Dokumentation 2015

 

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Dokumentation 2015

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Lebensgefühl Stadt - Tradition modern (er)leben RA S Re ra Eis H O T E L Ca BÄ R I GE Dokumentation 2015 „Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen“ 1

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Wir danken allen Sponsoren und Initiatoren! Mit freundlicher Unterstützung von: Sächsisches Staatsministerium des Innern Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr 2

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INHALT Grußwort des Staatsministers Unsere Hauptsponsoren Prolog XXXXX Teilnehmerstädte Übersichtskarte Preisträger Wurzen Heidenau Oederan Meißen Pirna Dresden Kamenz Stollberg Torgau Die Wettbewerbsbeiträge der Teilnehmer 2015 Moderne Stadtentwicklung – ein gemeinsames Projekt Aus anderen Bundesländern Meilensteine 2016 Impressum 04 06 11 14 18 19 20 24 28 32 36 40 44 48 52 56 82 85 88 89 3

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GRuSSwort des Staatsministers Wettbewerb „Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen“ 2015 „Lebensgefühl Stadt – Tradition modern (er)leben“ Markus Ulbig Sächsischer Staatsminister des Innern Der Wettbewerb „Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen“ ist im Jahr 2004 erstmals als Public Private Partnership Initiative in Sachsen ausgelobt worden. Sein Ziel ist, die Vielfalt des Nebeneinanders von Wohnen, Einkaufen, Arbeiten, Kultur und Freizeit in unseren Innenstädten zu erhalten und dort zu stärken, wo das nicht ausreichend gegeben ist. Der Wettbewerb möchte auch Fundgrube für Best-Practice-Beispiele sein und damit zur Nachahmung anregen. Das Zusammenspiel von einzelnen Bürgern, privaten Initiativen, der Wirtschaft und der öffentlichen Hand ist der zentrale Gedanke der Innenstadtinitiative „Ab in die Mitte!“. Ein wichtiges Kriterium des Wettbewerbs ist die Bürgerbeteiligung an 4

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GRuSSwort des Staatsministers den Projekten. Unter dem Dach des Wettbewerbs werden zwei Dinge miteinander verbunden: Eigeninitiative und gemeinschaftliches Handeln werden in einem greifbaren Projekt sichtbar. Im Jahr 2015 ist der Wettbewerb „Ab in die Mitte!“ zum zwölften Mal in Sachsen ausgetragen worden. Wie in den vergangenen Jahren haben sich auch im Jahr 2015 viele Städte und Gemeinden an ihm beteiligt. Die Jury hat aus den 26 eingereichten Beiträgen neun Projekte nominiert. Diese Beiträge sind auf der Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs am 28. Oktober 2015 auf Schloss Torgau ausgezeichnet worden. Die Preisgelder in Höhe von insgesamt 100.000 EUR sind ein vielversprechender Anreiz für die Teilnahme am Wettbewerb. „Ab in die Mitte!“ ist ein Ideenwettstreit. Auch der Wettbewerb des vergangenen Jahres zeigt, dass sehr gute Ideen entstehen können, wenn in der Stadtgesellschaft aus ganz verschiedenen Blickrichtungen über Defizite und vor allem Potentiale unserer Städte nachgedacht wird. „Ab in die Mitte!“ bewirkt genau das, wofür sich der Freistaat Sachsen auf dem Feld der Stadtentwicklung einsetzt: Strukturelle Verbesserungen in den Innenstädten durch einzelne Projekte zu bewirken, die dann langfristig in der Summe dazu führen, dass zum einen attraktive und zum anderen wirtschaftlich sich selbst tragende Innenstädte entstehen. Wir haben mit unserer Stadtentwicklungspolitik das Ziel, dass sich alle Stadtbewohner in den Innenstädten wohlfühlen, sie ein Ort des Wohnens bleiben und ihre wirtschaftliche Bindungsfunktion für die Gesamtstadt nicht ausgehöhlt wird. Dazu sind jedoch Anstrengungen der Stadtpolitik erforderlich, die darauf ausgerichtet sein müssen, dass in den Innenstädten Mieteinnahmen erzielt und die Gebäude instandgesetzt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind jedoch stadtstrukturelle Entscheidungen unabdingbar: Dabei steht wohl an erster Stelle, dass die Bewohner der Innenstädte die infrastrukturellen Grundversorgungseinrichtungen in ihrer Nähe erreichen können, aber umgekehrt auch, dass die Innenstädte von außen weitreichend zugängig sind. Beides bedingt einander, um lebendige Innenstädte zu haben. Markus Ulbig Sächsischer Staatsminister des Innern 5

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Unsere Hauptsponsoren Wo liegen die Synergien des Wettbewerbs bezogen auf Ihr Unternehmen/Ihren Verband? Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“ ist ein Leitsatz des Handelns der Volksbanken Raiffeisenbanken. Bei allem, was wir im Interesse unserer Mitglieder und Kunden tun, orientieren wir uns an den genossenschaftlichen Werten. Dazu gehört auch, sich gemeinsam vor Ort mit anderen zusammenzuschließen, um die Region voranzubringen.  So sehen wir auch unser Engagement im Rahmen des Wettbewerbes. Auch im Zeitalter der Digitalisierung haben wir als Banken vor Ort mit persönlichen Ansprechpartnern in unseren Filialen direkt in der „Mitte“ ein eigenes Interesse daran, dass die Innenstadtstrukturen ansprechend sind und gut funktionieren. Wir freuen uns dazu beitragen zu können, dass durch die Initiative des Wettbewerbes Stadtentwicklungskonzepte in Angriff genommen werden. Damit werden die Bemühungen um die Attraktivität der Zentren in den Rathäusern nachhaltig unterstützt. Andreas Woda Vorstand Leipziger Volksbank eG Jede Stadt hat ihre besonderen Eigenheiten, Reize und Atmosphäre. Diese sind von Region zu Region, von Land zu Land verschieden. Wir planen und realisieren weltweit individuelle dekorative Beleuchtungskonzepte in Städten jeder Größenordnung. Wir legen dabei sehr viel Wert darauf, vor Ort mit unseren Partnern uns mit den jeweiligen Gegebenheiten der Region und ihren Städten vertraut zu machen. Mit unserem Engagement bei „Ab in die Mitte!“ bieten sich herausragende Möglichkeiten Sachsens Städte hautnah kennen zu lernen. Karl-Heinz König Leiter Business Development Deutschland, MK Illumination Handels GmbH 6

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Unsere Hauptsponsoren Handel und städtische Mitte sind eine über Jahrhunderte gewachsene Einheit, Einkaufsstraßen und Plätze Heimstatt vieler Unternehmen unseres Wirtschaftszweiges. Diese Standorte in ihrer Leistungskraft zu erhalten, zu entwickeln und fit für den Wettbewerb mit neuen Handelsräumen am Rand oder im Netz zu machen, ist eine Herausforderung, der sich alle relevanten Akteure stellen müssen. Wir als Handelsverband Sachsen haben daran ein vitales Interesse. „Ab in die Mitte!“ ist ein sehr taugliches Instrument, um Motivation vor Ort zu wecken und wichtige Impulse pro Innenstadt zu setzen. Gunter Engelmann-Merkel Geschäftsführer Handelsverband Sachsen e. V. Ich betreibe in der Leipziger City eine inhabergeführte Parfümerie mit Kosmetikstudio. Die Funktionsvielfalt und Attraktivität einer Innenstadt wird einerseits durch das unternehmerische Engagement geprägt. Andererseits ist die Qualität der Innenstadt eine wesentliche Existenzgrundlage für die Unternehmen. Ich bin als Unternehmerin auf eine lebendige Innenstadt angewiesen. Da der Wettbewerb auf den Erhalt und die Entwicklung attraktiver Innenstädte abzielt, unterstützt er auch meine ureigenen Interessen als Unternehmerin. Catina Jäkel Inhaberin der Parfümerie Catina International, Vertreterin der Landesarbeitsgemeinschaft der sächsischen Industrie- und Handelskammern Städte und Gemeinden lieben. Die Edeka steht genau wie auch die Projekte von „Ab in die Mitte!“ für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung.  Wir unterstützen die Kommunen im integrierten Bereich als Standentwicklungspartner und beleben die Innenstadt. Unsere gemeinsamen Ziele sind florierende Innenstädte. Christoph Grundmann Prokurist, Geschäftsbereichsleiter Expansion und Immobilien EDEKA Grundstücksgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen mbH 7

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Unsere Hauptsponsoren Gab es im Jahr 2015 herausragende Projekte oder auch Begegnungen in Zusammenhang mit „Ab in die Mitte!“ bzw. was hat den Wettbewerb 2015 besonders ausgezeichnet? Ich persönlich war davon beeindruckt, wie in zahlreichen Wettbewerbsbeiträgen des Jahres 2015 die Innenstadt mit online-Ideen vernetzt wurde. Mehrere nützliche Apps haben mich begeistert. Das zeigt: Persönlicher und digitaler Kontakt können einander gut ergänzen. Andreas Woda Vorstand Leipziger Volksbank eG Die Vielzahl kreativer Ideen, die die eingereichten Projekte auszeichnet haben, hätte weitaus mehr Gewinner verdient.  Die gilt auch gerade vor dem Hintergrund, dass die Wettbewerbsbeiträge auf einem breiten gemeinschaftlichen Engagement fundieren. Ein solcher Gemeinsinn stärkt die Stadtgesellschaft. Die Preisträger sind damit sinnbildlich Repräsentanten für alle Beiträge und sollten Ansporn für alle Städte sein, beim Wettbewerb 2016 den „Hut in den Ring zu werfen“. Karl-Heinz König Leiter Business Development Deutschland, MK Illumination Handels GmbH Der Wettbewerb 2015 war von einer guten Beteiligung gekennzeichnet, die eingereichten Beiträge kamen in hoher Qualität und dicht beieinander ins Ziel. Gunter Engelmann-Merkel Geschäftsführer Handelsverband Sachsen e. V. 8

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Unsere Hauptsponsoren Es war für mich eine besondere Ehre, als Jurorin zu wirken. Eine solche Vielfalt an Ideen für unsere sächsischen Städte hat mich beeindruckt. Es freut mich, dass auch einige Teilnehmerstädte die Notwendigkeit erkannt haben, sich intensiv mit den digitalen Medien auseinanderzusetzen. Kleinflächige Ladenkonzepte überzeugten mit alternativen Ideen für die Zukunft. Catina Jäkel Inhaberin der Parfümerie Catina International, Vertreterin der Landesarbeitsgemeinschaft der sächsischen Industrie- und Handelskammern Projekte wie „Kamenz – Neue Altstadt Kamenz eG – Frischer Wind in alten Gemäuern“ sind in diesem Jahr besonders herausragend. Durch die Bildung einer Genossenschaft sollen leerstehende Häuser in der Kamenzer Altstadt von den engagierten Bürgern erneuert und wiederbelebt werden. Engagierte Kamenzer Bürger bündeln für die Wiederbelebung ihrer Altstadt ihre Kräfte und finanziellen Mittel. Dieser Genossenschaftsgedanke in Verbindung mit einer belebten Innenstadt entspricht unserer Firmenphilosophie. Christoph Grundmann Prokurist, Geschäftsbereichsleiter Expansion und Immobilien EDEKA Grundstücksgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen mbH 9

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Extraseite Reimann 10

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Prolog Der sächsische Städtewettbewerb mit neuem Schwung 26 Städte und Gemeinden haben sich 2015 an „Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen“ beteiligt – so viele wie schon seit Jahren nicht mehr. Zur Bekanntgabe der Preisträger auf dem Schloß Hartenfels in Torgau konnten sich erneut mehrere Städte über Preise zu 30.000, 20.000, 10.000 oder 5.000 Euro freuen Nicht nur die sich fortsetzende Steigerung der Teilnehmer am Wettbewerb beeindruckt und bestärkt zur Fortführung des Wettbewerbs, sondern die oft wiederholte, immer breiter geäußerte Meinung, dass „Ab in die Mitte!“ in Sachsen zu einer anerkannten Möglichkeit der „offenen“ und kreativen Stadtentwicklung geworden ist. Abschlussveranstaltung im Stadtbad Annaberg-Buchholz 2014 „Wir finden den Wettbewerb einfach klasse, weil er den Städten Sachsens Impulse gibt und Chancen aufzeigt, die man so vorher gar nicht im Blick hatte“ Olaf Raschke, Oberbürgermeister von Meißen Privatinitiativen und Unternehmen, Bürger und Interessensgemeinschaften oder Vereine tun sich mit den Verantwortlichen der Stadt zusammen und entwickeln gemeinsam interessante Ideen oder gar schon konkrete Projekte zur Stärkung der Stadtzentren. Private Initiativen können dies zunächst auch in Eigenregie, sofern die Konzepte in die Ziele der Stadtentwicklung passen und von der Stadtpolitik mit getragen werden. Durch die Vorgabe eines so genannten „Jahresmottos“ werden jedes Jahr neu die Gedanken angeregt und vielleicht schon in eine bestimmte Richtung gelenkt. Das Jahresmotto entsteht dabei aus einer zunächst sehr breit geführten Diskussion im Initiativkreis. Hier spielen schließlich viele Interessenslagen, Sichtweisen zu Anforderungen an die zukünftige Entwicklung in unseren Zentren eine große Rolle. Darüber hinaus ist auch darauf zu achten, dass das Motto nicht zu einseitig, zu stark nur auf einen Entwicklungsbereich lenkt. Ziel ist es, möglichst viele (Interessens-)Gruppen anzusprechen und zur Mitwirkung im Wettbewerb anzuregen. So muss das Jahresmotto auch stets eine Bandbreite an neuen, kreativen Ansätzen zu (inner-)städtischen Projekten zulassen. Das Jahresmotto von 2015 „Lebensgefühl Stadt – Tradition modern (er)leben“ konnte sicher zu vielen unterschiedlichen Projektansätzen führen. 11

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Prolog „Dieser Wettbewerb ist für uns sehr wichtig, vor allem als Ideengeber. Wir können schauen, was machen die anderen. Aber wir erhalten auch ein Thema vorgegeben, eine Leitlinie, und danach kann man sich etwas einfallen lassen“ Dr. Marko Metzler, Projektleiter Stadtmarketing Oederan Das Engagement für den Städtewettbewerb in Sachsen wächst weiter. Ziel ist es, dass nicht nur „Auserwählte“ zur permanenten Unterstützung beitragen, sondern „Ab in die Mitte!“ als Plattform für ein sehr breites Engagement gesehen und genutzt werden. Dies wird von den Erst-Initiatoren ausdrücklich begrüßt. Durch eigene weitere Schritte in der aktiven Beteiligung soll diesem Ziel unmittelbar gedient werden: „Es freut mich, dass es diese Initiative gibt, denn wir brauchen erlebbare Städte und Zentren. Wir sehen hier ein großes Potenzial. Es ist sehr schön, dass das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit dem Innenministerium immer im Wechsel diese Initiative begleitet.“ Barbara Meyer, Ministerium für Wirtschaft und Arbeit Es interessieren sich neben den langjährigen Partnern hierfür nun auch Unternehmen aus Branchen, die vorher nicht im „Blickfeld“ der Akteure für innerstädtische Entwicklungen stehen. Das wird auch eine Aufgabe für die nächsten „Ab in die Mitte!“-Jahre sein: Unternehmen und Institutionen ins Bewusstsein zu rufen, dass die Zentren unserer Städte künftig nicht nur als Treffpunkt für Einzelhandelskunden, Restaurantbesucher, Kinogänger oder Arztpatienten sind. Leben, arbeiten, bilden, gesund erhalten, erholen, unterhalten oder miteinander kommunizieren – dies und viele Aufgaben mehr sollten sich in den Zentren konzentrieren, zu einer abwechslungsreichen, interessanten Verdichtung der Lebensräume führen. Davon profitieren nicht nur Handels- und Gastronomiebetriebe, Banken oder Freizeitunternehmen, sondern viele Unternehmen und Institutionen, die mittel- und unmittelbar an der Gestaltung und Entwicklung unserer (Innen-)städte beteiligt sind. Ob Energielieferanten, Reinigungsfirmen, Verkehrsbetriebe oder Dienstleister für Mobilität, Kommunikation, Waren- und Leistungsaustausch, Konsumgüterhersteller, Ladenausstatter – die Bandbreite kann gar nicht weit genug gefasst werden. Beiteiligung der Städte: Jahr Anzahl 2004 87 2005 40 2006 31 2007 29 2008 21 2009 19 2010 30 2011 28 2012 23 2013 21 2014 22 2015 26 12

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Prolog Wir müssen uns mehr und mehr bewusst werden, dass die über Jahrhunderte gewachsene Struktur der mitteleuropäischen Stadt mit Marktplatz, Zentrum, Handelswegen und vieles mehr sich nicht immer schwieriger aus eigener Kraft erhalten und entwickeln wird. Dazu leistet „Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen“ bzw. deren Akteure einen kleinen, aber wichtigen Beitrag. Die Ergebnisse des Wettbewerbs zeigen in beeindruckender Weise erneut, wie dankbar viele Städte dieses Angebot angenommen haben und welch kreatives Potenzial daraus entstehen kann. Neben den Statements der Hauptinitiatoren und Sponsoren wird dies insbesondere in den Projekterläuterungen zu den Preisträgern eindrucksvoll erläutert. Traditionell werden dann alle weiteren Projekte kurz vorgestellt. Alle Kurzerläuterungen können schließlich nochmals über unsere Homepage www.abindiemittesachsen.de eingesehen bzw. abgerufen werden. Nehmen Sie (An-)teil am Wettbewerb „Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen“. Dazu soll auch für den Wettbewerb 2015 diese Dokumentation helfen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen wieder viel Spaß und neue Motivation mit der Lektüre Ihr Organisationsbüro Die Zitate wurden dem „Ab in die Mitte!“-Film 2015 entnommen. Für den exakten Wortlaut übernehmen wir keine Gewähr. Abschlussveranstaltung im Stadtbad Annaberg-Buchholz 2014 13

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Der Kern der Europäischen Stadt Der Kern der Europäischen Stadt – Ort der sinnlichen Begegnung Die Siedlungsgeschichte unserer Städte, der Großen wie der Kleinen, hat einen gemeinsamen Kern, der bis in das frühe Mittelalter zurückreicht: Als mauerumwehrte Ansiedlungen beherbergten sie alle Gewerke der damals üblichen Lebensform: Handwerk und Handel, weltliche und geistliche Macht, Gastronomie und „Gunst“gewerbe, etc. etc. Das, was wir heute als Stadtkerne bezeichnen und als äußerst dicht bebaute Ansammlung meist historisch anmutender Gebäude kennen, war über Jahrhunderte der städtische Lebensraum dieser Städte selbst. Keine monotonen Anhäufungen von kleinen Wohngebäuden am Stadtrand, keine Gewerbegebiete und Einkaufszentren an den Ausfallstraßen relativierten die räumliche Enge der alten Stadtkerne. Und mehr noch: Nur wer innerhalb der Mauer siedelte, erfreute sich einer relativen Sicherheit und war anerkannter Teil der Stadtgesellschaft. Abschlussveranstaltung im Stadtbad Annaberg-Buchholz 2014 Anders die weitläufigen angelsächsischen Siedlungen, wie zum Beispiel den Stadtgründungen an der Ostküste Nordamerikas im 16ten und 17ten Jahrhundert. Aufgrund des fehlenden Zwangs zur Befestigung und des Überangebotes an Bauland mutierte die ländliche Bauweise des freistehenden Gehöftes durch hundert- oder tausendfache Addition, also durch schiere QUANTITÄT, zu städtischen Agglomerationen. In Europa dagegen war die räumliche und kulturelle Weiterentwicklung der befestigten, also in ihrem Raumangebot stark eingeschränkten, Stadt nur durch eine QUALITATIVE Weiterentwicklung städtischer Lebens- und Bauformen möglich. Die uns heute bekannten historischen Hausformen der vielgeschossigen, Wand an Wand stehenden und mit hohen 14

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Der Kern der Europäischen Stadt Steildächern und vielen Lagerböden versehenen Gebäude, sind ein Evolutionsprodukt ursprünglich einfachster Siedlungshäuser, die im Laufe der Zeit durch den chronischen Platzmangel innerhalb der Befestigung zu komplexen und nutzungsgemischten Stadthäusern weitergebaut wurden. Dass eine Gruppe von Menschen in einem Haus gleichermaßen wohnt und arbeitet ist dabei nicht neu. Diese Lebensform lässt sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Das Besondere ist die Herausforderung, dass aufgrund der räumlichen Dichte dauerhaft erfolgreiches Stadtleben nur durch ständige Kommunikation, ständigen Interessenabgleich und Erfindungsreichtum zu bewerkstelligen war. Das Neben-, Durch- und Übereinander unterschiedlichster Handwerksformen, sozialer Bedürfnisse, Formen des Warenaustausches und des Austausches von Wertvorstellungen erforderte zudem eine stetige Evolution der gesellschaftlichen Organisation. Die Ständeregeln des 15ten und 16ten Jahrhunderts beispielsweise legen davon beredtes Zeugnis ab. Die Form der heute als „Europäische Stadt“ bezeichneten mittelalterlichen Siedlungsweise war somit nicht nur eine Form der Sicherung gesellschaftlichen Lebens zu dieser Zeit, sondern zugleich ein Sozial- und Architekturlabor der besonderen Art, in dem die geistigen und technischen Grundlagen der modernen Gesellschaft gelegt wurden. Heute sind unsere historischen Stadtkerne weit davon entfernt diese Rolle weiter zu besetzen. Die Zentren der gesellschaftlichen Entwicklung haben sich verlagert, sind nicht mehr die Zentren der Stadt. Zwar sind sie meist Markenzeichen der um sie gelagerten Siedlungsfragmente, die wir heute „Stadt“ nennen und sie bilden die Kulisse touristischer Interessen und Vermarktung. Aber was sollte uns darüber hinaus dazu veranlassen diese zwar historisch besonderen aber eben auch besonders stark transformierten Orte einer besonderen Aufmerksamkeit und Investition teilhaftig werden zu lassen? Einiges! Das Raumgefüge der historischen Stadtkerne, die über Jahrhunderte mit ihren Marktplätzen und öffentlichen Räumen die Bühne städtischer Lebensentfaltung darstellten, wird nicht von ungefähr das „Gedächtnis“ der Stadt genannt. 15

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