Calluna Frühling 2016

 

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Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide, Ausgabe Frühling 2016

Popular Pages


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www.calluna-magazin.de Nr. 68/18. Jahrgang Frühling 2016 Da s Vier-Jahreszeiten-Maga zin der Südheide Calluna 1

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LANDE-PLÄTZE für ENTCHENSAMMLER WER FRÖHLICH ZU SEINEN VORLIEBEN STEHT, MACHT HIER EINE PUNKTLANDUNG. Denn mit unserer Erfahrung finden wir für jeden Bad-Wunsch die passende Komplettlösung, gerne mit viel Auslauf für schräge Wasservögel. Kommen Sie einfach in unsere Ausstellung und lassen Sie sich auf 600 Quadratmetern von den neuen Trends anregen. Unsere Experten verraten Ihnen dann, wie aus guten Ideen Ihr persönliches Traumbad wird – und vielleicht können Sie sich auch für die neueste Energie- und Heiztechnik erwärmen. 2 Calluna MSM Bäder + Wärme GmbH | Schulstr. 23 | 29399 Wahrenholz | 0 58 35/ 9 60 - 0 | www.m-s-m.de MIT SICHERHEIT MEISTERHAFT

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EDITORIAL INHALT Liebe Leserin, lieber Leser eines meiner aktuellen Lieblingslieder ist »Steine«* von Axel Bosse. Bei der Produktion dieser Ausgabe hätte ich es in Endlosschleife hören können, denn es passt so schön zu unserem Thema in der Heftmitte. Während die Steine in Bosses Lied sinnbildlich für all die persönlichen Altlasten stehen, die es »Stein um Stein« aus dem Weg zu räumen gilt, geht es in unserer Geschichte um »echte« Steine – um jene, die mit dem eiszeitlichen Eis aus Skandinavien zu uns in die Heide kamen. Seitdem sind wir hier in dieser Gegend buchstäblich steinreich. Meine Kollegin Christine Kohnke-Löbert hat sich auf die Spur der Steine begeben. Bei einer Wanderung durch Suderburg und Umgebung fand sie viele interessante Beispiele dafür, wie die Menschen in dieser Gegend ihren Steinreichtum genutzt haben. Damit sie die Steine nicht nur im Bild betrachten, sondern sie auch mit ihren Fingern fühlen können, haben wir die Geschichte »Auf der Spur der Steine« auf Steinpapier gedruckt. Dabei ging es uns allerdings nicht nur um das haptische Erlebnis beim Greifen dieses speziellen Papiers, dessen faszinierende Eigenschaften wir Ihnen auf Seite 34 vorstellen, sondern wir wollen deutlich machen, dass Papier im digitalen Zeitalter durchaus zukunftsfähig sein kann. Für Steinpapier muss kein einziger Baum gefällt werden. Es wird nämlich aus Steinmehl gemacht, das vorzugsweise aus Bauschutt gewonnen wird. Noch ist dieses Recyclingprodukt zu teuer, um zum Beispiel das gesamte Heft darauf zu drucken, aber mit zunehmender Nachfrage dürften die Preise bald purzeln und das Steinpapier zu einer interessanten Alternative zum Zellulosepapier werden. Bis es soweit ist, drucken wir dieses Magazin weiterhin auf unserem bewährten und mit dem Umweltsiegel Blauer Engel ausgezeichneten Recyclingpapier. Bei der Beschäftigung mit dem Thema Steine habe ich übrigens etwas gelernt: Bosse ist nicht nur der Name eines Musikers, der über Steine singt, sondern auch die im Bauwesen übliche Bezeichnung für das überstehende Material eines Natursteines in einer Mauer. Bosse geht zurück auf den mittelhochdeutschen Begriff bozen, der schlagen bedeutet. Mauerwerk aus Steinquadern, deren Stirnseite nur grob behauen (bossiert) ist, wird Bossenwerk genannt, und diese Bezeichnung passt wiederum perfekt auf das oben erwähnte Lied, und das ist überhaupt nicht abwertend gemeint. Bei einem anderen Thema muss endlich, meinen wir, der Stein ins Rollen gebracht werden: Elektromobilität. Und welche Zeit eignet sich besser als der Frühling, um ein wenig Aufbruchstimmung zu verbreiten!? Wir haben die Elektromobilität deshalb zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe gemacht und hoffen, Ihnen auf insgesamt 14 Seiten einige Impulse geben zu können. Lassen Sie mich noch einmal auf das Thema Steine zurückkommen: Früher galt etwas, an dem es nichts zu rütteln gibt, als in Stein gehauen. Heute sagt man, es ist zementiert. Wie auch immer, fest steht: Der Frühling ist und bleibt – unabhängig vom zuweilen launischen Wetter und all den Krisen, die Europa und die Welt aktuell zu bewältigen haben – eine wundervolle Jahreszeit, und zwar im wahrsten Wortsinn. Wie in der Natur nach der Winterruhe wieder das Leben erwacht, Blüten und Blätter sprießen und in Wald und Wiesen Tierkinder geboren werden, das sind doch lauter Wunder, finden Sie das nicht auch? Vielleicht können wir Sie mit den Geschichten in diesem Heft ein wenig inspirieren. Lassen auch Sie sich vom Zauber des Frühlings beflügeln – und genießen Sie diese wundervolle Jahreszeit! * Bis bald im Sommer! TOP TEN Die 10 schönsten Orte, um den Frühling zu begrüßen VARIATIONEN IN VIOLETT Frühlingsimpressionen ELEKTRISIERT Die Südheide unter Strom KLEINE SCHLAPPEN, GROSSER SPASS Mit Elektrofahrrädern auf Grenzlandtour BÜRGERMEISTER UND I:SY RIDER Hans-Hermann Hoff – mit E-Rad im Dienst MARKE EIGENBAU Skateboards und Tretroller mit Elektroantrieb DA KOMMT WAS INS ROLLEN ... Startup bringt Elektroroller auf die Straße E WIE ENZIAN UND ELEKTROAUTO Karl-Heinz Wöhling (88) tankt Strom FRECHE FRISCHLINGE Die Kinderstube der Wildtiere DAS ORCHESTER VERLIERT SEINE MUSIKER 50 Jahre Vogelbeobachtung VOM GEMEINGUT ZUM ALLEINGUT Körner und Konzerne JEDE SORTE HAT IHRE GESCHICHTEҐNґ Bernd Reitemeyer mag altes Gemüse DIE SPUR DER STEINE Unterwegs in der steinreichen Heide SCHWARZES GOLD UNTERM HEIDESAND Radtour auf der Spur des Erdöls ZEITLOS SCHLÄGT DIE STUNDE Die Turmuhr der Klosterkirche Medingen JUGENDSTIL UND FACHWERK Das Wellmannsche Haus in Hankensbüttel ZWISCHEN UELZEN UND ADDIS ABEBA Anne Schorling – auf zwei Kontinenten zu Hause VON DER WATERKANT IN DIE HEIDE Plattschnacker Niels Tümmler Besser leben SüdheideKalender Buchempfehlungen Calluna-Partner Plattdüütsch Impressum Kontakt redaktion@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 98 40 anzeigen@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 99 38 www.calluna-magazin.de CallunaMagazin 4 5 6 7 12 13 14 18 20 24 28 29 31 35 46 49 58 61 42 52 36 40 62 6 Titelbild (Blühende Reneclaude im Calluna-Garten in Oerrel): Inka Lykka Korth / Teaserfotos: Christine Kohnke-Löbert Inka Lykka Korth + Das Calluna+-Logo am Ende einer Geschichte signalisiert Ihnen, dass Sie diese Geschichte auch im Internet finden, angereichert mit weiteren Bildern und teilweise auch mit Karten und kurzen Filmsequenzen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass dieses kostenfreie redaktionelle Zusatzangebot unseren Abonnenten und Anzeigenkunden vorbehalten ist. Wenn Sie Abonnent sind, schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit Ihrem Namen und Ihrer Abo-Nummer, die Sie auf Ihrer Abo-Rechnung finden, an die Adresse plus@calluna-magazin.de, und Sie erhalten von uns den Link zu Calluna+. Sie haben noch kein Calluna-Abo? Kein Problem, schicken Sie einfach eine E-Mail mit ihrer Adresse an abo@calluna-magazin.de. Bei allen neuen Abonnenten bedanken wir uns mit zwei Freikarten für das Museumsdorf Hösseringen. Calluna 3

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LIEBLINGSORTE TOP TEN DIE 10 SCHÖNSTEN ... ... Orte in der Südheide, um den Frühling zu begrüßen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Das „Himmelreich“ bei Jarnsen – so traumhaft schön wie sein Name Die Nachtigallinsel im Hankensbütteler Hagen – unterm Laubdach der Buchen Die Seewiesen in Bad Bodenteich – grünes Marschland in der Heide Der Aussichtsturm im Postmoor bei Bargfeld – Fernglas mitnehmen! Die Aschauteiche bei Eschede – ein von Menschen geschaffenes Naturparadies Der Stadtpark Uelzen – seltene Bäume und Blumenwiesen an der Ilmenau Das gelbe Löwenzahnblütenmeer im Ochsenmoor bei Emmen Das Viehmoor bei Leiferde – vor allem die Vogelfreunde frohlocken Die Bullenkuhle bei Bokel – frisches Birkengrün und später weißes Wollgras Die Gasse zwischen Ring- und Turmstraße in Uelzen – wenn die Kirschen blühen Relaxen im Schatten eines Baumes auf einer Blumenwiese im Uelzener Stadtpark. Foto: Christine Kohnke-Löbert Gerne würden wir diese subjektive Auswahl ergänzen. Mailen Sie uns bitte, möglichst mit Bild und kurzer Beschreibung, Ihren „Geheimtipp“ für den Frühling in der Südheide und wir veröffentlichen ihn auf calluna-magazin.de. Der Ort sollte öffentlich zugänglich sein. lieblingsorte@calluna-magazin.de Gifhorn|Naturstrom – der Wechsel zu grünem Strom ist ganz einfach! Kundenbüro Torstraße 7 . 38518 Gifhorn Telefon 05371 8393-789 www.stadtwerke-gifhorn.de 4 Calluna

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FRÜHLINGSIMPRESSIONEN 1 Krokusse 2 Anemonen 3 wilde Stiefmütterchen 4 Beinwell 5 Schnittlauch 6 Sumpfkratzdistel 7 Kartoffel 8 Lupine gr. Bild: Flieder 1 2 3 Gelb und Grün – das sind die typischen Frühlingsfarben. Aber Violett? Ist das nicht die Farbe des Spätsommers, der Heideblüte? Ja, dennoch ist Violett auch eine Frühlingsfarbe, und da sie gemeinhin für alle Farbtöne zwischen Rot und Blau gebraucht wird, gibt es vielerlei Variationen. Eine kleine Auswahl zeigen wir hier zur Einstimmung auf die blütenreichste Jahreszeit. Viel Vergnügen! Fotos: Inka Lykka Korth 4 VARIATIONEN IN VIOLETT 6 7 Calluna 5 5 8

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IMPRESSUM E҃MOBILITÄT Das Südheide-Magazin Calluna erscheint vierteljährlich im Verlag Gifhorn · Oerrel · Uelzen HERAUSGEBERINNEN Merle Höfermann, Inka Lykka Korth REDAKTION Inka Lykka Korth (verantwortlich) inka.korth@calluna-medien.de Christine Kohnke-Löbert christine.kohnke@calluna-medien.de AUTOREN Marion Korth, Niels Tümmler LAYOUT Inka Lykka Korth ANZEIGENGESTALTUNG Friederike Kohnke friederike.kohnke@calluna-medien.de ANZEIGENVERKAUF Jennifer Mallas (verantwortlich) jennifer.mallas@calluna-medien.de Werner Remus werner.remus@calluna-medien.de Susanne Knöpfle / telemotion susanne.knoepfle@calluna-medien.de DRUCK MHD Druck und Service GmbH, Hermannsburg AUFLAGE 12.500 Exemplare ABO ҃JAHRESBEZUGSPREIS 10,- Euro inkl. Porto und Versand REPRODUKTIONEN jeglicher Art, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. KLIMA҃ UND UMWELTSCHUTZ Calluna wird mit mineralölfreien Druckfarben auf hochwertigem Recyclingpapier gedruckt, das mit dem Umweltsiegel Blauer Engel ausgezeichnet ist. Die beim Druck freigesetzten Treibhausgase werden durch Investitionen in zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. ELEKTRISIERT Der Frühling ist die Zeit des Aufbruchs. Calluna steht bei den ersten Ausfahrten ins Grüne diesmal unter Strom – und macht die E-Mobilität in der Südheide zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe. hne Lärm und ohne Abgase in den Frühling starten und die erblühende Natur genießen – wäre das nicht ein guter Vorsatz für uns alle? Also schwingen wir uns aufs Fahrrad oder schnüren die Lauf- oder Wanderschuhe! Das könnte klappen, aber wahrscheinlich nur am Wochenende oder in den Ferien. Für die tägliche Fahrt zur Arbeit und zum Einkaufen und für etwas längere Ausflüge würden sich die wenigsten von uns allein auf ihre Muskelkraft verlassen wollen, zumal nach der naturgemäß an Outdoor-Aktivitäten ärmeren Winterzeit es um die Kondition vielleicht nicht zum Besten bestellt ist. Wir haben uns deshalb nach elektrisch angetriebenen Alternativen zu zwei- und vierrädrigen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor umgesehen – und für Sie ausprobiert. Auf den folgenden Seiten finden Sie einige hoffentlich elektrisierende Geschichten zu dem Thema. Weitere werden folgen – schreiben Sie uns eine E-Mail an redaktion@calluna-magazin.de, wenn auch Sie schon elektrisch unterwegs sind oder sogar schon einen Schritt weiter sind und sich ganz von fossilen Energieträgern verabschiedet haben. Vielleicht kommen wir Sie dann für eine Geschichte in einer der nächsten Ausgaben besuchen. Eine Million Elektroautos will die Bundesregierung bis 2020 auf die Straße bringen. Ob sich dieses ehrgeizige Ziel in der kurzen Zeit, die bis dahin noch verbleibt, überhaupt erreichen lässt, ist fraglich. Allein mit einer staatlichen Förderprämie für Käufer von Elektroautos ist es sicher nicht getan. Es hängt auch vom Angebot praxistauglicher Elektroautos ab. Bei den Zweirädern gibt es davon bereits reichlich. Die Technik ist ausgereift, die Fahrzeuge sind bezahlbar. Neben Elektrofahrrädern kommen zunehmend auch elektrisch betriebene Roller und Motorräder auf den Markt – und sogar viele Skateboardfahrer flitzen schon mit »eingebautem Rückenwind«.      Print kompensiert Id-Nr. 1654131 www.bvdm-online.de KONTAKT www.calluna-magazin.de CallunaMagazin REDAKTION redak ঞon@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 98 40 ANZEIGENABTEILUNG anzeigen@calluna-magazin.de Telefon 0 58 32/97 99 38 Telefax 0 58 32/97 98 41 BÜRO GIFHORN Steinweg 3 · 38518 GiAorn Telefon 0 53 71/555 06 BÜRO ISENHAGENER LAND Oerreler Dorfstraße 22 29386 Dedelstorf-Oerrel Tel. 0 58 32/97 98 40 BÜRO UELZEN Gartenstraße 16 29525 Uelzen Tel. 05 81/97 39 20 71 O Ihr Partner für alles rund um den Druck Damit unser Klima geschützt wird, drucken wir auf Wunsch CO2-neutral auf FSC®-, Recycling- und diversem anderen Papier. Zusätzlich setzen wir Bio-Farbe ein, drucken alkoholreduziert, verwenden chemielose Druckplatten und beziehen Öko-Strom. Die hohe Nachfrage nach herkömmlichen Papieren führt zu einer Suche nach umweltfreundlicheren Alternativen, wie dem Stein- oder Graspapier. Diese Papiere setzen ganz neue Maßstäbe in puncto umweltfreundliches Papier. Probieren Sie es gemeinsam mit uns aus. Wir stehen Ihnen zur Seite. MHD Druck und Service GmbH Harmsstraße 6, 29320 Hermannsburg Telefon: 05052 | 9125-0, Telefax: 05052 | 9125-22 info@mhd-druck.de, www.mhd-druck.de                 0 17,5 35 52,5 70 Südheide-Schau MHD-Umweltsong Der Bestand an reinen Elektrofahrzeugen in den Südheide-Landkreisen Celle, Gifhorn und Uelzen. Die aus Celle und Gifhorn gemeldeten aktuellen Zahlen geben den Stand Anfang März wieder, die Zahl aus Uelzen die vom Jahresende 2015. Calluna-Grafik 6 Calluna

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E҃MOBILITÄT Aus dem Wald hinaus und hinein in eine sanft gewellte Wiesenlandschaft – wir nähern uns aus südlicher Richtung der Lütjemühle. Kleine Schlappen, großer Spaß ZWEI i:SY RIDER MIT PEDELECS AUF GRENZLANDTOUR INKA LYKKA KORTH / Text / Fotos er erste schöne Frühlingstag dieses Jahres. Perfekt für die erste Radtour dieses Jahres. Wir wollen viel vom blauen Himmel sehen, die Wärme der Sonne spüren, die allmählich aus dem Winterschlaf erwachende Natur genießen und die ersten Frühlingsblüher in den Gärten und am Wegesrand entdecken. Schnell ist klar: Die Tour sollte möglichst wenig durch den Wald führen, wo es noch kalt und ungemütlich ist und wo die Laubbäume noch ohne Blätter sind, sondern überwiegend durch offene Landschaft mit grünen Wiesen und weiten, unverbauten Ausblicken. Da so früh im Jahr viele Wege noch ziemlich matschig sind, würden wir am liebsten auf kleinen, befestigten Nebenstraßen unterwegs sein, und es wäre nicht schlecht, wenn die Tour in Knesebeck beginnen und enden würde, denn dort warten zwei Pedelecs auf uns. Wir werden sie auf dieser Tour testen. Zu Hause am Bildschirm wird die Route festgelegt. Von Knesebeck aus werden wir über Mahnburg, Ohrdorf, Haselhorst, Lindhof und Molmke bis nach Diesdorf fahren und von dort in einem nördlichen Bogen über Schadewohl, Bergmoor, Reddigau, Erpensen, Rade, Su- D derwittingen und Hagen wieder zurück zum Ausgangspunkt gelangen – insgesamt eine Strecke von etwas mehr als 40 Kilometern, die auch ohne Motorunterstützung gut zu bewältigen wäre, aber mit »eingebautem Rückenwind« zur genussvollen Spazierfahrt werden dürfte, so wie man es sich zum Start in die Fahrradsaison wünscht. In Knesebeck wollen wir umsatteln und i:SY Rider werden. Dort befindet sich die einzige i:SY-Station der gesamten Südheide. Die Bezeichnung i:SY steht für ein eigenständiges Fahrradkonzept, das jahrelang ein Nischendasein führte, inzwischen aber immer mehr Freunde findet, und das liegt zum großen Teil daran, dass die Firma Hartje in Hoya als eine der führenden deutschen Fahrradmanufakturen das Potenzial der kleinen Marke erkannt und sie unter ihr großes Dach geholt hat. Während immer mehr Radfahrer – wir machen da keine Ausnahme – nicht nur ein Fahrrad in der Garage stehen haben, sondern mehrere – für jeden Einsatzzweck eins, zum Beispiel ein Renn-Rad, ein Trekking-Rad, ein Mountain-Bike, ein Faltrad und ein Pedelec –, versteht sich das i:SY als Allround-Fahrrad. Ein Fahrrad für alle Einsatzzwecke, für alle Familienmitglieder und mit jeder Körpergröße in aufrechter Sitzpositionzu fahren – ganz easy, oder? Calluna 7

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E҃MOBILITÄT AschauTeiche Das wird sich unterwegs herausstellen. Kann ein Rad mit 20 Zoll kleinen Laufrädern denn überhaupt tourentauglich sein? Ist das nicht mehr etwas für die Stadt? Die anfängliche Skepsis ist schon nach den ersten Metern verflogen. Das Fahrrad passt perfekt sowohl für die ziemlich große als auch für die ziemlich kleine Fahrerin, und es fährt sich erstaunlicherweise fast wie ein »normales«. Wir merken kaum, dass wir auf 20-Zöllern unterwegs sind. Dank der eigenwilligen, aber durchdachten Rahmengeometrie mit tiefem Schwerpunkt und zusätzlicher Versteifung des Rahmens durch zwei zusätzliche Streben hat das Rad eine verblüffend gute Straßenlage. Dass die 20-Zöller sensibel auf jede Lenkerbewegung reagieren, wissen wir von unseren Falträdern. Aber auch Radfahrer, die 28-Zöller gewohnt sind, werden sich schnell daran gewöhnen – und die Wendigkeit schätzen lernen. Die kleinen Laufräder lassen sich schneller beschleunigen als große und machen das i:SY in Verbindung mit dem kraftvollen Bosch-Motor sehr sprintstark. Auf Schlaglochpisten sind die kleinen Räder zwar kein Vergnügen, auch wenn sich die Ballonreifen (»Big Apple« von Schwalbe) redlich bemühen, die Stöße abzufangen. Wer überwiegend auf schlechten Straßen oder Feldwegen fährt, sollte vielleicht eine Federsattelstütze montieren. Gut, dass wir das schlechteste Stück Wegstrecke schon gleich am Anfang der Tour hinter uns gelassen haben. Wir sind von Knesebeck in südöstliche Richtung und dann auf der kleinen Straße am Zaun der VW-Teststrecke entlang bis zu der Abzweigung nach links in Richtung Lütjemühle gefahren. Nach Holzeinschlag und -abtransport war der Weg kaum mehr befahrbar – zum Glück nur auf ein paar hundert Metern. Jetzt blicken wir auf die in einem grünen Tal gelegene Lütjemühle, deren Geschichte nachweislich bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Als wir am Mühlenteich vorbeifahren, fliegt ein Fischreiher auf, und am Ufer sonnen sich Wildgänse. Hinter der Lütjemühle biegen wir rechts ab und folgen dem Feldweg nach Mahnburg. Auf der schmalen, kaum befahrenen Straße von Mahnburg nach Ohrdorf treten wir kräftig in die Pedale und erhöhen unsere Geschwindigkeit auf 27 km/h. Dass den gesetzlichen Bestimmungen gemäße Abschalten des Motors merken wir ebensowenig wie das erneute Zuschalten, als wir wieder etwas langsamer werden. Das kleine »Helferlein« im Tretlager verrichtet seine Arbeit so diskret und ruckelfrei, dass wir es gar nicht mehr bewusst wahrnehmen und doch dankbar sind, so entspannt und ohne großen Kraftaufwand unterwegs sein zu können. Alsbald kommt inmitten der weitläufigen, ausgeräumten Landschaft, die als Ackerland genutzt wird, die weiße Ohrdorfer Mühle in unser Blickfeld, die wir in diesem Magazin schon einmal ausführlich vorgestellt haben (damals war sie noch flügellos). Einmal mehr fasziniert uns das Bild mit der kleinen, alten Windmühle im Vordergrund und den neuen, turmhohen Windkraftanlagen im Hintergrund, illustriert es doch schön das Thema Windkraftnutzung im Wandel der Zeit. Dank der Kraft des Windes und der Sonne können wir heutzutage unsere Elektro-Fahrräder mit Öko-Strom »betanken«. Zwischen Mahnburg und Haselhorst passieren wir die Brücke über die Ohre und damit die ehemalige innerdeutsche Grenze, die heute die Landgrenze zwischen Niedersachsen und SachsenAnhalt bildet. In Haselhorst, das Jahrzehnte lang im Sperrgebiet lag, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Zwar sind einige der wenigen Häuser hier behutsam renoviert und wieder be- 8 Calluna

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E҃MOBILITÄT 1 2 3 4 5 6 1 Am Mühlenteich in Knesebeck – Start und Ziel unserer Grenzlandtour. 2 Bei den Bäumen endet die Südheide – wir fahren trotzdem weiter. Der nächste Ort heißt Haselhorst. 3 Zwischen Haselhorst und Lindhof können wir testen, wie gut die Ballonreifen der 20-Zöller Stöße abfangen. 4 Der Grenzgraben zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an der Straße von Erpensen nach Reddigau. 5 i:SY Rider: Auf den verkehrsarmen Nebenstraßen lässt es sich entspannt fahren. 6 Von Molmke führt ein Radweg nach Diesdorf. 7 Das erste, das was wir von Diesdorf sehen, ist die Bockwindmühle im Freilichtmuseum. 8 Alte Fachwerkhäuser auf dem Museumsgelände. 9 Bei unser Frühstückspause in Bergmoor bekommen wir Besuch. 10 Die dicke Backsteinmauer gehört zur Alten Darre in Diesdorf. 11 In Knesebeck werden wir von einer Hühnerschar begrüßt. 12 Schöne Rücken können auch entzücken: Heidschnucken in Erpensen. 13 Vor dem Treppenspeicher (Haus der Landschaft) in Knesebeck blühen Krokusse. 7 8 9 10 Calluna 9 11 12 13

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E҃MOBILITÄT Knesebeck Mittelstrasse 1 Tel.: 05834-5261 Fahrräder sind unsere Leidenschaft Deshalb sind wir jetzt - Station Starkes E-Rad + Kompakt-Rad Eigenständes Design Perfekte Fahreigenschaften Qualität ohne Kompromisse Die große Fahrrad-Auswahl im Nordkreis Lilies Räder laufen leichter... www.lilie-knesebeck.de RadReiseRegion Radreiseregion Uelzen Neue Radkarte mit 36 Thementouren auf über 900 km Routennetz Detailkarten und Infotafeln zu allen Strecken Kostenlose E-Bike-Ladestation Herzogenplatz 2, 29525 Uelzen Tel. (05 81) 7 30 40 info@heideregion-uelzen.de www.heideregion-uelzen.de HEIDEREGION UELZEN wohnt, aber andere stehen leer und sind offenbar dem Verfall preisgegeben. Dennoch hat der winzige Ort durchaus Charme. Die Straße nach Lindhof ist ein mit Asphalt ausgebesserter Kolonnenweg aus Betonplatten, und wir setzen erneut Federsattelstützen zur Entlastung unserer Rücken auf die Wunschliste. Von Lindhof nach Molmke ist die Straße in tadellosem Zustand, und wir können uns ganz auf die schöne Aussicht konzentrieren. Auf einem neu angelegten Radweg, der erfreulicherweise um die großen, alten Weiden mit beeindruckendem Stammumfang herumgeführt worden ist, geht es jetzt weiter nach Diesdorf. Schon sehen wir die Windmühle des Freilichtmuseums, das mit alten Bauernhäusern, historischen Gärten und einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm lockt. Hätte es schon geöffnet – die Saison beginnt am 1. April und endet am 31. Oktober –, hätten wir dort einen Zwischenstopp eingelegt. Heute begnügen wir uns mit einem Blick über den Zaun und radeln weiter in den Ort. Für den in sanfthügeliger Landschaft gelegenen Altmark-Flecken sollte man sich unbedingt eine Stunde Zeit nehmen, gerne auch etwas mehr. Sehenswert sind der Marktplatz mit Wohnhäusern aus dem 18. bis 20. Jahrhundert in Fachwerk- und Backsteinbauweise, die spätromanische Klosterkirche, die einst als Brauund Backhaus genutzte Alte Darre des Klosters (heute heimatgeschichtliches Museum) und die weitgehend erhaltende Mauer um das ehemalige Klostergelände. Einen Besuch wert ist darüber hinaus die Diesdorfer Süßmost- und Weinkelterei mit Edeldestille – ein alt eingesessener Familienbetrieb, der Obst aus überwiegend regionalem Anbau zu hochwertigen Säften (neuerdings auch in Bio-Qualität), Fruchtweinen und edlen Destillaten veredelt. Radfahrer sollten sich die Degustation zumindest der alkoholischen Spezialitäten allerdings lieber für zu Hause aufsparen, denn die Promillegrenze gilt bekanntlich nicht nur für Autofahrer. Wir haben in Diesdorf ein wenig für ein spätes Frühstück eingekauft. Kaffee führen wir in der Thermoskanne mit uns. Bevor wir rasten, wollen wir aber noch einige Hügel unter die Räder nehmen, denn bislang sind wir mit den Pedelecs lediglich im Touren-Modus gefahren. Das ist nach dem Eco-Modus die zweite Unterstützungsstufe. Auf der ansteigenden Straße von Diesdorf nach Schadewohl schalten wir in den Sport-Modus um und rollen ohne jegliche Anstrengung hügelaufwärts. Die höchste Unterstützungsstufe bietet der Turbo-Modus, den wir später einmal kurz zuschalten, als wir geradewegs gegen den Westwind anfahren, aber wirklich benötigen wir ihn nicht. Gleichwohl macht er richtig Spaß und seinem Namen alle Ehren und zaubert den Pedalisten ein breites Grinsen ins Gesicht. Allerdings wird der Spaß auch mit erhöhtem Stromverbrauch und damit einer Verringerung der Reichweite erkauft. Das kleine Dorf Bergmoor liegt geradezu idyllisch am Fuß des 110 Meter hohen Schwabenbergs, auf dem sich zu DDR-Zeiten ein sowjetischer Horchposten befand. Rund 500 Soldaten waren dort in Spitzenzeiten der Abhörtätigkeit stationiert. Der von Wittingen aus gut sichtbare Turm, im Volksmund »Café Moskau« genannt, wurde im Juli 1998 gesprengt. Unten im Ort gibt es im Schatten einer dicken Eiche einen schönen Picknickplatz, den wir auf einer Winterwanderung entdeckt hatten und nun ansteuern. Gut gestärkt geht es durch Reddigau hindurch und an Neuekrug vorbei wieder Richtung Niedersachsen. Der erste Ort, den wir erreichen, ist Erpensen. Von dort aus fahren wir auf Nebenstraßen über Rade und Suderwittingen nach Hagen und weiter auf dem Radweg an der Straße entlang nach Knesebeck. Auf 10 Calluna

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AUSFLUGS E҃MOBILITÄT ZIEL dieser letzten Etappe passieren wir mehrere historische Mühlen: Stackmannsmühle, Baumgartenmühle, Krummühle und schließlich die Mühle direkt in Knesebeck. Am Mühlenteich lassen wir die schöne Radtour ausklingen, fotografieren die Krokusse am Ufer mit dem Treppenspeicher aus dem Jahr 1835 im Hintergrund, der als »Haus der Landschaft« eine Ausstellung zu den typischen Landschaftsformen der Südheide und mit den gebräuchlichen Werkzeugen der Waldarbeiter und Torfstecher beherbergt. Als wir gerade durch die Display-Informationen der Pedelecs klicken, um erfreut festzustellen, dass die Kapazität der Akkus noch für mindestens 30 weitere Kilometer im TourenModus gereicht hätte, bekommen wir am Teich Besuch von einer Hühnerschar mit Hahn – und finden dankbare Abnehmer für die Reste aus der Brötchentüte vom Freiluft-Frühstück in Bergmoor. Das i:SY hat sich trotz der kleinen Laufräder als uneingeschränkt tourentauglich erwiesen und unterwegs fleißig Pluspunkte gesammelt. Punktabzüge gibt es lediglich für die fehlende (aber nachrüstbare) Federsattelstütze und das kantige Design. Das i:SY ist keine Schönheit, aber wegen seiner eigenwilligen Rahmengeometrie dennoch ein Hingucker – ein E-Rad für Individualisten. Eine Karte mit dem Tourenverlauf und dem GPS-Track sowie Videoclips und Fotos finden Abonnenten und Inserenten unter calluna-magazin.de im Bereich Calluna+. + DIE TESTRÄDER Wir fuhren aus der fünf Modelle mit unterschiedlichen Antriebseinheiten umfassenden Driv:E-Serie – es gibt das i:SY auch noch als CAR:GO-Lastenrad und in einer L:itE-Version ohne Motor – das Modell mit 8-Gang-Shimano-Nexus-Schaltung und zusätzlicher Rücktrittbremse und dem im Gegensatz zum sportlichen Performance-Motor auf Komfort abgestimmten Active-Motor von Bosch (36 V/250 W). Der Lithium-Ionen-Akku hat eine Leistung von 400 Wattstunden und ist somit auch für längere Tagestouren ausreichend. Das i:SY rollt auf Big-Apple-Ballonreifen von Schwalbe. Dass keine Scheibenbremsen verbaut sind, lässt sich dank der gut zupackenden hydraulischen Magura-Felgenbremsen verschmerzen. Der zur Aufnahme von Gepäcktaschen hoch über dem Hinterrad montierte Gepäckträger ist serienmäßig, das abgebildete Front-Rack als Zubehör erhältlich. Die Testräder wurden uns von der Firma Lilie in Knesebeck zur Verfügung gestellt. INFO www.isy-bike.de Calluna 11

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E҃MOBILITÄT So flitzt Bürgermeister HansHermann Hoff zu seinen Terminen. 7HUPLQH 5XVWLNDOHV)UKVWFNVEXIIHW Sonntag, 24. April 2016 Muttertag, 8. Mai 2016 Pfingstsonntag, 15. Mai 2016 Sonntag, 5. Juni 2016 Hauptstraße 28 ʹ 29394 Lüder Tel. 05824/96500 Fax. 05824/965050 eMail: service@bauernhofhotel.de BÜRGERMEISTER UND i:SY҃RIDER Hans-Hermann Hoff macht Dienstfahrten am liebsten mit seinem grünen Pedelec CHRISTINE KOHNKE-LÖBERT / Text / Fotos _________________________________________________ www.bauernhofhotel.de Beginn jeweils ab 10.00 Uhr Voranmeldung erbeten! ½3HUVRQ  Sie planen Ihr Fest? Wir machen den Rest! - bis 120 Personen Reservieren Sie sich zeitnah den Termin für Ihre Feierlichkeit. FRAGEN SIE UNS! WIR KÖNNEN DAS! ͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺͺ Täglich ab 14.00 Uhr geöffnet! (Dienstags Ruhetag!) Selbstgebackene Torten und Kuchen, Kaffee-, Tee- und Eisspezialitäten Familienfeiern aller Art bis 120 Personen - Hotel - Ferienwohnung Kutsch- und Planwagenfahrten - Streicheltiere - Kinderspielplatz ă*XWEUJHUOLFKH.FKH EUJH UJH LF t saisonalen sa ais a ale le Spezialitäten mit ă*lVWH]LPPHU lVWH H PH ăFHLHUOLFKNHLWHQELVPersonen ă%LHUJDUWHQ Inhaberin Kerstin Dammann 'RUIVWUD‰Hă1HXGRUf3ODWHQGRUI Telefon: 0 53 78 - 98 19 17 Mobil: 0179 - 676 48 75 NRQWDNW#JDVWVWDHWWHKHLGHNUXJGHăwww.gaststaette-heidekrug.de as kleine grüne i:SY-Pedelec ist ein Markenzeichen: Wenn Suderburgs Bürgermeister Hans-Hermann Hoff einen Termin hat, dann lässt er sich erst einmal frischen Wind um die Nase wehen. Er fährt nämlich nicht mit dem Auto durch die Dörfer »seiner« Gemeinde, sondern ist seit zwei Jahren fast täglich mit dem E-Bike unterwegs. »Das Rad habe ich mir zur Pensionierung gegönnt«, erzählt er. Mit dem Gedanken, ein Elektrofahrrad anzuschaffen, habe er sich aber schon viel länger getragen. »Ich bin Fan von E-Mobilität und möchte auch mit meinem persönlichen Handeln zur Energiewende beitragen«, so der Bürgermeister, der immer schon begeisterter Radfahrer gewesen ist. »Im ländlichen Raum könnten Pedelecs teilweise den Autoverkehr ersetzen«, ist sich Hans-Hermann Hoff sicher. »Man muss ja Visionen haben.« Als Mitglied im örtlichen Tourismusverein liegt ihm auch der Radtourismus in der Region am Herzen. So kontrolliert er regelmäßig die Radwege rund um Suderburg und kommt auf diese Weise mit vielen Menschen ins Gespräch. Immer wieder muss er auf seinen Touren feststellen, dass die Unterhaltung der Radwege dringend verbessert werden müsste. Zum Beispiel die Strecke auf der Heerstraße zwischen Suderburg und Holxen, die zu den schönsten Routen der Gemeinde gehört, sei teilweise in schlechtem Zustand. »So können wir keine Werbung für den Radtourismus machen. Geschweige denn, unsere EinwohnerInnen zu mehr Radfahren zu bewegen. Es wird Zeit, dass sich dies ändert!« Gerade sei ihm aufgefallen, sagt Hans-Hermann Hoff, dass es in Suderburg zwar einige Ladestationen für Elektrofahrräder gibt, aber keine einzige mit Hinweisschild versehen ist. »In Hösseringen sieht es besser aus, hier sind sowohl das Museumsdorf als D 12 Calluna

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E҃MOBILITÄT auch der Kiosk am Hardausee als Ladestationen ausgewiesen. Aber in Suderburg müssen wir unbedingt etwas tun«, hat er sich vorgenommen. Der Bürgermeister engagiert sich außerdem für das Bahnhofsgebäude Suderburg, das wie viele kleine Dorfbahnhöfe nicht mehr genutzt wird. »Als Eingangstor in den Ort und als Zeitdokument der Eisenbahngeschichte der Region sollte es aber unbedingt erhalten bleiben«, sagt er. Hans-Hermann Hoff engagiert sich seit 1986 in der Kommunalpolitik, politisch aktiv ist er aber bereits seit 1976 in der legendären Bürgerinitiative Oststadt/List in Hannover gegen Atomanlagen. Später zog er für das Öko-Institut Freiburg über Land und hielt Vorträge zum Thema »Die Energiewende ist möglich«. Als Studiendirektor war Hans-Hermann Hoff viele Jahre an der Berufsbildenden Schule in Uelzen tätig. Der Kulturbegeisterte übernahm im vorigen Jahr die Schirmherrschaft über die »Lila LandArt-Route« in Hösseringen und engagiert sich zudem im Sportverein. Gästen des Suderburger Landes legt er ganz dringend ans Herz, einmal eine Mondscheinwanderung durch die Ellerndorfer Heide mitzumachen. SCHNELLLADESTATION FÜR ELEKTROAUTOS Begeistertet von der Elektromobilität, hat sich Hans-Hermann Hoff in den vergangenen Monaten sehr für eine Ladestation für Elektroautos in Suderburg eingesetzt. Dieser Traum ist kürzlich wahr geworden. Dank der Bereitschaft der Ostfalia-Hochschule, sich um Fördermittel zu kümmern, und des Einsatzes der Metropolregion Hannover konnte in Suderburg die erste Schnellladestation für Elektroautos im Landkreis Uelzen eröffnet werden. Die Einschätzung, dass E-Autos vornehmlich in den Metropolen unterwegs sind, ist dank einer Studie übrigens kürzlich widerlegt worden. »Die Mehrzahl der Elektroautos fährt in Städten unter 30.000 Einwohnern, und die Fahrer sind in der Regel jünger als 50 Jahre«, fasst Hans-Hermann Hoff zusammen. Allerdings seien es 80 Prozent Männer, die sich für diese Fahrzeuge entscheiden. Nun will die Ostfalia mit einer Studie ergründen, wie man auch Frauen von der neuen Technologie überzeugen könnte. Vielleicht liegt es an der Unsicherheit in Sachen »Tanken«. Doch da kann Hoff gegenhalten: »Zum einen gibt es inzwischen ein größeres Netz an Ladestationen, als man denkt, und außerdem kann an jeder Starkstromsteckdose aufgeladen werden.« Eine Stunde dauert der Ladevorgang an der Schnellladesäule, die Zeit könne doch prima für einen kleinen Spaziergang durch den Ort verwendet werden. Kleiner Tipp: Derzeit ist das Tanken hier noch kostenlos. Fotos: Friederike Kohnke Skateboards und Tretroller mit Elektroantrieb K MARKE EIGENBAU Tanken Strom in Suderburg: Raimund Nowak von der Metropolregion Hannover, Prof. Dr. Artur Mennerich, Dekan der Ostfalia Hochschule, und Bürgermeister Hans-Hermann Hoff. lar, man kann so etwas auch kaufen, aber das findet Lukas Löbert langweilig. Nachdem er mit seinem Vater den uralten, maroden und eigentlich abbruchreifen Schweinestall hinterm Haus behutsam saniert und darin eine Bastelwerkstatt eingerichtet hat (siehe Calluna, Heft Winter 2016), kann sich der Student jetzt verstärkt um sein liebstes Hobby kümmern: das Elektrifizieren von Skateboards. Die »Bretter« fertigt er im Eigenbau aus Sperrholz, Kohlefasern und Epoxidharz, bei den Elektroteilen bedient er sich im Modellbaubedarf. Der Motor, der seine Kraft über einen Riemen auf die Räder überträgt, wird von einem Lithium-Polymer-Akku mit 5,8 Ah Kapazität gespeist. Von dem E-Skateboard Marke Eigenbau gibt es mittlerweile sogar schon eine Offroad-Version mit grobstolligen Reifen, und auch einen Tretroller vom Sperrmüll hat er schon mit »eingebautem Rückenwind« ausgestattet. Ein Video von dem Roller im Einsatz ist bei Calluna+ zu sehen. Momo hatte Mühe, hinterherzukommen, als Friederike Kohnke aus dem Calluna-Team den Elektro-Tretroller ausprobierte. Auch das Skateboard (Bild unten) hat „eingebauten Rückenwind“. + Calluna 13

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E҃MOBILITÄT Da kommt was ins Rollen ... Ein Startup am Südrand der Südheide bringt Elektroroller auf die Straße und setzt dabei auf Direktimport und Direktvertrieb INKA LYKKA KORTH / Text / Fotos դ Wild- und Heidschnuckenbraten, saftige Steaks und saisonale Spezialitäten Planen Sie eine Feier? Sprechen Sie uns an! Unser Festsaal bietet Platz für individuelle Familienund Vereinsfeiern, in kleinem oder großen Rahmen դ I դ www.celler-bier.de n den fernöstlichen Metropolen sind sie längst millionenfach unterwegs und haben die stinkenden, knatternden ZweitaktMopeds weitgehend von den Straßen verdrängt: Elektroroller gehören dort zu den beliebtesten Fortbewegungsmitteln, während sie hierzulande noch Exotenstatus haben. Doch das könnte sich bald ändern. Die Verkaufszahlen steigen von Jahr zu Jahr, obwohl das Fahrzeugangebot in diesem Segment noch sehr übersichtlich ist. Wer sich für einen Elektroroller interessiert und danach googelt, findet lediglich eine Handvoll Anbieter. Einer davon – offenbar der mit den meisten zufriedenen Kunden – hat seinen Sitz am Südrand der Südheide. In Meinersen oder, genauer gesagt, im Ortsteil Seershausen. Von dort aus werden Elektroroller unter dem Markennamen »Trinity« – so heißt auch das Startup – in ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland verkauft. Der Name »Trinity« (englisch für Dreifaltigkeit) hat in diesem Fall keinen religiösen Hintergrund, sondern verweist zum einen auf das Gründertrio und soll zum anderen die drei hervorstechenden Eigenschaften eines Elektrorollers zum Ausdruck bringen, die Geschäftsführer Reinhold Richert so auf den Punkt bringt: »hoher Wirkungsgrad, niedrige Betriebskosten, sehr umweltfreundlich«. Der 34 Jahre alte Betriebswirt, der den Beruf des Industriekaufmanns bei Butting in Knesebeck (Edelstahlrohre) erlernt hat, sieht Elektroroller nicht in Konkurrenz zu Elektrofahrrädern, sondern als Alternative zum Zweitwagen und als Ersatz für Zweiräder mit Verbrennungsmotoren. Bei Preisen, die teilweise unter denen handelsüblicher Elektrofahrräder liegen, dürfte allerdings die Verlockung groß sein, statt eines Pedelecs lieber einen stärker motorisierten Elektroroller anzuschaffen. Qualitativ hochwertige und vor allem umweltverträgliche Fahrzeuge »zu vernünftigen Preisen« anzubieten, war von Beginn an das erklärte Ziel des Jungunternehmers. Dieses Ziel erreicht er durch Direktimport und Direktvertrieb der Fahrzeuge. Da die Handelsmargen wegfallen, könne er die Preise für die Endkunden niedrig halten, erläutert Richert. Wer einen Roller der Marke »Trinity« kaufen möchte, geht also nicht zum Zweiradhändler, sondern bestellt ihn im Internet. Damit niemand das Gefühl hat, die »Katze im Sack« zu kaufen, können nicht nur am Firmensitz in Meinersen, sondern überall in Deutschland Probefahrten vereinbart werden. Richert sammelt die Anfragen, sortiert sie nach Regionen und fährt mit einem Transporter voller Roller dorthin, wo die potenziellen Kunden wohnen und lässt sie die Fahrzeuge vor der eigenen Haustür ausprobieren. Ein großer logistischer Aufwand für die kleine Firma, aber einer, der sich offenbar lohnt. Nach der Aufbauphase peilt Richert in diesem Jahr erstmals die Gewinnzone an. 14 Calluna

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E҃MOBILITÄT Wie kam er überhaupt auf die Idee, in das Geschäft mit Elektrorollern einzusteigen? Naja, sagt er, eigentlich sei es ganz anders geplant gewesen. Als leidenschaftlicher Enduro-Fahrer trieb ihn der Gedanke um, ein Geländemotorrad mit lautlosen Motor haben zu wollen, um bei Touren auf Feld- und Waldwegen nicht den Zorn der Landwirte und Förster auf sich zu ziehen. Also kaufte er einen alten Moped-Rahmen und bastelte daraus eine Elektro-Enduro. Die erwies sich aber als zu schlapp. Von Fahrspaß konnte keine Rede sein, und das Projekt wurde auf Eis gelegt. Im Gespräch mit einem Bekannten aus der Entwicklungsabteilung von VW, der beruflich zeitweise in China zu tun hatte, erhielt Richert den Tipp, sich doch einmal in China umzuschauen, wo Zweiräder mit Elektromotor schon seit Jahren zum Straßenbild gehören. Der Techniker vermittelte ihm sogleich den Kontakt zu einem Arbeitskollegen, der aus Shanghai stammt, der größten Industriestadt in China. Das war im Jahr 2012. Das Trio begründete eine lose Zusammenarbeit und sondierte den chinesischen Markt. Recht schnell stellte sich dabei heraus, dass es auch dort (noch) keine technisch ausgereiften Geländemotorräder mit Elektroantrieb gab, dafür aber umso mehr Elektroroller. Für den Anfang auch nicht schlecht, sagte sich das Trio und packte die Koffer. Auf einer ersten China-Reise im Juli 2013 wurden 15 Hersteller besucht. »Da war alles dabei, vom kleinen Hinterhofschrauber bis zum Großunternehmen mit Marmorfußboden in der Empfangshalle«, amüsiert sich Richert rückblickend. »Ohne unseren chinesischen Kollegen wäre ich auf der Rundreise aufgeschmissen gewesen.« Von den 15 Herstellern auf der Liste kamen letztendlich drei in die engere Wahl. Muster wurden geordert und geprüft, woraufhin zwei weitere Hersteller aus dem Rennen waren und nur noch einer übrig blieb, der den hohen Qualitätsanforderungen der Deutschen entsprach und für seine Roller eine sogenannte EEC-Zulassung vorweisen konnte, die es erlaubt, die Fahrzeuge in Europa auf die Straße zu bringen. Zurück in Meinersen, wurde eine kleine Modellpalette von unterschiedlich stark motorisierten Rollern zusammengestellt und die Trinity electic vehicles GmbH gegründet. Die »Trinity«-Roller sind nach Planeten benannt – zurzeit sind die Modelle Venus, Uranus, Neptun und Jupiter im Programm. Lediglich der Lastenroller (z.B. für Pizzabringdienste) heißt schlicht »Delivery«. Kunden können nicht nur zwischen verschiedenen Endgeschwindigkeiten – 25, 45, 75 und 95 km/h –, sondern auch zwischen drei verschiedenen Akkugrößen wählen, die zum Beispiel beim »Uranus« Reichweiten von mindestens 61, 85 und 107 Kilometern ermöglichen. Während andere Anbieter gerne mit maximalen Reichweiten protzen, die im praktischen Alltagseinsatz der Fahrzeuge selten erreicht werden, gehört es zur Firmenphilosophie von »Trinity«, lieber tief zu stapeln und mit minimalen Reichweiten zu arbeiten. »Durch den Direktvertrieb über das Internet können wir uns keine Reklamationen erlauben«, sagt Richert. Deshalb sei es auch so wichtig, bei der Auswahl der Hersteller auf gute Qualität zu setzen. Auf der Internetseite kann sich jeder Interessent die jährliche Ersparnis im Vergleich zu einem Fahrzeug mit Benzinmotor ausrechnen lassen, und da kommen schon einige hundert Euro im Jahr zusammen. Außer dem gegenüber dem Benzinpreis deutlich günstigeren Strompreis muss auch noch berücksichtigt werden, dass erheblich geringere Wartungskosten anfallen. »Ein Elektroroller hat nur eine einzige Betriebsflüssigkeit: die Bremsflüssigkeit«, sagt Richert. Außerdem gebe es weder Zündker- Bringt was ins Rollen: Der sympathische „Trinity“-Geschäftsführer Reinhold Richert vertreibt seinen „Uranus“-Elektroroller, der auch in der Farbe Weiß erhältlich ist, ebenso wie alle anderen Modelle ausschließlich übers Internet. Calluna 15

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