Historisches Blatt 5

 

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Nr. 1 - 5 2002 Neuauflage der Historischen Blätter Die Entstehung des Ahrensburger Schlosses Die Leibeigenschaft im Gutsbezirk Ahrensburg Ahrensburg um 1900, Geschichte und Geschichten Die Hagener Allee Die Schauenburger – 350jährige Herrschaft in Schleswig – Holstein

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Nr. 5 Februar 1985 Herausgeber: Historischer Arbeitskreis Ahrensburg Die Schauenburger 350jährige Herrschaft in Schleswig Holstein Über die Herkunft der Schauenburger, die die Geschichte Schleswig-Holsteins im höchsten Maß beeinflußten und die im Zusammenhang mit der Burg Arnesvelde genannt werden, besteht Unklarheit. Bewiesen ist, daß die Schauenburger einem Geschlecht entstammen, das an der Weser beheimatet war. Herzog Lothar von Sachsen belehnte 1111 Adolf I. mit der Grafschaft Holstein und Stormarn. Adolf I. nahm seinen Wohnsitz in der von den Billungern erbauten neuen Burg in Hamburg (heute Nikolaikirche). Er war ein umsichtiger Herrscher, der es verstand, sich sowohl gegen die dänischen Statthalter in Schleswig als auch gegen die Wendenmacht zu behaupten. Als Knud Laward 1127 Wagrien überfiel und Holstein bedrohte, besiegte er die dänischen Besetzer bei Segeberg. Adolf I. starb 1130. Sein Nachfolger war sein zweiter Sohn, Adolf der Zweite, der ursprünglich Geistlicher werden sollte. Er wurde in der Slawenchronik von Helmold von Bosau als ein "kluger und in göttlichen wie in menschlichen Dingen höchst erfahrener Mann" beschrieben. Nach Lothars Tod 1137 wirkten sich die Thronwirren im Deutschen Reich auch auf Holstein aus. Die Welfen erlangten erst 1143 unter Heinrich dem Löwen das Herzogtum Sachsen zurück. Adolf der Zweite erhielt zusätzlich zu Holstein noch Wagrien (Ostholstein). Ostholstein wird kolonisiert Durch die Unterstützung Heinrichs des Löwen konnte Adolf II. die Kolonisation und Christianisierung Ostholsteins einleiten. Mit dieser politisch weitsichtigen Tat stärkte er für sein Geschlecht die Machtbasis als Voraussetzung echter Landesherrschaft und leitete gleichzeitig die Kolonisation aller rechtselbischen Gebiete ein. Er rief Einwanderer in das dezimierte Ostholstein. So siedelten Niederländer um Eutin, Friesen bei Süsel (Rundlingsdörfer); Westfalen östlich von Segeberg (Haufendörfer) und Holsten an der Trave (langgestreckte Straßendörfer). Bei der Besiedlung ergaben sich drei Möglichkeiten für die im Lande ansässigen Slawen:  Sie mußten neue Dörfer anlegen. Das deutsche Recht wurde ihnen allerdings versagt, so daß sie jederzeit ausgewiesen werden konnten.  Sie räumten freiwillig ihre Ansiedlungen. Dann wurden sie von Adolf II. um Lütjenburg, Oldenburg und auf Fehmarn angesiedelt. Nur in Ausnahmefällen wurden sie vertrieben.  Als erste deutsche Stadt an der Ostsee wurde Lübeck 1143 gegründet. In Ostholstein baute man zu dieser Zeit die rundtürmigen Feldsteinkirchen. Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 33

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Seite 2 Nr. 5/85 Begründer des Hamburger Hafens-Adolf III. Während der Herrschaft Adolfs III. entbrannte abermals ein Kampf zwischen den Staufern und Welfen. Adolf III. handelte politisch klug, als er sich von Heinrich dem Löwen abwandte; denn Barbarossa teilte 1180 das Herzogtum Sachsen. Die östlichen Gebiete fielen an den Askanier Bernhard von Anhalt. Der machte seine Rechte kaum geltend, so daß Adolf III. ungehindert sein ehrgeiziges und rücksichtsloses Machtstreben ausüben konnte. Er erhielt Lübeck zwar nicht zurück, durfte aber Einkünfte einbehalten. Er baute in Hamburg 1190 neben der erzbischöflichen Altstadt eine gräfliche Neustadt als Residenz mit einer Münze. Er liebte die Pracht und wetteiferte in seinem Hofleben mit anderen Landesherren. Die einheimischen Adligen waren eifersüchtig auf die Dienstmannen (landfremder Beamtenadel), mit denen er sich umgab. Beinahe hätte Adolf III. 1190 seinen Besitz durch die vertragswidrige Rückkehr des verbannten Heinrichs des Löwen verloren, während er den Kaiser auf einem Kreuzzug begleitete. Durch schnelle Heimkehr vereitelte er die Pläne Heinrichs des Löwen. Als Lohn belehnte ihn der Kaiser mit Dithmarschen. Zum ersten Mal war Nordelbingen bis zur Eider in einer Hand. Arnesvelde wird urkundlich erwähnt Der Ortsname Arnesvelde taucht 1195 in einer Urkunde auf, nach der Adolf III. das Dorf an das Hamburger Domkapitel verschenkte. Diese Schenkung wurde aber nicht vollzogen. Durch den ständigen Kampf der Staufer und Welfen wurde das Deutsche Reich geschwächt. Im Norden fehlte ein so starker Mann wie Heinrich der Löwe, während die Dänen unter Knut VI. mächtig wurden. Her- Kirche in Ratekau Sanktionen Heinrichs des Löwen gegen Oldesloe und Lübeck Heinrich der Löwe befahl 1153, die Oldesloer Saline zuzuschütten, weil sie den Gewinn aus seiner eigenen in Lüneburg beeinträchtigte. Auch mußte Adolf II. 1158 Lübeck an ihn abtreten, weil sein Handelsplatz Bardowiek durch das aufstrebende Lübeck an Bedeutung verloren hatte. Die Wenden gaben keine Ruhe. Sie fielen 1147 unter Niklot ein und zerstörten Lübeck und Teile Ostholsteins. 1164 besiegte Adolf II. Pribislav (Sohn Niklots) bei Demmin (Vorpommern). Dadurch wurde auch die Südküste der Ostsee für deutsche Besiedlung frei. Adolf II. fiel in dieser Schlacht Seite 34 Neuauflage Historische Blätter 1-5

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Nr. 5/85 Seite 3 zog Waldemar, Statthalter der Dänen in Schleswig, besiegte so Adolf III. 1201 bei Stellau. Adolf III. wurde in Hamburg gefangengenommen. Nur gegen Verzicht auf seine Grafschaft 1203 erhielt er die Freiheit wieder. Er starb 1225 auf der Schauenburg an der Weser. Aber schon 1227 fiel Waldemar II. wieder in Holstein ein. So kam es zu der sagenumwobenen Schlacht von Bornhöved, in der Adolf mit seinen Verbündeten gegen die Dänen und Dithmarscher stritt. Unbarmherzig brannte die Sonne den kämpfenden Holsten ins Gesicht. Als sie zu ermatten drohten, rief Adolf — der Sage nach — die Schutzheilige des Tages, Maria Magdalena, an und gelobte, Kirchen und Klöster zu erbauen und Mönch zu werden, wenn er siegen würde. Da hielt die Heilige ihren Schleier schützend vor die Sonne und verhalf so den Holsten zum Sieg. (In Wirklichkeit verdankten die Holsteiner der Tatsache den glücklichen Ausgang der Schlacht, daß die Dithmarscher während des Kampfes den Dänen in den Rücken fielen.) Der Sieg bei Bornhöved bahnt der Hanse den Weg nach Osten Durch den Sieg über Waldemar II. wurde nicht nur Holstein befreit, sondern auch die dänische Vorherrschaft im Ostseeraum gebrochen. Die Hanse konnte nun den deutschen Kaufleuten und der deutschen Kultur den Weg nach Osten bahnen. Unter den ersten Schauenburgern lebten die Menschen in Holstein wie zu Zeiten Karls des Großen. Die Bauern schlossen sich in Feldgemeinschaften nach eigenem Recht zusammen. Die einzelnen Hufen verfügten über gleich großes, gleich gutes sowie über nahes und fernes Ackerland, wozu noch für jede Hufe eine gleichartige Anteilberechtigung an der Allmende, dem nicht aufgeteilten Gemeindebesitz, an Wasser, Weideland, Mooren und Wäldern kam. Die freien Bauern nahmen ihre politischen Rechte auf dem Goding (Volks, Gerichts- und Heerversammlung des Gaues) wahr. Im 13. Jahrhundert kam eine neue Grundherrschaft auf, die unter Führung des Adels zu einem neuen ständischen Aufbau Denkmal an der Trostbrücke in Hamburg Schlacht bei Bornhöved Adolf IV. Sein Sohn, Adolf IV., kehrte 1224 nach Holstein zurück. Dort erschien er den Adligen und Städten wie ein Retter. Hamburg öffnete ihm die Tore. 1225 schlug er den dänischen Statthalter bei Mölln. Dieser erkaufte seine Freiheit durch Rückgabe aller Länder südlich der Eider. Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 35

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Seite 4 Nr. 5/85 gelangte. Es entstanden die adligen Güter, denen der militärische Schutz und die Gerichtsbarkeit anvertraut waren. Je größer die gräfliche Gewalt wurde, desto stärker trat das Prinzip der genossenschaftlichen Selbstregierung in den Hintergrund. Der Graf erhob Steuern. Adolf IV. verlieh den Städten, den Trägern von Handel und Verkehr, das Lübische Recht. Sie genossen dadurch große Freiheiten mit eigener Verfassung und Verwaltung. Nach einem Kreuzzug erfüllte Adolf IV. sein Gelübde und trat 1239 als Franziskanermönch in das von ihm in Hamburg gegründete Maria-Magdalenen Kloster ein. Er lebte später in dem von ihm ebenfalls erbauten Kieler Marienkloster bescheiden und zurückgezogen. Eine Chronik erzählt: „Man sagt von ihm, daß er um Almosen zu gehen pflegte mit einer Kanne, um Buttermilch zu holen, wie jeder andere Bruder aus dem Orden. Und es begab sich einmal, daß er in dem Städtchen Kiel auf der Straße ging und hatte eine Kanne voll Milch in der Hand. Zu derselben Zeit kamen seine Söhne, die Grafen, mit großem Gefolge durch die Straßen der Stadt geritten und begegneten ihm. Da schämte er sich und wollte die Kanne verbergen. Doch wurde er gestärkt durch die Kraft des Geistes und goß sich die Milch alle über den Kopf und sagte zu sich: Du armes Fleisch, du wolltest die Milch in der Kanne nicht tragen und schämtest dich derselben. Nun trage sie auf dem Kopfe zu deiner eigenen Beschämung." Obgleich er von der Herrschaft zurückgetreten war, verschaffte er sich auch weiterhin „politisches" Gehör. Als Adolf IV. 1261 starb, begrub man ihn vor dem Altar der Klosterkirche (der späteren Heiligengeistkirche) in Kiel. Seine Grabplatte steht noch heute im Kreuzgang des Klosters an der Falkstraße. Sie zeigt Adolf IV. als Mönch. Über ihm Helm und Wappen, das holsteinische Nesselblatt. Die Umschrift um den Rand preist ihn als den Spiegel unter den Herrschern, das Lob der Holsten, das Licht der Schauenburger, eine Zierde unter den Guten. Verzweigung der Schauenburger Die beiden Söhne Adolfs IV., Johann I. und Gerhard I. regierten Holstein nach dem Verzicht ihres Vaters gemeinsam. Bis zu ihrer Volljährigkeit unterstanden sie der Vormundschaft ihres Schwagers Abel, Herzog von Schleswig, der später dänischer König wurde. Nach dem Tode Johanns I. teilte Gerhard I. das Land mit dessen Söhnen. Diese Söhne und ihre Nachkommen bildeten die Kieler Linie der Schauenburger, von der eine Segeberger Linie abzweigte. Gerhard I. begründete die Itzehoer Linie, die in die Plöner, die Schauenburger und die Herzoglinie oder Rendsburger (Heinrich I.) zerfiel. In einer Urkunde von 1295 taucht der Name Nikolaus von Arnesvelde auf, der ein Sohn Heinrich I. gewesen sein soll. Die Urkunde beweist, daß die Burg Besitz und Wohnsitz eines Schauenburgers war. Ebenso geht aus mehreren Urkunden hervor, daß um 1320 Arnesvelde Eigenturn des Grafen Johann III. aus der Plöner Linie war. Die einzelnen Linien regierten gegen- und nebeneinander. Gemeinsame Aufgaben, wie die Landesverteidigung sowie der Schutz der Klöster und der Stadt Hamburg, verbanden sie. Die Vereinigung Schleswigs und Holsteins Gerhard III. Der älteste Sohn Heinrich I. war Gerhard III., der später Gerhard der Große oder „de groote Geert" genannt wurde. Er war in der Tat eine große Persönlichkeit. Als er die Herrschaft 1304 antrat, stellte sich die poli- Seite 36 Neuauflage Historische Blätter 1-5

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Nr. 5/85 Seite 5 tische Lage für den ehrgeizigen Grafen sehr ungünstig dar. Die Unabhängigkeit Holsteins, die Adolf IV. in der Schlacht von Bornhöved errungen hatte, bestand nicht mehr. Erich Menved, der dänische König, verfolgte eine starke Eroberungspolitik. Die holsteinischen Grafen mußten ihn als Oberherren anerkennen. Durch List und Gewalt eroberte Gerhard III. die Burg Segeberg und bekämpfte von dort Erich Menved. Ein Angriff Gerhards III. 1319 gegen die Dithmarscher trug ihm den „einzigen Mißerfolg seines ruhmreichen Lebens" ein. Von seiner Residenz in Rendsburg aus betrieb Gerhard die Eroberung des Herzogtums Schleswig. Nach Erich Menveds Tod wurde dessen Bruder, Christoph II., König von Dänemark. Er beanspruchte die Vormundschaft über Waldemar V., der 1325 Herzog von Schleswig geworden war. Außerdem versuchte er, Nordschleswig für die dänische Krone zu erobern. Dem trat Gerhard III. energisch entgegen. In der Schlacht 1326 am Hesterberg (bei Schleswig) besiegte er Christoph II., der mit seinem Sohn floh. Gerhard III. übernahm die Vormundschaft über seinen Neffen Waldemar V., der mit Zustimmung des dänischen Reichsrates als Waldemar III. von Dänemark gewählt wurde. Somit lenkte Gerhard III. auch kurze Zeit die Geschicke Dänemarks. Auf einem Reichstag in Nyborg ließ Gerhard III. sich 1326 von Waldemar III. das Herzogtum Schleswig als erbliches Fahnenlehen geben. In dieser Urkunde wurde außerdem festgelegt, daß „das Herzogtum Schleswig niemals mit dem Reiche und der Krone Dänemarks so vereinigt und verbunden sein solle, daß ein Herr sei über beide". Zum ersten Mal war die Vereinigung Schleswig und Holsteins verwirklicht. Holsteinische Adlige wanderten in Schleswig ein und verschwägerten sich mit dem dänischen Adel. So bildete sich eine schleswig-holsteinische Ritterschaft. Die Sprache des Handels, Verkehrs und der Justiz war niederdeutsch. Gerhard III. regierte mit fester Hand, so daß sich das Fehdewesen und Raubrittertum der Ritterschaft nicht ausbreiten konnte. Seine Herrschaft richtete sich aber auch gegen die Macht der Hanse und gegen die dänischen Großen. So kam es 1340 zu einem Aufstand in Jütland gegen ihn, den er niederschlug. Dabei erkrankte er in Randers. Nach seiner Genesung erschlugen ihn 60 Verschworene unter der Führung Niels Ebbesen. Dieser Mord brach zwar die starke Macht gegen die Dänen, jedoch blieb der Wunsch nach Vereinigung Schleswigs mit Holstein, dessen Urheber Gerhard III. war, lebendig. Der Kampf um Schleswig „Der Kampf um Schleswig", so könnte der Zeitabschnitt vom Tode Gerhards III. bis zum Aussterben der Schauenburger bezeichnet werden. Alle Gegner der holsteinischen Macht, die durch die starke Führung Gerhards III. in ihre Schranken verwiesen worden waren, regten sich. Dagegen mußten sich die beiden Söhne Gerhards III., Heinrich II. und Nikolaus, die eine zähe Willenskraft besaßen, wehren. Sie übernahmen das Erbe ihres Vaters gemeinsam. Heinrich II. wurde auch Heinrich der Eiserne (Isern Hinnerk) genannt. Er war in erster Linie Feldherr. Als Söldnerführer beteiligte er sich an vielen Kriegen. Dagegen war Nikolaus der Hüter der oft bedrohten Heimat. Während der 57 Jahre seiner Regierung erlangte er durch sein maßvolles Wesen und seine staatsmänni- Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 37

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Seite 6 Nr. 5/85 sche Klugheit das Ansehen eines idealen Landesvaters. Er bekämpfte die Blutrache unter den Bauern, milderte die Belastung der Geistlichen und Klöster und schützte die früher freien Bauern vor der Unterdrückung des Adels. Diese Maßnahmen wurden von den Betroffenen als besonders wohltuend nach der Pest, die um 1350 im ganzen Land wütete, empfunden. Nach dem Tod Gerhards III. trieb das Rittertum erneut sein Unwesen. Es ging so weit, daß die hansischen Kaufleute vom deutschen Kaiser militärische Unterstützung erhielten. Der Druck, der einerseits von den Hansestädten, insbesondere Lübeck, und andererseits von den Dänen auf die Schauenburger ausgeübt wurde, war groß. Die imperialistische Politik des Dänenkönigs, Waldemar Atterdag, führte auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Schauenburgern. Er eroberte Alsen, Fehmarn, plünderte Angeln und besetzte Flensburg, das als Seehandelsstadt bedeutsam war. In einer dänischen Chronik heißt es: „Er trieb Leistungen ein, Geld, Schiffe und anderes, was seine Augen begehrten, so daß Furcht, Schrecken und Erstarren über alle kam, wo er durchzog." Dennoch konnte er das Herzogtum Schleswig nicht auf Dauer besetzen. Er mußte 1360 den alten Zustand wieder herstellen und bestätigen. Sehr viel folgenschwerer verliefen seine Angriffe auf die deutschen Städte, die hansische Flotte und Schweden (1361). Die enorme Macht Waldemar Atterdags forderte eine Gegenbewegung förmlich heraus. 1367 schlossen sich daher auf dem Hansetag in Köln Schweden, Mecklenburg, die Hansestädte und die Schauenburger zusammen. Gleichzeitig erhoben sich die jütländischen Adligen gegen das Gewaltregime. Waldemar Atterdag floh aus dem Land. Heinrich II. und Nikolaus eroberten bei diesem Angriff ganz Jütland wieder und zwangen die Ritter und Städte zur Huldigung. Wahrscheinlich fand Heinrich II., der Eiserne, 1390 den Tod. Nikolaus starb 1397. Erbstreitigkeiten im Hause Schauenburg Nach Nikolaus Tod entbrannte ein heftiger Streit zwischen den Söhnen Heinrichs II. Es waren Gerhard V., der als Herzog von Schleswig regierte; Albrecht, der dann die Herrschaft übernahm, und Heinrich III., der Bischof von Osnabrück war. Diesen Streit halfen der Adel und die Ritterschaft schlichten. Sie traten damit zum ersten Mal als politische Gemeinschaft selbständig handelnd hervor. Albrecht, der sehr unbesonnen war, veranlaßte 1403 seinen Bruder Gerhard V. zu einem Angriff auf die freien Dithmarscher. Die Schauenburger siegten, aber Albrecht starb auf dem Rückmarsch. Die Dithmarscher schlugen 1404 zurück und richteten östlich von Heide ein Blutbad an, in dem 300 Ritter und Gerhard V. fielen. Für Holstein und Schleswig war der Verlust der beiden Grafen ein großes Verhängnis und für die Dynastie der Schauenburger ein folgenschweres Ereignis. Gerhard V. hinterließ seine Frau Elisabeth und drei minderjährige Söhne (Heinrich, Adolf und Gerhard), die unter die Obhut des Bischofs Heinrich von Osnabrück gestellt wurden. 25 Jahre Krieg Die dänische Königin Margarete erhob Gebietsansprüche, die Elisabeth jedoch ablehnte. Das führte 1410 zu einer militärischen Auseinandersetzung mit den Dänen, die mit Unterbrechungen 25 Jahre dauerte. Südlich von Flensburg erkämpften die Holsteiner ihren ersten Sieg. Aber bereits 1411 erreichte Margarete durch ihr großes diplomatisches Geschick den fünfjährigen Waffenstillstand zu Kolding. Man überließ Seite 38 Neuauflage Historische Blätter 1-5

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Nr. 5/85 Seite 7 den Dänen den nördlichen Teil Schleswigs mit Flensburg und Tondern und die friesischen Gebiete als Pfandbesitz. Margarete starb 1412. Als Nachfolger hatte sie ihren Großneffen Erich von Pommern bestimmt. Er trieb die Hansestädte durch seine kurzsichtige und starrköpfige Politik auf die Seite der Schauenburger. Bis zu diesem Zeitpunkt kämpften mit den Schauenburgern nur die Nordfriesen und die berüchtigten Vitalienbrüder (Liekendeeler), die von Eckernförde, Pommern, Kiel und Neustadt aus Kaperfahrten unternahmen. Nun aber wandten sich die Hansestädte, auch Lübeck, den Schauenburgern zu, so daß eine Machtverschiebung zu ihren Gunsten entstand. Die Hansestädte nahmen 1426 ihren Kampf gegen Erich von Pommern auf. Heinrich IV. fiel 1427 bei Flensburg. Er hatte bereits vor seinem Tode das Herzogtum Schleswig seinem Bruder Adolf XI. vermacht. Adolf XI. regierte nun zusammen mit seinem Bruder Gerhard VI. Flensburg fiel 1431. Damit war der Krieg für die Schauenburger und ihre Verbündeten entschieden. Gerhard VI. starb 1433, und Adolf XI. regierte allein. Ende einer Dynastie-Adolf XI. Adolf XI. schloß 1435 mit Erich von Pommern den Frieden zu Vordingborg, in dem die schauenburgische Herrschaft auch für die Nordfriesen festgelegt wurde. Erich von Pommern wurde 1439 abgesetzt. Das war die Gelegenheit für Adolf XI., den Rest Schleswigs zu erobern. Der neugewählte dänische König Christoph III. belehnte ihn 1440 zu Kolding durch Überreichung der Fahne erblich und unbeschränkt mit dem Herzogtum Schleswig. Damit hatte Adolf XI. das Ziel der Schauenburger, das Erbrecht auf Schleswig zu haben und Schleswig und Holstein zu vereinen, erreicht. Durch das gemeinsame Schicksal, das die Bevölkerung Schleswigs und Holsteins in der langen Kriegszeit erlitten hatte, fühlte sie sich eng verbunden. Adolf XI. war überall beliebt. Durch seine Umsicht, Tatkraft und Besonnenheit gelang es ihm, eine starke Landesherrschaft zu erreichen. Unter seiner Führung erreichte die Einwanderung holsteinischer Bürger und Bauern nach Schleswig ihren Höhepunkt. Die niederdeutsche Sprache verbreitete sich. Der holsteinische Adel erwarb im südöstlichen Schleswig bedeutenden Grundbesitz. Adolf XI. war der letzte männliche Vertreter des schaumburgischen Zweiges, der fast 350 Jahre im Norden geherrscht hatte. Er starb am 4.12.1459. Quellen: Schaumburgische Genealogie von Helge Bei den Wieden Geschichte Schleswig-Holsteins von Otto Brandt Burg Arnesvelde von Martin Knorr Die Schlacht von Bornhöved von Heinrich Reincke Kieler Nachrichten vom 8.7.1961 Verantwortlich: W. Meyer Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 39

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