Futter fuer Lehrkoerper

 

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futter für lehrkörper pr emium gib mir raum dass ich wachsen kann meine schwingen sich entfalten gib mir luft dass ich atmen kann im atmen mich erfahren gib mir licht damit ich schauen kann leuchten aus meinen tiefen her gib mir halt damit ich lassen kann ­ und entstehen das neue groß und unbekannt sei mir vertrauen dass ich werden kann mehr als ich sehe mehr als ich glaube pedro samowar

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frei nach dem arbeiterdichter der wenig wort braucht um viel zu sagen links ein baum rechts ein baum mancher glaubt es kaum jugendliche sind der zwischenraum das ist nicht alles professor dr wolf singer möchte auf den folgenden seiten noch etwas mehr dazu sagen wann ein mensch was lernen kann und was es dazu braucht zuvor mache ich mir gedanken über das lernen als existenzielle erfahrung für diejenigen die es noch nicht kennen das netzwerk archiv der zukunft ist ein forum für lehrer forscher medien und politik das sich zum ziel gesetzt hat beispiele gelingender schule zusammen zu tragen http www.archiv-der-zukunft.de neben regionalen arbeitskreisen und kongressen eine seite voller anregungen austausch inspiration und freude viel vergnügen!

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lernen als existenzielle erfahrung beitrag von peer wüschner für jugendliche ist lernen eine existenzielle erfahrung zwar funktioniert lernen nicht nur in der pubertät ganzheitlich denn das gehirn braucht die erfahrung des ganzen menschen die seinserfahrung um sich daran auszubilden lernen findet da statt wo fühlen denken handeln und wollen miteinander angesprochen werden doch es gibt unterschiede in den entwicklungsphasen des menschen so steht in der pubertät das erkunden mit allen sinnen im brennpunkt und es gibt unterschiede die in der adoleszenz dem geschlecht oder besser den weiblichen und männlichen anteilen und ihrer ausprägung in einem menschen zuzuordnen sind so steht für mädchen der soziale austausch die kommunikation in der clique im mittelpunkt ihrer sozialen seinserfahrung für jungen ist es das gemeinsame tun auch ohne viele worte im bild ausgedrückt für jungen steht das fällen des baumes und der gemeinsame bau des kanus im fokus wenn es einen see zu überwinden gilt für mädchen sind es der weg zum baum und zurück und der austausch untereinander die im mittelpunkt stehen und sie würden dabei eher um den see herumgehen wo es möglich ist weil man sich dabei unterhalten und kräuter beeren und pilze oder schuhe sammeln kann das würde auch erklären warum eine schwerpunktmäßig auf verbale kommunikation und austausch ausgerichtete unterrichtsform die mädchen mehr begünstigt als die jungs wie sich an vielen ergebnissen z.b.weiblich und männliche zugangszahlen an universitäten in bestimmten fächern mit numerus clausus wie medizin z.b geschlechtsspezifische auflistung der jahresbesten in den jahrgangsstufen etc ablesen lässt.

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diese aussage lässt sich natürlich nicht allein am körperlichen geschlecht festmachen doch eine schwerpunktmäßig auf die entwicklung kommunikativer fähigkeiten ausgelegte art des unterrichts spricht eher die weiblichen anteile im menschen an als die männlichen die vier stufen des ganzheitlichen lernens es lassen sich vier stufen als immer wiederkehrende und aufeinander aufbauende folge von lernschritten erkennen die beschreiben wie wir als menschen lernen und erfahrungen vertiefen stufe 1 stufe 2 stufe 3 stufe 4 hören sehen fühlen als ob imitieren nachmachen spielerisch nachfühlen mit allen sinnen erkunden wollen handeln fühlen und denken reflektieren erkennen und lehren und dann wieder von vorn die vier stufen lassen eine abfolge des lernens erkennen die im prinzip in allen alterstufen von der wiege bis zur bahre aufeinander aufbauend funktioniert sie lassen sich auch auf die entwicklungsphasen des menschen bis zum erwachsenen hin anwenden wenn man verstehen will worüber lernen in den verschiedenen altersstufen hauptsächlich funktioniert stufe 1 stufe 2 stufe 3 stufe 4 baby kleinkind etwa bis zum fünften lebensjahr kind etwa bis zum zehnten lebensjahr pubertät etwa bis zum 15 16 lebensjahr Übergang zum jungen erwachsenen etwa bis zum 20 21 lebensjahr natürlich mischen sich die lernschritte 1 4 und sie sind immer auch gleichzeitig da ­ den möglichkeiten der ausbildung und der ausprägung des

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jeweiligen alters entsprechend anschaulich wird das wenn man sich die struktur eines musikstücks vor augen führt das thema und seine variation entspräche in diesem bild dem durchleben einer bestimmenden altersstufe akzente struktur und einen besonderen charakter erhält die komposition durch das einweben der anderen drei lernschritte in den lernprozess lehrer als künstler Ähnlich wie von bildhauern oft beschrieben stehen lehrer vor ihren schülern wie vor rohlingen die ihre fertige form als potential schon in sich tragen die schüler arbeiten von innen daran und die lehrer können von außen helfen sie frei zu legen und ins leben zu rufen in diesem sinne sind lehrer künstler menschenkünstler oder wie beuys sagen würde plastiker der menschlichen und sozialen skulptur künstler auch deswegen weil das ergebnis nie feststeht standardisierung und normierung können zwar helfen ergebnisse vergleichbar zu machen aber bei aller vergleichbarkeit wird das ergebnis nie standard oder norm sein können weil das kunstwerk der mensch dadurch in letzter konsequenz zerstört würde lehren ist also eine große und verantwortungsvolle aufgabe ­ und hat doch gleichzeitig etwas spielerisches das der entdeckung und dem unerwarteten raum gibt kaum eine andere bevölkerungsgruppe hat berufsbedingt soviel wissen wie lehrer manche gehen soweit zu sagen wer am meisten lernen will wird lehrer doch weil das ergebnis nie feststeht sind lehrer immer auch lernende wo es über die reine unpersönliche vermittlung von fakten hinausgeht die vermittlung des faktischen ist ein wesentlicher teil der aufgabe einer lehrkraft ­ aber ist sie auch die wichtigste ich meine nein.

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vortrag von prof dr wolf singer was kann ein mensch wann lernen anlässlich des ersten werkstattgespräches der initiative mckinsey bildet in der deutschen bibliothek frankfurt /main am 12 juni 2001 herr dr kluge liebe linda reisch die sie mich hierher verführt haben meine sehr verehrten damen und herren ich werde über frühe phasen der entwicklung sprechen ich werde über mechanismen sprechen über welche wissen ins gehirn gelangt ich werde also weniger politische stellung beziehen zu fragen der ausbildung jenseits der pubertät das bleibt späteren werkstattgesprächen vorbehalten ich möchte mit zwei erfahrungsberichten und einem gedankenexperiment beginnen um ihnen die spannbreite des themas vor augen zu führen viele von ihnen werden sich noch erinnern vielleicht ein drittel dass es vor dreißig jahren als ausgemacht galt das menschengehirn käme als frei instruierbare tabula rasa zur welt jedes etwa mit den gleichen voraussetzungen ausgestattet offen für alles entsprechend waren menschen die über besondere fertigkeiten verfügten privilegierte die besondere förderung genossen hatten und die mal-faiteurs waren solche die das pech hatten in umwelten aufgewachsen zu sein die weniger favorabel waren unbotmäßiges verhalten und aggression wurden damals als antwort auf repressive erziehung gesehen selbst krankheiten die wir heute als genetisch mitbedingt erkannt haben wie zum beispiel die schizophrenie wurden damals noch ganz auf soziale faktoren zurückgeführt zum beispiel auf das phänomen des double-bindings das ungewollte kind das von der mutter nicht angenommen nicht geliebt und als lästig empfunden wird erfährt emotionale ablehnung weil aber die mutter das schlechte gewissen plagt wird das kind zur kompensation mit materiellen verwöhngütern überwältigt man dachte damals dass auf grund dieser widersprüchlichen signale psychische erkrankungen wie zum beispiel schizophrenie entstehen könnten desgleichen hat man den autismus die unfähigkeit emotionale kontakte aufzubauen der emotionalen kälte der mutter zugeschrieben ihrem nichtkommunizierenkönnen an sehr vielem waren damals die mütter

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schuld und trugen eine schreckliche last für den rest war die gesellschaft als ganzes zuständig heute ist zu vernehmen und ich berichte aus dem leben von einem lehrerseminar es sei ja ohnehin alles genetisch festgelegt was fast wie eine rechtfertigung pädagogischen fatalismus klingt man könne sich im unterricht auf disziplinarmaßnahmen beschränken damit die ordnung so weit aufrecht erhalten wird dass der unterricht überlebt werden kann dass erziehung aber im Übrigen keine rolle spiele denn es würde aus den kindern das was auf grund ihrer anlagen aus ihnen werden muss und dann wird immer wieder angeführt und auch das habe ich aus pädagogenmund gehört wir wüßten doch dass das verwöhnte einzelkind versagen kann und das straßenkind reüssieren ich vermute dass solche positionen folge der medialen euphorie über die missverstandenen implikationen des abgeschlossenen genomprojektes sind sie zeugen von einer tiefen unkenntnis über die tatsächlichen bedingtheiten der hirnentwicklung es gibt fast keine eins-zu-eins-beziehung zwischen genetischen instruktionen und bestimmten eigenschaften schon gar nicht im bereich von begabungsspektren und persönlichkeitsmerkmalen und nun das gedankenexperiment es ist anzunehmen dass sich unsere genetische ausstattung seit den letzten 30 40.000 jahren nur unwesentlich wenn überhaupt verändert hat jedenfalls nicht mehr als es der streubreite der genetischen ausstattung der heute lebenden menschen entspricht das bedeutet aber auch dass ein baby höhlen bewohnender steinzeiteltern so werden würde wie wir wenn es von geburt an in unserer gesellschaft aufgezogen würde vielleicht ein studium aufnähme oder eine geigenvirtuosin würde umgekehrt würden unsere kinder wären sie den damaligen anvertraut so geworden wie deren kinder wir wissen nicht sehr viel über diese menschen aber gewiss ist dass sie sich drastisch von uns unterschieden haben müssen und zwar vor allem im hinblick auf höhere mentale fertigkeiten und kognitive leistungen wie sprach und abstraktionsvermögen dies zeigt wie obsolet die derzeitige Überbetonung genetischen determinismus ist welches nun ist die wissenschaftlich fundierte position zum verhältnis von genen und umwelt lassen sie mich zunächst rekapitulieren wie sich aus eizellen embryonen und aus diesen babys und schließlich erwachsene menschen entwickeln.

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festzuhalten ist zunächst dass gene nie alleine sondern immer in umwelt eingebettet sind dass es signale aus der umwelt sind die das auslesen der genetischen information initiieren und die entwicklung vom ei zum organismus maßgeblich koordinieren die entwicklung setzt ein weil molekulare signale im zellkern auf das genom einwirken und die expression der ersten gene veranlassen deren expression führt zur synthese neuer eiweißmoleküle die zum einen strukturänderungen realisieren und zum anderen die expression weiterer gene auslösen die zellen teilen und differenzieren sich und informieren sich durch die sich ständig wandelnden austausch chemischer signale über nachbarschaftsbeziehungen dadurch verändert sich das molekulare milieu in den zellen was wieder unterschiedliche genexpressionsmuster nach sich zieht spezifische umgebungsbedingungen bestimmen die expression ausgewählter gene und deren produkte verändern die umgebung so dass wiederum neue gene exprimiert werden und so fort es vollzieht sich ein sich selbst organisierender prozess der getragen von einem kontinuierlichen dialog zwischen genom und umgebendem milieu zur bildung zunehmend komplexerer strukturen führt schließlich beginnen bestimmte zellen damit just jene gene zu exprimieren welche die synthese von bausteinen steuern die für nervenzellen charakteristisch sind es entstehen die ersten nervenzellen welche zellen diesen weg gehen bestimmt also deren umgebung zellen erkennen über rezeptormoleküle in ihrer membran an welcher stelle des embryos sie sich befinden und entwickeln sich dann je nach lage zu nerven oder muskeloder leberzellen etc die im kontext der gegenwärtigen diskussion über stammzellenforschung brisante frage ist ab wann das schicksal der embryonalen zellen soweit festgelegt ist dass sie sich nicht mehr zu einem eigenständigen organismus entwickeln können wenn man sie aus dem zellverband löst unter natürlichen bedingungen ist dies nach dem achtzelligen stadium der fall doch nun zurück zu unseren nervenzellen sie entwickeln dendriten und axone fortsätze für den empfang und die weiterleitung elektrischer signale nehmen miteinander kontakt auf und beginnen lokale geflechte zu bilden wobei sie ihre partner über molekulare signalsysteme identifizieren und finden schließlich werden diese nervenzellen elektrisch aktiv sie eröffnen damit eine neue kommunikationsform die es ermöglicht signale schnell und mit großer räumlicher präzision über weite entfernungen auszutauschen und

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miteinander zu verrechnen von herausragender bedeutung für unser thema ist dabei dass diese elektrischen signale eine zentrale funktion bei der steuerung der weiteren entwicklung des nervensystems übernehmen an den kontaktstellen zwischen den nervenzellen werden die elektrischen impulse in chemische signale umgesetzt und diese erfüllen eine doppelfunktion zum einen werden sie von den nachgeschalteten zellen wieder in elektrische signale umgewandelt welche als grundlage für informationsverarbeitende prozesse dienen zum anderen wirken sie auf die genexpression ein damit eröffnen sich neue und faszinierende optionen für den selbstorganisationsprozess es kann jetzt ein ereignis an einer stelle des embryos über neuronale signaltransduktion zellen an entfernten orten veranlassen ganz bestimmte gene zu exprimieren auf diese weise kann die ausdifferenzierung des organismus und des gehirns über große entfernungen hinweg koordiniert werden die tragende rolle spielt dabei zunächst selbst erzeugte aktivität mit welcher sich die nervenzellen mitteilen ob sie benachbart oder weit voneinander entfernt liegen welcher natur sie sind mit welchen muskeln oder sinnesorganen sie verbunden sind etc in dem maße in dem sinnesfunktionen ausreifen werden diese selbst erzeugten aktivitätsmuster dann zunehmend von sinnesreizen moduliert und damit gerät die steuerung der genexpression bzw der strukturentwicklung mehr und mehr unter den einfluß extrakorporaler faktoren es weitet sich das milieu das auf entwicklungsprozesse einwirken kann vor der geburt beschränken sich die einflüsse jedoch auf das wenige was in utero rezipiert werden kann zudem ist das nervensystem beim nesthocker mensch zum zeitpunkt der geburt noch sehr unreif nur die basisfunktionen die für die aufrechterhaltung von lebensprozessen benötigt werden sind schon ausgebildet schließlich kommt der fötus auf die welt und heißt hinfort baby beim menschen ereignet sich dieser Übergang im vergleich zu anderen primaten etwa zwei monate zu früh das kind kann nicht länger fötus bleiben weil der kopf für den geburtskanal zu groß würde würden die föten länger im uterus bleiben was sie eigentlich müssten um richtig auszureifen dann würden sie den weg in die fragwürdige freiheit nicht finden mit der geburt vollzieht sich ein dramatischer sprung in der hirnentwicklung die sinnesorgane sind nun in der lage signale aus der umwelt aufzunehmen der selbstorganisationsprozess das wechselspiel zwischen signalen aus der umgebung und den genen wird jetzt plötzlich von aktivitätsmustern

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bestimmt die von der umwelt mitgeprägt werden alles was auf die sinnesorgane des babies einwirkt nimmt ab jetzt einfluss auf die weitere entwicklung des gehirns berücksichtigt man ferner dass sich diese aktivitätsabhängigen entwicklungsprozesse des gehirns bis zur pubertät fortsetzen wird deutlich welch prägenden einfluss frühe erfahrungen auf die strukturelle entwicklung des gehirns nehmen können worauf also beruht diese aktivitätsabhängige und nach der geburt auch erfahrungsabhängige ausreifung von hirnstrukturen die nervenzellen sind zum zeitpunkt der geburt im wesentlichen alle angelegt aber in bestimmten bereichen des gehirns noch nicht miteinander verbunden dies gilt vor allem für die großhirnrinde viele verbindungen wachsen erst jetzt aus aber ein erheblicher anteil wird nach kurzer zeit wieder vernichtet es vollzieht sich ein stetiger umbau von nervenverbindungen wobei nur etwa ein drittel der einmal angelegten erhalten wird welche bleiben hängt von der aktivität ab die sie vermitteln das bedeutet dass die ausbildung der funktionellen architektur der großhirnrinde in erheblichem umfang von sinnessignalen und damit von erfahrung beeinflusst wird genetische und epigenetische faktoren kooperieren in untrennbarer wechselwirkung weshalb eine strenge unterscheidung zwischen angeborenem und erworbenem unmöglich ist es erinnert dieser vorgang der selektion von nervenverbindungen an einen darwinistischen ausleseprozess kontakte werden im Überschuss angelegt und solche die einer funktionellen validierung standhalten bleiben die ersten und eindrucksvollsten beispiele für die eminente bedeutung dieses erfahrungsabhängigen selektionsprozesses kamen aus der klinik früher litten neugeborene häufig an infektionen ihrer augen die sie sich während der geburt zuzogen die folge waren trübungen der hornhaut oder gar der linse die kinder erblindeten und konnten nur noch diffuse helligkeitsschwankungen wahrnehmen als es dann möglich wurde linsen und hornhäute zu transplantieren oder gegen künstliche medien auszutauschen war die erwartung nachdem dem gehirn selbst ja nichts fehlte dass mit solchen operationen die sehfähigkeit wieder hergestellt werden könnte entsprechend groß war die enttäuschung als sich erwies dass diese spätoperierten patienten blind blieben sie hatten jetzt zwar funktionstüchtige augen konnten aber mit den informationen die jetzt erstmals zur verfügung standen nichts anfangen viele patienten empfanden

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das was sie jetzt plötzlich wahrnehmen konnten nicht als visuelle eindrücke sondern als geräusche oder als etwas schmerzhaftes als etwas nicht näher beschreibbares sie lernten nicht sich in der sehwelt zu orientieren räume auszumessen oder objekte zu identifizieren viele dieser spät operierten patienten wurden tief depressiv weil ihre erwartungen nicht erfüllt wurden und die meisten fielen in ihren blindenalltag zurück und trugen wieder dunkle brillen der grund ist dass das nichtverfügbarsein von visuellen signalen in bestimmten entwicklungsphasen nach der geburt dazu führt dass verbindungen die eigentlich konsolidiert werden müssten eingeschmolzen werden dem auswahlmechanismus fehlen die richtigen signale er missinterpretiert verbindungen die im grunde funktionstüchtig sind als sinnlose und vernichtet sie und dieser vorgang ist irreversibel wenn die kritische phase für die entwicklung von verbindungen in der sehrinde durchlaufen ist und sie beginnt beim menschenkind kurz nach der geburt und klingt dann im laufe der ersten lebensjahre ab dann kommt hilfe zu spät etwas Ähnliches ereignet sich beim frühkindlichen schielen einer sehr häufigen entwicklungsstörung hier werden verbindungen in der hirnrinde zerstört die man braucht um mit beiden augen gleichzeitig sehen zu können die kinder verlieren die fähigkeit des stereosehens die ursache ist wieder dass auf grund der fehlstellung der augen falsche signale zur hirnrinde gelangen und dort verbindungen irreversibel vernichten diese mechanismen konnten durch untersuchungen am tier aufgeklärt werden wofür hubel und wiesel den nobelpreis erhielten auf der basis dieses wissens gelang es dann geeignete verfahren zur frühdiagnose und therapie zu entwickeln so dass heute das sehvermögen trotz frühkindlicher störungen der signalaufnahme meist erhalten werden kann warum aber lässt sich die natur auf das risiko ein dass vorübergehende störungen in der signalaufnahme zu so katastrophalen veränderungen von hirnfunktionen führen und das obgleich es doch offenbar möglich ist einen vogel so weit zu entwickeln durch genetische instruktionen alleine dass er ohne je geübt zu haben aus dem nest hüpfen und fliegen kann eine außerordentlich komplizierte leistung des vogelgehirns die sich offenbar erfahrungsunabhängig programmieren lässt der gewiefte darwinist vermutet natürlich dass mit der einbeziehung von umwelteinflüssen in den entwicklungsprozess vorteile verbunden sind die alle nachteile wettmachen und dies scheint der fall zu sein es können

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funktionen ausgebildet werden die auf verschaltungsmustern beruhen die durch genetische instruktionen alleine nicht realisiert werden können ein beispiel ist das beidäugige sehen wir messen die entfernung von objekten durch den vergleich der leicht verschiedenen bilder die in den beiden augen entstehen die hierfür erforderlichen verschaltungsmuster sind schwer zu realisieren weil sichergestellt werden muss dass die nervenverbindungen von den beiden augen so auf gemeinsame zielzellen in der hirnrinde verschaltet werden dass nur fasern von korrespondierenden orten der beiden netzhäute zusammengeführt werden es sind dies orte die beim beidäugigen sehen signale von den gleichen bildpunkten erhalten welche netzhautorte korrespondent sind hängt jedoch von einer fülle von variablen ab die von genetischen instruktionen nicht antizipiert werden können dies gilt zum beispiel für die größe und den abstand der augen diese variablen ändern sich während der entwicklung und hängen u.a davon ab wie schnell der säugling wächst beidäugiges tiefensehen bietet beträchtliche selektionsvorteile weil es erlaubt getarnte objekte vom hintergrund abzugrenzen und mit präzise gesteuerten bewegungen zu greifen wie aber die hierfür notwendige verschaltung realisieren hier hilft die funktionelle validierung faserverbindungen von korrespondierenden netzhautorten müssen ähnliche aktivitätsmuster aufweisen da sie per definitionem signale von den gleichen bildpunkten vermitteln es genügt also über eine korrelationsanalyse herauszufinden welche fasern immer gemeinsam aktiv sind und diese dann an den jeweiligen zielzellen zu konsolidieren die auswahlregeln sind einfach neurons wire together if they fire together das heißt verbindungen zwischen neuronen die oft zusammen aktiv sind werden bestätigt und bleiben erhalten es ist dies eine der grundlagen von assoziativem lernen dieses beispiel lehrt noch ein weiteres das für die spätere diskussion von zentraler bedeutung sein wird der auswahlprozess kann seinen zweck nur erfüllen wenn die aktivitätsabhängige identifikation von verbindungen einer zusätzlichen internen bewertung unterzogen wird die signale von den beiden augen sind nur dann korreliert wenn das baby beide augen koordiniert bewegt und auf das gleiche objekt richtet nur wenn diese bedingung erfüllt ist kann das gehirn die signale verwenden um verschaltungen zu optimieren in allen anderen fällen etwa wenn das baby nicht aufmerksam ist und die augen wandern lässt würden unweigerlich

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fehlverschaltungen entstehen deshalb sind alle erfahrungsabhängigen selektionsprozesse einem zusätzlichen kontollmechanismus unterworfen der die adäquatheit der aktivierungsbedingungen überprüft und nur den aktivitätsmustern erlaubt veränderungen zu verursachen die als geeignet identifiziert wurden das nervensystem tastet die umwelt aktiv ab sucht nach mustern die den selektionsvorgang unterstützen können und erlaubt diesen aktivitäten nur dann verschaltungen zu verändern wenn sie in einem weiteren kontext als adäquat identifiziert wurden offenbar hat die natur jedoch nicht mit augeninfektionen und schielproblemen gerechnet denn hier versagt diese interne bewertung die abnormen signale werden nicht als solche erkannt die existenz interner bewertungssysteme ist nun von herausragender bedeutung für die beurteilung umweltabhängiger entwicklungsprozesse das gehirn entscheidet gesteuert von seinen eigenen bewertungen welche aktivitätsmuster veränderungen der verschaltung induzieren dürfen das hierfür benötigte vorwissen liegt in der funktionellen architektur der bewertungssysteme gespeichert und ist genetisch festgelegt also angeboren ein verwandter mechanismus sorgt ferner dafür dass sinnessignale nur dann strukturierend auf die entwicklung einwirken können wenn sie folge aktiver interaktion mit der umwelt sind bei denen der junge organismus die initiative hat diese erkenntnis geht auf einen sehr eleganten und frühen versuch von hind und held am mit zurück die forscher setzten zwei kätzchen in ein karussell das eine hatte die pfoten auf dem boden und konnte durch sein laufen das karussell bewegen das andere saß in der gondel und wurde passiv transportiert beide sahen natürlich genau das gleiche bloß zu verschiedenen zeiten die spätere bestimmung der kognitiven leistungen der beiden tiere zeigte jedoch dass nur das aktive tier gelernt hatte das nur beobachtende war nahezu blind und hinsichtlich seiner visuo-motorischen koordination schwer gestört nur zuschauen genügt also nicht selbermachen ist entscheidend weil nur dann der interaktive dialog mit der umwelt einsetzen kann der für die optimierung von entwicklungsprozessen unabdingbar ist noch eine bemerkung zur zeitlichen staffelung aktivitätsabhängiger entwicklungsphasen verschiedene bereiche der hirnrinde entwickeln sich mit unterschiedlicher geschwindigkeit was sich in der sequenziellen ausreifung kognitiver leistungen widerspiegelt entsprechend benötigt das

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gehirn in verschiedenen entwicklungsphasen unterschiedliche informationen aus der umwelt um seine entwicklung optimieren zu können die bereits erwähnten elementaren verschaltungen in der sehrinde werden sehr früh ausgebildet und dann erfahrungsabhängig optimiert bei kätzchen dauert diese kritische phase etwa sechs wochen bei primaten einige monate und beim menschen einige jahre dabei ist die plastizität und auch die vulnerabilität der neuronalen architekturen zu beginn der kritischen phase am höchsten und nimmt dann mit der zeit kontinuierlich ab die folgenden beispiele zeigen wie nachhaltig umwelteinflüsse auch unter ganz normalen bedingungen die ausbildung kognitiver leistungen prägen besonders eindrucksvoll zeigt sich dieser zusammenhang beim spracherwerb die erstsprache wird mühelos erlernt wenn die interaktionen mit einer sprachkompetenten umwelt im richtigen zeitfenster erfolgen die zweitsprache die meist erst im schulalter bei uns in der regel erst im gymnasialalter angeboten wird erlernt sich sehr viel schwerer und auf ganz andere weise als die erstsprache lernen erfolgt jetzt regel-basiert und unter kontrolle des bewußtseins entsprechend bilden sich unbewußt ablaufende automatismen für die decodierung und produktion von sprache nur unvollkommen aus die zweitsprache erreicht nur selten das perfektionsniveau der erstsprache die prosodie der akzent und die melodie der erstsprache hingegen prägen sich so stark und irreversibel ein dass sie ein leben lang begleiten und meist auch die später erlernten sprachen durchdringen beim erlernen der erstsprache werden neuronale verarbeitungsroutinen ausgebildet die sich später nicht mehr ändern lassen und auf denen alle anderen lernprozesse aufbauen eine wichtige voraussetzung für das sprachverständnis ist die fähigkeit den sprachfluss zu segmentieren gesprochene sprache besteht aus einem kontinuierlichen strom von lauten das gehirn muss also zunächst lernen diese laute man spricht auch von phonemen zu unterscheiden und zu worten zusammenzufassen erst dann kann wissen über die sprachspezifische syntax erworben werden die fähigkeit phoneme und worte als einheiten zu identifizieren wird für die muttersprache sehr früh erworben und die entsprechenden verarbeitungsprozesse vollziehen sich dann nahezu automatisch mühelos und sehr schnell für die zweitsprache vor allem wenn sie erst im gymnasialalter erworben wird bilden sich diese automatismen nur noch unvollkommen aus selbst wer eine zweitsprache

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hervorragend beherrscht kommt deshalb in schwierigkeiten wenn bei einer tischgesellschaft viele gleichzeitig in der fremden sprache sprechen es wird dann anstrengend oder gar unmöglich einzelne stimmen herauszufiltern nicht so in der muttersprache ein eindrucksvolles beispiel für die frühe und irreversible prägung der phonemwahrnehmung ist das unvermögen von asiaten die phoneme r und l akustisch voneinander zu unterscheiden sie hören den unterschied trotz deutlicher aussprache nicht der grund ist daß in ihrem sprachraum die unterscheidung dieser phoneme keine rolle spielt als babies verfügen sie über diese fähigkeit und wenn sie im westlichen sprachraum aufwüchsen würde sie auch erhalten bleiben exposition mit asiatischen sprachen führt jedoch zu verschaltungsänderungen die diese phonemkategorien zum verschmelzen bringen ein weiteres beispiel ist die fähigkeit von skandinaven mehr als ein dutzend verschiedener a-schattierungen heraushören zu können auch dies ist folge früher prägung akustischen unterscheidungsvermögens aber auch höhere kognitive leistungen wie z.b die abstraktionsfähigkeit scheinen prägbar dies folgt aus untersuchungen von taubstummen kindern die zeichensprache erlernt haben es gibt verschiedene arten von zeichensprachen zum einen ist da die american-signe-language asl die auf den gleichen syntaktischen und grammatischen regeln aufbaut und ähnlich abstrakte symbole verwendet wie die gesprochene sprache hier ersetzen lediglich die hände die sprachwerkzeuge und die augen die ohren diese sprache wird in den gleichen hirnstrukturen analysiert und produziert wie die gesprochene sprache es gibt aber auch zeichensprachen die sich mehr abbildender mimetischer strategien bedienen hier also lässt sich überprüfen ob das erlernen unterschiedlich abstrakter sprachen einfluss auf die entwicklung kognitiver fähigkeiten hat die antwort lautet ja kinder die mimetische sprachen erlernt haben tun sich schwerer logische zusammenhänge höherer ordnung zu durchschauen solche lassen sich mit mimetischen sprachen nur unvollkommen darstellen weil mangels abstrakter symbole und differenzierter syntax keine komplexen logischen strukturen aufgebaut werden können offenbar kann man also durch den übenden umgang mit einer differenzierten sprache die abstrakte konstrukte auszudrücken erlaubt erlernen solche konstrukte auch zu denken und sich vorzustellen aus diesem grund werden mimetische sprachen nicht mehr gelehrt heute versucht man zudem wann immer möglich tauben kindern

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