Flyer Dillberg und seine Denkmäler

 

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STATION Wege für das Holz 5 STATION Blank gescheuert 7 STATION In Furchen über Berg und Tal 8 Um das Holz von den Hochflächen des Berges zu transportieren, wurden früher sogenannte Loiten (auch Riese genannt) in den Hang eingetieft. Diese Eintiefungen wurden mit Holzstangen ausgekleidet, über die das geschlagene Holz bergabwärts transportiert werden konnte. Vermutlich diente diese Loite aber auch zeitweise als Hohlweg, da sie zum einen eine Verbindung zu den westlichen Hohlwegfächern des Brentenbergs und auch auf die Hochfläche der benachbarten Bergplateaus hat. Zwischen 20 und 30 Silbersandhöhlen reihen sich wie „Perlen auf einer Kette“ unterhalb des westlichen Dillbergplateaus aneinander. Sie wurden von Menschenhand ausgeschlagen. Man gewann aus ihnen den begehrten Silbersand. Anders als der Name vermuten ließe, galt die Mühe jedoch nicht dem Edelmetall, sondern der Silbersand wurde als Scheuer- und Reinigungsmittel verwendet. Vor den Höhlen verläuft ein heute kaum noch sichtbarer Weg, auf dem die Ware abtransportiert wurde. Der Silbersand fand noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Verwendung, bevor chemische Reinigungsmittel ihn ersetzten. In den Silbersandhöhlen unterhalb des Dillberges wurde Scheuersand zur Reinigung von Geschirr und Fußböden gewonnen (Foto: Bernhard Häck, BLFD). Unweit südwestlich der Silbersandhöhlen verläuft ein zunächst natürlich entstandener und später künstlich eingetiefter Hohlweg den Berg hinunter. Hier zeigen sich an den Flanken die sogenannten Schrämmspuren der Wegebauer. Sie verbreiteten den Weg, damit die Fuhrwerke mit dem Silbersand den Berg verlassen konnten. Zahlreiche dieser Hohlwege durchziehen das Gelände und sind Verbindungswege über die Berge und Siedlungen. DER BRENTENBERG & DILLBERG und seine Denkmäler In Zusammenarbeit der Gemeinde Burgthann, dem Markt Postbauer-Heng und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege Die Hohlwege und Loiten sind heute noch begehbar (Foto: Herbert Mayer). Durch Mountain-Biker werden oft die Schichtenfolgen im Gelände freigelegt. (Foto: Berhard Häck, BLFD) Über den später künstlich eingetieften Hohlweg konnte der Silbersand von den Höhlen abtransportiert werden (Foto: Bernhard Häck, BLFD). Auch hier erkennen wir die Bearbeitungsspuren der Wegebauer beim genauen Hinsehen (Foto: Bernhard Häck, BLFD).  STATION Spiegeleier auf der Kuppe 6 Auf der Hochfläche des Brentenbergs lassen sich zahlreiche kreisrunde Gebilde ausmachen, die von weitem „Spiegeleier auf einem flachen Pfannenboden“ ähneln. Falls es sich, wie manche vermuten, um vorgeschichtliche Grabhügel handeln sollte, so sind sie heute jedenfalls stark eingeebnet bzw. verflacht. Es können jedoch auch geologische Formationen sein, die sich hier im Gelände abzeichnen. VERMESSUNG DER SILBERSANDHÖHLEN In den letzten 10 Jahren hat eine technische Revolution bei der Vermessung von unterirdischen Hohlräumen stattgefunden. Früher war es üblich mittels Kompass, analogem Neigungsmesser und Meterstab einen Raum zu vermessen. Dank der sprichwörtlichen Schweizer Präzision wurde von einem Höhlenforscher aus der Schweiz ein Gerät entwickelt, mit dem man Entfernung, Neigung und Kompassrichtung per Klick auf einmal aufnehmen kann, die Daten werden per Bluetooth auf einen Mini-PC übertragen und vor Ort noch die Höhle in Grundschnitt, Seitenschnitt, Profilen in einer militärischen Genauigkeit vermessen und gezeichnet. Als Ergebnis werden mit einer weiteren Vermessungssoftware Grundschnittzeichnungen, 3D Pläne, Geländeprofile oder auch ein Google-Earth Inlay erstellt. Jutta und Stefan Uhl KONTAKTDATEN Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege Bernhard Häck (Abteilung Z/Stabstelle, Sachgebiet Hohlraumerfassung) Hofgraben 4 / 80539 München E-Mail: Bernhard.Haeck@blfd.bayern.de Gemeinde Burgthann Rathausplatz 1 / 90559 Burgthann Telefon: 09183/4010 / E-Mail: info@burgthann.de www.burgthann.de Markt Postbauer-Heng Centrum 3 / 92353 Postbauer-Heng Telefon: 09188/94060 / E-Mail: markt@postbauer-heng.de www.postbauer-heng.de Impressum: Idee/Konzept: Bernhard Häck (BLFD), Texte: Bernhard Häck

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VORWORT Bürgermeister Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher, die beiden Gemeinden Burgthann (Landkreis Nürnberger Land) und Postbauer-Heng (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) freuen sich sehr, dass Sie sich für eine geschichtlich hochinteressante Gegend mit wirtschaftshistorischer Vergangenheit oberhalb von Ezelsdorf und Buch interessieren. Die Erfassung der hier vorhandenen Bodendenkmäler ist neben dem Goldkegelplatz ein weiteres landkreisübergreifendes Projekt, das die erfolgreiche wachsende wirtschaftliche und kommunalpolitische Zusammenarbeit unserer beiden Gemeinden unterstreicht. Wir wünschen Ihnen einen interessanten und wissenswerten Aufenthalt! seit 2011 wird die Denkmallandschaft am Brentenberg und Dillberg durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in enger Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Höhlenforschern systematisch erforscht und dokumentiert. Unterstützt wird die Arbeit durch die beiden Gemeinden Burgthann und Postbauer-Heng. Ziel ist es, das historische Erbe der Öffentlichkeit bekannt zu machen und so zu seinem Erhalt beizutragen. Die bisherigen Ergebnisse werden an ausgewählten Stationen erläutert. Der Bogen spannt sich von der Landschaftsgeschichte über die Vorgeschichte bis zur jüngsten Industriegeschichte. Dieser Flyer stellt eine Zwischenbilanz der bisherigen Arbeiten dar. Seien Sie also herzlich eingeladen zu einer Entdeckungsreise rund um den Brentenberg und Dillberg. Bernhard Häck, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege STATION HERZLICH WILLKOMMEN, Ein Hut für die Götter 1 STATION Historische Schutthalden und Löcher im Berg 3&4 Der berühmte Goldkegel von EzelsdorfBuch wurde erst 1953 durch einen ansässigen Landwirt bei Waldarbeiten entdeckt. Weltweit existieren nur noch drei weitere ähnliche Fundstücke. Der Hut ist sorgfältig aus sehr dünnem Goldblech gefertigt und weist kunstvolle Ornamente auf, die noch nicht vollständig entschlüsselt sind. Der Goldkegel von Ezelsdorf-Buch diente nach heutigen Erkenntnissen als Kopfbedeckung bei kultischen Handlungen und datiert in die Zeit zwischen dem 11. bis 9. vorchristlichen Jahrhundert. Der Goldkegel von Ezelsdorf steht im Nürnberger Nationalmuseum Dass am Brentenberg und Dillberg Bergbau betrieben wurde, erkennt man an unterschiedlichen Geländemerkmalen. Zu ihnen zählen besonders die Stollen die sich an der nördlichen und nordwestlichen Flanke des Brentenbergs erhalten haben. Den unbrauchbaren Anteil des Aushubes entsorgten die Bergleute in der Nähe der Stollen auf Abraumhalden, die heute noch im Gelände sichtbar erhalten sind. Auch die Stollen haben sich mitunter bis heute erhalten. Die meisten sind jedoch nicht mehr zugänglich. Auch der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) besuchte in seiner Funktion als Bergassessor die Umgebung vom Brentenberg. Heinz Meyer Gemeinde Burgthann Horst Kratzer Markt Postbauer-Heng Der Brentenberg und Dillberg geben uns Einblicke in eine Jahrmillionen alte Entwicklungsgeschichte der Erde und der Landschaft. Verschiedene Ablagerungen von Gesteinen sind bei beiden Bergen erschlossen oder liegen frei, die später durch den Menschen abgebaut bzw. genutzt wurden. Größere marine Ablagerungen sind heute als Lias (schwarzer), Dogger (brauner) und Malm (weißer Jura) bekannt und zeigen sich als verschiedenfarbige Schichtenabfolgen dem Betrachter. Eine der an beiden Bergen wichtigen Vorkommen ist hier der sogenannte Dogger Beta-Eisensandstein. Diese Eisensandstein-Formation wurde vor etwa 174 bis 170 Millionen Jahren in einem flachen Meer abgelagert und kann heute zwischen 20 bis 80 Meter Mächtigkeit erreichen. Wie der Name schon sagt, findet sich in ihm eine hohe Konzentration von Eisen, die zeitweise vom Menschen genutzt wurde. EIN KURZER BLICK IN DIE ERDGESCHICHTE ALS (Air-Born-Laserscan) vom Brentenberg/Dillberg. Bei dieser Methode wird die Erdoberfläche durch Laserstrahlen flächendeckend vermessen. Dabei werden verschiedene Geländestrukturen sichtbar (Geodaten: Bayerisches Landesamt für Vermessung und Geoinformationen München, thematisch ergänzt durch Bernhard Häck, BLFD). Der Stollen in der Nordwestflanke des Brentenbergs zeigt die Arbeitsweise der Bergleute im ausgehenden 17. Jahrhundert (Foto: Bernd Mayer). STATION Wie die Finger einer Hand 2 Bernd Mayer Am westlichen Bergfuß des Brentenbergs zeichnen sich im Gelände sogenannte Hohlwegfächer ab. Spätestens seit dem Mittelalter nutzten die Menschen die zunächst natürlich entstandenen Rinnen im Gelände zum Transport ihrer Waren. Durch die häufige Nutzung gruben sich die Rinnen noch tiefer in die Landschaft ein. Es entstanden die sogenannten Hohlwege. Läuft ein solcher Weg in mehrere Arme aus, so spricht man von einem Fächer. Noch gut zu erkennen sind die heute verfüllten Stollenmundlöcher und die Bearbeitungsspuren (Foto: Bernhard Häck, BLFD). 

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