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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband [ Nr. 89 • Juni 2016 ] [ IDT 2017 in Freiburg/Schweiz Videobasierte Kooperation zu DaF-Unterricht Einblicke in die Spracharbeit für Ehrenamtliche Sprachpolitisches Agieren der Verbände DACHL-Wettbewerb - IDO 2016 [

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Nr. 89 | Juni 2016 | www.idvnetz.org An die Leserinnen und Leser W ir freuen uns sehr, Ihnen die Frühsommerausgabe 2016 des IDV-Magazins vorstellen zu dürfen. Der erste Teil der vorliegenden Ausgabe ist den beiden IDTs gewidmet: der kommen den 2017 in Freiburg/Schweiz mit einem Bericht der Veranstalter und der zurückliegenden 2013 in Bozen/ Südtirol mit einem Brief des Tagungspräsidenten Prof. emer. Dr. Hans Drumbl. Im zweiten Teil gewähren drei hochkarätige Beiträge Einblick in die Deutschlehrerausbildung anhand von videobasierter Kooperation, in die Spracharbeit für ehrenamtliche Unterstützende von Geflüchteten und ins sprachpolitische Agieren in der Slowakei. Der dritte Teil widmet sich den Aktivitäten unserer IDV-Mitgliedsverbände weltweit mit Berichten über Tagungen in Chile, Bosnien-Herzegowina, Indien und Vietnam. Ein Bericht über den Russland-Marathon bildet ebenfalls einen Höhepunkt im Engagement der Ver- bände zugunsten der Verbreitung der deutschen Sprache und der Nachwuchsgewinnung. In dieser Ausgabe finden Sie zudem zwei Berichte von wichtigen Initiativen, die in Kooperation von IDV, Goethe-Institut, den deutschsprachigen Ländern und den Mitgliedsverbänden erfolgreich durchgeführt werden. Im ersten geht es um den Wettbewerb „DACHL-Fundstücke“ mit der Abbildung des interessanten „Gewinnermosaiks“, im zweiten um die kommende Internationale Deutscholympiade 2016 in Berlin mit Bildern aus den nationalen Vorrunden in 19 Ländern. Abschließend können Sie anhand einer Rezension Einblick in das Lehrwerk „Zwischendurch mal Hören“ gewinnen. Wir wünschen Ihnen eine gewinnbringende Lektüre! IDV - Der Internationale Deutschlehrerinnenund Deutschlehrerverband Präsidentin: Vizepräsidentin: Generalsekretärin: Schatzmeister: Schriftleiter: Experte Deutschland: Expertin Österreich: Experte Schweiz: Grafikdesign: Marianne Hepp Alina Dorota Jarzabek Puneet Kaur Benjamin Hedzic Geraldo de Carvalho Sebastian Vötter Sonja Winklbauer Joachim Hoefele Andréa Vichi hepp@idvnetz.org jarzabek@idvnetz.org kaur@idvnetz.org hedzic@idvnetz.org carvalho@idvnetz.org voetter@idvnetz.org winklbauer@idvnetz.org hoefele@idvnetz.org andreavichi@ig.com.br Herausgeber: Schriftleitung des IDV Für Werbeinserate im IDV-Magazin: carvalho@idvnetz.org 2

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband In dieser Ausgabe IDT 2017: Noch ein Jahr – der Countdown kann beginnen Cornelia Gick 4 Zur Publikation der Tagungsakten der XV. IDT 2013 Bozen Hans Drumbl 8 Aus meiner Sicht Benjamin Hedzic 10 12 “Am wichtigsten ist mir, wenn ich eure Videos anschaue, dass ich selbst etwas für mich mitnehme“ – Videobasierte kollegiale Kooperation zu DaF-Unterricht Marta Dawidowicz | Karen Schramm Einblicke in die Spracharbeit für ehrenamtliche Unterstützende von Geflüchteten – Eine Workshopreihe im Spannungsfeld zwischen Unterstützung nicht qualifizierter Lehrender und Eintreten für qualifizierte Lehrende Anne Pritchard-Smith | Margareta Strasser | Denis Weger 22 „Uns ist es nicht egal“. Initiativen der slowakischen Lehrerinnen und Lehrer Nadežda Zemaníková 30 Wettbewerb DACHL-Fundstücke: Entdeckungen Deutschlehrender weltweit Andreas Wutz 34 36 Deutsch - Sprache der Zukunft - Strategien und Möglichkeiten der sprachpolitischen Stärkung des Deutschen in Bosnien und Herzegowina Magdalena Ramljak | Darija Glibić 2. Andiner Deutschlehrerkongress – Santiago 2015 Alvaro Camu Deutsch zwischen Kunst und Kultur Puneet Kaur 40 42 44 Bericht über die 3. Internationale Deutschlehrertagung des Vietnamesischen Deutschlehrerverbands - „Deutschunterricht im interkulturellen Kontext“ VDLV Deutsch-Marathon in Russland Galina Perfilova 46 47 54 Die Internationale Deutscholympiade 2016 (IDO) in Berlin: Sprache und Kultur erleben Andreas Wutz | Angelika Ludwig Rezension: Zwischendurch mal Hören Monika Janicka 3

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband IDT 2017: Noch ein Jahr der Countdown kann beginnen n gut einem Jahr, am Montag, den 31.07.2017, öffnet die XVI. IDT ihre Tore. Die Besucher erwartet ein reichhaltiges Programm in einer leicht veränderten Wochenstruktur: Von Mittwoch bis Freitag findet das „klassische“ IDT-Programm statt: 36 thematische Sektionen laden Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft ein, einen Beitrag einzureichen und so aktiv zum fachlichen Austausch beizutragen. Eine sektionsunabhängige Posterausstellung, die während der ganzen Woche zugänglich ist, bietet Raum, reflektierte Praxis und praxisorientierte Forschung zu zeigen und in den Dialog treten zu lassen. Die Idee der didaktischen Werkstätten, erstmals in Bozen aufgenommen, wurde weiterentwickelt: Didaktische Werkschauen bieten die Möglichkeit, einen ca. 3-minütigen Videobeitrag zu ausgewählten Unterrichtssituationen einzureichen. Gesucht werden Mitschnitte, die zeigen, wie Unterricht unter herausfordernden Bedingungen (Deutsch ohne Zugang zu Lehr-Lernmitteln, Deutschlernen in sehr grossen oder in sehr (niveau-)heterogenen Gruppen) gemeistert wird. Ein weiterer Fokus liegt auf Deutschlernen durch sinnliche Erfahrungen, konkret Deutschlernen mit Musik und Sprechkunst oder mit gestalterischen Mitteln. In den Werkschauen werden die Filmsequenzen vorgestellt, die präsentierte Unterrichtsdidaktik anhand von Leitfragen in Kleingruppen diskutiert und die Resultate im Plenum zusammengetragen. Die Anzahl der Filme, die gezeigt werden können, ist bei den Didaktischen Werkschauen begrenzt. Um einen Beitrag für eine Sektion, die Posterausstellung oder die Didaktische Werkschau anzumelden, müssen Sie ein Abstract einreichen. Erstmalig passt sich die IDT dem international üblichen Standard der Qualitätssicherung an, indem in einer ersten Runde alle eingereichten Abstracts „blind“, d.h. ohne Kenntnis darüber, wer das Abstract eingereicht hat, von zwei Personen unabhängig voneinander hinsichtlich ihrer Qualität und thematischen Passung bewertet werden. Nur die Abstracts, die diese erste Runde erfolgreich passieren, gehen an 4 I die Sektionsleitenden, die unter Berücksichtigung ihres Sektionsprofils die definitive Auswahl treffen. Wenn Sie sich aktiv mit einem Beitrag beteiligen wollen, so müssen Sie Ihr Abstract bis spätestens Ende September über die elektronische Plattform zugänglich über unsere Website eingereicht und sich für die Tagung angemeldet haben. Wir möchten Ihnen empfehlen, dies so bald wie möglich zu tun. Mit Ihrem Zugangscode können Sie Ihr Abstract bis zum 30.09.2016 jederzeit überarbeiten. Konkrete Hinweise, was Sie beachten sollten, wenn Sie erfolgreich ein Abstract für dieses Format oder auch für die Sektionen oder die Posterausstellung einreichen, finden Sie in Stichworten bereits jetzt auf unserer Website. Ab Anfang Juli 2016 steht dort eine detaillierte Anleitung zur Frage: „Wie schreibe ich ein gutes Abstract?“ bereit. Das Goethe-Institut hat darüber hinaus speziell für die IDT 2017 ein Online-Lernprogramm „Elektronisch präsentieren“ entwickelt, in dem es viel zu entdecken gibt und das wir allen Tagungsteilnehmenden, egal, ob sie mit einem Beitrag vertreten sind oder einfach sich informieren wollen, empfehlen möchten. Sie finden den Einstiegslink ebenfalls demnächst auf der IDT-Website. Zum klassischen IDT-Teil gehören selbstverständlich auch die auf 4 Zeitslots verteilten 20 Vorträge von 30 eingeladenen Fachexpertinnen und -experten. Neu ist das Format der Ko-Vorträge, bei denen zwei Vortragende zu einem Thema bzw. Nacheinander komplementär oder kontrastiv aufeinander Bezug nehmen. Den Ko-Vorträgen schliesst sich eine Diskussionsphase an. Wir erwarten uns gerade von dieser neuen Form viele Denkanstösse und spannende Diskussionen. Am Donnerstagnachmittag bieten sechs Fachpodien ein Forum für interessante und kontroverse Diskussionen zu zentralen Themen unseres Faches. Hier gibt es auch ein spezielles IDV-Podium zu Strategien zur Förderung der deutschen Sprache. Völlig neu an der IDT 2017 ist die thematische

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Ausrichtung und die Gestaltung des Montags, denn er stellt fach-, sprach- und bildungspolitische Aspekte des Faches DaF/DaZ ins Zentrum. Nach der offiziellen Eröffnung bilden drei parallele sprachund bildungspolitische Podien den Auftakt: - Sprachenpolitisches Agieren der Verbände des IDV – und die Rolle der DACH-Länder? - DaF und DaZ als interdisziplinäres Fach – eine wissenschaftlich-akademische oder eine praktische Disziplin? - Deutsch als Zweitsprache im Migrationszusammenhang – Brücke, Hürde oder Bürde? Es ist geplant, dass auf den Podien Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben und Entscheidungsträger mit Expertinnen und Experten des Faches diskutieren. Dem Tagungsteam ist es ein Anliegen, die Internationalität der IDT und ihren Begegnungscharakter als Chance zu nutzen, die verschiedenen Gruppen ins Gespräch zu bringen, in der Hoffnung, so langfristig etwas für das Fach zu bewirken. Diesem Ziel dienen auch die zielgruppenspezifischen Arbeitsgruppen, auch „Special Interest Groups“ (SIG) genannt, die ihre Arbeit bereits aufgenommen haben bzw. ab Sommer 2016 aufnehmen. Arbeitsgruppen gibt es zu den folgenden Oberthemen: 1. Sprach- und bildungspolitische Dimension Innenperspektive: Deutsch lehren und lernen im Kontext Migration und Integration 2. Sprach- und bildungspolitische Dimension – Aussenperspektive: Deutsch lehren und lernen im internationalen Kontext und Bildungskooperation weltweit 3. Konzeptuelle und bildungspolitische Grundlagen, Lehrpläne und Lernziele 4. Lehrerprofile, Lehreraus- und -weiterbildung 5. Rolle der Forschung und Zusammenarbeit, Netzwerke und Forschungskooperation Diese Arbeitsgruppen haben zwei Aufgaben: Sie erarbeiten einerseits die thematischen Grundlagen, fassen diese bis April 2017 in einem Bericht zusammen, der einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung steht und der zugleich Fundament für die geplante sprach- und bildungspolitische Resolution 5 ist. In einem zweiten Schritt entwickeln die Arbeitsgruppen ein Konzept, wie ihre Ergebnisse und ggf. offene Fragen auf der Tagung am 31.07.2017 gewinnbringend präsentiert, diskutiert und beantwortet werden können. Die Gestaltung der AGs am Montag kann durchaus unterschiedlich sein. Die definitive Ausarbeitung der Resolution erfolgt dann in den folgenden Tagen. Das Ergebnis wird in der Abschlussveranstaltung am Freitag präsentiert. Die Arbeit der AGs dient also sowohl der Vorbereitung der Podien als auch der Ausarbeitung der sprach- und bildungspolitische Resolution, die den Bedürfnissen des Fachs eine nachhaltige Stimme verleihen soll. Tagungsbesucher, die weniger an sprach- und fachpolitischen Fragen interessiert sind, können am Montagnachmittag von den speziellen Angeboten der Aussteller und dem Rahmenprogramm Gebrauch machen. Am Dienstag, den 1. August, ist Schweizer Nationalfeiertag. Ein regulärer Tagungsbetrieb findet nicht statt, die Ausstellungen sind jedoch zugänglich, auch für interessierte Freiburger. Wenn Sie an dem Tag keine anderweitigen Verpflichtungen haben, können Sie Ausflüge in die nahe und weitere Umgebung machen und sich ein wenig von der wunderbaren Landschaft oder von der Kultur verzaubern lassen. Wir haben Ihnen ein attraktives Angebot zusammengestellt, das Sie auf unserer Internetseite finden. Während der ganzen Woche sind die DACHLFenster und das DACHL-Café geöffnet: Die Verbände der deutschsprachigen Länder präsentieren sich und ihr Land. Am Donnerstag und Freitag finden über Mittag die Verbandsfenster der Welt statt: Mitgliedsverbände des IDV können sich und ihre Arbeit an kleinen, bereitgestellten Ständen in Form eines Marktes präsentieren. Überlegen Sie schon jetzt, wie Sie und Ihr Verband diese Möglichkeit nutzen wollen. Es freut uns, dass alle im Fach wichtigen Verlage und Institutionen als Aussteller gewonnen werden konnten, so dass Tagungsteilnehmer sich umfassend über Angebote zur Förderung der Deutschen Sprache und über Entwicklungen im Fach informieren können. Ein reichhaltiges Kulturprogramm umrahmt die Tagung und lädt zu Entdeckungen ein. Am Mitt-

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband woch, den 02.08.2017, findet der Abendempfang statt. Die Tagung endet am Freitag mit einer Abschlusszeremonie und einem Umtrunk. Auf unserer Internetseite finden Sie ausführliche Informationen, die immer auf dem aktuellsten Stand sind. Dort können Sie Plakate oder den Call for Papers herunterladen, um für die IDT in Ihrem Umfeld zu werben. Ab Anfang Juli 2016 ist dort das Vorprogramm zum Herunterladen bereit. Abonnieren Sie unseren Newsletter auf unserer Website www.idt-2017.ch, um immer auf dem Laufenden zu sein. Für das Tagungsteam Cornelia Gick Bitte beachten Sie die folgenden Daten: 30.09.2016 30.09.2016 01.02.2017 15.04.2017 15.06.2017 Ende der Early-bird-Einschreibungen Ende der Anmeldung von Beiträgen Benachrichtigung über Annahme der Beiträge Stichtag für die Zahlung der Tagungsgebühren der Beitragenden Ende der Einschreibung 6

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Zur Publikation der Tagungsakten der XV. IDT 2013 Bozen. Ein Brief des Tagungspräsidenten Prof. emer. Dr. Hans Drumbl Liebe Kolleginnen und Kollegen, Der Druck der Akten der XV. IDT-Tagung geht voran, auch wenn die Beiträgerinnen und Beiträger, aus der Distanz gesehen, auf eine Geduldprobe gestellt werden. Die Überprüfung der Texte und der bibliographischen Angaben geht mit professioneller Akribie vor sich, nur steht uns das hervorragende Team der Bozen-Bolzano University Press nicht ganztägig für diese Arbeit zur Verfügung. Von unvorhergesehenen Ereignissen, die zu Verzögerungen führen, ganz zu schweigen. Ich entschuldige mich also zuerst einmal bei allen Mitwirkenden an den Bänden, die unter der Verzögerung gelitten haben und noch leiden. Nun aber zu den Freuden. Die große Freude, die uns diese Arbeit beschert, ist das Lesen der Beiträge aus aller Welt, zu sehen, ja mit allen Sinnen zu spüren, mit welch großer Freude an der Arbeit Lehrerinnen, Lehrer, Lektorinnen und Lektoren, Professorinnen und Professoren daran mitwirken, wie jeder sein Scherflein dazu beiträgt, dass die deutsche Sprache in der Welt Beachtung findet, als Lernstoff attraktiv und – vor allem – immer effizienter lehr- und lernbar gemacht wird. An vielen Orten der schulischen, der universitären und der beruflichen Ausbildung fallen diese Anstrengungen mit oft extremen Kürzungen der Budgets und der Stundenkontingente zusammen. Und dennoch, nirgendwo ist Resignation die Antwort auf diese Herausforderungen. Auch dort, wo die Arbeitsbedingungen nicht durch äußerliche Faktoren beeinträchtigt werden, geht es nicht immer so vorwärts, wie wir es uns gewünscht hätten oder wünschen würden. Ich selbst bin von diesem Hiat zwischen Wunsch und Realisierung betroffen. Und wenn man mir 1969, als ich als Deutsch-Lektor meine universitäre Karriere in Italien begann, gesagt hätte, dass man als Lehrer des Deutschen als Fremdsprache nach 45 Jahren gelernt haben würde, geduldiger zu werden mit den Ansprüchen, langsamer, einsichtsvoller, genügsamer, dann hätte ich diese Ge8 danken mit Vehemenz zurückgewiesen. Gerade weil ich meine Erfahrungen im relativ homogenen Bereich italienischer Universitätsstudenten gemacht habe, kann ich ermessen, wie stark die Veränderungen bei den Studierenden sind und wie enorm groß die Variationsbreite der Begabung, der Lernstrategien, der Bereitschaft, sich einer neuen Sprache zu öffnen, bei diesen Studierenden war und ist. So kann ich aus der mir vertrauten Perspektive die Erfahrung eines Lebens als Lehrer des Deutschen auf den Punkt bringen, dass die Arbeit des Unterrichtens mit steigender Erfahrung nicht leichter wird, sondern schwerer, anspruchsvoller. Die erfahrbare Komplexität wird größer und stellt Anforderungen an die Lehrperson, die zu Beginn der Laufbahn nicht wahrgenommen werden können. Und um wie viel größer ist die Bandbreite der Variation, wenn man den Blick über den Tellerrand der eigenen Erfahrung erhebt und mit Hilfe der Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt Einblick gewinnt in das, was „dort draußen“ vor sich geht. So erscheint mir die Arbeit des Herausgebers, die aus den Erfahrungen der vielen Lehrerinnen und Lehrer Wissen, Kraft und Anregung schöpft, wie ein Abbild der eigenen Erfahrung der zunehmenden Komplexität. Daraus entsteht ein starkes Gefühl der Verbundenheit, ein Gemeinschaftsgefühl, das Menschen erleben, die sich einer gemeinsamen Aufgabe verpflichtet fühlen. Akzeptieren wir die langsame Fertigstellung der Tagungsbände im Geist dieses Lernprozesses, der jeden einzelnen betrifft, der von einer ganz eigenen Warte aus das weite Feld der Sprache und der Sprachdidaktik bestellt. Hans Drumbl Prof. emer. Universität Bozen Hinweis der Redaktion: Die Tagungsbeiträge sind unter folgendem Link abrufbar: http://www.idt-2013.it/de/Tagungsband.html

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Aus bosnisch-herzegowinischer Sicht BENJAMIN HEDZIC | SCHATZMEISTRR DES IDV Z u einer Nachkriegsgesellschaft gehört, viel Neues zu gestalten und aufzubauen, unter anderem auch die Gründung eines Deutschlehrerverbandes. Wer den Film „Berliner Ballade“ von Robert A. Stemmle aus den vierziger Jahren gesehen hat, kann erahnen, wieviel Bürokratie in einer Nachkriegsgesellschaft auf jemanden zukommt, der beschlossen hat, einen Deutschlehrerverband zu gründen. Und trotzdem nimmt dieser Jemand das alles auf sich, beißt in den sauren Apfel und legt los – zusammen mit anderen Entschlossenen. Nach Monaten harter kollegialer Arbeit konnte auf diese Weise zehn Jahre nach dem Krieg in Bosnien-Herzegowina der erste Deutschlehrerverband entstehen. Neben vielen anderen Zielen, die der Verband verfolgte, war uns von Anfang an die Vernetzung, die Zusammenarbeit und der Austausch mit Lehrern aus der Region und der ganzen Welt sehr wichtig. Daher beschloss der bosnisch-herzegowinische Deutschlehrerverband, ein Teil der großen IDV-Familie zu werden. Mit dem Beitritt zum IDV eröffneten sich für unseren Verband neue Ziele, Möglichkeiten und Aufgaben. Bei der IDT 2013 in Bozen beschloss ich in Absprache mit meinen Verbandskollegen, für einen Posten im IDV-Vorstand zu kandidieren. Daraufhin wurde ich zum Schatzmeister im IDV gewählt. Die Freude war riesig, aber mit der Wahl änderten sich auch meine freiwilligen Aufgaben wesentlich. Ich bekam neue wichtigere, ernsthaftere Aufgaben, die teilweise auch eine große Herausforderung waren. Trotzdem machte jede Aufgabe sehr viel Spaß. Zum Wohle der Ziele des IDV, der sich als Dachverband für Deutschlehrerverbände sieht und seine vordringliche Aufgabe in der bildungspolitischen Stärkung und Vernetzung seiner Mitgliedsverbände wie der Deutschlehrenden auf internationaler Ebene versteht, arbeitet der Vorstand oft tagelang an der besten Lösung einer anstehenden Aufgabe oder der Durchführung einer Idee oder eines Projekts. In 10 den vergangenen zwei Jahren gab es viele solche Aufgaben, die der Vorstand – im Nachhinein betrachtet – immer sehr gut meistern konnte. Eine würde ich aber hervorheben wollen. Monatelang haben wir an der neuen visuellen Präsentation des Verbandes gearbeitet. Das Produkt einer sehr guten Zusammenarbeit aller Vorstandsmitglieder war eine neuentwickelte, sehr schicke Internetseite sowie ein neues Logo und ein neues IDV-Banner. Und wenn man am Ende einer harten Arbeit ein schönes Produkt hat, vergisst man die investierte Mühe und den Zeitaufwand und freut sich, dass der IDV stärker, schöner und besser geworden ist. Der Vorstand hat jetzt in seiner aktuellen Amtsperiode die erste Halbzeit hinter sich. In den vergangenen zwei Jahren konnten wir viel erreichen. Aber was vielleicht noch wichtiger ist, wir haben uns auch für die nächsten zwei Jahre sehr viele Ziele gesetzt. Ich freue mich schon auf die bevorstehenden Aufgaben und natürlich auf einen erfolgreichen Abschluss dieser vierjährigen Amtsperiode. Und vielleicht noch eines zum Schluss: Aus meiner Sicht freue ich mich, und würde diese Erfahrung nicht missen wollen, dass ich die sieben Vorstandskollegen wie gleichzeitig auch sehr viele engagierte Deutschlehrer und -lehrerinnen aus der ganzen Welt kennen lernen durfte, die alle in ihren Ländern an der Qualität des Deutschunterrichts, aber auch an der bildungspolitischen Stärkung der deutschen Sprache arbeiten. In diesem Sinne bin ich stolz, ein Teil dieser großen Familie sein zu dürfen.

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband „Am wichtigsten ist mir, wenn ich eure Videos anschaue, dass ich selbst etwas für mich mitnehme“ – Videobasierte kollegiale Kooperation zu DaF-Unterricht1 MARTA DAWIDOWICZ & KAREN SCHRAMM | UNIVERSITÄT WIEN 1. Fremdsprachendidaktische Lehrkompetenzen im Fokus Eine Fremdsprache zu unterrichten, ist eine anspruchs- und verantwortungsvolle Tätigkeit, die umfassende Kompetenzen in sprachlicher, fachlicher, fachdidaktischer und allgemein-didaktischer Hinsicht verlangt. Das Europäische Profilraster für Lehrende (s. Abb. 1) listet als zentrale Lehrkompetenzen beispielsweise die Bereiche Didaktik/ Methodik, das Evaluieren, die Unterrichts- und Kursplanung und die Steuerung von Interaktion sowie als übergreifende Kompetenzen Interkulturelle Kompetenz, Sprachbewusstheit und Medienkompetenz auf und es unterscheidet diesbezüglich jeweils sechs Entwicklungsstufen. Auch nach einer mehrjährigen Hochschul- und Praxisausbildung verfeinern DaF-Lehrende dieses breite Spektrum an Kompetenzen in ihrer Unterrichtspraxis kontinuierlich weiter. Das Nachdenken über die eigenen Unterrichtserfahrungen, der angeregte Austausch im Lehrerzimmer, gegenseitige Hospitationen und Feedbackgespräche, Fortbildungsbesuche oder Aktionsforschungsprojekte sind einige Beispiele für die vielen Aktivitäten, die DaF-Lehrende für die eigene Weiterentwicklung nutzen. Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten in der fremdsprachendidaktischen Forschung insbesondere die Lernenden und die Lern- bzw. Erwerbsprozesse im Zentrum der Forschung standen, ist derzeit eine erneute Forschungsorientierung auf die Bedeutung der Lehrperson im Fremdsprachenunterricht zu beobachten. Diese wurde u.a. durch die teils aufrüttelnden Befunde internationaler Vergleichsstudien, entsprechende Lehrkompetenz-Diskussionen in den Bildungswissenschaften und nicht zuletzt die Rezeption von Hatties Meta-Metaanalyse (2009) angeregt. Für das Fach Deutsch als Fremdsprache und für IDV-Mitglieder ist es unseres Erachtens eine lohnenswerte Frage, welche neuen Impulse die aktuelle Diskussion zur Lehrerbildung uns liefert. Vor dem Hintergrund, dass vielen DaF-Lehrenden an ihrem Standort nur begrenzte Austausch- und Fortbildungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, sollen in diesem Beitrag Möglichkeiten eines videobasierten kollegialen Austauschs im Internet eruiert werden. Dazu stellen wir im zweiten Abschnitt einige ausgewählte Trends der aktuellen Fortbildungsforschung vor und skizzieren im dritten Abschnitt ein Fortbildungsprojekt, das von der Erstautorin im Rahmen Abb. 1: Europäisches Profilraster für Lehrende (o.J., online: http://egrid.epg -project.eu/de/egrid) 1 Wir danken Hans-Jürgen Krumm herzlich für seine hilfreichen Kommentare zu einer früheren Fassung dieses Beitrags. Unser besonderer Dank gilt den an der Fortbildung beteiligten Lehrenden, die mit ihrer hohen Lernmotivation und dem der Erstautorin entgegengebrachten Vertrauen die Durchführung des beschriebenen Projekts ermöglicht haben. 12

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband eines Dissertationsprojekts (2015-2018) derzeit an der Universität Wien durchgeführt und ausgewertet wird. 2. Ausgewählte Trends in der Fortbildungsforschung An dieser Stelle sollen aus der aktuell lebhaften Diskussion zur Fortbildungsforschung nur thesenartig einige Blitzlichter herausgegriffen werden. International wird die mangelnde Verknüpfung der Lehrerfortbildung mit der eigenen Unterrichtspraxis als Hindernis für Innovationen der Unterrichtspraxis bewertet (vgl. Aguado 2015: 301). Das Ziel, in der Fort- und Weiterbildung „etablierte Handlungsroutinen zu erweitern und langfristig zu verändern“ (Legutke 2010: 1353), erreichen herkömmliche instruktivistische Formen der kompakten Vermittlung abstrakten Wissens kaum; besser geeignet ist dafür ein Erfahrungslernen, das an die Unterrichtspraxis der Beteiligten anknüpft und diese durch Reflexion der bewussten Veränderung zugänglich macht (Krumm 2003). Im Bereich des Englischen als Zweitsprache zeigt Farrell (2015) in einer Darstellung von 116 Untersuchungen (20092014), dass Lehrende die Reflexion über Aspekte des eigenen Unterrichts als lernförderlich betrachten und langfristig Motivation und Bewusstsein für einen kritischen Blick auf das eigene Handeln entwickeln. Reflexion kann dabei auf verschiedene Weisen herbeigeführt und unterstützt werden. Unter dem Leitziel des reflektierenden Praktikers zielen solche Arbeitsweisen auf die Etablierung einer professionsbezogenen Gemeinschaft ab, in der Fortbildende, Lehrende und Lernende Partner auf Augenhöhe sind. Zwar stellen fachkundige ExpertInnen (vgl. Lipowsky/Rzejak 2015) auch weiterhin einen wichtigen Erfolgsfaktor von Fortbildungen dar. Zunehmend wird aber die kollegiale Kooperation in entsprechenden Angeboten verankert, da Studien zur (schulischen) Lehrerbildung einen Zusammenhang zwischen Schülerleistungen und dem Maß sowie der Qualität von Kooperation aufzeigen (Fußangel/Gräsel 2012: 29). Im DaF/Z-Kontext deuten insbesondere die Arbeiten von Meyermann (1995, 1996), Duxa (2001) 2 und Warneke (2007) darauf hin, dass der kollegiale Austausch ein Desiderat unter Lehrkräften darstellt und als lernförderlich eingeschätzt wird. Drei Formen der Kooperation werden dabei in der Regel unterschieden (vgl. Gräsel/Fußangel/Pröbstel 2006: 209-210): (a) der Austausch über Kursinformationen und Materialien ohne ein gemeinsames Ziel, (b) die arbeitsteilige Kooperation für ein vereinbartes Ziel und (c) die ko-konstruktive Kooperation im Sinne einer gemeinsamen, zielorientierten Erarbeitung von Inhalten. Insbesondere bei der KoKonstruktion sollte gleichzeitig ausreichend Raum für individuelle Autonomie gegeben sein (ebd. in Anlehnung an Spieß 2004: 199). Als besonders vielversprechendes Element von Lehrerbildungsmodellen wird in diesem Zusammenhang der Einsatz von Unterrichtsvideos diskutiert. Videosequenzen aus eigenem und fremden Unterricht erlauben es, punktuelle Erfahrungen und Handlungsmuster im Unterricht zu dokumentieren und so der wiederholten Betrachtung und damit Perspektivenwechsel und Reflexion zugänglich zu machen (vgl. Krammer/Reusser 2005). Auch scheint dieses Vorgehen das Potenzial zu haben, dem häufig ausbleibenden Transfer von Fortbildungsinhalten in die Praxis entgegenwirken zu können. Entsprechende Untersuchungen liegen für den Bereich DaF/Z zwar noch nicht vor; Ergebnisse aus benachbarten Arbeitsfeldern2 unterstreichen aber deutlich das Potenzial, das das gemeinsame Betrachten von Videosequenzen und die dialogische Analyse von Unterrichtshandlungen aufweisen: Offenbar können durch die unterschiedlichen Perspektiven intensive Reflexionen und tiefgreifende Anregungen zu Veränderungen entstehen. Um ein „Lernen im Beruf“ (Krumm 2003: 22) zu unterstützen, scheinen internetgestützte Modelle für Fortbildungen geeignet zu sein, da sie aufgrund zeitlicher und räumlicher Flexibilität langfristige Maßnahmen ermöglichen. 3. Eine DaF-Lehrenden-Praxisgemeinschaft im virtuellen Raum Während zahlreiche der oben genannten Studien sich auf den kollegialen Austausch in Präsenz- S. beispielsweise zur Englisch-Didaktik Massler et al. (2008) und Wipperfürth (2015), zur Didaktik der romanischen Sprachen Abendroth-Timmer/Frevel (2013), zur Didaktik der Naturwissenschaften Krammer et al. (2010) und zur fachübergreifenden Lehrerbildung Helmke/Helmke (2004). 13

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband phasen oder Blended-Learning-Formaten beziehen, erscheint uns für das weltumspannende Netzwerk des IDV der Gedanke einer DaF-Lehrenden-Praxisgemeinschaft im virtuellen Raum als inspirierend, um dem aktuellen Bedarf an Ausbau der Fortbildungsmöglichkeiten nachzukommen (vgl. Hepp/ Kaur 2015: 121). Es müsste doch – so unsere Überlegung – in vielerlei Hinsicht außerordentlich gewinnbringend sein, auf diese Weise vertiefte Einblicke in den DaF-Unterricht von KollegInnen von nah und fern zu gewinnen und die eigenen Eindrücke in einer kontinuierlichen Diskussionsgruppe zu reflektieren. Getragen von der Vorstellung, dass gerade im länder- und lerntraditionsübergreifenden kollegialen Austausch bedeutsame Innovationen des DaF-Unterrichts möglich sein könnten, startete die Erstautorin im Rahmen eines Dissertationsvorhaben im April 2016 ein entsprechendes Pilotprojekt an der Universität Wien. Es handelt sich um eine fünfwöchige Fortbildung zum Thema Vermittlung von Sprachlernstrategien, an der DaFLehrende aus vier Kontinenten teilnehmen (Kolumbien, Mexiko, Polen und Senegal). Im Europäischen Profilraster (s. Abb. 1) wäre sie im Bereich Didaktik/Methodik auf der höchsten Stufe, also der Stufe 3.2, zu verorten. Die Herausforderungen sind zahlreich: Von der Instabilität des Internets, insbesondere im Zusammenhang mit Stromausfällen, über die Zeitunterschiede von bis zu sieben Stunden bis hin zum Unbehagen über die hinterlassenen Datenspuren und zu entsprechenden datenschutzrechtlichen Überlegungen sind viele Probleme zu bedenken bzw. entsprechende Voraussetzungen zu schaffen. Eine besondere Herausforderung der berufsbegleitenden Fortbildung stellt die zusätzliche Zeit und Arbeitsbelastung für die in der Regel sehr stark ausgelasteten Lehrpersonen dar. Einerseits darf der zeitliche Rahmen die interessierten Lehrpersonen nicht überlasten, andererseits setzt ein intensiver Prozess des Erfahrungslernens ausreichend Zeit voraus (vgl. Wicke/Ende 2015: 106-108). Deshalb wurden in der vorliegenden Fortbildung Arbeitsprozesse in Einzelarbeit und Raum für Selbstbestimmung der Lehrenden bei der Konzeption der 3 4 Fortbildung stark ins Zentrum gerückt3. Abbildung 2 zeigt zwei wichtige Leitprinzipien, anhand derer das Konzept der etwa 35-stündigen Fortbildung im Folgenden vorgestellt wird. Abb. 2: Ausgewählte Leitprinzipien der Fortbildung 3.1 Gelegenheiten schaffen für Erfahrungslernen Wie Abbildung 3 zeigt, besteht die fünfwöchige Fortbildung aus drei Phasen: Sie beginnt auf der Theorieebene, schafft einen Übergang zur Praxis und endet auf der Praxisebene, auf der der Transfer in den eigenen Unterricht tatsächlich erfolgt4. Die kontinuierliche Reflexion wurde in theoriebezogenen Plenarphasen, individuellen Lernreflexionen und gemeinsamen Videobesprechungen angestoßen. Sie war bezogen auf die eigenen und gemeinsamen Ziele der Fortbildung und das eigene Unterrichtshandeln im konkreten Kontext. Reflexionsanstöße kamen dabei nicht nur von der Fortbildnerin, sondern vor allem auch aus der Gruppe, die gegenseitig die bereitgestellten Videoausschnitte sichtete und dazu Ideen und Fragen entwickelte. Die Fortbildnerin sah sich im Sinne einer Gemeinschaft gleichberechtigter Mitglieder somit in zwei Rollen: einerseits als moderierende Fortbildnerin, andererseits als am Austausch beteiligte DaF-Kollegin. Nach Schellenbach-Zell/Gräsel (2007) und Martinek/Hoffmann (2014) stellt dies in der Fortbildungsforschung ein Desiderat dar. Die Fortbildungsinhalte wurden also theoriegeleitet eingeführt und sollten eine Orientierung für das Anknüpfen an die Praxis bieten. Anschließend wurde das Einstreuen von Theorie darüber hinaus nach dem Bottom -up-Prinzip (vgl. Wicke/Ende 2015: 104) eingesetzt, um das Abstrahieren und langfristige Einordnen dieser in bestehende Wissensbestände zu fördern. 14

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IDV - Magazin | Der Internationale Deutschlehrerverband Beispiel für diesen Praxisbezug betrifft die Handlungsorientierung auf den eigenen Unterricht. Nach ersten Überlegungen zu ihren individuellen Zielen sollten die Teilnehmenden diese im Laufe der Arbeitswoche überdenken. Am folgenden Wochenende trugen sie ihre Überlegungen zusammen und präzisierten bzw. erneuerten die Ziele. Tatsächlich erwies sich dieses Vorgehen insofern als gewinnbringend, als dass die in der ersten Einheit formulierten Ziele auf Basis von Beobachtungen im Unterricht geändert wurden5. Abb. 3: Übersicht über DaF-Pilot-Fortbildung im virtuellen Raum Woche 1 - Theorieebene: Die Fortbildung war so ausgerichtet, dass intensive Arbeitsphasen im Plenum oder in Einzelarbeit an den Wochenenden stattfanden und somit die beruflichen Unterrichtsaktivitäten im Laufe der Woche rahmten. Auf diese Weise sollte zum einen verhindert werden, dass Alltagsanforderungen und Fortbildung kollidierten; gleichzeitig sollten im Laufe der Woche die Fortbildungsinhalte mit klarem Praxisbezug durchdacht werden. So wurden in diese erste Phase, in der die Themen Sprachlernstrategien und LernerInnenautonomie behandelt wurden, gezielt Beobachtungen aus dem jeweiligen Unterrichtskontext der teilnehmenden Lehrpersonen in die Diskussion einbezogen. Ein erstes Beispiel für diesen Praxisbezug während der Theoriearbeit betrifft das Einbeziehen der bisherigen Lehr- und Lernerfahrungen. Im ersten Skype-Treffen tauschten sich die Teilnehmenden über ihr Vorwissen und ihre Erfahrungen mit Lernstrategien und Autonomieförderung im eigenen Unterricht aus. Ein Situationsimpuls, der ein authentisches Kommunikationsproblem und die Lösung durch passende Strategien zeigte, forderte sie anschließend dazu auf, sich in die Lernenden hineinzuversetzen. Die anschließende Reflexion dieses Perspektivenwechsels wurde dazu genutzt, die Theorie wiederaufzugreifen. Ein zweites 5 Woche 1-2 – Übergang: Auf der Grundlage von Videoaufnahmen des eigenen Unterrichts zur bewusstmachenden Strategievermittlung und dazugehörigen schriftlichen Unterrichtsplanungen setzten sich die Lehrenden mit Möglichkeiten der Vermittlung der gewählten Inhalte auseinander und skizzierten mündlich einen ersten eigenen Unterrichtsentwurf. Am Folgetag traf sich die Gruppe erneut, um die bis dahin in Einzelarbeit erstellten Pläne zu besprechen. Die gemeinsame Bearbeitung der Unterrichtspläne erwies sich in allen Fällen als bereichernd, was u.a. daran abzulesen war, dass ausgetauschte Materialien und Ideen in die Pläne aufgenommen wurden. Hierbei fiel besonders positiv auf, dass es sich um Inhalte wie beispielsweise Unterrichtsmaterial handelte, das von der Fortbildnerin nicht so passgenau hätte angeboten werden können. Woche 2-5 – Praxisebene: Schon wenige Tage später setzten die Lehrpersonen ihre Unterrichtspläne zur Strategienvermittlung um und dokumentieren dies per Videoaufnahme. Anschließend hatten sie anderthalb Wochen Zeit, um in Einzelarbeit ihre eigenen Videos zu sichten und Themenschwerpunkte auszusuchen, die sie in der gesamten Gruppe besprechen wollten. In Vorbereitung auf den kollegialen Austausch sollte sich die Gruppe Eine Lehrerin hat beispielsweise umgehend die Nachfrage einer Schülerin nach Vorbereitungsmöglichkeiten für die Prüfung aufgegriffen und hat die anfangs angepeilte Strategie, die sie am ersten Wochenende als lohnenswert einschätzte, verworfen und sich auf diesen Wunsch der Lernenden eingestellt. Eine andere Lehrerin hat einen Tag vor dem Zusammentragen der konkreten Ziele bei der Abnahme mündlicher Prüfungen festgestellt, dass die Lernenden Schwierigkeiten mit der Intonation im Deutschen haben, und hat kurzfristig ihr Vorhaben angepasst. Deutlich wurde bei allen Lehrpersonen, dass ihre Zielsetzung am zweiten Wochenende durch Selbstsicherheit gestützt war und sich positiv auf die Motivation auszuwirken schien. 15

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