Historisches Blatt 1

 

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Nr. 1 - 5 2002 Neuauflage der Historischen Blätter Die Entstehung des Ahrensburger Schlosses Die Leibeigenschaft im Gutsbezirk Ahrensburg Ahrensburg um 1900, Geschichte und Geschichten Die Hagener Allee Die Schauenburger – 350jährige Herrschaft in Schleswig – Holstein

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Nr. 1 Ahrensburg 1. Dezember 1983 Die Entstehung des Ahrensburger Schlosses Sie wußten nicht, daß es ein Abschied für immer sein würde, als die Brüder Daniel und Peter Rantzau im Jahre 1568 im Elternhaus in Deutsch-Nienhof, zwischen weiten Wiesen und sanft geschwungenen Hügeln in der Nähe des schönen Westensees gelegen, auseinander gingen. Bei vertrauten Gesprächen am knisternden Kaminfeuer Er nahm am Kampf gegen die Dithmarscher teil und erwarb umfassende Kenntnisse im Kriegshandwerk. Nun brach er auf, um als Obrist des dänischen Königs Friedrich II gegen die Schweden in den Krieg zu ziehen. Viele Kämpfe hatte er erfolgreich bestritten, warum sollte dieser nicht siegreich enden? Es war erst ein Jahr her, daß dieser König ihm als Dank für die Ruhmestaten, aber auch als Ausgleich für die entstandenen Kriegskosten, die der reiche Rantzau verauslagt hatte, die alte Burg Arnesfelde für 6oo Mark Lübisch überlassen hatte, zwar halb verfallen, aber immerhin mit vier dazugehörigen Dörfern. Stolz hatte Daniel von diesem Gunstbeweis des Königs berichtet. Peter Rantzau war Besitzer der nahegelegenen Güter Schierensee und Mühlendorf, Träger des Elephantenordens und Amtmann in Flensburg, angesehen beim König und dessen einflußreicher Ratgeber. Zu einflußreich, meinten seine Neider und sie warnten einander vor dem Machtstreben der Rantzaus! Nicht weit von Flensburg plante er ein prächtiges Herrenhaus, die Troiburg, die seinen Reichtum bezeugen sollte. Diesen Reichtum zu mehren war sein Ziel. Man sagte von ihm, daß er es verstand, mit List und Tücke die ungebildeten Bauern davon zu überzeugen, daß es für sie besser sei, einem Herrn zu gehören, der für sie sorge. War dann der “Pflugschatz“ (eine Steuer, die der Gutsherr abführte) erst einmal bezahlt, bedeutete das die vollendete Leibeigenschaft, und dann ging Peter Rantzau wahrhaftig nicht zimperlich mit seinen Untertanen um! (Noch nach seinem Tode wurde erzählt, er geistere mit der Meßkette über die Felder, um Bauernland dem Gutshof zuzuschlagen.) Ein Jahr war seit der letzten Begegnung der Seite 1 Deutsch-Nienhof (Parkseite) waren ihre Gedanken in die gemeinsam verbrachte Zeit zurückgewandert. Sie hatten des Vaters, Gosche Rantzau, gedacht, der vier Jahre schon in der Familiengruft in der Westenseer Kirche ruhte und dessen Haus jetzt dem ältesten Sohn Daniel gehörte. Eine erstklassige Bildung, dem hohen Adelsstande entsprechend, hatte er seinen Söhnen ermöglicht. Mit 15 Jahren schon hatte Daniel das Elternhaus verlassen, um im Hause Luthers in Wittenberg drei Jahre lang seinen Studien nachzugehen. Dort lernte er auch die neue Lehre kennen, die der Reformator verkündete. Nach seiner Rückkehr in die Heimat trat er in die Dienste des Herzogs Adolf von Gottorf und verbrachte zusammen mit seinem Herrn sieben Jahre am Hofe Karls V. Neuauflage Historische Blätter 1-5

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Seite 2 Nr. 1/83 Brüder vergangen, da überbrachten reitende Boten die schreckliche Nachricht: Der große Feldherr Daniel Rantzau war in Varborg in Schweden einer feindlichen Kugel erlegen. Tiefen Schmerz empfand der Bruder bei diesem Verlust. Aber war es nicht ehrenvoll, auf dem Schlachtfeld zu sterben? Eine prachtvolle Bestattung, vom König veranlaßt, würde noch einmal von dem Mut und der Tapferkeit eines Mannes aus dem alten Adelsgeschlecht der Rantzaus verkünden. Aber diese Hoffnung wurde enttäuscht, der König vergaß den Dank. Im Gegenteil, kleinliche Eifersucht veranlaßte den eitlen König, den Humanisten Heinrich Rantzau, der in einem Heldengedicht die Ruhmestaten seines Vetters Daniel hervorgehoben hatte, in einem scharfen Brief zu rügen, ihm, dem König, gebühre die Ehre, denn er habe als oberster Kriegsherr an der Belagerung teilgenommen. Dennoch wollte Friedrich II Daniel Rantzau in Dänemark bestatten lassen. Aber die Brüder Anton und Peter ließen den Leichnam in die Heimat überführen und mit großer Feierlichkeit in der Familiengruft in der kleinen Kirche in Westensee beisetzen. Aus Sandstein, mit Alabaster überzogen, ließen sie ein Denkmal fertigen, das den toten Peter erbte vom Bruder den ganzen Besitz, das Bewegliche und das Unbewegliche, wie das Testament verhieß. Das Bewegliche war die Braut Daniels, Catharina von Damme, jung, schön und aus einer reichen und angesehenen Familie des Landes. Es fiel Peter nicht schwer. dieses Erbe anzutreten. Er heiratete Catharina im folgenden Jahr, und bald wurde ihnen ein Sohn geboren, der den Namen Daniel, dem Verstorbenen zum Gedenken, erhielt. Das rastlose und ausgefüllte Leben des Peter Rantzau ließ den ererbten Besitz in Arnesfelde fast in Vergessenheit geraten. Aber dann begann er zu kränkeln, und Gedanken an ein geruhsameres Leben erfüllten ihn mehr und mehr. Die sprichwörtliche Bauleidenschaft der Familie Rantzau ließ in ihm den Plan reifen, für sich und seine Familie einen Alterswohnsitz entstehen zu lassen, der alle anderen Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein in den Schatten stellen und der Gipfel des goldenen Rantzauschen Zeitalters werden sollte. Sein Wunsch war, in der Nähe eines Dorfes zu wohnen. So wählte er zum Bauplatz das liebliche Auetal, nahe bei dem Orte Woldenhorn. Das Baumaterial, Findlinge für die Fundamente und Backsteine im Klosterformat, lag in großen Mengen an der jahrhundertelang verödeten Burg Arnesfelde, und Bauern, die den Transport zum Bauplatz durchführen könnten, lebten in den ihm gehörenden Dörfern Arnesfelde, Meilsdorf, Bünningstedt und Woldenhorn. Wie Peter Rantzau es schaffte, die bisher freien Klosterbauern in die Leibeigenschaft zu übernehmen, ist im Dunkel der Geschichte verborgen. Aus alten Unterlagen ist aber bekannt, daß im Jahre 1596 der Pflugschatz von ihm für die Bauern bezahlt wurde. Welch verheerenden Einfluß die Leibeigenschaft auf das Leben dieser hier ansässigen Menschen ausüben würde, hatte sicher keiner von ihnen erwartet. Unter der Klosterherrschaft konnte der bescheidene Besitz jedes Einzelnen vererbt Neuauflage Historische Blätter 1-5 Grabmal Daniel Rantzaus in der Kirche Westensee Bruder darstellt. Der gelehrte Heinrich Rantzau verfasste die Inschrift. Noch heute kündet dieses Monument vom Ruhme der Rantzaus. Seite 2

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Nr. 1/83 Seite 3 werden, und da im Reinfelder Kloster genügend Laienbrüder lebten, wurden keine Spanndienste von den Untertanen gefordert. Die Lage dieser Menschen änderte sich schlagartig. 3000 Findlinge wurden von ihnen aus der 3 km entfernten Burg Arnesfelde mit den primitivsten Hilfsmitteln zum Bauplatz bei Woldenhorn transportiert. Tiefe Gräben waren auszuheben, die von steinernen Bogenbrücken überspannt wurden, und Wälle aufzuschütten, um der neuen Burg einen wehrhaften Charakter zu verleihen. Auf der durch die Umleitung der Aue neu entstandenen Insel entstand in den Jahren 1590 bis 1595 unter der Leitung eines unbekannten Baumeisters ein Schloß, das Elemente der heimischen Architektur mit denen der italienischen Spätrenaissance vereinigt. Die eleganten Türme und die beschwingten Schweifgiebel vermitteln den Eindruck von Leichtigkeit und Eleganz. Es entstand ein Haus, das den Anforderungen an Wohnkomfort und Repräsentation der Bewohner entsprach. darauf hinzuweisen, daß dies seinem Vetter viel Geld gekostet hat. Fast gleichzeitig ließ Peter im Orte Woldenhorn seine Grabkirche errichten und in Nachbarschaft der Kirche die sogenannten Gottesbuden, 24 Wohnungen für arme Gutsuntertanen. Er hinterlegte “für ewige Zeiten“ ein Kapital, um aus den Zinsen die Bewohner wirtschaftlich sicherzustellen. Sein Wunsch, in der neuen Burg noch glückliche Jahre zu verbringen, ging nicht in Erfüllung. Krankheiten machten ihm immer mehr zu schaffen. Der einzige Sohn Daniel war l8 jährig in Padua verstorben. Auch Catharina von Damme starb. Einsam wurde sein Leben. 1598 entschloß er sich zu einer neuen Ehe mit Margaretha aus dem Hause Siggen. Allmählich begann Peter Rantzau, sich auf sein Ende vorzubereiten. Er spürte, wie er in seinem Testament schrieb, “mit schwachem Leib die Vergänglichkeit dieses Zeitlichen“. “Das, was mein Gut Ahrensburg und was dazu gehört angeht, soll nach meinem Tode alles beieinander bleiben, damit alles, was ich mit so großer Mühe und Arbeit zusammengebracht und erbauet, nicht auseinanderfalle oder auch in fremde Hände geraten möge!“ 1602 starb Peter Rantzau. Die Bestimmung in seinem Testament behielt für sieben Generationen seiner Nachkommen Gültigkeit. Für die Leibeigenen des Gutes bedeutete die 170 Jahre währende Herrschaftszeit der Rantzaus eine Kette von Unterdrückung und menschlicher Erniedrigung. Der Verkauf an den reichen Kaufmann und späteren Schatzmeister des dänischen Königs, Heinrich Carl Schimmelmann, weckte Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. Ahrensburger Schloß, Südansicht Den unerhörten Luxus silberner und goldener Tapeten in den Innenräumen erwähnt Heinrich Rantzau in der Cimbrischen Landesbeschreibung, und er vergißt auch nicht, Die HISTORISCHEN BLÄTTER werden herausgegeben vom “Historischen Arbeitskreis Ahrensburg“. Sie erscheinen unregelmäßig. Verantwortlich: Christa Reichardt Fritz-Reuter-Straße 23 22926 Ahrensburg Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 3

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