Historisches Blatt 4

 

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Nr. 1 - 5 2002 Neuauflage der Historischen Blätter Die Entstehung des Ahrensburger Schlosses Die Leibeigenschaft im Gutsbezirk Ahrensburg Ahrensburg um 1900, Geschichte und Geschichten Die Hagener Allee Die Schauenburger – 350jährige Herrschaft in Schleswig – Holstein

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Nr. 4 Februar 1985 Herausgeber: Historischer Arbeitskreis Ahrensburg Die Hagener Allee Als im Jahre 1759 Heinrich Carl Schimmelmann das Gut Ahrensburg mit dem dazugehörigen Dorfe Woldenhorn von Christian Rantzau erwarb, begann er damit, die armseligen Katen der Bewohner abzureißen. Sein Plan war, eine neue Ortsanlage im spätbarocken Stil zu schaffen. Der Baumeister Horn erkundete in seinem Auftrage beispielhafte Stadtanlagen in Frankreich und setzte seine Erfahrungen in kleinstem Maßstab in Woldenhorn in die Tat um. Zu dem Grundkonzept gehören die drei vom Rondeel ausgehenden Lindenalleen, die Hagener, die Manhagener und die Hamburger Allee. Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 19

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Seite 2 Nr. 4/85 Wie schon der Name verdeutlicht, führt die Hagener Allee zu der Hölzung Hagen. Zielpunkt der schnurgeraden Allee sollte ursprünglich die "Karolinenburg" sein, die für die Frau des Schatzmeisters, Caroline Tugendreich, geplant war, aber nicht zur Ausführung kam. An der gleichen Stelle wurde ein Vorwerk errichtet, aus dem später die Gaststätte "Forsthaus Hof Hagen" hervorging. Der Hausprospekt aus den dreißiger Jahren berichtet: "Man erreicht die herrlich im Walde gelegene Gaststätte für 30 Pfg. mit der Vorortsbahn bis Ahrensburg als Station der Eisenbahn, oder man fährt mit der Walddörferbahn bis Station Hopfenbach, die nur 15 Minuten von Hof Hagen entfernt ist. Vom Bahnsteig des Bahnhofs Hopfenbach hat man nach Südwesten einen weiten Überblick über die Moorlandschaft bis zum Hagen. Bei einem Spaziergang durch den großen Forstbezirk wird man von seiner urwüchsigen Schönheit überrascht sein. Auf dem halben Wege zum Gutshof Hagen findet sich an einer Buche das Bild zweier kämpfender Soldaten eingeschnitten, darunter die Jahreszahl 1813. Damals waren russische Soldaten auf Hagen einquartiert. Im Forsthaus Hagen, neben dem die Hügelgruppe des Wartenbergs auf eine alte Burgwarte hindeutet, findet die große Hauptachse der Ahrensburger Ortsanlage ihren Zielpunkt. Es wird erzählt, daß man früher mit einem Fernrohr durch die schnurgerade prächtige Lindenallee (Hagener Allee) hindurch die 2 1/2 Kilometer entfernte Ahrensburger Kirchenuhr ablesen konnte. Besucht nun der Wanderer nach einem kleinen Spaziergang durch den herrlichen Forst die Gaststätte Forsthaus Hof Hagen, so wird er erfreut sein über die gepflegten Getränke und über die vorzügliche Küche, die er dort vorfindet. Die Gaststätte ist das ganze Jahr geöffnet. Ebenfalls sind schöne Räume für Festlichkeiten vorhanden. Aufmerksame Bedienung bei zeitgemäßen Preisen erwartet den Gast, denn die Leitung des Gasthauses liegt in bewährten Händen.“ Seite 20 Neuauflage Historische Blätter 1-5

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Nr. 4/85 Seite 3 Hier fanden bis in die 60er Jahre hinein Schützenfeste statt, die in der Erinnerung der Ahrensburger noch heute lebendig sind. 1869 überlegten die Gemeindevertreter, ob die Hagener Allee von "Walls Haus" bis zur Eisenbahnlinie gepflastert werden sollte. 1870 berichtet der "Oldesloer Landbote": "Der seiner Schlechtigkeit wegen einen gewissen Ruf genießende vom hiesigen Orte nach dem Bahnhof führende Fahrweg, der bei schlechtem Wetter mehr einem ausgebildeten Sumpfe als einem Wege gleicht, wird jetzt endlich gepflastert und fahrbar gemacht." Der Krieg 1870/71 ließ diesen Plan nicht zur Ausführung kommen. Nach dem Krieg, als wieder Geld vorhanden war, dämmte man die Allee und im Frühjahr 1900 erhielt sie das erste Kopfsteinpflaster. Die schöne, obwohl jetzt holprige Pflasterung der Hagener Allee entstand 1908, fortgeführt wurde der Ausbau der Hagener Allee erst in den 30er Jahren durch den Reichsarbeitsdienst. Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 21

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Seite 4 Nr. 4/85 1934 wurde der Schimmelmannsche Besitz aufgesiedelt. Beim Forsthaus Hagen wurde ein Verkaufsbüro des Maklers H. Gerkens eingerichtet, das täglich geöffnet war. Seite 22 Neuauflage Historische Blätter 1-5

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Nr. 4/85 Seite 5 Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 23

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Seite 6 Nr. 4/85 Ursprünglich hatte die Hagener Allee als Wohn- und Geschäftsstraße keine Bedeutung, da der konzipierte Ort vom Schloß ausgehend am Rondeel endete. Das änderte sich schlagartig mit dem Bau der Hamburg-Lübecker Eisenbahn im Jahre 1865. Die Hagener Allee änderte sogar vorübergehend ihren Namen, sie wurde in Bahnhofstraße umbenannt. Hamburg rückte durch den regelmäßigen Zugverkehr um ein gutes Stück näher. Seite 24 Neuauflage Historische Blätter 1-5

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Nr. 4/85 Seite 7 Trotzdem wurde, wer sich in der Hagener Allee ansiedelte und gar einen Geschäftsbetrieb eröffnen wollte, mitleidig belächelt. So erging es auch 1864 dem Erbauer des Restaurants "Lindenhof", Sattlermeister Heinrich Eggert Kröger. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie im September 1865 fand der "Lindenhof" sofort regen Zuspruch durch die Reisenden. Viele Hamburger machten ihren Sonntagsausflug mit der Bahn nach Ahrensburg. Bald mußte der Lindenhof erweitert werden. Ein großer Saal entstand, der am 11. Mai 1893 eingeweiht wurde. In ihm fanden viele Veranstaltungen und Feste statt. 1930, als Johs. Schumann Besitzer war, gab es schon vier Verbandskegelbahnen, eine Theaterbühne und elf Autogaragen. Ende 1970 wurde das Restaurant abgerissen. Das Gelände dient jetzt als Parkplatz. Viele schöne Erinnerungen knüpfen sich an dieses alte Gebäude. Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 25

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Seite 8 Nr. 4/85 Bilder vom Anfang der Straße Am Anfang der Hagener Allee grenzten die Häuser direkt an die Straße. Erst mit den Hausnummern 14 (BettenBubert) und Nr. 7 (Schilling) weicht die Bebauungslinie zurück, und die Häuser erhielten schöne Vorgärten. 1902 wurde die GenossenschaftsMeierei auf der rechten Seite der Hagener Allee erbaut. Seite 26 Neuauflage Historische Blätter 1-5

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Nr. 4/85 Seite 9 Das Doppelhaus Nr. 14/16 wurde 1898 errichtet. Der Hamburger Glashändler Meier verkaufte es später an den Kaufmann Pegelow (jetzt Betten-Bubert und AdlerApotheke). Das Haus Hagener Allee Nr. 20 gehörte dem Zimmermeister Köster und anschließend Niels Hansen, der mit Molkereiprodukten handelte. Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 27

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Seite 10 Nr. 4/85 In dem adeligen Gute Ahrensburg wurde die Gerichtsbarkeit nicht durch königliche Beamte versehen. Es bestand die sogenannte Patrimonialgerichtsbarkeit des Gutsherrn, die er durch einen Justitiar ausüben lassen mußte. Der letzte dieser Gerichtsherren war Justizrat Huß. 1869 zog dieser in die Hagener Allee Nr. 15. Er hatte vorher "Am Alten Markt" gewohnt. Justizrat Huß und seine Familie. Die Familie war mit der Familie des Dr. Kindt befreundet, die das Haus Hagener Allee Nr. 13 bewohnte. Der Weg zwischen den Häusern hieß bezeichnenderweise "Doktorstieg" Seite 28 Neuauflage Historische Blätter 1-5

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Nr. 4/85 Seite 11 Um 1873 wurde das Haus Hagener Allee Nr. 24 für Johannes Wöl-ken erbaut. Rechts befand sich das Kolo-nialwarengeschäft und links die Gastwirtschaft, die nach dem Postbau 1933 den Namen "Gaststätte zur Post" erhielt. Der Nachfolger von Johannes Wölken war Emil Pahl, der außer mit Kolonialwa-ren noch mit Glas, Porzellan, Steingut, Steinkohlen aus Deutschland und England, Baumaterialien sowie Feldund Gartensämereien handelte. Der Waageplatz für die Fuhrwerke, die er benötigte, ist noch heute vor dem Hause vorhanden. Seit 1939 befindet sich dort die Drogerie Beumer. So sah das Haus Sietz früher aus. Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 29

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Seite 12 Nr. 4/85 Das Haus Nr. 17 gehörte der Holzhandlung Wulf Im Februar 1873 verlegte der Zimmermeister Wulf seinen Betrieb von der Großen Straße 23 in die Hagener Allee Nr. 19 direkt an die Bahnlinie. Die große Dampfsäge, die er aufstellen ließ, versetzte die Ahrensburger in Angst und Schrecken, in der Gemeindesitzung vom 27. September 1873 wurde sogar abgestimmt, ob sie aufgestellt werden dürfe. Aber es waren nur 4 von 38 Stimmberechtigten der Meinung, daß dem Ort aus dieser Gewerbeanlage mit dem hohen Schornstein und der Dampfsäge Nachteile entstehen könnten. Seite 30 Neuauflage Historische Blätter 1-5

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Nr. 4/85 Seite 13 Die Häuser im Landhausstil jenseits der Bahnlinie entstanden um die Jahrhundertwende, als viele wohlhabende Hamburger den Wunsch hatten, auf dem Lande zu leben. Ahrensburgs Gemeindeväter waren damals sehr bemüht, die Schönheiten der Natur und die gesundheitlichen Auswirkungen der Luft in Werbebroschüren darzustellen. Natürlich wurde auch auf die guten Verkehrsverbindungen zur Großstadt, die alle Bildungsmöglichkeiten, wie Theater, Konzerte, Vorträge und Unterrichtskurse erreichbar machten, hingewiesen. Man lebte geruhsam auf dem Lande. Milch und frische Brötchen brachte dieser Pferdewagen Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 31

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Seite 14 Nr. 4/85 Auch heute noch zählt die Hagener Allee mit ihren schattigen Lindenbäumen zu den schönsten Alleen des Landes Schleswig-Holstein. Quellen: Stadtarchiv Ahrensburg Verantwortlich: Edith Ziegler Rosenweg 29 e 22926 Ahrensburg Seite 32 Neuauflage Historische Blätter 1-5

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