Unterwegs auf dem Pilgerrundweg Bernhardspfad

 

Embed or link this publication

Description

Ein Pilgerheft mit Informationen und spirituellen Impulsen für den Weg

Popular Pages


p. 1

UNTERWEGS AUF DEM PILGERRUNDWEG BERNHARDSPFAD Rund um das ehemalige Zisterzienserkloster Lehnin Ein Pilgerheft mit Informationen und spirituellen Impulsen für den Weg

[close]

p. 2

2

[close]

p. 3

Doch darin besteht das Wunderbare, dass niemand dich suchen kann, der dich nicht schon gefunden hat. Du willst also gefunden werden, damit man dich sucht, und gesucht werden, damit man dich findet. Bernhard von Clairvaux UNTERWEGS AUF DEM PILGERRUNDWEG BERNHARDSPFAD Rund um das ehemalige Zisterzienserkloster Lehnin Die gesamte Strecke (35 km) Lehnin „ Nahmitz „ Netzen „ Trechwitz „ Damsdorf „ Nahmitz „ Lehnin „ Rädel „ Emstal „ Lehnin Die nördliche Strecke (21 km) Lehnin „ Nahmitz „ Netzen „ Trechwitz „ Damsdorf „ Nahmitz „ Lehnin Die südliche Strecke (14 km) Lehnin „ Rädel „ Emstal „ Lehnin Pilgern in leichter Weise (10,4 km) für Menschen mit Einschränkungen Lehnin „ Rädel „ Emstal „ Lehnin 3

[close]

p. 4

INHALT Bernhard von Clairvaux und die Zisterzienser ....................................... 6 Der Zisterzienserorden in Lehnin............................................................... 7 Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten am Wegesrand.................. 8 Die Kirchen am Weg des Bernhardspfades.............................................12 Die Klosterkirche St. Marien zu Lehnin................................12 Die Kirche in Nahmitz...............................................................14 Die Kirche in Netzen.................................................................14 Die Trechwitzer Kirche ............................................................14 Die Kirche in Damsdorf............................................................ 16 Die Kirche in Emstal.................................................................. 17 Die Kirche in Rädel.................................................................... 18 Ein Pilgertag für Menschen mit Behinderung........................................ 20 Wegbeschreibung .................................................................... 20 Eine kreative Idee für den Weg ............................................. 21 Pilgern wie wir geschaffen sind............................................. 22 Gott beschützt mich! Immer und überall! .......................... 23 Andacht........................................................................................24 Meditatives Bibellesen................................................................................. 25 Psalmen essen............................................................................ 25 Psalmen für Pilger......................................................................................... 26 Texte aus dem neuen Testament............................................................... 29 Die Bergpredigt (Matthäus 5,1–7,29).................................... 29 Texte von Bernhard von Clairvaux............................................................ 31 Bernhard von Clairvaux an Papst Eugen III.: Betrachtungen (Auszüge)........................................................ 32 Spirituelle Übungen auf dem Weg............................................................ 38 Pilgersegen......................................................................................................40 Lieder auf dem Weg.......................................................................................42 Anreise nach Lehnin......................................................................................43 Impressum .......................................................................................................43 Wanderkarte auf der Rückseite 4

[close]

p. 5

EINLEITUNG Pilgern erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Nicht nur – und nicht einmal überwiegend – in kirchlichen Kontexten taucht Pilgern seit längerer Zeit als attraktives Thema auf, das Junge wie Alte buchstäblich auf die Beine bringt. Es ermöglicht, Abstand vom Alltag zu gewinnen, sich und sein Leben neu ordnen zu lassen. Viele Menschen erleben diese Unterbrechung heilsam. Eine alte Tradition erlebt ihre Renaissance. Hinter der heutigen Pilgerpraxis steht der Wunsch nach körperlicher und spiritueller Erfahrung in einer zunehmend abstrakter werdenden Lebenswelt. Pilgern ist eine uralte, aber trotzdem zeitgemäße Form von Spiritualität und eine Besinnung auf Traditionen. Pilgern, ist „Beten mit den Füßen“ und Pilgern bedeutet zugleich eine erfrischende Kombination aus Ortswechsel, Stoffwechsel, Wortwechsel. Spirituelle Impulse, die einem auf einer Pilgerwanderung begegnen, wirken oftmals noch lange nach, helfen bei der Gestaltung des Lebens, bei Entscheidungen oder in Klärungsprozessen. Touristen- und Pilgergruppen, die sich den Bernhardspfad erlaufen möchten, wird eine Übernachtung in der Pilgeretage oder im Gästehaus des Klosters Lehnin empfohlen. Das Pilgerheft bietet Informationen über den Weg, die Geschichte der Kirchen und Anregungen & Impulse für den Weg und zu Andachten in den Stationskirchen. Der Pilgertag könnte mit einer morgendlichen Besinnung in der Klosterkirche St. Marien zu Lehnin beginnen. Im Vorfeld des Pilgertages können Sie versuchen, die Schlüssel für die Besichtigung der Stationskirchen zu organisieren. Jedes Gotteshaus ist für sich ein Ort fürs Ausruhen und Innehalten, für Stille und Gebet. Und jedes hat seine Besonderheit: die Trechwitzer Knobelsdorff-Kirche mit dem wunderschönen schwebenden Taufengel, die Damsdorfer Kirche mit dem beeindruckenden Triptychon des zeitgenössischen Malers Peter Schubert, die Dorfkirche in Rädel mit ihrer liebevoll restaurierten Schuke-Orgel oder die kleine Kirche in Emstal, die mit symbolischer Aussagekraft auf dem Berge liegt. Am Abend wieder in Kloster Lehnin angekommen, können sie den Tag ausklingen lassen bei einem guten Essen im Klosterhof, im Hotel Markgraf oder in der Zille-Stube. Nach einem erholsamen Schlaf und einem guten Frühstück kehren Sie dann wieder an Leib und Seele erfrischt nach Hause. Letztlich dürfte das Pilgern auch unter ökonomischen Gesichtspunkten eine günstige Variante touristischer Reiseformen darstellen. Der Austritt aus dem Alltag, das Unterwegssein und der Eintritt in ein spirituelles Lebensmuster sind gratis. 5

[close]

p. 6

BERNHARD VON CLAIRVAUX UND DIE ZISTERZIENSER Otiosum non est vacare deo, sed negotium negotiorum omnium. Leer werden für Gott – das ist nicht Müßiggang, nein, es ist die wichtigste aller Beschäftigungen. Statue des Heiligen Bernhard von Clairvaux, Pfarrkirche St. Michael, Mondsee (Oberösterreich) Der Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153) war die geistlich prägende Gestalt des europäischen Mittelalters, ein leidenschaftlicher Gott-Liebhaber und ein Verkünder der Liebe Gottes wie der Menschenliebe. Wie auch viele Menschen heute, war Bernhard ein Mensch der Sehnsucht. Wer seine Meditationen und Texte auf sich wirken lässt, begegnet einem Menschen, der ehrlich genug ist, um aus seiner eigenen Unruhe und Bedürftigkeit nach einer Wendung nach innen keinen Hehl zu machen. Der Einfluss diese großen Mystikers war so groß, „dass man bis heute das zweite Viertel des 12. Jhd. als das ‚Bernhardinische Zeitalter‘ bezeichnet. Bernhard war nicht nur ein streng asketischer Mönch gemäß dem zisterziensischen Klosterideal, sondern als aufrüttelnder Prediger sowie gesuchter Berater von Päpsten, Bischöfen, Fürsten und Königen. Seine vielen theoretischen Abhandlungen, Briefe und Predigttexte sind einzigartige Dokumente seiner hohen schriftstellerischen Begabung. Erasmus von Rotterdam hielt Bernhard für einen der zehn besten Schriftsteller der Christenheit. Seine berühmte Zeitgenossin Hildegard von Bingen nannte ihn die Posaune Gottes“. (1 Und selbst der nicht gerade für seine Verehrung Heiliger berühmte Reformator Martin Luther sah in Bernhard ein leuchtendes Vorbild für Theologen und Prediger. Bernhard von Clairvaux wurde 1090 als drittes der sieben Kinder des Burgherren Tescelin von Fontaines-lés-Dijon und der Aleth von Montbard geboren. 1112 bildete er mit etwa 30 Verwandten und Freunden eine „Mönchsgemeinschaft“ in seinem Elternhaus, mit der er 1113 in das nahegelegene burgundische Reformkloster Cîteaux eintrat. 1115 wurde er zur Gründung des Tochterklosters Clairvaux in der Champagne ausgesandt. 38 Jahre, bis zu seinem Tod, war er Abt dieses Klosters, das in dieser Zeit ein geistiger Mittelpunkt des Abendlandes wurde. Das Persönlichkeitsbild Bernhards ist durchaus widersprüchlich: einerseits verdankt ihm die westliche Christenheit einen Schatz an Texten mystischer Frömmigkeit, auch gilt Bernhard als vorbildlicher Seelsorger und weiser Wirtschafter, andererseits lässt er sich selbst als Prediger der Kreuzzüge einspannen. Dennoch ist es wohl letztlich die Sehnsucht nach einem Leben in der Gegenwart Gottes, die ihn erfüllt. (1 In: Traugott Ohse, Voll Güte bist Du, Herr, Beten mit Bernhard von Clairvaux, Hrsg. von der Gemeinschaft Evangelischer Zisterziensererben im Selbstverlag. Im Buchhandel leider nicht erhältlich. 6

[close]

p. 7

Die gültige Bedeutung der Erfahrungen und Gedanken Bernhards erschließen auch heute noch den Suchenden den Sinn und die Mitte des Lebens. „Wenn einer seinen Gott gefunden hat, wird er nicht ablassen, ihn zu suchen. Nicht mit flüchtigem Fuß, sondern mit der Sehnsucht des Herzens. Die Seligkeit des Findens löscht die heilige Sehnsucht nicht aus, sondern entfacht sie von Neuem.” Bernhard von Clairvaux Kloster Lehnin, Elisabethhaus DER ZISTERZIENSERORDEN IN LEHNIN Die Abtei Lehnin wurde 1180 als erstes Kloster des Zisterzienserordens in der damaligen Mark Brandenburg gegründet. Seinen Ursprung hat der auch heute noch weltweit existierende Orden im südfranzösischen Cîteaux, als dort im Jahre 1098 einige Brüder des Benediktinerordens ein neues Kloster gründeten, um sich in dessen Mauern einem Leben in strenger Befolgung der Regeln des hl. Benedikts zu widmen. Das zunächst im Sinne eines einzelnen benediktinischen Reformklosters gegründete Cîteaux erhielt jedoch so viel Zuspruch und Zulauf, dass bald weitere Klöster nach diesem Modell gegründet wurden und sich nach und nach ein eigener Orden entwickelte. Noch heute erinnert der Name Zisterzienser aber an dieses erste Kloster in Cîteaux, das mit lateinischem Namen ‚Cistercium‘ heißt. Die Zisterzienser suchten ein Leben in Einfachheit. Einfache Kleidung, bescheidene Ernährung, Erwerb des Lebensunterhaltes durch Handarbeit und Landwirtschaft gehörten zu den selbstauferlegten Regeln genauso wie die Forderung, die Klostergebäude und die Klosterkirchen in einfachen Formen zu errichten. In der Lehniner Klosterkirche sind diese Ideale gut wiederzufinden. Sie hat keinen Kirchturm sondern lediglich einen Dachreiter auf der Vierung, der die bescheidenen Glocken trägt, sie hat keine bunten Ausmalungen und keine bunten, bildlich gestalteten Fenster. Mit ihrer persönlich bescheidenen Lebensweise und durch immer wieder erfolgte Schenkungen an die Gemeinschaft wuchs allerdings der Wohlstand des Klosters sehr. So gehörten auch alle Dörfer, durch die der Pilgerweg Bernhardspfad führt, einstmals zu den Besitzungen des Klosters Lehnin. 7

[close]

p. 8

Der Klostersee bei Nahmitz BESONDERHEITEN UND SEHENSWÜRDIGKEITEN AM WEGESRAND von Lutz Manzke Das spirituelle Erlebnis sollte gut vorbereitet werden. Die gut 35 km lassen sich nur schwer an einem Tag schaffen. Daher sollte man eine Übernachtung einplanen. Ein guter Ausgangspunkt für die Pilgertour ist die ehemalige Zisterzienserabtei Kloster Lehnin, das zwischen der nördlichen und südlichen Runde des Pilgerweges liegt. Auf diesem weiträumigen Gelände und können während eines Besuchs im Museum etwas über die wechselhafte Geschichte der Klosteranlage erfahren. Nach einer Übernachtung beginnen Sie morgens Ihre Pilgerwanderung auf dem Bernhardpfad. Der Emster Kanal verbindet die drei Seen der Gewässerkette mit der 15 km weiter nördlich gelegenen Havel und reicht im Süden bis an den Ortsrand von Lehnin. Hier, im einstigen Ziegeleihafen, dem „Kessel“, endet dieser gut 16 km lange Kanal. Er wurde 1871 eröffnet und war eine wichtige Wasserstraße für die Holz und Ziegeltransporte aus der Region in Richtung Potsdam und Berlin. Heute ist diese Gewässerkette ein beliebtes Ziel für Sportschiffer und Paddler und Paddlerinnen. DIE NORDROUTE Die nördliche Teilstrecke ist gut 21 km lang. Sie beginnt auf dem Klostergelände in Lehnin und führt durch ebenes Gelände durch das Naturschutzgebiet Rietzer See vorbei an vier Dorfkirchen in Nahmitz, Trechwitz, Damsdorf und Netzen zurück nach Lehnin. Beginnend in Lehnin geht der Weg entlang der "Brandenburger Allee" einem Weg, den schon die Mönche in Brandenburg nutzen. Direkt vor einer Brücke kommt man über den gepflasterten Weg nach etwa 600 m an das Ufer vom Klostersee. Der Weg führt linker Hand über eine kleine, blaue Brücke, links dahinter verbirgt sich ein gepfleg8

[close]

p. 9

ter Friedhof, auf dem seit 1911 viele Lehniner Diakonissen beigesetzt wurden. Es geht dann durch recht sandige Kiefernflächen nach Nahmitz. Leider ist mit diesem Ort auch ein Stück friedloser Ortsgeschichte verbunden: Hier kam der damalige Abt des Klosters Sibold ums Leben, der von wütenden Nahmitzer Bauern im frühen Mittelalter erschlagen wurde. Dieser blutige Angriff der „heidnischen“ Bevölkerung wurde zum Vatikan gemeldet und 25 Bewohner von Nahmitz wurden hingerichtet. Weiter geht es quer durch den Ort Nahmitz bis zur Kirche. Zwischen Nahmitz und Damsdorf geht es durch eine ausgedehnte Niederung, die bis etwa 1860 eine feuchte sumpfige Wiese war. Erst als nach 1860 auf dem angrenzenden Trechwitzer Berg, heute Trechwitz Siedlung, die Eichen abgeholzt wurden und zu Bauholz verarbeitet wurden, wehte der Wind den Sand vom Hügel in die angrenzende Niederung und es entstand in wenigen Jahren wertvolles Ackerland. Der Ort Damsdorf ist geprägt von den vielen Siedlungshäusern der Gärtner die nach 1920 hier angesiedelt wurden. Nach dem Besuch der Kirche geht es dann hinter dem Dorf entlang der Straße bis nach Trechwitz. Es wurde 1186 erstmals erwähnt und ist eines der alten Klosterdörfer. Bis zu einem Brand stand das Dorf etwa 1 km weiter westlich, nahe dem Ufer des heutigen Strengsees. 1408 zogen die Quitzows, ein Raubrittergeschlecht, gegen das Kloster und brannten viele Klosterdörfer nieder, so brannte auch Trechwitz 1408 völlig nieder. Die Kirche in Trechwitz bietet einen ersten Höhepunkt mit ihrer reichen Ausstattung und ihrer langen Geschichte. Sie wurde nach dem Brand am heutigen Ort aufgebaut und 1750 vom damaligen Gutsbesitzer Ludolff-Ehrenreich von Rochow nach Plänen des bekannten Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff erweitert. Die reiche Ausstattung der Kirche geht auf eine Wette zurück, der Gutsbesitzer wollte die „dickste Kirche der Region” schaffen. Damals entstand auch die Gruft unter dem Altar, die Reste wurden im Herbst 2015 saniert. Caroline-Juliane von Knobelsdorff, eine Tochter des Baumeisters, war mit dem Gutsbesitzersohn Bodo Wigant von Rochow verheiratet und an dieser Kirche im ausgehenden 18. Jhd. beigesetzt worden. Familienwappen zieren heute noch die Patronatsloge in der Kirche. Der lebensgroße schwebende Engel aus Eichenholz und die älteste Glocke der Mark von 1233 und die voll funktionstüchtige Heiseorgel von 1829 sind Besonderheiten in dieser Kirche. Der schwebende Engel in der Trechwitzer Kirche 9

[close]

p. 10

Es geht auf der Wanderung weiter durch den Ort und die etwa 1 km lange Allee bis zum Netzener See. Hier im Naturschutzgebiet Rietzer See sind sumpfige Wiesen vorherrschend, salziges Wasser vom einstigen Zechsteinmeer gelangt aus dem Untergrund bis an die Oberfläche und prägt Flora und Fauna. Diese Binnensalzstellen sind hier eine geologische Besonderheit. Das angrenzende große Moorgebiet ist heute durch den Strengsee überflutet und ein wertvolles Vogelreservat (SPA) mit einem Vogelbeobachtungsturm auf der Westseite. Vom Emster Kanal geht es auf dem Lehrpfad Netzen weiter zur Kirche nach Netzen. Auf dem Weg zur Kirche findet man noch eine der letzten gut erhaltenen Pflasterstraßen, die bis vor wenigen Jahrzehnten in vielen Dörfern vorherrschend waren. Viele der Orte hatten Ziegeleien und so landeten die Fehlbrände als Pflastersteine auf der Straße und prägten so das Gesicht vieler Orte. Weiter geht es durch die Bungalowsiedlung von Netzen. Nach Durchquerung des Kiefernwaldes erreicht man Nahmitz mit der kleinen Dorfkirche im Zentrum. Im Süden grenzt der 36 ha große Klostersee an den Ort. Von der Kirche aus geht es weiter nach Osten in Richtung Autobahn durch die Alte Göhlsdorfer Straße bis zum Ortsausgang, hier biegt der Weg rechts ab und führt durch die Klosterheide am Ostufer des Sees nach dem Strandbad, vorbei am „Ufercafé am Klostersee” und dem „Institut für Kultur und Handwerk” mit der Skulpturengalerie (www.gaestehaus-am-Klostersee.de) bis nach Lehnin. Nach etwa 1,5 km gelangt man wieder zum Ausgangspunkt im Klostergelände. DIE SÜDROUTE führt vom ehemaligen Klostergelände in Lehnin und den Gohlitzsee weiter durch den Ort Rädel bis nach Emstal . Diese etwa 14 km langen Strecke führt überwiegend durch Waldgebiet. Zwischen Rädel und Emstal geht es durch etwas hügeliges, sandiges Gelände vorbei am Rande des Truppenübungsplatztes Lehnin und dann von Emstal zurück nach Lehnin. Der Höhepunkt ist zweifelsfrei das ehemalige Klostergelände mit seinen historischen Gebäuden und der Klosterkirche in Lehnin. Alte Weißbuchen und Eichen säumen den Weg. Auch die Kirche in Rädel bietet eine Besonderheit, denn der Turm steht auf der Ostseite der Kirche. Diese und andere historische Tatsachen ließen viele Sagen über die Region entstehen. Hinter dem Ort Rädel hat man einen schönen Blick auf den Zitzel bei Emstal. Diese kleinen Gewässer sind eiszeitliche Relikte und liegen am Fuß des Hanges. Es schließen sich der Rädeler Zitzel und noch einige kleine Gewässer bis zum Ortsrand von Emstal an. Sie sind naturnahe Brutplätze der Kraniche und anderer Wasservögel. An der Hauptstraße in Emstal angekommen befinden sich rechts vom Weg das Backofenmuseum mit zwei der historischen Backöfen, die zu Ortsfesten genutzt werden um „Emstaler Kugelbrote“ zu backen. Etwa 400 m weiter nördlich entlang der Hauptstraße folgend steht die Kirche des Ortes. 10

[close]

p. 11

Etwas hinter der Kirche am Ortsrand erstreckt sich auf der linken Straßenseite ein Gewässer, das durch Torfabbau nach 1980 entstand und sich nach Westen bis nach Rädel erstreckt. An diesem Emstaler Schlauch brüten heute Graugänse, Kraniche. Auch einige Biber bauen fleißig an ihren Burgen. Etwa 300 m hinter dem Ortsausgang im Wald zweigt der Weg rechts nach Osten ab und führt erst durch ein Niederungsgebiet mit vielen kleinen naturnahen Feuchtwiesen und später durch den Wald vorbei an der ehemaligen Kaserne von Lehnin, dem Sportplatz und der Oberförsterei Lehnin zum Ortsrand von Lehnin. Die heutige Oberförsterei Lehnin ist eine alte Försterei aus dem späten 18. Jhd. am Rande des Willibald Alexis Wanderweg und brannte 1945 völlig nieder. Der Autor Willibald Alexis war hier häufig zu Gast und schrieb Mitte des 19. Jhd. die bekannten Werke: „Die Hosen des Herrn von Bredow” und „Der Werwolf”. Dafür stifteten die Lehniner Bürger ihm vor über 100 Jahren das Denkmal in der Puschkinstraße vor dem Friedhof in Lehnin. Besonders auf der Südroute werden sie durch schöne Laubwaldgebiete wandern. Rings um Lehnin wurde schon vom preußischen Adel sehr gerne gejagt und es haben sich große zusammenhängende Waldgebiete erhalten. Auch Lehniner Oberförster hatten stets ein großes Augenmerk darauf, artenreiche Mischwälder zu erhalten. Im gesamten Bereich der Südroute findet man große Sickermoore über die Wasser entspringt und die ganze Gewässerrinne der Emster Gewässer speist. Für Fragen steht Ihnen der„Vogelwart vom Streng” Lutz Manzke aus Trechwitz zu Verfügung, rufen Sie ihn an: Tel. 0162/ 9118223 Lehmbackofen in Emstal 11

[close]

p. 12

Die Klosterkirche St. Marien zu Lehnin DIE KIRCHEN AM WEG DES BERNHARDSPFADES „Wer erkannt hat, dass Sonne und Sterne und Seelen nicht in einem Vakuum schweben, hält sein Herz für die Stunde bereit, in der die Welt verzaubert wird. Denn die Dinge sind nicht stumm: Die Stille ist voller Forderungen und wartet auf eine Seele, die das Geheimnis einatmet, welches alle Dinge in ihrer Sehnsucht nach Kommunion ausatmen. Aus der Welt steigt das Geheiß auf, die Luft mit einem verzückten Lied für Gott zu tränken.” Abraham Joshua Heschel DIE KLOSTERKIRCHE ST. MARIEN ZU LEHNIN Das Zisterzienserkloster Lehnin ist das älteste der Mark Brandenburg. Es wurde 1180 von Markgraf Otto I. von Brandenburg gegründet. Nachdem Einzug eines Konvents aus dem Zisterzienserkloster Sittichenbach wurde die Klosteranlage bis etwa 1260 errichtet. Die Klosterkirche St. Marien zu Lehnin ist ein hervorragendes Beispiel früher norddeutscher Backsteinarchitektur. An den in romanischen Bauformen errichteten Ostteil mit Chor, Chorhaus und einem Langhausjoch schließt sich der Westteil im Stil der Frühgotik an. Das ehemalige Zisterzienserkloster Lehnin bildet einen touristischen Höhepunkt zwischen Potsdam und Brandenburg. Viele tausend Besucher im Jahr genießen 12

[close]

p. 13

die Ruhe des Ortes. Es gibt wohl kaum jemanden, dem sich beim Verweilen in den altehrwürdigen Gemäuern nicht eine Ahnung von der reichen Geschichte des Ortes einstellt. Die Lehniner Sommermusiken sind bereits zu einer Tradition geworden und werden stets gut besucht. Einen besonderen musikalischen Schwerpunkt bildet die Konzertreihe der Musica Mediaevalis, die insbesondere Musik aus der Zisterzienserzeit zu Gehör bringt und in Sommerkursen und Seminaren die Theologie und Musiktheorie des Mittelalters in Erinnerung hält. Für die Besucherinnen und Besucher der Konzerte wird so das akustische Ereignis der „singenden Steine“ im Zusammenspiel mit der visuellen Wirkung der romanisch-gotischen Architektur zu einem ganzheitlichen, spirituellen und berührenden Erleben. Die Klosterkirche ist heute im Besitz des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin. Die Kirche wird in gemeinsamen Gottesdiensten genutzt von der Evangelischen Kirchengemeinde des Luise-Henrietten-Stiftes und der Ortskirchengemeinde, der St. Marien Klosterkirchengemeinde Lehnin. Als Außenstelle des AKD (Amt für kirchliche Dienste) ist das geistliche Zentrum Kloster Lehnin auch der von der Evangelischen Landeskirche (EKBO) ausgewiesene Lehr- und Lernort christlicher Spiritualität (https://akd-ekbo.de/ spiritualitaet). Öffnungszeiten 1. April - 31. Oktober: Montag - Freitag 10:00 - 16:00 Uhr Samstag 10:00 - 17:00 Uhr Sonn- und Feiertage 13:00 - 17:00 Uhr 1. November - 31. März Montag - Samstag 10:30 - 15:30 Uhr Sonn- und Feiertage 13:00 - 16:00 Uhr Während der Gottesdienste und Konzerte ist die Kirche nicht zu besichtigen. Führungen in der Kirche und eigene Andachten müssen angemeldet werden: Museum, Stefan Beier: Tel. 03382/704151, E-Mail: Stefan.Beier@diakonissenhaus.de Gästewesen, Mark Thurley: Tel. 03382/768 409, E-Mail: Mark.Thurley@diakonissenhaus.de Für Pilgergruppen, die auf dem Klostergelände in Lehnin übernachten, besteht die Möglichkeit, einen Schlüssel für die Dorfkirchen in Rädel und Emstal zu erhalten. 13

[close]

p. 14

DIE KIRCHE IN NAHMITZ Errichtet wurde die Kirche 1744 an der Stelle eines Vorgängerbaus, der vermutlich schon um 1200 existierte. Die barocke Ausstattung umfasst einen Kanzelaltar, die Hufeisen-Empore sowie das Gemeinde- und Chorgestühl. Der Taufstein ist aus dem späten 19. Jhd. Die Orgel ist ein Werk der Firma Alexander Schuke aus Potsdam von 1911. Die letzte Kirchenrestaurierung erfolgte zwischen 1997 und 2005. Pfr. Anselm Babin Kirchenschlüssel: Pfarrer Anselm Babin, Tel. 03382/872, babin.anselm@ekmb.de Ursula Strehlau, Alte Göhlsdorfer Str. 23, 03382/702615 DIE KIRCHE IN NETZEN Die ursprüngliche Kirche gab es bereits um 1190. Der jetzige Bau ist ein gotischer Backstein-Saalbau, der im Spätmittelalter durch einen eingezogenen Westturm aus Mischmauerwerk ergänzt wurde. Im frühen 18. Jhd. erfolgte eine Erhöhung und Verlängerung nach Osten, ebenso der barocke Ausbau. Der Kanzelaltar enstand Ende des 18. Jhd. Die Orgel ist ein Werk der Firma Alexander Schuke aus Potsdam von 1907. Die letzte Kirchenrestaurierung erfolgte zwischen 1998 und 2014. Pfr. Anselm Babin Kirchenschlüssel: Ines Hübner: Tel. 03382/701 349 Pfarrer Anselm Babin, Tel. 03382/872, babin.anselm@ekmb.de DIE TRECHWITZER KIRCHE Von weither ist die Kirche von Trechwitz zu sehen, dem kleinen Ort, der ursprünglich zum Besitz des Zisterzienserklosters Lehnin gehörte, nähert. 1183 wurde Trechwitz zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die kleine Glocke in der Kirche, die zu den ältesten im Brandenburger Land zählt, ist eine Schenkung des Lehniner Abtes Heinrich, nachdem die Trechwitzer fleißig beim Bau der Lehniner Klosterkirche geholfen hatten. Sie stammt aus dem 13. Jhd. 14

[close]

p. 15

Die Trechwitzer Kirche ist die Patronatskirche eines Zweiges der Familie von Rochow. Sie wurde auf den Mauern eines mittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet und 1750 geweiht. Die Gruft befindet sich unter dem Altarraum, und der Erbauer Ludolph Ehrenreich von Rochow war der erste, der 1751 hier beigesetzt wurde. Nach Verwüstungen und Schändungen Ende des vorigen Jhd. wurde die Grablege im Herbst 2015 wiederhergestellt und ist seitdem auch durch eine Außentür zugänglich. Zu den erwähnenswerten Ausstattungsstücken der barocken Kirche, deren Baupläne mitunter dem Potsdamer Baumeister von Sanssouci, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, zugeschrieben werden, zählen der Kanzelaltar aus dem 18. Jhd. mit marmorierend bemalten Säulen sowie der Taufengel, der in seiner rechten Hand eine Muschel trägt, die 2016 nach dem Vorbild des 18. Jhd. gefertigt wurde. Der Palmzweig, den er ursprünglich in der linken Hand hielt, ist verschollen. Die Orgel von 1844 stammt aus der Werkstatt Gottlieb Heise. Das Gestühl verweist auf ehemalige Sitzordnungen in der Kirche: Jungmädchen, Neubüdner und Altbüdner. Büdnereien waren kleine ländliche Anwesen mit bescheidenem Grundbesitz. Über der Patronatsloge ist ein Allianzwappen zu sehen, das die Verheiratung des Sohnes des Erbauers, Botho Wiegand von Rochow, mit der Tochter Knobelsdorffs, Caroline Juliane von Knobelsdorff, dokumentiert. Die Trechwitzer Kirche unterscheidet sich von den Landkirchen der Umgebung durch eine überdurchschnittlich aufwendige und qualitätsvolle Ausstattung, die dem Patron Ludolph Ehrenreich von Rochow zu verdanken ist. Die Trechwitzer und die Lukas-Kirchengemeinde Jeserig freuen sich, dass Trechwitz nun Pilgerstation auf dem Bernhardsweg wird. Wir wünschen allen Pilgern eine erlebnisreiche Zeit und unvergessliche Eindrücke. Pfrn. Christiane Klussmann Die Kirche kann gern auf Anfrage besichtigt werden. Bitte melden Sie sich bei Frau Bleike, Grabenstr. 23a, Trechwitz, Tel. 03382/702827, im Pfarramt bei Familie Klußmann, Blütenring 41, Schenkenberg, Tel. 033207/32602 oder bei Familie Wolter, Grabenstraße 9, Trechwitz, Tel. 03382/703624. Die Kirche in Nahmitz, die Netzener Kirche, die Trechwitzer Kirche (v.l.n.r.) 15

[close]

Comments

no comments yet