Geschäftsbericht 2015

 

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Geschäftsbericht 2015

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GESCHÄFTSBERICHT2015 Im Dienste unserer Mitglieder

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GESCHÄFTSBERICHT2015 Im Dienste unserer Mitglieder

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I NH A LT Vorwort Von Bielefeld bis Berlin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Unternehmerverband der Metallindustrie Tarifrunde 2016 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 Mitgliederstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Vorstands- und Beiratsmitglieder des Verbandes 2015. . . . . . . . . . . 7 Mitgliederversammlung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Aus der Arbeitsrechtlichen Praxis - Handyverbot & Nazi-Parole. . . . 10 Testimonial: Bobst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Arbeitsrecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht 2015/2016 . . . . . . 13 Mitgliederinformationen durch Rundschreibenservice . . . . . . . . . . 14 Neues aus den Mitgliedsunternehmen des UVM Bernstein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bobst. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Böllhoff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hettich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gestamp Umformtechnik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Poppe + Potthoff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Pentair Jung Pumpen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grohe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wago. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schüco Alu Competence . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Parker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . BKK_DürkoppAdler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28

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Neues aus den Mitgliedsunternehmen des AGV Tuxhorn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Baumgarte Boiler Systems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . BITel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Goldbeck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Boge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Franziskus Hospital. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hörmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . interstil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IP Adelt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Oetker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Piening. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 Bobby Car Solar Cup. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Betriebsbesichtigung für Flüchtlinge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Testimonial: Parker Hannifin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorstands- und Beiratsmitglieder des AGV 2015 . . . . . . . . . . . . . . 41 42 42 44 Verbandsingenieure Arbeitswirtschaft Arbeitsorganisation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kooperationsprojekte: Effektiv Führen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . KAIZEN Mentoren-Training . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kooperationsprojekte: Ideenmanager - Starterworkshop . . . . . . . Seminarveranstaltungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verbandsarbeitskreis Industrie 4.0. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Aufgabenbezogene Verdiensterhebung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 46 47 48 49 49 50 Veranstaltungen und Kooperationen Kooperation mit dem Gildenhaus e.V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 Arbeitskreis SchuleWirtschaft. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 Todesanzeigen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54

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VO R WOR T VO N BI ELE F E L D BIS BERLIN Das Jahr 2015 war geprägt durch große Veränderungen und Herausforderungen. Neben den allgemeinen sozial-und wirtschaftspolitischen Themen waren es vor allem internationale Konflikte, die sich auch vor Ort auf die Wirtschaft auswirkten. Griechenland und der Euro, die Diskussion um TTIP, der Konflikt in der Ukraine und die Bedrohung durch terroristische Anschläge seien beispielhaft genannt. Neben diesen „großen Themen“ gab es aber auch konkrete und im betrieblichen Alltag zu bewältigende Probleme. Die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns von 8,50 € zum 01.01.2015 und die Ungenauigkeiten im Mindestlohngesetz sowie der mit der Einführung des Mindestlohns verbundene hohe bürokratische Dokumentationsaufwand stellten die Unternehmen vor erhebliche Schwierigkeiten. Politisch war der Mindestlohn umstritten: die Vorsitzender Arbeitgeberverband Bielefeld e.V. Maßnahme werde wie ein Konjunkturprogramm wirken – sagten die einen. Sie werde verheerende Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen – warnten die anderen. Mehr als ein Jahr später und bei einem Wirtschaftswachstum von 1,7 % im Jahr 2015 dürfte klar sein, dass von einem Konjunkturprogramm keine Rede sein kann. Der Wegfall von circa 170.000 bis 180.000 Minijobs stellt die Kehrseite des politisch gewollten Mindestlohns dar. Das bestimmende Thema des letzten Jahres aber war die Aufnahme von Flüchtlingen. Noch nie zuvor sind so viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Nach Angaben des Bundesministeriums wurden von Januar bis November 2015 rund 1 Millionen Flüchtlinge registriert. Deutschland war und ist ein Einwanderungsland. Ungefähr ein Fünftel der Bevölkerung besitzt bereits einen Migrationshintergrund. Vor dem Hintergrund des zu erwartenden Fachkräftemangels und des bereits bestehenden Fachkräfteengpasses müssen wir großes Interesse an einer frühzeitigen und bestmöglichen Integration von Flüchtlingen mit hoher Bleibeperspektive auch in den Arbeitsmarkt haben. Schlüssel hierfür ist der Erwerb der deutschen Sprache. Aber auch die Vermittlung grundsätzlicher Werte unserer Gesellschaft muss sichergestellt werden. Unsere Unternehmen vor Ort haben sich bereits stark für die Integration engagiert. Neben der finanziellen Förderung z.B. von Sprachkursen wurden Praktikaplätze und Möglichkeiten der Betriebserkundung angeboten. Auf diesem Weg werden wir weitergehen. Und nicht zuletzt ein Blick auf die Situation in Bielefeld und Umgebung. Wirtschaftliches Kernthema ist immer noch die Ausweisung ausreichender und passender Gewerbeflächen. Für Bielefeld als Oberzentrum bedeutet die Ausrichtung auf Dienstleistung und Wissenschaft sicherlich einen wichtigen Standortfaktor. Wir erwarten aber auch eine stärkere Fokussierung auf die Bedürfnisse unserer industriellen Arbeitgeber in der Zukunft. BURKHARD HERDEN

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5 T A RI F RUNDE 2016 Erstmalig habe ich Gelegenheit, an dieser Stelle Einschätzungen über eine Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie und ein Verhandlungsergebnis abzugeben. Bislang handelt es sich immer noch um ein Verhandlungsergebnis und nicht um einen Tarifabschluß, weil die Frist zur Stellungnahme - auch durch unseren Verband - noch läuft. Von Anfang an war bei dieser Tarifrunde 2016 eine starke Vorbelastung durch die misslungene vorherige Tarifrunde bemerkbar. Die 5 %-Forderung der IG Metall erhöhte den Druck weiter. Arbeitgeberseitig wurden auch von unserem Vorstand und Beirat deutliche Ziele an die Verhandlungsführer formuliert: Keinesfalls dürfe wieder eine „3“ vor dem Komma stehen, es solle möglichst ein langlaufender Tarifabschluss werden, der auch Differenzierungsmöglichkeiten für ertragsschwächere Unternehmen aufweisen müsse. Nach fünf schwierigen Verhandlungsrunden, die seit einigen Jahren wieder einmal METALL NRW als Pilotverband anführte, ist dann das Ihnen bekannte Verhandlungsergebnis morgens am 13. Mai 2016 zustande gekommen. In 2 Stufen werden die Entgelte um 2,8 % (ab dem 1. Juli 2016) und um weitere 2,0 % (ab dem 1. April 2017) erhöht. Für die Monate April, Mai und Juni 2016 erhalten die Beschäftigten eine Pauschalzahlung in Höhe von 150,- € insgesamt. Die Laufzeit beträgt 21 Monate. Für unterdurchschnittlich ertragsstarke Betriebe gibt es die Möglichkeit, die Regelungen zur Pauschalzahlung zu streichen und/oder die 2. Erhöhungsstufe im Jahr 2017 hinauszuzögern. Die reine Ergebnisbetrachtung führt also zur Feststellung: Alle Vorgaben erfüllt! Dennoch erscheint mir die erste Erhöhungs-Stufe mit +2,8 % schwierig. Auch in unserem Verband gibt es ausreichend Mitglieder, denen es aktuell schwer fällt, im Jahr 2016 die Personalkosten so erheblich zu steigern. Mit voller Überzeugung kann ich allerdings auch sagen: Es war wohl nicht mehr drin. Auf Basis der eigenen Anwesenheit bei den Verhandlungen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass unsere Verhandlungsführer das Maximum verhandelt haben. Spannend wird es jetzt sein, genau zu beobachten, wie sich die IG Metall bei Anträgen von Mitgliedern auf Modifikation bei der Pauschalzahlung oder bei der 2. Stufe der Entgeltsteigerung verhalten wird. Ausdrücklich zugesagt sind von ihr dabei lokale, einfache und schnelle Lösungen. Ich bin gespannt … Jedenfalls möchte ich alle Mitglieder dazu auffordern, bei Erforderlichkeit den Kontakt zum Verband aufzunehmen, um einen sachgerechten Zuschnitt des Ergebnisses 2016/2017 zu versuchen. Darum ist lange gerungen worden, die Möglichkeit sollte genutzt oder zumindest versucht werden. Ihr Reinhard Tweer

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6 M I TGLI ED E R S T R UKT UR ...im Unternehmerverband der Metallindustrie Ostwestfalen Bielefeld - Herford - Minden e.V. (Stichtag: 31.12.2015) Firmengröße bis 19 bis 99 bis 199 bis 499 bis 999 darüber Gesamt Firmenzahl 4 18 16 23 6 4 71 Prozent 5,63 % 25,35 % 22,54 % 32,39 % 8,45 % 5,63 % 100 % Beschäftigte 16 997 2.380 7.127 4.003 6.758 21.281 Prozent 0,08 % 4,68 % 11,18 % 33,49 % 18,81 % 31,76 % 100 %

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7 VO RS TA NDS- UND B E I RA T SM I T G L I E DE R D ES VERBA NDES 2015 Vorstand und Beirat des Unternehmerverbandes der Metallindustrie Ostwestfalen Bielefeld - Herford - Minden e.V. setzen sich wie folgt zusammen: Vorstand Reinhard Tweer (Vorsitzender) ab 02.06.2015 Gießerei Reinhard Tweer GmbH 33689 Bielefeld Beirat Clemens Küpper Eisengiesserei Baumgarte GmbH 33647 Bielefeld Friedhelm Lohmann Siemens AG 33605 Bielefeld Dietrich Kramer (Vorsitzender) bis 02.06.2015 Berg & Co. GmbH 33689 Bielefeld Gisela Bernstein Bernstein AG 32437 Porta-Westfalica Dr. Christian Potthoff-Sewing Poppe + Potthoff GmbH & Co. 33824 Werther Dr. Michael Junker ab 02.06.2015 Miele & Cie. KG 33611 Bielefeld Ludwig Scholten-Luchsen MECO Metallwerk Gebr. Scholten-Luchsen GmbH 33613 Bielefeld Wilhelm A. Böllhoff Böllhoff GmbH & Co. KG 33649 Bielefeld Axel Christian Börner WAGO Kontakttechnik GmbH & Co. KG 32423 Minden Dr. Stefan Breit bis 30.04.2015 Miele & Cie. KG 33611 Bielefeld Stefan Sirges JUNG PUMPEN GmbH 33803 Steinhagen Uwe Kreidel Paul Hettich GmbH & Co. KG 32278 Kirchlengern Dr. Uwe Brunkhorst Imperial Werke oHG 32257 Bünde Patrick Jacob Fr. Jacob Söhne GmbH & Co. KG 32457 Porta-Westfalica Dierk von Nordheim Welland & Tuxhorn AG 33649 Bielefeld Christoph Hörmann Hörmann KG 33803 Steinhagen Dr. Theodor Plümpe Gestamp Umformtechnik GmbH Werk Brackwede 33647 Bielefeld Manfred Klektau Herbert Kannegiesser GmbH 32602 Vlotho

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8 M I TGLI ED E R V ER S A M M LUNG Mitgliederversammlung in der Dr. Oetker Welt Natürlich hinken historische Vergleiche immer. Aber der Einschnitt, der im Jahr 2015 im Vorstand unseres Verbandes stattfand, hatte schon – neben Herrn Kannegiesser – zweiten Ehrenvorsitzenden unseres Unternehmerverbandes gewählt. Der öffentliche Teil der Mitgliederversammlung fand in der Dr. Oetker Welt statt und stand ebenfalls vollständig im Zeichen dieses Wechsels an der Spitze. Über 100 geladene Gäste aus Unternehmen, Verbänden, Politik und Öffentlichkeit hatten sich eingefunden, um Herrn Kramer aus seinem Amt zu verabschieden und um Herrn Tweer Glück für sein neues, schwieriges Amt zu wünschen. Nach der Begrüßung der Gäste durch den neuen Vorstandsvorsitzenden beleuchtete zunächst der Oberbürgermeister Pit Clausen mit launigen Worten das Wirken von Herrn Kramer in und für Bielefeld und die wirtschaftliche Situation der Stadt. Im Anschluss daran erinnerte Martin Kannegiesser an die vielen gemeinsam mit Herrn Kramer geschlagenen „Tarifschlachten“ auf der Landesebene EI N LOTSE GI NG VON BORD sehr erhebliche Bedeutung. Im Rahmen der internen Mitgliederversammlung am 2. Juni 2015 hat Dietrich Kramer, seit 27 Jahren Vorstandsvorsitzender unseres Verbandes, seine Ankündigung realisiert und erklärt, für eine Neuwahl nicht zur Verfügung zu stehen. So führte die turnusmäßige Neuwahl des gesamten 6-köpfigen Vorstandsteams zu einem Wechsel an der Spitze – bei sonstiger personeller Kontinuität. Herr Reinhard Tweer wurde mit sehr großer Mehrheit der Mitglieder zum Vorstandsvorsitzenden und damit zum Nachfolger von Herrn Kramer gewählt. Dietrich Kramer wurde von der Mitgliederversammlung einstimmig zum

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9 bei METALL NRW. Herr Kramer als Vizepräsident von METALL NRW hat auch dort in seiner sachlichen und ostwestfälisch-wohlüberlegten Art die Tariflandschaft über Jahrzehnte mitgestaltet und die Stimme unseres Verbandes und unserer Region auch im (oft fernen) Rheinland jederzeit hörbar gemacht. Den Abschluss der Rednerliste bildete der langjährige Weggefährte Dr. Wolfgang Böllhoff, der neben einer Anzahl von – teils persönlichen – Anekdoten aber auch daran erinnerte, dass das Ehrenamt für Herrn Kramer immer beide Pole – Pflicht und Freude – beinhaltet habe. Herr Dr. Böllhoff nutzte die Gelegenheit, für den Wirtschaftsraum Bielefeld deutlich mehr aktive Wirtschaftsfreundlichkeit bei Stadt und Stadtverwaltung einzufordern. Alle 3 Festredner bildeten und schufen einen würdigen Rahmen für eine gelungene öffentliche Verabschiedung zum Dank an den Ehrenvorsitzenden Dietrich Kramer.

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10 A US D ER ARB E I T SRE C HL I C HE N PRA XI S HAN DY VER B OT UND NA Z I-PA R O LE Gegenstand eines arbeitsgerichtlichen Verfahrens war die „Nutzung“ moderner Techniken am Arbeitsplatz. Der Arbeitnehmer hatte seine Arbeit unterbrochen, um über sein Handy an einem Gewinnspiel des Radio Bielefeld teilzunehmen. Gegen die erteilte Abmahnung klagte der Mitarbeiter unter Hinweis auf die persönlichen Verteilzeiten im Leistungslohn, sowie darauf, dass das betriebliche Handyverbot ohne Zustimmung des Betriebsrats erlassen worden sei. Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen, zum einen weil die persönliche Verteilzeit keinen Anspruch auf zusätzliche Pausenzeit ergebe, zum anderen, weil ein Handyverbot während der Arbeitszeit als unmittelbare Konkretisierung der Arbeitspflicht nicht dem Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats unterliege. Anzumerken ist allerdings, dass das Verfahren derzeit beim Landesarbeitsgericht anhängig ist, insoweit durchaus noch eine Entscheidung zu Lasten des Arbeitgebers erfolgen kann. Auch haben andere Gerichte die ohne Zustimmung des Betriebsrats an alle Beschäftigten gerichtete Mitteilung eines umfassenden Handyverbots als nicht wirksam erachtet, weil Tätigkeiten auch dann fehlerfrei verrichtet werden könnten, wenn Mitarbeiter gelegentlich auf ihr Handy schauen. Am genannten Beispiel zeigen sich wieder einmal die Grenzbereiche arbeitsrechtlicher Beurteilung und Verlässlichkeit. Wir sind froh, wieder auf die Leistungen des Unternehmerverbandes zurückgreifen zu können. Uns helfen besonders die kompetenten und praxisbezogenen Ratschläge sowie die tatkräftige Unterstützung bei Verhandlungen aller Art. Jens Torkel, Geschäftsführer - Bobst Bielefeld GmbH Janina Rudolph, Personalleiterin - Bobst Bielefeld GmbH

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11 Ein weiterer brisanter Fall fand sogar Resonanz in der lokalen Presse (siehe nebenstehender Zeitungsausschnitt aus der NW vom 28.10.2015). In diesem Verfahren ging es darum, dass ein Arbeitnehmer der Fa. Reinhard Tweer GmbH auf seinem öffentlich zugänglichen Facebook-Account ein Foto von Adolf Hitler mit einer sehr verletzenden antisemitischen Bildunterschrift in unmittelbarer Nähe zu einem Foto von seinem Arbeitsplatz eingestellt hatte. Da in der Veröffentlichung des Hitler-Fotos der Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt sein konnte, hat der Arbeitgeber Strafanzeige erstattet. Außerdem hat er das Arbeitsverhältnis außerordentlich fristlos gekündigt, weil für ihn die öffentliche Platzierung des Hitler-Fotos in der Nähe eines Fotos aus seinem Betrieb unerträglich war. Im Kammertermin des arbeitsgerichtlichen Verfahrens sah die Vorsitzende Richterin allerdings keinen betrieblichen Bezug, der eine außerordentliche Kündigung hätte rechtfertigen können. Da es für den Arbeitgeber jedoch unter Berücksichtigung des schwerwiegenden Fehlverhaltens des Arbeitnehmers gänzlich unzumutbar war, diesen weiterhin zu beschäftigen, haben die Parteien sich schließlich im Wege eines Vergleichs auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses geeinigt.

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12 A RBEI TS RE CH T Auch im Bereich des Arbeitsrechts machten sich die Themen des vergangenen Jahres, zum einen die sogenannte Finanzkrise, aber auch die Flüchtlingssituation bemerkbar. Bei den Betriebsrenten zwingen die niedrigen Zinsen die Unternehmen zu höheren Rückstellungen. Die Bundesregierung sah sich daher veranlasst, ein Gesetz zu beschließen, wonach zumindest teilweise durch Zugrundelegung eines längeren, statt sieben- jetzt zehnjährigen Berechnungszeitraums für Entlastung gesorgt werden soll. Trotzdem gehen die Neuregelungen nach Auffassung der BDA nicht weit genug, gefordert wird eine generelle Ausweitung des Berechnungszeitraums auf 15 Jahre. Wie sich trotz guten Willens ein dichtes Regelungswerk und Bürokratismus auswirken, zeigen die Probleme bei der Beschäftigung von Flüchtlingen, zu nennen ist hier auch die sogenannte „Vorrangprüfung“ insbesondere für EU-Bürger. Durchaus einstellungsgeeignete Branchen stehen damit faktisch vor einem 15-monatigen Beschäftigungsverbot. Zudem wird die ursprünglich angedachte Aussetzung des Mindestlohns für Flüchtlinge in den ersten sechs Monaten von der Politik offenbar nicht weiter verfolgt. Statt Deregulierung sind vor dem Hintergrund einer Gerechtigkeitsdebatte vielmehr weitere Einschränkungen zu befürchten. So hat nach der Einführung des Mindestlohns das Bundesarbeitsministerium auf entsprechenden Druck der Gewerkschaften einen Gesetzentwurf gegen den Missbrauch von Werkverträgen ausgearbeitet, dessen Neufassung nunmehr allerdings Entschärfungen gegenüber dem ersten Entwurf (u.a. noch: Kriterienkatalog für missbräuchliche Werkverträgen) vorsieht. Welche Probleme sich ergeben, arbeitsrechtliche Bestimmungen an die sich verändernde Arbeits- und Lebenswelt anzupassen, erfahren gerade die französischen Nachbarn. Es bleibt abzuwarten, ob hierzulande bei neuen Gesetzen mit Augenmaß vorgegangen wird. In Deutschland wird sich beispielsweise am Ergebnis der Diskussion um die dringend benötigte Änderung des Arbeitszeitgesetzes zeigen, inwieweit die Politik tatsächlich zu einer Unterstützung der Arbeitnehmer und des Mittelstandes bereit ist.

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13 S I TZUNGEN DE R A RB E I T SG E M E I NSC HA F T ARB EITSR ECH T 2015/ 2016 18.11.2015 Thema Ein Jahr Mindestlohn – aktuelle Rechtsfragen (oder Probleme) zum Mindestlohn gesetz in der betrieblichen Praxis und in der juristischen Beratung Herr Rechtsanwalt Walter Korte, Geschäftsführer unternehmer nrw, Düsseldorf Referent 16.12.2015 Thema Referent Die Berufsgenossenschaft in der Personalpraxis Herr Christoph Laub, Herr Jörg Sperling, Abteilung Mitglieder & Beitrag, Dienstleistung der Berufsgenossenschaft Holz & Metall Thema Referent 13.01.2016 Der Betriebsbegriff im Arbeitsrecht Herr Frank Auferkorte, Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht Hamm Thema Referent 17.02.2016 Die Kündigung wegen Suchterkrankung Frau Franziska Szagun, Vorsitzende Richterin am Arbeitsgericht Bielefeld Thema Referent 09.03.2016 Geschäftsführer und leitende Angestellte im BetrVG und KSchG Herr Prof. Dr. Rüdiger Krause, Institut für Arbeitsrecht an der Georg-August-Universität in Göttingen

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