Calluna Herbst 2016

 

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Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide, Ausgabe Herbst 2016

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www.calluna-magazin.de Nr. 70/18. Jahrgang Herbst 2016 Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide da zwischen Dokumentation socialart.uelzen 2016 zu_flucht da_zwischen 1 Calluna 1

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Bücher aus der Südheide JÜRGEN ROHDE Wo sind all die Vögel hin? 50 Jahre Vogelbeobachtung im Isenhagener Land Calluna Die schnuckelige Geschichte von Löckchen, Mondchen und 96. Neugierig erkunden die drei Heidschnuckenlämmer das Leben auf dem Sothriethof in der Südheide. Alles um sie herum ist noch fremd und ganz schön aufregend. Sie wachsen heran, erfahren Freundscha und Zuneigung, lernen aber auch Angst und Ablehnung kennen und erleben allerlei kleine und große Abenteuer. Die Malerin Anna Jander hat die einfühlsam geschriebene Geschichte von Klaus Jordan liebevoll illustriert. Ein bezauberndes Kinderbuch – auch für Erwachsene. 96 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Hardcover, € 14,80, ISBN 978-3-9810373-0-8 Der Landscha smaler, Grafiker und Zeichner Albert Othmer (1894 - 1944) lebte in Buxtehude, kam aber o nach Uelzen, um dort seine Schwester zu besuchen. Diese Gelegenheiten nutzte er immer auch, um zu malen. Das Buch stellt Leben und Werk Albert Othmers im zeitgeschichtlichen Kontext vor und zeigt 28 ausgewählte Arbeiten des Künstlers, darunter zahlreiche Stadtansichten von Uelzen und Impressionen aus der Umgebung. Besonders faszinierte den Maler offenbar die historische Außenmühle an der Ilmenau, die er aus verschiedenen Perspek ven malte und die auch auf dem Buch tel zu sehen ist. 56 Seiten, farbig illustriert, Hardcover, € 19,80, ISBN 978-3-944946-02, Seit einem halben Jahrhundert beobachtet Jürgen Rohde Vögel im Isenhagener Land. Seine Aufzeichnungen geben einen einzigar gen Einblick in die Vogelwelt dieser Region. Obwohl es auch einige posi ve Entwicklungen zu vermelden gibt – vor allem bei Kranichen und Greifvögeln –, fällt die Bilanz insgesamt beängs gend aus. Zahlreiche Arten sind verschwunden, und vor allem in der Feldmark ist das Vogelkonzert weitgehend verstummt, sodass als Fazit die Frage im Raum steht: »Wo sind all die Vögel hin?« Die zahlreichen Vogelfotos von Franz Zäpernick machen das Buch zu einem präch ger Bildband. 76 Seiten, farbig illustriert, So cover, € 9,90 ISBN 978-3-944946-06-1 Calluna Hans Schönecke ... nur ödet mich das miese Wetter Auf den Spuren von Hermann Löns in der Südheide bei Gifhorn Hermann Löns war o undRohde_Umschlag.indd 1 gern Gast in der Südheide bei Gi orn. Etliche seiner Gedichte und Geschichten sind hier entstanden oder spielen hier. Löns-Forscher Hans Schönecke hat sich auf Spurensuche begeben. Dieses Buch ist das Ergebnis intensiver Nachforschung. Entstanden ist eine Art literarische Landkarte, die zeigt, wann und wo sich Löns in der Region aufgehalten hat, welche Orte ihn inspiriert haben und welchen Menschen er begegnet ist. 256 Seiten, zahlreiche SW-Abbildungen, Hardcover, € 12,80, ISBN 978-3-9810373-2-4 Calluna Das Isenhagener Land hat07.11.12 14:18 mit seinen Mooren, Heideflächen und Wäldern als Teil des Landscha sraums Südheide vielfäl ge Natur zu bieten. Die Streifzüge in diesem Buch führen aber auch zu kulturgeschichtlich interessanten Zielen – hinter Klostermauern, zu trutzigen Kirchen, mi elalterlichen Dammburgen und zu Zeugnissen des Jugends ls. Ebenso werden herausragende Persönlichkeiten vorgestellt. 104 Seiten, zahlreiche, überwiegend farbige Abbildungen, So cover, € 9,80, ISBN 978-3-9810373-6-4 KLOSTERHenning Tribian ISENHAGEN Von der Gründung bis zur Reformation buchtitel.indd 1 Das Kloster Isenhagen als eines der sechs sogenannten Heideklöster gilt als bedeutendes Zeugnis mi elalterlicher Klosterkultur. Der Autor Dr. Henning Tribian interessierte sich bei der Arbeit an diesem Buch weniger für die Architektur und die Kunstschätze als vielmehr für die Geschichte des Kloster von der Gründung bis zur Reforma on. Besonderes Augenmerk richtete er dabei auf die früheren Standorte des Klosters. 92 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, So cover, € 9,90, ISBN 978-3-944946-01-6 Calluna 30.10.13 13:20 Deutschland in den 1930er Jahren: Im ganzen Land werden sie verfolgt, die Juden. Aber manchmal geschehen Wunder. In einem Dorf in der Lüneburger Heide – es handelt sich um Groß Oesingen – (über)lebt der Jude Julius Katz unbehelligt von den Na onalsozialisten. Hält die Dorfgemeinscha zu ihm oder schaut sie nur weg? Eine wahre Geschichte, spannend erzählt nach Dokumenten und Zeitzeugenberichten. 116 Seiten, zahlreiche SWAbbildungen, So cover, € 9,80, ISBN 978-3-944946-00-9, Toleranz, freie Meinungsäußerung, Profitgier, Globalisierung, Staatsschulden, Bildungsreform – diese Themen haben die Menschen schon vor Jahrhunderten bewegt, und das spiegelt sich auch in der Literatur wider. Viele Dichter haben Antworten auf die Fragen ihrer Zeit gefunden, die auch heute noch überraschend aktuell sind. Jürgen Rohde hat Briefauszüge, Tagebucheinträge und Fragmente aus den Werken der Dichter zur lebendigen, Gesprächen mon ert. 370 Seiten, So cover, € 12,90 , ISBN 978-3-944946-03-0 Diese und alle weiteren lieferbaren Bücher aus dem Calluna-Verlagssortiment erhalten Sie im Buchhandel oder direkt bei Calluna in Gifhorn, Oerrel und Uelzen. Bestellen Sie telefonisch unter 0 58 32/97 98 40 oder per E-Mail: buchshop@calluna-medien.de. Versandkostenfreie Lieferung im Inland. Sie bezahlen per Banküberweisung (Rechnung beiligend). 2 Calluna www.calluna-magazin.de Calluna

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EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser, eines der schönsten Bonmots zum Herbst stammt von dem französischen Maler Henri ToulouseLautrec (1864-1901): »Der Herbst ist der Frühling des Winters.« Während im Frühling die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, bereitet sie sich im Herbst darauf vor. Dennoch haben beide Jahreszeiten einiges gemeinsam: Sie sind die Jahreszeiten des Übergangs, und sie versetzen uns in einen Farbenrausch – Blütenpracht im Mai, bunte Blätter im Oktober. Ich liebe beides, und freue mich jedes Jahr darauf. Zur Vorbereitung auf den Winter gehört traditionell auch das Abfischen in der Teichwirtschaft. Bevor das Wasser abgelassen wird, hat sich unsere Jahrespraktikantin Jana Wejkum auf dem Teichgut bei Wahrenholz und an den Aschauteichen bei Eschede umgeschaut und sich dabei auch die Frage gestellt, ob Fisch aus regionaler Teichwirtschaft eine Alternative zu den Seefischarten sein kann, von denen laut der Welternährungsorganisation FAO 90 Prozent durch Überfischung gefährdet sind. Als Veganerin esse ich keinen Fisch. Wenn ich es doch täte, würde ich wahrscheinlich, dem Greenpeace-Fischeinkaufsführer folgend, einen Karpfen aus heimischer Teichwirtschaft einem Atlantik-Dorsch oder einem Pangasius aus thailändischer Aquakultur vorziehen. Einen farbenfrohen Herbst und bis bald im Winter! Inka Lykka Korth PS: Sie werden es bemerkt haben: Dieses Calluna-Heft ist deutlich dicker als gewohnt, und das liegt an dem Heft im Heft – 16 Sonderseiten, auf denen ein neuartiges und ungemein spannendes Kunstprojekt dokumentiert wird: Im Rahmen der socialart ging es – ganz aktuell – um das Thema Zuflucht und um Kunst als Klammer für die Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturen. Das Calluna+-Logo am Ende einer Geschichte signalisiert Ihnen, dass Sie diese Geschichte auch im In- + ternet finden, angereichert mit weiteren Bildern und teilweise auch mit Karten oder Videoclips. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass dieses kostenfreie Zusatzangebot unseren Abonnenten und Anzeigenkunden vorbehalten ist. Wenn Sie Abonnent sind, schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit Ihrem Namen und Ihrer Abo-Nummer, die Sie auf Ihrer Abo-Rechnung finden, an die Adresse plus@calluna-magazin.de, und Sie erhalten von uns den Link zu Calluna+. Sie haben noch kein Calluna-Abo? Kein Problem, schicken Sie einfach eine E-Mail mit Ihrer Adresse an abo@calluna-magazin.de. Bei allen neuen Abonnenten bedanken wir uns mit zwei Freikarten für das Museumsdorf Hösseringen. Foto: Marion Korth INHALT BUCHEN SOLLST DU SUCHEN Unsere Empfehlung für den Herbstspaziergang 2 VON 4 Der zweite Band des Wanderführers erscheint GROSSER WALD & WEITE WIESEN Radtour zwischen Kloster & Kapelle DICHT DRAN AN DER NATUR Fischwirtschaft in der Heide: das Teichgut WER ES WIRKLICH FRISCH WILL ... ... der kauft regional SCHMECKT WIE BEI OMA Einkochen statt Einfrieren EINE BURG OHNE ZINNEN Familie von Estorff ist seit 1292 in Veerßen zu Hause NACHRÜCKER GESUCHT Uelzener Rückepferde gehen in den Ruhestand AB NACH AFRIKA! Mauersegler in Wrestedt BEI DEN BAUCKS IN BÖDDENSTEDT WIRD BERINGT Schleiereulen in der Südheide HANDEL IM WANDEL Vom fliegenden Händler über Tante Emma zum Supermarkt DA_ZWISCHEN Die socialart zum Thema zu_flucht SAISONAUSKLANG Erntefest und Apfeltag im Museumsdorf ASTERN, KÜRBISSE UND HAUS҃ UND HOFBÄUME Der Garten im Herbst DER BETTELJUNGE IM FÜRSTENHOF Heutiges Hotel erzählt Stadtgeschichte BAUHISTORISCH BESONDERS WERTVOLL Das Höfersche Haus in Gifhorn EIN MEISTER DES KLEINEN UND FEINEN Detlev Voigt pflegt in Knesebeck das traditionelle Handwerk des Erzgebirges FRACHTSCHIFF ҃ LUSTSCHIFF ҃ KULTURSCHIFF Die ms loretta im Celler Hafen EIN WUNDERBARER SCHATZ Auf den Spuren der Musik in den Heideklöstern DE GERDAU TWEEMOL KRÜÜZEN Plattdüütsch 4 6 8 12 16 18 22 28 30 32 34 35 51 52 56 60 74 77 78 82 Besser leben SüdheideKalender Buchempfehlungen Calluna-Partner Impressum 70 64 81 54 6 Titelbild (Ein Eichhörnchen knabbert eine Walnuss vom Nussbaum auf dem Calluna-Hof in Oerrel): Inka Lykka Korth Teaserfotos (von oben): Burkhard Ohse, Susanne Zaulick, Christine Kohnke-Löbert KONTAKT Redaktion redaktion@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 98 40 Anzeigen anzeigen@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 99 38 Abonnement abo@calluna-magazin.de Telefon 0 53 71/5 55 06 www.calluna-magazin.de CallunaMagazin Calluna 3

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4 Calluna BUCHEN SOLLST DU SUCHEN INKA LYKKA KORTH / Text / Fotos Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen. Das altbekannte Sprichwort ist eigentlich als Verhaltensmaßregel bei Gewitter gedacht, könnte aber auch ebensogut eine Empfehlung für den nächsten Herbstspaziergang sein. Wer die Laubfärbung intensiv genießen will, wählt für seine Tour lieber einen Buchen- als einen Eichenwald, es sei denn, dort stehen statt der bei uns heimischen Stieleichen (Quercus robur) amerikanische Roteichen (Quercus rubra). Deren Blätter haben eine fast so schöne Herbstfärbung wie die des Spitzahorns (Acer platanoides), während die der Stieleichen vergleichsweise unspektakulär ihre Farbe wechseln. Roteichen-Anpflanzungen gibt es zum Beispiel im Auerwald südlich von Sprakensehl. Die Rotbuche (Fagus sylvatica) war einst auch bei uns in der Gegend die vorherrschende Baumart, wurde aber durch gnadenlosen Raubbau stark zurückgedrängt. Die baumlose Landschaft versteppte, und die Heide breitete sich aus. Nachdem der karge Heideboden vor allem mit der anspruchslosen Kiefer aufgeforstet wurde, hat sich mittlerweile eine ausreichende Humusschicht gebildet, um auch wieder Buchen anpflanzen zu können. Besonders die staatlichen Landesforsten treiben den sogenannten Waldumbau – weg von der Nadelwald-Monkultur hin zu buchenreichen Laubmischwäldern – engagiert voran. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern erfreut auch alle, die sich für bunte Herbstwälder begeistern können. Unsere Favoriten in der Südheide sind der Emmer Leu bei Hankensbüttel, der ehemalige Klosterwald Hagen in Hankensbüttel, die Jafel bei Steinhorst, der Maseler Wald bei Sprakensehl, der Uelzener Stadtwald, der südliche Teil des Schweinebruchs bei Lachendorf und der Lüßwald bei Unterlüß.

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HERBSTSPAZIERGANG Calluna 5

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IMPRESSUM Das Südheide-Magazin Calluna erscheint vierteljährlich im Verlag HERAUSGEBERINNEN Merle Höfermann, Inka Lykka Korth REDAKTION Inka Lykka Korth (verantwortlich) inka.korth@calluna-medien.de Christine Kohnke-Löbert christine.kohnke@calluna-medien.de AUTOREN Marion Korth, Burkhard Ohse, Niels Tümmler, Jana Wejkum, Susanne Zaulick LAYOUT Inka Lykka Korth ANZEIGENGESTALTUNG Friederike Kohnke friederike.kohnke@calluna-medien.de ANZEIGENVERKAUF Jennifer Mallas (verantwortlich) jennifer.mallas@calluna-medien.de Werner Remus werner.remus@calluna-medien.de Susanne K. Knöpfle / telemotion susanne.knoepfle@calluna-medien.de DRUCK MHD Druck und Service GmbH, Hermannsburg AUFLAGE 12.500 Exemplare ABO҃JAHRESBEZUGSPREIS 10,- Euro inkl. Porto und Versand REPRODUKTIONEN jeglicher Art, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. KLIMA҃ UND UMWELTSCHUTZ Calluna wird mit mineralölfreien Druck- farben auf hochwertigem Recyclingpapier gedruckt, das mit dem Umweltsiegel Blauer Engel ausgezeichnet ist. Die beim Druck freigesetzten Treibhausgase werden durch Investitionen in zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. Print kompensiert Id-Nr. 1658711 www.bvdm-online.de KONTAKT www.calluna-magazin.de CallunaMagazin REDAKTION redakঞon@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 98 40 ANZEIGENABTEILUNG anzeigen@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 99 38 Telefax 0 58 32/97 98 41 BÜRO GIFHORN (Verlagsanschri[) Steinweg 3 · 38518 Gi orn Telefon 0 53 71/555 06 BÜRO ISENHAGENER LAND Oerreler Dorfstraße 22 29386 Dedelstorf-Oerrel Tel. 0 58 32/97 98 40 BÜRO UELZEN Gartenstraße 16 29525 Uelzen Tel. 05 81/97 39 20 71 Ihr Partner für alles rund um den Druck Damit unser Klima geschützt wird, drucken wir auf Wunsch CO2-neutral auf FSC®-, Recycling- und diversem anderen Papier. Zusätzlich setzen wir Bio-Farbe ein, drucken alkoholreduziert, verwenden chemielose Druckplatten und beziehen Öko-Strom. Die hohe Nachfrage nach herkömmlichen Papieren führt zu einer Suche nach umweltfreundlicheren Alternativen, wie dem Stein- oder Graspapier. Diese Papiere setzen ganz neue Maßstäbe in puncto umweltfreundliches Papier. Probieren Sie es gemeinsam mit uns aus. Wir stehen Ihnen zur Seite. Südheide-Schau MHD-Umweltsong MHD Druck und Service GmbH Harmsstraße 6, 29320 Hermannsburg Telefon: 05052 | 9125-0, Telefax: 05052 | 9125-22 info@mhd-druck.de, www.mhd-druck.de 6 Calluna STREIFZÜGE 2 von 4 ZUM START IN DIE WANDERSAISON ERSCHEINT EIN WEITERER BAND DES WANDERFÜHRERS LINKS UND RECHTS DES GRÜNEN BANDES VON HELMUT BERLINECKE INKA LYKKA KORTH / Text / Fotos Wer hätte das gedacht?! Unsere Idee, zwei benachbarte und doch ganz unterschiedliche Wanderregionen, – die östliche Südheide und die westliche Altmark – in einem Wanderführer zu vereinen und als »roten Faden« das Grüne Band, den ehemaligen Grenzstreifen und Europas längstes Biotop, zu nehmen, ist so gut angekommen, dass wir den im Herbst des vergangenen Jahres vorgestellten ersten Band schon nachdrucken müssen. Rechtzeitig zum Start in die herbstliche Wandersaison erscheint er in überarbeiteter Neuauflage. Für alle diejenigen, die schon die ersten 25 Touren nachgewandert sind, sorgt unser Autor Helmut Berlinecke jetzt für Nachschub. Ab Anfang Oktober ist der zweite Band erhältlich, wiederum mit 25 Wandertouren. In den Jahren 2017 und 2018 folgen dann die Bände 3 und 4 von »Links und rechts des Grünen Bandes«, sodass schließlich ein insgesamt 100 Wandertouren umfassendes Werk vorliegen wird. Bei allen in dem handlichen Buch mit praktischer Spiralbindung beschriebenen Touren handelt es sich um Rundtouren, die in der Länge so bemessen sind, dass sie auch von weniger ambitionierten Wanderern an einem Vor- oder Nachmittag gut zu bewältigen sind. Die Beschreibungen sind bewusst kurz gehalten, denn wer mag schon unterwegs lange Texte lesen. Zur jeder Tour gibt es selbstverständlich eine Karte. Die GPS-Daten der Touren können von unserer Internetseite heruntergeladen werden. Beide Bände des Wanderführers können jeweils zum Preis von 8,90 Euro bei Calluna, Telefon 0 58 32/97 98 40 oder buchshop@calluna-medien.de bestellt werden. Die Lieferung erfolgt im Inland versandkostenfrei. Selbstverständlich kann der Wanderführer auch über den Buchhandel bezogen werden. Calluna WANDERTOUR AM 22. OKTOBER Als Einstimmung auf die Wandersaison laden wir zu einer von Helmut Berlinecke geführten Wanderung durch das besonders zur herbstlichen Laubfärbung schöne Bäketal und die Jemmeritzer Heide an. Das Wandergebiet liegt in der »bergigen« Landschaft zwischen Klötze und Kalbe. Die Tour ist 13 Kilometer lang. Der Treffpunkt wird bei Anmeldung mitgeteilt. Gewandert wird am Sonnabend, 22. Oktober. Los geht es um 13 Uhr. Unterwegs machen wir eine kleine Kaffeepause im Wald. Der Kostenbeitrag beträgt 5 Euro pro Person (inkl. Pausensnack). Über Ihre Anmeldung (bis spätestens 19. Oktober) freuen wir uns unter Telefon 0 58 32/97 98 40 oder E-Mail unterwegs@ calluna-magazin.de.

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Unterwegs: Auch für den zweiten Band des Wanderführers hat Helmut Berlinecke wieder 25 abwechslungsreiche Wandertouren ausgekundschaftet und mit seinem GPS-Gerät aufgezeichnet. Calluna 7

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STREIFZÜGE EINE RADTOUR ZU DREI SAKRALEN KULTURDENKMÄLERN, DURCH MALERISCHE HEIDEDÖRFER UND SO MANCHEN HÜGEL HINAUF Großer Wald & weite Wiesen zwischen Kloster & Kapelle Blick über die Wiesen im Tal der Schwienau mit dem Kloster Ebstorf im Hintergrund. INKA LYKKA KORTH / Text / Fotos Die Sonne zeigt sich selten an diesem Sonntagnachmittag im Süsing. Aber es ist angenehm warm, windstill, und trotz einiger dunkler Wolken bleibt es trocken. Eigentlich ideal zum Wandern und Radfahren. Dennoch scheint außer uns niemand unterwegs zu sein in dem einsamen Waldgebiet, das zu den größten in Niedersachsen gehört. Dabei hatten wir uns schon seelisch darauf eingestellt, auf eine der Naturistengruppen zu treffen, die gelegentlich von dem am nordwestlichen Waldrand in dem kleinen Heideort Glüsingen gelegenen FKK-Feriengelände ausschwärmen, das 1919 aus dem Geist der Jugendbewegung und des Wandervogels angelegt worden ist und zu den ältesten Einrichtungen dieser Art in Deutschland gehört. Nichts gegen naturnahe Erholung suchende Nacktwanderer, aber wir sind auch nicht traurig, wenn uns der Anblick erspart bleibt. Naturräumlich gesehen gehört der Süsing zum Höhenzug der Hohen Heide, einer eiszeitlichen Endmoräne, die sich von den Harburger Bergen im Norden bis zum Lüßplateau im Norden erstreckt. Aufgrund seiner unfruchtbaren Böden ist der Süsing nie besiedelt worden, und auch die Straßen machen einen großen Bogen um ihn herum. Zwar gibt eine alte, schmale, mehrere Kilometer lange Kopfsteinpflasterstraße in den Wald hinein, aber die verläuft sich irgendwann buchstäblich im Sand, und für den Autoverkehr ist sie sowieso gesperrt. Zum Glück müssen wir mit unseren Rädern nicht übers Kopfsteinpflaster hoppeln, sondern können auf dem Sandstreifen neben der Straße fahren, die wie aus der Zeit gefallen wirkt. Ein Eindruck, der sich noch verstärkt, als wir einen altertümlich beschrifteten Wegweiser entdecken, der sich mit seinem rostigen Eisenpfahl in die Richtung neigt, in die wir fahren wollen. Obwohl der Süsing größtenteils ein monotoner Fichten- und Kiefernforst ist, hat er auch durchaus ansehnliche Buchen- und Eichenbestände zu bieten, und es gibt sogar einen Naturwaldbereich, der mit 64,5 Hektar gar nicht einmal so klein ist, aber lediglich zwei Prozent der Gesamtfläche des Waldes ausmacht. Da man sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, muss man schon ein wenig Abstand haben, um seine Ausdehnung und sein Profil erfassen zu können. Der beste Blick auf den Süsing bot sich uns auf der ersten Etappe dieser Radtour. Auf dem Domänenplatz in Ebstorf hatten wir, in Sichtweite des Klosters, unser Auto abgestellt und die Fahrräder startklar gemacht. Anstatt auf direktem Weg über die Lüneburger Straße den Ort in nördliche Richtung zu verlassen, fuhren wir an den Klostergebäuden vorbei in westliche Richtung am Waldrand entlang. An der Stelle, wo der Weg im Wald verschwindet, hielten wir an und warfen einen Blick über die Wiesen im Tal der Schwienau zurück aufs Kloster. Vorbei an den mit Bildern und Bibeltexten künstlerisch gestalteten Tafeln der Besinnungswege zwischen dem Kloster Ebstorf und dem Missionarischen Zentrum im Nachbarort Hanstedt fahren wir ein Stück durch den Wald und gelangen auf einen Querweg, dem wir in nordöstliche Richtung folgen. Am Ende des Weges treffen wir auf die Landstraße von Ebstorf nach Melbeck (L233). Parallel zur Straße läuft ein schöner, neuer Radweg. Nach Norden steigt die Straße vergleichsweise steil an. Wir kommen durch Oetzfelde und Velgen und fahren weiter bergauf. Linkerhand liegt der Süsing, der sich von hier aus gut überblicken lässt. Rechterhand lässt sich in der Ferne Bad Bevensen erahnen. Am höchsten Punkt der Straße, auf Höhe des 108 Meter hohen Hellkuhlenberges, versperren Bäume die Aussicht, aber wir müssen jetzt sowieso geradeaus auf den Radweg gucken, denn jetzt beginnt 8 Calluna

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STREIFZÜGE eine rasante Talfahrt. Nachdem wir die hinter uns haben, folgen wir dem Wegweiser für Fahrräder nach Barnstedt. Das erste Stück des Weges ist ziemlich schlecht, aber schon nach ein paar hundert Metern geht der unbefestigte Waldweg in einen asphaltierten Wirtschaftsweg über, auf dem wir nach Barnstedt gelangen. Unterwegs passieren wir nicht nur die Kreisgrenze zwischen Uelzen und Lüneburg, sondern genießen auch den schönen Blick auf den Süsing. Kurz vor dem Ort fahren wir durch das Tal des Eitzer Baches, das Bestandteil des Naturschutzgebietes Schierbruch und Forellenbachtal ist und sich an die Südflanke des Butterberges schmiegt. Bevor wir in Barnstedt von der Hauptstraße nach links in Richtung Betzendorf abbiegen, fahren wir noch ein Stück weiter auf der Hauptstraße, denn wir wollen es nicht versäumen, uns ein besonderes Kulturdenkmal anzuschauen: Die reich verzierte Gutskapelle aus dem 16. Jahrhundert beeindruckt mit kunstvollen Malereien und Schnitzereien. Das kleine Gotteshaus ist der älteste Bestandteil des Rittergutes, das seit dem 12. Jahrhundert von der Familie von Estorff bewirtschaftet wird. 1576 beschlossen die Gebrüder Heinrich, Carl und Luleff von Estorff, eine Kapelle zu errichten. 1593 erfüllte Ludolph von Estorff den Wunsch seines Vaters und seiner beiden Onkel und begann mit den Bauarbeiten. 1731 ließ Eleonore de Farcy de St. Laurent, Ehefrau des Ludolph-Otto von Estorff zu Barnstedt die Kapelle an den Ort in Sichtweite des Herrenhauses versetzen, an dem sie heute noch steht, und versah sie mit einem Turm und einer Glocke aus dem Jahr 1368. Der Kanzelaltar stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Hinter dem Rittergut windet sich der Barnstedt-Melbecker Bach durch die Wiesen. Das Gebiet hat als Teil des Fauna-FloraHabitats Ilmenau mit Nebenbächen eine herausragende Bedeutung für den Naturschutz. Wir fahren auf der Hautpstraße noch ein Stück weiter nach Westen und kommen an eine Brücke, die über den Bach führt. Von der Brücke aus blicken wir auf den Mühlteich der ehemaligen Wassermühle – und entdecken sogleich einen Fischreiher. Auf dem Rückweg bis zur Abzweigung nach Betzendorf löst sich gewissermaßen im Vorbeifahren ein Rätsel. Ein Transparent an einer Scheune verrät uns, was es mit den zahlreichen, etwa vier Meter hohen Andreaskreuzen auf sich hat, von denen wir auf dieser Tour schon mehrere am Straßenrand gesehen hatten. Solche Kreuze kennen wir aus dem Wendland, dort sind Detailansichten der kunstvoll verzierten Gutskapelle in Barnstedt aus dem 16. Jahrhundert und die Allee zwischen Barnstedt und Betzendorf. Calluna 9

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Mittelstrasse 1 Knesebeck Tel.: 05834 - 5261 uSnabtteeql uem??? dWieirLhöasbuenng! Mit einem Sitzabdruck vermessen wir KomSmitzepnrSobieezur den Abstand Ihrer Sitzknochen. So finden wir den Sattel, der genau zu Ihnen passt. LILIE´s Räder laufen leichter Wander- und Erlebnispfade KBorostsecnhlüorsee! 12 spannende Erlebnispfade und 16 herrliche Wanderwege für die ganze Familie Herzogenplatz 2, 29525 Uelzen Tel. (05 81) 7 30 40 info@heideregion-uelzen.de www.heideregion-uelzen.de HEIDEREGION UELZEN 10 Calluna STREIFZÜGE sie aber gelb. Diese hier sind rotweiß gestreift. Sie stehen für den Protest gegen den geplanten Bau neuer Bahnstrecken durch die Lüneburger Heide. Die schmale Straße nach Betzendorf ist eine Allee wie aus dem Bilderbuch. Aber auch hier mahnen wieder Andreaskreuze. In Betzendorf machen wir eine kleine Rundfahrt durch den malerischen Heideort, dessen Wahrzeichen der aus romanischer Zeit stammende Rundturm der Kirche St. Peter und Paul ist. Der Turm wurde als Wehrturm errichtet und besaß einen unterirdischen Geheimgang, sodass er im Fall eines Angriffs unauffällig betreten und verlassen werden konnte. Wir folgen dem ausgeschilderten Radweg nach Tellmer. Von dort führt uns der Hanstedter Weg in den Süsing hinein. Wieder im Landkreis Uelzen, fahren wir durch die winzige, im Wald gelegene Siedlung Oechtringen, überqueren den Oechtringer Bach. Die schmale Straße, die parallel zum Bach verläuft und nach Eitzen II führt, ist asphaltiert, sodass wir flott vorankommen. In Eitzen wandelt sich das Bild der Landschaft. Der Wald liegt hinter uns. Vor uns breiten sich Wiesen und Ackerflächen aus. Am südlichen Ortsausgang von Hanstedt machen wir einen kurzen Fotostopp an der alten Wassermühle an der Schwienau und fahren auf dem Radweg über Teendorf zurück nach Ebstorf. Dort angekommen, verlassen wir die Hauptstraße am Mühlenteich und folgen dem kleinen Rad- und Fußweg zum Kloster. Nachdem die Räder auf dem Auto verstaut sind, unternehmen wir noch einen kleinen Rundgang durch das historische Zentrum von Ebstorf am Domänenplatz. Die Klosterführung sparen wir uns für unseren nächsten Besuch in Ebstorf auf. INFO Mit einer Gesamtlänge von knapp 38 Ki- Betzendorf Barnstedt lometern ist diese Fahrradtour nicht besonders lang, und doch waren wir froh, Tellmer dass wir sie nicht allein mit Muskelkraft bewältigen mussten. Da wir dank der Höhenlinien auf der Landkarte ungefähr Süsing Velgen wussten, was uns erwartet, hatten wir uns entschieden, mit unseren Pedelecs zu fahren, deren Akkus wir klimafreund- Hanstedt I lich an unserer eigenen Solartankstelle auftanken. Schon nach den ersten Ebstorf drei Kilometern schalteten wir die Tretkraftunterstützung zu, um dem steilen Anstieg den Schrecken zu nehmen und unsere Kniegelenke zu schonen. Aber keine Angst: Es geht nicht immer nur bergauf, sondern oft auch bergab. Auf der Talfahrt am Hellkuhlenberg erreichen wir mit 47 km/h ein durchaus beachtliches Tempo, und wir sind froh, dass unsere Fahr- räder mit kräftig zupackenden Scheibenbremsen ausgestattet sind. Die Tour verläuft überwiegend auf asphaltierten Rad- und Wirt- schaftswegen. Lediglich das Teilstück durch das Waldgebiet Süsing ist nicht befestigt und kann, vor allem wenn dort nach Baumfällarbeiten Holztransporte stattgefunden haben, zeitweilig in schlechtem Zustand sein. Breitere Reifen und eine Federgabel erhöhen den Komfort auf diesem Teilstück, ein Mountainbike ist jedoch nicht erforderlich. Wer nicht, wie wir, am Wegesrand picknicken möchte, findet in Barn- stedt und Betzendorf Gasthäuser und in Barnstedt auch eine Bäckerei. Calluna-Abonnenten können sich bei Calluna+ – Hinweise zum Zugang auf Seite 3 dieses Heftes – eine Karte mit dem Verlauf der Tour, Höhenprofil und GPS-Daten herunterladen. +

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STREIFZÜGE 1 34 25 6 1 Karten erleichtern unterwegs die Orientierung. 7 2 Der wehrhafte Rundturm von St. Peter und Paul in Betzendorf. 3 Kopfsteinpflasterstraße im Süsing, links daneben die Fahrspur für Fahrräder. 4 Altertümlicher Wegweiser auf rostigem Eisenpfahl im Süsing. 5 Picknickpause auf einem Hochsitz am Waldrand. 6 Die alte Wassermühle an der Schwienau in Hanstedt. 7 Turm der Klosterkirche in Ebstorf. Calluna 11

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12 Calluna REGIONALSPEZIAL JANA WEJKUM / Text / Fotos Der große Karpfen scheint mich zu beobachten, während ich die Terrasse überquere und auf das Haus zugehe. Er sitzt auf dem Trockenen, ist aus Holz und braucht deshalb das Wasser nicht, das in einem kleinen Spingbrunnen leise vor sich hin plätschert. Es ist ein sonniger Nachmittag im September, und trotz der vielen Autos, die nur wenige Meter entfernt auf der Landstraße vorbeifahren, wirkt das Teichgut ein wenig verschlafen. Kein Mensch in Sicht, das Restaurant öffnet erst später. Aber die Ruhe trügt. Werner Nabein, der die Teichwirtschaft samt Schänke betreibt, ist schon seit sechs Uhr morgens auf den Beinen und hat heute offenbar jede Menge zu tun. Solange die Heide noch blüht und viele Touristen in der Gegend sind, ist bei ihm Hochbetrieb, sowohl im Laden als auch im Restaurant. Wie kam er, will ich wissen, zu seinen Fischen und der Teichwirtschaft? »Ich bin von heute auf morgen mit der Fischerei ins kalte Wasser gestoßen worden«, erzählt Nabein, „gelernt habe ich beides, Restaurantfachmann und Fischwirt. Am Anfang habe ich die Fischerei betrieben, meine Mutter die Gaststätte.« Mittlerweile führt er den Betrieb komplett selbst und das schon seit 22 Jahren. Angefangen hat alles, als die Landwirtschaftskammer 1908 beschloss, eine Lehr- und Versuchsanstalt für Teichwirtschaft anzulegen, die später an den Staat veräußert werden sollte. Dem war die Teichwirtschaft jedoch zu teuer, denn dem sauren Moorwasser, das durch das Schwarzwasser in die Teiche gelangt, muss Kalk hinzugefügt werden, um es nutzen zu können, und so verlor der Staat aufgrund der zusätzlichen Kosten bald das Interesse. Nicht so Friedrich Nabein. Der ehemalige Molkereimeister aus Wahrenholz, Werner Nabeins Großvater, erwarb 1919 den Betrieb. Die Gastwirtschaft kam erst zehn Jahre später hinzu. Soldaten vom Fliegerhorst Wesendorf schauten oft hier vorbei, und bald kam die Idee auf, aus der Flaschenbierhandlung eine Gaststätte mit Fischgerichten zu machen. Über die Jahre hat sich viel verändert. Zu Anfang wurden die Fische noch mit Loren nach Wahrenholz geschafft, um von dort aus die weite Reise mit dem Zug zum Hamburger Fischmarkt anzutreten. Heute kommt der Großteil vor Ort in der Schänke auf den Teller oder wird im Hofladen verkauft. Der Rest geht an Privatabnehmer, andere Gastronomiebetriebe oder Angelvereine, die hier Lebendfisch kaufen. Immer noch befindet sich das Teichgut im Familienbesitz, aber es wurde viel umgebaut, viel renoviert, und die Teichanlage ist kleiner geworden. Von ehemals 101 Hektar sind noch 56 übrig, davon 43 Hektar reine Wasserfläche, verteilt auf 23 Teiche. Das liegt vor allem an der zunehmenden Beregnung der Felder und an der Flurbereinigung, die sich in einer Senkung des Grundwasserspiegels bemerkbar machen, besonders wenn dann noch ein trockener Sommer hinzukommt. Man merkt sofort, dass man es hier mit einem Fachmann zu tun hat, wenn Werner Nabein anfängt, die Details der Fischwirtschaft zu erklären. Über die Jahre konnte er viel Erfahrung sammeln, das meiste, sagt er, habe er sich selbst beigebracht. Was schwimmt den nun alles in den Teichen? »Karpfen, Schleien, Hechte, Zander, Graskarpfen…«, zählt Nabein auf. Zwar sind in jedem Teich etwa die gleichen Fischarten, aber nicht

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Dicht dran an der Natur Fischwirtschaft in der Heide – Das Teichgut bei Wahrenholz Calluna 13

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REGIONALSPEZIAL Bauerncafé täglich ab 14:00 Uhr geöffnet! Dienstags Ruhetag Selbstgebackene Torten und Kuchen Kaffee-, Tee- und Eisspezialitäten Familienfeierlichkeiten aller Art Mittagstisch für Gruppen nach Anmeldung Hochzeitskutsche und Ausrichtung der Feier Hauptstraße 28 29394 Lüder Rustikaler Grillwagen Kutsch- und Planwagenfahrten Tel. 05824/96500 durch das Naturschutzgebiet „Lüder Bruch“ Fax 05824/965050 und zur Heideblüte in die Bodenteicher Heide service@bauernhofhotel.de www.bauernhofhotel.de Streicheltiere und Kinderspielplatz Hotel - Ferienwohnung - Heuhotel Restaurant & Café 14 Calluna alle Tiere im selben Alter. Wo welche Fische am besten gedeihen, entscheidet sich je nach Zusammensetzung des Bodens. »Jeder Teich produziert anders, das ist wie beim Ackerbau«, meint Nabein. Nur dass sich in der Fischwirtschaft nicht einfach dazudüngen lässt, wenn der Boden nicht ganz stimmt. Wie jeder Teich, so hat auch jede Fischart ihre Eigenheiten. Der Karpfen, »das Schwein unter den Fischen«, ist hart im Nehmen und erträgt auch Wassertemperaturen von über dreißig Grad. Das kann schon mal vorkommen, wenn der Wasserstand im Sommer stark absinkt. Wasser zusätzlich hineinpumpen kann man nicht, stattdessen wird weniger gefüttert, denn »bei den Fischen ist das wie beim Menschen, je mehr die essen, desto mehr Luft brauchen die«. Das leuchtet ein. Von den beliebten Forellen hält Nabein nicht so viele, denn sie sind empfindlicher, was die Wassertemperatur angeht, und sie bevorzugen fließendes Wasser. Dafür gibt es hier umso mehr Vögel, die sich an den Teichen wohlfühlen: Seeadler, Fischadler, Gänse, Fisch- und Silberreiher, Kormorane und Eisvögel. »Fast alles, das mit Wasser zu tun hat, kommt hier vor.« Sogar die Fischotter haben ein Zuhause am Teichgut gefunden. Ein FFH-Gebiet, das heißt Flora-Fauna-Habitat, ist das Teichgut bereits, und der Landkreis beabsichtigt sogar, in Zukunft die gesamte Teichanlage unter Naturschutz zu stellen, weil hier die seltene Zwergbinse wächst, die nur in trockenen Sommern für kurze Zeit am Rande der Teiche vorkommt. Für dieses Vorhaben hegt Nabein eher gemischte Gefühle. Die Konsequenzen für die Teichwirtschaft sind für ihn noch nicht abzusehen, weil zurzeit noch mit dem Landkreis verhandelt wird. »Diese ganzen Pflanzenarten, die es hier gibt, sind dadurch entstanden, weil das hier eine Kulturlandschaft ist und wir das alles hegen und pflegen in der Fischerei, das ist in jedem Betrieb so«, stellt er klar. Wäre nicht das Teichgut, gäbe es hier wahrscheinlich nur Moor und Heide, so wie damals, bevor die Teiche angelegt worden sind. Die Pflege und Instandhaltung der Teiche erfordern viel Arbeit, bei der einige Festangestellten mit anpacken, aber auch viele Aushilfen, besonders im Frühjahr, wenn die Fische eingesetzt werden und im Herbst, wenn sie wieder herausgeholt werden. Das kann man beim Abfischen miterleben: »Der Teich wird richtig leergemacht, da fangen wir auch schon Tage vorher an, um das Wasser abzusenken«, schildert Werner Nabein den Ablauf. »Und an dem Tag, wenn das Abfischen ist, sind halt viele Schaulustige dabei, die gucken, wie wir die Fische aus dem Teich herausholen. Hinter den Ablauf kommt ein Netz, die Fische werden mit der Strömung durch den Ablauf durchgetrieben und dahinter stehen Leute, die die Fische abkeschern.« Danach wird der Fang grob nach Art und Alter der Fische sortiert und verkauft. Beim anschließenden Hoffest gibt es dann Karpfengyros zum Probieren, und mehrere Verkaufsstände anderer regionaler Anbieter bringen Vielfalt in die Veranstaltung. Jetzt im Herbst ist sein Terminplaner voll, aber Zeit für einen kleinen Rundgang bleibt uns trotzdem. Die Schänke betreten wir durch einen kleinen Flur und gelangen zum gemütlichen Speisesaal. Ein Karpfen ziert die Theke aus Kiefernholz: Da weiß man, wo man isst. Im Saal daneben scheint die Septembersonne durch die vielen Fenster, und an den gelb gestrichenen Wänden hängen alte Fotos, die zeigen, wie es hier früher mal ausgesehen hat. Wir setzen unseren Rundgang fort und gehen über die Terrasse

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weiter in Richtung der Teiche. Im ersten Teich gibt es große Karpfen. Die sind weniger scheu als ihre Kollegen weiter hinten, denn mittlerweile haben sie sich an die vielen Besucher gewöhnt, die hier oft entlangspazieren. Auf dem Wasser sieht man kleine Wellen, wenn die Fische nah unter der Oberfläche schwimmen. Ich kann gut nachvollziehen, warum Werner Nabein die Arbeit hier draußen so gefällt. Schon nach wenigen Metern verstummen die Geräusche der Straße, stattdessen ist nur gelegentliches Platschen im Wasser zu hören, wenn wieder einmal ein Frosch hineinspringt, und manchmal auch ein Vogelruf. Am Himmel zieht ein Fischadler vorbei, und die Bäume rauschen im Wind. Eigentlich sollten gar keine am Teichrand wachsen, weil ihre Wurzeln bei Sturm Risse im Damm verursachen können, aber einige Bäume hat Nabein dennoch stehenlassen. Auf einer kleinen Insel befindet sich ein Pavillon, die Holzbrücke ist noch die gleiche, wie auf dem alten Foto in der Schänke. Überall gibt es Sitzbänke, und aus dem Teich ragt eine Forelle aus Holz. »Alles fürs Auge«, bemerkt Nabein schmunzelnd. Die Gäste sollen es gut haben. Von 1979 bis 1986 hat sein Stiefvater Hans Knudsen die schmalen, alten, von Hand aufgeschaufelten Dämme neu angelegt, so wie man sie heute sieht. Sie sind so breit und ordentlich gemäht, dass sie zu ausgedehnten Spaziergängen einladen. Die weite Teichlandschaft wirkt so blau wie der Himmel, und im Wasser spiegeln sich die Wolken. Schließlich kommen wir an dem Forellenbecken vorbei. Forellen brauchen viel Sauerstoff, daher die sprudelnde Belüftungsanlage. Als könnten sie nicht genug Luft bekommen, springen sie immer wieder aus dem Wasser. Ein anderer Teich ist trockengelegt und vermittelt schon jetzt ein Bild davon, wie es hier im Winter aussieht. Das Trockenlegen ist wichtig, damit sich der Teichboden erholen kann. Auch Pflege- und Ausbesserungsarbeiten sind dann möglich, zum Beispiel werden neue Zu- oder Abläufe angelegt und Dämme verbreitert. Dann zeigt Werner Nabein mir in einem umgebauten Nebengebäude, wo die Fische vor dem Schlachten in einem Becken gehalten werden. Das Becken ist voller Aale, die sich prompt wieder aus dem Netz des Keschers herauswinden, mit dem sie gefangen wurden. Nebenan befindet sich die Räucherei, aber im Moment ist der Räucherschrank leer. Über die Jahre ist das Teichgut überregional bekannt und zum Ausflugsziel geworden, einerseits wegen der reizvollen Wasserlandschaft, vor allem aber, da ist sich Werner Nabein sicher, »weil’s hier schmeckt«. Die Frische sei das Besondere. Die wussten schon viele bekannte Gäste zu schätzen, wie zum Beispiel der als »Seeteufel« berühmte Felix Graf von Luckner und der Grafiker und Naturfotograf Hermann Fischer. Die Namen aller prominenten Gäste fallen ihm auf Anhieb nicht ein. Nicht nachdenken muss Nabein jedoch, wenn es darum geht, was ihm an seinem Beruf so besonders gefällt. »Die Natur«, lautet die einfache Antwort. Ihn faszinieren die Tier- und die Pflanzenwelt und wie eins ins andere greift. Und er liebt das Wasser: »Das ist so beruhigend ...« Die Natur macht es ihm aber auch nicht immer leicht: »Der Kormoran und der Otter, die fressen uns die Fische weg.« Von den im Frühjahr ausgesetzten Jungfischen seien im Herbst viele nicht mehr da. »Das ist die Kehrseite der Natur.« Dennoch kann er sich kaum etwas Schöneres vorstellen, als jeden Tag in und mit der Natur arbeiten zu können. Familie Nabein um 1920 vor ihrem Haus auf dem Teichgut. Friedrich Nabein begründete vor fast 100 Jahren den Familienbetrieb, der heute von seinem Enkel Werner Nabein (unten) geführt wird. Calluna 15

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