühl haben geben zu müssen so droht die zwischenmenschliche kommunikation zusammenzubrechen denn wo alles nur noch einseitig gesehen wird geraten wir zunehmend wieder in eine gesellschaft wo der mensch dem menschen ein wolf ist wie es thomas hobbes in seinem «leviathan» beschrieben hat «don t mix money with honey!» das englische sprichwort meint dass man geschäftliches nicht mit der freundschaft mischen soll lange hat man auch in der weltgeschichte die zwei funktionen des tausches immer getrennt dies im wissen darum dass eine vermischung der beiden tauscharten sehr heikel ist weil sie je eine andere funktion haben beim markttausch profitieren die beiden partner kurzfristig voneinander und trennen sich wieder der symbolische tausch hingegen schafft langdauernde beziehungen 8 wie heikel das vermischen beider tauscharten ist können wir tagtäglich sehen beispielsweise wenn wir unserem sohn geld leihen und trotzdem einen marktzins verlangen auch wenn es nach einem gemütlichen mahl unter freunden zum aufteilen der rechnung kommt merken wir wie kompliziert es ist geldüberlegungen in die freundschaft zu bringen zahle ich aus sympathie mit am wein obwohl ich keinen getrunken habe am steak obwohl ich nur gemüse gegessen habe «du tauschest mit deinem freund wie mit einem händler!» lautete in früheren kulturen der schlimmste vorwurf die waren sich noch bewusst dass man zwischen wirtschaftlichen und symbolischen vorgängen trennen muss geld gab es jedoch in beiden kreisläufen man konnte es dem anderen symbolisch als wertanerkennung geben oder um eine bestimmte schuld abzutragen z b wenn man das mitglied eines anderen stammes getötet hatte beziehungen werden materialisiert aldo haesler stellt fest dass sich die beiden tauchkreisläufe erst seit dem beginn unserer neuzeit also seit dem 16 jahrhundert vermischt haben sie haben sich progressiv zur form des wirtschaftlichen tausches herangebildet der nun unsere ganze gesellschaft beherrscht im zuge der entwicklung zur industriellen massengesellschaft wurde der wirtschaftliche tausch der primär den austausch von gegenständen zum zweck hat zum universellen unproblematischen medium dieser gesellschaft denn die sprache des geldes versteht jedermann sie reduziert komplexe zusammenhänge auf den einfachen nenner von euro dollar yen das aber wozu der tausch eigentlich gedacht war nämlich soziale bindungen zu konstituieren und auf die dauer zu festigen fiel in sich zusammen wir haben effektiv begonnen unsere beziehungen zu bilanzieren wir fragen «was bringt mir eine beziehung was habe ich hineingegeben?» ist die bilanz negativ lohnt sich die beziehung für uns nicht mehr seit der wirtschaftliche tausch überhand genommen hat neigen wir also dazu auch in unseren persönlichen beziehungen kategorien anzuwenden wie «was schuldet er mir?» oder «was schulde ich ihm?» und «wie ist dieses verhältnis in monetären begriffen zu werten?» beziehungen werden versachlicht vergegenständlicht wenn ich aber mit meinem nächsten ­ meinem kind meinem hund ja mit mir selber ­ wie mit einem händler rede kann ich sicher sein dass die beziehung in die brüche geht und dass ich mich isoliere oft sind wir uns aber nicht bewusst was die art unseres «tausch»-handels für die art unserer menschlichen beziehungen und damit auch für den zustand der gesellschaft bedeutet doch wenn alles bloss noch in cents und dollars abgerechnet wird herrscht kälte gerade weil dem menschen als soziales wesen der urtrieb zu geben zu nehmen

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geld und nachhaltigkeit und wieder zurückzugeben innewohnt tun wir also gut daran über die hintergründe des tausches nachzudenken quellen aldo haesler «tausch und gesellschaftliche entwicklung zur prüfung eines liberalen topos» dissertation an der hochschule für wirtschaftsund sozialwissenschaften in st gallen st gallen 1983 film «geld bewegt» moneymuseum 2002 sehr schädigen und gleichzeitig die bedürfnisse der gegenwart erfüllen nachhaltigkeit hat auf jeden fall einen intergenerationellen aspekt es geht nicht nur um zukünftige generationen sondern auch um die jetzige und die damit verbundenen verteilungsmuster von nord und süd der begriff kommt eigentlich aus der forstwirtschaft wo es darum geht dass wir nur so viel abholzen können wie auch immer wieder nachwächst die vier faktoren für nachhaltigkeit museumsdirektor wie aber erreichen wir nachhaltigkeit geld und nachhaltigkeit ein gespräch des museumsdirektors mit dem psychiater und Ökonomen dr stefan brunnhuber im august 2002 geld gehört zu den vier tabuthemen in unserer gesellschaft ­ wie tod macht und sexualität man spricht nicht darüber aber es berührt uns alle «geld und wert ­ das letzte tabu» betitelte gar die schweizerische nationalbank ihren beitrag zur expo.02 wenn etwas zum tabu wird wirkt es als unbewusstes mysterium diesem mysterium forscht der direktor des moneymuseums im gespräch mit dem sozial und wirtschaftswissenschaftler dr stefan brunnhuber nach dabei soll nicht nur deutlich werden was es mit dem geld auf sich hat sondern auch in welcher beziehung es zur nachhaltigkeit steht denn die bedeutung der geldwirtschaft für die nachhaltigkeit ist viel grösser als wir glauben haben sie sich schon einmal überlegt dass geld ein gesellschaftsvertrag ist und dementsprechend abgeändert werden kann und dass wir lernen können die mechanismen des geldsystems zu verstehen das geldsystem verstehen heisst aber letztlich es ändern und damit auch gesellschaftlich etwas bewegen zu können ­ in richtung von mehr nachhaltigkeit was ist nachhaltigkeit museumsdirektor von nachhaltigkeit wird derzeit häufig gesprochen was meint dieser begriff überhaupt dr stefan brunnhuber in der wissenschaftlichen diskussion gibt es über 60 definitionen von nachhaltigkeit die gebräuchlichste stammt aus dem brundtland-bericht von 1987 «nachhaltig ist eine entwicklung wenn sie gewährleistet dass die bedürfnisse der heutigen generation befriedigt werden ohne die möglichkeiten künftiger generationen zur befriedigung ihrer eigenen bedürfnisse zu beeinträchtigen.» es geht also darum wohlstands oder lebensformen zu unterstützen und zu fördern die die zukünftigen ressourcen nicht zu dr stefan brunnhuber nachhaltigkeit hängt von vier faktoren ab 1 von der demographischen entwicklung 2 von der technologie oder dem gewählten energieträger 3 von den institutionen und 4 von den wertstrukturen diese vier variablen beeinflussen die nachhaltige entwicklung den «sustainable pathway» im positiven wie im negativen wenn sie in die geschichte der nachhaltigkeitsdebatte einsteigen so werden sie sehen dass in den 70er und 80er-jahren der demographische faktor ganz im vordergrund stand man hat gesagt «wir müssen die exponentielle bevölkerungsentwicklung stoppen.» dies z b dadurch dass man das bildungsniveau der frauen anhebt oder durch verhütungskampagnen oder durch aufklärung über hygienemassnahmen allerdings heute weiss man dass wenn es eine milliarde menschen weniger gäbe dies auf den co2-ausstoss nur minimale auswirkungen hätte punkto ökologischer variablen sind demographische veränderungen also nicht prioritär in den 80er und 90er-jahren stand die technologie als wichtigste variable im vordergrund da hat man gesagt «der entscheidende faktor für eine nachhaltige entwicklung ist dass wir auf dem gegebenen fossilen energieträger und der atomkraft aufbauen müssen.» wir müssen gewissermassen mehr aus den ressourcen rausholen damit wir spielräume haben das wichtigste buch in diesem zusammenhang ist hans ulrich von weizsäckers «faktor 4» das an hunderten von beispielen zeigt wie das zu bewerkstelligen ist durch sparlampen 4-literautos bessere wohnbauarchitektur bessere formen der sanierung und entsorgung von altbauten etc die idee dahinter ist wenn wir ­ im übertragenen sinn ­ nur genügend lampen austauschen kriegen wir das hin das ist nicht unwichtig und dennoch glaube ich dass auch dies eine relativ nachgeordnete variable ist 9

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geld und nachhaltigkeit die dritte variable sind die institutionen da stellen sich fragen wie «wie ist eine gesellschaft rechtsstaatlich organisiert?» da gibt es konventionen z b vereinssatzungen eheverträge oder auch unser geldsystem die eine gesellschaft eingegangen ist und ­ halb gewollt halb unbewusst oder tabuisiert ­ übernommen hat die wirkung der institutionen hat einen wesentlichen einfluss auf die nachhaltigkeit wir sind uns dessen wenig bewusst Über den einfluss dieser variablen möchte ich mit ihnen heute nachdenken museumsdirektor und welche rolle spielt die vierte variable dr stefan brunnhuber die vierte variable steht für die wertstruktur einer gesellschaft welche werte welche normen welche regeln sind wichtig in den köpfen der menschen wenn sie es aufgrund der sozialpsychologischen erkenntnisse zusammenfassen finden sie drei grosse gruppen die so genannten «traditionalisten» denen werte wie religionszugehörigkeit nationale identität familientreue u ä viel bedeuten dann gibt es die modernisten bei denen individualität und quantitatives wachstum im vordergrund stehen die dritte gruppe stellen die so genannten «kulturell kreativen» dar sie fühlen sich werten wie solidarität qualitatives wachstum und beziehung zur natur verpflichtet erfreulich für die nachhaltigkeitsdebatte ist dass die dritte gruppe als einzige in den letzten jahren zugenommen hat die kulturell kreativen betragen heute 28 prozent der bevölkerung die unterschätzte kraft der kulturell kreativen die fernsehrechte liegen auf weiten strecken in der hand der modernisten und traditionalisten so lange dies so ist werden die werte der kulturell kreativen die fast ein drittel der bevölkerung ausmachen nicht repräsentiert in der innenperspektive bereiten sie aber werte vor die sich von denjenigen der traditionalisten und modernisten unterscheiden und das kann für eine nachhaltige entwicklung wesentlich sein es ist eine frage der zeit dass in den nächsten 20 jahren weitgehend wertstrukturen eine rolle spielen werden die von kulturell kreativen geprägt sind altruismus solidarität nachhaltiges wirtschaftswachstum gesunde ernährung ich bin da recht zuversichtlich da spielen natürlich auch meine beiden professionen eine rolle als psychiater und Ökonom sehen sie nur wie die flutkatastrophe in deutschland die menschen bewegt und solidarität schafft warum gehen kulturen zugrunde museumsdirektor was können wir von früheren kulturen für die zukunft lernen dr stefan brunnhuber der britische kulturhistoriker arnold toynbee stellte sich die frage «warum 10 zerbrechen zivilisationen?» es war dies eine ungewöhnliche aber gleichwohl wichtige frage eine frage die wir unserer wohlstandszivilisation ja auch stellen müssen toynbee hat über 20 zivilisationen untersucht und dabei zwei variablen festgestellt offenbar gehen kulturen unter wenn sie inflexibler werden gegenüber kontextbedingungen wenn sie nicht mehr die möglichkeit haben sich an neue aussenbedingungen anzupassen die zweite ganz andere variable ist die bis ins unerträgliche auseinander driftende vermögens und einkommensdisparität wenn die kluft zwischen den ganz reichen und den ganz armen immer grösser und gesellschaftspolitisch nicht mehr vermittelbar ist dann spricht das dafür dass sich die gesellschaft in dieser form nicht halten wird und beide variablen scheinen in gewissem masse ­ auch auf unsere gesellschaft zuzutreffen heute haben wir immer inflexiblere formen der anpassung an umweltveränderungen ein klassisches beispiel ist die flut in osteuropa da haben wir ein hochzivilisiertes wohlstandsmodell mit allen möglichen sicherungssystemen wie z b dem notarztsystem aber innerhalb von tagen ist in ostdeutschland eine aufbauarbeit von 20 milliarden d-mark und zehn jahren arbeit zunichte gemacht worden d h unsere art zu leben ist nicht mehr anpassungsfähig an eine flut oder an extremwetterlagen oder an andere äussere rahmenbedingungen beispielsweise auch an finanzkatastrophen unser system ist nicht robust gegenüber äusseren einwirkungen dazu zähle ich auch militärische auseinandersetzungen stichwort «11 september» wir sind instabil fragil geworden unser geld und finanzsystem fördert habgier und angst museumsdirektor kehren wir zurück zu unserem geld und wirtschaftssystem worin sehen sie seine schwachstellen dr stefan brunnhuber wenn man abfindungen von topmanagern anschaut die 60 oder 80 millionen dollar kassieren oder wenn kleinanleger grosse spekulationsgewinne machen und damit ihre altersvorsorge innerhalb von sechs monaten absichern können neigt man in der regel dazu solche gewinne der gier dem besonderen informationsstand oder der besonderen weitsicht des vorstandsvorsitzenden oder dem intelligenzgrad des fondsmanagers zuzusprechen ich aber glaube wenn man die geld und finanzwirtschaft ansieht dann hat es eher etwas damit zu tun dass die institutionellen rahmenbedingungen uns in spezifische verhaltensmodifikationen zwingen in verhaltensmuster wie gier angst korruption und individuelle problemlösung nehmen sie die gier auf den finanzmärkten und die daraus resultierenden Ängste wenn dann die kurse in den keller gehen obwohl man glaubte sich richtig informiert zu haben oder

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geld und nachhaltigkeit wenn nur jeder für sich schaut statt solidarische problemlösungen zu suchen wenn letztlich korruption das entscheidende merkmal für sieger oder verlierer wird dann liegen die ursachen ein erster linie in den institutionen den anreizstrukturen die wir aussen vorfinden und die im nachhinein solche verhaltensweisen bevorzugen folglich gilt hätten wir ein anderes geld und finanzsystem gäbe es in diesen bereichen auf weite strecken andere bevorzugte verhaltensmuster doch warum ist unsere geldwirtschaft nicht nachhaltig oder ist das nur die einbildung der wissenschaftlichen diskussion ­ die nachhaltige entwicklung hat eine ökologische eine soziale und eine ökonomische dimension alle drei stehen sozusagen auf dem pfeiler der finanz und geldwirtschaft und diese ist nicht neutral in der klassischen oder neoklassischen theoriebildung ist geld gewissermassen ein neutraler schleier den man über alle ökonomischen aktivitäten legen kann ohne dass er diese ­ ausser der inflation ­ beeinflussen kann ich aber gehe davon aus dass geld von anfang an ­ bereits wenn wir es in die hand nehmen ­ nicht neutral ist das meiste was mit geld zu tun hat läuft unbewusst ab es ist kein rationaler bewusster neutraler zugang möglich fünf gründe wieso unsere geldwirtschaft nicht nachhaltig ist museumsdirektor was hat dies für konsequenzen in bezug auf die nachhaltigkeit dr stefan brunnhuber es sind fünf relevante merkmale die aus der nichtneutralität des geldes heraus eine nachhaltige entwicklung verhindern 1 der immanente wachstumszwang 2 disparate einkommens und vermögensenwicklungen 3 die kurzzeitbetrachtung die durch die bestehende geld und finanzarchitektur vorgegeben ist 4 verhaltensmodifikation durch das geldsystem und 5 die bedeutung des energieträgers der fossilen und atomaren energie im speziellen der wachstumszwang entsteht im wesentlichen weil alle wachstumsvorgänge in unserer volkswirtschaft durch einen kreditschöpfungsvorgang ausgelöst werden investitionen entstehen dadurch dass andere sparen sparen ist in der klassischen betrachtungsweise die grundlage des wachstums das ist für die nachhaltigkeitsdebatte falsch denn für den anteil den wir sparen fehlt die nachfrage nach gütern in die kann zwar in der nächsten periode investiert werden aber das ist ein nullsummenspiel kein wachstum damit ein nettowachstum entsteht braucht es den kreditären geldschöpfungsmechanismus unternehmen gehen auf die banken und holen sich dort geld das ist der ausgangspunkt die exponentielle wachstumsrate die sich aus dem zinseszinseffekt ergibt ist in jeder hinsicht schlecht einmal weil es gesamtgesellschaftlich nur eine bevölkerungsgruppe bevorzugt nämlich diejenigen die schon etwas haben damit komme ich zurück auf den dritten punkt warum unser geldsystem nicht nachhaltig ist es gibt zahllose studien die belegen dass die einkommens und vermögensschere sei es in der privaten oder öffentlichen hand ständig auseinander geht auch die schuldenentwicklung verläuft exponentiell die nettolohnentwicklung im vergleich zum bruttosozialprodukt zeigt ein exponentielles auseinanderdriften es geht immer um eine dissoziation von denjenigen die arbeiten im vergleich zu denjenigen die bereits etwas haben die immer grösser werdende schere zwischen arm und reich ist auch thema vieler antiglobalisierungsreporte die fragen «warum müssen die 100 reichsten amerikaner immer reicher werden?» die ursache liegt nicht in der intelligenz des einzelnen sondern in der intelligenz das system so zu nutzen dass es ihn überproportional bevorzugt derjenige der bereits kapital hat bekommt leistungsfrei eine prämie ein mehreinkommen mit jedem preis den sie zahlen ­ sei es bei der brille auf ihrer nase im kugelschreiber den sie in der hand halten im haus in dem sie wohnen ­ haben sie einen zins zu bezahlen der bis zu 30 prozent des preises ausmacht in eichen oder tannen investieren die problematik der kurzzeitigkeit erläutere ich ihnen an einem beispiel sie haben zwei projekte ­ das anpflanzen einer eiche und einer tanne ­ die kosten beide zehn euro und sie wissen wenn das eine projekt ­ nämlich der anbau der tanne ­ zehn jahre läuft wird es etwa 100 euro wert sein wenn sie eine eiche pflanzen müssen sie 100 jahre warten bis sie ausgewachsen ist dafür ist sie dann 1000 euro wert das ist sozusagen die physische realität jetzt nehmen sie diese und setzen sie in unsere gegebene finanz und geldwelt bei einem jährlichen zins von fünf prozent und null steuern ­ für welche investition entscheiden sie sich wir alle entscheiden uns für die tanne weil sie uns ­ unter dieser diskonierung ­ als finanzanlage in zehn jahren weit mehr bringt als eine eiche das ist der grund warum wir nie in den sprichwörtlichen sieben weiteren generationen denken wenn der zinsmechanismus nicht fünf prozent ist sondern liegegebühr hat wie es z b bernard lietaer vorsieht dann würde man doch automatisch in die eiche investieren das ist eine einfache rechnung die man auf dem boden des zinsmechanismus machen kann 11

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geld und nachhaltigkeit museumsdirektor können sie beispiele nennen dr stefan brunnhuber es gibt ja historische beispiele zeiten in denen es eine liegegebühr gab z b die hochgotik im 13 und 14 jahrhundert interessant an der hochgotik war dass im gegensatz zur heutigen situation zwei währungssysteme vorlagen ein lokales und ein überregionales das Überregionale war als referenzsystem gedacht und für den fernhandel auf lokaler ebene hatte man ein anderes system das nicht zinsbelastet war sondern eine liegegebühr hatte damit förderte es die zirkulation des geldes den tauschhandel dies brachte einem grossen teil der bevölkerung wohlstand wirtschaftshistoriker haben nachgewiesen dass der durchschnittliche kalorienverbrauch in dieser gesellschaft höher war als heute es gab auch mehr feiertage 15 prozent des sozialproduktes war damals in reparative nachhaltige entwicklungen investiert das einkommens und wohlstandsniveau in der hochgotik war relativ gross es war die zeit der freien städte und die leute investierten häufig in ein projekt das erst in zwei bis drei generationen realisiert wurde die haben in eichen investiert der grund geld hatte auf der lokalen ebene keinen aufbewahrungscharakter man hat keinen zins dafür bekommen da sagte man «was machen wir damit wir bauen eine kathedrale.» liegegebühr negativer zins unsere währungen sind überfordert museumsdirektor geld ­ so könnte man also sagen ­ war damals zumindest auf lokaler ebene dazu da ausgegeben zu werden welche funktionen müssen denn die währungen von heute erfüllen dr stefan brunnhuber unsere heutigen währungen ­ euro schweizer franken yen dollar ­ müssen alle vier wichtigen funktionen des geldes unterbringen 1 sie müssen liquiditätsspeicher aufbewahrungsmittel sein 2 sie müssen recheneinheit sein 3 sie sollen lenkungsmittel und 4 tauschmittel zugleich sein psychologisch gesehen könnte man sagen dass die währung einer sozialhilfeempfängerin ähnlich ist die vier sachen auf einmal machen muss sie läuft gefahr überfordert zu sein instabil und fragil zu werden es ist ein widerspruch wenn etwas zugleich als tauschmittel dienen soll ­ also ausgegeben werden muss ­ und als aufbewahrungsmittel das ist eine kombination die unserem währungssystem ein unlösbares problem schafft dasselbe gilt für die lenkung wenn sie geldmengen lenken sollen aber gleichzeitig wissen dass zwei drittel des geldes gehortet werden und deswegen 12 gar nicht lenkbar sind und die kredite die die zentralbanken ausgeben nur fünf prozent der gesamten kreditsumme ausmachen haben sie ein problem es passt nicht zusammen dass eine währung lenkungsmittel und referenzstandard zugleich sein soll meiner meinung nach hat die instabilität auf den finanzmärkten viel zu tun mit den unterschiedlichen funktionen die dem geld aufgebürdet werden komplementärwährungen als lösung museumsdirektor was wäre denn die lösung dr stefan brunnhuber es gibt in argentinien versuche das in den griff zu kriegen es gibt einen exponentiellen anstieg von komplementärwährungen ein wichtiges charakteristikum der komplementärwährungen liegt darin dass sie ausreichend und nicht knapp gehalten werden das ist ganz wichtig «ausreichend» heisst dass sie gemäss der jeweils durchgeführten realen güter und zinsleistungstransaktionen 1:1 zur verfügung stehen das zweite merkmal ist dass komplementärwährungen per definitionem nicht zinsgesteuert sind drittens sind sie nicht durch den gegebenen preisbenutzmechanismus konkurrenziell ermittelt sondern sie entstehen durch kooperation viertens werden sie nicht zentralistisch und monopolistisch von einer nationalen oder internationalen zentralbank ausgegeben somit sind sie zins und inflationsfrei solche währungen haben in den letzten zehn jahren massig zugenommen mittlerweile gibt es tausende von ihnen diejenigen die die finanz und geldwirtschaft auf dem boden eine angebots und nachfrageökonomie oder des monetarismus betreiben sehen die komplementärwährungen in der regel als notfallwährungen als rückschrittsphänomen hinter die nationalstaatliche zentralistische organisation der geld und finanzwirtschaft solche phänomene gibt es in der tat auch wenn wir aber die zentrale frage ansprechen «wie werden wir wirtschaften?» glaube ich dass es auch progressive stabile ökonomische transaktionsformen geben könnte die genau den kriterien des barters oder der lokalen komplementärwährungen entsprechen die aber nicht aus not entstehen sondern als zusätzliche option im rahmen zukünftiger finanzwirtschaft zielsetzung von komplementärwährungen ist dass es nicht um einen mehrwert oder um wachstum geht das nachher aufgeteilt wird in der traditionellen wirtschaft führt der weg in die nachhaltigkeit über zusätzliches wachstum das dann verteilt oder in neue technologien investiert wird die lokalund komplementärwährungen gehen diesen weg in ihrem beitrag zur nachhaltigkeit nicht sie sagen «wir müssen das geldsystem selber ändern.» barter engl begriff für «tausch» «tauschhandel» etc.

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geld und nachhaltigkeit die soziale und psychologische komponente von komplementärwährungen museumsdirektor wie soll das geschehen und wozu dr stefan brunnhuber durch die lokalwährung wollen wir ein soziales und psychologisches problem lösen nehmen sie z b das hureia-kippu-system in japan zur linderung des pflegenotstandes es ist ein system bei dem kein yen in die hand genommen wird es geht um pflegestunden als verrechnungseinheit da kann ein student im norden japans der nicht seine pflegebedürftigen eltern im süden versorgen kann oben ein ähnliches ehepaar versorgen und sich diejenigen stunden gutschreiben lassen die dann dem unteren paar zugute kommen das ist ein multilaterales tauschgeschäft welches computergestützt mit einer chipkarte funktioniert es entlastet nicht nur den staat sondern die alten menschen bevorzugen das hureia kippu gegenüber dem staatlichen pflegesystem wie nachträgliche studien gezeigt haben weil sich darin ein altruistischer kooperativer solidarischer aspekt spiegelt die menschen ziehen dies kooperative merkmal der verhaltensänderung der wettbewerbsituation vor komplementärwährungen fördern andere verhaltensweisen sie sind transparent steuerbefreit oder erleichtert sie bringen eine soziale entlastung mit sich fördern solidarität altruismus kooperation während das konventionelle system wettbewerb missgunst und konkurrenzverhalten begünstigt das ist die stärke der komplementärwährungen ein altruistischer kooperativer eben psychologischer aspekt steht vorn kollektive problemlösung wird gefördert für eine nachhaltige entwicklung müssen wir das system ändern museumsdirektor sind demnach nur komplementär bzw tauschwährungen nachhaltig und ist unser aktuelles geldsystem dazu nicht fähig dr stefan brunnhuber sehen sie auf der einen seite haben wir das konventionelle geldsystem welches beeinflussbar ist zu mehr nachhaltigkeit durch massnahmen wie die tobin tax die aufkündigung von offshoreplätzen oder durch strukturanpassungsprogramme etc das system aber bleibt sich gleich es findet nur eine gewisse umverteilung statt für eine nachhaltige entwicklung brauchen wir ökonomische transaktionsformen die nicht in konkurrenz zum jetzigen wirtschaftssystem treten sondern sich ergänzend dazu bewegen da gibt es drei grosse systeme 1 lokale komplementärwährungen 2 multilaterale bartersysteme beispielsweise verrechnet eine firma eine lieferung von coca cola direkt mit dem wodka den sie einkauft geld taucht nur noch am pc als referenzstandard als recheneinheit auf eine firma geht nicht mehr zur bank und nimmt zwei millionen auf ­ z b eine airline die werbespots platzieren will ­ sondern sie verrechnet die werbung direkt mit sitzplätzen das ist ein system das aufgrund der instabilen währungssituation einfach kommen muss 3 den globalen referenzstandard die heutige art wie wir wirtschaften ist damit vergleichbar dass sie mit einem kilo oder einem meter als referenz handeln sollten und den meter an die wettervorhersage knüpfen ­ also zwei grössenordnungen die statistisch und kausal nicht mit einander verbunden sind darum hat das jetzige system nicht funktioniert der dollar ist eine globale recheneinheit aber er funktioniert immer zugunsten der amerikaner die müssen sich nicht im ausland verschulden sie können einfach geld nachdrucken wenn sie wollen wir brauchen für die zukunft eine referenzwährung ohne zinssteuerung bernard lietaer schlägt da einen warenkorb vor die so genannte «terra» die enthält z b gold Öl weizen das sind alles gegenstände die sich langfristig gleich bleiben ein kilo weizen wird auch noch in 100 jahren ein kilo weizen sein tobin tax devisenumsatzsteuer transparenz ist wichtig museumsdirektor welche aufgabe haben dabei die einzelnen unternehmen dr stefan brunnhuber im unternehmenssektor spricht man von «corporate governance» es ist der versuch verhaltensregeln aufzustellen für die art und weise wie unternehmen miteinander auf dem weltmarkt agieren es geht darum wie sie sich gegenseitig bewerten dazu gehören auch begriffe wie «shareholder-value» wir brauchen einen code kriterien nach denen die unternehmen sich selbst beurteilen können wie engagiert sich ein transnationaler konzern im norden afrikas ­ unter berücksichtigung von sozialen und ökonomischen standards und von arbeitsrechtlichen bedingungen wie rechnet er bilanztechnisch ab wie ist seine bereitschaft zur kooperation mit der fremden kultur wie berücksichtigt man die öffentliche infrastruktur im jeweiligen land das sind alles wichtige kriterien die transparent werden müssen 13

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Bücher und Schriften zu Geld- und Gesellschaftssystemen - Sammlung von Schriften zu Geldsystem und Gesellschaftskritik.

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