201605_Octave_V80SE_Audio

 

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Verstärker › RÖHREN-VOLLVERSTÄRKER Mit dem V 80 SE stellt die DER deutsche Firma Octave in die Schranken weist. ■ Von Lothar Brandt einen Vollverstärker vor, der mit seiner Röhrenschaltung auch die transistorisierte Weltelite samt und sonders BESONDERE BESONDERER ANBLICK : So darf den eingeschalteten Vollverstärker mit seinen glühenden Glaskolben nur der ­ Fotograf sehen. Im Betrieb ist das silberfarbene Abdeckgitter für die heißen Röhren Vorschrift. Wer’s braucht … ­ 36 www.audio.de ›05 /2016

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Verstärker › RÖHREN-VOLLVERSTÄRKER B esonders glamourös sieht er nicht aus, der neue Octave V 80 SE. Auch umwölkt ihn trotz des durchaus abgehobenen Grundpreises von 9250 Euro nicht die Aura esoterischer Klangzauberei, mit denen so mancher Voodoo-Priester des Röhrenbaus seine Schöpfungen umflort. Beides wäre so gar nicht nach Art des Hauses Octave und seines Chefs Andreas Hofmann. Der gestandene Techniker stellt vielmehr das Design in den Dienst optimierter Schaltungen und baut diese auf der Basis solider, in der Praxis dauerbewährter Wissenshäufung. Sich als Guru zu gerieren, ist ihm ebenso zuwider wie das Hinterherentwickeln hinter irgendwelchen Modetrends. Trickreicher Transistor-Einsatz Für ihn bieten Röhren keine esoterischen, sondern handfeste Vorteile in der Signalverarbeitung – deshalb baut er seit drei Jahrzehnten Röhrenverstärker. Die müssen allerdings alltags- und langzeittauglich sein. Deshalb setzt Hofmann ideologiefrei auch im V 80 SE trickreich Transistoren mit ein. Die Halbleiter haben bei Octave freilich im Signalweg nichts zu suchen, sondern dienen in vielen Schutz-, Steuer- und Regelschaltungen. Das garantiert eine für RöhrenHigh-End geradezu sensationelle Betriebssicherheit und Langlebigkeit. Kein Werbespruch, sondern auch Erfahrung des Autors. Der hat vor vielen Jahren einmal die Mono-Röhren-Endstufe MRE 120 getestet. Die steht zwar nicht mehr in der Bestenliste, aber noch immer im vielgenutzten eigenen Hörraum. Und verrichtet dort zusammen mit der TopVorstufe HP 500 SE anstandslos wohlklingende Dienste. Zweimal seit Erwerb die Endröhren getauscht – gut war’s. Gut war’s auch, weil der V 80 SE teilweise auf ähnlichen Prinzipien fußt. Die zurückhaltende Formulierung ist angebracht, weil das Herzstück des 80ers eine echte Novität ist, selten genug im ­ Röhrenreich. Die Leistungsröhre KT 150, sockelgleich mit den etablierten KT 88, 6550 und Konsorten, ist eine Weiterentwicklung aus Russland. Das Werk dort führt inzwischen allerdings ein Ameri­ kaner, so dass man absenderseitig mit Fug und Recht „From Russia With Love“ angeben darf. www.audio.de ›05 /2016 37

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Verstärker › RÖHREN-VOLLVERSTÄRKER Auf diese deutlich leistungsgesteigerten Kolben, vergleichbar mit der gleichfalls noch jungen KT 120, entwickelte Hofmann seinen V 80 SE hin. Dabei beließ er es nur im Prinzip bei der Pentoden-Gegentaktschaltung mit den gleichfalls bewährten Vorarbeitern 12AT7 und zwei 12AU7 (siehe Bild rechte Seite). Im Gegentakt verstärkt je eine Röhre die positive und die negative Halbwelle des Signals, man spricht auch von Push-Pull. raten Anzapfungen der Ausgangsübertrager für 2-, 4-, oder 8-Ohm-Boxen gibt. Apropos Ausgangsübertrager: Diese Transformatoren sind für die praxistaugliche Leistungsausbeute bei Röhren zwingend. Die Kolben können zwar viel Spannung, aber wenig Strom, und Leistung ist ja das Produkt aus Spannung und Strom. Bei Octave wickeln kundige Hände (darunter die von Hofmanns Vater) diese Kawenzmänner selber. Im Pentoden-Modus Um das Besondere an der Octave-Schaltung zu erklären, hier etwas Röhrentechnik: Pentoden (penta griechisch für fünf) haben gegenüber Trioden mit ihrer Anode, Kathode und dem Steuergitter zwei weitere Gitter, G2 und G3 genannt. Nun kann man Pentoden auch im TriodenModus fahren (G2 auf Anode und G3 auf Kathode) oder im Ultra­ linear-Modus (G2 an einer eigenen Wicklung des Ausgangstrafos). Aus guten Gründen fährt Hofmann die Pentoden aber tatsächlich im Pentoden-Modus und nutzt dabei G2 als eine Art „Programmiergitter“ mit eigener Versorgungsspanung. Das alles ­ ist zwar schon seit etwa den 30er-Jahren theoretisch bekannt, praktisch aber alles andere als trivial. Um hier keine Diplomarbeit vom Stapel zu lassen, muss der Hinweis genügen, dass auch diese Maßnahme der Langlebigkeit dient. Deshalb lässt sich der Octave auch nicht auf andere Betriebsmodi schalten. Eine weitere bei Röhren-Amps verbreitete Varianz lehnt Hofmann ebenfalls ab: Getreu seinem Mantra von der Alltagstauglichkeit müssen seine Geschöpfe an nahezu allen gängigen Lautsprechern funktionieren – weshalb es keine sepa- Zukaufen ist nicht, unter anderem, weil die Übertrager Bestandteil der ausgeklügelten Gegenkopplung sind. Auch zum Thema Gegenkopplung – Kontrolle und Korrektur des Ausgangssignal durch Abgleich mit dem Eingangssignal – pflegt Hofmann ein ideologiefreies Verhältnis: „Es ergibt keinen Sinn, die Gegenkopplung zu verteufeln, man muss sie optimieren.“ So spricht ein Pragmatiker. Kompromisse macht dieser, wenn es um die preisadäquate Aufrüstung mit einem Phono-Vorverstärkerzug (590 Euro) geht. Da kommen dann Halbleiter zum Einsatz. Was hervorragend gehen kann, wenn man den zum Test mitgelieferten EQ 2 als Maßstab nimmt (Kasten rechts). Keine Kompromisse gibt’s beim Komfort. Wie bei fast allen Voll- und Vorverstärkern von Octave muss die Eingangswahl am Verstärker erfolgen. Eine Umschaltung per Relais über die Fernbedienung ohne klangliche Einbußen hätte zu viel Aufwand und damit Geld gekostet. Den hochwertigen Kopfhörerverstärker samt seiner Anschlussbuchse und der Ab- und Umschaltung der Hauptlautsprecher findet man schaltungsadäquat auf der Rückseite (!). Dafür ist die Nachregelung des Ruhestroms (Bias), bei Octave ohnehin selten nötig, bequem von vorne per Schraubenzieher zu erledigen. Selten nötig, weil der V 80 SE auch über längere Zeit nicht wegdriftet. Im BESONDERE POWER : Die Endröhre KT 150 mobilisiert im Gegentakt deutlich mehr Leistung als sockelgleiche Pentoden-­ Kolleginnen wie die KT 88. Das Messlabor ermittelte höchst respektable 113 Watt an 4 Ohm – mit zwei Endröhren pro Kanal. MESSLABOR Für einen Röhrenverstärker mit nur einem Paar Endröhren pro Kanal ist der V 80 SE sehr kräftig und stabil. Selbst an 2 Ohm leistet er noch 85 Watt Impuls (Audio-Kennzahl 57). Dafür fällt der Frequenzgang an niedrigen Impedanzen leicht ab. Die Klirrverteilung sieht zwar nicht optimal aus, doch mit der gleichmäßig steigenden, dominierenden zweiten Harmonischen ist alles im Lot. Gute Rauschabstände (98 dB). 38 www.audio.de ›05 /2016

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Verstärker › RÖHREN-VOLLVERSTÄRKER Gegensatz zu seinen Nutzern: Selbst bodenständige Tester beamte dieser besondere Amp in zwei Zeitdimensionen. Da ist zum einen die Schnellgerichtwelt. Etwa eine halbe Stunde zum Aufwärmen und Bias-Kontrlle sollte man dem Amp geben. Aber kaum erklingen die ersten Takte Musik, wird auch dem transistorhörigsten Horchposten klar, dass hier ein ganz großer Verstärker aufspielt. Der Autor ist – pardon – kein Freund des Der Amp beamt den Hörer in zwei Zeitdimensionen Breitbänders, weshalb er auch nicht einen der ab Seite 16 getesteten wirkungsgradstarken Wandler einsetzte, sondern im recht stark gedämpften AUDIO-Hörraum die Bowers & Wilkins 802 D3 (AUDIO 11/15). Die kann zwar richtig Kapelle, braucht aber schon Antrieb. Und den gab ihr der V 80 SE auf Anhieb. Womit dann die Tester schnell in die zweite Zeitdimension drifteten. Denn wer diesen Verstärker gehört hat, will mehr, viel mehr. Nach dem Schnellurteil per Wow-Akklamation folgte die lange, sehr lange Genussphase. Der Autor hatte reichlich hochaufgelöste Musik da­ bei, denn der glückliche Zufall wollte den Test des überragenden D/A-Wandlers T+A DAC 8 DSD im selben Heft (Seite 58). Eine bessere Quelle ist kaum vorstellbar, und der Octave verwandelte sie in einen langen, ruhigen Fluss – oder in einen gewaltigen Wasserfall. Doch beginnen wir mit dem sanften Strömen, die Carrie Newcomer dem Ohr einträufelt. „The Slender Threat“ der US-Singer-Songwriterin (AUDIO 1/2016) gibt es auch als DSD-File. Der Octave tauchte ganz tief ein. Im Direct Stream Digital verbirgt sich doch das eine oder andere Kräuseln in der minimal katarrhbelegten, leicht kehligen Stimme; zeigen sich kleine Farbtupfer in der begleitenden Uferböschung von mehreren Gitarrenspuren oder feinherbem Chorgesang; PREISWERT, ABER NICHT BILLIG: DIE PHONO-ERGÄNZUNG Zwar bietet der Octave V 80 SE die Option, für 590 Euro einen PhonoPreamp mit an Bord zu nehmen, doch variabler ist man mit dem externen EQ2 für 1500 Euro, der ­ komplett in Transistortechnik aufgebaut ist. Dass die sich platzsparend in integrierten Schaltkreisen tummelt, ist heute keine Schande mehr. Im Gegenteil: Der EQ 2 holte über diverse MC-Abtaster äußerst rasante Klänge aus den Rillen. Dabei drückte er nicht nur aufs ­ Gas, sondern fuhr auch mit Gefühl durch diffizile Klangfarbenkurven. Und hatte viel Hubraum für ordentlichen Bassdruck. Stark. lbr STECKBRIEF OCTAVE Vertrieb www. Listenpreis Garantiezeit Maße B x H x T Gewicht Ausführungen EINGÄNGE Phono MM/MC Line AUSGÄNGE Cinch/XLR Kopfhörer Digital Besonderheiten EQ 2 Octave Audio 07248 3278 octave.de 1500 Euro 2 Jahre 10 x 6 x 17 cm 0,8 kg (ohne Netzteil) schwarz •/• – •/– – – Widerstand (MC) und Verstärkung (MC) schaltbar per DIP-Schalter BESONDERER CHARME : Gleichfalls „From Russia With Love“ kommen die bewährten Treiber-Doppeltrioden 12AU7/ ECC82 (links eine davon) sowie die Eingangsröhre 12AT7/ECC 81 (rechts), die als Doppeltriode beide Stereokanäle aufbereitet. BESONDERE BAUTEILE : Auf der Hauptplatine entdeckt man zungeschnalzend mit Kühlblechen abgedeckte, thermisch stabilisierte Profi-Widerstände von Caddock, dazu ­ extrem langzeitstabile Silberglimmer-Kondensatoren und spezielle japanische Regler. AUDIOGRAMM Åe xzellentes Preis-­ Leistungs-Verhältnis, offener, bassstarker, dynamischer Klang, gute Rauschabstände Phono MM/MC Ausstattung Bedienung Verarbeitung KLANGURTEIL PREIS/LEISTUNG Í vergleichsweise mickriges Netzteil 120/125 gut gut sehr gut 123 PUNKTE ÜBERRAGEND www.audio.de ›05 /2016 39

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Verstärker › RÖHREN-VOLLVERSTÄRKER BERSONDERER ORT: Den Kopfhörer-Slot findet der Kunde auf der Rückseite, zwischen den Lautsprecher-Anschlüssen. Darüber sitzt der Schalter für leistungsschwächere Endrühren-Bestückung, rechts darunter die Spezialsteckdose für die (Super) Black Box. 05/16 baut der bundlose Bass ein sanft-beharrliches Flussbett. Das alles kam so selbstverständlich und doch so detailversessen rüber, dass die mit schlechten Aufnahmen unbarmherzige Analytik der B&W fließend in Wohlgefallen überging. Nach vielen Files dann das andere Ex­ trem: Den remasterten Led-Zeppelin-Katalog gibt es in 24/96 – also auf nach „Kashmir“, und zwar mit Vollgas. Jetzt brachte sich der Kapazitäts-Zusatztank in Form der mitgegebenen „Super Black Box“ bekräftigend mit ein. Bei dem gefahrenen Brachialpegel stand der Octave mit SBB noch souveräner seinen Mann. Vielleicht erinnert sich mancher AUDIOLeser an die Passage ab 4:10, wo es bei Cassetten-Überspielungen der OriginalLP immer übersteuerte. Die blieb im HiRes so kräftezehrend erhalten – und Sänger Robert Plant behielt dank SBB völlig unverzerrt seinen Kick. AUDIO-Chefredakteur Andreas Eichelsdörfer lechzte daraufhin nach „echtem“ Tiefbass – und bekam ihn per Orgelpedal in „Since I’ve Been Loving You“ markerschütternd serviert. So lassen auch separate RöhrenEndstufen den Hörraum selten erzittern. Doch die immerhin 2500 Euro Zusatzinvestition zahlen sich auch bei anderen Ansprüchen aus. Der jüngst verstorbene Dirigent Nikolaus Harnoncourt hat mit seiner Interpretation von Beethovens Fünfter Sinfonie (AUDIO 3/2016) noch einmal Maßstäbe gesetzt. Er schlägt buchstäblich Feuer aus den Partituren – und mit dem Brandbeschleuniger SBB zündelte der Octave V 80 SE dieses Feuerwerk mit noch mehr Leuchtkraft. Schon ohne Super Black Box ist dieser Amp eine Granate. Mit ihr wird er zum besten seiner Art. Pfeif auf Glamour. STECKBRIEF OCTAVE Vertrieb www. Listenpreis Garantiezeit Maße B x H x T Gewicht Ausführungen EINGÄNGE Phono MM/MC Hochpegel Cinbch/XLR Digital Coax/Opt/USB/XLR Main In AUSGÄNGE Rec Out Cinch/XLR Pre Out Cinch/XLR Kopfhörer AUSSTATTUNG Fernbedienung Muting Eingangs-Setup Besonderheiten EMPFEHLUNG HIGH-END V 80 SE/SUPER BLACK BOX Octave Audio 07248 3278 octave.de 9250/2500 Euro 2 Jahre 45 x 15 x 42/20 x 15 x 30 cm 23/5,6 kg silber auf Anfrage/optional (590 €) 5/1 – • •/– •/– • • (nur Lautstärke) • – Bypass-Eingang, Super Black Box zur Netzteil-Kräftigung Phono optional, umstellbar auf schwächere Endröhren z.B. KT 88 FAZIT Lothar Brandt AUDIO-Mitarbeiter AUDIOGRAMM Dieser Röhrenvollverstärker ist etwas Besonderes: besonders stark, besonders dynamisch, besonders sicher, besonders reich an Klangfarben. Aber er ist nicht besonders billig. Zusammen mit 40 www.audio.de ›05 /2016 der für viele Lautsprecher empfehlenswerten Super Black Box kostet er besonders forsche 11750 Euro. Viel Geld für einen Vollverstärker ohne Guru-Gehabe, Digital-Gedöns oder Phonozweig. Doch dafür bekommt man besonders viel – nach meinem Kenntnisstand den in Summe besten Röhrenvollverstärker der Welt. Å über alles: der beste AUDIO bekannte ­Röhren-Vollverstärker, hochdynamischer, farbstarker und facetten­ reicher Klang, ­leistungsstark und rauscharm, hohe ­Betriebssicherheit Hochpegel Cinch/XLR Ausstattung Bedienung Verarbeitung KLANGURTEIL PREIS/LEISTUNG Í Fernbedienung nur für Lautstärke, Kopfhörer-Anschluss auf der Rückseite 140/140 (mit SBB); 135/135 gut sehr gut sehr gut 140 PUNKTE HIGHENDIG

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