Mensch und Mund 1/2016

 

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Patientenzeitung

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4. Jahrgang · Ausgabe 1/2016 Mensch & Mund Ganzheitliche ZahnMedizin für interessierte Patienten Zähne und Immunsystem 1 Grafik: Biber Studio

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Mensch & Mund Wechselwirkungen zwischen Zahngesundheit und Immunsystem Über Gesundheit oder Krankheit entscheiden viele Faktoren. An zentraler Stelle steht dabei das Immunsystem: Nur wenn das Immunsystem stark ist, Belastungen gut verkraftet und richtig funktioniert, kann es die Gesundheit als natürlichen Zustand des menschlichen Organismus aufrechterhalten. D as Immunsystem übernimmt vielfältige Aufgaben - entsprechend vielfältig sind die Wechselwirkungen mit allen Bereichen des Organismus. Natürlich auch mit den Zähnen, dem Kiefer, der Mundhöhle - also genau den Bereichen, die für die Zahngesundheit im weitesten Sinne relevant sind. Deshalb ist es wichtig, gerade bei unspezifischen, hartnäckigen, häufig wiederkehrenden oder gar chronischen Krankheiten an unterschiedlichen Stellen im Körper auch an die Zähne zu denken. Wo befindet sich das Immunsystem? Das Immunsystem sitzt nicht an einer einzelnen Stelle, sondern ist im gesamten Körper angesiedelt. Dazu gehören Organe wie z. B. Milz oder Thymusdrüse und das Lymphgewebe, vor allem aber findet die Arbeit des Immunsystems dort statt, wo der menschliche Organismus und seine Umgebung direkt aufeinandertreffen: in der Haut und an den Schleimhäuten in Nase, Mund und Rachen einerseits, in Magen und Verdauungstrakt andererseits - vor allem in dem für das Immunsystem so ungemein wichtigen Darm. Was leistet das Immunsystem? Allgemein gesprochen schützt das Immunsystem den Organismus vor krankmachenden Erregern und Stoffen. Das funktioniert so lange gut, wie das Immunsystem leistungsfähig und im Gleichgewicht arbeiten kann. Gerät es durch eine von vielen möglichen Ursachen ins Ungleichgewicht oder gar außer Kontrolle, kann das zu unangemessenen Reaktionen führen: von Allergien über Unverträglichkeiten und Intoleranzen bis hin zu Autoimmunerkrankungen. Immer neue Belastungen addieren sich Dabei muss das Immunsystem lernen, mit immer neuen Stoffen und Erscheinungen fertig zu werden: Diese sogenannten Zivilisationsfaktoren sind für das Immunsystem oft neu, was dazu führen kann, dass es in einen dauerhaften Reizzustand versetzt wird. Solche Faktoren können beispielsweise neuartige chemische Verbindungen in industriell 2 Systemische Orale Medizin Bildquelle: wikipedia · 5. Jahrgang 1/2016

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Mensch Mensch & & Mund Mund hergestellten Lebensmitteln sein, Schadstoffe unterschiedlicher Quellen, aber auch Faktoren, die jeder Mensch selbst beeinflussen kann, wie z. B. Rauchen, Alkohol trinken, falsche Ernährung, zu wenig Schlaf, Stress in Familie und Beruf, zu wenig Ausgleich, mangelnde Bewegung und vieles mehr. Wenn mehrere solcher Faktoren zusammenkommen, addieren sich die an und für sich geringen Effekte oft zu einer massiven Belastung des Immunsystems, mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den Gesamtorganismus. unterschiedlichen Bereichen des Körpers stattfinden können. Das zeigt, wie komplex es sein kann, für ein KrankheitsSymptom die wirklich zugrunde liegende Ursache zu diagnostizieren. Und es zeigt, wie wichtig es deshalb ist, dass bei hartnäckigen gesundheitlichen Problemen alle Bereiche Berücksichtigung finden - vor allem auch die Zahnmedizin. Die Rolle der Zähne Wenn bei einem Patienten eine Krankheit chronisch ist, bestimmte Symptome immer wieder auftreten oder bewährte Behandlungsmethoden keinen Erfolg bringen, sind das gute Indizien dafür, dass ein sogenannter dentaler Herd vorliegen kann. Dabei handelt es sich um Störungen im Mundbereich, die Erkrankungen verursachen oder verstärken können, ohne dass sie selbst besonders stark in Erscheinung treten. weist darauf hin, dass Bakterien in Herden Botenstoffe bilden, die in anderen Körperbereichen, z. B. in den Gelenken, Entzündungen hervorrufen können. Eine ganzheitliche Betrachtung kann also nicht bei einem eindeutigen UrsacheWirkung-Zusammenhang stehen bleiben. Vielmehr gilt es, gleichzeitig genauer und umfassender hinzuschauen, um eine treffende Diagnose und damit eine nachhaltig wirksame Therapie erreichen zu können. Dentale Herde belasten das Immunsystem Ein typisches Beispiel für einen dentalen Herd ist ein „toter“ Zahn. Jeder nervtote Zahn war einmal lebendig. Doch dann gab es z. B. aufgrund von Karies eine starke Entzündung, das Zahninnere wird durch verschiedenartige Bakterien infiziert, der Zahn stirbt ab. Das kann stumm erfolgen oder mit heftigen Schmerzen verbunden sein. Zusammenhänge oft nicht offensichtlich Je nachdem, wie intensiv sich das Immunsystem gegen äußere Einflüsse zur Wehr setzen muss, können die Reaktionen lokal eng begrenzt sein, aber ebenso gut den gesamten Organismus betreffen. Wichtig hierbei ist, sich bewusst zu machen, dass Auslöser und Auswirkung an ganz Dentalherde – schwer zu entdecken Dentalherde gelten als schwer zu diagnostizieren, weil sie oft keine Schmerzen verursachen und deshalb keine eindeutigen Ursache-WirkungBeziehungen offensichtlich werden. Folgende komplementärwissenschaftlichen Testverfahren können u. a. weiterhelfen:  Elektroakupunktur nach Voll  Kinesiologie  Physioenergetik  Regulations-Thermographie  Decoder-Dermogramm  Vega-Test Quelle: „Naturheilpraxis“, Ausg. 08/2004, S. 1141 Schulmedizin, ganzheitliche Betrachtung und immunologische Forschung Die Schulmedizin sucht in der Regel eine direkte kausale Beziehung zwischen den Bakterien im Herd und der Sekundärerkrankung. Sie betrachtet den Herd als chronische Entzündung, die aus verschiedenen Gründen nicht abgebaut werden kann, und von der aus immer wieder Bakterien in den Rest des Organismus ausstreuen und dort schädliche Wirkungen hervorrufen. Untersuchungen der ganzheitlichen Medizin haben jedoch ergeben, dass vermutlich nur ein Teil der Herdgeschehen auf eine solche bakterielle, toxische und allergene Streuung zurückzuführen sind. Sie geht davon aus, dass die Kommunikation innerhalb des Körpers auch entlang der Energiebahnen (Meridiane) verlaufen kann. Ein Herd stört das energetische Gleichgewicht und hat darüber negative Auswirkungen auf andere Organe, die mit demselben Meridian verbunden sind. Auch die immunologische Forschung Warum Darmsanierung? Gerade weil das Immunsystem ganz wesentlich mit der Darmgesundheit korreliert, kann es angesagt sein, eine Darmsanierung vorzunehmen. Damit wird nicht nur die Verdauung gefördert, was dem Gesamtorganismus zugute kommt, sondern die ausgewogene Besiedlung mit nützlichen Bakterien stärkt das gesamte Immunsystem, was wiederum dazu führt, dass der Körper insgesamt mit Störungen und Belastungen besser umgehen kann. Besonders wenn im Laufe einer langwierigen Therapie z. B. Antibiotika verabreicht wurden, die bekanntermaßen die Darmflora stark belasten, sollte die Möglichkeit einer Darmsanierung geprüft werden. Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 1/2016 3

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Mensch & Mund Um den Zahn zu erhalten, erfolgt eine Wurzelbehandlung, bei der die Nervenkanäle des Zahnes vom infizierten Gewebe gereinigt und mit einer Wurzelfüllung abgedichtet werden. So kann ein wurzelbehandelter Zahn noch jahrzehntelang im Mund erhalten bleiben und ist für den gesunden Menschen kein Problem. Da meist noch etwas infiziertes Nervgewebe in Seitenkanälen des Nervkanals zurückbleibt, da die starken Verzweigungen an der Wurzelspitze nicht vollständig gereinigt und abgefüllt werden können, bildet sich bei normal reagierendem Immunsystem in kurzer Zeit eine körperspezifische Abwehrschranke, weil der Körper versucht, die Toxine um die Wurzelspitze herum abzufangen. Das erfordert körperliche Abwehrenergie, die bei chronisch Kranken in anderen Bereichen fehlen kann. Es können unter Umständen Eiweißzersetzungsprodukte entstehen und Entzündungsbotenstoffe abgegeben werden, die das Abwehrsystem irritieren können. So kann ein wurzelbehandelter Zahn über die Schwächung des Immunsystems den Organismus belasten, ohne dass er selbst Symptome entwickelt oder gar schmerzt. Dass sorgfältig wurzelbehandelte Zähne trotzdem im Kiefer belassen werden, hat durchaus wichtige Gründe: denn für das Kauen und die Stabilität im Kiefer funktionieren auch wurzelbehandelte Zähne in der Regel noch zufriedenstellend. Würde man den wurzelbehandelten Zahn ziehen, müsste man über Zahnersatz nachdenken - oft genug müsste man für eine Brücke gesunde Nachbarzähne abschleifen, was diese wiederum angreifbar macht. Auch Zahnimplantate sind nicht für jeden geeignet, vor allem stellen sie für ein bereits geschwächtes Immunsystem eine außergewöhnliche Belastung dar. Doch chronisch entzündete, nervtote und wurzelbehandelte Zähne sind nicht die einzigen Herde im Dentalbereich. Auch ein verlagerter Weisheitszahn oder eine Zyste können störend auf das Immunsystem einwirken - hier hilft in der Regel nur die operative Entfernung und die chirurgische Sanierung der umgebenden Knochen. Hier wirkt das Immunsystem in die falsche Richtung Unter anderem bei den folgenden Symptomen und Erkrankungen kann es hilfreich sein, die Funktion des Immunsystems genau zu untersuchen und gezielt zu stärken:  Rheumatische Erkrankungen  Beschwerden an Gelenken und Psychoimmunologie: weil Stress nicht immer sichtbar ist Dass sich Psyche und Körper in einer unmittelbaren Wirkgemeinschaft befinden, ist zwar inzwischen allgemein bekannt. Dass die Psyche aber auch Auswirkungen auf das Immunsystem hat, ist eine relativ neue Erkenntnis der Psychoimmunologie. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Stress, der negativ auf das Immunsystem wirkt, aus ganz unterschiedlichen Quellen herrühren kann. Nicht nur aus der beruflichen Situation oder der Arbeitsbelastung, sondern auch aus dem familiären Umfeld. Es zeigt sich sogar, dass bereits vor der Geburt Weichen für das spätere Immunsystem gestellt werden, weil Stress während der Schwangerschaft an das ungeborene Baby im Mutterleib weitergegeben wird. Auch der Geburtsverlauf selbst und die ersten Monate des Neugeborenen sind ganz entscheidend; nicht nur für die Entwicklung von Grundvertrauen und Intelligenz, sondern auch für das Immunsystem. In diesem Zusammenhang sollen auch Familienaufstellungen erwähnt werden, die manchmal jahrzehntelang ungelöste Probleme in überraschender Weise auflösen können; entsprechend erlaubt es die systemische Familientherapie, wichtige Hinweise abzuleiten, wie das Immunsystem des einzelnen Menschen gestärkt werden kann und sollte. In jedem Fall ist es hilfreich, wenn die Patientin oder der Patient Eigenverantwortung übernimmt und selbst aktiv wird, um von sich aus das Immunsystem zu unterstützen, zu stärken oder wieder aufzubauen. In erster Linie betrifft das die eingangs genannten Faktoren der Lebensführung wie Ernährung, Rauchen, Alkohol, Stress, Schlaf, Bewegung und ein förderliches Gleichgewicht zwischen Belastung und Entlastung. Muskeln  Neuralgien  Migräne/Kopfschmerzen  Ekzeme/Hauterkrankungen  Allergien  Wiederkehrende Organentzündungen (z. B. Blasenentzündung)  Konzentrationsschwäche  Chronische Müdigkeit Quelle: „Naturheilpraxis“, Ausg. 08/2004, S. 1140 Auch eine chronische Kieferentzündung kann als dentaler Herd wirken. Wenn der Organismus grundsätzlich noch in der Lage ist, das Immunsystem zu regulieren, kann eine Kieferentzündung oft mit biologischen Heilmitteln abgebaut werden. Bei einer starren Stoffwechsellage muss der Zahnarzt allerdings die Entzündung entfernen. Da auch Materialien das Immunsystem verändern und beeinflussen, sollten auch die im Mund verwendeten Materialien (Metalllegierungen, Kunststoff, Amalgam usw.) in die Betrachtung mit einbezogen werden - aber nie isoliert, sondern immer in Zusammenhang mit der ganzheitlichen Bewertung der gesundheitlichen Situation und möglicher Therapieansätze. Vor- und Nachteile sind im Einzelfall sorgfältig und gewissenhaft abzuwägen. 4 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 1/2016

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Mensch & & Mund Mund Mensch Fazit: Es gibt noch viele Möglichkeiten Auch für Patienten, die unter hartnäckigen, wiederkehrenden oder chronischen Krankheiten leiden und die oft schon eine wahre Odyssee an Arztterminen, Laboruntersuchungen und Behandlungsansätzen hinter sich haben, bieten sich in der ganzheitlichen Betrachtung unter Umständen ganz neue, auf jeden Fall aber vielversprechende Ansatzpunkte, um ihre Gesundheit wiederzuerlangen. Die ganzheitliche Zahnmedizin nimmt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle ein, doch wann immer es um das Immunsystem geht, kann nur der intensive fachliche Austausch zwischen allen relevanten unterschiedlichen medizinischen Disziplinen, Ansätzen, Verfahren und Therapeuten dazu führen, jedem einzelnen Patienten gerecht zu werden. Das bedeutet: jedes Problem angemessen so zu lösen, dass ein Leben in Gleichgewicht und Gesundheit, mit Vitalität und Dynamik, im Interesse der Entfaltung der eigenen Möglichkeiten und der Erhaltung und Steigerung der eigenen körperlichen und geistigen Kräfte gelingen kann. Wenn Sie mehr zu diesem umfangreichen, differenzierten und wichtigen Thema wissen möchten, sprechen Sie mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt: Es gibt vieles, was Sie für Ihr Immunsystem tun können - zu Ihrem Nutzen und für Ihre Gesundheit. Ludwig Fiebig GZM – Sicherheit durch gezielte Qualitätsorientierung Die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) fördert die Kooperation zwischen ZahnMedizin und Medizin und setzt sich stark für die Realisierung regionaler Netzwerke ein. Dazu organisiert und veranstaltet die GZM regelmäßig internationale Symposien und Kongresse. Die GZM fördert intensiv die Erforschung ergänzender Diagnose- und Therapiekonzepte und arbeitet aktiv daran mit. Qualifizierte Mitglieder der GZM haben eine umfangreiche Weiterbildung in verschiedenen Diagnose- und Therapieverfahren absolviert und sich einer Prüfung unterzogen. Eine Liste der Qualifizierten GZM-Mitglieder nach PLZ-Bereichen finden Sie im Internet unter www.gzm.org Wenn Sie 2,80 € in Briefmarken an die Geschäftsstelle schicken, erhalten Sie die Liste gerne auch per Post zugesandt. Dort sind auch weitere Broschüren zu verschiedenen Themen sowie Infopakete erhältlich. Bitte schreiben Sie an: Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin e.V. Kloppenheimer Str. 10 68239 Mannheim Tel.: +49 (0)621 48179730 Fax: +49 (0)621 473949 E-Mail: gzm@gzm.org www.gzm.org Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 1/2016 5

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Mensch & Mund Einzlkind Harold Roman, Heyne 224 Seiten, Taschenbuch ISBN 978-3-453-43597-1 Preis: € 8,99 „Ich bin schon so lange glücklich, dass es mich depressiv macht.“ W enn Sie „Harold“ schließlich gelesen haben, werden Sie so schnell kein anderes „komisches“ Buch mehr wollen - es kann kaum besser werden. Hans Magnus Enzensberger findet (wohl ein wenig verdattert): „Das ist ja ziemlich wunderbar. Ich meine Harold“. Harold war bis vor kurzem Wurstverkäufer und hat ein etwas seltsames Hobby: Er bringt sich gerne um. Dennoch ist er zum Zeitpunkt der Geschehnisse 49 Jahre alt und lebt einigermaßen auskömmlich in einem kleinen Gebäude in London. Dass ihn gelegentlich Naturgewalten wie die Käseverkäuferin Carol, Mrs. Cardigan oder eine Damen-Bridgerunde als Spielball nutzen, hält er bis zum nächsten Suizid locker aus. Dann kommt allerdings Denise Bentham an seine Tür, jung, hübsch, Pferdeschwanz. Sie wohnt erst seit zwei Wochen in der Gegend, muss verreisen und weiß nicht recht, wohin mit ihrem schulpflichtigen Sohn. „Melvin“, sagt sie, „ist wirklich ein lieber Junge“ und lässt ihn bei Harold. Melvin sagt: „Ich bin ein Savant. Ein Genie. Ich habe ein fotografisches Gedächtnis. Im Gegensatz zu den meisten Savants bin ich aber kein Autist. Ich kann alleine Bus fahren und bin der Kontemplation fähig“. Melvin ist etwa zehn, hat 1238 Bücher gelesen, kennt alle BeethovenSonaten auswendig, hat dreimal hintereinander die Schul-Schachmeisterschaft gewonnen, 4,5 Dioptrien plus auf dem linken und 5,5 auf dem rechten Auge. Seine Hobbys sind ihm nicht bekannt. Melvin will die siebentägige Abwesenheit seiner Mutter nutzen, um seinen Vater zu finden. Der soll irgendwo in England (oder in Irland?) leben, und Harold soll der Reisebegleiter sein. Mal abgesehen davon, dass dieser Roman schon bis hierher mehr exzellente, aberwitzige Ideen und Dialoge vorführt als hundert andere Bücher bis zum Schluss, beginnt nun eine eher unvorstellbare Reise. Die Beiden treffen Humphrey Bogart, Jonny Danger, das rosarote Badeschaf, Miss Pink Flamingo und lernen Jakob Isaaksteins Kostümverleih kennen. Melvin durchblickt trotz seines gefühlten IQ von 300 die Gesetze von Pferderennen nicht, verliert gegen einen debilen Tankstellenbesitzer im Schach (Blitzschach) und verliebt sich in Gwineth aus dem französischen Café in Irland, vergisst sie aber wieder. Harold stürzt in ziemlicher Höhe aus dem Fenster, hängt sich zwei-, dreimal auf und liegt zwischendurch tot in einer Badewanne, derweil ihm Melvin seinen Schulaufsatz über die Vor- und Nachteile von Demokratien vorliest. Den Vater finden sie allerdings nicht. Zumal es der kerzengerade Geschäftsmann Jeremiah Al-Kasim (mit Bodyguard Ali) ebenso wenig ist wie Jerry, der Homosexuelle. Na ja, und auch nicht der „böse Mann“ Jeremiah Newsom, den es schon gar nicht mehr gibt (Whisky und Straßenbäume ...). Warum ich das alles erzähle? Weil ich möchte, dass Sie Ihre geringe Freizeit nicht mit fragwürdigen oder gar schlechten Büchern verbringen, sondern dieses lesen. Vielleicht ist ja der Eindruck entstanden, dass Harold - sagen wir - unbedarft ist. Das ist er nicht! Er kann in aller Stille auf einer Parkbank sitzen, bis die Vögel ihn vergessen haben. Er kann einundvierzig Luftballons aufpusten, bevor er in Ohnmacht fällt. Er kann länger aus seinem Fenster schauen als es Tageszeiten gibt. Er kann drei Liter Tee trinken, ohne „auf Toilette“ zu müssen. Er kann stundenlang in Maisfeldern wandern, ohne jemandem zu begegnen. Er kann vier Minuten auf einem Bein stehen, ohne umzufallen. Was er nicht kann (jedenfalls nicht so gut), ist Auto fahren. Er überfährt die Queen. Willy Kolkhorst 6 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 1/2016

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Mensch Mensch & & Mund Mund Volkskrankheit Alzheimer: Wie viele Demenzfälle wären vermeidbar? Demenzforscher haben berechnet, dass deutschlandweit rund ein Drittel der Alzheimer-Erkrankungen auf Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes zurückgehen. Sie plädieren dafür, sich in der Prävention von Alzheimer verstärkt auf diese Risiken zu konzentrieren. D emenzen sind nicht nur für die Betroffenen und deren Angehörige eine starke Belastung. Sie stellen auch die Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen. Allein in Deutschland leiden nach Schätzungen der Deutschen Alzheimergesellschaft aktuell 1,5 Millionen Menschen an Demenz, davon eine Million an der Alzheimer-Demenz. Demenzforscher der Universität Leipzig haben nun erstmals berechnet, wie viele Demenzfälle sich in Deutschland vermeiden lassen könnten, wenn damit im Zusammenhang stehende wichtige Risikofaktoren bekämpft werden würden. Wie die Ergebnisse zeigen, können für rund 30 Prozent der aktuellen AlzheimerDemenzfälle sieben Lebensstilfaktoren verantwortlich gemacht werden: Bluthochdruck und starkes Übergewicht im mittleren Lebensalter, Diabetes Mellitus, Depression, mangelnde körperliche Aktivität, Rauchen und niedrige Bildung. Der höchste Einfluss wird darin mit 22 Prozent mangelnder körperlicher Aktivität und mit 15 Prozent dem Rauchen zugeschrieben. Der starke Einfluss dieser äußeren Faktoren auf das Alzheimerrisiko bedeutet ein hohes Potential zur Vorbeugung, da sie im Gegensatz zu den Genen grundsätzlich beeinflussbar sind. Quelle: idw Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 1/2016 7 Bildquelle: wikipedia: Auguste Deter, die erste Patientin von Alois Alzheimer

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Mensch & Mund Alte Weizenarten fördern die Sehkraft Back to the roots: Die alten und lange vergessenen Weizenarten Einkorn, Emmer und Dinkel bieten nicht nur geschmacklich ein besonderes Erlebnis. Auch gesundheitlich sind sie wertvoll, produzieren beispielsweise Lutein, einen Schutzstoff für die Augen. G ut 46 kg Brot werden in jedem deutschen Haushalt im Durchschnitt jährlich verzehrt. An der Spitze der Mehlsorten: Brotweizen und Roggen. Mehr Lutein für bessere Augen Dabei gibt es gerade in der Weizenfamilie noch alte Arten mit einigen gesundheitsförderlichen Inhaltstoffen, die bisher missachtet werden“, erklärt Prof. Dr. Reinhold Carle, Lebensmitteltechnologe der Universität Hohenheim. „Bei alten Weizenarten, vor allem beim Einkorn, finden wir eine bis zu zehnmal höhere Konzentration an cholesterinsen- kenden Sterylferulaten, Vitamin E und dem Augenschutzstoff Lutein“. Lutein wird für den gelben Fleck im Auge benötigt, den Bereich des scharfen Sehens. Regelmäßig zu sich genommen, kann es beispielsweise die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), also den Hauptgrund des Erblindens älterer Menschen, verhindern. Lutein wird vom Körper nicht selbst produziert; darum muss es über die Nahrung aufgenommen werden. Gesünderes Brot Vor allem Lebensmittel wie Grünkohl oder Spinat enthalten eine hohe Menge an Lutein. Das Problem erklärt Prof. Dr. Carle: „Wir essen nicht jeden Tag einen Topf Spinat um ausreichend Lutein aufzunehmen. Brot hingegen nehmen wir regelmäßig zu uns. Die alte Weizenart Einkorn bietet nun eine Möglichkeit, dass sich auch die Menschen gesünder ernähren, die nicht regelmäßig grünes, luteinreiches Gemüse zu sich nehmen“. Dass die alten Weizenarten nicht schon längst die neuen verdrängt haben, liege nicht an ihren Inhaltsstoffen – sondern vor allem an den Herausforderungen im Anbau und an ihrem geringen Ertrag. Regionale Vermarktung und die Bereitschaft der Kunden, für hochwertige Lebensmittel angemessene Preise zu zahlen, wären ein Weg, dass der Anbau dieser wertvollen Getreidesorten für Landwirte attraktiver wird. Quelle: idw Bildquelle: wikipedia: Einkorn in Armeinien, Autor: MEDIACRAT 8 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 1/2016

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