JE 1-2016

 

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It is a (printed) journal about modern jewish life in europe. we are publishing 4 issues every year.

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Heft 1/2016 üdisches UROPA Jüdisches Leben in Deutschland, Österreich und Frankreich üdisches Tewet/ Schwat/ Adar 5776 Januar/ Februar/ März 2016 Preis 2,50 Euro BERGJUDEN IN EUROPA WIEDERENTDECKUNG EINES „VERLORENEN STAMMES“ ATOMABKOMMEN DIE ILLUSION VOM GELÄUTERTEN IRAN NICHT IMMER WAR ES DER GÄRTNER JÜDISCHE KRIMIS FLÜCHTLINGSKRISE ARABER STAUNEN ÜBER JÜDISCHE HILFE

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moderne welt AUS DEM GIFTSCHRANK DER GESCHICHTE 4.500 Exemplare hat das Münchner Institut für Zeitgeschichte in einer von Historikern kommentierten kritischen, mit vielen Fußnoten versehenen Edition von Hitlers „Mein Kampf“ auf den Markt gebracht. Bei Hugendubel war Hitlers Pamphlet innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, während andere Buchläden sich weigerten dieses Werk anzubieten. Chapeau möchte ich ihnen zurufen. Während man bei der Neuauflage in Buchform wegen der 3.500 Fußnoten, die kein gutes Haar an Hitler und an seiner Ideologie lassen, durchaus diskutieren kann, ob dies die richtige Form der Vergangenheitsbewältigung ist – Ronald S. Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses fordert das Buch nach wie vor nur Historikern zur Verfügung zu stellen – verhält es sich bei der im Suhrkamp-Verlag erschienenen DVD, auf der Helmut Qualtinger 93 Minuten lang aus „Mein Kampf“ liest, völlig anders. Mal leise, mal laut, mal mit quäkender Stimme den Tonfall Adolf Hitlers nachahmend, soll es eine Parodie sein. Als ich den Abschnitt über die Juden hörte, blieb fast mein Herz vor Schrecken stehen. Da war nichts Entmystifizierendes. Das war purer Antisemitismus und weder lustig noch entlarvend, sondern ein klares Aufstacheln zum Rassenhass. Nein! Diese DVD gehört zurück in den Giftschrank der Geschichte, auch wenn sie von einem bekannten österreichischen Schauspieler gelesen wird, der zwar bereits verstorben ist, dessen Vortrag jedoch auf Tonträgern konserviert wurde. Im Januar 1973 hatte Helmut Qualtinger, dessen Vater ein glühender Anhänger des Nationalsozialismus war, im Hamburger Thalia-Theater erstmals aus „Mein Kampf“ gelesen und dabei durch übertriebene Rhetorik versucht, Hitlers Kampfschrift lächerlich zu machen. Gegen diesen Auftritt gab es damals großen Widerstand. Die jetzige vom Suhrkamp-Verlag herausgegebene filmische DVD ist die Aufzeichnung einer Lesung, die 1985 im Audimax der Universität Wien stattfand. Hierbei gestaltete der österreichische Kabarettist seinen Vortrag mit schriller Hysterie und versuchte durch die Sprache Hitlers menschenverachtenden Größenwahn zu entlarven, was ihm nur teilweise gelang. Ich bitte alle Lektoren und Historiker bei der Aufarbeitung der Geschichte senAlexis Canem sibler und verantwortungsvoller umzugehen.         IMPRESSUM JÜDISCHES EUROPA Herausgeber: A. von Loew (V.i.S.d.P.) Rhönstr. 127 60385 Frankfurt Tel.: 069 - 49084533 Fax: 069 - 49084533 Email: info@juedisches-europa.net Website: www.juedisches-europa.net Redaktion: A. Beygang, A. Canem, A. v. Loew, R. Peretz, N. Speier; Mitarbeiter dieser Ausgabe: A. Beygang, A. Canem, Ch. Trzebiner, S. Hofmann, R. Peretz, N. Speier Titelbild: Kaukasus in Aserbaidschan – seit 2.000 Jahren leben hier die Bergjuden; (Links): Graffiti in Teheran hetzt gegen Israel und die USA; (Mitte): Schriftstellerin Gila Lustiger; (rechts): Ankunft von Flüchtlingen in Ungan Fotos: A. Beygang, A. Canem, CER, T. Heil/Kultusministerkonferenz, Gemeinde der Bergjuden in Deutschland, Israel Bonds, Israel Trade Center, Ch. Trzebiner, World Jewish Congress Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe und Manu­ skripte zu kürzen. Für unaufgeforderte Texte gibt es keine Veröffentlichungsgarantie. Unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos werden nicht zurückgeschickt. Nachdruck und Vervielfältigungen jeder Art nur mit ausdrücklicher Genehmigung zulässig. ISSN 1617-8602 JÜDISCHES EUROPA IM ABONNEMENT einfach Coupon ausschneiden und abschicken an: Jüdisches Europa, z.Hd. Frau Canem Rhönstr. 127, 60385 Frankfurt Fax: 069-49084533 Bitte liefern Sie mir 4 Ausgaben von „Jüdisches Europa“ zum Preis von 10,60 Euro (Europa 21,40 Euro, restliches Ausland 25 Euro) ins Haus. Wenn ich „Jüdisches Europa“ danach weiterlesen möchte, brauche ich nichts weiter zu tun. Das Abo verlängert sich jeweils um ein weiteres Jahr zum gleichen Preis. Es ist jederzeit möglich, das Abonnement zu beenden. Name/Vorname: ................................................. Straße/Nr.: ......................................................... E-Mail: ...................................................      Datum/Unterschrift ..................................................... PLZ/Ort: ........................................................ Telefon: .......................................................... jüdisches europa 3

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editorial INHALT TITEL 18-21 BERGJUDEN IN EUROPA WIEDERENTDECKUNG EINES VERLORENEN STAMMES DIE ILLUSION VOM GELÄUTERTEN IRAN AUFHEBUNG DER SANKTIONEN – EIN PYRRHUSSIEG DER DIPLOMATIE    06-07 ARABER STAUNEN, WEIL JUDEN IHNEN HELFEN FLÜCHTLINGE IN DEUTSCHLAND     09 NICHT IMMER WAR ES DER GÄRTNER JÜDISCHE KRIMIS – DREI BUCHVORSTELLUNGEN    28-30 Moderne Welt 15     EINE DEUTSCHSCHWEIZERISCHE KOOPERATION LEHRBUCH ÜBER „ETHIK IM JUDENTUM“ DACHGEMEIN15     DEN DER SCHWEIZ UND DEUTSCHLAND WEITERE ZUSAMMENARBEIT GEPLANT 24     ROTE KARTE: „BESCHNEIDUNG CHRISTI“ NICHT MEHR TEIL DER KIRCHENLITURGIE 22-23     EINE ANLAGE MIT HERZ ISRAEL BONDS HELFEN DEM STAAT ISRAEL 30     GEHEN EIN RABBI UND EIN PRIESTER IN EINE BAR... TAGUNG ÜBER DEN JÜDISCHEN HUMOR 14     REDUZIERT AUF DEN NAHOSTKONFLIKT GEGEN DAS VERZERRTE ISRAELBILD IN DEN SCHULBÜCHERN 23     NACHRICHTEN AUS DER JÜDISCHEN WELT - STEPHAN KRAMER WURDE NEUER PRÄSIDENT DES VERFASSUNGSSCHUTZES - „JÜDISCHE GEMEINSCHAFT SCHÜTZEN“ FORDERT NICOLAS SARKOZY 08     MITZVAH-DAY IN DEUTSCHLAND EIN AKTIONSTAG DER GUTEN TATEN GEWALT GEGEN 09     FLÜCHTLINGE KOMMENTAR VON SIMONE HOFMANN 25     VATIKAN WEITER AUF DEM WEG DER KOEXISTENZ GEMEINSAMKEITEN TROTZ VIELER NOCH UNGEKLÄRTER FRAGEN 10-13     50 JAHRE DEUTSCH-ISRAELISCHE BEZIEHUNGEN EIN RÜCKBLICK Kultur 26-27     KULTURHAUPTSTADT 2016 WROCŁAW (BRESLAU) BEREITET SICH VOR 16     VOM ÜBERLEBEN IM WALD KINDHEITSERLEBNISSE IN DER SHOA 07     NACKTE VENUS VERHÜLLT ITALIENS KNIEFALL VOR ROHANI 17     „DIE SCHLAUE ESTHER“ FÜR KINDER AB 3 JAHRE 16     EIN JIDDISCHER KLASSIKER „EMIL UND KARL“ JETZT AUCH AUF DEUTSCH Religiöses Leben 24     FÜR IHRE SOLIDARITÄT MIT DEM JUDENTUM ANGELA MERKEL ERHIELT IN BERLIN DEN ABRAHAM-GEIGER-PREIS 27     INTERNATIONALE BET DEBORA TAGUNG IN BRESLAU 05     PIDJON HA-BEN EINE SELTEN AUSGEFÜHRTE ZWEITE PFLICHT DES VATERS NACH DER BESCHNEIDUNG 17     COMICBUCH BRINGT KINDERN DIE TORA NAHE Editorial 03    VORWORT AUS DEM GIFTSCHRANK DER GESCHICHTE HITLERS „MEIN KAMPF“ IST BEREITS VERGRIFFEN 03     IMPRESSUM 4 jüdisches europa

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religiöses leben PIDJON HA-BEN EINE SELTEN AUSGEFÜHRTE ZWEITE PFLICHT DES VATERS NACH DER BESCHNEIDUNG Vater darf weder ein Kohen noch ein Levit sein und auch die Eltern der Mutter nicht. Ursprünglich waren alle Erstgeborenen g‘ttgeweiht und gehörten ihm. Sie waren für das spätere Priesteramt vorgesehen. Nach dem Bau des Goldenen Kalbs jedoch verloren sie ihr Anrecht gegenüber den Leviten, die als einzige zu G‘tt hielten und das Kalb nicht angebetet hatten. Seitdem haben die Nachkommen Aarons das Recht, die jüdischen Erstgeborenen vom Tempeldienst zu befreien, und das bis heute. Das Festhalten an den vorgeschriebenen Riten, betont Roman Kuperschmidt, der sein Geld als jüdischer Pidjon Ha-Ben in der Frankfurter Westend-Synagoge: Beobachter Rabbiner Julien Chaim Soussan (l.), Vater Roman Kuperschmidt mit Baby Ja‘akov, Mutter Anna Kuperschmidt, und der kleine Cousin. Kohen Denis Katz hält das Tablett mit den Münzen. uf einem Silbertablett liegt ein Baby. Gerade mal 31 Tage alt ist der kleine Ja‘akov. Feierlich überreicht Vater Roman Kuperschmidt seinen Erstgeborenen einem Kohen. „Meine israelitische Frau hat mir diesen erstgeborenen Sohn geboren“ spricht er dabei in Hebräisch und der Kohen fragt ihn, was ihm lieber wäre, seinen Sohn zu geben, oder fünf Silberschekel. Natürlich entscheiden sich die Eltern für ihren Sohn und der Vater überreicht dem Kohen das Auslösungsgeld. Alle sind festlich gekleidet, auch das Baby ist mit Schmuckstücken versehen, das die anwesenden Frauen auf das Kissen legten. Verwandte und Freunde schauen zu, als der Vater die Münzen überreicht und damit seinen Sohn auslöst. Zwei jüdische Geistliche, Rabbiner Julien Chaim Soussan und Rabbiner Shlomo Raskin beobachten den Vorgang genau. Kohen Dennis Katz segnet das Neugeborene. „Es ist eine große Mizwe“, sagt Vater Roman. Neunmal wird die Auslösung in der Tora erwähnt. Dennoch findet die Zeremonie A des „Pidjon Ha-Ben“ nur selten statt. Eine große Hürde soll überwunden werden: der Kleine muss männlich und das erstgeborene Kind einer jüdischen Mutter sein, die ihn auf natürlichem Weg geboren hatte, ohne Kaiserschnitt und ohne sonstige medizinische Hilfsmittel. Der Kohen Denis Katz beim Segnen der männlichen Gäste.     Fotos Alexis Canem Unter der Aufsicht des Rabbinats der IGB Gepflegt koscher essen? In Basel bei uns im Gemeindehaus! Albert Dreyfuss Leimenstrasse 24 · 4051 Basel Tel. + 4161 206 95 00 Fax + 4161 206 95 01 e-mail · topas.bs@tiscalinet.ch www.restaurant-topas.ch Musiker und Klarinettist verdient, „ist der richtige Weg im Leben. Ohne Ausübung unserer Religion gibt es keine Freude, kein Glück und nur oberflächlichen Erfolg“. Leicht war es nicht, erzählt er weiter, die fünf Silberschekalim zu besorgen. Er fand sie übers Internet bei einem Münzhändler. Es war ein freudiger Tag, mit reichlich Essen und Trinken, natürlich gab es auch Zuckerwürfel und Knoblauchzehen, die jeder mit nach Hause nehmen durfte. Und der junge Kohen segnete alle Männer, die ihn darum baten. jüdisches europa 5

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