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VNW Magazin 3/2016

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Magazin VNW-Arbeitstagung 3. Norddeutscher Mietrechtstag, 2016 16. November 2015, Lübeck 5. bis 7. September 2016 in Rostock-Warnemünde 4 3 2016 xxx xxxx VNW-Genossenschaftstag xxx Kommunale Tagung xxxx xxx Stiftungen und Vereine Digitalisierung xxxx

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Für die Zukunft. Für die ganze Familie. Bieten Sie Ihren Bewohnern den Zugang zu vielfältigen Multimedia-Angeboten. Mit dem leistungsstarken Hybridnetz von Vodafone Kabel Deutschland, der idealen Kombination aus Glasfaser- und Koaxialkabel. Eine Entscheidung für die Zukunft. • Digitales Fernsehen – auch in HD-Qualität • Zeitversetzt fernsehen – mit dem Digitalen HD-Video-Recorder1 • Filme und Fernsehen auf Abruf – mit Select Video2 • Internet mit Kabel-Power – mit bis zu 200 Mbit/s im Download bereits in einigen Ausbaugebieten und bis zu 100 Mbit/s im Download in vielen weiteren Ausbaugebieten verfügbar3 • Telefonanschluss – einfach und günstig über das Kabel3 • Kabel Internet Telemetrie – Bandbreite für Ihre Immobilie4 Weitere Informationen zu den Produkten und ihrer Verfügbarkeit erhalten Sie unter www.kabeldeutschland.de/ wohnungsunternehmen 1 Kopiergeschützte Sendungen (z. B. bestimmte Programme / Select Video) können aufgrund der Zusatzanforderungen einiger Programmveranstalter nicht angehalten, gespult oder aufgenommen werden. 2 Select Video (Video-on-Demand) ist in immer mehr Städten und Regionen der Kabel-Ausbaugebiete von Vodafone verfügbar. Prüfung auf www.selectvideo.de. Voraussetzungen sind ein 862-MHz-Hausnetz, ein mit einem Digitalen HD-VideoRecorder oder einem Digitalen HD-Receiver von Vodafone Kabel Deutschland ausgestatteter, kostenpflichtiger Kabelanschluss sowie ein Internetanschluss. Empfohlene Bandbreite mindestens 6 Mbit/s. 3 Vodafone Kabel Deutschland Internet- und Telefonprodukte sind in immer mehr Ausbaugebieten von Vodafone Kabel Deutschland mit modernisiertem Hausnetz (862 MHz) verfügbar. Die Maximalgeschwindigkeit von 200 Mbit/s ist im Ausbaugebiet in immer mehr Städten und Regionen (wie z. B. Augsburg, Bremen, Chemnitz, Leipzig, Mainz, München, Regensburg, Saarbrücken und Würzburg) mit modernisiertem Hausnetz verfügbar. Weitere Städte und Regionen folgen. Bitte prüfen Sie, ob Sie die Produkte von Vodafone Kabel Deutschland in Ihrem Wohnobjekt nutzen können. Ab einem Gesamtdatenvolumen von mehr als 10 GB pro Tag wird die Übertragungsgeschwindigkeit nur für File-SharingAnwendungen und nur bis zum Ablauf desselben Tages auf 100 Kbit/s begrenzt. Alle anderen Anwendungen (z. B. Internetsurfen, Video-Streaming, Video-on-Demand, Social Networks) sind hiervon nicht betroffen. Call-by-Call und Preselection nicht verfügbar. 4 Vodafone Kabel Deutschland Telemetrie ist in immer mehr Ausbaugebieten von Vodafone Kabel Deutschland verfügbar. Stand: Mai 2016

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magazin 3.I6 Zuwanderung Inhalt Großes Sommerfest für die Mitglieder der Wohnungsgenossenschaft Marienehe eG. Mehr dazu auf Seite 56. Foto: Stefan Peuß 06 32 40 49 VNW THEMA – ANALYSE – VISION 02 Vorwort 03 Wohnbündnis 04 Genossenschaftstag 2016 05 Fachtagung Zuwanderung 06 Kommunale Tagung 08 WOWI-Frühstück 49 Repair Café 50 Gemeinschaftsspende 51 Schönheitsreparaturen 52 Seniorengarten 53 VNW-Nachrichten 09 Digitalisierung 12 Führungskräfteentwicklung 14 Heizkosten 18 Jubiläum STÄWOG Bremerhaven 24 Veranstaltungsempfehlungen 26 SERIE: EnEV / Teil 3 30 Mietrecht 32 Stiftungen und Vereine 38 THEMA: Wohlstand 40 Stadtentwicklung 45 Quartier 46 Zukunft 1

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Vorwort Andreas Breitner, VNW-Verbandsdirektor Wir benötigen gezielten Wohnungsneubau – schnell, nachhaltig und bezahlbar. Nur so lässt sich die hohe Nachfrage nach Wohnungen, vor allem in Groß- und Universitätsstädten, bedienen. Als Lösung wird aktuell das „Serielle Bauen“ diskutiert. Daher hat sich der VNW entschlossen, „Serielles Bauen als Beitrag zum bezahlbaren Wohnen“ als Jahresthema des Verbandes für 2016 bis 2017 zu bestimmen. Beim heute diskutierten Ansatz für das Serielle Bauen sollen unbedingt die Fehler der 1970er Jahre mit ihren monotonen Großsiedlungen und den problematischen sozialen Auswirkungen vermieden werden. Trotz typisierter Module soll jedes neue Wohngebäude seinen individuellen Charakter erhalten, der zu den Gegebenheiten vor Ort passt. Der Anspruch an die Qualität ist hoch, Gestaltung und Funktionalität sind gefragt. Die Idee ist, Prototypen zu schaffen, die bundesweit in Serie umgesetzt werden können. Dadurch könnten langwierige Genehmigungsprozesse und hohe Baukosten verhindert werden. Noch stehen diesem Ziel jedoch in vielen Details unterschiedliche Regelungen der Landesbauordnungen im Weg. Eine bundesweite Vereinheitlichung könnte Grundlage für Typengenehmigungen sein und die Chance zur Umsetzung serieller Bauweisen verbessern. Dieser Ansatz sollte deshalb ernsthaft geprüft werden. Im Verbandsgebiet haben die SchleswigHolsteiner, allen voran die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen und die Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein eG, mit dem Kieler Modell bereits Wohnraum in Modulbau- weise produziert. Hier wurde ein Gebäudekonzept entwickelt, das die Standards des sozialen Wohnungsbaus erfüllt und zwei Phasen der Nutzung vorsieht: zunächst die Flüchtlingsunterbringung, anschließend Wohnraum für Studenten, Familien oder Senioren. Das Konzept ist leicht adaptierbar: Die Häuser können an örtliche Gegebenheiten angepasst, die zweckmäßige Ausstattung beispielsweise um Balkone und Aufzüge erweitert werden. Das Kieler Modell zeigt, wie sich beim Bau Zeit und Kosten sparen lassen. Im europäischen Ausland gibt es bereits erfolgreich durchgeführte Pilotprojekte. In Schweden beispielsweise hat der Verband kommunaler Wohnungsunternehmen SABO mithilfe von Projekten in serieller Bauweise den dringend notwendigen Wohnungsneubau angekurbelt und dabei die Baukosten gesenkt. Der GdW hat in einer Umfrage der Mitgliedsunternehmen das Interesse an Typenbau und Typengenehmigungen abgefragt – über 70 Prozent der Befragten sind interessiert. Rund 50 Prozent planen künftig serielle das heißt industriell vorgefertigte, gleiche Elemente beim Bau einzusetzen. Dies können Raum- oder Gebäudemodule sein, zum Beispiel für Bäder oder Aufzüge vorgefertigte Bauteile wie Treppen oder Außenwände oder auch vollständige Gebäudetypen mit standardisierten Grundrissen, die nur noch in Größe und Materialität der Fassade an den jeweiligen Standort angepasst werden. Serielles Bauen ist folglich keine veraltete Idee aus den 1970er Jahren, sie hat Konjunktur. Mit dem Verbandsschwerpunkt wollen wir daher dem Thema „Serielles Bauen als Beitrag zum bezahlbaren Wohnen“ angemessenen Raum zur Prüfung und Weiterentwicklung geben. Wir haben dazu das Forschungs- und Beratungsunternehmen Analyse & Konzepte mit einer Marktanalyse beauftragt, werden auf verschiedenen Veranstaltungen Experten hören und in 2017 eine VNW-Fachtagung mit Werksbesichtigung sowie eine Exkursion organisieren. Wohnen muss bezahlbar bleiben – das ist unser Anliegen. Daher werden die Verbandsunternehmen und der VNW alles daran setzen, mit innovativen Konzepten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu erhalten – ohne den Anspruch an Qualität, Klimaschutz, Stadtbild und sozialer Durchmischung aus den Augen zu verlieren. h 2

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VNW Einigkeit im Bündnis für das Wohnen erzielt Gemeinsam bezahlbaren Wohnraum schaffen Am 7. Juni 2016 haben Vertreter des Hamburger Senats und der Wohnungswirtschaft das Bündnis für das Wohnen unterzeichnet. Foto: Pressestelle des Hamburger Senats. Der Hamburger Senat und die Verbände der Wohnungswirtschaft haben sich am 12. Mai 2016 auf ein Bündnispapier geeinigt und damit die Basis für noch mehr Wohnungsbau in der Hansestadt geschaffen. 10 000 Baugenehmigungen sollen im Jahr erteilt werden, darunter ein Drittel geförderter Wohnungsbau. Damit geht das Bündnis über das erste mit 6 000 Wohnungen deutlich hinaus. Der Bündnisvertrag wurde am 7. Juni 2016 im Hamburger Rathaus unterschrieben. „Die Bündnisvereinbarungen sind für Senat und Bezirke bindend. Alle werden stärker in die Pflicht genommen. Damit sind wir einen großen Schritt weiter. Ohne die Beteiligung der Bezirke war das Bündnis nur halb so stark“, so VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner. „Die Bezirksämter sollen personell aufgestockt und Baugenehmigungsverfahren beschleunigt werden. Gut so! Verzögerte oder gar gescheiterte Bauvorhaben werden damit der Vergangenheit angehören.“ Weiterer wichtiger Punkt im Bündnis ist die Vereinbarung einer kooperativen Stadterweiterung. Das heißt, alle Beteiligten sollen in Planungen, Flächenidentifizierung und Konzepte einbezogen werden. Dazu Dr. Thomas Krebs, Sprecher des SAGA GWG Vorstandes: „Der Wohnungsbau in Hamburg muss beschleunigt und kostengünstiger werden. Dafür erforderlich ist die weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit der Bündnispartner, aber auch neue Formate der kooperativen Stadtplanung und -entwicklung. Das neue Bündnis schafft hierfür die erforderlichen Voraussetzungen.“ Marko Lohmann, Vorsitzender des VNW Landesverband Hamburg e.V, ergänzt: „Das Bündnis für Quartiere im Bündnis für das Wohnen zeigt, wie wichtig es ist, alle Beteiligten einzubeziehen. Zu einem lebenswerten Quartier gehört nicht nur gutes, sicheres und bezahlbares Wohnen, sondern auch Bildungs- und Freizeitangebote, eine gute Infrastruktur sowie eine angenehme Umfeldgestaltung. Mit einer kooperativen Stadterweiterung lassen sich all diese Aspekte von Beginn an gemeinsam planen – das beste Rezept, um stabile, gut nachgefragte Quartiere zu schaffen.“ Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt ist ebenfalls von der Bündniskooperation überzeugt : „Das Bündnis für das Wohnen ist ein Hamburger Erfolgsmodell, mit dem wir zu einem bundesweiten Vorbild geworden sind. Es freut mich sehr, dass wir diese erfolgreiche Kooperation weiter fortsetzen können. Nur der Wohnungsneubau sorgt für nachhaltige Entlastung am Wohnungsmarkt.“ Das Bündnis für das Wohnen sieht außerdem konkrete Regelungen zum Anteil des öffentlich geförderten Wohnungsbaus auf privaten Grundstücken vor, Festlegungen zur Erhaltung der Backsteinfassaden, eine Einigung zum Thema Klimaschutz, eine Zusage des Senats zu keiner Erhöhung der Grunderwerbsteuer während der Laufzeit des Bündnisses, Neuausschreibung und Neuerarbeitung des Mietenspiegels 2017 und vieles mehr. In Bezug auf ein objektives Gutachten zu den Auswirkungen der flächendeckenden Mietpreisbremse konnte keine Einigung erzielt werden. Der Bündnisvertrag wurde aus terminlichen Gründen erst am 7. Juni 2016 im Hamburger Rathaus von Senatorinnen Stapelfeldt und Leonhard, Senator Tschentscher, den Spitzen der wohnungswirtschaftlichen Verbände sowie SAGA GWG und, stellvertretend für die Bezirke, von Bergedorfs Bezirksamtsleiter Dornquast unterschrieben. Der Bündnisvertrag gilt für eine Legislaturperiode. h Hier können Sie das Bündnispapier nachlesen. 3

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VNW VNW-Genossenschaftstag 2016 lich leiste die wankendorfer Integrationsarbeit. Für Knüpp eine Selbstverständlichkeit. Soziale Verantwortung und Wirtschaftlichkeit seien mit der richtigen Strategie gut vereinbar, so der Vorstandsvorsitzende. Monika Böhm, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft von 1904 eG aus Hamburg, referierte über das Medium „Nachhaltigkeitsbericht“. Sie fragte, ob dies ein „wertvolles Kommunikationsmittel oder teurer PR-Quatsch?“ sei. Anhand von Beispielen zeigte Böhm gelungene und weniger gelungene Nachhaltigkeitsberichte aus verschiedenen Branchen. Wichtig sei vor allem die Authentizität des Absenders, um den Vorwurf des „Greenwashings“ zu vermeiden. Allein als Instrument zur Imageaufbesserung sei der Nachhaltigkeitsbericht nicht geeignet. Wenn aber – wie bei den Wohnungsgenossenschaften – tatsächliches Engagement dokumentiert werden kann und der Bericht gut vorbereitet werde, könne von einem wertvollen Kommunikationsmittel gesprochen werden. „Holen Sie Ihr Team ins Boot und setzen Sie sich realistische Ziele“, sagte Böhm und empfahl für den Start die Richtlinien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK), die der GdW in einer Arbeitshilfe beschrieben hat. Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich am 21. und 22. April 2016 rund 150 Vorstände, Geschäftsführer, Aufsichtsräte und Mitarbeiter der norddeutschen Wohnungsunternehmen in Lübeck-Travemünde. Zwei Schwerpunkte standen auf der Agenda: die moderne Kommunikation in Genossenschaften und der Spagat zwischen sozialer Verantwortung und Wirtschaftlichkeit. Der zweite Tag, an dem alle Unternehmensformen teilnehmen konnten, widmete sich den Themen Zuwanderung und Integration. Wohnungsgenossenschaften sind die Wohnungsunternehmen, die schon aus ihrer Unternehmensform heraus nachhaltig wirtschaften. Sie werden nicht verkauft, sie werden nicht fremd gesteuert oder fremd bestimmt, erklärte VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner in seiner Begrüßung. „Sie bauen gern, aber nicht um und zu jedem Preis“, sagte er und spielte damit auf die hohen Grundstückspreise und Baukosten an. Dauerhaft bezahlbare Mieten könnten daher nur durch bezahlbare Grundstücke gesichert werden. In Lübeck plane Bürgermeister Bernd Saxe, städtische Grundstücke deutlich günstiger anzubieten, wenn sich der Käufer zum Bau von Sozialwohnungen verpflichtet. Dies sei vorbildlich, so Breitner. Die Umsetzung des Modells werde aktuell geprüft. Moderne Kommunikation in Genossenschaften Frank Mic von der ATINO GmbH, Bochum, präsentierte eine App, die Genossenschaften für ihre Mitglieder und ihr Backoffice nutzen können. Die App lässt sich individuell anpassen und wird bereits von einigen Wohnungsgenossenschaften genutzt (siehe Magazin 1/16). Uwe Petrat, Vorstand von der Wohnbau Detmold eG, stellte die eigens entwickelte App „webWohnen“ vor, ein interaktives, genossenschaftliches Netzwerk. Um die Nutzung der App zu forcieren, habe die Wohnbau Detmold seit 2012 fast die Hälfte ihrer Mitglieder mit einem Tablet ausgestattet, sie beim Umgang damit unterstützt und biete in jeder Wohnung einen Internetzugang an. „Das ist unser Weg zu mehr Miteinander“, erklärte Petrat. Abschließend diskutierten die Anwesenden die Themen des Tages und genossen das wundervolle Wetter an der Ostseeküste. Der Genossenschaftstag 2017 wird gemeinsam von VNW und vdw Niedersachsen Bremen ausgerichtet. Er findet am 16. und 17. Mai 2017 in Bremen statt. h Die Genossenschaften im Spagat zwischen sozialer Verantwortung und Wirtschaftlichkeit Jan Schneidewind, Vorstand der Wohnungsbau-Genossenschaft Greifswald eG, berichtete über die „Studie zum bezahlbaren, sicheren, sozial verantwortlichen Wohnungsneubau“ in Greifswald und erklärte, dass bis 2030 in Greifswald 3 000 neue Wohnungen benötigt würden. Er präsentierte die Neubauten der Genossenschaft, zeigte Beispiele für das soziale Engagement und machte deutlich, wie wichtig es ist, soziale Verantwortung und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Wie sehr die Wankendorfer Baugenossenschaft für SchleswigHolstein eG ihr Unternehmensmodell „Für die Menschen im Land“ lebt, zeigte Vorstandsvorsitzender Helmut Knüpp. Er präsentierte die Strategie der Genossenschaft in Sachen Flüchtlingsunterbringung. Aktuell stelle die wankendorfer rund 430 Wohneinheiten im südlichen Schleswig-Holstein für rund 1 000 Flüchtlinge zur Verfügung. Ziel sei, 500 Wohnungen für rund 1 300 Flüchtlinge sowie Neubauten als Gemeinschaftsunterkünfte zu nutzen (Kieler Modell, siehe Magazin 2/16). Zusätz- 4

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VNW „Wir brauchen einen Masterplan Integration!“ Auf der VNW-Fachtagung am 22. April 2016 in LübeckTravemünde standen die Themen Zuwanderung und Integration auf der Agenda. VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner sagte: „Die Verbandsunternehmen leisten seit Jahren einen hohen Beitrag an gesellschaftlicher Verantwortung. Auch beim aktuellen Thema Unterbringung von Flüchtlingen haben sie nicht lange gezögert und Unterkünfte und Wohnraum geschaffen. Nun geht es aber nicht mehr ums Ankommen, sondern ums Bleiben. Dafür benötigen wir eine verlässliche, langfristige Unterstützung bei der Integration: Sprache, Arbeit, Bildung. Daher fordern wir vom Land einen Masterplan Integration.“ Bernd Saxe, Bürgermeister der Hansestadt Lübeck, startete seinen Vortrag mit einem Lob in Richtung Ehrenamt und Mitarbeiter der Stadt: „Alle haben bisher Enormes geleistet“, so Saxe. Auch die Wohnungsunternehmen seien ein wichtiger Partner. Neben dem Spracherwerb und – mittelfristig – dem Arbeitsplatz spiele die Wohnung bei der Integration eine große Rolle. „Wir brauchen eine Wohnraumversorgung für alle Menschen“, so der Bürgermeister. Er stellte sein Modell der „Verbilligungsrichtlinie“ vor. Dies sieht vor, dass städtische Grundstücke bis zu 90 Prozent rabattiert würden, wenn der Käufer sich verpflichtet, Sozialwohnungen zu bauen. Diese Richtlinie werde noch geprüft, Saxe äußerte sich aber optimistisch: „Die Genehmigung wird erteilt.“ Die Identifizierung geeigneter Flächen müsse nun erfolgen und Investoren seien ausfindig zu machen. Die Anwesenden könnten sich gern angesprochen fühlen, so Saxe. Möglichkeiten ein. Allerdings sehen wir unsere Aufgabe nicht in der Unterbringung, sondern vorrangig in den Bereichen Wohnen und Integration“, erklärte Probst. Eine langfristige Wohnraumversorgung für alle müsse angestrebt werden. Patenschaften in den Nachbarschaften könnten das Zusammenleben verbessern, dies werde die Genossenschaft unterstützen. „Mehr Kara, weniger Sarrazin!“ Hatice Kara, Bürgermeisterin der Gemeinde Timmendorfer Strand, gelang es in Sekunden, die Anwesenden in die deutsche Geschichte mitzunehmen. Sie erzählte von der Fluchtbewegung im zweiten Weltkrieg, vom Wirtschaftswunder der 1950er Jahre, als zahlreiche Menschen zum temporären Arbeiten nach Deutsch­ land kamen – und dann zu großen Teilen blieben. Kara verknüpfte damals und heute, rief dazu auf, sich Abwertungen entgegenzusetzen. „Mehr Kara, weniger Sarrazin“, sagte die Bürgermeisterin. Timmendorfer Strand sei eine weltoffene Gemeinde, jeder fünfte hätte eine Zuwanderungsgeschichte. Integration könne gelingen, wenn Bund, Land und Kommunen zusammenarbeiteten und allen Beteiligten Planungssicherheit böten. Reboar Mohammadian, gelernter Bauingenieur und langjährig als IT-Verantwortlicher tätig, erzählte in der anschließenden Gesprächsrunde seine Fluchtgeschichte aus dem Iran. Er berichtete über das Leben in Erstaufnahmelagern, von seiner Suche nach einer Wohnung und von dem Glück, endlich die eigenen vier Wände gefunden zu haben. Unterstützt wurde er dabei durch das Projekt „Wohnbrücke“ in Hamburg, welches Anne Woywod, Rechtsanwältin, den Anwesenden vorstellte. Andreas Wellmann, Geschäftsführer Städte- und Gemeindetag MecklenburgVorpommern e.V. und Thomas Köchig, Geschäftsführer WGS Wohnungsgesellschaft Schwerin mbh, stellten kurz ihr Engagement vor, um dann in der Gesprächsrunde gemeinsam über Integrationsmöglichkeiten und das Wohnortzuweisungsgesetz zu diskutieren. h „Wir können helfen“ Zwei Lübecker Wohnungsunternehmen berichten aus der Praxis Über die Wohnraumversorgung von Flüchtlingen in Lübeck berichtete Dr. Matthias Rasch, Geschäftsführer der GrundstücksGesellschaft TRAVE mbH. Die kommunale Wohnungsgesellschaft arbeite mit zwei Unterbringungskonzepten: den Gemeinschaftsunterkünften im Bestand und im Neubau sowie dem Probewohnen mit Aussicht auf ein reguläres Mietverhältnis (siehe Magazin 2/15). Neben der Bereitstellung der Wohnungen seien weitere Angebote: für neue und alte Mieter in den Nachbarschaftstreffs in Form von Veranstaltungen notwendig. Aber auch für Mitarbeiter müssten beispielsweise interkulturelle Schulungen bereitgestellt werden. „Kommunikation in alle Richtungen ist wichtig“, so Rasch. „Wir können helfen“, sagte Stefan Probst, Vorstand LÜBECKER BAUVEREIN eG. Er erklärte, warum die Genossenschaft sich sozial verantwortlich fühlt, auch wenn sie satzungsgemäß einen auf die Mitglieder ausgerichteten Auftrag hat und nicht, wie z.B. die TRAVE, für die Daseinsvorsorge aller Bewohner zuständig ist. Der LÜBECKER BAUVEREIN habe ebenfalls Gemeinschaftsunterkünfte sowie Wohnungen im Probewohnen zur Verfügung gestellt. „Wir bringen uns im Rahmen unserer 5

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VNW Kommunale Tagung in Neubrandenburg „Neue Geschäftsmodelle zukunftsfähig machen – Hindernisse abbauen“ Zahlreiche Wohngebäude in Mecklenburg-Vorpommern wurden in den vergangenen Jahren mit Fahrstühlen und Balkonen ausgestattet. Bei der Kommunalen Tagung des VNW Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. tauschten sich am 9. und 10. Mai 2016 Vertreter der kommunalen Wohnungsunternehmen und Politiker über mögliche neue Geschäftsmodelle und Unternehmenskonzepte aus. VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner begrüßte die rund 80 Teilnehmer im Haus der Kulturen in Neubrandenburg und lobte die erfolgreiche Entwicklung vieler kommunaler Unternehmen, die einer Privatisierung widerstanden hätten und in den Kommunen für bezahlbaren, guten Wohnraum und intakte Nachbarschaften sorgten. Viele agierten über ihren eigentlichen Zweck der Daseinsvorsorge hinaus und schafften zukunftsfähige Geschäftsmodelle. „Die Energiewende, der demografische Wandel sowie die aktuelle Aufgabe, Schutzsuchende in Wohnraum zu bringen, verlangen innovative Ansätze. Gesetzliche Vorgaben und langwierige Genehmigungsverfahren behindern allerdings die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle. Diese Hindernisse müssen schnell abgebaut und gemeinsam Lösungen gefunden werden“, so Breitner. Wohnungswirtschaftlich „bekannt“ sei Neubrandenburg durch das 1973 als erstes Wohnhaus in Plattenbauweise errich- tete WBS 70 Haus in der Oststadt, erzählte Silvio Witt, Oberbürgermeister der Stadt Neubrandenburg, in seinem Grußwort. Seit dem hätte sich auf dem Wohnungsmarkt viel getan. Zahlreiche Wohngebäude seien in den vergangenen Jahren modernisiert und mit Balkonen und Fahrstühlen ausgestattet worden. Davon konnten sich die Tagungsteilnehmer am Vortag z. B. in der JoliotCurie-Straße ein Bild machen. „Gebäude machen die Stadt aus, sorgen für Lebensqualität“, sagte Witt und berichtete über das Konzept für integrierte Stadtentwicklung. Verantwortung in Sachen Integration hätte Neubrandenburg durch die große Gemeinschaftsunterkunft schon sehr früh übernommen. Vier Prozent der Neubrandenburger hätten einen Migrationshintergrund, in einigen Klassen gebe es aber einen Anteil von 25 Prozent, erzählte Witt. Integration sei daher von hoher Bedeutung. Hans-Heinrich Lappat, Abteilungsleiter im Ministerium für Inneres und Sport, bestätigte dies für ganz Mecklenburg-Vorpommern. Er lobte die enge Zusammenarbeit mit den Wohnungsgesellschaften bei der Unterbringung und Integration von Asylsuchenden. In seinem Vortrag berichtete Lappat über die Möglichkeiten und Grenzen der wirtschaftlichen Betätigung kommunaler Wohnungsunternehmen und über aktu- 6

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VNW elle Entwicklungen. „Grundsätzlich gibt es keine Vorbehalte gegenüber Tochtergesellschaften z.B. in Bezug auf die Energieversorgung“, sagte Lappat. Allerdings müssten eine Reihe von rechtlichen und organisatorischen Vorgaben beachtet werden, sagte er. Welche das sind, erklärte Lappat in seinem Vortrag. Anhand von Beispielen zeigte Prof. Dr. Klaus-Peter Hillebrand, DOMUS AG, welche Spannungs­ felder und Interessenkonflikte, aber auch welche Möglichkeiten es bei innovativen Geschäftsmodellen gibt. Dazu machte er auf Aktuelles aus dem Steuerrecht aufmerksam und präsentierte verschiedene Projekte kommunaler Wohnungsunternehmen. Bernd Eysert (WP/StB) vom VNW stellte Anlässe, Struktur und Inhalte von Unternehmens- und Sanierungs­ konzepten vor. Er wies auf die Unterstützung des VNW sowie auf die GdW-Arbeitshilfe 76: „Zukunftsfähigkeit von Wohnungsunternehmen“ hin. Die Aufgabenfelder und der Umgang mit Veränderungen kleiner wie auch großer kommunaler Wohnungsgesellschaften stellten vier Geschäftsführer bzw. Geschäftsführerinnen vor. Regina Nienkarn, Geschäftsführerin der STEWO Sternberger Wohnungsbaugesellschaft mbH, zeigte, wie sie und ihr Team auf den Strukturwandel im ländlichen Raum reagierten. Für das Sanierungskonzept hätten sie die Entwicklung der Mieterstruktur sowie mögliche Spannungsfelder zwischen Gemeinde und Gesellschaft analysiert und die Bestände klassifiziert. Ziel sei gewesen, durch das Sanierungskonzept Kosten einzusparen und gleichzeitig eine kundenorientierte Arbeitsweise zu sichern. Heike Post, Geschäftsführerin der WGR Wohnungsgesellschaft Radegasttal mbH, berichtete anschließend von ihrem Unternehmenskonzept, das von drei Leitgedanken getragen ist: 1. Solvente Mieter finden, Mieter binden 2. Zuverlässige Mitarbeiter finden, Mitarbeiter binden 3. Unternehmerischen Erfolg sichern. Post sagte: „Notwendig ist der Blick aufs Ganze – ein Gesamtkonzept.“ Planungen müssten angepasst werden: „Ein aufgestellter Plan, der nach einem Jahr noch stimmt, bedeutet Stillstand.“ Sie empfahl, das ganze Team einzubeziehen. Dadurch könne das Ziel schneller erreicht werden und das Ergebnis hätte eine höhere Akzeptanz. „Der Weg zum Erfolg ist am schönsten, wenn man ihn zusammen mit Anderen geht“, sagte die Geschäftsführerin abschließend. Klaus-Peter Adomeit, Geschäftsführer der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH Greifswald( WVG) berichtete unter anderem über die aktuelle Unternehmensgründung „SoPHi – Gesellschaft für Sozial-, Pflege- und Hilfsdienstleistungen“. Diese soll als Tochterunternehmen die sozialen Hilfs-, Beratungs- und Pflegedienstleistungen bündeln und miteinander koordinieren sowie Ansprechpartnerin für soziale und persönliche Probleme sein. Noch ist das Unternehmen nicht genehmigt, Gespräche würden derzeit geführt. Frank Benischke, Geschäftsführer der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft mbH, NEUWOGES, stellte die Entwicklung seines Unternehmens vor. Rückbau, Neubau sowie Modernisierungen mit Blick auf Barrierefreiheit und Kundenwünsche seien aktuelle Handlungsfelder. Neue Geschäftsmodelle in den Bereichen Energie- und Wärmeversorgung, Telekommunikationsdienste und ambulante bzw. stationäre Pflegedienstleistungen würden immer mehr an Bedeutung gewinnen. „Die richtige Strategie muss jedes Unternehmen für sich entwickeln“, sagte Benischke. Rechtzeitiges Handeln sei wichtig – man solle sich nicht von den Tatsachen überfahren lassen und die Bevölkerungsentwicklung sowie den Wohnungsmarkt aufmerksam beobachten. Robert Buff von der S/E/Gesellschaft für Strategie und Ergebnisse KG aus Köln fasste abschließend die wichtigsten Punkte der Tagung zusammen und wagte einen Blick in die Zukunft. Er präsentierte „Kluge Kooperationsstrategien“. Dabei ginge es vor allem um Vertrauen, um ein Win-Win-Ergebnis aller Beteiligten zu erreichen, erklärte Buff. Exkursion: Am Vortag der Kommunalen Tagung hatten die Gäste die Möglichkeit, verschiedene Wohnquartiere und Projekte der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft mbH NEUWOGES zu besichtigen. h 7

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VNW Erstes WOWI-Frühstück großer Erfolg Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat am 11. Mai 2016 beim ersten wohnungswirtschaftlichen Frühstück des VNW in Hamburg vor rund 65 Vorständen und Geschäftsführern der Hamburger Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften zum Thema „Stadtentwicklung und Infrastruktur 2024 – Akzente und Perspektiven ohne Olympia“ gesprochen. „Dass unsere Stadt als attraktiv gilt, liegt nicht nur an ihrer schönen Lage am Fluss oder der Wirtschaftskraft. Hamburg ist auch attraktiv, weil jeder dort seinen Platz finden kann“, erklärte Scholz. „Einen Platz zum Lernen, zum Arbeiten und zum Wohnen. Damit das so bleibt, wollen wir jährlich mindestens 10 000 Wohneinheiten genehmigen. Die Durchschnittspreise müssen auch für Neubauten wieder zum Durchschnittseinkommen passen. Eine Möglichkeit zur Senkung der Baukosten stellt der System- oder Serienbau dar. Moderner Serienbau kann unsere energetischen Standards genauso erfüllen wie den Wunsch nach soliden Materialien und einer ansprechenden Architektur.“ Damit sprach Scholz ein aktuelles Thema der Wohnungswirtschaft an: Die Konzeptionierung neuer Ideen in Sachen Wohnungsbau. Neben Nachverdichtung, Bebauung von Baulücken und Aufstockung müssten außerdem vor allem Bauflächen ausfindig gemacht werden, erklärte VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner. Bisher für den Wohnungsbau tabuisierte Flächen spielten dabei ebenfalls eine Rolle und sollten behutsam in den Planungsprozess zur Stadterweiterung einbezogen werden. „Bei einer Zielsetzung von 10 000 Baugenehmigungen pro Jahr benötigen wir eine langfristige Strategie für den Wohnungsbau. Alle Potenziale müssen erschöpft, alle Beteiligten einbezogen werden“, sagte Breitner. „So, wie es aktuell bereits auf Quartiersebene in Rothenburgsort und im südlichen Hamm unter dem Motto ‚Stromaufwärts an Elbe und Bille‘ läuft. Bezirk, Wohnungswirtschaft, Bürgerinnen und Bürger, örtliche Unternehmen und Institutionen erarbeiten hier gemeinsam konkrete Handlungskonzepte und Einzelmaßnahmen. Dies sollte auf den gesamten Stadtentwicklungsprozess übertragen werden. Denkbar sind beispielsweise Workshops für städtebauliche Funktionspläne sowie Städtebauwettbewerbe auch für Investorengruppen.“ Anschließend diskutierten die Anwesenden mit dem Bürgermeister über Sinn und Unsinn von Subventionen, Begrenzung von Auflagen, notwendiger Flexibilität und erforderlichem politischen und gesellschaftlichen Konsens in Sachen Wohnungsbau. Neben Olaf Scholz waren Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, und Staatsrat Matthias Kock beim VNW zu Gast. Das „WOWI-Frühstück“ des Verbandes bietet Wohnungswirtschaft und Politik die Möglichkeit des fachlichen Austausches und der Diskussion. Es soll einer schnellen Lösungsfindung und Umsetzung in Sachen Wohnungsbau dienen. Das nächste WOWI-Frühstück wird voraussichtlich im Herbst stattfinden. h VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner (r.) mit dem Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg Olaf Scholz beim WOWIFrühstück. 8

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Digitalisierung Digitalisierung leitet Aus für tradiertes Geschäftsmodell der Wohnungsvermietung ein MATTHIAS HERTER Geschäftsführer meravis Immobiliengruppe, Hannover, Hamburg Diplom-Ökonom. Nach kaufmännischer Berufsausbildung studierte Herter Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten Marketing, Informatik, Unternehmensführung und -organisation. Er begann seine berufliche Laufbahn bei einem Management Consulting Unternehmen und wechselte 1993 in die Immobilienbranche. Schwerpunkt: Bauen und Projektentwicklung. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der meravis Wohnungsbau- und Immobilien GmbH (ehemals Reichsbund Wohnungsbau GmbH) und seit 2009 Geschäftsführer der meravis Immobiliengruppe, seit 2011 Vorsitzender der Geschäftsführung. Seit 2006 ist er außerdem Vorstand der Reichsbund Stiftung. Er ist Mitglied in Vorstandsgremien des vdw und VNW sowie Mitglied im Wirtschaftsbeirat der Nord/LB. Deutschland zählt zu den Top Ten der vernetzten Gesellschaften der Welt. Im internationalen Vergleich belegt es Platz fünf hinsichtlich der Nutzung von digitalen Endgeräten wie Wearables, Tablets, Smartphones, E-Readers und – man mag es schon gar nicht mehr erwähnen – Computern. Ein überraschendes Ergebnis, das die Gesellschaft für Konsum­ forschung GfK im Mai dieses Jahres vorgelegt hat. irtschaftlich gesehen kommt der digitale Umbau im Land eher moderat daher. Mehr Tempo bei der Digitalisierung mahnte jüngst Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem Besuch auf der CeBIT 2016 an und hatte damit auch die Wohnungswirtschaft im Visier. „Ich kann mir W nur wünschen, dass die deutschen Unternehmen – egal, ob mittelständisch oder groß – schnell die Möglichkeiten der Verschmelzung mit den Möglichkeiten des Internets nutzen, um auch in ihren Kundenbeziehungen modern und auf der Höhe der Zeit zu sein.“ g 9

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Digitalisierung Digitale Transformation als Unternehmensaufgabe Auf der Höhe der digitalen Zeit aber ist die Mehrheit der Wohnungsunternehmen im GdW-Verbund nicht. Unabhängig, von welchem Bereich der Digitalisierung wir sprechen – ob Prozessoptimierung oder Umbau der Geschäftsmodelle – steckt die Wohnungswirtschaft noch in den Anfängen des Internets (Web 1.0) und den Entwicklungen von Social Media (Web 2.0) fest. Weit entfernt von den Welten der sogenannten Digitalisierung 4.0, die auf die Vernetzung der Industrieproduktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik im Internet der Dinge (IdD) abzielt. Die Antwort auf diese strategischen Fragen entscheidet über den Grad der digitalen Transformation, vor der jedes einzelne Wohnungsunternehmen heute steht. Ein Weg, um diese Aufgabe erfolgreich zu meistern, ist die Festlegung einer „Digitalen Agenda“ als strategische Zielsetzung und als Fahrplan zur operativen Umsetzung im eigenen Unternehmen. Die Entscheidung darüber liegt in den Händen der Vorstände von Genossenschaften und in der Verantwortung von IT-Leitern, Corporate Informations Officers (CIOs) oder Corporate Digital Officers (CDOs) in kommunalen und Großunternehmen der Wohnungswirtschaft. Entsprechend der Unternehmensgröße bieten sich zwei Vorgehensweisen an: Einführung der Digitalisierung im Rahmen der Prozessoptimierung, beispielsweise zur Verbesserung des Workflows oder des Kundenmanagements oder – und das ist der weitreichendere Schritt – zur Modifizierung des Geschäftsmodells „Vermietung“. Denkbar ist hier die Bereitstellung einer modernen technischen Infrastruktur und Anbieter-Plattform, die das Ankoppeln von digitalen Dienstleistungen branchenfremder Akteure an die wohnungswirtschaftlichen Kerndienstleistungen erlaubt; beispielsweise die Integration von Add-ons wie Pflegedienstleistungen oder Smart Home-Produkte in das Mieterportal von Wohnungsunternehmen. Mit dem klaren Ziel, an der Bereitstellung der technischen Infrastruktur für Drittanbieter wirtschaftlich zu partizipieren. Die meravis Immobiliengruppe verfolgt beide Wege gleich­ zeitig – die interne Prozessoptimierung und die Bereitstellung von Dienstleistungen für Mieter und Drittanbieter. Um zukunftssicher aufgestellt zu sein, hat das Unternehmen mit Abschluss der Neustrukturierung des Konzerns im Jahr 2015 auch eine „Digitale Agenda 2020“ aufgestellt. Sie sieht die Optimierung von wohnungswirtschaftlichen Dienstleistungen durch Digitalisierung von Kernprozessen vor, beispielsweise die durchgängige digitale Kundenbearbeitung mittels Customer Relationship Management (CRM), Supplier Relationship Management (SRM) oder Feedbackmanagement zur Beurteilung von Handwerkerleistungen. Geplanter Realisationszeitraum: zwei Jahre. In den darauffolgenden drei Jahren ist die Digitalisierung des gesamten Workflows, unter anderem die Umsetzung der digitalen Mieterakte, geplant. >>>Einbau Foto: Digitale Agenda Technologischer Fortschritt verändert Marktgefüge Gleichwohl liegen zwischen diesen linearen Entwicklungen nur einige wenige Jahre. Gemessen am technologischen Fortschritt und an der Marktpenetration – Lichtjahre. Ein weiterer Beschleuniger: Mit der technologischen Revolution geht auch eine gesellschaftliche und eine marktwirtschaftliche Revolution einher: Die Kunden, Nutzer und Mieter werden zu Produzenten, Autoren und Kritikern von Informationen über Unternehmen, Produkte und Leistungen. Ihre Meinung nimmt Einfluss auf Kaufund Produktionsentscheidungen und auf die Reputation von Unternehmen. Die Konsequenz: Der Verkäufermarkt entwickelt sich zum Käufermarkt. Der Kunde gewinnt an Macht. Diese digitale Entwicklung gilt es als Wohnungsunternehmen zum eigenen Vorteil zu nutzen. Dem Grundverständnis der Wohnungswirtschaft folgend, den Markt vom Kunden her zu denken, sind heute neue Fragen und ein neues Denken erlaubt: Ist unser etabliertes Geschäftsmodell der ausschließlichen Vermietung von Wohnraum noch zeitgemäß? Sind Dienstleistungen rund um das Produkt Wohnen gefragt? Welche Produkte bieten sich an? Welche Kompetenzen benötigen wir? Bauen wir zusätzliches Know-how intern auf oder gehen wir tragbare und verlässliche Partnerschaften mit neuen, branchenfremden Akteuren und technikaffinen Start-ups ein? Ist es erstrebenswert und legitim, gemeinsam ein neues Produkt zu erschaffen und einen wirtschaftlichen Nutzen zu generieren? >>> Massenprozess Instandhaltung Massenprozess Instandhaltung – Reparaturen Quelle: meravis Digitale Agenda Quelle: meravis / Dr. D. Kardel 10

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Offene Geschäftsmodelle für die Wohnungswirtschaft Die digitalen Veränderungen bergen Chancen und Risiken – und werden das Markt- und Machtgefüge in und um die Wohnungs­ wirtschaft herum beeinflussen. Analog zu den aktuellen Beob­ achtungen im politischen Parteiensystem Deutschlands und in Europa wird es zu Schrumpfungsprozessen kommen, die neue Partnerschaften und Allianzen nach sich ziehen und neue Geschäftsmodelle entstehen lassen. Erste Tendenzen dieser disruptiven Entwicklung zeigen sich in den Kooperationen der Wohnungs- mit der Versorgungswirtschaft oder in bislang etablierten IT-Partnerschaften. Hier drängen Start-upUnternehmen mit neuen Geschäftsmodellen und Produkten in den Anbieter-Markt, die unter anderem eine autarke Energieversorgung erlauben oder eine eigenständige Kontrolle über Prozesse der Hausautomation mittels Computer, Smartphone oder App ermöglichen. Vor diesem Hintergrund ist es für die Zukunft zu erwarten, dass etablierte Partnerschaften gelöst werden und neue Partnerschaftsmodelle oder Add-on-Kooperationen mit jungen Unternehmen entstehen. Immer auch vor dem Hintergrund, dass die Zusammenarbeit ein gemeinsames wirtschaftliches Ziel und ertragreiche Benefit-Optionen für beide Vertragspartner aufweist. Die neuen Technologien öffnen aber nicht nur neue Märkte, sondern verändern auch die Kundenströme. Schon heute ist festzustellen, dass die wachsende Anzahl an Anbietern im Markt für Add-on-Lösungen genau die Kundengruppe anspricht und bedient, die das Stammklientel der Wohnungswirtschaft umfasst – und auf dieser Basis eigenes Geschäft generiert. Ein Schulterschluss mit ihnen und eine Integration dieser digitalen Lösungen, beispielsweise in das Mieterportal der Wohnungsunternehmen, schaffen neue Services und damit einhergehend eine erhöhte Bindung der eigenen Mieterschaft. Und sie eröffnen Synergien für monetäre Einnahmequellen durch Provisionsverträge auf gesetzlich geregelter Grundlage. Auch Genossenschaften können von diesen Entwicklungen partizipieren, beispielsweise durch die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen, die gewinnorientiert arbeiten. Die erfolgreiche Zukunft wohnungswirtschaftlicher Unternehmen liegt also im Aufbau digitaler Unternehmensstrategien und der Erschließung neuer Geschäftsmodelle mittels partizipativer Partnerschaften im Bereich innovativer Plattform-Technologien. Im Unterschied zu bisherigen Modellen, die durch Abhängigkeit der Wohnungs- von den IT-Unternehmen gekennzeichnet war, wird perspektivisch die Wohnungswirtschaft zum Zulieferer für Technologie-Unternehmen. Zumindest, was den Marktzugang zur Mieter­ kundschaft von Wohnungsgenossenschaften, kommunalen und privatwirtschaftlich agierenden Wohnungs­ unternehmen betrifft. Relevant auf diesem gemeinsam zu beschreitenden Weg ist der kontinuierliche Dialog und Informationsaustausch zwischen den Unternehmen und Verbänden der Wohnungswirtschaft und innerhalb der Mitarbeiterschaft. Erste Schritte sind vollbracht, beispielsweise durch die Gründung des Arbeitskreises „Digitalisierung, Multimedia & IT“ des vnw oder Veranstaltungen wie den „Zukunftstag“ des GdW, wo Praxiserfahrungen, Unternehmen und Beispiele von Digitalisierungsprozessen und Partnerschaftsmodellen vorgestellt werden. h Weitblick planen. Von Anfang an auf lange Sicht – wir begleiten Sie als verlässlicher und dauerhafter Partner der Wohnungswirtschaft. Ihre Vorteile: ■ gute Konditionen, ■ flexible Produkte, ■ individuelle Betreuung auf Augenhöhe. Gemeinsam mit Sprechen Sie mit uns: Matthias Brauner Regionaldirektor für Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen Tel. +49 30 220021-4310 matthias.brauner@wlbank.de Horst Warneke Regionaldirektor für Hamburg, Schleswig-Holstein Tel. +49 40 5544869-4350 horst.warneke@wlbank.de Treffen Sie uns auf dem VNW-Verbandstag am 16.06. in Kiel! info@wlbank.de www.wlbank.de Ein Unternehmen der WGZ BANK-Gruppe

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EBZ Führungskräfteentwicklung für Unternehmen im Norden Die EBZ Business School bietet Masterstudiengang Real Estate Management im Studienzentrum Hamburg an Ob Wohnungsneubau, Digitalisierung oder der Flüchtlingszustrom – mit den steigenden Herausforderungen wächst die Nachfrage nach qualifizierten Fach- und Führungskräften innerhalb der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft stetig. Schon jetzt hat jedes zweite Unternehmen Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Dies geht aus der aktuellen Personalentwicklungsstudie des EBZ hervor. Um die Branche bei der Personalentwicklung zu unterstützen, bietet die EBZ Business School – University of Applied Sciences in enger Zusammenarbeit mit dem VNW und unterstützt von ihrem Beirat Nord ab dem Wintersemester 2016/2017 auch den Masterstudiengang Real Estate Management im Studienzentrum Hamburg an. Laut EBZ Personalentwicklungsstudie prognostizieren die Unternehmen, dass sich der Bildungsbedarf in den kommenden Jahren deutlich steigern wird. Personalentwicklung und die Weiterbildung der Mitarbeiter erklären die Unternehmen daher zu TOP Themen der Zukunft, so die Ergebnisse der Studie. Neben den steigenden Anforderungen begründet auch der bevorstehende Generationswechsel in der Branche eine zunehmende Nachfrage nach Führungskräften. „Mit dem Masterstudiengang Real Estate Management möchten wir unseren Mitgliedsunternehmen die Möglichkeit geben, gleich hier im Norden vielversprechende Nachwuchskräfte besonders zu fördern“, erklärt Andreas Daferner, Bildungsreferent des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. und Vorsitzender des Beirats Nord der EBZ Business School. Bisher konnten die Studierenden der EBZ Business School das Bachelorstudium Real Estate in Hamburg absolvieren. Ab dem 12

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EBZ Sie sind herzlich eingeladen! Campusnachmittag der EBZ Business School am Studienzentrum in Hamburg in den Räumlichkeiten des VNW, Tangstedter Landstraße 83. ? Nächster Termin: 14. September 2016, um 17:00 Uhr Alle Fotos: ebz business school. Wintersemester 2016/2017 wird nun auch der renommierte Masterstudiengang Real Estate Management im Studienzentrum Hamburg der EBZ Business School angeboten. In fünf Semestern können sich angehende Führungskräfte der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten. In vielfältigen und abwechslungsreichen Modulen wie „Strategischem Management in der Immobilienwirtschaft“, „Bautechnik, Architektur und Projektmanagement“ oder „Internationalen Immobilienmärkten“ werden den Lernenden ganzheitliches strategisches und unternehmerisches Denken und Handeln vermittelt. Module wie „Jahresabschlussanalyse und Jahresabschlusspolitik“, „Kapitalmarkttheorie“ oder „Volkswirtschaftslehre“ vertiefen die im Bachelorstudium gelegten ökonomischen Grundlagen. Von der Erweiterung der fachlichen Kompetenzen durch das Masterstudium geht ein Mehrwert sowohl für die berufliche Zukunft der Studierenden als auch für die Arbeitgeber aus. Schon während des Studiums können Arbeiten zu unternehmensrelevanten Themen verfasst werden. Der Vorteil für bereits eingeschriebene Bachelorstudierende der EBZ Business School in Hamburg: Sie können nahtlos nach dem Bachelorabschluss am Studienzentrum Hamburg ein immobilienwirtschaftliches Masterstudium vor Ort aufnehmen. Auch beim Ausbau des Studienzentrums Hamburg wird die EBZ Business School unterstützt und beraten durch ihren Beirat Nord. Dieser setzt sich aus Verbandsrepräsentanten, Vertretern norddeutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen sowie Kreditinstituten zusammen. Die enge Kooperation sorgt für hervorragende Praxisorientierung der wissenschaftlichen Ausbildung. So wird die Lehre an der EBZ Business School auch in Hamburg durch wichtige Entscheidungsträger der Branche als Lehrbeauftragte ergänzt und bietet den Studierenden den direkten Austausch mit Unternehmens- und Verbandsvertretern. „Mein Abschluss als M.A. Real Estate Management im Jahr 2010 war eine ideale Weiterentwicklung meines beruflichen Werdegangs. Die intensive Betreuung und die erfahrenen Lehrbeauftragten vermitteln Wissen und Methoden, auf die ich heute noch zurückgreifen kann. Das ideale Rüstzeug für die Herausforderungen und aktuellen Themenstellungen wie Digitalisierung, demografischer Wandel oder auch die Energiewende. Man erhält als M.A. Real Estate Management das erforderliche Wissen damit umzugehen“, erklärt Michael Wulf, Vorstandssprecher Bauverein der Elbgemeinden eG, Mitglied im Beirat Nord sowie Hochschulratsmitglied des EBZ Business School. Die EBZ Business School lädt alle Studieninteressierten sowie Arbeitgeber zu den Campusnachmittagen beim VNW ein. Dort erhalten sie alle Informationen über das Studium sowie Fördermöglichkeiten. h 13

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