Psychotrauma als Folge von Mobbing und das Leben danach

 

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Psychotrauma als Folge von Mobbing und das Leben danach

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Pfarrertag am 22.06.2016 Erfurt Psychotrauma als Folge von Mobbing und das Leben danach Dipl.-Psych. Gabriele Kluwe-Schleberger Thüringer Trauma Netzwerk

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„Vor all meinen Bedrängern bin ich ein Spott geworden... Ich bin vergessen in ihrem Herzen wie ein Toter; ich bin wie ein zerbrochenes Gefäß…denn ich höre, wie viele über mich lästern ..." - Psalm 31,12ff 4

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Quelle: Blog von Peter Teuschel, http://www.blog.drteuschel.de/wordpress/ptbs-durch-mobbing-oder-die-traegheit-unserer-diagnosesysteme/ PTBS durch Mobbing oder Die Trägheit unserer Diagnosesysteme Publiziert am 24. September 2014 von Peter Teuschel Gestern war es mal wieder so weit. Eine meiner Patientinnen kam aus der Trauma-Ambulanz zurück. Sie hatte dort einige umfangreiche Tests absolviert und ein ausführliches Gespräch mit dem dortigen Arzt geführt. Am Ende war die Sache klar. Sie zeigte alle wesentlichen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und die Empfehlung lautete, sie solle eine trauma-orientierte Psychotherapie durchführen lassen. Der Arztbrief, den sie mir vorlegte, zeigte als Diagnose … na was? Raten Sie mal! ICD F32.2 schwere depressive Episode Hoppla, werden jetzt manche denken, aber die typischen PTBS-Symptome und die Empfehlung, eine Traumatherapie zu machen, und das Ganze noch durchgeführt auf dem hohen Level einer Spezialambulanz … Wo ist denn die Diagnose PTBS abgeblieben? Wenn die Diagnostik dieser Störung Fahrt aufnimmt und alles immer schneller und eindeutiger auf diese Diagnose zuläuft, kommt plötzlich eine Mauer in Sicht, auf der steht ein einziger Begriff: Kriterium A Manch eine Diagnose ist schon an dieser Mauer zerschellt, so auch die PTBS meiner Patientin von gestern. Worum handelt es sich dabei? Eine chemische Formel? Ein radioaktives Element? Ein Gesetzesparagrah? 5

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Nein, das “Kriterium A” bezeichnet den Auslöser, also das eigentliche Trauma, das einer PTBS natürlich vorausgehen muss. Die ICD 10 fordert: Der Betroffene war (kurz oder lang anhaltend) einem belastendem Ereignis von außergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmaß ausgesetzt, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Das DSM IV fordert: Es war eine Konfrontation mit einem traumatischen Ereignis gegeben und zwar: Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod oder ernsthafter Verletzung oder Gefahr für eigene oder fremde körperliche Unversehrtheit (objektiv) und Reaktion: Intensive Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen (subjektiv) Ein “Kriterium A” wird landläufig akzeptiert, wenn es sich bei dem Trauma um schweren Unfall, Naturkatastrophe, Mordanschlag, Vergewaltigung o.ä. handelt. Bei meiner Patientin war als Auslöser ihrer posttraumatischen Symptomatik aber jahrelanges Mobbing vorangegangen. Und diese Belastung wird in den allermeisten Fällen nicht als ausreichend schwer gesehen, um eine PTBS auszulösen. Die Fachambulanz hat nichts falsch gemacht, sie darf unter diesen Umständen keine PTBS diagnostizieren. Der Fehler liegt vielmehr in den gängigen Klassifikationssystemen, die Mobbing als Auslöser für eine PTBS nicht einschließen. Das führt zu dem paradoxen Effekt, dass meine Patientin zwar mit der Empfehlung einer Traumatherapie die Fachambulanz verlässt, aber die entsprechende Diagnose nicht gestellt werden darf. Quelle: Blog von Peter Teuschel, 6 http://www.blog.drteuschel.de/wordpress/ptbs-durch-mobbing-oder- die-traegheit-unserer-diagnosesysteme/

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Die Diagnosesysteme sind in manchen Bereichen wie Dinosaurier, die schwerfällig durch die Landschaft tappen und nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun haben. Ein sehr unbefriedigender Zustand. Da hilft es auch nichts, wenn der Kollege Bämayr in seinem Buch “Das Mobbingsyndrom” eine ausführliche Monographie über die traumatischen Folgen von Mobbing veröffentlicht hat und das renommierte “Lehrbuch der Psychotraumatologie” von Fischer und Riedesser Mobbing ein eigenes Kapitel widmet. Eine Initiative zur Aufnahme von Mobbingfolgen in die ICD hat ebenfalls Dr. Bämayr gestartet. Stand heute aber immer noch: Wer gemobbt wird, dadurch alle Symptome einer posttraumatischen Störung entwickelt und laut Empfehlung einer Spezialambulanz eine Traumatherapie durchführen soll, hat keine PTBS. Quelle: Blog von Peter Teuschel, http://www.blog.drteuschel.de/wordpress/ptbs-durch-mobbing-oderdie-traegheit-unserer-diagnosesysteme/ 7

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Nein, das “Kriterium A” bezeichnet den Auslöser, also das eigentliche Trauma, das einer PTBS natürlich vorausgehen muss. Die ICD 10 fordert: Der Betroffene war (kurz oder lang anhaltend) einem belastendem Ereignis von außergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmaß ausgesetzt, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Das DSM IV fordert: Es war eine Konfrontation mit einem traumatischen Ereignis gegeben und zwar: Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod oder ernsthafter Verletzung oder Gefahr für eigene oder fremde körperliche Unversehrtheit (objektiv) und Reaktion: Intensive Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen (subjektiv) Ein “Kriterium A” wird landläufig akzeptiert, wenn es sich bei dem Trauma um schweren Unfall, Naturkatastrophe, Mordanschlag, Vergewaltigung o.ä. handelt. Bei meiner Patientin war als Auslöser ihrer posttraumatischen Symptomatik aber jahrelanges Mobbing vorangegangen. Und diese Belastung wird in den allermeisten Fällen nicht als ausreichend schwer gesehen, um eine PTBS auszulösen. Die Fachambulanz hat nichts falsch gemacht, sie darf unter diesen Umständen keine PTBS diagnostizieren. Der Fehler liegt vielmehr in den gängigen Klassifikationssystemen, die Mobbing als Auslöser für eine PTBS nicht einschließen. Das führt zu dem paradoxen Effekt, dass meine Patientin zwar mit der Empfehlung einer Traumatherapie die Fachambulanz verlässt, aber die entsprechende Diagnose nicht gestellt werden darf. Quelle: Blog von Peter Teuschel, 8 http://www.blog.drteuschel.de/wordpress/ptbs-durch-mobbing-oder- die-traegheit-unserer-diagnosesysteme/

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Mobbing-Erfahrungen und ihre traumatischen Folgen: Was bedeutet Trauma im Zusammenhang mit Mobbingerfahrungen? Wie können wir mit Menschen umgehen, die durch Traumata infolge erlebten Mobbings zu Boden gedrückt werden? Welche Möglichkeiten haben die Betroffenen selbst, mit ihren belastenden Erfahrungen umzugehen und womit müssen sie zu leben lernen? Welche Therapiemöglichkeiten bestehen für Traumata? 9

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Psychotrauma Trauma = Wunde , auf beiden Seiten des Subjektes „Ein Psychotrauma ist eine seelische Wunde, die auf ein traumatisierendes Ereignis (oder deren mehrere) zurückgeht, bei dem im Zustand von extremer Angst und Hilflosigkeit die Verarbeitungsmöglichkeiten des Individuums überfordert waren“, oder: „ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt“ (Fischer & Riedesser, 1998, S. 79; 3. Auflage S. 82). 10 Quelle: aus Vortrag v. Prof. Dr. med. Günter H. Seidler, Uniklinik Heidelberg

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Trauma-Ereignis = Akt der Auslöschung der Daseinsberechtigung/Daseinsbefähigung (über den Verlust der Selbstwirksamkeit) des Betroffenen. Insofern ist Trauma die (physiologische und psychische) Spur eines Tötungsversuches (sozial, physisch, psychisch mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Einzelfall)! Naheliegend eine Folge: das Erleben, fremd zu sein, nicht dazuzugehören, aus dem Kontext der Welt rausgefallen zu sein. 11 Quelle: aus Vortrag v. Prof. Dr. med. Günter H. Seidler, Uniklinik Heidelberg

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Verlust Verdrängte Gefühle Belastende Situation (z. B. im Beruf, in der Familie) Durchhalten Lieblosigkeit Strafe Angst, Panik, Resignation Trauma Unruhe, Nervosität, Hektik Schmerzen (Kopf, Bauch, Rücken, Herz) Überforderung Fehlleistungen KRISE 12 © THÜTZ G. Kluwe-Schleberger 2006 Quelle: nach Klinik-Prospekt WickerKlinik Bad Wildungen, S. 4/5

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Drohung Formen menschlicher Gewalt Sexuelle Gewalt Vergewaltigung, gegen den Willen zu sexuellen Handlungen nötigen, sexuell angreifen, als Sexobjekt behandeln Macht und Kontrolle © THÜTZ G. Kluwe-Schleberger 2005 Psychische Gewalt einschüchtern, beleidigen, Drohungen aussprechen/ausführen, Angst machen durch Blicke Gesten, Handlungen ihr/sein Eigentum zerstören, einsperren Erniedrigung 13

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