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Beispielseiten aus dem Buch "Familiencoaching"

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Die Struktur der Familie Die Familie ist ein soziales System, in dem jedes Familienmitglied die anderen durch sein Verhalten beeinflusst, was wiederum Auswirkung auf das eigene Verhalten hat. Diesen Standpunkt vertreten auch die amerikanischen Familientherapeuten Napier und Whitacker: „Für uns ist nicht die Umgebung oder die soziale Gruppe die Einheit, von der die Entwicklung des Einzelnen am meisten beeinflusst wird, sondern die Familie.“ (zit. nach Bachmair et al. 2011, 85) Bachmair et al. beschreiben die Struktur der Familie und betonen deren Bedeutung so: „Wir verstehen die Familie als offenes soziales System mit sich ergänzenden Beziehungen aller Mitglieder. Es äußert sich in den Strukturen, also der Art und Weise, wie die Angehörigen der Familie miteinander umgehen. Struktur einer Familie bedeutet auch, dass sie eine bestimmte Ordnung hat, in der Macht und Autorität unterschiedlich gehandhabt werden. Der Berater versucht, sich über die Stellung der Mitglieder in der Familie Klarheit zu verschaffen. Veränderungen vollziehen sich nicht nur im Individuum, sondern auch in der Kommunikation zwischen ihm und anderen Subsystemen der Familie.“ (ebd. 89f.) Der Berater/Familiencoach kann einen Eindruck von der Struktur der Familie gewinnen, indem er u. a.: 2.1.2 Æ beobachtet, wie die Kommunikation und die Interaktion zwischen den Familienmitgliedern erfolgt Æ hört, in welcher Reihenfolge gesprochen wird Æ darauf achtet, wer unterbricht und wer Anerkennung/Wertschätzung ausspricht oder wer ablehnendes und nicht wertschätzendes Verhalten zeigt Zum Abschluss des Gespräches kann der Familiencoach die Familienmitglieder individuell fragen, was sie verändern möchten. Die Struktur der Familie äußert sich unter anderem durch die Art und Weise, wie die Angehörigen der Familie miteinander umgehen. Die Kommunikation und die Interaktion zwischen den Familienmitgliedern ist ebenfalls ein Indikator für die Familienstruktur. eine bestimmte Hierarchie und Ordnung. Der Umgang mit Macht und Autorität beschreibt unter anderem die Stellung der einzelnen Familienmitglieder untereinander und in der Familie. 50

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mit Ja beantworten, legen sie den Drachen in den Seilkreis. Hat ein Familienmitglied Bedenken, sollte auch hier die Ursache thematisiert werden. 13. Alle der Familie zur Verfügung stehenden individuellen und gemeinsamen Ressourcen, die zum Erreichen des Zieles hilfreich sind, werden gemeinsam mit dem Familiencoach besprochen, gegebenenfalls auf Karten geschrieben und zur Zielformulierung in den Seilkreis gelegt. 14. Die Zuversicht der Familienmitglieder, das Ziel zu erreichen, ist ein wichtger Aspekt. Hier ist die Skalierung 1 bis 10 zu empfehlen. Der Familiencoach fragt: „Wie hoch ist deine/Ihre Zuversicht, dass das Ziel gemeinsam erreicht wird?“ Eine Karte wird mit einer Skala von 1 bis 10 beschriftet. Nun trägt jedes Familienmitglied seinen Namen neben die von ihm gewählte Zahl ein (je höher die Zahl, desto größer die Zuversicht). Auch diese Karte wird in den Seilkreis gelegt. 15. Die Familie überlegt gemeinsam, ob sie das Ziel in kleinere Schritte (Zwischenziele) unterteilen kann (dies ist besonders bei kleineren Kindern empfehlenswert). So können auch kleine Erfolge gewürdigt werden. 16. Die regelmäßige Überprüfung des Fortschrittes und die damit verbundene Frage: „Sind wir noch auf dem Weg zum Ziel? Wie weit sind wir schon gekommen?“ sollte die Familie eigenständig durchführen. 17. Es wird gemeinsam festgelegt, bis wann das Ziel erreicht sein soll. Zur Überprüfung ist es hilfreich, den Seilkreis mit der Zieldefinition, den Drachen, den Ressourcenkarten und der Skalierung auf einem Foto festzuhalten. Der Familiencoach unterstützt die Familie, ihr Ziel so zu formulieren, dass es für alle Familienmitglieder motivierend wirkt und in eine Handlung umgesetzt werden kann. Die Prozedur der wohldefinierten Zielformulierung ist oft mühsam, jedoch notwendig, um die Voraussetzung für die Realisierung und Umsetzung des erstrebenswerten Zieles zu erreichen. Bei eventuell auftretenden Uneinigkeiten zwi- schen den Familienmitgliedern bei der Zielformulierung sollte der Familiencoach eine Pause von ca. einer Woche vorschlagen. Der Drachen in Verbindung mit der Zielformulierung ist als Symbol zu verstehen: Wir können unsere Ziele steigen lassen, müssen sie aber gleichzeitig steuern. Beim Steigenlassen eines Drachens ist zu beachten: Habe ich genug Drachenschnüre? Weht hier unten genug Wind, um den Drachen abheben zu lassen? Kann ich den Drachen steuern? Hat der Drachen den richtigen Auftrieb? Weht der Wind zu stark? Gibt es Windböen? Kommt der Wind aus der richtigen Richtung? Und vieles mehr. 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 ...eher mittelmäßig ...eher gering 83 Meine Zuversicht ist... ...ziemlich groß

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„Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ (J. W. von Goethe)  „Wer nicht vom Fliegen träumt, dem wachsen keine Flügel.“ (Robert Lerch) 95

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Die Ressourcen-Karten (Kopiervorlage) 2.6.3 Die Ressourcen-Analyse Jedes Familienmitglied schreibt oder malt die Ressourcen auf Karten, von denen es glaubt, dass sie der Familie in der Vergangenheit geholfen haben, schwierige Situationen zu meistern. Hierbei geht es nicht nur um die eigenen Fähigkeiten und Talente, sondern auch um die der anderen Familienmitglieder. Nun werden die Karten gemischt. Reihum zieht jeder aus der Familie eine Karte und sagt, was ihm – in Verbindung mit der Familie – zu dieser Ressource einfällt. Der Ressourcen-Teppich Jeder schreibt/malt seine Ressourcen, Fähigkeiten und Talente einzeln auf Karten oder Zettel. Diese werden dann wie ein Teppich auf den Boden gelegt. Jedes Familienmitglied stellt sich reihum auf einen seiner Ressourcenzettel, nimmt so Kontakt zu dieser Ressource auf und beantwortet für die Familie folgende Fragen: „Wo nutze ich diese Ressource schon?“ „Wo könnte ich diese Fähigkeit noch einsetzen?“ 102

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Die Familien-Ressourcen-Wiese – Kreative Übung Material: Æ Ein großer Bogen Papier o. ä. Æ Verschiedene bunte Stifte Der Familiencoach bittet die Familie, gemeinsam eine Wiese zu malen. Die Wiese ist ein besonderes Motiv, weil sie eine Vielfalt von Pflanzen und Tieren beherbergt. Auf dieser Wiese sollen die verschiedenartigsten „Ressourcen-Blumen“ und „Ressourcen-Tiere“ kreiert werden. Jeder kann auf dieser Wiese seine Stärken und Talente in Form einer Blume oder eines Tieres 2.6.5 darstellen. Nicht nur die individuellen Talente, Stärken und Fähigkeiten finden hier einen Platz, sondern auch die gemeinschaftlichen Stärken können z. B. als Schmetterling, Biene, Baum etc. dargestellt werden. Alle Elemente zusammengenommen repräsentieren sie die Wiese der familiären Ressourcen, die als vielseitiges Motiv zu sehen ist. Besonders die Kinder malen die Ressourcen-Wiese gerne. Das fertige Bild kann dann auf bestimmte Zeit als „Familienwerk“ einen Platz im Wohnbereich der Familie bekommen. Es soll an die individuellen und gemeinsamen Ressourcen erinnern. 111

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zu verstehen. Gerade weil die Bilder individuell kreiert werden, haben sie oft eine besondere Bedeutung für die Familie. Gleichzeitig ist ein gemeinsam entstehendes Bild für bevorstehende oder schon abgeschlossene Handlungen hilfreich. Die dargestellten Symbole (3.2.4) und Bilderwelten (3.2.5 bis 3.2.9) sind unter Einbeziehung der vorherigen Ausführungen auch als Angebot zu betrachten. Die in den Bilderwelten dargestellten Motive verkörpern jeweils eine bekannte Symbolik. Der Leuchtturm beispielsweise repräsentiert Orientierung und Richtungsweisung, der Adler steht für den guten Überblick und die Hindernisse tragen ihre eigene Symbolik in sich selbst. Symbole Ein Symbol kann als „Wahrzeichen, Sinnbild, ein tieferen Sinn ausdrückendes Zeichen“ (Göttner 2007, 865) definiert werden. In diesem Sinne äußert sich auch John (1995, 17): „Symbole sind mehr als einfache Zeichen. In ihnen wird Geistiges sinnlich wahrnehmbar; ihr Wesen beruht auf dem Zusammenfall (griech: symballein) von Bild und dem im Bild Vergegenwärtigten. Zwischen beiden besteht ein Zusammenhang. Ein Symbol bedeutet nicht einfach dies oder jenes, sondern ist meist mehrdeutig.“ Symbole sind somit als Angebote zu betrachten, die auf Zusammenhänge und Möglichkeiten hinweisen können. Sie sind aber selbstverständlich abhängig von der Sichtweise des Betrachters. Die individuell interpretierbaren Symbole können innerhalb der Beratung die Funktion einer Brücke einnehmen – „von der Idee zum Erlebnis“. (ebd. 17) Die Anwendung der Lösungskarte beispielsweise bedeutet symbolisch, dass die vom Coachee erarbeiteten Lösungen als Handlungen in naher Zukunft zu verstehen sind. 137

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Basiselemente 3.2.3 Die Lösungskarte Lösung Der Wegweiser Das Hindernis Die Hürde Das Ziel Die Ressourcen-Truhe 140

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Die Welt des Fußballs 3.2.9 Die Taktik Der Teamgeist Die Lösungskarte „Welt des Fußballs“ Die Rote und die Gelbe Karte ✘ Lösung 150

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Das Familien-Fotoalbum Im täglichen Familienleben bleibt häufig wenig Zeit für Gespräche über die Kindheit und die Jugend der Eltern. Die Erinnerungen der Eltern können für die Kinder von besonderem Interesse sein. Beispielsweise: Æ Welche Hobbys und Interessen hatte der Vater/die Mutter in meinem Alter? Æ Womit haben sie ihre Zeit verbracht? Æ Welche besonderen Eigenschaften hatten sie? Æ Welche Hobbys/Interessen habe ich als Kind/Jugendlicher? Æ Haben wir gemeinsame Interessen und Fähigkeiten? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen kann das Verständnis füreinander und die Verständigung untereinander fördern. Die folgende Übung bietet eine kreative Möglichkeit, individuelle und gemeinsame Interessen und Fähigkeiten zu thematisieren. 3.3.2 Der Ablauf Die Familienmitglieder sehen sich gemeinsam die Fotos der Eltern an, unterhalten sich über die Zeit, in der die Eltern in ihrem Alter waren. Die Fotos der Eltern werden ausgeschnitten, aufgeklebt und beschriftet. Hier ist Platz für damalige Interessen, Hobbys, besondere Erlebnisse und Geschichten, besondere Talente von damals und heute. Die aktuellen Fotos der Kinder werden ebenfalls ausgeschnitten und aufgeklebt und von den Kindern auf die gleiche Weise beschriftet (kleinere Kinder malen). So entsteht ein gemeinsames „Fotoalbum“ der Familie, das einen besonderen Zeitabschnitt im Leben dokumentiert. Das Ergebnis kann dann nicht nur dem Familiencoach, sondern auch Verwandten und Freunden präsentiert werden. Seidlitz, Theiss (2013, 43) stellen die Ressourcen als innere und äußere Kräfte und Potenziale dar und fügen hinzu: „Wenn wir hier von Ressourcen sprechen, denken wir jedoch in erster Linie an innere Kraftquellen.“ (eigene Hervorhebung) Im Familiencoaching-Prozess ist die Fokussierung auf die individuellen und familiären Ressourcen für die Problembewältigung förderlich. Diese Übung kann, wie viele andere auch, dazu beitragen, die Aufmerksamkeit auf innere Kräfte zu richten, weil „bereits die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf Ressourcen positive Veränderungsprozesse fördert“. (ebd., 44) Material: Æ Ein großer Bogen Papier oder ein Fotoalbum Æ Kopien von Fotos der Eltern im aktuellen Alter ihrer Kinder Æ Kopien von Fotos der Kinder im aktuellen Alter (nicht älter als ein Jahr) Æ Schere Æ Klebstoff 153

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Der interkulturelle Ressourcenbaum Eine Ressourcenübung für Familien mit Migrationshintergrund Material: Æ Ein großer Bogen Papier o. ä. Æ Karten in verschiedenen Farben Æ Einige bunte Stifte Auf einem großen Bogen Papier malt die Familie gemeinsam einen Baum mit kräftigen Wurzeln und großer Krone. Jedes Familienmitglied wählt eine Kartenfarbe. Die Familienmitglieder antworten auf die Fragen: Æ Was habe ich aus meinem Herkunfts- und Kulturkreis an Werten und Normen mitgenommen? Æ Was hat mich besonders geprägt? Æ Was ist mir besonders wichtig und spielt auch heute noch eine Rolle in meinem Leben? Die Fragen an die in Deutschland geborenen Jugendlichen sind: Æ Welche Normen und Werte wurden mir von meinen Eltern aus ihrer Herkunftskultur vermittelt? Æ Welche haben mich besonders geprägt? Æ Welche habe ich übernommen und sind mir besonders wichtig? Die Antworten auf die Fragen werden einzeln auf die Karten geschrieben und anschließend an die Wurzeln des Baumes geklebt. Auf gleiche Weise beantwortet die Familie nun die Fragen: Æ Was habe ich an meiner neuen Heimat schätzen gelernt? Æ Welche Werte habe ich übernehmen können? Æ Was daran ist mir im täglichen Leben besonders wichtig? Diese Karten werden in die Baumkrone geklebt. 3.3.6.9 Als Nächstes beantworten die Familienmitglieder die Fragen nach ihren individuellen und gemeinsamen Ressourcen. Æ Welche besonderen Merkmale, Fertigkeiten, Fähigkeiten, Talente und Erfahrungen habe ich? Æ Welche Stärken machen unsere Familie aus? Æ Welche außerfamiliären Ressourcen können wir in Anspruch nehmen? Æ Wer/Was kann uns unterstützen? Alle Ressourcen werden auf Karten geschrieben und ebenfalls in die Baumkrone geklebt. Der interkulturelle Ressourcenbaum soll die Familie darin unterstützen, die Werte und Normen der verschiedenen Kulturen zu verbinden, etwaige Diskrepanzen zu entdecken, die jeweiligen Vorteile zu nutzen und Stärken daraus zu entwickeln. 175

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