Exkursion am Brentenberg/Dillberg 2016

 

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Exkursion am Brentenberg/Dillberg 2016

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Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Gemeinde Burgthann, Markt PostbauerHeng. Exkursion an Brentenberg und Dillberg am 30.04.2016 (Bernd Mayer, Thomas Heerdegen, Bernhard Häck) Abb.1 Brentenberg und östlicher Dillberg im airborne Laserscan Quelle: BLfD Der airborne Laserscan zeigt deutlich das Relief an Brentenberg und Dillberg. Zu erkennen sind die Steilen Flanken des zum Rhein entwässernden Gebietes im Einzugsgebiet der vorderen Schwarzach und die relativ dazu sehr flachen Hänge, die über die hintere Schwarzach zum geologisch älteren System der Donau hin entwässern. Weiterhin zu erkennen sind die Sportanlagen von Ezelsdorf unten rechts, Hohlwegfächer bevorzugt auf den flacheren Hängen zu hinterer Schwarzach und Mühlbach. Der Mühlbach entwässert zwar zur vorderen Schwarzach, die Eintiefung des Tales findet aber erst hinter Ezelsdorf statt. Als deutlicher Buckel ist links oben im Bild die Abraumhalde vor dem Brentenbergstollen zu erkennen. 1

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Geologie Geologisch werden wir uns am Dillberg hautpsächlich in der als Eisensandstein bezeichneten lithostratigraphisch dem Dogger zugehörigen Einheit aufhalten. Dieses Gestein wurde von vor 174,1 bis 170,3 Millionen Jahren abgelagert, was chronostratigraphisch dem oberen Aalen entspricht. Der Sandstein besteht aus spitzen nicht gerundeten Körnern, was ihn als Material für Glockenguß geeignet machte. Im Steinbruch am Gitzberg (Abb.2) wurde Sand zu diesen Zwecken abgebaut. Die Ablagerung des Sandsteins erfolgte küstennah. Abb. 2: Steinbruch am Gitzberg im Dogger Foto B.Mayer(30.10.2010 12:37) Lithostratigraphisch über dem Eisensandstein befindet sich der Ornatenton, der im Callovium(163,1 – 163,5 Ma) abgelagert wurde. Wir finden ihn in dem Profil am Brentenberg Richtung Großvoggenhof, welches schon in den 1930er Jahren bekannt war und heute noch beobachtet werden kann (Abb. 3) Die lithostratigraphische Einheit des Malm ist nur noch auf dem Gipfelplateau mit seiner untersten chronostratigraphischen Stufe dem Oxford (163,5 – 157,3 Ma) erhalten. In einem Steinbruch nahe Dillberg wurde der Malmkalk des Dillbergs abgebaut. Dieser Steinbruch ist mittlerweile renaturiert. 2

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Bergbau Der Doggersandstein hat einen zum Teil beträchtlichen Anteil an Eisen vorzuweisen, so daß an mehreren Stellen Abbau versucht wurde. Diese waren der Moritzberg (SIEGHARDT 1961), Vorra im 20. Jahrhundert (NEUBING 2014) und eben auch der Dillberg (K.W., WERNER,H. 1938; BLINTEN,A. 2006). Abb. 3: Profil Brentenberg nach Großvoggenhof Foto B.Mayer(29.04.2014 18:05) Dass der von v.Freyberg so benannte Hauptflözhorizont durchaus ein beeindruckendes Bild abgeben kann beweist der mittlerweile zu einer gefährdeten Stollenart gehörende Brentenbergstollen (Abb.3). Den Abbauversuchen scheint aber auch damals kein größerer Erfolg beschieden gewesen zu sein. Geschichte Die Region des Dillberges war zu Zeiten des heiligen hömischen Reiches deutscher Nation durchaus kein einheitliches Gebiet, wie wir es seit dem 19. Jahrhundert kennen. Ab dieser Zeit können sich nur Franken und Oberpfälzer um den Dillberg streiten und das alles auch nur unter der Oberhoheit der bayerischen Regierung. Bis in das frühe 19. Jahrhundert war das Gebiet geteilt zwischen dem Markgrafentum Brandenburg-Ansbach, der Wittelsbachischen Oberpfalz und einer in Postbauer ansässigen Kommende der Deutschordensballei des Fränkischen Reichskreises. Zu Brandenburg-Ansbach gehörte das Gebiet um den Brentenberg, zur Oberpfalz das Gebiet zwischen Kalkbrennofen und Kaltenbachquelle. Der nordwestliche Teil gehörte zum Gebiet des Deutschen Ordens. An der Nordostseite des Dillbergs befindet sich ein Abschnittswall. Bei diesem handelt es sich um einen Teil der im Zusammenhang mit dem spanischen Erbfolgekrieg entstandenen kurbayerischen Landesdefensionslinie von 1702. Errichtet wurde sie 3

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durch den von einigen als Landesverderber bezeichneten damaligen Kurfürsten Max II Emanuel. Der Wall sollte gegen Habsburger, schwäbischen Reichskreis, England und zu guter Letzt Russland schützen. Selbstverständlich hielt auch dieser Verteidigungswall nicht das, was von ihm erwartet wurde und steht so in guter Tradition mit den etwas ausgedehnteren Anlagen des römischen Limes sowie verschiedenen Generationen chinesischer Mauern. Abb. 4: Brentenbergstollen Foto B.Mayer(17.10.2009 14:30 ) Kaltenbachquelle Bei der Kaltenbachquelle handelt es sich um die einzige natürliche Höhle des Gebiets. Sie liegt wie der Name schon sagt, an der Quelle des Kaltenbaches, der über Hausheimer Bach und Kettenbach schließlich in die Schwarzach entwässert. Weitergehend beschäftigt haben sich mit ihr HILPERT, GROPP 2008. (Abb. 5). 4

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Abb. 5: K051 Kaltenbachquelle Foto B.Mayer(11.03.2007 14:21) Schlucht oberhalb Meierbachquelle Am Gitzberg oberhalb der Quelle des Meierbaches befindet sich eine kleine in den Eisensandstein einschneidende Schlucht mit gut sichtbaren Felswänden. Der oberste Teil an der Straße ist mit Zivilisationsmüll gefüllt (Abb. 6). Abb. 6: Schlucht am Gitzberg Foto B.Mayer(30.10.2010 11:57) 5

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Steinbruch am Gitzberg Im Steinbruch am Gitzberg wird der Eisensandstein abgebaut. Zweck war unter anderem Gewinnung von Sand zur Glockenherstellung (Abb. 2). Keller unterhalb Berghof Unterhalb der mittlerweile abgerissenen Ruine des ehemaligen Berghofes, der in den 1970’er Jahren seine Blütezeit erlebt hatte finden sich noch einige Keller (Abb. 7). Aufschluss im Malm Abb. 7: Keller unterhalb Berghof Foto B.Mayer(08.08.2012 19:18) Oberhalb der hinteren Silbersandhöhlen befindet sich einer der seltenen Aufschlüsse die beweisen, daß auch Malm am Dillberg anzutreffen ist. Hintere Silbersandhöhlen Im Gegensatz zum Stollen am Brentenberg (Abb. 4), bei dem der hohe Eisengehalt des Sandsteins deutlich zu erkennen ist befinden sich die Silbersandhöhlen in Bereichen des Eisensandsteins, bei dem das Eisen nicht so angereichert ist. Wie andere Silbersandhöhlen z.B. bei Weißenbrunn fanden auch die Silbersandhöhlen am Dillberg erst spät wissenschaftlich Beachtung (Abb 8). 6 Abb. 8: Hintere Silbersandhöhlen Wassergefüllter Teil Foto B.Mayer(06.06.2010 14:18)

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Vordere Silbersandhöhlen Zu den vorderen Silbersandhöhlen zählt auch die bekannteste Silbersandhöhle am Dillberg, die sich direkt am Wanderweg befindet (Abb.9). Brentenberg Profil Abb. 9: Vordere Silbersandhöhlen Bucher Höhle Foto B.Mayer(18.02.2001) Doggerprofil am Brentenberg Das Profil im Dogger am Weg vom Dillberg nach Großvoggenhof ist schon seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts bekannt (Abb. 3). Brentenberg Geisstalleite An der Geisstalleite befindet sich eine vom Menschen bearbeitete Stelle, hinter der sich eine Höhle verbergen sollte. Nach Grabungen stellte sich heraus, daß hier weder eine erhöhte Eisenkonzentration noch eine Höhle anzutreffen waren(Abb. 10). 7

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Abb. 10: Potentielles Objekt Geisstal Foto J.Uhl (28.11.2009) Brentenbergstollen Der mittlerweile durch natürliche Verwitterung fast verschwundene Brentenbergstollen zeigt sich 2009 noch mit vollständigem Schmuck des mit Eisenhorizonten durchzogenen Sandsteins (Abb. 4) Hohlwege Der mit vielen Hohlwegen durchzogene Brentenberg ist bei Mountainbikern keine unbekannte Größe. So sind auch hier Kunstbauten eingezogen, die den Fahrern erhöhtes Geschick abfordern (Abb. 11). Abb. 11.: Hohlweg am Brentenberg mit Schanze Foto B.Häck(28.11.2009 12:55) 8

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Abschnittswall Am Nordostende des Dillberges sind Teile der Bayerischen Landesdefensionslinie von 1702 erhalten. Ein Teil davon wurde 1975 von Arnim Stroh beschrieben (STROH 1975). Abschnittswall ist ein Teil der Bayerischen Landesdefensionslinie von 1702. Kleeman beschreibt 1885 den Verlauf der Linie ziemlich ausführlich (KLEEMANN 1885). In jüngster Zeit beschäftigt sich Werner Robl mit den Überresten dieser Linie (ROBL 2015). Im Bayerischen Denkmalatlas sind am Dillberg auffindbare Reste der Landesdefensionslinie als Bodendenkmal auskartiert (BAYERISCHER DENKMALATLAS). Kalkbrennofen Bis in’s 20. Jahrhundert wurde am Dillberg Kalk gebrannt, wovon der wiedererrichtete Brennofen am Poesieweg zeugen soll (Abb. 12). Abb. 12: Kalkbrennofen am Dillberg Foto B.Mayer(30.10.2010 13:19) 9

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Literatur: BAYERISCHER DENKMAL-ATLAS: http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_ merge_373113.pdf BLINTEN, A.: Das Rätsel des Brentenbergstollens; Der Bote Donnerstag/Freitag , 25./26.Mai 2006; LKL/Seite 7 (2006). v.FREYBERG, B.: Eisenerzlagerstätten im Dogger Frankens, Geologisches Jahrbuch Band 79 1962. HILPERT,B; GROPP,C: Die Quellhöhle "Kalter Bach" (K 51) am Dillberg - eine kleine Natursehenswürdigkeit im Neumarkter Land, Natur und Mensch 2008. HÖRAUF,H. 1959: Zur Stratgraphie und Paläographie des Doggersandsteins in der Fränkischen Alb, Erlanger Geologische Abhandlungen, Heft 30, 68S, Erlangen 1959. KAULICH, B: Die Silbersandhöhlen am Dillberg (K44) in Mitteilungsblatt der Abteilung für Höhlen- und Karstforschung der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg Heft Nr.38, 1995. KAULICH,B.: Silbersandhöhlen am Dillberg bei Neumarkt. Oder: Noch ein Grab von Attila dem Hunnenkönig? In Natur und Mensch Jahresmitteilungen der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg e.V., 2003. KLEEMANN, O.: Die Grenzbefestigungen im Kurfürstenthume Bayern zur Zeit des spanischen Erbfolgekrieges, 1885. http://www.robl.de/defensionslinie/kleemann.pdf (29.04.2016) NEUBING, H.C.: K 3 Höhlen- und heimatkundliche Wanderung im mittleren Pegnitzgebiet am 11.05.2014. ROBL, W.: Die kurbayerische Landesdefensionslinie nördlich der Donau, 2015. http://www.robl.de/defensionslinie/defensionslinie.html (29.04.2016) SCHMIDT-KALER, H. 1974: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25 000, Blatt 6634 Altdorf, Bayer. Geol. L.-Amt München 1974. SCHMIDTILL, E. 1926: Zur Stratigraphie und Faunenkunde des Doggersandsteins im nördlichen Frankenjura, Paläontographica 67, 1925, 1-82; 68, 1926, 1-100. SIEGHARDT, A.: Nürnberger Umland Teil 1Von Erlangen bis Lauf-Schnaittach, S.139, Glock und Lutz Nürnberg, 2. Auflage 1961. STROH, A: Geländedenkmäler der Oberpfalz Michael Laßleben Hrsg. Bay. Landesamt für Denkmalpflege, Kallmünz 1975. W.K., Werner, H.: Bergbauversuche in der Altdorfer Gegend in früherer Zeit; Reichswaldblätter Blatt 11, 1938. 10

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