Geschäftsbericht 2015 Spitex Zürich Limmat

 

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Geschäftsbericht 2015 Spitex Zürich Limmat

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Spitex Zürich Spitex Zürich Limmat Geschäftsbericht 2015 Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Antworten von: Kariem Hussein Corine Mauch Beat Schlatter

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Inhalt 2 4 Vorwort Editorial Kennzahlen.............................................BETRIEBSGESELLSCHAFT Thema Ethik...........................................BETRIEBSGESELLSCHAFT Kommunikation....................................BETRIEBSGESELLSCHAFT Neues Angebot....................................VEREIN Corporate Governance....................VEREIN Spenden..................................................VEREIN Impressum Adressen Beilage Finanzteil 2015 SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG 7 8 14 SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG 15 16 18 19 SPITEX ZÜRICH LIMMAT SPITEX ZÜRICH LIMMAT SPITEX ZÜRICH LIMMAT 22 Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2015 3

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Editorial Aktiv die Zukunft gestalten Das Jahr 2015 war erneut geprägt von vielen intensiven, konstruktiven und bereichernden Begegnungen mit unserer Kundschaft, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitenden, Zuweisenden und anderen Geschäftspartnern sowie Delegierten und Vereinsmitgliedern. Dafür Ihnen allen ein herzliches Dankeschön, es sind diese Momente, die unserer Arbeit Sinn und Kraft schenken. transparenter gestaltet und damit eine wichtige Voraussetzung für die Ermittlung von fairen Vollkostensätzen verbessert werden. Nach zwei Jahren direkter Abrechnung mit den Krankenversicherungen (Tiers payant) lässt sich ein überaus positives Fazit ziehen. Die Abwicklung läuft problemlos mit wenigen Rückweisungen. Zudem haben sich die Debitorenausstände und -risiken massiv vermindert. Der Entwicklung des Hauswirtschaftsbereichs messen wir grosse Bedeutung bei. Allerdings ist die politische Grosswetterlage diesbezüglich getrübt: Eine parlamentarische Initiative im Kanton Zürich verlangt, dass die Gemeinden nicht mehr verpflichtet werden sollen, mindestens 50 Prozent der nichtpflegerischen Spitex-Leistungen – also Hauswirtschaft – zu finanzieren. Dem gegenüber steht eine Studie der Hochschule Luzern die belegt, dass die hauswirtschaftlichen und (sozial-)betreuerischen Leistungen den Erhalt der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung fördern und so Risiken eines Pflegeheim- oder Spitaleintrittes reduzieren. Somit wird die Bedeutung der Hauswirtschaft in der Gesundheitspolitik im Vergleich zur Pflege oft zu Unrecht unterschätzt. Mit einem neuen Abklärungsinstrument, das wir als Pilotversuch 2015 eingeführt haben, einer Verbesserung der zielorientierten Dokumentation sowie dem engmaschigen Monitoring der Kundensituationen sollen die Feststellungen der Luzerner Studie nachhaltig unterfüttert werden und uns bei der gemeinsamen Lobbyingarbeit mit dem Spitex Verband des Kantons Zürich unterstützen. Testen, testen, testen lautet das Credo beim Fundraising. Und so haben wir im Berichtsjahr ein erstes Spendenmailing innerhalb unseres Versorgungsgebietes in rund 160 000 Haushaltungen der Stadt Zürich versendet. Noch ist das Resultat bescheiden, doch haben wir einiges an Wissen über Peter Ramer Vereins- und Verwaltungsratspräsident Christina Brunnschweiler CEO Spitex Zürich Limmat AG Finanzen und Leistungen Die Nachfrage bei Pflegeleistungen stieg 2015 um 9,1 %, der hauswirtschaftliche Bereich hingegen war erneut um 2,4 % leicht rückläufig. Der Trend zu kürzeren Pflegeeinsätzen, da die Menschen wieder selbstständig wurden oder auch zu Hause sterben konnten, nahm weiterhin zu. Wiederum dürfen wir einen konsolidierten Überschuss von rund 284 000 Franken vermelden. Dies nicht nur weil wir einige stattliche Legate erhielten, sondern weil in der Betriebsgesellschaft Spitex Zürich Limmat AG hervorragend gearbeitet wurde. Den wirtschaftlichen Erfolg verdanken wir nicht zuletzt auch der Stadt Zürich, die uns den Leistungsauftrag erteilt. Unter dem neuen Direktor der Städtischen Gesundheitsdienste, Dr. med. Morten Keller, wurde dieser erneut fair und ausgewogen für die kommenden Jahre ausgehandelt. Gemeinsam mit der Hochschule Luzern, Spitex Zürich Sihl, der Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich SAW sowie der Abteilung Alter & Spitex der Stadt Zürich konnte in einem wegweisenden Projekt die Kostenrechnung noch 4

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das Spenderverhalten gewonnen. Darüber hinaus konkretisieren wir mit Spitex Zürich Sihl ein gemeinsames Programm zur Entlastung von Angehörigen, sodass wir im ersten Halbjahr 2016 hierfür die Spenden akquirieren können. Fundraising betreiben wir auf Vereinsebene und ausschliesslich für Projekte und Aufgaben ausserhalb des Leistungsauftrages. ab 2016 umgesetzt wird und im Teilprojekt «Migration/transkulturelle Pflege und Betreuung» erarbeiteten wir ein Konzept für den Einsatz von Dolmetscherdiensten. Bei der Umsetzung der Strategie von Spitex Zürich Limmat wurden wichtige Zusammenarbeitsvereinbarungen mit Spitälern, Schulen und Forschungsinstitutionen abgeschlossen. Zur besseren Verankerung der Strategie diskutierte die Geschäftsleitung an Roadshows in allen Zentren mit den Mitar­ beitenden intensiv über unsere Mission, Vision, Werte und Ziele. Umsetzungsreif ist auch das Projekt SPITEXplus. Unter diesem Markennamen bieten wir ab 2016 neu kostenpflichtige, also nicht subventionierte Dienstleistungen in den Bereichen Unterstützung, Gesellschaft, Organisation, Begleitung und Entlastung an. (siehe auch Seite 15). Kundschaft und Qualität Im Laufe des Jahres konnten in allen Zentren Social-CareTeams zur Betreuung an Demenz erkrankter Menschen gebildet werden, ebenso nahm unsere Beratungsstelle für Zuweisende und Angehörige die Arbeit auf. Im 2. Quartal schulten wir alle Mitarbeitenden im Umgang mit CIRS (Critical Incident Reporting System), dem Meldesystem für «Fast-Fehler». Wir freuen uns sehr über die rege Meldetätigkeit von allen Standorten, zeugt dies doch von einem hohen Vertrauen, einer guten Fehler- und Lernkultur sowie dem Willen aller Mitarbeitenden, sich und Spitex Zürich Limmat ständig zu verbessern. Die neu eingeführten Fachverantwortlichen Pflege in den Zentren, welche die Mitarbeitenden und Leitungen in fachlichen Fragen unterstützen, haben sich innert kürzester Zeit zu einem nicht mehr wegzudenkenden tragenden Element in der Zentrumsorganisation entwickelt. Organisation und Delegierte Rund 230 Arbeitsplätze wurden am Wochenende vom 12./13. Dezember 2015 auf eine komplett neue IT-Infrastruktur umgestellt. Grund war der Wechsel zu einem neuen Anbieter. Als Bravourleistung der internen IT-Abteilung und des neuen Dienstleisters darf das Sicherstellen des nahtlosen Betriebes unserer zentralen Spitex-Software erwähnt werden. Die erste Amtszeit der 50 Delegierten, als Vertretung der Mitglieder, läuft aus. Im letzten Quartal 2015 fanden Neuwahlen statt. Bedauerlicherweise sind nicht genügend Kandidaturen eingegangen, um alle 50 Sitze zu besetzen. 25 Bisherige stellten sich zur Wiederwahl, 12 Kandidierende bewarben sich um die freien Sitze, sodass in allen Wahlkreisen „Stille Wahlen“ zustande gekommen sind. Vorstand und Geschäftsleitung danken allen bisherigen Delegierten für ihren Einsatz und freuen sich, ab 2016 mit dem neu zusammengestellten Gremium weiterzuarbeiten. Fortsetzung Seite 6 Strategie und Projekte Die Arbeiten an den verschiedenen Teilprojekten der gesamtstädtischen Spitex-Strategie 2022 werden weitergeführt. Das Teilprojekt «Demenz» ist nun abgeschlossen, in den anderen Teilprojekten wurden die Zwischenziele wie geplant erreicht. Im Teilprojekt «Psychosoziale Pflege und Betreuung» entwickelten wir ein Schulungsprogramm, das Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2015 5

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Editorial Für die SpitexNightFever-Party haben sich ganze Teams ins Disco-Outfit gestürzt. Mitarbeitende und Ausbildung Die Suche nach zusätzlichem Pflegepersonal aufgrund des grossen Wachstums war erneut eine schwierige Aufgabe – der Personalmarkt ist nach wie vor ausgetrocknet. Es freut uns daher sehr, dass wir dennoch viele qualifizierte Mitarbeitende gewinnen konnten und der Personalbestand per Ende Jahr 914 beträgt. Einen Schwerpunkt zum Thema Ausbildung setzten wir im Herbst mit einem Kick-off für das Kader. Dies vor dem Hintergrund, dass wir die nächsten Jahre unsere Ausbildungsplätze zumindest verdoppeln möchten, um unseren Beitrag zur Nachwuchssicherung zu leisten. Diese Herausforderung bewog uns, neu die Stelle einer Bildungsverantwortlichen zu schaffen. Dass unsere Mitarbeitenden nicht nur Tag für Tag verantwortungsbewusst, verlässlich und mit grossem Engagement für unsere Kundschaft unterwegs sind, sondern durchaus auch zu feiern wissen, zeigte sich eindrücklich Ende Oktober. Aus Anlass des 5. Geburtstags von Spitex Zürich Limmat liessen rund 400 Mitarbeitende ausgelassen die 70er- und 80er-Jahre wieder aufleben. Das Fest wurde finanziert durch Einsparungen im operativen Bereich und einem grosszügigen Legat. Programm, der Weiterentwicklung der Hauswirtschaft und einer Kompetenzerweiterung aller Mitarbeitenden im Umgang mit Menschen mit psychosozialen Erkrankungen und dem Ausbau unserer Ausbildungstätigkeit sind die wesentlichsten Schwerpunktthemen für 2016 gesetzt. Sitzungszimmer und Tanzfläche Hand aufs Herz, können Sie sich vorstellen, dass Geschäftsleitungsmitglieder an einem Mitarbeiterfest im Disco-Look eine zehnminütige Tanzperformance aufs Parkett legen? Diejenige von Spitex Zürich Limmat hat genau das getan! Und sie erntete tosenden Applaus und Bewunderung. So etwas ist nur dann möglich, wenn die GL-Mitglieder in einem guten und auf Vertrauen basierenden Klima zusammenarbeiten. Diese erspriessliche Zusammenarbeit zeigt sich ebenfalls bei den sechs Mitgliedern des Vereinsvorstands/Verwaltungs­ rates untereinander sowie in der Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung. Ein herzliches Merci geht an unsere Mitarbeitenden sowie Kundinnen und Kunden für die vertrauensvolle Zusammenarbeit wie auch an die Vereinsmitglieder und Spender sowie die Stadt Zürich und unsere Partner. Ausblick und Visionen Im kommenden Jahr werden sich unsere Anstrengungen erneut auf die Erbringung qualitativ hochstehender Pflege und Betreuungsleistungen für alle Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Zürich und auf die konsequente Weiterentwicklung fokussieren. Dies bedingt unter anderem, dass die finanzielle Situation solide bleibt, dies unter schweizweit sich verschärfenden Bedingungen. Mit einem Lean Management Dr. med. Peter Ramer Vereins- und Verwaltungsratspräsident Christina Brunnschweiler CEO Spitex Zürich Limmat AG 6

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Zahlen & Fakten | BETRIEBSGESELLSCHAFT SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG Personalstruktur Per Ende 2015 beschäftigte das Unternehmen 914 Mitarbeitende; dies entspricht 548,85 Vollzeitstellen. Da der Grossteil unserer Mitarbeitenden Teilzeit angestellt ist, ergibt dies einen Beschäftigungsgrad von durchschnittlich 60 %.   Zum Jahresende waren 33 Personen in Ausbildung (24 Lernende Fachfrau/-mann Gesundheit, sieben Studierende auf HF- und FH-Niveau, zwei im kaufmännischen Bereich). Die umfangreichen Fort- und Weiterbildungsangebote zur Qualitätssicherung, Förderung und Entwicklung unserer Mitarbeitenden wurden mit insgesamt rund vier Tagen pro Vollzeitstelle genutzt.   Das Thema Ausbildung ist eines unserer Schwerpunkte für die nächsten Jahre. Wir wollen die Anzahl der Ausbildungsplätze für FaGe und HF-Studierende bis 2018 auf zumindest 60 verdoppeln. In einem ganztägigen Kick-off-Meeting zum Thema Ausbildung wurden gemeinsam mit rund 70 Fach- und Führungspersonen die nötigen organisatorischen Themen, qualitativen Anforderungen und Haltungsfragen diskutiert und die wichtigsten Bereiche für Massnahmen bestimmt. Diese Themen sind und werden in den Zentren und entsprechenden Arbeitsgruppen weiterentwickelt und umgesetzt. Der Arbeitnehmermarkt im Bereich Pflege, zunehmende Individualisierung und Veränderungen in der Arbeitswelt und im Gesundheitswesen sind tägliche Herausforderungen beim Halten und Gewinnen der richtigen Mitarbeitenden. 4,6 Kennzahlen 2015 Verrechnete Pflegestunden (KLV-Leistungen) Verrechnete Stunden hauswirtschaftliche Leistungen Verrechnete Stunden gesamthaft Veränderung gegenüber dem Vorjahr Betreute Kundinnen und Kunden Einsätze bei Kundinnen und Kunden Mitarbeitende per Ende Jahr Vollzeitstellen Standorte 302 984 189 622 492 606 4,4% 6628 696 882 914 549 11 2014 277 641 194 349 471 990 -7,0 % 6596 656 898 887 511 11 2013 312 748 194 878 507 625 0,9 % 6664 680 684 841 473 11 Kunden und Einsätze Nach dem Knick im Jahr 2014, bedingt durch die im Kanton Zürich eingeführten Rundungsregeln, haben sich die Einsätze (+6,1 %) und die verrechneten Stunden (+4,4 %) aufgrund der gesteigerten Nachfrage gegenüber dem Vorjahr wieder erhöht. Der Anstieg der Nachfrage konzentrierte sich ausschliesslich auf den Pflegebereich mit 25 343 zusätzlichen Stunden gegenüber dem Vorjahr. Bei den hauswirtschaftlichen Leistungen war der Trend mit -4727 Stunden rückläufig. Die Entwicklung in der Pflege führte zu den zusätzlich geschaffenen Vollzeitstellen. 25,0 Pflegepersonal auf Tertiärstufe 28+32+25351z 1,1 0,5 4,7 3,6 Kundinnen/Kunden Einsätze 28,3 % 125 120 115 110 105 100 95 2010 2011 2012 Einsätze am Wochenende Verrechnete Stunden % 32,2 2013 2014 2015 Pflegepersonal auf Sekundarstufe II Hauswirtschaftspersonal In Ausbildung (FaGe, HF, FH, KV) Allgemeine Sachbearbeitung/Administration Teamleitungen, Leitungen Spezialdienste u.ä. Zentrumsleitung Geschäftsleitung Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2015 7

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Ethik | BETRIEBSGESELLSCHAFT SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG «Meine Werte leben und andere akzeptieren, das ist Ethik.» Ich bin Ägypter und Schweizer, Medizinstudent und Sportler. So habe ich gelernt, verschiedene Kulturen zu kombinieren. Kariem Hussein, Hürdenläufer, Medizinstudent, Newcomer des Jahres 2014 8

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Die Haltung von Spitex Zürich Limmat zur Ethik im Alltag Fragen der Ethik im Spitex-Alltag Im Alltag von Spitex ist Ethik nicht einfach ein schönes Wort, sondern die Basis unseres Handelns. Dazu gehört es, unsere Haltung und die Wünsche unserer Kundinnen und Kunden im Rahmen unseres Leistungsauftrages, der immer subsidiär ist, in Einklang zu bringen. Im Spitex-Alltag kommt es immer wieder vor, dass Meinungen, Wünsche, Kulturen, Gepflogenheiten aufeinanderprallen. In solchen Momenten ist es wichtig, sich auf die Mission von Spitex Zürich Limmat zu besinnen, welche unmissverständlich postuliert: Selbstbestimmtes Leben heisst für uns, dass die Kundin  /  der Kunde im Rahmen der aktuell vorhandenen Selbstständigkeit soweit wie möglich selbstbestimmt leben kann und dass wir sie  /  ihn sowie die An- und Zugehörigen dabei unterstützen und entlasten. Sicherheit vermitteln Bei Spitex Zürich Limmat werden solche Fragen intern eingebracht und besprochen. Konfrontiert mit individuellen Wünschen, geht es in konkreten Situationen immer wieder darum, unsere Kundinnen und Kunden als selbstbestimmte Menschen zu akzeptieren und dem eigenen professionellen Anspruch nur im Rahmen des Leistungsauftrages nachzugehen. Wir wollen sie nicht dazu überreden, «zu ihrem Besten» dies zu tun und jenes zu lassen. Vielmehr bringen wir ihnen Respekt entgegen, und zeigen ihnen im pflegerischen Alltag auf, wie sie mit Einschränkungen, Schmerzen, Behinderungen umgehen können. Somit leisten wir einen Beitrag zur Lebensqualität unserer Kundschaft. Besonders herausfordernd ist diese Arbeit bei unheilbar kranken Menschen, aber auch bei Menschen mit Migrationshintergrund, wo sprachliche Barrieren und religiöse Aspekte in den Vordergrund treten. Lebensmut stärken Wir werden solche Fragen immer individuell beantworten müssen. Doch die konstante Beschäftigung mit dem ethisch-moralischen Handeln bis in den Alltag ermutigt uns, auch herausfordernde Situationen ohne Angst vor allfälligen Umwegen anzupacken, wohlmeinende Ansprüche von Angehörigen in unsere Überlegungen einzubeziehen und versuchen, sie in jeder Hinsicht ins Boot zu holen. Bei Marjorie F. funktionierte das so gut, dass sie eines Tages wieder begann, selber den Briefkasten zu leeren. Ein kleiner Schritt. Heute geht sie mit ihrer Tochter oft und gerne in den Park spazieren. Menschen ernst nehmen Das ist schnell gesagt und akzeptiert. Doch im Alltag trifft man vielleicht auf eine Kundin wie Marjorie F., die überzeugt war, am besten sei es, wenn sie den Fuss nicht mehr vor die Wohnung setze. Die lautstarke Forderung von Marjorie F.s Tochter, ihre Mutter müsse für ihr eigenes Wohl regelmässig an die frische Luft – wie damit umgehen? Klar ist, dass ethisches Handeln nicht bedeutet, die eigene Meinung durchzusetzen. Vielmehr gilt es, die aktuelle Realität – also die Bedürfnisse der Kundschaft – zu akzeptieren und vor allem allen Beteiligten Sicherheit zu vermitteln. Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2015 9

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Ethik | BETRIEBSGESELLSCHAFT SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG «Ethik? Das heisst an alle denken, auch an die Schwächeren.» Ethisch handeln bedeutet für mich respektvoll und solidarisch handeln. Corine Mauch, Stadtpräsidentin von Zürich seit 2009 10

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Die Haltung von Spitex Zürich Limmat zur Philosophie des Führens Zur Philosophie des Führens Unsere Aufgabe ist eine tägliche Gratwanderung. Fehler können wir nicht vermeiden, aber wir können sie thematisieren und durch Transparenz und eine Ethik des Vorbildes auf jeder Stufe reduzieren. Was bedeutet führen? Es bedeutet zunächst zuhören, Aufgaben definieren, Respekt und Anstand für andere Menschen, andere Denkweisen, andere Kulturen einzufordern und damit zuallererst bei sich selber beginnen. Wie nehme ich meine Arbeit wahr? Übernehme ich konsequent die Verantwortung? Reflektiere ich mein Verhalten? Ermutige ich durch mein Handeln meine Mitarbeitenden, ihr eigenes Tun immer wieder zu prüfen? Vermittle ich die Führungsphilosophie des Unternehmens so, dass sie an der Basis an- und der Kundschaft zugutekommt? Absicht und Alltag Wie immer mittwochs will die Fachfrau Gesundheit (FaGe) W. bei einer Kundin die Bettwäsche wechseln, doch heute möchte die Kundin nicht aufstehen. Frau W. versucht, sie getreu ihrem Auftrag, zu überzeugen und setzt sich schlussendlich durch. Dann aber verlässt sie das Haus der Kundin mit dem schlechten Gefühl, die Kundin überredet zu haben. War es richtig, auf dem Bettwäschewechsel zu beharren oder wäre hier eine Abweichung vom ursprünglichen Auftrag möglich gewesen? FaGe W. bespricht sich mit ihrer Vorgesetzen. Zu den Führungsaufgaben gehört es, Dinge anzusprechen und lösungsorientiert Feedback zu geben. Führen durch Vorbild eben. Entscheidung und Priorisierung Auf jeder Stufe der Hierarchie und in jeder Position sind bei Spitex Zürich Limmat immer wieder Entscheide zu fällen, manchmal bleibt dafür wenig Zeit, und oft ist man im Moment des Entscheides alleine. Unsere sehr dezentrale Organisation bedingt als Grundhaltung Vertrauen in die Mitarbeitenden, denn sie sind in der Regel alleine bei der Kundschaft im Einsatz. Die Organisation als Ganzes und die Kader im Besonderen müssen deshalb sicherstellen, dass Wissen konsequent geteilt wird. Ziel einer guten Führung ist es, Mitarbeitende zu befähigen, Aufgaben an Ort und Stelle zu lösen. Übrigens stand Frau W.s Kundin eine Woche später neben dem Bett die frische Wäsche hatte sie schon parat gelegt, und lächelte verschmitzt. Methoden und Instrumente Der englische Begriff Corporate Governance steht für Methoden und Instrumente zur Leitung und Überwachung von Organisationen. Grundsätzlich zielt er auf Werte und Grundsätze für eine gute und verantwortungsvolle Unternehmens- oder Organisationsführung. Unsere Corporate Governance Grundsätze orientieren sich am Swiss NPO-Code, der 2003 beschlossen wurde. Aus diesen Grundsätzen folgern wir auch das ethische Handeln, das unsere Arbeit Tag für Tag zu leiten hat. Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2015 11

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Ethik | BETRIEBSGESELLSCHAFT SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG «Die praktischste Ethik ist es, Toleranz zu leben.» Bei den Schwingern habe ich viel über Ethik gelernt, sie nennen es Fairness. Und leben echte Kameradschaft. Beat Schlatter, Kabarettist, Schauspieler und Drehbuchautor 12

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Die Haltung von Spitex Zürich Limmat zu Befähigung und Autonomie Gut bedeutet gut für unsere Kundschaft Eine wichtige Prämisse unserer Handlungen ist es, unsere Kundinnen und Kunden anzuleiten, möglichst vieles selber zu leisten, statt es aus Effizienzgründen selber zu tun. Perfektion ist dabei nicht das Ziel. Denn was heisst schon «gut»? Zu Beginn seiner demenziellen Erkrankung besuchte Herr P. noch fleissig eine Malgruppe und verschenkte stolz seine Bilder. Doch mit der Zeit nahmen seine Probleme zu, und er begann sich zu isolieren. Dennoch meinte seine Spitex-Pflegefachfrau wahrzunehmen, dass er das Malen vermisste. Mit viel Geduld ihrerseits und dank der guten Vernetzung der Spitex im Quartier ist Herr P. ein Jahr später wieder in der Malgruppe. Er erfährt dadurch eine soziale Integration, welche ihm eine Perspektive und mehr Lebensfreude schenkt. Hilfe zur Selbsthilfe Im Wissen um die Vergangenheit der Kundschaft und ihre Erwartungen versuchen wir zu möglichst viel Selbsthilfe anzuregen. Individuelle Ressourcen berücksichtigen, eine Tagesstruktur anregen, kleine Tipps und Tricks zur Bewältigung des Alltags, Ermunterung zur Pflege von Kontakten – es sind viele kleine Mosaiksteine, die mithelfen können, auch nicht mehr so mobilen Menschen zu mehr Selbstständigkeit und somit zu mehr Selbstbestimmtheit zu verhelfen. Und die Erfahrung zeigt, dass sich auch kleine Inseln der Autonomie in Lebensqualität niederschlagen. Ermächtigung statt Mitleid Ethik hat für uns viele Gesichter. Zum Beispiel, dass unsere Mitarbeitenden ihre Kundinnen und Kunden nicht bemitleiden, sondern sie als vollwertige Menschen in einem bestimmten Stadium ihres Lebensbogens annehmen. Und daher individuell entscheiden, was «gut» ist. Zum Beispiel eine späte Karriere als Maler, wobei Herr P. als einziger Mann in der Gruppe seine Position als Hahn im Korb fast ebenso geniesst, wie das Malen. Autonomie als Motor Jede noch so kleine Aktivität, jede noch so bescheidene Handlung, die ein Mensch selber durchführen kann, stärkt seine Autonomie und damit seinen Lebensmut. Ein wichtiger Teil unserer Aufgabe ist es daher, herauszufinden, was ein Mensch für Möglichkeiten hat, aus welchem Erfahrungsschatz er schöpfen kann und welche liebgewonnen Gewohnheiten als Antrieb für mehr Eigenständigkeit sorgen können. Das fördert die positive Selbstwahrnehmung, erhält vorhandene Fähigkeiten oder belebt diese sogar. Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2015 13

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Kommunikation | BETRIEBSGESELLSCHAFT SPITEX ZÜRICH LIMMAT AG Selbstbewusster Auftritt Der Leistungsauftrag der Stadt Zürich hält explizit fest, dass Spitex Zürich mit Marketingmassnahmen für die «Bekanntmachung ihres Angebots in der Stadt Zürich» sorgt. Für grossangelegte Kampagnen mit TV-Spots oder Inseraten in den grossen Publikumszeitungen reichen die Budgets allerdings nicht. Doch dank der Stadt Zürich konnte 2015 wiederum eine Plakatkampagne realisiert werden. Jedes Jahr stehen den Departementen der Stadt Zürich 16 Plakataushänge à zwei Wochen kostenlos zur Verfügung. Ganz im partnerschaftlichen Sinne werden die drei Organisationen unter der gemeinsamen Marke Spitex Zürich (Spitex Zürich Limmat, Spitex Zürich Sihl und die Spitex der Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich) vom Gesundheits- und Umweltdepartement ebenfalls angefragt, eine Plakatidee einzureichen. Grundgedanke bei der Eingabe war, Spitex Zürich als integrierten Teil der Städtischen Gesundheitsversorgung darzustellen. Wie wollen wir das aussagen, was steht dahinter, gibt es ein Bildsujet und wie können wir das Thema kurz und bündig, also plakativ umsetzen? Wie uns zeitgemäss zeigen und das vermeintlich verstaubte Image abstreifen? Grosse Anforderungen an ein einzelnes Plakatsujet, zugegeben. Es half der Blick Spitex Zürich in die Geschichtsbücher. Im Altstadtquartier wurde 1857 der erste Gemeindekrankenpflegeverein der Stadt gegründet, weitere folgten. 1882 pries sich die erste Hauspflegeorganisation mit den Worten an: «… die Familien, in welchen die HausSpitex Zürich Die Original-Spitex. Im Auftrag der Stadt Zürich. mutter durch Krankheit oder Wochenbett spitex-zuerich.ch an der Führung des Haushaltes verhindert ist, durch geeignete Fürsorge vor wirtDie Original-Spitex schaftlicher und moralischer Schädigung bewahren …». Ab 1905 stellte die Stadt Zürich erstmals finanzielle Mittel im Auftrag der Stadt zur Verfügung. (Mehr dazu unter spitex-zuerich.ch/geschichte) All diese Überlegungen und der Umstand, dass der Begriff «Spitex» sprachliches Allgemeingut und daher nicht geschützt ist, führte zur selbstbewussten Aussage: Wir sind Spitex – das Original. Im Auftrag der Stadt Zürich. Wir finden, damit ist alles gesagt. Wir sind Spitex. Zürich. 14

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Neues Angebot | VEREIN SPITEX ZÜRICH LIMMAT Genau das, was Sie wünschen SPITEXplus ist das neue Non-Profit-Angebot von Spitex Zürich Limmat. Es ergänzt unser Angebot mit Leistungsauftrag und wurde vom Verein mit einer Anschubfinanzierung unterstützt. Es gibt viele gute Gründe für SPITEXplus. Kundinnen und Kunden haben da und dort den Wunsch nach mehr Unterstützung oder Gesellschaft. Die Angehörigen können nicht unbeschränkt einspringen. Der Arzt empfiehlt mehr Aktivitäten. Genau dafür gibts SPITEXplus. Das Angebot umfasst Unterstützung, Begleitung, Organisation, Gesellschaftsleistungen und die Entlastung von Angehörigen. SPITEXplus bietet kein fixfertiges Angebot, sondern richtet sich nach den jeweiligen Be­ dürfnissen und stellt die Unterstützungsleistungen individuell zusammen. SPITEXplus erhält keine Subventionen der öffentlichen Hand und arbeitet nicht gewinnorientiert. Deshalb sind wir mit fairen und marktgerechten Preisen am Start: 49 Franken pro Stunde resp. 45 Franken pro Stunde für Vereinsmitglieder, Mitarbeitende sowie deren Angehörige. Dazu kommen 10 Franken Wegpauschale sowie ein Zuschlag an Sonn- und Feiertagen. Genau dort, wo Sie es wünschen. Genau dort, wo Sie es wünschen. Mehr Unterstützung? Mehr Gesellschaft? Mehr Organisation? Nach Ihrem Wunsch und Ihrem Mass. Wünschen Sie ein bisschen mehr im Leben? Mehr Unterstützung? Mehr Begleitung? Mehr Organisation? Genau dafür gibts SPITEXplus. Damit der Alltag nicht nur klappt, sondern erfreut. SPITEX plus Ein Non-Profit-Angebot von Spitex Zürich Limmat Genau dafür gibts SPITEXplus – wir springen ein und helfen aus. Damit der Alltag nicht nur klappt, sondern erfreut. SPITEX plus Ein Non-Profit-Angebot von Spitex Zürich Limmat SPITE ot t-Angeb mat n-Profi m Ein No x Zürich Li ite von Sp X plus SPITEXplus – damit der Alltag nicht nur klappt, sondern erfreut. Mehr Informationen auf www.spitexplus.ch Spitex Zürich Limmat | Geschäftsbericht 2015 15

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Corporate Governance | VEREIN SPITEX ZÜRICH LIMMAT Transparente Unternehmensführung Corporate Governance bedeutet Offenheit und Transparenz in der Führung von Verein und Betriebsgesellschaft. Dies ist Teil unserer Unternehmenskultur. Dabei orientieren wir uns an den Grundsätzen des Swiss NPO-Code. Verein Spitex Zürich Limmat Spitex Zürich Limmat ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Zweck die Versorgung der Bevölkerung mit spitalexternen Diensten in medizinischem, pflegerischem, sozialem und gesundheitserhaltendem Sinne ist. Hierzu erhält er einen Leistungsauftrag der Stadt Zürich, der 2015 erneuert wurde. Vereinsmitglieder sind natürliche (Einzelmitgliedern oder Familien) und juristische Personen (Firmen, Vereinen und Körperschaften des öffentlichen Rechts) sowie Ehrenmitglieder. Betriebsgesellschaft Spitex Zürich Limmat AG Mit der Umsetzung des städtischen Leistungsauftrags beauftragt der Verein seine Tochterfirma Spitex Zürich Limmat AG. Diese nicht-gewinnorientierte Betriebsgesellschaft ist zu 100 Prozent im Besitz des Vereins. Sie ist gegenüber der Stadt Zürich auskunftspflichtig in Bezug auf Versorgungsumfang, Fachkompetenz der Mitarbeitenden, Qualität der Dienstleistungen, Wirtschaftlichkeit und Zufriedenheit der Kundschaft. Die Tarifordnung wird von der Stadt Zürich erlassen. Kapitalstruktur Das Eigenkapital des Vereins besteht aus Vereinsvermögen und Fondskapital; Letzteres wird mit Spenden und Legaten geäufnet. Spitex Zürich Limmat AG ist vom Verein mit einem Aktienkapital von CHF 1 Mio., einem Agio (Aufgeld auf dem Aktiennennwert) sowie einem Darlehen ausgestattet. Struktur Verein Die Vereinsorgane sind die Delegiertenversammlung, der Vorstand und die Revisionsstelle. Delegiertenversammlung Verein Die Delegiertenversammlung ist das oberste Organ des Vereins. Sie besteht reglementarisch aus maximal 50 Delegierten und den Vorstandsmitgliedern. Bei den Wahlen für die Amtsperiode 2016 – 2020 im Herbst 2015 stellten sich 25 bisherige sowie 12 neue Kandidierende zur Verfügung. In allen Wahlkreisen kamen «Stille Wahlen» zustande. Die Delegierten vertreten die rund 6000 Vereinsmitglieder aus zwölf Wahlkreisen, welche von der Delegiertenversammlung vom 28. Mai 2015 festgelegt wurden. Vorstand Verein Der Vorstand besteht aus vier bis sieben Mitgliedern. Die Aufgaben richten sich in erster Linie nach dem Zivilgesetzbuch, den Statuten sowie dem Geschäftsreglement. Der Vorstand setzte sich 2015 wie folgt zusammen: Präsident, Dr. med. Peter Ramer Facharzt Allgemeine Innere Medizin FMH Vizepräsident, Jürg Neff lic. oec. publ. Martin Amsler Rechtsanwalt lic. iur. Susanne Leibacher dipl. Pflegefachfrau Trix Manfioletti MAS ZFH in Managed Health Care Esther Syfrig eidg. dipl. PR-Beraterin Der Vorstand hat im Sinne des Zivilgesetzbuchs die oberste Verantwortung für die Vereinsaktivitäten. In seiner Kompetenz liegen alle nach dem Gesetz, den Statuten und den geltenden Reglementen ausschliesslich ihm vorbehaltenen Aufgaben. 16

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