Perspektive Magazin - Ausgabe 10

 

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Was ist normal?

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Gesundheitsförderung | Prävention | Beratung April 2016 «Auffallen ist Teil Ihres Lebens, Herr Lohr. Wie gehen Sie damit um?» Das ausführliche Interview mit Nationalrat Christian Lohr, ab Seite 16 Was ist normal? 12 Eine Aussage, zwei Meinungen 14 Alles andere als normal 22 Wenn das Telefon klingelt Im Gespräch mit Yolanda Leban

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10 Wie geht’s Dir? Nationale Kampagne 5 Was normal ist, wissen alle! Wirklich? 2 Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 16 «Auffallen ist Teil Ihres Lebens, Herr Lohr. Wie gehen Sie damit um?» Ein Interview mit Christian Lohr www.perspektive-tg.ch

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< Inhalt > Übersicht 4 (M)Einblick von Thomas Anderegg «Herr Lohr, was ist normal?» Das ausführliche Interview ab Seite 16 Gesundheitsförderung | Prävention | Beratung April 2016 Das Magazin der Perspektive Thurgau erscheint zweimal jährlich. Ein Schwerpunktthema wird aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen und beleuchtet. 12 Eine Aussage, zwei Meinungen Kindererziehung ist Frauensache! Was ist normal? 5 Was normal ist, wissen alle! Wirklich? 12 Eine Aussage, zwei Meinungen 22 Wenn das Telefon klingelt Im Gespräch mit Yolanda Leban 14 Alles andere als normal Eine kleine, nicht ernst zu nehmende Sammlung aus Statistiken, Zitaten, unnützem Wissen und Halbweisheiten. Perspektive Thurgau Herausgeberin Thomas Anderegg Leitung Redaktion 22 Wenn das Telefon klingelt Ein Gespräch mit Yolanda Leban, Supportmitarbeiterin Barbara Dudli Valmadre Esther Hanselmann Barbara Kobler Irene Spoerlé Redaktion 26 Geprüft und für gut befunden Trouvaillen aus dem Thurgau Kathrin Zellweger Journalistin Urs Zuppinger Lektor Barbara Dudli Valmadre Thurgau Tourismus shutterstock.com clipdealer.com Fotos Hauptsitz Perspektive Thurgau | Schützenstrasse 15 | PF 297 | 8570 Weinfelden Fachstellen in Arbon | Basadingen | Diessenhofen | Frauenfeld | Kreuzlingen | Münchwilen Romanshorn | Steckborn | Weinfelden Telefon: 071 626 02 02 Telefax: 071 626 02 01 info@perspektive-tg.ch www.perspektive-tg.ch Telefonzeiten: Montag bis Freitag jeweils von 8:30 - 12:00h und 13:30 - 17:00h Sprechstunden nach Vereinbarung, bei Bedarf auch ausserhalb der Bürozeiten ©2016 Perspektive Thurgau Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 3

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< (M)Einblick > (M)Einblick Bin ich normal? Thomas Anderegg Was ist normal? Bin ich normal? Die Frage würde ich – so ohne lange zu überlegen – sofort mit Ja beantworten. Für mein Empfinden und in meiner Welt bin ich durchaus sehr normal. Beim näheren Be-trachten jedoch – und gehen wir von Normen und Durchschnittswerten aus – würde ich bei einigen Statistiken weit abfallen. Mit einer Körperlänge von 1.90 m spiele ich bei einer Schweizer Durchschnittsgrösse von 1.76 m nicht mehr mit. Auch sollte mein Körpergewicht bei 76,7 kg stagnieren. Tut’s aber nicht. Weiter möchte ich auf diesen Punkt nicht eingehen... Umso mehr freut es mich, dass ich mit meinem täglichen Schlaf wenigstens den Durchschnitt von rund sieben Stunden einhalte. In meiner festen Überzeugung, total normal zu sein, hab ich mich ganz schön geirrt. Die Frage, was normal ist, beschäftigt die Menschheit schon länger und lässt sich per Definition auch nur schwer bestimmen. Ausserdem verändern sich die Spektren stetig. Was in den Siebzigern noch als normal galt, wird heute als abnormal deklariert. Wir nehmen uns öfter das Recht heraus, bestimmen zu wollen, was denn normal bzw. halt eben abnormal sei. Auch massen wir uns an, Verhaltensweisen, welche uns nicht bekannt oder fremd sind, als «nöd normal» abzustempeln. Beruhigend zu wissen, dass wissenschaftlich bestätigt wurde, heute sei mehr «normal» als früher. Eine klare Antwort auf die Frage «Was ist normal?» werden wir Ihnen mit diesem Magazin nicht geben können. Normalität liegt oft im Auge des Betrachters und nicht alles lässt sich mit Normen «in Ketten legen». Üben wir im Zwischenmenschlichen Toleranz, machen uns bewusst, dass nicht alles, was für uns gängig scheint, für andere ebenfalls normal sein muss und umgekehrt.  Thomas Anderegg Desktop Publishing | Leitung Redaktion seit 2008 bei der Perspektive Thurgau 4 Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 www.perspektive-tg.ch

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< Was normal ist, wissen alle! Wirklich? > TEXT: KATHRIN ZELLWEGER | WWW.MEINTEXT.CH Was normal ist, wissen alle! Wirklich? Das Glück besteht darin, so normal wie möglich zu leben und doch so individuell wie kein anderer. Monika Minder, Schweizer Lyrikerin Wichtige Fragen sind schwierige Fragen. Schwierig, weil du und ich nicht die gleichen Antworten haben, weil meine Antwort von heute schon morgen überholt sein könnte. Gerade deswegen müssen diese Fragen immer wieder gestellt werden. Was ist normal? – • Normal ist, was die Masse als normal empfindet. • Normal ist, was dem statistischen Durchschnitt entspricht: Im Sommer schneit es nicht. • Normal ist, worüber nicht entschieden werden muss, weil es messbar ist: Eine Hand hat fünf Finger. • Normal ist, was in einer Gesellschaft nicht (mehr) erklärt werden muss: In der westlichen Welt isst man mit Messer und Gabel. • Normal ist, dass wir Normen befolgen: In der Schweiz gilt der Rechtsverkehr. • Normal ist, dass soziale Normen dazu verleiten, sie zu missachten: In der Pubertät opponieren Jugendliche bewusst gegen die Wertvorstellungen der Eltern, denn für sie ist normal gleichbedeutend mit langweilig. • Normal ist, dass Normen sich verändern: Das Konkubinatsverbot wurde nicht mehr durchgesetzt, obwohl es das entsprechende Gesetz noch gibt. • Normal ist, dass nicht überall auf der Welt die gleichen Normen gelten: In Korea, Vietnam und Teilen Chinas werden Hunde gegessen; in Indien ist die Kuh heilig, so dass es für sehr viele ausgeschlossen ist, Rindfleisch zu essen. ►► • ... Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 5

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< Was normal ist, wissen alle! Wirklich? > Die Normalität ist eine gepflasterte Strasse; man kann gut darauf gehen doch es wachsen keine Blumen auf ihr. Vincent van Gogh (1853 - 1890), niederländischer Maler und Zeichner Bei so vielen Antworten auf ein und dieselbe Frage könnte es einem schwindlig werden. Offensichtlich geht es hier um etwas Fundamentales, das alle unsere Lebensbereiche tangiert. Im Ursprung des Wortes findet man dafür keine Erklärung. Norm, von lateinisch «norma», bedeutet «Winkelmass, Richtschnur, Massstab, Regel». Der Begriff wurde in der antiken Baukunst angewendet, fand dann Eingang in den Rechtsbereich, bis er schliesslich zu einem unscharfen Ausdruck im allgemeinen Sprachgebrauch wurde. Vom Substantiv Norm leiten sich zwei Adjektive ab: normal und normativ. Ersteres bedeutet «durchschnittlich, gewöhnlich, üblich, typisch, ohne Abweichung, ohne Störung»; das zweite meint «bindend, verpflichtend, vorgeschrieben, wegweisend» und geht mit einer moralischen Forderung einher. Interessant ist zudem, dass es linguistisch zwischen normal und nicht-normal keine Abstufung gibt; ein bisschen normal gibt es nicht. Normal wie auch Norm sind also Entweder-oder-Begriffe, die Menschen, Werte und Dinge einteilen in «zugehörig, angemessen» oder in «unangebracht, randständig». Unnötig zu sagen, dass damit ein Urteil einhergeht. Der Vielschichtigkeit, Unschärfe und Sprengkraft der Frage «Was ist normal?» kommen wir eher bei, wenn wir zugeben, dass Normalität (wie auch Norm und normal) im Fluss befindende Inhalte haben, über die immer wieder verhandelt und die immer wieder neu definiert werden müssen. Eine Norm erlangt ihren verbindlichen Charakter erst, wenn jedes Individuum wie auch die Gesellschaft als Ganzes sie bejaht, was nicht heisst, dass sie auf Zeit und Ewigkeit Gültigkeit hat. Anders als bei der sprachwissenschaftlichen Betrachtungsweise wird damit klar, dass die Übergänge zwischen gesund und krank, normal und anormal, verhandelbar und gesetzeswidrig, zwischen kulturell unzulässig und statthaft, aktuell und veraltet, situationsadäquat und unangemessen sehr fliessend sind. Zwei Tatsachen scheinen jedoch in jedem Fall zu gelten. Erstens, Norm und Abweichung davon bedingen einander. Normen stehen nicht im luftleeren Raum. Eine Norm normt, das heisst, sie legt eine Grenze fest. Die Norm hat, zweitens, etwas mit einer Gemeinschaft zu tun. Eine Norm nur für ein einziges Individuum macht keinen Sinn. 6 Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 www.perspektive-tg.ch

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< Was normal ist, wissen alle! Wirklich? > Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben. George Bernard Saw (1856 - 1950), irischer Dramtiker, Politiker und Satiriker Die Norm steht per se immer im Vergleich zu anderen Menschen und deren Werten. In einem Bild ausgedrückt heisst das: Normen sind wie das Geländer rechts und links auf einer Brücke. Ist diese breit, ist der Bewegungs(spiel) raum gross, man stösst nicht gleich gegen die Brüstung (= Verstoss gegen Normen). Ist die Brücke ein schmaler Steg, kann man sich bequem zu beiden Seiten am Geländer halten und geht sicheren Schrittes; der Preis dafür ist, dass man bloss geradeaus gehen kann. Die Frage «Was ist normal?» kommt in der einen oder anderen Form auch in den Tätigkeitsbereichen der Perspektive Thurgau immer wieder zur Sprache. Es ist Ziel und Aufgabe aller vier Tätigkeitsfelder – Mütter- und Väterberatung, Suchtberatung, Paar-, Familien- und Jugendberatung sowie Gesundheitsförderung und Prävention – Orientierung und Hilfe zu geben. Fachleute beraten Ratsuchende, wann zum Beispiel der Konsum von Alkohol oder Drogen als Ausdruck einer Entwicklungsphase in der Jugend eine normale Erscheinung ist und ab wann von Risiko und Abhängigkeit gesprochen werden muss. In der Paar-, Familien- und Jugendberatung etwa kön- nen Fragen auftauchen, ob es normal ist, wenn ein Kind übermässig anstrengend ist oder sich Geschwister nicht ausstehen mögen und damit das Familienleben in den Grundfesten erschüttern. Ein anderes Beispiel wäre: Darf sich ein Paar trennen oder scheiden lassen, wenn die Freikirche, zu der die beiden gehören, dies rundweg ablehnt? Was nach Gesetz erlaubt ist, kann dennoch als ein Tabubruch empfunden werden. Die Frage nach dem richtigen Entscheid wiegt auch deshalb schwer, weil die Gesellschaft aus der gesetzlichen Möglichkeit ein normatives (= verpflichtendes) Verhalten ableiten könnte. Fragt sich dann, wer sich zum Schiedsrichter aufschwingen darf. Im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention wiederum liegt die Sache noch anders. Da geht es um Empfehlungen (auch sie widerspiegeln Normen), die – medizinisch begründet – dennoch als Eingriff in die persönliche Freiheit verstanden werden können. Wer soll mir sagen dürfen, dass dreimal Fastfood in der Woche für meine Kinder nicht gesund ist oder dass ich unbedingt auf mehr Bewegung achten soll? ►► Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 7

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< Was normal ist, wissen alle! Wirklich? > In der Mütter- und Väterberatung ist die Frage, ob Grösse, Gewicht und motorische Entwicklung eines Kleinkindes innerhalb der Norm liegen, einfach festzustellen. Erst wenn dem nicht so ist, wird es anspruchsvoll. Dann sehen sich die Beraterinnen vor die Frage gestellt, ob sie nun beruhigen oder zum Handeln auffordern sollen. Nicht immer, aber doch häufig, werden die Antworten approximativer Natur sein. Das macht weder die Frage noch die Beratung überflüssig. Alle Fachmitarbeitenden aller vier Bereiche geben hier und jetzt ihr Bestes. Doch auch sie werden sich ab und an eingestehen, dass die Frage «Was ist normal?» drückend gross sein kann und keine einfachen Antworten erlaubt. Das ist gut so. Wichtige Normen müssen hinterfragt werden dürfen. Der Berner Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti bringt es auf den Punkt: «Fragen bleiben jung, Antworten altern rasch.» Lesetipp Die März-Ausgabe 2016 des Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi nimmt sich in einem ausführlichen Dossier dem Thema Inklusion an. Gezeigt wird anhand des Beispiels von Sophie, einem 13jährigen Mädchen, wie trotz Behinderung die Integration in eine Regelklasse funktioniert. Die Ausgaben von Fritz+Fränzi können unter folgender Internetadresse kostenpflichtig bestellt werden: www.fritzundfränzi.ch 8 Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 www.perspektive-tg.ch

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Ohne Abweichung von der Norm ist Fortschritt nicht möglich. Frank Zappa (1940 - 1993), amerikanischer Komponist und Musiker Foto: Taigi / Shutterstock.com Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 9

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< Wie geht’s Dir? > Psychische Gesundheit Psychische Gesundheit TEXT: BEATRICE NEFF | ANGEBOTSLEITUNG PSYCHISCHE GESUNDHEIT, PERSPEKTIVE THURGAU Wie geht’ s Dir? Ein psychisch gesunder Mensch kann seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und ist im Stande, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen. So die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2004). Fliessender Übergang Diese Erklärung lässt erahnen, dass der Übergang zwischen «psychisch gesund» und «psychisch krank» fliessend ist: Jeder Mensch kennt Momente, in denen er seine Fähigkeiten nicht ausschöpfen kann, nicht produktiv arbeitet und sich nicht mit anderen austauschen mag. Viele einzelne Merkmale von psychischen Erkrankungen treten auch bei völlig gesunden Menschen auf. Das ist ganz normal. Doch wenn der Alltag - das «normale» Leben - zu sehr davon beeinflusst wird, müssen diese Anzeichen ernst genommen werden. Warum die Kampagne? Die Kampagne «Wie geht’s Dir?» nimmt dieses Thema auf. Sie macht darauf aufmerksam, dass es wichtig und richtig ist, über psychische Erkrankungen offen zu sprechen. Sie soll dazu beitragen, dass sich das Wissen über psychische Erkrankungen verbreitet und sich dadurch Vorurteile abbauen. 10 Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 www.perspektive-tg.ch

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< Wie geht’s Dir? > Psychische Gesundheit Was uns gesund hält Psychische Erkrankungen können jede/n treffen und sind nicht selbstverschuldet. Dennoch sind wir ihnen nicht völlig hilflos ausgeliefert. Schutzfaktoren und Ressourcen helfen uns dabei, die Anforderungen des Lebens zu meistern. Einige davon sind kaum veränderbar, andere wieder können wir beeinflussen und aktiv angehen. Beispiele für Schutzfaktoren und Ressourcen sind: Gesundes Selbstvertrauen, hohe Frustrationstoleranz, Ausgeglichenheit, Kontaktfreudigkeit, eine sichere Arbeitssituation, glückliche Partnerschaft, gute Freundschaften, Glaube und Spiritualität. Psychische Gesundheit pflegen Wie der Körper kann auch die Psyche gepflegt werden. Folgende 10 Schritte für die psychische Gesundheit unterstützen das Gesundbleiben und können dazu beitragen, psychischen Erkrankungen vorzubeugen. • • • • • • • • • • Mit Freunden in Kontakt bleiben. Freunde sind wertvoll. Um Hilfe fragen. Hilfe annehmen ist ein Akt der Stärke – nicht der Schwäche. Sich entspannen. In der Ruhe liegt die Kraft. Sich nicht aufgeben. Krisen gehören zum Leben dazu. Sich beteiligen. Menschen brauchen eine lebendige Gemeinschaft. Aktiv bleiben. Bewegung ist Voraussetzung für Entwicklung. Sich selbst annehmen. Niemand ist perfekt. Neues lernen. Lernen ist Entdecken. Kreatives tun. Kreativität steckt in uns allen. Darüber reden. Vieles beginnt im Gespräch. Warnzeichen für psychische Belastung/Erschöpfung am Arbeitsplatz Je früher Sie bei Alarmsignalen reagieren, desto grösser ist die Chance, dass sich die Abwärtsspirale stoppen lässt. Mögliche Signale können sein: • • • Sie können in der Freizeit nicht mehr «abschalten». Sie arbeiten mehr und mehr, weil Sie länger brauchen, um Ihre Aufgaben zu erledigen. Sie vernachlässigen Freunde, Familie, Hobbys zugunsten der Arbeit – oder weil Sie einfach zu erschöpft sind, um sich in Gesellschaft zu begeben. Sie fühlen sich häufig richtiggehend ausgelaugt. Sie sind vergesslicher und unkonzentrierter als üblich. Sie fühlen sich ständig überfordert. Sie sind nervös, gereizt und empfindlich. Sie ärgern sich über Kleinigkeiten, die Sie üblicherweise locker wegstecken. Sie schlafen schlecht, nachts kreisen die Gedanken. Sie fühlen sich körperlich angeschlagen. Sie konsumieren vermehrt Substanzen, die Sie wach und aktiv halten sollen, oder solche, die Ihnen beim Schlafen helfen. • • • • • • • Wenn Sie bei sich mehrere der genannten Signale über einen längeren Zeitraum feststellen, sollten Sie reagieren. Reden Sie mit jemandem darüber. Das kann Ihr bester Freund, Ihre Arbeitskollegin, Ihr Vorgesetzter, der Personalverantwortliche, die Hausärztin oder eine Fachperson aus dem psychiatrisch-psychologischen Bereich sein. «Mir geht es nicht besonders. Kann ich mal mit dir darüber reden?» Weitere Tipps und eine Auflistung der Hilfsangebote im Thurgau finden sie auf unserer Homepage unter www.wie-gehts-dir-tg.ch (Urheberrechte bei Pro Mente Oberösterreich, www.promenteooe.at) Wenn Belastungen lange andauern, kann es zur Erkrankung kommen Belastungssituationen kennt jeder Mensch. Auch die Situation, dass Belastungen über längere Zeit andauern, oder mehrere zusammenkommen. Wenn dann die vorhandenen Ressourcen nicht ausreichen, diese Belastungen zu verarbeiten, ist die psychische Gesundheit gefährdet.  Wer steht hinter der Kampagne? Die Kampagne wird von der Schweizerischen Stiftung Pro Mente Sana, den Kantonen Zürich, Aargau, Bern, Graubünden, Luzern, Schwyz und Thurgau sowie der Coordination Romande des Associations d’Action en Santé Psychique, CORAASP, getragen. Der Kanton Zürich und Pro Mente Sana sind dabei Hauptträger. Weitere Informationen zur Kampagne: www.wie-gehts-dir-tg.ch und www.wie-gehts-dir.ch Mit finanzieller Unterstützung des Kantons Thurgau Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 11

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< Eine Aussage, zwei Meinungen > Kindererziehung ist Frauensache! Eine Aussage, zwei Meinungen NACHGEFRAGT: KATHRIN ZELLWEGER | WWW.MEINTEXT.CH Kindererziehung ist Frauensache! Marlise Bornhauser Kindererziehung ist Frauensache! So absolut stimmt diese Aussage nicht. Kindererziehung sollte aber in den ersten sechs Lebensjahren eines Kindes vor allem Frauensache sein: Die Mutter ist idealerweise zu Hause und übernimmt als wichtigste Bezugsperson die Betreuungsaufgabe, weil sie die erforderliche Geborgenheit und Stabilität geben kann. Unter Sechsjährige sollten wenn möglich nicht in Krippen betreut werden, wo das Personal immer wieder wechselt. Kinder sollten in den ersten Lebensjahren bloss wenige Bezugspersonen haben. Ist eine Krippe die einzige Lösung, ein Kind gut zu betreuen, bin ich nicht dagegen. Aber ich frage mich bisweilen, ob der Lebensstandard zu Gunsten der Familie nicht heruntergeschraubt werden könnte, damit die Mutter mindestens die ersten Jahre bei den Kindern bleiben kann. Ich entlasse die Väter keineswegs aus ihren Erziehungspflichten. Aus meiner Erfahrung als alleinerziehender Mutter und als Sozialpädagogin weiss ich, wie wichtig Väter für Kinder sind und was sie ihnen geben können.  Marlise Bornhauser ist Jahrgang 1959, hat einen Sohn und wohnt in Weinfelden Mitglied der EDU, Mitglied des Thurgauer Kantonsrates 12 Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 www.perspektive-tg.ch

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< Eine Aussage, zwei Meinungen > Kindererziehung ist Frauensache! Simone Curau-Aepli Kindererziehung ist Frauensache! Um die Frage zu beantworten, muss ich zwischen den gesellschaftlichen Fakten und meiner Vorstellung von Kindererziehung unterscheiden. Ja, es stimmt, dass es zu einem hohen Prozentsatz Frauen sind, die unsere Kinder erziehen – in der Familie, auch in Krippen und Schulen. Insofern stimmt die obige Aussage. Daraus jedoch eine Rollenzuweisung abzuleiten, dagegen wehre ich mich vehement. Kindererziehung kann und darf nicht zur Frauensache gemacht werden. Nicht nur für Knaben, auch für Mädchen ist es wichtig, dass sie Väter/Männer im Alltag erleben. Es freut mich, dass junge Väter heute bereit sind, für Betreuungsaufgaben ihr Arbeitspensum zu reduzieren. Väter auf dem Spielplatz werden nicht nur von Frauen bewundert; je länger je mehr sind sie auch Vorbilder für ihre Kollegen. Kindererziehung sehe ich ohnehin als eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft, so wie es das afrikanische Sprichwort sagt: It takes a whole village to raise a child (Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind grosszuziehen). Simone Curau-Aepli ist Jahrgang 1961, hat vier erwachsene Kinder und wohnt in Weinfelden. Präsidentin CVP-Frauen Thurgau, Vorstandsmitglied CVP-Frauen Schweiz, Vorstandsmitglied CVP Thurgau  Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 13

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< alles andere als normal > Statistisches und unnützes Wissen a s e ] l l ː l a a m ˈ ʁ ɔ n [ l a norm regg Thomas Ande s l a e r e d n KTION | LEITUNG REDA nst zu ne Eine kleine, nicht er hmende istiken, Zitaten, Sammlung aus Stat unnützem Wissen und Halbweisheite n. Laut einer Studie sind Zweijährige die aggressivste Bevölkerungsgruppe. Die du rchsch nittli Menge che jä an Fas hrlich tfood e enthäl t 12 H aare. Im Durschnitt schlafen 34% Menschen meh Arbeit als in ih r im Unterricht rem Bett. / 14 Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 www.perspektive-tg.ch

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< alles andere als normal > Statistisches und unnützes Wissen schn h c r u D Die ittsta okolad fel Sch e enth ekten s n I 8 ält beine. 14 Prozent essen die Wa ssermelonenkerne mit. zent de Nur 67,5 Pro n. Unterhose r Männer tr agen Laut «Knigge» ist das Kommentieren eines Niesens mit «Gesundheit» eine Dramatisierung des körperlichen Verfalls und daher unangebracht. Jedes Mal beim Lecken an einer Briefmarke nimmt man 1/10 einer Kalorie zu sich. Perspektive Thurgau Magazin // Ausgabe 10 | April 2016 15

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