Royal Enfield

 

Embed or link this publication

Popular Pages


p. 1

von dirk w kÖster monsenstein vannerdat

[close]

p. 2

dirk w köster royal enfield ­ die legende lebt monsenstein vannerdat

[close]

p. 3

dirk w köster »royal enfield ­ die legende lebt« lizenzausgabe 2009 im verlagshaus monsenstein und vannerdat ohg münster www.mv-publishers.com copyright der deutschen ausgabe © 2005 heel verlag gmbh lektorat der originalausgabe joachim hack bad honnef bearbeitung für die vorliegende ausgabe satz und gestaltung tom van endert monsenstein vannerdat alle rechte vorbehalten gedruckt in der eu isbn 978-3-938568-92-7

[close]

p. 4

gut zu wissen motorräder der firma royal enfield werden seit mehr als 100 jahren gebaut das stammwerk existiert nicht mehr viel historisches material wurde beim brand im »national motorcycle museum« in england vernichtet bei der recherche zur royal enfield geschichte vor 1967 gibt es in verschiedensten archiven und publikationen teilweise widersprüchliche informationen zu modellreihen baujahren und begebenheiten so kann es trotz der größten mühe bei der erstellung dieses buches zu abweichungen zu anderen publikationen kommen wir bitten nicht nur dieses zu entschuldigen sondern würden uns über entsprechende korrekturen freuen gleiches gilt über die frühe geschichte des indischen werkes es gibt nur wenige aufzeichnungen in den frühen jahren legte man eben mehr wert auf den bau von motorrädern als auf die pflege von archiven dennoch ist es gelungen durch gespräche mit enfield-leuten der »ersten stunde« sowie durch alte aufzeichnungen teils von händlern und ehemaligen mitarbeitern die geschichte des indischen werkes bestmöglich zu dokumentieren deshalb sei an dieser stelle allen gedankt die zum gelingen dieses buches beitrugen hans detlef kluge der sich an langen abenden durch die enfield geschichte bis zum ende des zweiten weltkriegs arbeitete und die entsprechenden kapitel verfasste joshi ashish von royal enfield der wichtige kontakte zur englischen royal enfield szene knüpfte und uns die verwendung von werksbildern sowie den werksbesuch ermöglichte dennis k seager der uns als archivar des royal enfield owners club mit seltenem historischem bildmaterial versorgte dem royal enfield owners club dessen sorgfältige aufzeichnungen uns oft nützlich waren der marketing abteilung von royal enfield die uns mit fakten und material versorgte der geschäftsleitung der firma royal enfield die uns fast unbeschränkten zugang zum werk ermöglichte und unseren aufenthalt und unsere recherchen großzügig unterstützte mr vikran der uns das royal enfield werk und die indische motorradszene näher brachte mr pasupathi der uns viele tage durch das werk führte und mr eshwari der uns eine ganze woche lang todesmutig mit seinem dreiradtaxi kreuz und quer durch das verkehrsgewühl von madras kutschierte.

[close]

p. 5

der firma southern motors in madras wo wir viel über den indischen motorradmarkt und hintergründe über die enfield geschichte erfuhren udo haubrich und fritz wetzlar von der firma zmt die den kontakt zum werk herstellten uns bei der reiselogistik halfen und uns mit testmaschinen studiofotos und anderem material unterstützten meiner frau adriane köster die für viele der schönen fotos in diesem buch sorgte dirk w köster 2005 auch gut zu wissen seit dem ersten erscheinen dirk w kösters »royal enfield ­ die legende lebt« im heel verlag und dieser aktuellen ausgabe sind nur wenige jahre vergangen obwohl royal enfield indien 2005 seinen fünfzigsten geburtstag feierte und stolz behaupten konnte das sich an der bullet in fünf jahrzehnten eigentlich nichts verändert hat so hat sich ­ zumindest für den europäischen markt ­ in den letzten vier jahren doch einiges getan dank der immer schärferen bestimmungen für die zulassung von neufahrzeugen wurde neben dem in diesem buch ausführlich behandelten »lean burn«-motor ein vollkommen neues triebwerk entwickelt der »unit«-motor dirk w kösters buch ist aber trotz dieser Änderungen weiterhin so aktuell wie 2005 denn eine »bullet« bleibt eben eine »bullet« wir hatten also das glück den originaltext so belassen zu können wie er war dort wo wir aktuelles angefügt haben haben wir es im inhaltsverzeichnis mit einem sternchen vermerkt an dieser stelle dankt der verlag monsenstein und vannerdat herrn fritz wetzlar von der firma eifeltec team ehekmals zmt für die freundliche hilfe bei dieser neuausgabe monsenstein vannerdat 2009

[close]

p. 6

inhaltsverzeichnis allen trends zum trotz der start einer legende endlich ­ die erste royal enfield antriebskonzepte ändern sich seitenwagen wechselgesteuerter v-twin zweitakter der erste weltkrieg die goldenen zwanziger zwei herausragende ingenieure die wirtschaftskrise 1930 das modell co 1931 aus j wird j31 der kracher von 1931 das modelljahr 1932 bite the bullet neuigkeiten im modelljahr 1935 1936 lotrecht stehende zylinder sportmodelle 1937 neue v-twins 1938 500 cm³ in zwei versionen 1938 die alu-bullet 1939 neues outfit royal enfield im zweiten weltkrieg massenprodukt im krieg was produzierte enfield im krieg nachkriegsverwertung nachkriegsjahre in redditch anfänge beim wiederaufbau die aufstrebenden 50er-jahre the roaring sixties weiter auf sparflamme enfields never die 1955 2005 50 jahre enfield in indien 50 jahre royal enfield in indien die erfolgsgeschichte einer zweiradlegende massenprodukte für ein millionenvolk »vollgas voraus« aufwärts mit eicher made in madras 8 11 12 13 15 16 17 19 20 21 22 26 26 27 27 28 29 30 31 31 32 33 33 35 37 37 39 41 41 44 57 59 60 62 64 67 70 72 76 6

[close]

p. 7

auf ins werk das werk mechanische fertigung kurbelwellenfertigung die motorenmontage die schaltboxen motorenkomplettierung die blechteile die rahmen hochzeit testen um immer besser zu werden der weg zum kunden made like a gun die technik der bullet das heute lässt grüßen »lean burn« das neue fünfganggetriebe Ölbrenner aus madras royal enfield bullet »classic« von den zeiten unberührt royal enfield bullet »classic de luxe« royal enfield bullet »sixty-5« royal enfield bullet »electra« aktuelle modelle modellpflege mit ruhiger hand bullet forever liebe auf den zweiten blick walk around aufsitzen ein etwas anderer motorradmarkt enfield in indien aktuelle modelle in indien »royal enfield thunderbird twinspark« »royal enfield bullet machismo 500 und 350« »royal enfield electra 5s« »royal enfield bullet 350« höhere sphären der individualität klassische umbauten verzeichnis der royal enfield händler 78 78 80 85 88 92 93 96 100 100 102 105 109 115 116 118 122 124 125 126 128 130 135 136 137 142 148 148 148 149 149 150 150 151 7

[close]

p. 8

allen trends zum trotz royal enfield ­ der name einer legende ein name der wie kein anderer für ungebrochene traditionen steht so ist royal enfield nicht nur eine der ältesten motorradmarken der welt sondern unbestritten die mit abstand am längsten produzierende bereits 1851 begann george townsend unter dem firmennamen givry works im englischen hunts end mit der produktion von nähnadeln mit dem 1880 beginnenden boom des sicherheitsfahrrads in seiner noch heute üblichen bauart stiegen auch die givry works in die fahrradproduktion ein nach der Übernahme einer handwaffenprodukion im zwei meilen entfernten redditch produzierte man bald unter dem neuen markennamen »enfield« stets mit dem zusatz »made like a gun« bereits 1897 verließ das enfield quadricycle ein urahn heutiger spaßvehikel die werkshallen seit im jahre 1901 das erste enfield motorrad in redditch das licht der welt erblickte gilt ein eiserner grundsatz Ändere nie ein bewährtes produkt es sei denn du kannst es wirklich optimieren so folgten jahrelang nur behutsame modelländerungen die zumeist dem zweck qualitativer verbesserung dienten so erlangten die motorräder aus redditch einen legendären ruf getreu dem firmenmotto »made like a gun« wurde stets nach den edlen grundsätzen britischen maschinenbaus gearbeitet beliebt waren die royal enfield produkte in den kolonien besonders in den unendlichen weiten indiens mit extremen klimatischen unterschieden vertraute man gerne auf die »bullets« aus redditch die steigende nachfrage konnte schließlich nur mit einem eigenen montagewerk befriedigt werden im südindischen madras wurde 1955 ein modernes werk erbaut zunächst wurden dort aus dem stammwerk angelieferte baugruppen montiert aber mehr und mehr komponenten wurden im laufe der jahre in indien selbst gefertigt ab 1957 verließen schließlich komplette bullets »made in india« die hallen in madras fernab vom mutterland überlebte die royal enfield bullet in indien den niedergang der einst so glorreichen britischen motorradindustrie letztlich war es die schier unersättliche nachfrage nach soliden motorrädern auf dem subkontinent die das Überleben dieses unikums bis hin zum heutigen tag gesichert hat keine zehn jahre nachdem die letzte royal enfield das englische werk verlassen hatte begannen einige enthusiastische importeure schon mit dem import der bullets aus dem hierzulande fast vergessenen indischen werk 8

[close]

p. 9

heute erleben diese klassiker eine wahre renaissance ob in amerika oder in »old europe« die enfield freunde haben in der bullet ihr fahrzeug gefunden ein motorrad das so wunderbar gegen den strom der mit seelenloser komplizierter elektronik überladenen plastik verkleideten high-tech-bikes anschwimmt dieses buch erzählt die mehr als 100-jährige geschichte der traditionsmarke royal enfield von den anfängen in redditch bis zu den heutigen enfields aus madras werden alle modelle und baureihen erläutert ein großes kapitel rekapituliert die faszinierende historie des werkes in madras und zeigt wie dort heute die enfield motorräder mit traditionellen produktionsmethoden und viel handarbeit gebaut werden ­ getreu dem alten motto »made like a gun« viel spaß bei der lektüre dieses buches über die motorräder mit »gediegener klassik statt einer menge plastik« wünscht dirk w köster 9

[close]

p. 10

1898 stolz präsentieren die »salesmen« den royal enfield messestand aufder ersten motorradmesse in dublin 10

[close]

p. 11

der start einer legende royal enfield ist »very british« vieles auf der insel wird von sehr weit zurückreichenden traditionen geprägt und getragen so eben auch die stolze und geschichtsträchtige motorradmarke royal enfield ­ grund genug zunächst in die historie einzusteigen um sich bewusst zu werden wie es damals in der mitte des 19 jahrhunderts in england aussah als eine der ungewöhnlichsten geschichten des motorradbaus begann das vereinigte königreich wurde in dieser zeit von queen victoria regiert sie tat das sechzig lange jahre und ihre regentschaft war von vielen erfolgen geprägt england erlebte unter ihrer Ägide eine regelrechte blütezeit noch heute spricht man vom viktorianischen zeitalter james watt hatte die dampfmaschine entscheidend verbessert und damit ihren einsatz als produktionsmittel überhaupt erst ermöglicht die industrialisierung nahm ihren lauf plötzlich konnten waren und güter in bis dahin unvorstellbaren mengen und vor allem in wesentlich kürzerer zeit als jemals zuvor hergestellt werden allenthalben entstanden kleine fabriken aus denen sich im laufe der jahre mitunter große konzerne wie hierzulande krupp oder thyssen entwickeln konnten Überall in den europäischen kernländern herrschte damals aufbruchstimmung in hunts end einem winzigen Örtchen bei redditch in der grafschaft worchestershire gelegen hatte george townsend 1851 begonnen stecknadeln und angelhaken zu produzieren ideale produkte für die fertigung in den neuen fabriken mit produktionsmethoden die durch die dampfmaschine realität geworden waren in den ersten jahren wechselte man allerdings das produktionsprogramm häufiger ständig auf der jagd nach besserem gewinn und optimierter effizienz schließlich nahm man den wunsch der bevölkerung nach gesteigerter mobilität wahr so entschloss man sich in die produktion von fahrrädern einzusteigen das erste modell hatte schnell den spitznamen »barbarischer knochenschüttler« weg den vätern des gefährts war schnell klar dass man es im laufe der zeit dringend verbessern musste mit townsends patentiertem sattel wurden die gesäße der damaligen radler dann wesentlich weniger strapaziert und die fahrräder erhielten ein höheres maß an komfort 1890 wurde die georges townsend co ltd gegründet hier produzierte man unter eigenem namen fahrräder und fahrradteile in den nächsten jahren gab es ständig veränderungen und mit albert eadie bekam die firma einen neuen direktor und finanzier 11

[close]

p. 12

eadie hatte kontakte zur royal small arms factory in enfield middlesex aus dieser verbindung resultierten 1893 der namenszusatz »royal« und schließlich der weltberühmte slogan »made like a gun« jetzt war es nur noch ein kleiner schritt zum motorisierten zweirad endlich ­ die erste royal enfield 1901 war es soweit ­ es entstand das erste motorrad der kleine einzylinder-zweitaktmotor hing über dem vorderrad und war starr am steuerkopf befestigt die antriebseinheit verfügte über den passablen hubraum von 172 cm³ mit einem »crossed belt« einem sich kreuzenden antriebsriemen wurde das hinterrad in rotation gebracht durch die gekreuzte riemenführung verhinderte man dass der riemen ­ etwa bei nässe ­ durchrutschte schon zwei jahre später also 1903 verlegte man den motor in die nähe des »tretlagers« bei royal enfield hatte man die enormen vorteile dieser neuen einbauposition erkannt waren die fahrwerke zuvor bedingt durch die kopflastige konstruktion in ihrem fahrverhalten eher gewöhnungsbedürftig so hatten sie mit dem tiefliegenden schwerpunkt einen quantensprung in sachen handling vollzogen rückblende 1897 bereits hatte r.w smith der technische direktor den a eadie ins unternehmen geholt hatte mit einem vierrädrigen fahrzeug dem »quadricycle« zu experimentieren begonnen ein simples mobil das bedingt durch die rahmenbauweise einem fahrrad ähnlich sah der motor war unter dem fahrersitz zwischen den hinterrädern montiert ein fahrgast konnte mitgenommen werden musste aber nach heutigen gesichtspunkten schon recht mutig sein er saß nämlich sehr tief noch vor den vorderrädern und befand sich somit 12

[close]

p. 13

in bester stoßfängerposition das mit zwei personen besetzte fahrzeug kam immerhin schon auf die wahnsinnige geschwindigkeit von etwa 30 km/h was muss das für ein beängstigendes tempo für den frontmann gewesen sein ein zweiganggetriebe half dem vierrädrigen gefährt über die hügel des vereinigten königreichs dem quadricycle wurde dann in gewisser weise noch eine späte ehre zuteil nicht nur von der bezeichnung her kann man es als einen frühen vorfahren der quads der spaßvehikel des 21 jahrhunderts bezeichnen urahn moderner quads das royal enfield quadricycle zwischenzeitlich hatte man sogar versucht »richtige« pkw zu produzieren erkannte aber bald die geringen erfolgsaussichten dieser produktlinie 1903 kam die endgültige abkehr von allen vierrädrigen fahrzeugen bevor wir uns wieder den zweirädern zuwenden soll noch eine kleine geschichte nicht unerwähnt bleiben die sich mit dem royal enfield quadricycle zutrug dieses skurrile vehikel nahm 1900 an einer 1000-meilen-rundfahrt teil organisiert vom ehrwürdigen »automobile club of great britain and ireland« das enfield team litt unter ständigen pannen und es hatte ernsthafte zweifel überhaupt je die zielflagge zu sehen doch auch die anderen konkurrenten mussten ständig schrauben und so gab es am ziel völlig überraschend eine silbermedaille antriebskonzepte ändern sich eine grundlegende entscheidung wurde bei royal enfield 1910 getroffen der viertakt-v-twin sollte zukünftig die motorenbautechnik bestimmen die triebwerke arbeiteten nach dem jap oder mag-konzept waren also mit stehenden von einzelnen nockenwellen betätigten ventiltrieben ausgestattet die ersten eigenen zweizylinder pro 13

[close]

p. 14

voll im trend royal enfield tricycle von 1900 duzierten aus 305 cm³ hubraum gerade mal 2,25 ps eine leistung die vorn und hinten nicht ausreichte des lobes voll war man hingegen über den sanften und runden motorenlauf und es gab eine weitere revolution bei diesem modell die nachteile des ledernen antriebsriemens hatte man durch den einsatz der modernen wesentlich langlebigeren rollenkette kompensiert auch den eklatanten leistungsmangel versuchte man in der folgezeit zu beheben schon 1912 kam das modell 180 heraus angetrieben von einem 770 cm³ großen seitengesteuerten jap-v-twin in dieser maschine fanden sich erstmals gummi-silent-dämpfer im hinterrad zur reduzierung des kettenverschleißes und zur geräuschminderung ein merkmal von dem achtzig jahre später viele besitzer japanischer motorräder nur träumen konnten geschaltet wurden zwei gänge gerade dieses triebwerk wurde fortan immer wieder in die zahllosen seitenwagenmodelle integriert die seinerzeit sehr populär waren bei royal enfield hatte man stets eine große palette an unterschiedlichen seitenwagenmodellen für jedes einzelne motorrad im angebot 14

[close]

p. 15

seitenwagen das motorrad hatte in jener zeit in erster linie praktische bedeutung es war das schnelle und wendige lieferfahrzeug für viele kleinunternehmer in dem seitenwagen wurden lebensmittel milch zeitungen einfach alles mögliche transportiert unterschiedlichste aufbauvarianten waren im angebot sportliche stromlinienbüchsen aus leichtem aluminium oder komfortable und etwas geräumigere tourengefährte waren ebenso lieferbar wie kastenaufbauten für milchmann bäcker und andere kleingewerbler die unterschiedlichen nutzaufbauten waren natürlich auch gleichzeitig gut geeignete werbeflächen und stets aufwändig lackiert eine besonderheit stellte der seitenwagen aus weidenkorbgeflecht dar ­ der passagier war stets allseits gut belüftet regnen durfte es allerdings nicht unter den tourenmodellen gab es natürlich auch mehrsitzige ausführungen für familien mit kindern seitenwagen für jeden zweck waren das transportmittel des victorianischenzeitalters 15

[close]

Comments

no comments yet