Mensch und Mund 2/2016

 

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Frischer Atem

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5. Jahrgang · Ausgabe 2/2016 Mensch & Mund Ganzheitliche ZahnMedizin für interessierte Patienten Bildquelle: wikipedia/Biber Studio Frischer Atem 1

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Mensch & Mund Bildquelle: wikipedia/AndreasPraefcke Frischer Atem Im persönlichen Gespräch spielt der Atem eine wichtige Rolle. Bei unfrischem Atem reagiert die Umwelt oft reserviert und weicht zurück. So kann Mundgeruch das soziale Miteinander erheblich beeinträchtigen. Zum Glück können Sie viel dagegen unternehmen! S 2 chlechter Atem – für viele Menschen eine unangenehme bis peinliche Vorstellung. Dabei ist dieses Phänomen häufig und weltweit verbreitet: rund 25 % aller Menschen haben zu bestimmten Tageszeiten schlechten Atem; 6 % der Bevölkerung dauerhaft. Die mit weitem Abstand häufigsten Ursachen finden sich im Mundraum selbst – und die gute Nachricht lautet: Sie können selbst viel für einen guten, frischen Atem tun. Voraussetzung: eine sorgfältige individuelle zahnärztliche Diagnose und entsprechendes Befolgen einiger grundlegender Verhaltensweisen. Schlechter Atem ist keine Krankheit Die gute Nachricht zuerst: So unangenehm schlechter Atem im Einzelfall wahrgenommen werden mag, es handelt sich um keine Krankheit. Die meisten Betroffenen wollen gerne etwas dagegen unternehmen, und dafür stehen die Erfolgschancen erfreulicherweise gut. Denn in 80 bis 90 % aller Fälle hat schlechter Atem (wissenschaftlich: Halitosis) seine Ursache direkt in der Mundhöhle. Das heißt: Die Ursachen sind leicht erreichbar und können entsprechend direkt beeinflusst werden. Der schlechte Atem wird durch Bakterien erzeugt, die organisches Material (Speichel, Blut, Nahrungsreste) zersetzen. Dabei werden chemische Verbindungen freigesetzt, die flüchtig sind und sich deswegen schnell in der Atemluft verteilen, und die gleichzeitig viel Schwefel enthalten, der für den schlechten Geruch verantwortlich ist. Mensch und Mund · 5. Jahrgang 2/2016

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Mensch Mensch & & Mund Mund Die meisten Bakterien in der Mundhöhle sind auf der Zungenoberfläche angesiedelt. Die Struktur der Zunge begünstigt die Ansiedlung von anaeroben Bakterien, umgekehrt bietet die Zunge aufgrund ihrer großen Fläche einen sehr guten Ansatzpunkt für die Diagnose und anschließende Behandlung von schlechtem Atem. Außer einer belegten Zunge gibt es noch andere mögliche Ursachenherde im Mundraum:  Parodontitis: Atem diagnostizieren? Wenn ein Patient über Mundgeruch klagt, wird der Zahnarzt zunächst herausfinden, wie genau das Beschwerdebild gelagert ist. Wichtigen Aufschluss erhält man zum Beispiel über typische begleitende Faktoren wie Ernährungsgewohnheiten, Rauchen, Trinken von alkoholischen Getränken, Stress oder Schnarchen. So banal es vielleicht klingt, so wichtig ist es doch: Eine Beurteilung des Mundgeruchs erfolgt in erster Linie durch den Geruchssinn. Wenn ein störender Geruch im Atem bereits aus erheblicher Entfernung, ein Meter zum Beispiel, wahrnehmbar ist, gilt dies als starker Mundgeruch – ein klares Hemmnis für sozialverträgliches Miteinander. Eine solche sogenannte organoleptische Diagnose hat allerdings den Nachteil, dass ihre Ergebnisse nicht objektiv messbar sind. Deshalb kann sie mit instrumentellen Messungen ergänzt werden. Geräte, die zum Einsatz kommen, sind z. B. Gaschromatographen, Sulfid-Monitore oder sogenannte Bio-Sniffer. Solche instrumentellen Messungen können die persönliche Diagnose nur ergänzen und sind nicht zwingend notwendig. Diese Faktoren begünstigen Halitosis:  Reduzierter Speichelfluss  Stress  Rauchen  Viel Kaffee trinken  Mundatmung  Einseitige Ernährung (z. B. Atkins-Diät)  Nahrungsmittelunverträglich keiten  Zungen-Piercings  Alkoholkonsum  Zu hoher Body-Mass-Index  Fleischverzehr  Nebenwirkungen von Medikamenten  Zu wenig Wasser trinken bei vorhandenen Zahnfleischtaschen lohnt es sich, hier genauer nach den Ursachen von schlechtem Atem zu suchen; je mehr Zähne betroffen sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit.  offene Karies  mangelhafte Mundhygiene  lokale Infektionen  mangelnde Hygiene bei Zahnersatz (Prothesen) Wo schlechter Atem nur selten herkommt Schlechter Atem kann seine Ursachen auch außerhalb des Mundraums haben, z. B. im Bereich rund um Nase und Rachen. So kann eine Entzündung der Mandeln oder Nebenhöhlen zu schlechtem Atem führen. Deutlich seltener sind Fremdkörper in der Nase Ursachen für Halitosis, das gleiche gilt für chronische Rhinitis, ansteckende Mononukleose, Diphtherie oder weitere, noch entlegenere Krankheitsbilder. Wer plötzlich unter schlechtem Atem leidet, sollte auch überprüfen, ob er Medikamente einnimmt, die Halitosis als Nebenwirkung hervorrufen können. Manchmal liest man, dass schlechter Atem aus dem Magen-Darm-Takt stammen könne, das ist aber äußerst selten: Weniger als einer von tausend Fällen hat dort seine Ursache. Insofern kann man den MagenDarm-Takt zunächst außer Acht lassen: Der erste Gang bei schlechtem Atem sollte Sie auf jeden Fall zu Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin führen. Der zahnärztliche Blick in den Mund Ergänzend zur Beurteilung der Atemluft findet eine Diagnose der Mundhöhle an sich statt. An erster Stelle steht hier die Überprüfung der Zahnfüllungen, des Zahnersatzes, und des Zustandes des Zahnfleischs. Zeigen sich hier Karies, Parodontitis oder Ähnliches, so sollte dies auf jeden Fall als Ansatzpunkt genutzt werden. In dem Maße, in dem Schwachstellen der Zahnsubstanz therapiert werden, wird sich auch die Qualität des Atems verbessern. Dies ist auch der Moment, an dem die bakterielle Situation der Zunge beurteilt wird: Ist die Zunge belegt, wie verbreitet ist der Belag, welche Beschaffenheit hat er? Ein weiterer wichtiger Parameter ist der Speichelfluss. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je weniger Speichel fließt, desto höher ist die Gefahr, schlechten Atem zu entwickeln. Therapie: Hier können Sie ansetzen Nach einer solch umfassenden Untersuchung beim Zahnarzt kann eine Therapie in Angriff genommen werden. Wichtig dabei ist, tatsächlich die für jeden Patienten individuelle Situation genau zu erheben und darauf aufbauend genaue Therapieschritte zu definieren. Es gibt keine Lösung, die für alle passt. Viele begleitende Faktoren bieten die direkteste Möglichkeit, therapeutisch wirksam anzusetzen. Wer viel Kaffee oder Alkohol trinkt, sollte dies reduzieren. Wer raucht und sich selten die Zähne putzt, Wie lässt sich schlechter Mensch und Mund · 5. Jahrgang 2/2016 3

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Mensch & Mund kann ebenfalls durch eine Verhaltensänderung viel für seinen guten Atem bewirken. In jedem Falle sollte genug Wasser getrunken werden: Wer zuwenig trinkt hat wenig Speichelfluss, das begünstigt die Bakterienbildung, und diese wiederum begünstigt schlechten Atem. Unabhängig davon sollte eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt werden, weil hier mit geringem Aufwand schnell große Effekte zu erzielen sind. und bewährt sich bei Millionen Menschen Tag für Tag. Die Verwendung von zusätzlichen Mitteln wie Mundspülungen und dergleichen sollten Sie mit Ihrem Zahnarzt besprechen. Bei medizinischen Produkten, deren Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft wurde, ist es wichtig, eine eventuelle, maximale Anwendungsdauer zu beachten. Regelmäßig die Zunge reinigen Bakteriellem Belag auf der Zunge kann man selbst im Rahmen des täglichen Zähneputzens mit unterschiedlich geformten Zungenschabern zu Leibe rücken. Dabei ist darauf zu achten, dass man stets von der Zungenwurzel zur Zungenspitze hin arbeitet. Es gibt eine Reihe unterschiedlich geformte Zungenreiniger zu kaufen: Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt beraten, welche Form für Sie am besten geeignet ist. Sollten Sie zu den Patienten gehören, die leicht einen Würgereiz entwickeln, lassen Sie sich nicht entmutigen: Die richtige Atemtechnik, Konzentration und die routinierte Handhabung des richtigen Zungenschabers können auch für Sie die Anspannung reduzieren und eine positive Wirkung erzielen. Auch braucht sich niemand Gedanken zu machen, dass durch das Reinigen der Zungenoberfläche auf die Dauer Änderungen des Gewebes vonstatten gehen würden. In der ayurvedischen Medizin gilt die Zungenreinigung seit Jahrtausenden als probates Mittel der Mundhygiene Nutzen Sie die Hilfe der Natur Viele Produkte, die frischen Atem versprechen (Kaugummis, Lutschbonbons) enthalten Pfefferminze – und das aus gutem Grund. Pfefferminze riecht von sich aus frisch und hemmt die Aktivität von geruchsbildenden Bakterien. Damit ist das Kraut aber nicht allein: geruchsintensive Stoffe lassen sich auch mit Chlorophyll oder schwarzem und grünem Tee (und Tee-Extrakten) binden oder zerstören. Bewährt hat es sich, abends vor dem Schlafengehen eine Kardamomkapsel kurz zu zerbeißen und über Nacht in der Backentasche liegen zu lassen. Morgens den Mund mit lauwarmem Wasser und einem Tropfen Pfefferminzöl ausspülen, und der Tag beginnt mit einem ganz neuen Atemgefühl. Die folgenden Mischungen werden gerne zum Gurgeln oder als Mundspülung angewendet:  Bockshornklee, Schafgarbe, Kalmus und Kamille;  Kamille, Salbei, und Pfefferminze;  Salbei, Beinwellwurz, Zinnkraut und Frauenmantel. Auch Apfelessig, Myrrhentinktur oder Odermennigkraut sind möglich. Manch einer schwört auf das morgendliche Ölziehen, wie es im Ayurveda eine jahrhundertelange Tradition hat: Dabei morgens vor dem Zähneputzen einen Esslöffel voll Öl (z. B. Sonnenblumenöl oder Sesamöl: es sollte angenehm schmecken) in den Mund nehmen und anschließend ca. 10 Minuten lang kauen und bewegen. Anschließend den Mund mit warmem Wasser ausspülen. Da viele Giftstoffe fettlöslich sind, wird die Mundgegend dadurch gereinigt, zudem wird der Speichelfluss angeregt. Apropos Ayurveda: in der ayurvedischen Küche ist es auch üblich, nach dem Essen eine Mischung aus Fenchelsamen, Anis, Kardamom und Kümmel zu kauen, um den Atem zu verbessern – das lässt sich auch in unseren Breiten wunderbar genießen. Weg mit dem schlechten Atem! Schlechter Atem ist kein Schicksal: Sie können selbst viel für einen frischen Atem tun. Wenn Sie die Maßnahmen, die wir Ihnen hier kurz angerissen haben und die Sie bitte individuell mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt besprechen, diszipliniert befolgen, so wird sich aller Voraussicht nach schon in kurzer Zeit eine Verbesserung der Situation einstellen – und Sie werden in ihrem gesamten Alltag wieder locker und unbeschwerter auftreten können. Viel Erfolg! Ludwig Fiebig GZM – Sicherheit durch gezielte Qualitätsorientierung Die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) fördert die Kooperation zwischen Zahn-Medizin und Medizin und setzt sich stark für die Realisierung regionaler Netzwerke ein. Dazu organisiert und veranstaltet die GZM regelmäßig internationale Symposien und Kongresse. 4 Mensch und Mund · 5. Jahrgang 2/2016

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Mensch & & Mund Mund Mensch Claudia Herrmann Voll ungechillt! Wie ich die Pubertät meiner Kinder überlebte Rowohlt 288 Seiten, Taschenbuch ISBN: 978-3-499-63148-1 Preis: 9,99 € P ubertät ist, wenn man die eigenen Kinder nicht wiedererkennt. Eben noch hat man sie in den Schlaf gewiegt, und auf einmal darf man ihr Zimmer nicht mehr betreten und die ganze Familie kommuniziert überwiegend per Kurznachricht. Claudia Herrmann hat gleich zwei Teenager zu Hause. Sie nimmt‘s mit Humor und erzählt in ihrem Buch „Voll ungchillt! Wie ich die Pubertät meiner Kinder überlebte“, das am 22. April im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen ist, vom Haarkult ihres Sohnes, veganen Ambitionen ihrer Tochter, Versetzungsgefahr, ersten Freunden und warum fast alles, was sie als Mutter dazu zu sagen hat, „voll ungechillt“ ist. Und ihr Mann? Der sorgt sich vor allem wegen der Wasserrechnung angesichts des Duschverhaltens der beiden Chiller. Ein Buch über den alltäglichen Wahnsinn im Zusammenleben mit Teenagern, irre komisch und sehr, sehr wahr. Über die Autorin: Claudia Herrmann, geboren 1980, betreibt zusammen mit ihrem Mann ein Dentallabor. Die beiden leben mit ihren zwei Kindern in Oberbayern. Die GZM fördert intensiv die Erforschung ergänzender Diagnose- und Therapiekonzepte und arbeitet aktiv daran mit. Qualifizierte Mitglieder der GZM haben eine umfangreiche Weiterbildung in verschiedenen Diagnose- und Therapieverfahren absolviert und sich einer Prüfung unterzogen. Eine Liste der Qualifizierten GZM-Mitglieder nach PLZ-Bereichen finden Sie im Internet unter www.gzm.org Wenn Sie 2,80 € in Briefmarken an die Geschäftsstelle schicken, erhalten Sie die Liste gerne auch per Post zugesandt. Dort sind auch weitere Broschüren zu verschiedenen Themen sowie Infopakete erhältlich. Bitte schreiben Sie an: Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin e.V. Kloppenheimer Str. 10 68239 Mannheim Tel.: +49 (0)621 48179730 Fax: +49 (0)621 473949 E-Mail: gzm@gzm.org www.gzm.org Mensch und Mund · 5. Jahrgang 2/2016 5

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Mensch & Mund Lachen senkt den Blutzucker Lachen wirkt sich nicht nur auf den Gemütszustand aus. Es hat auch Einfluss auf das Immunsystem, vermindert Stress und hilft sogar gegen Schmerzen. Studien zeigen außerdem, dass Lachen auch den Blutzucker senkt. Der Gründer der Stiftung „HUMOR HILFT HEILEN“ Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen möchte insbesondere Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes motivieren, trotz ihrer Erkrankung ihr Leben optimistisch und positiv anzugehen und das Lachen häufiger in den Alltag einzubinden. Humor und eine entspannte Haltung im Alltag wirken sich nicht nur auf die allgemeine Gemütslage, eigene Ausstrahlung und damit auf die Mitmenschen positiv aus. Es mindert auch den Stress, der bekanntlich zu den größten Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen zählt. Bei echtem und länger anhaltendem Lachen werden im Körper T-Zellen aktiviert, die das Immunsystem stärken. Untersuchungen von ernsthaften Gelotologen zeigen, dass Lachen einen positiven Einfluss auf den Blutzucker und den Blutdruck hat. Diabetes-Patienten, die nach einer Mahlzeit eine Comedy-Show besuchten oder einen lustigen Film ansahen, hatten anschließend niedrigere Blutzuckerwerte als nach der gleichen Mahlzeit ohne darauffolgende Unterhaltung. Auch der Bluthochdruck, eine häufige Begleiterkrankung des Diabetes, kann durch Lachen verbessert werden. Im Gegenzug erhöht Stress den Blutzuckerspiegel und kann die Diabetes- Erkrankung verschlechtern. Experten vermuten dauerhaften Stress auch als einen Risikofaktor für Diabetes Typ 2. Für Menschen mit Diabetes gilt deshalb ganz besonders, anhaltenden Stress so gut wie möglich zu vermeiden. Humor aber auch Entspannungstechniken können Belastungen abbauen und dazu beitragen, mit stressigen Situationen besser umzugehen. Dr. Eckart von Hirschhausen meint: „Humor kann man verlieren. Also auch wiederfinden! Und man kann ihn pflegen, als eine Geisteshaltung der heiteren Gelassenheit. Und das ist etwas Tieferes als Witze erzählen oder laut zu lachen. Finden Sie IHREN Humor, lassen Sie sich anstecken im Kreis von Freunden, im Kabarett oder Kino und lernen Sie von den Clowns: Scheitern als Chance – nur wer hinfällt, kann wieder aufstehen. Wir sind nicht auf der Welt, um alles richtig zu machen“. Die bundesweite Stiftung HUMOR HILFT HEILEN unterstützt Clownsvisiten, Workshops für Pflegekräfte und Forschungsprojekte. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass die Begleitung von Kindern vor einer Operation durch einen Clown Angst reduziert und das Vertrauenshormon Oxytocin steigen lässt. Ist Lachen vielleicht tatsächlich die beste Medizin? Quelle: www.diabetesde.org 6 Mensch und Mund · 5. Jahrgang 2/2016 Bildquelle: wikipedia: ‚A-maze-ing Laughter‘ by Yue Minjun in Morton Park, Vancouver

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Mensch Mensch & & Mund Mund Meditation im Studium „Tue, was du tust“ lautet das Motto der Achtsamkeitsbewegung. Das klingt einfach und ist doch keine Selbstverständlichkeit. Das Bedürfnis nach mehr Achtsamkeit im alltäglichen Leben wächst. Nicht nur buddhistische Mönche, sondern auch Unternehmer und Akademiker setzen sich in den Schneidersitz, um meditierend zur Ruhe zu kommen. Die Hochschule Coburg hat das Prinzip in ihre Lehre aufgenommen. Prüfungsstress, der Nebenjob, ein lautes WG-Leben und die erste Selbstständigkeit – viele Studierende fühlen sich gestresst, überfordert und in Zeitnot. Kommen noch schlaflose Nächte in der Prüfungszeit oder ein Streit mit dem besten Freund hinzu, kann das Fass auch schon mal überlaufen. Prof. Dr. Niko Kohls vom Studiengang Integrative Gesundheitsförderung kennt einen Ansatz, damit umzugehen: Achtsamkeit im Alltag reduziert Stress und Angstgefühle spürbar. Das ist, entgegen landläufiger Meinung, kein esoterisches Konzept, sondern ein wissenschaftlich fundiertes Prinzip mit einem positiven Effekt auf die Gesundheit. Achtsamkeit beinhaltet eine Fokussierung des Bewusstseins auf das gegenwärtige Erleben. Man nimmt eine annehmende, positive Grundhaltung ein, ohne das Wahrgenommene zu bewerten. Zehn Minuten Meditation können bereits eine positive Wirkung haben. Wer meditiert, steigert auf lange Sicht seine Konzentration, ist reflektierter und fühlt sich wohler. Achtsamkeit bedeutet, den Moment bewusst zu erleben. Im Alltag zwischen Bibliothek und Hörsaal kann das schwerfallen. Daher empfehlen sich Methoden, die gut in den Tagesablauf integriert wer- den können. Ein Beispiel ist das achtsame Gehen. Anstatt mit den Gedanken beim nächsten Termin zu sein, wird jeder Schritt bewusst wahrgenommen. Die Hochschule Coburg hat das Achtsamkeitsprinzip auf gleich zwei Arten aufgegriffen: Studierende der Integrativen Gesundheitsförderung können im Rahmen des Moduls „Entspannungsförderung“ Seminare zu Achtsamkeit belegen. Hier lernen sie, Achtsamkeit zu praktizieren und zu vermitteln. Wer nicht in diesem Studiengang eingeschrieben ist, kann an der Hochschule auf andere Weise Achtsamkeit erlernen. Das Projekt Coburger Weg bietet in Zusammenarbeit mit dem Referat Gesunde Hochschule Achtsamkeitsseminare für alle Fachdisziplinen an. Die Studierenden setzen sich in den Seminaren intensiv mit ihrem Alltag auseinander und praktizieren Achtsamkeitsübungen. Eine Aufgabe besteht darin, einen Tag ohne Handy zu verbringen. Das erfüllt den Zweck, die ständige Erreichbarkeit durch neue Medien zu unterbrechen. Sie kann ein großer Stressauslöser sein. Die Studienreform im Zuge des Bologna-Prozesses hat zu einer Beschleunigung des Studiums und zu erhöhtem Druck bei den Studierenden geführt. Meditationskurse und Achtsamkeitsübungen stehen an Hochschulen daher hoch im Kurs. Die Hochschule Coburg ergänzt das durch die wissenschaftliche Erforschung des Prinzips und einem ganzheitlichen Angebot des Referats Gesunde Hochschule, das Bewegung- und Ernährungskonzepte beinhaltet. Mit ein wenig Achtsamkeit macht das Studium dann auch wieder richtig Spaß. Quelle: idw Mensch und Mund · 5. Jahrgang 2/2016 7

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Mensch & Mund Eine intakte Darmflora hält geistig fit Eine spezielle Sorte Immunzellen vermittelt zwischen Darmflora und Hirn. Das hat Dr. Susanne Wolf vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der HelmholtzGemeinschaft (MDC) nun an Mäusen herausgefunden. Die Erkenntnisse haben Bedeutung für die Folgen der Langzeitanwendung von Antibiotika, könnten aber auch dabei helfen, die Symptome von psychiatrischen Leiden zu lindern. Darm und Hirn „reden“ miteinander: über Hormone, Stoffwechselprodukte oder direkte Nervenverbindungen. Ein weiteres Bindeglied ist eine bestimmte Population von Immunzellen aus der Gruppe der Monozyten, wie Dr. Susanne Wolf zusammen mit Kolleginnen und Kollegen herausgefunden hat. In Mäusen schalteten die Forschenden das Mikrobiom, also die Bakterien der Darmflora, mit einem Antibiotika-Cocktail aus. Verglichen mit unbehandelten Tieren beobachteten sie daraufhin deutlich weniger neu gebildete Nervenzellen in der Hippocampus-Region des Gehirns. Auch das Gedächtnis der Mäuse verschlechterte sich, denn diese Bildung neuer Hirnzellen – „Neurogenese“ genannt – ist wichtig für bestimmte Gedächtnisleistungen. Bei ausgeschaltetem Mikrobiom ging zusammen mit der Neurogenese auch die Zahl einer bestimmten Immunzellen-Population im Gehirn deutlich zurück, die der Ly6C(hi)-Monozyten. Könnten diese Immunzellen ein bislang unbekannter Vermittler zwischen den Organsystemen sein? Dr. Wolf und ihr Team testeten und bestätigten diese Hypothese: Entfernten sie nur diese Zellen aus den Mäusen, verringerte sich die Neurogenese ebenfalls. Verabreichte sie den mit Antibiotika behandelten Tieren Ly6C(hi)-Monozyten, nahm die Neurogenese wieder zu. Die Forscher kurierten die Antibiotikabehandelten Tiere mit zwei unterschiedlichen Strategien. Nahmen die Mäuse eine Mixtur aus ausgewählten Bakterienstämmen ein oder absolvierten sie ein freiwilliges Training im Mäuse-Laufrad, wurden die negativen Wirkungen der Antibiotika rückgängig gemacht. Die Monozytenzahl erholte sich ebenso wie die Gedächtnis- leistung und Neurogenese. Eine Wiederherstellung der Darmflora mit dem Mikrobiom unbehandelter Tiere war nicht erfolgreich. Übertragen auf den Menschen bedeuten die Ergebnisse nicht etwa, dass alle Antibiotika die Gehirnfunktion stören, denn die verwendete Kombination von Medikamenten war extrem stark. „Möglicherweise sind aber ähnliche Effekte bei Therapien mit Antibiotika über einen langen Zeitraum zu erwarten“, sagt Susanne Wolf. Auch ohne Umweg über die Darmflora wirken die Antibiotika auf die Neurogenese, wie weitere Ergebnisse des Forscherteams zeigen. Die neue Arbeit hat auch Folgen für die Behandlung psychiatrisch erkrankter Personen, etwa Schizophrenie- oder Depressions-Patienten mit beeinträchtigter Neurogenese, sagt Susanne Wolf: „Möglicherweise können diesen Patienten ergänzend zu Medikamenten und Sport auch probiotische Präparate helfen.“ Um dies zu beweisen, sind weitere Studien notwendig. Quelle: idw 8 Mensch und Mund Bildquelle: wikipedia: Diverse E coli · 5. Jahrgang 2/2016

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