SE Oberes Murrtal Guckloch 2016

 

Embed or link this publication

Description

SE Oberes Murrtal Guckloch 2016

Popular Pages


p. 1

Guckloch Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal Ausgabe 04 Katholische Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal Kirchengemeinden St. Maria Murrhardt & St. Paulus Sulzbach Awuswgabwe.0k2i r*cDhaes oKabtheorleisschme uMargratzainli.mdOeberen Murrtal * Guckloch * 1 Sommer 2016

[close]

p. 2

Editorial Die Sommerausgabe L iebe Leserinnen und Leser, Sonne, blauer Himmel, Strand: Danach sehnen wir uns im Sommer. Mal richtig relaxen und vielleicht ein gutes Buch lesen oder in der ersten Sommer​a u s g a b e d e s G u c klochs schmökern. Werfen Sie mit uns einen Blick auf die Erlebnisse der Kinder während des Pfingstzeltlagers, auf den Wechsel im Pfarrbüro St. Maria, auf verschiedene Ju- biläen und den Schulanfang aus Kindergartenperspektive. Einen Blick wert ist auch, was aus un- serem Pilotprojekt „Trockentoi- letten“ in Ecuador geworden ist und wie dort jetzt die Situation nach dem schweren Erdbeben ist. Weitere Themen sind u.a. die Integration der Flüchtlinge bei uns und ein Ausblick darauf, wie Kirche im Jahr 2050 aussehen könnte, auch unsere eigenen Kirchengemeinden. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen. Vielleicht gibt es aber auch Themen, die Sie vermissen: Wir freuen uns immer über Rückmeldung und Anregung! Vieles hat sich in unserer Seelsorgeeinheit in den letzten Monaten bewegt: Die große Orgelsanierung in St. Maria ist abgeschlossen und finanziert dank Ihrer großen Spendenbereitschaft. Die Küche im Gemeindehaus von St. Paulus wurde ebenfalls renoviert und während des Gemeindefestes an Fronleichnam eingeweiht. Ein Jugendchor hat sich gegründet unter Leitung von Frau Westhäußer-Kowalski. Wer Lust hat auf Gospel und Neues Geistliches Liedgut, ist herzlich willkommen. Frau Dr. Luther-Frömel ist per Abstimmung im Kirchengemeinderat St. Maria und durch Zustimmung vom Bischöflichen Ordinariat als Mitglied nachnominiert worden. Wir wünschen Ihnen einen wunderschönen Sommer; und wenn Sie nicht in Urlaub fahren und zu Hause bleiben, dass Sie sich auch hier erholen und neue Kräfte schöpfen können – und vor allem, dass Sie alles mit Freude und Zuversicht tun. Pfarrer Andreas Krause Pastoralreferentin Martina Fuchs Impressum Guckloch wird von der Katholischen Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal herausgebracht. Diese Zeitung erscheint einmal jährlich und richtet sich an alle katholischen Haushalte unserer Seelsorgeeinheit. Kath. Kirchengemeinde St. Maria Blumstr. 30 71540 Murrhardt Telefon 0 71 92/52 50 Kath. Kirchengemeinde St. Paulus Friedhofstr. 14 71560 Sulzbach an der Murr Telefon 0 71 93/2 48 Kontakt: guckloch@kircheoberesmurrtal.de V.i.S.d.P. Pfarrer Andreas Krause Bildnachweise: Fotolia.de (Seite 1,3,10,14,15,16,20) Privat (Seite 1,2,4,6,7,8,9,10,11,12,13,16,17,18,19) Ateliers St. Jean Damascène, Frankreich (Seite 5) AK Asyl Murrhardt (Seite 8) Besuchen Sie unsere umfangreiche Homepage: www.kircheoberesmurrtal.de 2 * Guckloch * Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 3

Titelthema Ausruhen & Auftanken Endlich Ferien, endlich Urlaub! Viele von Ihnen werden die freien Tage herbeisehnen: Hoffentlich ist der Endspurt vor der Sommerpause bald vollends geschafft! Vermutlich haben Sie auch schon Pläne, was Sie in diesen Tagen erleben wollen, wo Sie sein werden usw. Und vielleicht löst das Bild, das wir ausgesucht haben, bei Ihnen ja auch ein wenig Vorfreude aus: Mal keinen Wecker stellen müs- sen, einfach so in den Tag hinein leben, nur das tun, worauf man wirklich Lust hat, Neues und Unbekanntes kennen lernen und ausprobieren, Zeit haben für Hobbies, für Treffen mit Freun- planen wie den Alltag, nur eben mit anderen Dingen. Wirkliche Erholung setzt dann ein, wenn man abschalten und Arbeit und Alltagssorgen hinter sich lassen kann. In der Regel geht das auch nicht sofort, sondern es braucht ein paar Tage, bis man innerlich herunterfahren kann, die Anspannung nachlässt und man zur Ruhe kommt. Solche Zeiten des Ausruhens und der Erholung braucht es unbedingt, damit wir an Leib und Seele gesund bleiben und dann auch wieder den Alltag mit seinen Anforderungen bewältigen können. Das wusste offensichtlich auch schon Jesus: Er sendet seine Jünger aus, um in Galiläa das Reich Gottes zu verkünden. Zu zweit sind sie in der Gegend unterwegs. Nach einiger Zeit kommen sie wieder zurück. Sie versammeln sich wieder bei Jesus und sie dürfen erst einmal erzählen, was sie erlebt haben. Sie berichten von positiven Erfahrungen, aber da wird sicher auch Raum gewesen sein für Frust und Ärger. Und wenn sie auf diese Weise schon ein wenig durchgeatmet haben, dann fordert er sie auf: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus“ (Mk 6,31). Wenn das keine Einladung ist, die Seele baumeln zu lassen! Möglichkeiten für ein solches Ausruhen gibt es viele: Vielleicht bei einem kurzen Gebet in der stillen Atmosphäre einer Kirche. Vielleicht ist es die Begegnung mit Menschen, in deren Gegenwart man sich öffnen kann. Vielleicht ist es ein bestimmter den…. all das ist ein Luxus, den diese Tage ermöglichen. Vielleicht steckt in dieser Liste aber auch schon wieder ein wenig die Gefahr, die in diesen Wochen auch droht: Dass wir die Urlaubswochen fast genauso ver- Ort, an den ich mich zurückziehe und wo ich mich wohlfühle. Wir brauchen also gar nicht unbedingt real die Hängematte an einer Südseepalme. Viel entscheidender ist es, eine „innere Hängematte“ zu haben, um immer wieder auszuruhen. Egal wo und wie: Ich wünsche Ihnen solche Hängematten-Erfahrungen, nicht nur in der Urlaubszeit! PR Martina Fuchs Guckloch * 3* Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 4

Dank und Willkommen Wechsel im Pfarrbüro Murrhardt Am 12. Juni verabschiedete die Kirchengemeinde St. Maria Frau Christiane Köstel in den wohlverdientenRuhestand. Der Übergang in einen neuen Lebensabschnitt ist ein Moment, der besinnlich stimmt. Er gibt Anlass, auf 14 Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit zurückzublicken. Frau Köstel war immer bereit, alles zu geben, oft auch über ihre eigentliche Arbeitszeit hinaus. Sie war immer gut gelaunt und hatte für alle Sorgen und Nöte ein offenes Ohr. Es war stets Verlass auf ihr Tun und sie übernahm loyal und engagiert Arbeiten, nicht nur für die Kirchengemeinde St. Maria, sondern auch für die Seelsorgeeinheit, z.B. im Zusammenhang mit der Organisation der Wallfahrten oder mit unserem Magazin „Guckloch“. Auch in ihrer Freizeit ist sie für „ihre“ Kirchengemeinde aktiv: sie arbeitet im Festausschuss mit, singt mit Leidenschaft im Chor und ist mit der Walkingruppe jede Woche auf Tour. Die Kirchengemeinde wünscht Frau Köstel Gesundheit, persönliches Wohlergehen und viele gute Ideen für die Gestaltung ihrer Freizeit. Von Herzen danken wir ihr für die hervorragende Zusammenarbeit in den zurückliegenden Jahren und wünschen für den (Un-?) Ruhestand Gottes Segen. Die Kirchengemeinde freut sich, Ihnen auf diesem Weg unsere neue Pfarramtssekretärin Frau Jutta Greiner vorstellen zu dürfen. Wer kennt das nicht: Am ersten Tag am neuen Arbeitsplatz blickt Frau Köstel links; Frau Greiner rechts man in neue Gesichter und hofft auf einen guten Start, ein rasches Eingewöhnen, eine erfolgreiche Einarbeitung – und vor allem: auf viel Spaß bei der Arbeit. Liebe Frau Greiner, die Kirchengemeinde und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Seelsorgeeinheit freuen sich, dass Sie da sind, heißen Sie herzlich willkommen und wünschen Ihnen für Ihren Dienst Gottes Segen. Wir wollen das unsere dazu beitragen, dass Sie sich rasch eingewöhnen und leicht einarbeiten können und mit Freude mit uns zusammenarbeiten. Barbara Voß Liebe Chris, auf ein Wort... Um den wohlverdienten Ruhestand genießen zu können, muss man sich auf ihn vorbereiten. Wie hast du dich vorbereitet? Direkt vorbereitet habe ich nichts. Ich lasse es auf mich zukommen. Hast du Sorge, dass du dich nach einer geregelten Arbeit sehnst? Das glaube ich nicht. Ich freue mich auf den „Unruhe“-stand. Welche Aufgaben und Tätigkeiten an deinem Arbeitsplatz gaben dir Befriedigung oder machten dir Spaß? Das eigenständige Arbeiten im Pfarrbüro hat mir gefallen. Der Umgang mit vielen Menschen. Besonders gerne habe ich die Wallfahrten organisiert. Kannst du dir vorstellen, weiterhin Aufgaben für „deine“ Kirchengemeinde zu übernehmen? Aufgaben ohne Verantwortung kann ich mir vorstellen. Ich helfe gerne aus. Aber nein sagen darf ich dann auch. Als „Rentnerin“ darfst du nun deinen Vorlieben und Wünschen nachgehen. Welche sind das?. Singen, Tanzen und Walking waren schon immer meine Hobbies. Diese werde ich weiterhin ausüben. Natürlich werde ich mich auch mehr meiner Familie und Enkeln widmen und öfters in meine Heimat, das schöne Elsaß, reisen. Ich wünsche meiner Kollegin Chris das Allerbeste und Gottes Segen für ihren Ruhestand. Barbara Voß 4 * Guckloch * Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 5

Jahr der Barmherzigkeit 2016 Ikone der Barmherzigkeit Die Ikone der Barmherzigkeit steht seit dem Barmherzigkeitssonntag während der Sonn- und Festtagsgottesdienste auf den Altären unserer drei Kirchen. Anlass dazu ist das Heilige Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus am 8. Dezember 2015 eröffnet hat und das bis zum Advent 2016 dauert. Barmherzigkeit klingt für uns etwas altmodisch, wie ein König, der seinem Untertan einen Gefallen gewährt. Dabei heißt barmherzig sein einfach, ein Herz für die Armen zu haben. So hat Gott ein Herz für uns Menschen. Mit dem Jahr der Barmherzigkeit sind vor allem die Vergebung und die Versöhnung verbunden, in einer Welt, die geprägt ist von Kriegen, Ungerechtigkeit und der Spaltung in eine bitterarme und in eine steinreiche Welt. Eine Ikone möchte uns verbinden mit dem Göttlichen und uns den Blick öffnen auf den Himmel. Dafür steht die goldene Farbe. Auf der Barmherzigkeitsikone ist in der Mitte Jesus Christus zu sehen in einer Mandorla, also einem mandelförmigen Umriss, umflossen von einer Quelle: Jesus ist uns Quelle des Lebens. In der linken Hand hält Jesus ein Buch. Die Bibel, das Wort Gottes, das Jesus uns offenbart und selbst ist: Die Buchstaben Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe im griechischen Alphabet und stehen für Anfang und Ende: Der Sohn Gottes, vor aller Welt gezeugt, ist auch am Ende der Welt bei uns, um uns das ewige Leben zu eröffnen. Mit der rechten Hand segnet Jesus. Aus dieser Mitte entspinnen sich sechs Kreise mit Bildern der Erzählung des barmherzigen Samariters (Lukas 10,30-35). Im ersten Bild links oben ist die versöhnte Einheit zerstört durch die Gewalt der Räuber, die den Mann halb totschlagen. Auch die Gleichgültigkeit, mit der Priester und Levit vorübergehen, Barmherzigkeitsikone - Versöhnungskirche in Taizé. Autor: Ateliers St. Jean Damascène, Frankreich zeigt das unbarmherzig Trennende zwischen den Menschen. Erst durch den barmherzigen Samariter entsteht Verbindung und Heilung, da er die Wunden verbindet und den Verletzten auf seinem Esel in eine Herberge bringt. Das letzte Bild zeigt die Einigkeit von dem geheilten Mann, dem Wirt und dem Samariter, vereint beim gemeinsamen Mahl. Auf Spruchbändern – von Engeln gehalten - steht aus dem Matthäusevangelium: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Auch durch die gleiche Farbe der Gewänder wird sichtbar, dass Jesus sich sowohl mit dem Mann identifiziert, der zum Opfer wird, als auch mit dem barmherzigen Samariter. Auch Jesus wird zum Opfer, um die Menschen zu erlösen. Und er ist der barmherzige Samariter, der hilft und rettet und Heilung ermöglicht. Die Ikone der Barmherzigkeit ist 2015 in Taizé entstanden. In diesem Jahr feierte die Brüdergemeinschaft den 100. Geburtstag ihres Gründers Frère Roger und das 75-jährige Bestehen der Gemeinschaft. Außerdem jährte sich der Todestag von Frère Roger zum zehnten Mal. Pfarrer Andres Krause Guckloch * 5* Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 6

Ecuador Erste Trockentoilette in Manglaralto Weihnachten 2014 haben wir in unserer Seelsorgeeinheit für ein Pilotprojekt in Manglaralto gesammelt. Es sollte zum ersten Mal eine Trockentoilette in Ecuador gebaut werden. Süßwasser wird an der Pazifikküste von Ecuador immer knapper. Daher kam die Idee, wertvolles Wasser möglichst nicht in der Toilette zu „verschwenden“. Toiletten sind aber unverzichtbar, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Nach längerer Standortsuche konnte man im Herbst 2015 endlich mit dem Bau anfangen und die erste Toilette -erbaut mit unseren Spendengeldernim Dezember mit einer Feier der Öffentlichkeit übergeben. Inzwischen konnte auch schon der erste Dünger „geerntet“ werden. Dieser Dünger ist ein wertvoller Nebeneffekt dieses Toilettensystems und kann an die Landwirtschaft verkauft werden. Harald Pfeiffer Volontariat in Ecuador „¡Hola! mein Name ist Anna Sophia Ernst. Nach meinem Abitur mache ich ab dem Sommer für mehrere Monate ein Volontariat in unserer Partnergemeinde in Ecuador, um dort den Alltag der Menschen zu erleben und mitzugestalten. Bedingt durch die beiden Erdbeben ist der genaue Beginn meines Praktikums noch nicht sicher. Während meines Aufenthalts werde ich auf der Homepage unserer Seelsorgeeinheit einen kleinen Blog führen, um Ihnen einen Einblick in das dortige Leben zu geben. (http://blog.kircheoberesmurrtal.de) Ich freue mich schon sehr auf die Zeit in Ecuador und bin gespannt, welche Eindrücke ich bekommen werde.“ 6 * Guckloch * Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 7

Ecuador Schlimmes Erdbeben April 2016 Es war das schwerste Erdbeben in Ecuador seit 1979. Mit einer Stärke von 7,8 erschütterte es am Samstag, 16. April, gegen 19 Uhr Ortszeit das Land. Mehr als 2500 Menschen wurden teils schwer verletzt, über 650 kamen ums Leben, Gebäude sind zum Teil komplett zerstört, Städte liegen in Schutt und Asche. Seit acht Jahren haben wir engen Kontakt und eine Partnerschaft mit der Krankenschwester Monika Steffel und der Missionsstation in Manglaralto. Jedes Jahr werden von hier aus zahlreiche Hilfsprojekte vor Ort unterstützt (siehe linke Seite). In Manglaralto hat es zum Glück nur Sachschäden und keine Verletzten und Toten gegeben. Die schwer getroffene Region Esmeraldas liegt aber nur 200 Kilometer entlang der Pazifikküste Richtung Norden. Direkt nach dem Erdbeben hat Monika Steffel angefangen, Lebensmittel aufzukaufen und Care-Pakete zu packen. Sie fährt regelmäßig in den Norden, um vor Ort Lebensmittel, Wasser und Medikamente zu verteilen und sich mit Ärzten um die medizinische Versorgung zu kümmern. Die dringendste Anfangszeit ist überstanden: Tote geborgen, Verletzte versorgt. Weiterhin braucht die Bevölkerung aber noch viel Unterstützung, auch wenn dieses Beben aus den Medien der Welt schon wieder verdrängt wurde. Da vor allem die Infrastruktur vielerorts völlig zerstört ist und Wasser und Strom nicht funktionieren, ist noch viel zu tun. Viele Gebäude müssen komplett abgerissen werden. Wichtig ist auch die psychologische Betreuung der traumatisierten Bevölkerung. In unseren Kirchengemeinden wurden in den Gottesdiensten und bei einem Vortrag Spenden für die Erdbebenhilfe gesammelt. Da immer jeder Euro an Spenden komplett und direkt überwiesen wird, konnte sich Monika Steffel bereits über den Eingang von über 2000 Euro freuen, um weiter Lebensmittel und Medikamente verteilen zu können. Wer diese direkte Erdbebenhilfe an Monika Steffel unterstützen will, für den steht das folgende Konto der katholischen Kirchengemeinde zur Verfügung: Katholische Kirchenpflege: Volksbank Backnang, DE26 6029 1120 0781 0100 39; Verwendungszweck: „Erdbebenhilfe Ecuador“ Harald Pfeiffer Ecuadorreise Januar 2017 Wir planen unsere zweite Reise nach Ecuador zu unserer Partnergemeinde in Manglaralto. Vom 13. - 27. Januar 2017 besichtigen wir in einer kleinen Reisegruppe die Andenstadt Quito, fahren an Vulkanen vorbei und lernen FairTrade-Projekte kennen. Nach einem Abstecher in den Dschungel besuchen wir für mehrere Tage unsere Freunde auf der Missionsstation und die vielen Projekte dort vor Ort. Wir werden viel über Land und Leute erfahren. Ein deutschsprachiger Reiseführer und Monika Steffel werden uns begleiten. Der Preis mit Flügen, Übernachtungen, Tranfers, Eintritten und den meisten Mahlzeiten liegt im Doppelzimmer bei ca. 2400,- Euro. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage. Oder Sie holen sich in unseren Pfarrämtern einen Prospekt der Reise mit allen Informationen. Guckloch * 7* Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 8

Miteinander in Murrhardt Vielfalt tut gut! Unter dieses Leitwort hat der Arbeitskreis Asyl seine vielen unterschiedlichen Tätigkeiten und Aktivitäten gestellt. Im Mai 2015 haben sich das erste Mal Männer und Frauen getroffen, um zu überlegen, wie ein gutes Miteinander in Murrhardt gestaltet werden könnte – noch bevor Geflüchtete hier angekommen waren. Bis zum Bezug der Unterkünfte in der Fritz-Schweizer-Straße, in Fornsbach und in Oberneustetten zwischen November 2015 und Ja- nuar 2016 war also noch genügend Zeit, sich in Untergruppen aufzu- teilen und ein wenig zu planen, was beim Ankommen helfen könnte. So wurden z.B. Stadtpläne mit den wichtigsten Stellen in Murrhardt erstellt und auf arabisch und eng- lisch übersetzt. Für die Ankunft der Geflüchteten wurden Speis und Trank vorbereitet, und wenige Tage später konnten sich die neuen Be- wohner bei einer Stadtführung mit ihrem neu- en Wohnort vertraut machen. Ehren- amt- liche erteilen Sprachkurse, kümmern sich um die medizinische Ver- sorgung, begleiten beim Gang zu Ämtern oder versuchen, über den Kontakt zu Unternehmen mögliche Arbeitsverhältnisse oder Prakti- ka zu vermitteln. Die Mobilität ist vor allem für die Bewohner der Unterkunft in Ober- neustetten schwierig. Mit großem ehrenamtlichen Einsatz und der Unterstützung der evangelischen Kirchengemeinde Murrhardt ist es möglich, unter der Woche einen Shuttle in die Stadt anzubieten. Das Ziel der Fahrradwerkstätten in Murrhardt und Oberneustetten ist es, Asylsuchenden gespendete Fahrräder nach evtl. nötigen Re- paraturen zur Verfügung zu stellen. Im April 2016 konnte zudem eine Filiale des Tafelladens in Oberneu- stetten für alle zum dortigen Einkauf Berechtigten eröffnet werden. Viele Kinder und Jugendliche besuchen inzwischen einen Kinder- garten oder die Vorbereitungsklassen in Fornsbach, Murrhardt oder Backnang. Um sich gegenseitig kennen zu lernen, fanden in den letzten Mo- naten einige Begegnungsfeste statt: Während der Faschingsferien in Oberneustetten und an Fronleichnam in Vordermurrhärle. Auch gemeinsame Kochaktionen beim interkulturellen Kochtöpfle oder in den Unterkünften ermöglichen unkomplizierte und vor allem ge- nüssliche Treffen, bei denen man ganz automatisch miteinander ins Gespräch kommt. Viele Vereine haben Asylbewerber zu ihren Trainingszeiten eingela- den, so dass einige der Asylsuchenden inzwischen ins Vereinsleben integriert sind. Auch wenn in den letzten Monaten durch den Einsatz von mehr als hundert Ehrenamtlichen vieles gelungen ist, bleiben doch einige Baustellen: Das Thema Mobilität vor allem zwischen Oberneustetten und Murrhardt ist nach wie vor aktuell. Außerdem haben inzwischen viele Asylsuchende eine Aufenthaltsbewilligung erhalten, so dass sie nun auf der Suche nach geeignetem Wohnraum sind. Auch hier unterstützen Ehrenamtliche bei der Suche. Wer eine Wohnung zur Vermietung anbieten kann, vorher aber noch Informationen und Beratung möchte, oder eine Anlaufstelle für Fragen braucht, kann sich mit der Flüchtlingssozialarbeiterin Sarah Lehmann in Verbin- dung setzen: lehmann.s@caritas-ludwigsburg-waiblingen-enz.de oder Tel. 0151/70901166. PR Martina Fuchs 8 * Guckloch * Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 9

Zeltlager 2016 Magische Woche Auch dieses Jahr hieß es in den Pfingstferien wieder: Koffer packen und auf ins Zeltlager nach Oberginsbach. Vom 21. bis 28. Mai bedeutete es dieses Jahr eine Woche Spaß und gute Laune ganz im Sinne der Zauberei. Denn das Pfingstlager stand dieses Jahr unter dem Motto „Hogwarts und das Trimagische Turnier“. Es wurden Besen und Zauberstäbe gebaut, gebadet, Quidditch gespielt und viel zusammen gelacht. Nächtliche Überfälle konnten in Zauberermanier abgewehrt und die Fahne verteidigt werden. Dem schlechten Wetter wurde getrotzt und schon nach zwei Tagen kam wieder die Sonne und begleitete das Zeltlager die letzten Tage. Am großen Abschlussabend wurde gemeinsam ein Festbankett vorbereitet und bei der anschließenden Zaubererparty konnte zusammen gefeiert werden. Wir hatten eine wundervolle Woche und das ganze Zeltlagerteam bedankt sich bei allen Kindern, die in diesem Jahr mit dabei waren und freut sich schon darauf, wenn es im nächsten Jahr dann wieder heißt: auf ins Pfingstlager 2017! Melanie Weber Guckloch * 9* Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 10

70 Jahre Kirchenmusik Jubiläum Kirchenchor „Wer singt, gewinnt an Lebensqualität und ist gesünder“, so ist ein Zeitungsartikel von Götz Thieme in der Stuttgarter Zeitung vom 21.05.2016 überschrieben. Und so singen seit 70 Jahren Sängerinnen und Sänger unserer Kirchengemeinde im Kirchenchor, um Gottesdienste festlich mitzugestalten. Aber nicht nur in Gottesdiensten wird gesungen. Hin und wieder wirkt der Chor auch bei Benefizkonzerten mit oder auf ökumenischer Basis mit den Chören der anderen Kirchen. Pfarrer Dressler, der im April 1946 nach Murrhardt kam, gründete im Juni 1946, unter Beteiligung des Ehepaars Knoll den Kirchenchor mit ca. 20 Sängerinnen und Sängern. So kommt es, dass unser Chor älter ist als die Kirchengemeinde St. Maria, denn die wurde erst 1951 gegründet. Bis dahin wurden die katholischen Gläubigen aus Murrhardt von der Seelsorgestelle Oppenweiler betreut. Als Chorleiter/innen haben in diesen Jahren, außer Felix Knoll, Rudolf Marx, Ferdinand Unsöld, Gisela Jakubek und seit 2010 Monika Koblinger den Chor maßgeblich geprägt. Der Chor 70-jähriges Kirchenchorjubiläum Juli 2016 besteht derzeit aus 30 aktiven Sängerinnen und Sängern. Singen fördert an sich schon das vertraute Miteinander. Trotzdem gibt es immer wieder Anlässe, sich außerhalb der Proben zu treffen: So zum Beispiel bei den traditionellen Grillfesten im Juli, dem Nikolausfest im Dezember oder zu den „Ausfahrten“, die z. B. nach Rottenburg, Regensburg, Wertheim und Esslingen führten. Erwähnt seien auch die Chorfreizeiten, die alle 2 Jahre durchgeführt werden, bei denen intensiv geprobt, aber auch die Geselligkeit gepflegt wird. Am Sonntag, dem 3. Juli 2016, feierte der Chor nun sein 70-jähriges Jubiläum. Im Festgottesdienst war die Orgelsolomesse Missa Brevis in C, KV 259 von Wolfgang Amadeus Mozart zu hören, unter Mitwirkung von Kirchenchor, Solisten und Kammerorchester Murrhardt sowie Rudolf Marx an der Orgel. Die Gesamtleitung hatte Monika Koblinger. Das Singen muss, wie auch diverse Sportarten, kontinuierlich eingeübt und trainiert werden. Dazu dienen die wöchentlichen Proben (dienstags von 20.00 Uhr bis 21.30 Uhr in der Kirche St. Maria), zu denen jeder, der gerne singt, herzlich eingeladen ist. Denn „Singen ist gesund!“ Monika Franke 20-jähriges Kirchenchorjubiläum 1956 40-jähriges Kirchenchorjubiläum 1976 Diese und andere historischen Aufnahmen finden Sie auf unserer Homepage beim Kirchenchorjubiläum 10 * Guckloch * Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04 „Der Messias“ 1979

[close]

p. 11

Kirche unter der Lupe Tabernakel in Sankt Paulus Die Tabernakelstele hat wie der Altar und der Ambo eine Funktion zu erfüllen, denn sie trägt und hält den eigentlichen Tabernakelschrein. Er wurde 1984 von der Firma Kunstguss Süßen gegossen. Der Tabernakel im 1984 neu gestalteten Altarbereich in unserer Kirche St. Paulus in Sulzbach zeigt die Bekehrung des Saulus. Der Künstler Reinhard Vershege stellt hier die Szene der Apostelgeschichte dar, in der Saulus seinen Sturz erlebt: „Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte. „Saul, Saul, warum verfolgst Du mich?“ Er antwortete: „Wer bist du, Herr?“ Dieser sagte: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ (Apg 9,3-5)“ Diesen dramatischen Wendepunkt des Christenverfolgers zum späteren Apostel Paulus setzt der Künstler hier dramatisch in Szene. Die Verwandlung vom Saulus zum Paulus der sich vom Licht geblendet, Halt suchend, zu Boden wirft - steht sinnbildlich für das verwandelte Brot, das im Tabernakel aufbewahrt wird und auch uns beim Empfang verwandeln soll. Guckloch * 11* Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 12

Kirchweihjubiläum 2016 60 Jahre Kirche St. Paulus Notkirche in der Schirmfabrik Schott & Roth Fleißige Hände vom Bau der Kirche (Friedhofsmauer Richtung Friedhofstraße) 60 jähriges Jubiläum St. Paulus Kauf des Bauplatzes 1953. Bau der Kirche von 1954 - 1956. Grundsteinlegung am 25. Juli 1955 Einweihung am 14. - 15. Juni 1956 Glockenweihe am 28. Oktober 195 Erweiterung Gemeindesaal 2002 - Wortlaut der Urkunde vom 24. Ju Murr für den Grundstein der Paulus Im Namen der Allerheiligsten Drei des Sohnes + und des Heiligen Gei Apostelfürsten Paulus + ... Rohbau; Ansicht von der Friedhofstraße hoch zur Kirche Rohbau; Innenansicht Altarraum Grundsteinlegung 25. Juli 1955 Gut besuchter Gottesdienst bei der Grundsteinlegung 12 * Guckloch * Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 13

s - Sulzbach an der Murr 5. 6. 56. 2003. uli 1955 - Sulzbach an der skirche: ifaltigkeit des Vaters + und istes + zu Ehren des Grundsteinlegung mit Segnung und Weihe Auszug aus der Kirche zur Glockenweihe Kirchenchor zur Einweihung der Glocke Glockenweihe Silvia Oesterle & Karin Müller Baustelle Paulussaal vom Friedhof aus gesehen 2002 Baggerbiss für Erweiterung von Gemeindesaal & Jugendräumen (Paulussaal) 2002 ... Unter den 2704 Einwohnern Sulzbachs im Jahre 1939 waren es 19 Katholiken. In den Jahren 1939/1945 kamen infolge des unseligen Krieges zahlreiche heimatvertriebene Katholiken nach Sulzbach. 1955 waren unter den 3785 Einwohnern 650 Katholiken. Es wurde der Gottesdienst zuerst in einem Saal der Roth‘schen Schirmfabrik gefeiert. Seit Ostern 1954 fand der Gottesdienst am Sonntag gastweise in der evangelischen Kirche statt. Die ersten Seelsorger waren Heimatvertriebene aus Schlesien, Sudetenland und Jugoslawien. Im Frühjahr 1953 wurde der Bauplatz gekauft. Guckloch * 13* Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 14

Kirchenblog von Markus Brauer Religion & Glaube 2050 Der Autor Markus Brauer hat sich in seinem Kirchenblog (www.stutt- garter-nachrichten.de) und in diversen Artikeln (u.a. Sonntag Aktuell März 2016) interessante Gedanken zu der Zukunft des Glaubens in Deutschland gemacht. In den letzten Jahrzehnten wurde immer wieder der Untergang der Religionen verkündet. Trotzdem werden Glaube und Spiritualität immer wichtiger - weltweit und in Deutschland. Deutschland 2050: Werden wir ein politisch gespaltenes Land sein, gesellschaftlich zerrissen, demografisch überaltert, wirtschaftlich am Abgrund? Oder wird alles anders sein? Wie entwickelt sich Deutschland religiös? Welche spirituellen Trends sind auszumachen; hat Glaube eine Bedeutung? Markus Brauer gibt dazu in verschiedenen Bereichen einen Ausblick. Religiöse Statistik: Ein US-Institut sieht 2050 die Muslime (2,76 Mrd.) fast gleichauf mit den Christen (2,9 Mrd.). Der Hinduismus gewinnt (900 Mio.), der Buddhismus bleibt in dieser Prognose gleich (500 Mio.). Das gilt auch für Konfessionslose und Atheisten. Einen Trend sieht Brauer in der „Säkularisierung“ des Glaubens; gemeint ist die Verweltlichung der Welt, die Abkehr vom Glauben an ein Jenseits und Lockerung religiöser Bindungen. 1960 gingen fast zwölf Millionen Katholiken sonntags in die Messe. 2014 waren es noch 2,6 Millionen katholische Gläubige. Wenn der Trend anhält, werden es 2050 nur noch 1,5 Millionen sein. Parallel findet eine schleichende Entchristlichung der Gesellschaft statt. Die Kirchenbindung erodiert, das Glaubensleben erlahmt, das christliche Profil verblasst. Das Modell der Volkskirche verliert rapide. Ein weiterer Trend ist die Individualisierung des Glaubens, weg vom religiösen Bekenntnis, hin zu einem laxen, gesellschaftlich unverbindlichen und nebulösen Glaubensverständnis. Brauer schreibt: „Die Überzeugungen erodieren, das Wissen um die Traditionen schwindet, der Glaube verliert an Bindungskraft. Die Deutschen werden auch 2050 keine bekennenden Atheisten oder militante Religionsgegner sein, sondern mehrheitlich lauwarme und halbherzige Christen, die irgendetwas für wahr halten. Der Trend geht zur religiösen Individualisierung und Popularisierung – zum Glauben light!“ Die Kirchenbindung wird weiter abnehmen: 2014 sind 217 716 Menschen aus der Katholischen Kirche ausgetreten, so viele wie noch nie. Bei den Protestanten sieht es noch schlechter aus. Beim Kirchenbesuch sieht es nicht besser aus. Die Glaubens- und Kirchenkrise ist im Kern eine religiöse Bildungs- und Traditionskrise. Das Wissen um den Glauben wird sich in den nächsten Jahrzehnten in einem atemberaubenden Tempo verflüchtigen - bei vielen bis zur Bedeutungslosigkeit. Der Trend zur kleinen Herde wird sich unaufhaltsam fortsetzen. In dieser Entwicklung bilden Caritas und Diakonie einen Grundpfeiler der kirchlichen Verkündigung. Sie stiften Identität nach innen und nach außen, stehen für Solidarität und vermitteln der Gesellschaft wie dem Einzelnen das gute Gefühl sozialer Geborgenheit. Die Kirchen werden als Vermittler moralischer Wertvorstellung und Garanten von Solidarität und Subsidiarität (Förderung der Eigenleistung und Selbstbestimmung) wahrgenommen. Daher wird das soziale Engagement das kirchliche Profil noch stärker als bisher bestimmen. Freizeit und Sport werden zu der neuen Religion in unserer offenen Gesellschaft. Dieser pseudo-religiöse Trend verschiebt die Sinn- und Seligkeitserfahrung vom Himmel auf die Erde. Das Jenseits wird im Diesseits - und nur hier - erfahrbar und erlebbar. Der Reiz nach immer Neuem, der „Kick“ und Nervenkitzel wird zum Religionsersatz. Weil das Leben aber endlich ist, müssen die Anhänger dieser säkularen Selbsterfahrungstrends daher Tempo machen, um ja nichts zu verpassen. Markus Brauer zeigt so noch in anderen Bereichen Entwicklungen und Tendenzen im Zusammenhang mit Glaube und Religion auf. Wenn Ihr Interesse geweckt ist, kann ich seinen Blog wirklich nur empfehlen. Sicher stehen der Kirche und den Gemeinden keine leichten Jahre bevor. Es gilt aber, Tendenzen zu erkennen, um mit ihnen umgehen zu können und sich auf seine Stärken zu besinnen. Denn die sind vorhanden, aber mit lauter Sorgen vor Augen verliert man sie schnell mal aus dem Blick. Harald Pfeiffer 14 * Guckloch * Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

p. 15

Aus einem noch ungeschriebenen Zukunfts-Roman SE Oberes Murrtal 2050 Sie standen beide unter dem Dach und sahen, wie die Wassertropfen in die Tiefe fielen, um unten in einer riesigen Pfütze auf dem Steinboden zu zer- platzen. In das Gebäude war seit 15 Jahren nicht mehr investiert worden. Es gab kein Geld mehr. Paul Lus‘t und Timo Theus waren Arbeiter vom städtischen Bauhof, beauftragt, das Schlimmste zu vermeiden. Sie warfen eine Plane über die undichte Stelle. „Kommst du heut Abend?“ Timo nickte mit dem Kopf. „Dann besprechen wir, was wir machen.“ Es war bedrückend. Lydias Zuhause war eine umgebaute Werkhalle, Platz genug für die abendliche Versammlung. Heute waren sie nur zu siebt, manchmal waren sie bis zu 24. Eigentlich wären sie noch ein paar mehr. Aber vor 30 Jahren gab es eine Spaltung nach dem Konzil, bei dem viele Forderungen nicht umgesetzt wurden. Ein Riss ging quer durch die Kirche, am tiefsten in Deutschland. Viele Bischöfe sagten sich von Rom los, bildeten eine neue Kirche, ohne Papst, ohne Zölibat, geweihtes Amt für Frauen, Leitung der Gemeinden durch ehrenamtliche Laien, kein Kirchenrecht mehr, statt Seelsorgeeinheiten wieder die alten Gemeinden. Diese waren mangels immer noch zu weniger Priester, aber auch zu weniger Ehrenamtlicher nicht lebensfähiger. Nach 13 Jahren war die neue Kirche in sich zerstritten; Machtkämpfe und Interessenkonflikte gab es mehr denn je. Ihre Mitglieder zerstreuten sich. Paul war nach langem inneren Ringen in der „alten Kirche“ geblieben. Priester gab es nur noch in ein paar Großstädten, Pastoral- und Gemeindereferenten und -referentinnen nirgends mehr. Es gab kein Geld, um sie zu bezahlen. Außerhalb der Großstädte gab es im Amt nur noch Männer wie Paul: kein Gehalt, ziviler Beruf, um den Lebensunterhalt zu verdienen, Diakone im Zivilberuf. Timo kam verspätet zur Versammlung. Er kümmerte sich nach Feierabend um die Ärmsten in der Stadt. Und da gab es immer mehr als genug zu tun. „Wir werden aus Sicherheitsgründen nicht einmal mehr Ostern in unserer Kirche feiern können!“ Mit diesen Worten eröffnete Timo das Treffen. „Das Dach ist undicht, das Risiko, dass die ganze Decke runterkommt, zu hoch.“ Es war ein weiterer Schlag gegen die Hoffnung wider die Hoffnungslosigkeit. Am nächsten Tag gingen Timo und Paul nach Feierabend bedrückt zum Fußball. Einen Verein gab es nicht mehr. Der Platz wurde, wie die Kirche daneben, noch notdürftig gepflegt. Aber das Spiel war nicht tot zu kriegen, es brauchte nur einen Platz und einen Ball. Spieler fanden sich immer. Unter ihnen ein zwölfjähriger Junge, Phil, aufgeweckt, viele Fragen stellend, mit Tiefgang, auch zu einfachsten Dingen. Sein Blick ein suchender und zugleich erwartender, als ob hinter allem ein großes Geheimnis stecke. Timo und Paul mochten ihn. Vor dem Spiel vollzogen Timo und Paul immer ein merkwürdiges Ritual. Phil hatte schon oft verwundert schweigend zugesehen. Heute machte er den Mund auf: „Warum berührt ihr euch mit der Hand immer so komisch an Kopf, Schultern und Brust?“ „Das ist eine lange Geschichte!“ Timo schaute mit bedeutungsvollem Blick zu Paul. „Du willst eine Antwort?“ „Ja!“, gab Phil bestimmend zurück. „Die kriegst du!“, erwiderte Timo, „aber nicht heute!“ Paul schaute Phil fordernd an: „Wenn du das verstehen willst, musst du es erst selber ein paarmal tun!“ „Ich werde es dir erklären, wenn du es mindestens vor sieben Spielen gemacht hast!“ Timo wartete auf seine Reaktion. „Einverstanden.“ Phil vollzog dieses merkwürdige Zeichen und dann stürmte er los, auf den Ball zu, um das Spiel zu beginnen. Die Tage vergingen. Als die Versammlung begann, war es schon dunkel. Herbst! Sie waren heute nicht drei, und auch nicht 24. Sie waren heute einer mehr. Phil war stolz! Er war zum ersten Mal zu einem dieser merkwürdigen Treffen eingeladen. Er spürte, dass noch viele weitere Fragen von ihm zu stellen wären! Er strahlte. Auch Paul Lus‘t und Timo Theus strahlten - der Schmerz über die verfallende Kirche tat nicht mehr ganz so weh. Paul legte sein Gewand an und wickelte seine Stola quer über die Schulter. Acht Jahre war es jetzt her, seit er geweiht worden war. Die Kirche hatte sich verändert. Alles war anders gekommen, als viele gehofft hatten. Aber sie war wie der Fußball nicht tot zu kriegen - es ging weiter! Heute war der Tag, an dem Phil sich taufen lassen wollte. Diakon Harald Sittart Guckloch * 15* Das Katholische Magazin im Oberen Murrtal * Ausgabe 04

[close]

Comments

no comments yet