Willich erleben - Ausgabe 02/2016

 

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Die aktuelle Ausgabe des Magazin "Willich erleben"

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2 2 | 2016 Jetzt kostenlos mitnehmen! Willich, Anrath, Schiefbahn & Neersen WILLICH n e b e erl

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IHR ZIEL. UNSERE AUFGABE. GESUND WERDEN. GESUND BLEIBEN. E N I E M FIGUR MEIN N E K C RÜ G T I E H D ESUN E N I E M Auf die Plätze. Fertig. Leben. Schmelzerstraße 5 (im Stahlwerk Becker) • 47877 Willich • Telefon: (0 21 54)88 66 0 • www.halle22.de

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// Willich erleben Liebe Leserinnen und Leser, wo sind die vergangenen acht Wochen geblieben? Die Uhr ist nicht nur auf Sommerzeit umgestellt, sondern scheint auch immer schneller zu ticken. Auf dem Vier-Monats-Wand-Kalender in unserer Redaktion ist schon der Juli zu sehen und in unserer Stadt bricht die Zeit der Schützenfeste an. Den Anfang macht, wie immer, die Schützengesellschaft Klein-Jerusalem: In diesem Jahr vom 30. April bis 5. Mai. Am Mittwoch, den 4. Mai ist dort das „SummerOpening“ mit der tollen Mönchengladbacher Cover-Band „just:is“. Hierfür hat die Schützengesellschaft uns 5 x 2 Eintrittskarten für Sie zur Verfügung gestellt, die Sie bei unserem Rätsel gewinnen können. Apropos Rätsel: Bedanken möchten wir uns bei den zahlreichen Leserinnen und Leser, die beim ersten Rätsel mitgemacht und uns viele Postkarten und E-Mails zugeschickt haben. Wir waren überwältigt. Im Schützenfest-Reigen geht es dann im Mai weiter: In Clörath-Vennheide feiert die Sankt Johannes Schützengesellschaft vom 26. Mai bis 30. Mai, zwar in diesem Jahr ohne König, aber mit vollem Terminkalender. In unserem Magazin stehen natürliche diese Themen der Brauchtumsvereine im Vordergrund. Positiv wurde in unserer ersten Ausgabe der Bericht über die niedlichen „Alpakas“ aufgenommen, auch hier bedanken wir uns für die Resonanz. In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen einen jungen Mann aus Neersen vor. Sascha Lucas ist Hobby-Fotograf und hat bereits viele Fotos aus unserer Stadt in seinem Bild-Archiv. Wir konnten ihn für „Willich erleben – das Magazin“ gewinnen und so zeigen wir Ihnen immer wieder Fotos von Sascha Lucas im Magazin. Wenn Sie auch ein Thema haben, treten Sie einfach mit uns in Kontakt. Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder Ihre E-Mail. Unser Ziel: „Willich erleben- Das Magazin“ zeigt stadtteilübergreifend alles, was in unserer Stadt – in Willich, Anrath, Schiefbahn und Neersen - interessant, informativ, spannend, unterhaltsam und vielleicht manchmal ein bisschen skurril ist: Vereinsleben, ehrenamtliches Engagement, spannende Unternehmensideen, städtische Aktivitäten, witzige Anlässe, Initiativen aller Glaubensgemeinschaften… Wir präsentieren in „Willich erleben – Das Magazin“ das „Willicher Leben“ in all seinen Facetten! Jetzt wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Lesen des Magazins und empfehlen Ihnen einen Internet-Besuch auf www.willicherleben.de. Nadia Joppen & Wolfgang Dille Herausgeber // Willich erleben 6 // Willicher Leben 12 // Kultur 14 Jan Bodinus // Willicher Leben 18 Feuerwache Klein-Jerusalem Clörath-Vennheide // Willicher Leben 20 // Willicher Leben 25 Reisetipp // Willich erleben 32 Gartentipp // Willich erleben 36 Sascha Lucas Veranstaltungen 3

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„Willich erleben – das Magazin“ erscheint mit dieser Ausgabe zum zweiten Mal. Unter der Rubrik „Mensch, Willich ist ein Dorf“ werden wir in Zukunft immer ein Foto von unserem Fotografen Sascha Lucas aus unserer Stadt veröffentlichen (hier das alte Leutnantshaus mit Schützenbaum in Anrath). Auf der nächsten Seite berichtet unser Web-Worker Daniel Kamper, welche Themen in den letzten Wochen auf der Internetseite diskutiert wurden. 4 //   Willich erleben

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// Willich erleben Mensch, Willich ist ein Dorf…!? WEM: Herr Kamper, wie war das Feedback auf die erste Ausgabe? DK: Diese zweite Ausgabe in Ihren Händen bedeutet: Es sind die ersten zwei Monate vergangen. Zwei Monate, in denen es sehr viel positives Feedback zur ersten Ausgabe gegeben hat. Viele Gespräche, viele Anrufe und E-Mails, in denen sich die Leser über den breit gefächerten Inhalt sehr gefreut haben. Was mich auch beeindruckt hat, waren die vielen E-Mails und Postkarten, die bei uns zum Rätsel eingegangen sind. Für mich eine tolle Bestätigung! Es war richtig, den Schritt mit Willich erleben in die „Offline-Welt“ zu gehen. WEM: An dieser Stelle wollen wir den Lesern in Zukunft immer einen kleinen Rückblick geben, was auf der Internet- und Facebook-Seite von Willich erleben die Menschen in unserer Stadt besonders bewegt hat. Welche Themen wurden denn kontrovers diskutiert? DK: Wir sollten vielleicht nach Stadtteilen unterscheiden. Fangen wir mit Willich an. Es gab auf der Facebook-Seite ein Posting mit der Überschrift „Der schönste Po in ganz Willich?“ Es ging um ein Foto der neu aufgestellten Skulptur auf dem umgestalteten Kaiserplatz. Kunst gefällt oder auch nicht, darüber kann man nur schwer streiten. Ein heftiger Streit entbrannte aber sehr schnell über die Kosten dieser Skulptur. Es könnte ja nur so sein, dass diese durch die von der Stadt verhängten Knöllchen für falsches Parken am Kaiserplatz finanziert wurde. Andere vermuteten ernsthaft, das die Kindergartengebühren extra für diesen Zweck angehoben worden. Beides ist natürlich nicht richtig. Die Kulturstiftung der Sparkasse hat diese Installation auf dem neuen Kaiserplatz finanziert – gestiftet halt. Wir Willicher sollten, meiner Meinung nach, glücklich sein um jedes Engagement, das es in unserer Stadt gibt. Ob sich eine Kulturstiftung, ein Schützenverein, eine Sportgruppe oder eine Privatperson engagiert. // 01 WEM: Welche Themen waren aktuell in Anrath und Schiefbahn? DK: Es ist fast wie ein Reflex. Ein Hubschrauber am Himmel über Anrath oder Schiefbahn – dann dauert es nur Sekunden, bevor die Frage nach dem Wieso, Weshalb und Warum auftaucht. Die einfachste Antwort wäre wohl in der Regel: „Weil er es kann“. Aber die neugierigen Fragesteller sind damit natürlich nicht zufrieden. Erstaunlich oft findet sich dann doch, nach einiger Zeit, eine fundierte Antwort. Ganz oft sind es Schulungsflüge einer Flugschule des nahegelegenen Verkehrslandeplatzes Mönchengladbach. Bei einem Polizeihubschrauber über Anrath fürchtet die Anrather Facebook-Gemeinschaft reflexartig einen Ausbruch aus der dortigen Justizvollzugsanstalt. Das Vertrauen in die dortige Sicherheit scheint nicht all zu groß zu sein. Alles getoppt hat allerdings ein Hubschrauber, der direkt an mehreren Tagen und mehrere Stunden über dem Stadtgebiet kreiste. Es hat ein wenig gedauert, aber auch hier haben viele Facebook-Nutzer des Rätsels Lösung gefunden. Es ging um (selbstfahrende) LKW auf der Autobahn A52. Himmel und Erde haben also oft mehr miteinander zu tun, als man meint. // 02 WEM: Ein Neersener Thema? DK: Das kulinarische Angebot im kleinsten Stadtteil scheint Nachholbedarf zu haben. Mehrmals die Woche taucht die Frage auf, ob der geplante Dönerladen bereits geöffnet hat, meistens pünktlich zu den Essenszeiten. Die Frage scheint bisher aber niemand endgültig beantworten zu können. Er sollte aber bald öffnen, so die einhellige Meinung. Aber die Neersener sind kreativ und hilfsbereit. Den hungernden Fragestellern wurden diverse andere kulinarische Verkostungsstellen im Stadtteil angeboten. // 01: Daniel Kamper beobachtet die Diskussionen im Internet manchmal auch augenzwinkernd. // 02: Die Skulptur „Wasser.Welle.Willich“, die die Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld gesponsert hat, ist nach Redaktionsschluss am 08. April enthüllt worden. www.willicherleben.de facebook.com/willich.erleben twitter.com/willicherleben instagram.com/willicherleben 5

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Auftakt für die Willicher Schützenfeste: Schutzen in Klein-Jerusalem feiern Es ist traditionell das erste der acht Schützenfeste in Willich: Vom 30. April bis zum 5. Mai feiern die Schützen der Schützengesellschaft Klein-Jerusalem ihr Fest. In diesem Jahr werden die Schützen von König Jürgen Bleier (Kapeller Jonges) und Königin Rosi Hohlfeld angeführt – der König ist 52 Jahre, Maschinenbaumeister und seit 40 Jahren Mitglied der Schützengesellschaft. Nachdem er bereits zwei Mal als Minister (bei Wolfgang Marschner und bei Hans-Reiner Stocks) ein Schützenfest erlebt hatte, sei es mit diesen Erfahrungen jetzt Zeit gewesen, auch einmal selber als König ein Fest mitzufeiern, meint der König. Neben dem Schützenwesen sind seine weiteren Hobbys die Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr, Löschzug Neersen, Sport und feiern. Königin Rosi Hohlfeld wohnt nicht in Willich, sondern kommt für das Schützenfest aus ihrem Wohnort Rösrath, aber „sie kennt sich in Neersen gut aus“, meint der König – und dass sie mit begeistert gewesen sei, als er den Vogel abgeschossen habe. Die Königsresidenz ist in diesem Jahr in der Kickenstraße. Das Königspaar begleiten der erste Minister John Sweeney (51 Jahre) mit Manuela Lackmann sowie der zweite Minister Wolfgang Marschner (49 Jahre) mit Ramona Zwenger. Königsoffizier ist Peter Neunzig. Minister Sweeney war mit dem amtierenden König bereits Minister bei Hans-Reiner Stocks. Er ist Majors Adjutant im Generalstab und beruflich als Kraftfahrer tätig. Ministerin Lackmann ist Mitarbeiterin der Stadt Willich. Ex-König und Minister Marschner arbeitet im Hochbau, seine weiteren Hobbys // : „Es war Zeit einmal selber als Schützenkönig das Fest in KleinJerusalem mitzufeiern“, meint König Jürgen Bleier. Das Programm Samstag, 30. April 19.15 Uhr Löhnungsappell 19.30 Uhr Großer Tanzabend mit „teamwork“ Sonntag, 1. Mai 09.30 Uhr Wortgottesdienst Kapelle Klein-Jerusalem, Kleiderappell und Vorparade 11.00 Uhr Frühschoppen im Festzelt 15.00 Uhr Platzkonzert an der Königsresidenz Kickenstraße 16.15 Uhr Festumzug 17.15 Uhr Große Hauptparade mit Musikshow 19.30 Uhr Schützenball mit „teamwork“ Montag, 2. Mai 11.00 Uhr Frühschoppen mit Ehrungen und Beförderungen 17.30 Uhr Parade 20.00 Uhr Gala-Ball mit „teamwork“ Mittwoch, 4. Mai 20.00 Uhr „summer opening“: mit „just:is“, DJ Stephan Jopen, Cocktail-Bar Donnerstag, 5. Mai 10.00 Uhr Gottesdienst Kapelle Klein-Jerusalem 11.00 Uhr Vatertag im Festzelt mit „lautstark“ und DJ KIVI 6 //   Willicher Leben

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// Willicher Leben sind Motorradfahren und Formel 1 von der Couch aus… Ministerin Ramona Zwenger arbeitet als Erzieherin für die Stadt Willich und ist ebenfalls begeisterte Motorrad-Fahrerin. Ebenfalls sportbegeistert ist der Königsoffizier Peter Neunzig: Er unterstützt die Jugend-Fußballabteilung von Niersia Neersen. Der 51-Jährige arbeitet als Bauleiter bei einer Immobilienverwaltung in Erkrath und ist seit Jahren als Beisitzer im Vorstand tätig. Er freut sich besonders, dass es in diesem Jahr wieder zwei Wachzüge gibt – mit den „Kapeller Jonges“ Schützen der älteren Generation und mit den „Wilden Kerlen“ junge Schützen, „so können wir den Nachwuchs an die Verantwortung heranführen“. Das erste gemeinsame Rosendrehen habe schon viel Spaß gebracht. Neuer Vorstand Die Schützengesellschaft hat im vergangenen Jahr einen kleinen Umbruch erlebt: Teile des Vorstands haben gewechselt: So wurde Ralf Kivelip (Tapfere Jonges) zum Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Wolfgang Peter gewählt, 2. Vorsitzender ist neu Jürgen Bayertz (Kapeller Jonges). Als neue Funktion ergänzt ein Geschäftsführer den Vorstand – diese Stelle ist mit Gregor Plöcks besetzt. Thomas Hecker hat sein Amt als 1. Kassierer behalten, ebenso Ralf Brähler als 1. Schriftführer. Mit der Vorstandserweiterung „wollen wir die Arbeit besser verteilen“, meint Plöcks. Die Arbeit für ein Schützenfest sei anspruchsvoll, so Kivelip – zum Beispiel, wenn es um Verhandlungen mit Bands und Kapellen gehe oder um das Genehmigungsverfahren. Außerdem müsse der Vorstand den Schützen und Gästen immer etwas Neues bieten. Als neues Konzept bei diesem Fest werde der Mittwochabend zum „summer opening“ mit Cocktail-Bar im Festzelt umgestaltet, kündigt der Vorstand an. // : Der neue Vorstand und das amtierende Königshaus der Schützen in Klein-Jerusalem Wie gewohnt wird an diesem Tag die beliebte Band just:is spielen, in den Pausen sorgt neu DJ Stephan Jopen dafür, dass die Stimmung nicht abreißt. Ziel ist es, das Zelt zu einem Treffpunkt für die Menschen zu machen, so Plöcks. Außerdem arbeite der Vorstand daran, dass sich die eigenen Schützen im Verein weiterhin wohlfühlen und zur Geltung kommen. „Bei uns ist der Vorstand nah an den Schützen und jeder kennt jeden“, betont Pressewart Manfred Lemke – und Hecker ergänzt: „Das Schützenwesen ist ein generationen-übergreifendes Miteinander: Junge achten Ältere und umgekehrt.“ Infos: www.klein-jerusalem.de Steuern statt Streiten Mit dem Handy den QR-Code scannen und mehr über uns erfahren. Fachgebiete: Arbeitsrecht, Familien- und Erbrecht, Gesellschaftsrecht, Handels- und Wirtschaftsrecht, Immobilienrecht, Miete und Wohnungseigentum, Steuerrecht, Strafrecht, Verkehrsrecht, Versicherungsrecht Fachkanzlei für Familienrecht · Fachkanzlei für Arbeitsrecht www.haslerkinoldjensen.de Mönchengladbach · Willich · Viersen · Dülken 7

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1654 bis 1661 von Gerhard Vynhoven in der Eickerheide erbaute Wallfahrtskapelle mit originalgetreuen Nachstellungen der Heiligen Stätten in Bethlehem und Jerusalem. 1966 bzw. 1979-1982 umfassend restauriert. 8 //   Willich erleben © Sascha Lucas

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// Willich erleben Kapelle Klein-Jerusalem In den Jahren 1654-61 ließ Gerhard Vynhoven (1596-1674) die Kapelle KleinJerusalem nach mehreren Reisen ins Heilige Land in der Nähe seines Geburtshauses erbauen. Als Pfarrer in Osterath und als Feldkaplan Jan von Werths hatte er die Verwüstungen und die Leiden des Dreißigjährigen Krieges durchlitten. Seine Idee bestand in einer möglichst getreuen Nachbildung der heiligen Stätten von Bethlehem und Jerusalem, um so den von Leid und Not erschütterten Menschen nach dem großen Krieg „die ersten und die letzten Tage des Herrn anzustellen“. Die Betrachtung des Lebens und Leidens Jesu sollte dem betrachtendem Wallfahrer Antwort und Deutung auf die bedrängende Frage nach dem Sinn seines persönlichen Schicksals geben. Im 17. und 18. Jahrhundert erfreute sich die Wallfahrt großer Beliebtheit am gesamten Niederrhein. Betritt der Wallfahrer die Kapelle, so gelangt er zunächst in die Oberkirche, die beherrscht wird von der Kreuzigungsgruppe und der Grabkapelle. Die durch ihre Größe besonders eindrucksvolle Kreuzigungsgruppe ist eine Komposition aus verschiedenen Epochen. Die unter dem Kreuz stehenden Figuren der Maria und des Johannes sowie die beiden vor dem Kreuz stehenden Frauenfiguren wurden im 16. Jahrhundert in Flandern gefertigt. Gegenüber der Kreuzigungsgruppe, am anderen Ende des Raumes, befindet sich das Modell des Heiligen Grabes aus dem Jahre 1661. Es ist eine Nachbildung des Grabes Jesu in der Grabkirche von Jerusalem vor dem großen Brand im Jahre 1808. Wesentliche Bestandteile der Unterkirche sind die Nachbildung der Geburtsgrotte und der Krippennische mit dem Dreikönigsaltar entsprechend der Geburtskirche in Bethlehem und das Grab des Erbauers Gerhard Vinhoven. Die Unterkirche umrahmen drei kleine Kapellen teilweise mit ihrer alten Ausstattung. Bau der Kapelle Erbauer der Geburtsgrotte und dem anschließenden Andachtsraum gegeben hatte. Seit dieser Restaurierung erlebt die Kapelle ein ständig wachsendes Interesse der Öffentlichkeit. Tausende Besucher erfreuen sich jährlich an diesem einzigartigen Bauwerk des Niederrheins. Jeden Freitag findet ein Gottesdienst statt, auch an den Festen Christi Himmelfahrt, Mariae Geburt und am Antoniustag wird die Messe gefeiert. Am Himmelfahrtstag findet stets eine Reihe von Fußpilgern den Weg zur Kapelle Klein-Jerusalem. Außerdem ist sie seit vielen Jahren Ziel einer Sternwallfahrt der St. Matthias-Bruderschaften des Bezirks linker Niederrhein. Im August 1985 veranstaltete die Stadt Willich erstmals ein Konzert in der Kapelle. 2006 wurde der 350. Jahrestag der Kapellenweihe gefeiert. Dabei wurden auch die sieben neuen, vom Künstler Stefan Przybylla gestalteten Kreuzwegstationen eingesegnet. Die alten waren Jahre zuvor entwendet worden. Die Texte und Fotos (01 bis 03) wurden uns freundlicherweise vom Archivar der Stadt Willich, Udo Holzenthal, zur Verfügung gestellt. Die Kapelle unter den Minoriten Rund 100 Jahre nach dem Tode des Stifters war es nicht mehr möglich, aus der Stiftung Vinhovens die Kapelle instand zu halten. Das Gebäude war stark beschädigt. Die Minoriten, die in Neersen eine kleine Niederlassung besaßen, übernahmen sie 1772 und retteten die Kapelle und die Wallfahrt. // 01 Krise in der Franzosenzeit Eine zweite Krise erlebte Klein-Jerusalem in der Franzosenszeit von 1794 bis 1814. Die Franzosen verfügten 1802, dass alle geistlichen Güter, so auch die Kapelle und das Neersener Minoritenkloster, in den Besitz des Staates übergehen. Der Neersener Gastwirt Heinich Beckers konnte die Kapelle 1804 im Auftrag des Kirchenvorstandes zurückerwerben. Die Wallfahrt blühte wieder auf, von dieser Blüte künden Prozessionsschilder aus der Gegend von Geldern am Hl. Grab. Die Wallfahrt erlebte 1811 ein jähes Ende, als sie wegen des öffentlichen Auftritts von Flagellanten untersagt wurde. Dabei drohte der Krefelder Unterpräfekt sogar mit dem Abriss des Gebäudes. Am 1. Juli 1934 war Klein-Jerusalem das Ziel einer Männerwallfahrt, an der etwa 20.000 Personen teilnahmen. Die Predigt hielt Weihbischof Dr.Sträter. // 02 // 03 Restaurierung der Kapelle 1966 wurde die Kapelle erstmals restauriert. Dabei wurde der kleine Anbau an der Nordseite der Kapelle entfernt und bei der Gestaltung des Innenraums wurden die Maßgaben des zweiten vatikanischen Konzils umgesetzt. Dabei wurden die Kirchenbänke an den Wänden aufgestellt und die Kreuzigungsgruppe in die Mitte der Kapelle. Im Rahmen von äußeren Restaurierungsarbeiten im Jahre 1973 erhielt die Kapelle ihren charakteristischen hellgelben Anstrich. In den Jahren 1979-82 wurde die Kapelle dank der Unterstützung des Landes, der Stadt Willich, des Bistums Aachen und vieler Spender einer umfassenden Restaurierung unterzogen. Es gelang, der Oberkirche die Fassung von 1772 wiederzugeben. In der Unterkirche wurde die Gestaltung freigelegt, die der // 04 // // // // 01: Die Kapelle Klein-Jerusalem 1902 02: Die Kapelle 1910 03: Klein-Jerusalem 1950 04: Der restaurierte Innenraum der Kapelle Klein-Jerusalem heute, fotografiert von Sascha Lucas. 9

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Advertorial Erdwarme und Sonnenlicht – kostenlose Beratungen zu erneuerbaren Energien im Energiezentrum Willich ist die einzige Kommune, die ihren Bürgern diesen Service bietet: Die Stadt Willich unterhält ein „Energiezentrum“ mit Sitz im Gründerzentrum (Stahlwerk Becker). Träger sind die Grundstücks-Gesellschaft (GSG), die Stadtwerke und die Geobit Ingenieurgesellschaft aus Aachen, Partner ist die Volksbank Mönchengladbach. „Unsere Haupttätigkeit ist die kostenlose Beratung der Bürger zu Fragen rund um erneuerbare Energien und moderne, energieeffiziente Möglichkeiten der Wärme- und Stromerzeugung“, erklärt Bernd Bremerich, Diplom-Geologe und Fachmann für Geothermie. Die Beratungen in Einzelterminen finden am Donnerstagnachmittag statt. Dazu gibt es Beratungsangebote etwa durch Mitarbeiter der Verbraucher-Zentrale NRW. Der Hintergrund: „Viele Menschen interessieren sich für die Themen Energie-Einsparung und Umweltschutz, sie sind aber ein bisschen dem Markt ausgeliefert. Wir informieren sie neutral und auf das konkrete Anliegen bezogen“, so Bremerich. Diese individuelle Betrachtung jeder Frage ist aus seiner Sicht der große Pluspunkt: „In den ganzen Jahren habe ich nie das gleiche Beratungsgespräch zwei Mal geführt. Wichtig ist den Bürgern auch, dass wir wir nicht verkaufen wollen, sondern eben beraten. Allerdings kennen wir entsprechende Fachleute für viele Fragen. Diese Adressen geben wir weiter, aber letztlich entscheidet der GebäudeEigentümer!“ Die Rückmeldungen der Willicher auf das Angebot sei sehr gut, „das Bewusstsein für Umweltschutz ist da. Manchmal kommen Bürger mit Skepsis, aber sie merken schnell, dass es sich um ein ehrliches Beratungsangebot handelt“, so Bremerich. Positiv ist auch, dass die Themen veranschaulicht werden: Die Räume des Energiezentrums sind eine Art Modell-Raum für verschiedene Optionen aus dem breiten Spektrum der Erdwärme-Pumpen und Photovoltaik-Anlagen. Zur Ausstellung gehört neben Informationstafeln und Exponaten eine vollständi- 10 //   Willich erleben

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// Willich erleben ge, in Betrieb befindliche erdgekoppelte Wärmepumpenheizung. Die Pilotanlage dient zu Demonstrations- und Schulungszwecken und zur Beheizung der Ausstellung. So wird Erdwärme für die Besucher ganz konkret greifbar und viele Fragen lassen sich über diese Modelle, die die beteiligten Unternehmen und Hersteller-Firmen zur Verfügung stellen, leichter erklären. Dazu erhalten die Bürger Infos über Förderprogramme, die sie zur günstigen Finanzierung ihrer Umweltschutz-Maßnahme nutzen können. Idee aus 2007 Die Idee für das Energiezentrum entstand 2007: Damals hatte Bremerich Willichs Kämmerer und Geschäftsführer der GSG Willich, Willy Kerbusch, bei einer Veranstaltung getroffen und ihn von seinem Lieblings-Thema Geothermie überzeugt. Weil Willich auf Grund der sehr guten Wärmeleitfähigkeit des Bodens ein extrem guter Standort für die Nutzung von Erdwärme ist, entstand zuerst das „Kompetenzzentrum Geothermie“, das aufgrund neuer Entwicklungen und Bedarfe zum „Energiezentrum“ ausgebaut wurde und auch den Bereich der Photovoltaik-Anlagen abdeckt. Auslöser für eine Beratungsanfrage ist häufig das Thema Heizung, „im Heizungskeller passieren große Umweltsünden und es gibt noch viele veraltete Heizungsanlagen. Bei den Beratungen geht es nicht um den simplen Austausch der Anlage, sondern um die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes, das konkret umsetzbar ist“, so Bremerich – auch im Bestandsbau: Er untersuche die Situation vor Ort, „häufig findet sich eine Lösung über eine ErdwärmeSonde im Vorgarten, weil die Zuleitung zur Heizungsanlage problemloser ist als über den Garten.“ Wenn man flexibel denke, gebe es immer eine Lösung. Günstig und umweltbewusst eigenen Strom produzieren Beim Thema Photovoltaik ist in den letzten Jahren ein Nutzungswechsel entstanden. Früher lag der Schwerpunkt darauf, die Solarenergie in das öffentliche Netz einzuspeisen und über die Energieeinspeise-Vergütung Geld zu verdienen. Heute ist es positiver für den privaten Geldbeutel über den auf dem eigenen Dach produzierten Strom den Zukauf zu reduzieren. Interessant dabei ist die Weiterentwicklung der Stromspeicher-Systeme. Das Informationsangebot des Energiezentrums ist in ein Netzwerk eingebaut: So hat die Stadt in Zusammenarbeit mit der Volksbank Mönchengladbach ein „Solarpotenzial-Kataster“ entwickelt, über das die Bürger konkret für ihre Adresse erkennen können, welche Ausrichtung das Dach hat und ob sich die Solarenergie rechnet. Aber: Auch bei diesem Thema haben sich neue Entwicklungen ergeben: „Bei der Beratung achte ich heute mehr darauf, dass die Sonneneinstrahlung auf dem Dach über eine möglichst lange Zeit am Tag gewährleistet ist – eben weil es um die kontinuierliche Unterstützung des Eigenverbrauchs geht, nicht um eine Höchstproduktion, die dann eingespeist und vergütet wird“, so Bremerich. Die Firma Spot Energy West, einer der Partner des Energiezentrums, stellt auf ihrer Seite www.spot-energy-west.de ein Planungstool zur Verfügung, mit dem der Bürger eine eigene PhotovoltaikAnlage vorplanen kann. Das Beratungsangebot gehört heute zum Klimaschutzkonzept der Stadt Willich, erklärt Willy Kerbusch, Geschäftsführer der GSG. Es wird zum größten Teil über die eingetragene Genossenschaft „Bürger Solar Willich e.G.“ finanziert, dazu beteiligen sich Firmen mit Sachleistungen oder finanziell. „Wir arbeiten in der Verwaltung an verschiedenen Themen – für die städtischen Gebäude und für die Häuser unserer Bürger: So haben wir mehrfach am Wettbewerb European Energy Award teilgenommen und für die Reduzierung der CO2-Emission den Award in Gold erhalten. Aktuell beteiligt sich die Stadt am NRW-Projekt Global Nachhaltige Kommune – als eine von 16 Modellkommunen im Land“, schildert Kerbusch. Außerdem entsteht im Bereich Roeddersfeld in Zusammenarbeit mit einem Bauträger eine Klimaschutzsiedlung mit hoch-energieeffizienten Einfamilienhäusern. Im Sommer beteiligt sich die Stadt zum dritten Mal an der Aktion „Stadtradeln“ – daran können sich die Bürger beteiligen und in Gruppen Fahrrad-Kilometer für die Stadt „erstrampeln“. Seit einigen Wochen ist die Auswertung der „Thermografie-Befliegung“ online verfügbar: Jeder Bürger kann bei der Stadt Willich ein Wärmebild seines Hauses erhalten, aus dem er erkennen kann, ob und welche Bereiche besonders viel Wärme nach außen abgeben. Klimaschutzkonzept der Stadt Im Energiezentrum können Bürger verschiedene Technologien zu erneuerbaren Energien praktisch kennen lernen. Bernd Bremerich (Dipl.-Geologe und Fachmann für Geothermie) berät immer donnerstags. Info: ENERGIEZENTRUM im Gründerzentrum Willich Stahlwerk Becker, Gießerallee 19, 47877 Willich Tel.: 02154 / 814482 E-Mail: beratung@energiezentrum-willich.de www.energiezentrum-willich.de 11

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Freitag, 27. Mai 2016 Clorather Schutzen feiern i 2016 Samstag, 28. Ma Eintritt Frei Eintritt Frei 2016 Montag, 30. Mai – zwar ohne König, aber mit vollem Festkalender Eintritt Frei Freitag, 03. Juni 2016 20:00 Uhr Traditi onelle Hexenver brennung auf dem Festzeltpl atz Die Situation ist nicht so glücklich, aber die Schützen der St. Johannes Schützengesellschaft 1662 Clörath-Vennheide machen das Beste daraus und freuen sich trotzdem auf ihr Schützenfest vom 26. bis 30. Mai. Der Vorstand um Präsident Marcus Herold wird das Fest im gewohnten Rahmen durchführen – nur zwei kleinere Termine, die immer speziell mit dem jeweiligen König verbunden sind, entfallen. Die Festvorbereitungen laufen bereits seit einigen Wochen – und damit die Straßen und die Kinder- und Jugendburg mit ausreichend bunten Rosen geschmückt werden können, haben die Schützen einen eigenen Termin eingeführt: Am 8. April haben sich viele fleißige Helfer im Landgasthaus „am Kapellchen“ getroffen und Blumen// : Der VorstandEs schmuck gedreht. Dabei hat die Schützengesellschaft eine andere, he derläd rzl ich Clöt rat i lädt zum he d r Sch ützen Fest ein – auch ohne Kö alte Tradition wieder aufleben lassen – das „Silber putzen“: An dem Abend nig. wurde das gesamte Königssilber aus der 350-jährigen Geschichte der Gesellschaft ausgelegt und die Helfer erlebten eine besondere Form der Schützengeschichte „zum Anfassen“. tritt in das Schützenzelt. Dabei legt wie im Vorjahr DJ Norbert auf. Am Samstag wird es erst feierlich: Die Schützen legen einen Kranz am Missionskreuz in Auftakt mit Jungschützen Clörath nieder, danach ist die Festmesse in der St. Johannes Pfarrkirche AnDen Auftakt zum Clörather Schützenfest gestalten traditionell die Schützenrath (ab 17 Uhr). Ab 19.30 Uhr treffen sich Schützen und Gäste im Festzelt zur Jugendlichen: Am Donnerstag (26. Mai) ist der Vogelschuss für den SchülerTanzveranstaltung – es spielt die Band „Klangstadt“ aus Grevenbroich. Auch und den Jungschützen-König – Beginn ist um 15 Uhr. an diesem Abend ist der Eintritt in das Zelt frei. Am Freitagabend wird dann so richtig gefeiert: nach dem Zeltmai setzen (20 Früh aufstehen heißt es am Sonntag (29. Mai): Zwar entfällt das übliche Uhr) folgt ab 20.30 Uhr „Clörath brennt“ - die Nonstop-Party bei freiem EinFrühstück im Haus des Königs oder der Königin, aber um 9.30 Uhr beginnt Fot F Foto ot oto to ob by y Dani D Dan an a ani aniel niel l Böhm Bö B Böh öh ö hm hm 12 //   Willicher Leben

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// Willicher Leben die Parade mit Großem Zapfenstreich vor der Ehrentribüne in Vennheide. Diese findet mit den Ehrengästen vor dem geschäftsführenden Vorstand der Gesellschaft statt, der in diesem Jahr das Schützenfest anführt. Danach geht es zum musikalischen Frühschoppen in das Festzelt. Nach der Abendparade um 19 Uhr laden die Schützen zum Ball in das Festzelt ein, es spielt die Band Nightlife – bei freiem Eintritt. Hoffentlich spannend wird es am Montag, 30. Mai: Um 17 Uhr beginnt der Vogelschuss-Wettbewerb für die Schützenmajestät des Jahres 2017 und die Gesellschaft hofft, dass sich Bewerber finden. Die Königskrönung ist für 20.30 Uhr terminiert. Schützenfest- Ausklang ist am Freitag, 3. Juni – mit der traditionellen Hexenverbrennung auf dem Festzelt-Platz. erkennen. Daum schreibt u.a.: „Lediglich das Königssilber des „Buure Spell’s“ (St. Johannes Schützengesellschaft Clörath) ist seit dem Jahr 1662, allerdings mit zeitbedingten Lücken, noch vollständig vorhanden und besteht aus einer Kette mit 80 Platten, je im Gewicht von 2 alten Loth (altes deutsches Apothekergewicht – 14,60 bis 17,50 Gramm). Die Motive der Platten bestehen vorwiegend aus der Darstellung von Namensheiligen, von pflügenden Bauern, einige Platten mit Wappen und der Darstellung der Clörather Öl- und Getreidemühle. Die Platten geben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, einen genauen Aufschluss über die Besitzer der alten Höfe, die sich als Schützenkönige namentlich : ein h lic rz zu erkennen geben. Bis 1887 Es lädt he Vennheide 62 e.V. Clörath16 t af ch lls se ge umfasste der Schtzenbezirk die hützen St. Johannes Sc Honschaftsteile Clörath, Venn-23 22 heide, Hagwinkel und GiesGut dokumentierte Geschichte 0 21 51 / 79 15 weg 13 · Telefon els mp Te · rst vo gesheide sowie den Bruch, Die Geschichte der Schützen und der 47918 Tönis soweit er zur Honschaft gehörte. Honschaft Clörath hat Gottfried Daum Nach Streitigkeiten wegen der Erhebung des Königsgeldes trennte sich die erforscht und zusammengefasst. Sie Gesellschaft in die Schützengesellschaften Clörath und Vennheide, beide beist spannend nachzulesen auf der Seite www.johannes-schuetzen.de. Dabei hielten den Namen „St. Johannes Schützengesellschaft“. lässt sich auch die Bedeutung des Königssilbers für die historische Forschung -Vennheide th a r lö C lt e tz Fes .2016 Freitag, 27.05 0 Uhr Einlass: 20:0 -KIE SCHUMACHER S GMBH rt e b r o DJ N Eintritt F rei p! Party non-sto Tim Korosec Sanitär - Heizung - Klima Frankenseite 13 c | 47877 Willich Tel. 02154 8959537 Meisterbetrieb ...weil Qualität einen Namen hat! 13

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Seit September 2014 ist Jan Bodinus Intendant der Schlossfestspiele Neersen. In diesem Sommer stellt er die Festspiele unter das Leitmotiv „Fremde – Freunde“. 14 //   Kultur Willich Foto: Jan Erting

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// Kultur Willich Theater um Schloss Neersen: Festspiel- Proben beginnen „Fremde – Freunde“ – das ist das Leitmotiv der diesjährigen Schlossfestspiele Neersen. Sie beginnen traditionell mit der Aufführung des Kinderstücks „der gestiefelte Kater“ am 12. Juni. Die Hauptstücke für Erwachsene sind „Ziemlich beste Freunde“ (nach dem gleichnamigen Film von Olivier Nakache und Éric Toledano. In Neersen wird das Stück das erste Mal überhaupt auf einer Freilicht-Bühne inszeniert) und „die Feuerzangen-Bowle“. Den Abschluss bildet das Opern-Event „La Bohème“ am 14. August. Zum zweiten Mal zeichnet Intendant Jan Bodinus für die Festspiele verantwortlich – wir konnten kurz vor Probenbeginn mit ihm sprechen. WEM: Sie leiten die Schlossfestspiele zum zweiten Mal – wie fühlen Sie sich nach den Erfahrungen aus dem ersten Jahr? JB: Beglückt! Ich bin ja sehr kurzfristig zum Intendanten gewählt worden und absolut begeistert über die Begeisterung des Publikums. So werden wir zusammen weiter machen! WEM: Gibt es grundsätzliche Veränderungen gegenüber dem Vorjahr? WEM: Herr Bodinus – wie entstand die Idee zu dem Leitmotiv „Fremde – Freunde“? JB: Erst einmal natürlich aus dem Stücktitel und dem Hauptthema unseres ersten Abendstückes: „Ziemlich beste Freunde“ nach dem äußerst erfolgreichen Kinofilm. Hier begegnen sich zwei Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen und kulturellen Kreisen. Erst einmal mit Vorbehalten, aber im Laufe der Zeit immer mehr mit freundschaftlichen, fast liebevollen Gefühlen. Es war mir ein Bedürfnis, ein kleines Zeichen zu setzen mit unserem Motto und unserer Spielplangestaltung, dass wir trotz unserer Ängste und Vorbehalte auf Fremde, ja auch speziell auf Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und auch in unserer Region Schutz suchen, zugehen und sie kennen lernen wollen. JB: Ja und nein. Zum einen werden wir gewohnte Qualität zeigen und natürlich wieder ein paar der beliebten Gesichter der Festspiele zeigen, zum anderen haben wir auch wieder neue Anreize geschaffen, neue tolle Darstellerinnen und Darsteller engagiert und nach dem großen Erfolg von Michael Schanze mit Pierre Sanoussi-Bliss und Matthias Freihof zwei tolle Stars an Bord. Außerdem erweitern wir ständig unser Angebot für Jugendliche. Neben den Impro-Battles gibt es jetzt eben auch die „Jungen Schlossfestspiele mobil“, in deren Rahmen wir in die Schulen hineingehen und dort Theater zeigen. WEM: Open-Air-Theater ist ja immer noch eine zusätzliche Herausforderung für die Schauspieler – Sie selber haben ja auch schon in Neersen gespielt - Was ist für Sie das Besondere an den Neersener Schlossfestspielen? JB: Ja, ich hatte das Vergnügen, 1992 hier selbst auf der Bühne zu stehen. Für mich sind es die Menschen hier, die die Festspiele besonders machen. Sowohl die Mitarbeiter als auch die Zuschauer, aber auch die Menschen aus der Region liegen mir sehr am Herzen. WEM: Gucken wir nur auf die Hauptstücke – warum passen Sie nach Ihrer Meinung in das Leitmotiv? JB: Bei den „Ziemlich besten Freunden“ ist dies ja, wie gesagt, ziemlich offensichtlich. Aber auch das Kinderstück „Der gestiefelte Kater-Schreck lass nach!“ handelt von Menschen und Figuren, die sich verwandeln, vor denen man erst einmal Respekt hat und dann doch feststellt, dass sie Freunde sein können. In der „Feuerzangenbowle“ geht es um Gemeinschaft, den Spaß, den wir als Jugendliche in der Gruppe hatten und das Gefühl von Freundschaft zu Menschen, wie wir sie vielleicht nie wieder hatten. WEM: Welche Resonanz merken Sie bei Jugendlichen auf das Angebot „Theater zu spielen“? JB: Wir haben eine tolle Resonanz. Das geht sogar soweit, dass wir es ermöglicht haben, einigen Teilnehmern der „Impro-Battles“ in diesem Jahr als Darsteller in der „Feuerzangenbowle“ mitzuspielen. Das sind ganz tolle Rollen, für diese Schüler. Und das ist natürlich unglaublich toll zusehen, wie unsere Jugendarbeit hier so schnell Früchte trägt. WEM: Unter welchen Aspekten haben Sie das diesjährige „extra-Programm“ der Festspiele zusammengestellt? JB: Wir haben ja im letzten Jahr sowohl auf der Hauptbühne als auch im Nebenprogramm sehr gute Zuschauerzahlen gehabt. Dies ist zum einen natürlich dem sehr guten Programm, aber auch den tollen Darstellern zu verdanken gewesen. Auch in diesem Jahr haben wir wieder unsere Schlossmeisterschaften der „Impro-Battles“ unter der Leitung von Sven Post mit den Jugendlichen aus der Region. Ein sehr wichtiger Bestandteil der Festspiele. Dazu kommen so tolle Abende wie die ganze Oper „La Bohème“ mit der deutschen Oper am Rhein, Ottfried Fischer kommt mit seinem tollen Kabarett Programm, Stefan Keim zeigt wieder seinen Heinz Erhardt Abend, wir haben einen klasse Frank Sinatra Abend mit Band zum hundertsten Geburtstag des Sängers und viele andere Highlights. Ein Schwerpunkt wird die Auseinandersetzung mit Themen des dritten Reiches sein: Es wird, auch für Schulen, eine Anne Frank Lesung geben, Sarah Elena Timpe und Samuel Koch lesen aus einem Briefwechsel zwischen der Widerstandskämpferin Sophie Scholl und dem Soldaten Fritz Hartnagel und die Geschichte des Liedes „Lilli Marleen“ und der Sängerin Lale Andersen wird von der wunderbaren Ines Timmer dargeboten. Auch hier ist die Beschäftigung mit diesem Thema gerade für unsere Zeit politisch absolut notwendig. WEM: Was auffällt: Im Spielplan sind bisher eigentlich immer Stücke, die sich an Kinder eher im Grundschulalter richten – und dann wieder die „Erwachsenen-Stücke“? Könnten Sie sich vorstellen, zum Beispiel bei den Extras eine Produktion zu holen, die Teenager anspricht? JB: Ich denke, mit dem Stück „Ziemlich beste Freunde“, das im Kino ja vor allem auch von Jugendlichen sehr stark angenommen wurde, haben wir dies in diesem Jahr schon ein wenig erfüllt. Eine Produktion nur für Teenager ist aber ein interessanter Gedanke. WEM: Zum Abschluss: Bitte vervollständigen Sie den Satz: „Die Neersener Schlossfestpiele sollte man gesehen haben weil…? JB: …wir dort Fremde sehen, die zu Freunden werden! Und das live, in Farbe, in 3D, in Fleisch und Blut! WEM: Wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen und dem gesamten Ensemble viel Erfolg bei Proben und Aufführungen. Info: Der Kartenvorverkauf für die Schlossfestspiele Neersen läuft. Infos zum Programm, den Darstellern und dem Kartenverkauf auf www.festspiele-neersen.de 15

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