Regionales Zukunftskonzept

 

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Regionales Zukunftskonzept, Landkreis Görlitz

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KURZFASSUNG 1

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Inhaltsverzeichnis 1. 2. 3. Zusammenfassung der Bewerbung – Beschreibung der inhaltlichen Schwerpunkte der Region ....... 3 Vorstellung der Region – Wer sind wir? .................................................................................................... 4 Thematische Schwerpunkte und Ziele – Was wollen wir erreichen? .................................................... 10 4. Bezug zu anderen Planungen ......................................................................................................................... 12 5. Ressourcenplan (nur in der Fassung BMEL) ................................................................................................... 17 6. Prozessorganisation........................................................................................................................................ 17 8. Rückblick – Ausblick ....................................................................................................................................... 19 2

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1. Zusammenfassung der Bewerbung – Beschreibung der inhaltlichen Schwerpunkte der Region Der Landkreis Görlitz ist durch seine Historie, Lage und Struktur und der soziodemografischen Merkmale mehr als ein Spiegelbild aktueller gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Prozesse. Als ländlich geprägte, sehr dünn besiedelte Region in einer echten Randlage, kristallisieren sich gerade hier die Zukunftsprobleme dieses Landes heraus, deren tatsächliche und praktische Lösung überlebensnotwendig für diese und andere Regionen ist und sein wird. Ohne neue Ansätze wäre der Landkreis bereits heute nicht mehr in der Lage, seine vielfältigen Funktionen für die Menschen der Region zu erbringen. Dabei sind unsere Strategieentwicklung, der EEA-Prozess1 oder Vorhaben wie „Zukunft durch Bildung im Landkreis Görlitz“ 2 nicht nur Projekte, sondern wichtige Bausteine unserer künftigen Entwicklung. Die Förderungen im Bildungsbereich bzw. in der Kinder- und Jugendarbeit sind dabei die wichtigsten Investitionen in die Zukunft. Die Identifizierung der jungen Generation mit der Region ist eng verknüpft mit der Gestaltung des Landkreises als lebenswerte Region. Zusammenarbeit ist dabei eine Brücke in die Zukunft. Auch wenn wir hier bereits neue Wege beschreiten, z. B. mit den „INSIDER“-Produkten, sind noch weitere innovative Ideen notwendig. Besonders der gemeinsame Vernetzungsgedanke wird noch zu wenig aufgegriffen, dies ist u. a. eine der Erkenntnisse aus über 30 Experteninterviews im Rahmen der Start- und Qualifizierungsphase von „Land(auf)Schwung“. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Wertschöpfung der Region bietet sich v. a. bei der Herstellung, Veredelung und Vermarktung regionaler Produkte ein hohes, noch unzureichend genutztes Vernetzungspotenzial. Landwirtschaft, Gastronomie, Handel und nicht zuletzt Handwerk bieten einen großen Handlungsspielraum, um gemeinsam regionale Wirtschaftskreisläufe zu generieren. Mit diesen Ansätzen wären auch weitere wichtige Themen der Region bedienbar. So besteht Handlungsbedarf bei der „Gesunden Ernährung“, welche im Zusammenhang mit der Stärkung des Bewusstseins für regionale Lebensmittel steht und oft in Bezug auf die Schulspeisung oder aber hinsichtlich einer Aufwertung der kulinarischen Angebote unserer Gastronomen genannt wurde. Dies ist auch entscheidend für die Verbesserung des touristischen Angebotes der Region. Im Bereich der Daseinsvorsorge spielt v. a. das Thema der Grundversorgung bzgl. der Mobilität, der ärztlichen Versorgung und der Grundversorgung mit Waren des täglichen Bedarfs eine große Rolle. Auch hier wird immer wieder eine bessere Vernetzung aller Betroffenen/Beteiligten gefordert. Dies betrifft die verschiedenen Mobilitätsangebote, aber auch die bessere Zusammenarbeit von regionalen Produzenten und Handwerkern sowie von Wirtschaft und Wissenschaft. Die Förderung des Bewusstseins für regionale Produkte ist dabei allumfassende Grundlage, wobei die Bereiche Bildung, Gastronomie, Direktvermarktung und Tourismus aber auch Handwerk und Handel gemeinsam aktiv werden müssen. Dem Kreis kommt dabei die Rolle des Koordinators zu. Die größte Zukunftschance liegt in der Unterstützung der Menschen und deren kreativen Ideen vor Ort. Egal, ob verdichteter Raum, Grundzentrum oder kleines abgelegenes Dorf – all diese Räume müssen ihre eigenen Herausforderungen meistern. Nur gemeinsam mit den Menschen vor Ort wird dies gelingen. Genau hier soll „Land(auf)Schwung“ im Landkreis ansetzen. Teilweise sind die Voraussetzungen dafür bereits gegeben: Der Bedarf ist festgestellt und Lösungsansätze sind vorhanden. Oftmals aber bremsen Regularien und Standards solche Initiativen und guten Ideen. Das Aufweichen veralteter Handlungsmuster und die vermehrte Nutzung flexibler und innovativer Maßnahmen ist unser zukunftsweisender Weg. Wir sind gut vorbereitet! 1 2 european energy award Modellvorhaben im Rahmen des Bundesprogramms „Lernen vor Ort“ 3

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2. Vorstellung der Region – Wer sind wir? Allgemein Der Landkreis Görlitz liegt im Osten des Freistaates Sachsen, im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien mit einer insgesamt 188 Kilometer langen Außengrenze zu diesen beiden Nachbarländern. Die 53 Kommunen 3 verteilen sich auf eine Fläche von 2.109 km². Der drittgrößte sächsische Landkreis besteht zu ca. 14% aus Siedlungs- und Verkehrsflächen, zu 45% aus Landwirtschaftsflächen und zu 35% aus Wald. (ganz-im-osten.de) Der Landkreis Görlitz gehört wie viele Regionen in den neuen Bundesländern zu den „Vorreitern“ des demografischen Wandels. Seit 1990 hat der Kreis mehr als jeden vierten seiner Einwohner verloren. Lebten nach der Wiedervereinigung noch rund 367.000 Menschen im Landkreis, waren es 2013 nur noch 261.000. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Denn nach neuesten Bevölkerungsprognosen dürfte sich der demografische Abwärtstrend weiter fortsetzen. Bis 2035 könnte die Zahl der Einwohner weiter auf rund 204.000 Menschen sinken. Gleichzeitig schreitet die Alterung der Bevölkerung voran. Schon heute ist jeder Dritte im Landkreis 60 Jahre oder älter, bis 2035 dürfte es fast jeder Zweite sein. Welche Herausforderungen mit einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung einhergehen, lässt sich daher im Landkreis Görlitz früher als in anderen Regionen beobachten. Der Landkreis teilt sich in drei unterschiedliche Räume: Altindustrieller Raum mit hoher Bevölkerungsdichte, ländlicher Raum mit lokalen Versorgungszentren wie Grund- und Mittelzentren und der dünn besiedelte und entlegene ländliche Raum. Das Schrumpfen und Altern der Bevölkerung stellt die Kommunen in den jeweiligen Räumen dabei vor teilweise sehr unterschiedliche Herausforderungen. Die dicht besiedelten, altindustriellen Räume v. a. im Süden des Kreises lassen sich als Verdichtungsräume (mit teilweise über 200 EW/km²) kennzeichnen. Durch den anhaltenden Bevölkerungsrückgang weisen diese Kommunen einen hohen Gebäudeleerstand, insbesondere bei den ehemaligen Fabriken, aber auch bei Wohngebäuden, auf. In weniger attraktiven Wohngegenden leben zudem überwiegend sozial benachteiligte Menschen, die Treffpunkte sowie soziale und kulturelle Angebote benötigen. Die Kommunen stehen trotz angespannter Haushaltslage in der Verantwortung, v. a. für diese Menschen lebenswerte Bedingungen zu erhalten. Im Gegensatz dazu ist der Norden des Landkreises sehr dünn besiedelt (mit teilweise weit unter 70 EW/km). Mit der Einwohnerzahl sinkt besonders hier die Nachfrage nach Waren, Dienstleistungen sowie Bildungs- und Kulturangeboten. Bestimmte Bereiche der Daseinsvorsorge können daher nur noch mit hohem finanziellen Aufwand oder aber lediglich zeitlich begrenzt vorgehalten werden. 3 14 Städte, 39 Gemeinden 4

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Die schlechter werdende Versorgung trifft dabei auf eine alternde Bevölkerung, für die es zunehmend schwieriger wird, die länger werdenden Wege zum Arzt, zur Apotheke oder zum Einkaufen zurückzulegen. Für eine wohnortnahe und bedarfsorientierte Versorgung sind daher dringend neue Ideen und flexible Konzepte notwendig. Diese entstehen häufig vor Ort und werden von der lokalen Bevölkerung mitgetragen. Daher ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten und Betroffenen dauerhaft vernetzen und die Möglichkeiten erhalten, mit neuen Ansätzen ihr Lebensumfeld attraktiver gestalten zu können. Dazu gehört auch, Standards und Vorschriften auf den Prüfstand zu stellen und zu ändern, wenn diese den neuen Lösungen im Wege stehen. Der „klassische ländliche Raum“ umfasst die Bereiche der Grund- und Mittelzentren des Landkreises mit einer Bevölkerungsdichte von 70 bis 130 EW/km². Die zentralen Orte sind dabei Versorgungskerne für die Bevölkerung (Grundversorgung mit Gütern des kurzfristigen Bedarfs und Banken, Postfilialen, Apotheken, Ärzten, Sportplätzen und Bildungseinrichtungen). Sie sind als lokale Versorgungszentren dauerhaft zu stärken. Dies ist Voraussetzung dafür, die Lebensqualität der Älteren und Familien zu erhalten und zu verbessern. Eine gute Erreichbarkeit von zentralen Orten sichert dabei den Bewohnern aus dem Umland den Zugang zu diesen Versorgungsangeboten. Entscheidend ist dabei, die bestehenden unterschiedlichen Mobilitätsformen dauerhaft und nachhaltig aufeinander abzustimmen und ggf. durch alternative Bedienformen, wie Ruf- und Bürgerbusse, zu ergänzen, damit sie wieder ein schlüssiges Angebot ergeben. Die genannten Probleme und Lösungsansätze der unterschiedlichen ländlichen Räume sind gleichzeitig Schwerpunkte unserer Förderung im Rahmen von „Land(auf)Schwung“. Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung Der Landkreis Görlitz mit einer Bruttowertschöpfung von ca. 18.000 €/Einwohner, einer Kaufkraft von 15.687 €/Einwohner und einem Einkommenssteueraufkommen von 94 €/Einwohner gehört in Sachsen und Deutschland zu den strukturschwächsten Landkreisen. Insgesamt gibt es im Landkreis 14.565 IHKMitglieder, 4.631 Handwerksunternehmen und ca. 630 Landwirtschaftsbetriebe (teilweise im Nebenerwerb). Zielgruppe für die Zusammenarbeit und Kooperation aus Sicht des Landkreises sind besonders die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Unternehmen der Land- und Forstwirtschaft, die in allen drei Raumkategorien – wenn auch in unterschiedlicher Dichte – angesiedelt sind. Sie sind wirtschaftliches Rückgrat und benötigen besondere Unterstützung hinsichtlich des Aufbaus von Wertschöpfungsketten bzw. regionalen Kreisläufen. Die hohe wissenschaftliche Dichte im Landkreis Görlitz bietet für die hiesigen Wirtschaftsunternehmen bisher weitgehend ungenutzte Potenziale, etwa im Bereich der Fachkräftesicherung und Nachwuchsförderung oder auch bei der wissenschaftlichen Expertise in energetischen, konzeptionellen oder betriebswirtschaftlichen Fragestellungen. (kreisentwicklung.de) Die Fachkräftesicherung ist dabei für den Landkreis von herausragender Bedeutung. Eine wichtige Verbindung zwischen dem Wirtschafts-, dem Arbeitsmarkt- und dem Bildungssystem vor Ort stellt hier die Berufsorientierung dar. Diese qualitativ hochwertig auszugestalten, ist eine unserer wesentlichsten Aufgaben. Im Jahr 2010 etablierte der Landkreis unter dem Thema „Zukunft Görlitz“ ein Regionales Übergangsmanagement im Rahmen des Bundesprogramms „Perspektive Berufsabschluss“. Damit sollten die Übergänge von der Schule in die Berufsausbildung verbessert werden. Nach Auslaufen des Bundesprogramms ist es gelungen, die Nachhaltigkeit der guten und praktikablen Ansätze zu sichern. So gibt es seit September 2013 die „Regionale Koordinierungsstelle für Berufs- und Studienorientierung“, deren Aufgabe die weitere Verbesserung des Überganges Schule-Beruf im Landkreis Görlitz ist. Die Koordinierungsstelle ist dabei Impulsgeber, Unterstützer und Ansprechpartner für Schule, Eltern, Wirtschaft und Partner der Berufs- und Studienorientierung. Im Rahmen der o. g. Handlungsfelder wurden neben Strukturen auch praktische Instrumente für die Zielgruppen entwickelt. 5

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So gibt es bspw. den Ausbildungsatlas INSIDER (Printfassung / Online), der Schülern des Landkreises Görlitz über Berufs- und Studienmöglichkeiten in unserer Region informiert. Weiterhin präsentieren sich auf der jährlichen Ausbildungsmesse INSIDERTREFF die Firmen des Landkreises und weitere Einrichtungen auf interaktive Art und Weise. (insider-goerlitz.de) Bildung 13 Förderschulen 60 Grundschulen 26 Oberschulen 9 Gymnasien 1 Waldorfschule 4 Berufliche Schulzentren 15 Berufsbildende Schulen 2 Hochschulen 1 Hochschulinstitut Alle aktuellen Entwicklungen wurden bei der Fortschreibung des Schulnetzplanes für die Jahre 2010-2015 berücksichtigt. Für den Landkreis Görlitz ist ein Rückgang der Gesamtschülerzahl von 61.753 Schülern im Schuljahr 1994/1995 auf 27.686 im Schuljahr 2013/2014 festzustellen. Aufhebungen (Schließungen) von Schulen waren bei derartigen Veränderungen nicht zu umgehen. So verringerte sich die Anzahl der öffentlichen Schulen von 231 Schulen im Schuljahr 1994/1995 auf 128 Schulen im Schuljahr 2013/2014. Für den Zeitraum von 2010-2015 waren im Kreisgebiet zwischen 2.040 und 2.183 Einschulungen pro Jahr zu erwarten. (schule.landkreis.gr) Der Landkreis Görlitz beteiligte sich auch unter diesen Aspekten von November 2009 bis August 2014 am Programm „Lernen vor Ort“, mit dem die Bundesregierung die Entwicklung und Verstetigung kommunaler Bildungsmanagements förderte. Im Rahmen dessen ist es gelungen, im Landkreis Görlitz ein datenbasiertes regionales Bildungsmanagement zu entwickeln. Im Sinne eines erweiterten Bildungsverständnisses wurden dabei alle Phasen des lebenslangen Lernens berücksichtigt. Dabei konnten wichtige Strukturen und Instrumente für die Gestaltung eines abgestimmten Bildungssystems vor Ort geschaffen werden. Um die Nachhaltigkeit der erreichten Ergebnisse zu sichern, erfolgte von Beginn an eine enge Verzahnung der Projektarbeiten mit der Landkreisstrategie, um die Bildungsstrategie als einen elementaren Bestandteil zu verankern. In diesem Kontext ist es dem Landkreis Görlitz gelungen, über zwei dauerhafte Personalstellen im Landratsamt und durch die Schaffung der „Servicestelle Bildung“ bei der ENO 4 , das Bildungsmanagement und das Bildungsmonitoring zielorientiert fortzuführen. Damit stehen dem Landkreis Görlitz auch nach Auslaufen der Förderperiode Grundlagen für eine erfolgreiche Bildungsentwicklung als unverzichtbarer Standortfaktor für die Fachkräftesicherung und Wirtschaftsförderung zur Verfügung. (lvo.landkreis.gr) Jugend, Gesundheit und Soziales Im Landkreis Görlitz steht allen Einwohnern umfassendes soziales Netz zur Verfügung. In Kindertagesstätten gibt es Krippen-, KindergartenHortplätze. Fünf Heilpädagogische Kindertagesstätten Kindertagesstätten mit Integrationsplätzen ergänzen Angebot. (kita.landkreis.gr) ein 219 und und das Soziale Einrichtungen über 200 Kindertageseinrichtungen 7 Krankenhäuser ca. 630 Ärzte und ca. 239 Zahnärzte ca. 63 öffentliche Apotheken ca. 81 stationäre und teilstationäre Pflegeeinrichtungen ca. 85 ambulante Pflegedienste Die Kapazität an Pflegeheimplätzen wurde seit 1990 kontinuierlich ausgebaut. Bei der ambulanten Betreuung Pflegebedürftiger liegt der Landkreis sogar deutlich über dem sächsischen Durchschnitt. Für die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen engagieren sich mehrere ambulante Hospizdienste, in Herrnhut gibt es das einzige stationäre Hospiz in Sachsen im ländlichen Raum. Menschen mit Behinderungen werden in Einrichtungen der Behindertenhilfe betreut. Der Landkreis sichert seine 4 Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH 6

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medizinische Versorgung durch die Krankenhäuser in Weißwasser/O.L., Niesky, Rothenburg/O.L., Görlitz, Zittau und Ebersbach/Sa. sowie durch ein Netz von niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten und Apotheken. (gesundheit.landkreis.gr) Im Landkreis Görlitz sind ca. 12,5% der Gesamtbevölkerung auf staatliche Transferleistungen in Form von Arbeitslosengeld II angewiesen. Die Betreuung erfolgt über das Jobcenter Görlitz, mit Standorten in Weißwasser/O.L., Niesky, Görlitz, Löbau und Zittau. Im Bereich der sozialen Sicherung hat der Landkreis Görlitz im Vergleich zu allen anderen sächsischen Landkreisen die höchsten Ausgaben. Die Sozialstruktur verändert sich in den nächsten Jahren so, dass mit weiteren Ausgabensteigerungen z. B. in der Hilfe zur Pflege und der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen zu rechnen ist. Verbunden mit einer stetigen Alterung der Bevölkerung und der nach wie vor höchsten Arbeitslosenquote in Sachsen kumulieren sich im Landkreis Görlitz soziale Problemlagen in einer Brisanz, der sich bisher kein anderer Landkreis stellen musste. Hier bemüht sich der Landkreis um Unterstützung des Freistaates, um auch gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln und den Problemlagen aktiv zu begegnen. (soziales.landkreis.gr) Es ist trotzdem anzunehmen, dass die Wirtschaftskraft, die Steuerkraft und die Finanzzuweisungen sich rückläufig entwickeln, jedoch die Soziallasten weiterhin steigen werden. Die Infrastruktur im Landkreis soll der Bevölkerungsentwicklung angepasst werden. Das bedeutet, dass künftige Investitionen auf ihre strategische Stabilität, ihre zukunftssichernde Notwendigkeit und auf perspektivische Auslastung überprüft werden sollen – genügend Ansatzpunkte für innovative Projekte sind damit, auch und gerade bei „Land(auf)Schwung“, gegeben. Natur und Tourismus Der Landkreis Görlitz ist aufgrund seiner einmaligen Naturausstattung, seiner historischen Bauten und Kulturdenkmäler, den verschiedensten touristischen Angeboten und nicht zuletzt wegen seiner Menschen immer eine Reise wert. Über 1.100 Kilometer ausgebaute Radwanderwege, 1.600 Kilometer Wanderwege und ca. 40 Kilometer Skiwanderwege laden zur Erholung und sportlichen Betätigung ein. Landschaftlich verändert der Landkreis Görlitz sein Gesicht in Nord-Süd-Richtung: Der flache Norden wird vom Oberlausitzer Bergbaurevier, der Muskauer Heide und der waldreichen Oberlausitzer Heideund Teichlandschaft geprägt. In südlicher Richtung steigt die Landschaft stetig an und geht in das Oberlausitzer Gefilde, die Östliche Oberlausitz und das Oberlausitzer Bergland über. Der niedrigste Punkt liegt im Braunkohletagebau (34,90 m) des Lausitzer Reviers, den höchsten Punkt bildet die Lausche im Zittauer Gebirge mit 793 m. Zum Schutz und zur Bewahrung der heimischen Tiere und Pflanzen sowie ökologisch wertvoller Lebensräume sind im Landkreis 33 FFH-Gebiete, 23 NSG, 170 FND und 16 LSG ausgewiesen. Die außergewöhnliche Bedeutung der Natur- und naturnahen Kulturlandschaft des Landkreises spiegelt sich in der UNESCO-Anerkennung des Biosphärenreservates „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ 1996 wider. 2006 wurde der Muskauer Faltenbogen als nationaler Geopark anerkannt. 2008 wurde zudem der 133 km² große „Naturpark Zittauer Gebirge“ gegründet – der 100. Naturpark Deutschlands. Neben der Lausitzer Neiße im Osten und der Spree im Westen durchziehen die Mandau, das Löbauer Wasser sowie der Weiße und der Schwarze Schöps den Landkreis. Mit dem Bärwalder See, der Talsperre Quitzdorf sowie dem Berzdorfer See liegen einige der größten Standgewässer Sachsens im Landkreis Görlitz. 7

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Insbesondere prägen den Kreis drei touristische Hauptattraktionen: Während der Norden vor allem für Radwandern und Erholung in zahlreichen Park- und Schlossanlagen steht, zeichnet sich der Süden durch die reizvolle Landschaft des kleinsten Mittelgebirges Deutschlands und die ortsbildprägende Oberlausitzer Umgebindehausarchitektur aus. Die über 940-jährige Stadt Görlitz wiederum lockt mit ihren fast 4.000 Baudenkmälern vor allem Städtetouristen aus aller Welt an. Eine eigens für den Landkreis entwickelte Tourismuskonzeption mit dem Leitbild „Grenzenlos entdecken: Kulturschätze und aktive Freizeit- und Naturerlebnisse im Dreiländereck Deutschland-PolenTschechien“ ist seit Anfang 2015 die Grundlage aller touristischen Aktivitäten. Die Themen „Kultur“ und „Aktiv in der Natur“ bestimmen das touristische Marketing. Kultur wird dabei maßgeblich durch die Themenbereiche Stadt, Schlösser, Parks und Gärten untersetzt. Die Themenbereiche Radfahren und Wandern stehen für aktive Erholung in der abwechslungsreichen Natur und Landschaft. Der Fürst Pückler Park als UNESCO-Welterbe und die Stadt Görlitz bilden die kulturellen Aushängeschilder des Landkreises, während Oder-Neiße-Radweg, Spreeradweg und Oberlausitzer Bergweg für das Thema „Aktiv in der Natur“ stehen. (tk.landkreis.gr) Die seit 2011 bestehende Kooperationsvereinbarung zwischen der Touristischen Gebietsgemeinschaft NEISSELAND e. V. im Norden, der Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH und der Touristischen Gebietsgemeinschaft Naturpark Zittauer Gebirge/Oberlausitz e. V. im Süden unterstreicht die Zusammenarbeit der touristischen Leistungserbringer im Landkreis Görlitz. Der Tourismus hat dabei für den Landkreis Görlitz eine entscheidende Bedeutung. Zum einen ist er ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wertschöpfung und sorgt so für Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. Zum anderen verbessert er auch die Auslastung von Versorgungsangeboten und Infrastrukturen im Bereich der Daseinsvorsorge und kann somit dazu beitragen, dass kleine Lebensmittelgeschäfte und/oder Cafés erhalten bleiben, aber auch Mobilitätsangebote stärker genutzt werden. Auf der Suche nach neuen Angebotsformen müssen daher die Bedürfnisse der Touristen mit einbezogen werden, auch um die Attraktivität der Region als Urlaubs- und Ausflugsziel weiter zu verbessern. Kultur und Sport Der Landkreis Görlitz bildet gemeinsam mit dem Landkreis Bautzen den Kulturraum OberlausitzNiederschlesien. Der Kulturraum wird über den Freistaat Sachsen sowie eine Kulturumlage finanziert. Seine Hauptaufgabe besteht in der finanziellen Unterstützung der Träger regional bedeutsamer kultureller Einrichtungen und Maßnahmen. Dazu gehören Heimat- und Musikpflege, Museen, Darstellende und Bildende Künste, Soziokultur, Bibliotheken/Literatur, Musikschulen, Tiergärten, historische Schlossgärten und Landschaftsparks. (kulturraum-oberlausitz-niederschlesien.de) Mit Gründung der Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH am 1. Januar 1999 wurde erstmals im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien der Schritt gewagt, kleinere museale Einrichtungen außerhalb kommunaler Zuständigkeiten zu betreiben. Ziel des Verbundes ist es, die Arbeit der verschiedenen Häuser zu koordinieren, die vorhandene Museumslandschaft zu erhalten sowie die kulturellen und historischen Traditionen der Region stärker hervorzuheben. (oberlausitz-museum.de) 8

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Im kulturellen Bereich steht dem Landkreis eine eigene Gesellschaft zur Seite: Die Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft mbH (Ku-Weit) mit Sitz in Löbau wurde bereits 2004 vom Landkreis LöbauZittau mit dem Ziel einer Bündelung kultureller Ressourcen gegründet. Die Gesellschaft verwaltet Ausund Weiterbildungsangebote der Kreisvolkshochschule, der Kreismusikschule und der Christian-WeiseBibliothek Zittau. Zu den weiteren Aufgaben gehören der Betrieb des Medienpädagogischen Zentrums in Löbau, die Verwaltung der kreisangehörigen Wohnheime sowie Kulturdenkmale. (ku-weit.de) Das Sportangebot im Landkreis ist mit über 70 Sportarten im Breiten- und Wettkampfsport sehr vielfältig. 360 Sportvereine haben sich dem kreisweit tätigen Oberlausitzer Kreissportbund e. V. angeschlossen und 40.000 Sportler (davon ca. 12.000 Kinder und Jugendliche) nehmen am Vereins-, Trainings- und Wettkampfleben teil. (oberlausitzer-ksb.de) Verkehr Aufgabenträger für den Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist für den straßengebundenen Personennahverkehr der Landkreis (Straßenverkehrsamt) und für den schienengebundenen Personennahverkehr der Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON). Der ZVON ist ein Zusammenschluss der Landkreise Bautzen und Görlitz sowie der Stadt Görlitz. Die Aufgabenträger haben nach § 5 des ÖPNVG des Freistaates Sachsen in Abstimmung untereinander einen Nahverkehrsplan aufzustellen, zu beschließen und fortzuschreiben. Die Anbindung des überörtlichen Verkehrs erfolgt über die Autobahn A4 (Europastraße 40). Von der niederländischen Grenze aus kommend führt die A4 über Dresden durch den Landkreis nach Görlitz bis ins polnische Breslau. Nördlich der A4 verläuft der Großteil der B115 sowie der B156. Im südlichen Teil des Landkreises bildet die B178 eine Verbindung zwischen der A4 und Zittau und ist eine der Hauptschlagadern des grenzüberschreitenden Verkehrs im Dreiländereck. Der leider immer noch nicht abgeschlossene Ausbau der B178 bis zur tschechischen Schnellstraße R35 bleibt deshalb das wichtigste Bauvorhaben im Landkreis. Weitere Verbindungen von überregionaler Bedeutung stellen außerdem die B6, B96 und die B99 dar. (lvp.landkreis.gr) Verkehrswege im Landkreis: Bundesautobahn Bundesstraßen Staatsstraßen Kreisstraßen 33,5 km 248,2 km 484,8 km 501,7 km 19 Grenzübergänge nach Tschechien 11 Grenzübergänge nach Polen Wichtige Bahnlinien sind die Strecken Cottbus–Görlitz, Görlitz–Zittau, Dresden–Zittau, Dresden–Görlitz, Zittau–Liberec. Die Strecke Hoyerswerda–Horka–Görlitz wird derzeit zur zweigleisigen Magistrale (Güterverkehr) in Richtung Polen ausgebaut. In Rothenburg/O.L. und in Görlitz gibt es je einen regionalen Flugplatz; die nächstgelegen Flughäfen befinden sich in Dresden, Prag und Breslau. 9

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3. Thematische Schwerpunkte und Ziele – Was wollen wir erreichen? Der Landkreis Görlitz ist trotz seines enormen Bevölkerungsverlustes, der finanziellen Problemlagen und der strukturellen Schwierigkeiten für viele Menschen Heimat‚ Ausflugs- oder Urlaubsregion. Für diese Menschen die Region in ihren Möglichkeiten zu stärken, auszubauen und auch zu befördern, das ist das Anliegen der Strategieentwicklung des Landkreises Görlitz basierend auf klaren Zieldefinitionen und strategischen Ansätzen (siehe Tabelle). Durch sie kann die Entwicklung unseres Landkreises und unserer Region besonders für Familien attraktiver gestaltet werden: Wirtschaft Stabilisierung und Schaffung attraktiver Arbeitsplätze in Verbindung mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gemeinsame einheitliche Wirtschaftsförderung unter Einbeziehung der relevanten Akteure Stabilisierung der touristischen Infrastruktur und gemeinsame Vermarktung der vielfältigen touristischen Angebote Aufbau und Ausbau moderner Kommunikationsinfrastruktur und Kommunikationsarten (e-Government) Gesellschaft Förderung und Erhalt eines gemeinsamen Bewusstseins im Landkreis - Sicherung der persönlichen Zukunftsplanung Förderung von lebenslangem Lernen kultureller Bildung sowie kultureller Qualität und Vielfalt Heranbildung eines künftigen Kulturpublikums und generationenübergreifende Kulturvermittlung Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements Sicherstellung der Daseinsvorsorge (u. a. Bildung, Nahversorgung, medizinische Versorgung, Mobilität) Politik Umwelt Erhalt und Sicherung der biologischen Vielfalt Stabilisierung eines gesunden Ökosystems Schaffung von Voraussetzungen für den Ausbau von Ordnung und Sicherheit Abbau der Bürokratie und bessere Zusammenarbeit zwischen Verwaltung des Landkreises, seinen Kommunen, Unternehmen, Akteuren und Bürgern Die Strategischen Schwerpunkte des Landkreises Görlitz als Ergebnis der Strategiebefragung von Kommunen, Bürgern und Experten im Jahr 2011 sind dabei erneut Richtschnur des Handelns bei der Umsetzung von „Land(auf)Schwung“ (Kernelemente im Modellvorhaben „Land(auf)Schwung“): Bürgerschaftliches Engagement Daseinsvorsorge Identifikation mit dem Lebensraum Individuelle Lebensperspektiven Infrastruktur- Schwerpunkt: Städtebau / ländlicher Raum, Wirtschaft und Tourismus Innovative Energieregion Landkreis Görlitz Kulturvermittlung Lebenslanges Lernen Moderne Kommunikationsinfrastruktur Ordnung und Sicherheit Ökosystem und Biodiversität Touristisches Marketing Willkommenskultur und Soziale Kompetenzen Wirtschaftsförderung Zusammenarbeit Im Rahmen der vielen Einzelgespräche, Recherchen, Arbeitsgruppen und Anfragen haben sich im Hinblick auf unsere allgemeine strategische Arbeit und die Schwerpunktsetzung im Rahmen der Startund Qualifizierungsphase von „Land(auf)Schwung“ viele dieser Anknüpfungspunkte verstärkt und neue ergeben. Die Bereiche Bildung und Mobilität, Wirtschaft und Tourismus, ärztliche Versorgung und Grundversorgung sind Themen, die dem Landkreis wichtig sind und die durch das Projekt erneut in den Fokus des Handelns getreten sind. Im Ergebnis der Analysen haben sich neue Vernetzungsmöglichkeiten und Kontakte zu Strukturen und Ansprechpartnern gebildet, die auch über die Umsetzungsphase von „Land(auf)Schwung“ hinaus beibehalten bzw. gepflegt und genutzt werden. 10

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Dabei wird ein ehrlicher Umgang mit den Bewohnern ländlicher Regionen immer wichtiger. Welche Versorgungsstandards kann der Staat auch künftig in diesen zunehmend dünner besiedelten Regionen garantieren und was wird es nur noch geben, wenn sich die Bewohner vor Ort dafür einsetzen? Die bundesweit wachsende Zahl an multifunktionalen Dorfläden, Bürgerbussen oder Mitfahrzentralen sind lebendige Belege dafür, wie die lokale Bevölkerung ihr Lebensumfeld aktiv mit gestaltet. Es ist und bleibt wichtig, dass sich die Bewohner noch mehr vernetzen und die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten erhalten, um ihre Ideen erfolgreich einzubringen und umzusetzen. Im Bereich der Daseinsvorsorge konzentriert sich der Landkreis besonders auf die Verbesserung bedarfs- und zielgruppengerechter Angebote der Mobilität, die Sicherung der regional angepassten medizinischen Versorgung, die Sicherung der lokalen Grundversorgung mit Waren des täglichen Bedarfs sowie auf die Unterstützung des sozialen und bürgerschaftlichen Engagements. Letztgenanntes zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche der Daseinsvorsorge. Hier wird auch im Rahmen der Förderrichtlinie und Vergabe die Möglichkeit geschaffen, gezielt Kleinprojekte zu fördern. Aber auch Kleinprojekte mit anderen operativen Zielen sollen im Rahmen von „Land(auf)Schwung“ unterstützt werden. Der Schwerpunkt der regionalen Wertschöpfung kann im Landkreis Görlitz nur durch die bessere Vernetzung vorhandener Akteure und Angebote erfolgen. Dem Kreis fällt dabei die Aufgabe zu, die Vorteile dieser Vernetzung aufzuzeigen, um so die Bereitschaft bei allen Beteiligten dafür zu stärken. Im besonderen Fokus sollen dabei die Bereiche Mobilität, die Stärkung der Direktvermarktung, die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft und die Stärkung des Bewusstseins für regionale Produkte und regionales Handwerk stehen. Bei der Analyse der strategischen Schwerpunkte wurde herausgefiltert, wo eine besonders hohe Förderwürdigkeit besteht. Wichtige Bereiche wurden dabei bislang nicht oder nur unzureichend durch andere Förderprogramme abgedeckt, obwohl sie – wie in den Schwerpunkten Daseinsvorsorge und regionale Wertschöpfung – eigentlich eine enorme Förderung und Unterstützung benötigen. Der Landkreis Görlitz verfolgt das Ziel, die engagierten unternehmerischen Menschen voranzubringen und diese zu motivieren, weiter- und mitzumachen. Dies ist auch für ein nachhaltiges Bestehen der Projekte auch nach Auslaufen der Förderung unerlässlich. Um die derzeitige Situation beider thematischer Schwerpunkte darzustellen, wurden im Rahmen der Start- und Qualifizierungsphase zwei Filme in Auftrag gegeben, welche nun auch außerhalb des Projektes diese beiden Themenkomplexe plausibel erläutern. Zielgerichtet werden die Filme im Bereich Bildung und in den Onlinemedien des Landkreises, auch für eine bessere Kenntnis der Thematik und die Aktivierung in den Netzwerken, eingesetzt: Erklärfilm Daseinsvorsorge (daseinsvorsorge.landkreis.wiki) Erklärfilm Regionale Wertschöpfung (wertschoepfung.landkreis.wiki) 11

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4. Bezug zu anderen Planungen Der Landkreis Görlitz hat alle Herausforderungen (siehe Punkt 2 - Vorstellung der Region) immer als Chance verstanden und begegnet diesen mit zeitgemäßen und modellhaften Maßnahmen und Projekten. Ohne das Beschreiten von neuen Wegen und der ständigen Suche nach neuen Möglichkeiten und Lösungen wäre der Landkreis bereits heute nicht mehr in der Lage, seine vielfältigen Funktionen für die Menschen der Region zu erbringen. Folgende Grundforderungen, die schon mehrfach in den Stellungnahmen des Landkreises Görlitz zu verschiedenen raumordnerischen Plänen und Programmen (z. B. Landesentwicklungsplan Freistaat Sachsen 2013, lep.landkreis.gr) erläutert wurden, können und müssen dazu beitragen, die Diskrepanzen in den Aussagen und Stellgrößen bezüglich des ländlichen Raumes neu zu ordnen: Die Ungleichheit der regionalen Lebensbedingungen wird weiterhin steigen und muss fachlich und politisch akzeptiert werden. Die gesetzlichen Vorgaben zu Standards und Normen müssen geprüft und flexibel den lokalen Erfordernissen angepasst werden. Die Kommunen sind nachhaltig und dauerhaft von unnötigen Vorschriften und Kosten zu entlasten, neue hemmende Regularien dürfen nicht entstehen. Über Regionalkontingente für Planungen und Finanzierungen auf der Basis der Landkreise sind nachhaltige Fonds für Rückbau/Umbau in den ländlichen, strukturell betroffenen Regionen analog des Stadtumbaues einzusetzen. Die Bürger müssen offen und frühzeitig über die voraussichtlichen Entwicklungen und die daraus resultierenden Konsequenzen informiert werden, damit sie rechtzeitig wichtige Entscheidungen zu ihrer eigenen Lebensplanung treffen können. - Die nachhaltige Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Lebensqualität für zukünftige Generationen auch unter Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels ist dabei so zu gestalten, dass die Spielräume für die Entwicklung der Siedlungs-, Wirtschafts- und Verkehrsstruktur nicht unangemessen eingeengt bzw. nach lokalen Bedürfnissen ausgesteuert werden. Eine Flexibilisierung der Ausweisungskriterien und Standards ist dringend, besonders im ländlichen Raum, erforderlich. Das öffentliche Bedürfnis und die Tragfähigkeit müssen neben den bisherigen Ausweisungskriterien Beachtung finden. Die Rolle der neuen, flächenmäßig größeren Landkreise (in Sachsen seit 2008) bei möglichen Konzepten bzw. Projekten und die Übernahme von territorial gebundenen Leistungen aus der Regionalplanung sind neu zu definieren. Der Landkreis Görlitz besitzt dafür klare Zieldefinitionen und strategische Ansätze, die für das Treffen von Entscheidungen, die Ausrichtung, Begleitung und die Prüfung von Ergebnissen von grundsätzlicher Bedeutung sind; durch sie kann die Entwicklung des Landkreises und unserer Region gesteuert und aktiv-attraktiv gestaltet werden. Es besteht dabei nicht die „eine“ Kreisentwicklungskonzeption, sondern eine Vielzahl aufeinander aufbauender und miteinander abgestimmter strategischer Dokumente, Leitlinien und Handlungsempfehlungen. Ausgangspunkt ist entweder eine staatlich bzw. politische Regelvorgabe oder ein eigener innovativer Ansatz. Bei der Erarbeitung und der Umsetzung kann der Landkreis dabei auf viele verschiedene Partner und Akteure bauen, die langfristig und fördernd diesen Prozess begleiten und unterstützen und umsetzen. (publikationen.landkreis.gr) 12

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Auch für das Bundesmodellvorhaben „Land(auf)Schwung“ sind diese strategischen Dokumente von grundlegender Bedeutung. Sie sind Handlungsanleitung und Richtschnur, sind Grundlagendokumente, die nach Außen kommuniziert werden und aus denen sich intern Defizite ableiten lassen. Diese Defizite gilt es unter Nutzung aller sich bietenden Möglichkeiten, auch und gerade über den innovativen Ansatz von „Land(auf)Schwung“, zu beheben bzw. produktiv anzugehen. Für die Erarbeitung der strategischen Dokumente hat der Landkreis ein interdisziplinäres Redaktionsteam zusammengestellt, welches seit vielen Jahren gemeinsam Handlungserfordernisse und Lösungsansätze diskutiert. Diese wurden dann durch verschiedene fachliche und politische Gremien als Arbeitsgrundlage legitimiert. Kurzdarstellung der wichtigsten strategischen Dokumente: Die Strategischen Schwerpunkte des Landkreises Görlitz sind das zentrale Ergebnis der Strategiebefragung aus dem Jahr 2011 (Strategieprozess Landkreis Görlitz unter: strategie-lkgr.de). Diese Schwerpunkte sind seither sowohl Bestandteil der Entwicklungsstrategien im ländlichen Raum (zuletzt LES – LEADER-Entwicklungsstrategie) als auch Bestandteil aller landkreisspezifischen Stellungnahmen und strategischen Dokumente und Konzepte (intern, extern, grenzüberschreitend). Besonders die Schwerpunkte bürgerschaftliches Engagement, Daseinsvorsorge, Infrastruktur (Städtebau/ ländlicher Raum, Wirtschaft und Tourismus), Identifikation mit dem Lebensraum, lebenslanges Lernen, aber auch Willkommenskultur und soziale Kompetenzen und die Zusammenarbeit sind dabei Kernelemente für das Modellvorhaben „Land(auf)Schwung“. Sie sind Grundlage für die Erarbeitung des Zukunftskonzeptes und finden sich in allen Ansätzen und Projekten wieder. Auszug aus den strategischen Schwerpunkten – Landkreis Görlitz in Bezug auf Land(auf)Schwung Bürgerschaftliches Engagement Ohne bürgerschaftliches Engagement können viele soziale, kulturelle und infrastrukturelle Leistungen nicht erbracht werden. Es stellt in jeder Hinsicht einen Zugewinn dar: für die Gesellschaft, die einzelne Institution sowie die ehrenamtlich Tätigen. Um die Bereitschaft und Motivation zu stärken, muss sich das bürgerschaftliche Engagement in der Region noch mehr etablieren. Dies ist eine der gesellschaftlichen Herausforderungen. Eine Erhöhung der Wertschätzung der engagierten Bürgerinnen und Bürger ist dafür erforderlich. Daseinsvorsorge Nur durch die Gewährleistung der Daseinsvorsorge im Landkreis Görlitz ist es zukünftig möglich, diesen als attraktiven Lebensraum zu gestalten. Schwerpunkte sind die dauerhafte Sicherung der sozialen Infrastruktur mit medizinischer Versorgung, die Bereitstellung eines nachfrageorientierten ÖPNV-Angebotes sowie eines bedarfsgerechten Schulnetzes. Insgesamt soll der Förderung der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Bildung eine höhere Aufmerksamkeit beigemessen werden. Infrastruktur in den Schwerpunkten Städtebau/ländlicher Raum, Wirtschaft und Tourismus Die Infrastruktur des Landkreises muss im Hinblick auf den demografischen Wandel und die sich daraus ergebenden siedlungsstrukturellen Veränderungen bedarfsgerecht angepasst werden. Hierzu zählen nicht nur 13

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klassische Infrastrukturmaßnahmen wie der Erhalt und der Ausbau der Kreisstraßen sowie der Ausbau der Verkehrsanbindung des Landkreises an die interregionalen wie internationalen Wirtschaftskorridore, sondern auch die kulturelle und touristische Infrastruktur. Der Landkreis als grenzüberschreitende Tourismusdestination ist dementsprechend zu entwickeln. Identifikation mit dem Lebensraum Um die in der Region lebenden Menschen in ihrer Motivation und ihrem Optimismus zu stärken, bedarf es einer positiven Imagepflege und der Schaffung eines regionalen Bewusstseins. Dazu zählen auch ein einheitliches Auftreten nach außen und die Vermittlung der Stärken und Chancen des Lebensraumes. So kann sich der Einzelne bspw. besonders mit der Gemeinde, der Stadt, dem Landkreis, einer Natur- oder Landschaftseinheit oder einem regionalen Teilraum und den jeweiligen Besonderheiten identifizieren. Dies erhöht die Bereitschaft, sich in der Region zu engagieren. Lebenslanges Lernen Bildung als einen lebenslangen Prozess zu verstehen und nicht nur auf die schulische Ausbildung bzw. bestimmte Weiterbildungsphasen zu reduzieren, dafür legt der Landkreis mit der Beteiligung am Bundesprogramm „Zukunft durch Bildung“ die Basis, die es jetzt zu verstetigen gilt. Die Menschen vor Ort benötigen passgenaue und aufeinander abgestimmte Bildungsangebote in allen Phasen des lebenslangen Lernens – von der frühkindlichen Bildung bis hin zur Seniorenbildung. Dazu sollen die vorhandenen Angebote transparent gemacht, weiterentwickelt und besser miteinander verknüpft werden. Weitere Schwerpunktthemen sind die Förderung der Mehrsprachigkeit im Dreiländereck sowie die Verankerung der Energiebildung in den Bildungsstrukturen des Landkreises. Eine enge Zusammenarbeit aller Akteure im Bildungsbereich ist für ein Gelingen des Vorhabens unabdingbar. Willkommenskultur und soziale Kompetenzen Soziale Kompetenzen im ethnischen, sprachlichen und kulturellen Miteinander von Bürgern, Verwaltung, Politik und Wirtschaft sind wesentlich für die Zukunftsgestaltung des Landkreises. Eine Willkommenskultur, ein Miteinander der Generationen, der verschiedenen sozialen Gruppen, das Füreinander-Sorgen und AufeinanderAchten sind wichtig für das gesellschaftliche Leben und Arbeiten. Es gilt gleichberechtigte Lebens- und Teilhabechancen für jeden Einzelnen zu schaffen und dabei Inklusion und qualifizierte Zuwanderung als wichtige Zukunftsbausteine zu beachten. Zusammenarbeit Die Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft zwischen Politik, Verwaltung, Kommunen, Unternehmen, Vereinen und Bürgern gilt es zu wecken und zu verstetigen, um die Zukunft des Landkreises zu sichern und zu gestalten. Ein gemeinsames Auftreten und das Bewusstsein aller Akteure sind für den Landkreis und die Region erforderlich, wobei das Optimistische und Gemeinsame nach außen transportiert, Traditionen gepflegt sowie Vorhandenes besser vernetzt und genutzt werden müssen. Alle weiteren strategischen Schwerpunkte finden sich im Vernetzungsbereich oder der Kleinprojekteförderung als eigenständiger Förderschwerpunkt von „Land(auf)Schwung“ wieder. Der Bildungsbericht ist das zentrale Steuerungsinstrument für das Bildungswesen im Landkreis Görlitz und enthält Daten und Fakten zum Bildungssystem (Kennzahlen/Entwicklungen), die wesentliche Informationen für bildungspolitische Entscheidungen liefern. Auf der Grundlage des 1. Bildungsberichtes wurden in einem breit angelegten Beteiligungsprozess Handlungsempfehlungen für die Bildungsentwicklung der Region erarbeitet und politisch legitimiert. 14

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Die Handlungsempfehlungen für die Bildungsentwicklung im Landkreis orientieren sich dabei an den verschiedenen Bildungsphasen des lebenslangen Lernens und zeigen konkrete Umsetzungsmaßnahmen/Verantwortlichkeiten auf. Diese können auch für das Modellvorhaben „Land(auf)Schwung“ Projektideen ausweisen, die beispielsweise i. R. der Kleinprojekteförderung für soziales und bürgerschaftliches Engagement förderfähig sind. Mit dem Schulnetzplan des Landkreises Görlitz liegt eine planerische Gesamtübersicht für die allgemein- und berufsbildenden Schulen für den Zeitraum 2010-2015 vor. Dieser wurde auf der Grundlage der bisher genehmigten Planungen der drei ehemaligen Gebietskörperschaften Landkreis Löbau-Zittau, Kreisfreie Stadt Görlitz und Niederschlesischer Oberlausitzkreis fortgeschrieben. Dieses Instrument sichert die Anpassung des Schulnetzes im Landkreis Görlitz auf Basis der Daten zur demografischen Entwicklung und der demnach zu erwartenden Einschulungen für alle kreisangehörigen Kommunen. Die schulische Ausbildung der jungen Menschen in hoher Qualität setzte auch die Anpassung der sächlichen Bedingungen – ein guter baulicher Zustand der Schulen, die Verbesserung der Angebotsvielfalt, die Einführung von ganztägigen Angeboten sowie die Optimierung der Schülerbeförderung – voraus. Diesem Anliegen kommt der Schulnetzplan, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Netzstruktur, nach. Der European Energy Award (eea) ist das Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren, mit dem die Energie- und Klimaschutzaktivitäten der Kommune erfasst, bewertet, geplant, gesteuert und regelmäßig überprüft werden, um Potenziale der nachhaltigen Energiepolitik und des Klimaschutzes identifizieren und nutzen zu können. Mit dem eea wurde seit 2008 und durch die Erstzertifizierung 2010 ein leistungsfähiges Instrument für effektiven Klimaschutz etabliert, das gleichzeitig die Klammer für die strategische Energiearbeit des Landkreises bildet. Unter dem Leitspruch „Energiekreis Nr. 1" entwickelt sich der Landkreis zu einer innovativen Energieregion. Die Richtschnur dafür bilden die fünf Schwerpunkte: Energiestrategie, Energieproduktion, Energieforschung, Energiemaschinenbau und Energieeinsparung. Arbeitsgrundlage ist das energiepolitische Arbeitsprogramm, welches durch die „Servicestelle Energie“ bei der ENO und den Landkreis aktiv umgesetzt wird. Als erster Landkreis Ostdeutschlands hat der Landkreis Görlitz im Jahr 2013 den eea erfolgreich verteidigt. (energiekreisnr1.de) Der Sozialstrukturatlas ist ein Instrument der Sozialberichterstattung, mit dem Lebenslagen von Einwohnern eines definierten Raumes anhand von Indikatoren dargestellt werden. Ziel des Sozialstrukturatlasses ist es, aus der Fülle von Daten diejenigen herauszufiltern, die besonders geeignet sind, die Lebenssituation der Menschen im Landkreis Görlitz abzubilden. Der Atlas nimmt dafür nicht nur Daten auf, die der direkten kommunalen Steuerung unterliegen. Es werden im Sozialstrukturatlas auch Bereiche erfasst, die in der Verantwortung des Freistaates oder des Bundes liegen. Mit den Angaben zur Sicherheit und zur demokratischen Partizipation geht der Sozialstrukturatlas über klassische Sozialdaten hinaus. 15

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