Historisches Blatt 3

 

Embed or link this publication

Description

HAK

Popular Pages


p. 1

Nr. 1 - 5 2002 Neuauflage der Historischen Blätter Die Entstehung des Ahrensburger Schlosses Die Leibeigenschaft im Gutsbezirk Ahrensburg Ahrensburg um 1900, Geschichte und Geschichten Die Hagener Allee Die Schauenburger – 350jährige Herrschaft in Schleswig – Holstein

[close]

p. 2

, Nr. 3 Juni 1984 Herausgeber: Historischer Arbeitskreis Ahrensburg A H R E N S B U R G UM 1 9 0 0 GESCHICHTE UND GESCHICHTEN Ereignisse außerhalb Deutschlands In Paris fand 1900 die Weltausstellung mit dem neu erbauten Eiffelturm statt; das erste Seekabel nach New York wurde verlegt. Im Mittelpunkt des Interesses stand der Krieg in Südafrika zwischen den Buren und England und der Boxeraufstand in China. Preußen Wilhelm II regierte von 1888 - 1918 als deutscher Kaiser und König von Preußen. Er war mit Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg vermählt. Reichskanzler Fürst Hohenlohe trat im November 1900 zurück, sein Nachfolger wurde Graf Bülow. Stormarn Joachim von Bonin war 24 Jahre lang (von 1894 - 1918) königlicher Landrat in Stormarn. Die Kreisverwaltung lag in Wandsbek. Obwohl Wandsbek schon 1901 aus dem Kreisverband ausschied, blieb die Kreisverwaltung seltsamerweise sogar noch nach 1911 in Wandsbek. Darüber gab es erregte Diskussionen. Landrat von Bonin bereiste den ganzen Kreis Stormarn sehr ausgiebig. Man behauptete von ihm, daß es kaum einen Weg oder Steg gäbe, der ihm unbekannt sei. Dadurch wurde ihm auch bald klar, wie dringend Verkehrsverbesserungen waren. In seine Zeit fiel der Ausbau vieler Landwege, der Bau der Kreisbahn Trittau-Tiefstack und der Oldesloer-Elmshorner Bahn. Die Höchstgeschwindigkeit für Stormarns ersten Omnibus setzte er 1898 so fest: "Nicht schneller als ein im Trabe fahrender Wagen." 1912 stand die Wahl zum Reichstag an. In allen Bevölkerungskreisen wurde eine "ungeheure Verschwendung" diskutiert. Listen wurden von Haus zu Haus gegeben, in denen die Bürger ihrer Empörung über den Ankauf eines Kreisautomobils für den Landrat Luft machen konnten. Auf einem Wahlzettel stand dann auch: "Gut konservativ wählt' ich allzeit, das wär' auch so geblieben. Nun hat mich der Landrat und sein Geleit ins andere Lager getrieben! Das Kreishaus in Wandsbek und ein Kreisautomobil das ist doch dem stormarn'schen Bürger zu viel! Ich halt den Beschluß für einen Skandal, d'rum wähl' ich von heut' an nur noch liberal." Seite 13 Joachim von Bonin (1857-1921) Neuauflage Historische Blätter 1-5

[close]

p. 3

Seite 2 Nr. 3/84 Schimmelmann Das Ahrensburger Schloß wurde bis 1922 von Carl von Schimmelmann bewohnt. Er führte besonders die Pferdezucht seines Vaters weiter: 1905 standen im Marstall 80 - 90 Pferde; ein Viererzug Rappen, ein Viererzug Brauner mit weißem Stern und weißen Beinen und drei Deckhengste. Ernst Ziese. 1890 wurde er Gemeindevorsteher und blieb es bis zu seinem Tode. Ernst Ziese sorgte vor allem für den Ausbau der Straßen und der Versorgungsleitungen. Auf dem Hagen hielt der Graf 20 Mutterstuten. (Der Forst Hagen durfte übrigens nur mit schriftlicher Genehmigung des Gutsinspektors betreten werden, der Tiergarten im Beimoor gar nicht.) Die Tore wurden von Bluthunden bewacht. Graf Schimmelmann war auch in der Rinderzucht recht erfolgreich. Bei der Kreistierschau im Juni 1900 in Bargteheide wurden ihm mehrere Preise zuerkannt. Ahrensburg Gemeindevorsteher von Ahrensburg war In Ahrensburg war um 1900 manches anders, aber auch vieles gleich: ein Amtsgericht wurde 1905 gebaut und seit 1835 wurden alle 5 Jahre Volkszählungen durchgeführt, sie umfaßten auch Vieh und Obstbäume. Am 1. Dezember 1900 hatte Ahrensburg 309 bewohnte Wohnhäuser, 417 gewöhnliche Haushaltungen und 49 einzeln lebende Personen mit eigenem Haushalt. Die ortsanwesende Bevölkerung betrug 2090 Personen (1019 männlich, 1071 weiblich), das waren 243 mehr als bei der letzten Zählung 1895. Die Vieh- und Obstbaumzählung ergab 292 Gehöfte, solche mit Viehbestand: 232, 105 Pferde, 1 Esel, 180 Stück Rindvieh, 8 Schafe, 653 Schweine, 56 Ziegen, 1823 Stück Federvieh, 180 Bienenstöcke, 8011 Obstbäume. Zum Vergleich: Delingsdorf 414 Einwohner Ahrensfelde 208 " Segeberg 4 355 " Hamburg 767 385 " Blankenese 4 734 " Lokstedt 3 914 " Berlin 1 800 000 " Ernst Ziese (1846-1906) Seite 14 Neuauflage Historische Blätter 1-5

[close]

p. 4

Nr. 3/84 Seite 3 In einem Fremdenführer von 1911 wird Ahrensburgs gute Luft und dadurch bedingt die niedrige Sterblichkeit von 10,8 auf 1000 gerühmt. Im übrigen Preußen lag die Sterblichkeit bei 18 auf 1000. Trotzdem sind die Standesamtszahlen (von 1899) erschütternd: von 58 Sterbefällen sind außer 4 Totgeburten 18 Kinder unter 14 Jahren, also 1/3. Dabei wurde seit einiger Zeit schon etwas mehr für die medizinische Versorgung getan. Ab 1858 gab es eine Krankenkasse, die aber in Ahrensburg 1899 nur 29 Mitglieder hatte. Auf dem Grundstück Marktstraße 2a lag das gräfliche Krankenhaus "Siloah", benannt nach einer Heilquelle in Jerusalem. Dort konnten bis zur Straße und der Lohe, für 8000 Mark gekauft. Später stellte man fest, daß man nicht das ganze Grundstück benötigte und baute auf dem Rest das Amtsgericht. Der elektrische Strom veränderte die Lebensgewohnheiten, obwohl die Lichtstärken mehr als bescheiden waren. Für die "gute Stube" plante man 1-3 Glühlampen zu 16 "Normalkerzen", für Schlafzimmer und Küche hielt man 1 Glühlampe mit 10 "Kerzen" für ausreichend, und Vorplatz, Mädchenzimmer und Klosett mußten mit 5 "Kerzen" auskommen. Die Installation einer solchen Anlage einschließlich Sicherung und Ausschalter sollte etwa 100 Mark kosten. Die Straßenbeleuchtung bestand aus 87 Glühlampen und 2 Bogenlampen. Als sie am Sonntag, den 16. Dezember 1900, zum ersten Mal zur Probe eingeschaltet wurde, "erregte die strahlende Helligkeit allseitige Bewunderung." Es gab aber auch manchen, der Schwierigkeiten mit der neuen Technik hatte: so passierte es eines Tages, daß der Großvater aus Braak, zu Besuch in Ahrensburg, vergeblich versuchte, das Licht Seite 15 Das kleine Haus neben dem Krankenhaus Siloah bildet die Ecke zur Schulstraße. Schließung 1906 jeweils 10-12 Patienten unter Leitung von Schwester Charlotte Breland gepflegt werden. Die ortsansässigen Ärzte Dr. Kindt und Dr. Lange übernahmen die medizinische Betreuung. Das Trinkwasser der Gemeinde war gut, teilweise waren schon Abwasserleitungen verlegt. 1900 wurde das erste E-Werk gebaut. Ein Jahr zuvor hatten 222 Einwohner bei einer Umfrage schriftlich ihren Wunsch nach elektrischem Licht erklärt. Im Jahr 1900 warb die Elektrisitätsgesellschaft weiter um Kunden. Für den Bau des E-Werks wurde der 8000m2 große Wiesenhof des Hufners Priehn, gelegen zwischen der Großen Neuauflage Historische Blätter 1-5

[close]

p. 5

Seite 4 Nr. 3/84 zu löschen. "Amanda, Amanda, komm doch mal her! lk stoh hier up' n Stohl un puhst, un puhst, un dat verdreihte Licht geiht nich ut!" ein Paar Radfahrerhosenhalter 0,10 Mark. Im Sonderangebot gab es 5 Zigarren für 0,20 Mark. Für die Wohlhabenden gab es Spargel, das Pfund für 40-60 Pfennig, dazu Karbonaden ebenfalls für 60 Pfennig, das Pfund. Butter kostete 90 Pfennig. Andere nutzten die neue Errungenschaft zur Werbung. In der gleichen Zeit wurden auch die ersten Telefonleitungen verlegt. Graf Schimmelmann hatte schon 1897 Telefon mit der Nummer 1 bekommen. Für die Anlage in der Stadt lagen zunächst 18 Anträge vor. Sicher sind auch einige Löhne und Preise aus der Zeit um 1900 interessant: Der Maschinenmeister für das neue E-Werk sollte 1200 Mark Jahresgehalt, nebst freier Familienwohnung, Feuerung und Beleuchtung bekommen, ein Kutscher wurde für 45 Mark und ein Hausmädchen, das auch melken konnte, für 17,50 Mark im Monat bei freier Station gesucht. Die Maurer streikten für eine Erhöhung des Stundenlohnes auf 40 Pfennig. Wer sparen mußte, wartete mit dem Kauf von Kleidung bis zum Saison- oder Inventurausverkauf. Dann gab es 6 Meter reinwollenes Tuch für eine ganze Robe für 2,50 bis 10,00 Mark, Seide kostete 0,75 bis 18,65 Mark pro Meter! Herren Knöpfstiefel: 8,45 Mark, Herren Plüschpantoffeln: 0,95 Die "Stormarnsche Zeitung", das Anzeigenund Intelligenzblatt", konnte für 1,25 Mark im Quartal bezogen werden. Eine Landstelle in Hoisdorf, 43 Tonnen (ca. 21,5 ha) groß, mit Haus, wurde für 23.000 Mark angeboten und die Grundstücke an der Manhagener Allee für 3500-4000 Mark, der Quadratmeter ab 50 Pfennig! Seite 16 Neuauflage Historische Blätter 1-5

[close]

p. 6

Nr. 3/84 Seite 5 Waren 1880 noch 43,6% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt, so wandelte sich nun das Bild. Von den 66 Konfirmanden nach Abschluß der Volksschule wollten 2 Landmann, 6 Knecht, 7 Kaufmann, 1 Gärtner, 1 Viehhändler, 2 Maurer, 2 Töpfer, 1 Techniker und 1 Militär werden. Die 38 Mädchen des Jahrgangs wurden mit keinem Wort erwähnt! Die Volksschule in der Schulstraße hatte 6 Klassen mit mehreren Lehrern. Außerdem gab es noch eine Privatschule in der Bismarckallee: 1911 zog die "Höhere Mädchenschule" von Fräulein Mehlis in die Waldstraße. Sie hatte 130-140 Schüler, angegliedert war eine Vorschule für Knaben. In Ahrensburg herrschte ein reges Vereinsleben. Es gab die Feuerwehr, den Turn- und Sportverein, die Liedertafel, den Bürgerverein, "drei militärische Vereinigungen, den Verband der Milchproduzenten, den Landwirtschaftlichen Verein, den Verschönerungsverein, einen für die Pferdezucht, einen für die Junggesellen und andere mehr. Für viele Hamburger war Ahrensburg ein Anziehungspunkt als Sommerfrische oder um einen Tagesausflug zu unternehmen. Die Verkehrsverbindungen waren gut. Die Fahrzeit betrug 28-34 Minuten bis Hamburg, es verkehrten schon damals täglich ca. 30 Züge in jede Richtung! Die Monatsmarke kostete 1. Klasse 26,40 Mark und 3. Klasse 12,40 Mark. Das sind bezogen auf die Verdienstmöglichkeiten der "einfachen Leute" doch recht hohe Fahrpreise. Die Stadt verfügte über 18 Gasthäuser und Pensionen, für jeden Geschmack passend. Bei Schadendorff kostete ein Zimmer mit Pension 4,00 Mark und in der Hamburger Straße gab es den alkoholfreien Gasthof Hübner. Der Lindenhof war anscheinend nur auf vornehme Gäste eingestellt. Außer der befremdlichen Anzeige des Lindenhofes gab es auch eine amüsante (Oktober 1900): Quellen: Stormarnsche Zeitung: Jahrgang 1900 M+K Hansa Verlag: Wilh. Wrage: Geschichten, Erzählungen, Witz und Humor aus Stormarn Verantwortlich Erika Hamann Ahornweg 41a 22927 Ammersbek Neuauflage Historische Blätter 1-5 Seite 17

[close]

Comments

no comments yet