Das jüdische Leipzig - Ein kleiner Stadtführer

 

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Das jüdische Leipzig - Ein kleiner Stadtführer

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Das jüdische Leipzig Ein kleiner Stadtführer

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Impressum Herausgeber: Deutsch-Russisches Zentrum Sachsen e.V. Text: Christian Böwe Fotografie: Anna Kuschnarowa Fotobearbeitung: Christian Böwe Layout: André Lange Seite 

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Vorwort Seit nunmehr fast 800 Jahren ist die Anwesenheit von Juden in Leipzig schriftlich belegt. Die erste jüdische Gemeinde Leipzigs bestand zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. Sie blieb weitestgehend von Pogromen verschont und ihren Mitgliedern wurde mehrfach von landesherrlicher Seite die juristische Gleichstellung mit Christen bestätigt. In der Mitte des 15. Jahrhunderts erlosch die Gemeinde jedoch. Juden waren von dieser Zeit an bis zum Beginn des 18. Jahrhundert nur als Messegäste in der Stadt. 1710 wurde erstmals wieder Juden die Ansiedlung in Leipzig gestattet. Das stetige Anwachsen der Zahl der in Leipzig lebenden Juden führte in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Gründung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Mitte der 1920er Jahre lebten mehr als 12.000 Juden in Leipzig. Sie bildeten die sechstgrößte jüdische Gemeinde im Deutschen Reich. Während des Dritten Reiches mussten alle Juden Leipzig verlassen. Vielen gelang es sich ins Ausland zu retten, die meisten wurden jedoch deportiert und kamen in den Konzentrationslagern um. In jüngster Zeit erlebt die jüdische Gemeinde Leipzigs wieder eine Renaissance durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowietunion. Dieser Stadtführer kann nur einen kleinen Teil des jüdischen Lebens in Leipzig abbilden. Er konzentriert sich vor allem auf Orte und die mit ihnen verbundenen Personen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Seite 

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Beth-Jehuda Synagoge 1915 kaufte Louise Ariowitsch das Grundstück. Sie selbst wohnte mit ihrer Familie im Vorderhaus. Das Hinterhaus wurde hingegen für verschiedene Zwecke benutzt. So hatte dort unter anderem der Jugendrat seine Geschäfts- und Unterrichtsräume. 1921 wurde ein Raum zu einer Synagoge ausgebaut. Nach den Verwüstungen in der Reichskristallnacht wurde die Synagoge 1939 geschlossen, da die Gemeindemitglieder ausgewandert waren. Von 1940 - 1943 war hier ein Obdachlosenheim untergebracht, danach wurden die beiden Gebäude als Judenhäuser genutzt. 1946 fand in dieser Synagoge die erste Sederfeier der Nachkriegsgemeinde statt. Dennoch wurde die Synagoge nicht wiederbelebt und während der Zeit der DDR befand sich hier eine Produktionsstätte eines VEB. Ariowitsch, Louise (1856-1939) war die Mutter des Rauchwarenhändlers Max Ariowitsch. Ariowitsch, Max (1880-1969) wurde als Kind jüdischer Einwanderer in Leipzig geboren. Seit 1904 war er T eilhaber am väterlichen Pelzhandelsunternehmen, nachdem er bereits 1902 die englische Staatsbürgerschaft erworben hatte. 1935 verließ er Deutschland um zunächst den englischen Zweig seines Unternehmens zu leiten, ehe er im Jahr 1940 in die USA auswanderte, um dort seinen Geschäften nachzugehen. Gebäude der Beth-Jehuda Synagoge Seite 

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Brodyer Synagoge Die Synagoge entstand, nachdem das Gebäude 1903/04 umgebaut worden war, im Erdgeschoss und im ersten Stock. Der verantwortliche Architekt war Oscar Schade. Die Synagoge wurde vom Talmud-Thora-Vereins unterhalten, weshalb sie auch als Talmud-Thora-Synagoge bezeichnet wird. Im zweiten Stock des Gebäudes befand sich eine jüdische Bibliothek. Während der Reichskristallnacht entging die Synagoge den Brandanschlägen, da diese die umliegenden Wohnungen gefährdet hätten. Dennoch wurde ihr Innenraum verwüstet. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde die Synagoge zeitweise als Seifenlager genutzt. Am 28. Oktober 1945 wurde sie wieder eingeweiht und ist seitdem die einzige Synagoge Leipzigs. Im Jahr 1993 am 22. Mai wurde sie nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten erneut geweiht. Brodyer Synagoge Seite 

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Gemeindesynagoge Gottschedstrasse Bereits in den frühen 1850er Jahren wurde mit den Planungen für den Bau einer großen Synagoge in Leipzig begonnen. Am 09.09.1854 konnte die Grundsteinlegung für das von Otto Simonson geplante Gebäude erfolgen. Die Synagoge war für eine Besucherzahl von 1600 Personen ausgelegt. Am 10.09.1855 konnte die Weihe durch Rabbiner Dr. Adolf Jellinek erfolgen. Im Jahre 1868 wurde eine Orgel, die 1865 von den Nachkommen des ersten Gemeindevorstehers gestiftet worden war, eingeweiht. In der Nacht vom 9.11 auf den 10.11.1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt und musste nachfolgend abgerissen werden. 28 Jahre später wurde am ehemaligen Standort der Synagoge ein Gedenkstein aufgestellt, der von HansJoachim Förster geschaffen wurde. Im Jahr 2001 wurde am gleichen Ort ein weiteres Mahnmal errichtet. Dieses ist von den Architekten Anna Dilengite und Sebastian Helm gestaltet worden. Es besteht aus einer sechs Meter langen, bronzenen Gedenktafel, dem Gebäudegrundriss in Beton und einer Installation aus 140 Stühlen. Goldschmidt, Abraham Meyer (1812-1889),seit 1853 mit Henriette Goldschmidt verheiratet, arbeitete zunächst als Lehrer in verschiedenen Orten, bevor er in Berlin Theologie und Philosophie studierte. Er wirkte als Rabbiner der deutsch-israelitischen Gemeinde in W arschau, ehe er 1858 nach Leipzig kam und hier das Amt des Gemeinderabbiners bekleidete. Orientierungstafel für Blinde am Denkmal der Gemeindesynagoge Denkmal der Gemeindesynagoge Goldmann, Felix(1882-1934) war von 1917 bis zu seinem T ode Gemeinderabbiner in Leipzig und Rabbiner der Gemeindesynagoge. Zuvor war er als Nachfolger von Leo Baeck Rabbiner von Oppeln. Er war sehr um die V erständigung zwischen liberalen und orthodoxen Juden bemüht und arbeitete oft mit seinem orthodoxen Amtskollegen Dr. Ephraim Carlebach zusammen. Seite 

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Hochschule für Frauen Sie wurde 1911 von Henriette Goldschmidt gegründet und war die erste ihrer Art in Deutschland. Die Schule diente der Kindergärtnerinnenausbildung nach dem Erziehungskonzept Fröbels. Ermöglicht wurde dies durch die tat- und finanzkräftige Unterstützung Leipziger Bürger, allen voran Henri Hinrichsen. 1921 wurde das Ausbildungsspektrum der Schule erheblich erweitert und umfasste nun eine Vielzahl von Berufen aus dem sozialen und sozialpflegerischen Bereich. Den Namen ihrer Gründerin erhielt die Schule erst nach 1945. 1992 wurde die Schule in das Berufliche Schulzentrum 11 der Stadt Leipzig umgewandelt. Gedenktafel an der Goldschmidtschule Goldschmidt, Henriette (1825-1920) lebte von 1858 bis zu ihrem T ode in Leipzig. Sie war die Ehefrau von Abraham Meyer Goldschmidt (18121889), der seit 1858 Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Leipzig war. Sie gründete 1865 mit Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt den Allgemeinen Deutschen Frauenverein. Daneben gründet sie 1871 den V erein für Familien- und V olkserziehung Leipzig, unter dessen Dach mehrere Kindergärten und Einrichtungen der Frauenbildung geschaffen wurden. Hinrichsen, Henri (1868-1942) ging seit 1887 bei seinem Onkel Max Abraham, Inhaber des C.F . Peters V erlages, in Leipzig in die Lehre. Nach dem T ode seines Onkels übernahm er den V erlag. Seine zahlreichen wohltätigen Unternehmungen brachten ihm 1929 den Ehrendoktortitel der Universität Leipzig ein. Zu diesen gehörten die Stiftung der Hochschule für Frauen und des Musikinstrumentenmuseums der Universität Leipzig ebenso, wie die Bezahlung des Unterhalts der Musikbibliothek Peters als sich die Stadt aufgrund der Inflation dazu nicht mehr in der Lage sah. Trotz der Flucht nach Belgien im Jahre 1940 konnte er sich nicht retten. Er wurde 1942 verhaftet und noch im selben Jahr im KZ Auschwitz-Birkenau getötet. Seit 2006 erinnert auch ein Stolperstein in der Goldschmidtstrasse 20 an ihn. Abraham, Max(1831-1900) war seit 1880 alleiniger Inhaber des Musikverlages C.F . Peters und hatte dort bereits 1867 die Edition Peters begründet. Ende 1893 gründete er die Musikbibliothek Peters, die schon kurz darauf eröffnet wurde. T estamentarisch vermachte er der Stadt die Musikbibliothek, nebst einer Summe Geldes, deren Zinsen für den Unterhalt aufgewandt werden sollten. Seite 

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Höhere Israelitische und Volksschule Die 1912 gegründete Schule zog im Jahre 1913 in das Gebäude in der Gustav-Adolf-Strasse 7. In diesem Gebäude befindet sich heute die Deutsche Zentralbücherei für Blinde. Der Gründer und erster Direktor der Schule bis 1935 war der orthodoxe Rabbiner Dr. Ephraim Carlebach, dessen Namen sie nach seinem Weggang trug. 1914 wurde der israelitische Schulverein gegründet, welcher die Aufgabe hatte die Schule materiell und ideell zu unterstützen. Nachdem der Schulbetrieb seit 1938 immer unregelmäßiger wurde, wurde er 1942 endgültig von den Nationalsozialisten verboten. Ihr zweiter und letzter Direktor, Daniel Katzmann, wurde ebenso wie viele andere Leipziger Juden, denen das Schulgebäude als letzter Wohnort in Leipzig diente, deportiert. Die am Haus zu sehende Gedenktafel wurde am 07.11.1988 enthüllt und ist von Gerd Nawroth geschaffen worden. Eingang der ehemaligen Carlebach-Schule Gedenktafel an der ehemaligen Carlebach-Schule Carlebach, Ephraim (1879-1936) wirkte zunächst als Lehrer und Rabbiner des T almud-Thora-V ereins. Seit 1909 bemühte er sich um die Einrichtung einer jüdischen Schule, an der nicht nur jüdischer Religionsunterricht erteilt werden konnte,sondern die auch die Einhaltung der jüdischen Feiertage ermöglichen würde. 1912 konnte er diese Schule eröffnen. 1917 wurde ihm von der jüdischen Gemeinde das orthodoxe Rabbinat für Leipzig angetragen und 1924 wurde er als Gemeinderabbiner angestellt. Bereits seit 1922 war er Rabbiner der Ez-Chaim Synagoge. Zu Anfang des Jahres 1936 gab er seine Ämter in Leipzig auf und wanderte nach Palästina aus. Dort verstarb er noch im selben Jahr. Im Jahre 1992 wurde eine Strasse nach ihm benannt. Seite 

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Israelitisches Krankenhaus Am 17. Mai 1928 wurde das Krankenhaus eingeweiht. Es wurde durch Stiftungen der Familie Eitingon ermöglicht. Chaim Eitingon und seine Frau stifteten z.B. das Gebäude, welches von Gustav Pflaume gebaut wurde. Im Krankenhaus waren Patienten aller Konfessionen willkommen. Es wurde jedoch nach den religiösen Vorschriften der Juden geführt. Während der Einweihung wurde die Umbenennung der Strasse, an der das Krankenhaus liegt, in Eitingonstrasse bekannt gegeben. Im Dezember 1939 mussten Patienten und Ärzte das Krankenhaus räumen und nach Dösen umziehen. Seit dem 14. August 1992 heißt das Gebäude offiziell Eitingon-Krankenhaus. Eitingon, Chaim(1857-1932) stammte ursprünglich aus Schklow, Weißrussland. Nachdem er zunächst 1882 in Moskau eine Rauchwarenfirma gegründet hatte und diese 1893 um eine Dependance in Leipzig erweiterte, entschied er sich 1917 nach der Oktoberrevolution endgültig für Leipzig. Er war an der Stiftung des Israelitischen Krankenhauses beteiligt und der Ez-Chaim Synagoge. Ez-Chaim Synagoge Die Synagoge wurde am 10. September 1922 geweiht. Sie wurde durch Umbau einer T urnhalle, geplant von Gustav Pflaume, geschaffen. Während der Reichskristallnacht wurde sie von einem Trupp des NS-Kraftfahrkorps in Brand gesteckt und vollständig zerstört. Gebäude des israelitischen Krankenhauses Seite 

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Israelitisches Altersheim Da das bereits bestehende Altersheim nicht mehr für die wachsende Gemeinde ausreichte, stiftete Louise Ariowitsch ein neues. Ende 1928 wurde mit dem Bau begonnen und man konnte das Heim am 17. Mai 1931 eröffnen. Das Gebäude war von Emil Franz Hänsel entworfen worden. Das Heim sollte hauptsächlich den ärmeren Schichten zur Verfügung stehen. Anträge auf einen Heimplatz konnten jeweils von den Vorstehern der sächsischen Religionsgemeinden gestellt werden. Im Vorderhaus gab es 43 Plätze, eine Erweiterrung um 23 Plätze im Hinterhaus wurde 1938 fertiggestellt und 1940 wurde auch der Dachstuhl ausgebaut. Ab 1943 nutzte die Gestapo das Gebäude, nachdem die Bewohner nach Theresienstadt deportiert worden waren. Seit 1948 wird es wieder als Altersheim genutzt. Am 6. Juni 1993 wurde im Eingangsbereich eine Gedenktafel enthüllt. Gebäude des israelitischen Altersheims Seite 10

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Ehemaliger jüdischer Friedhof Im Jahre 1798 traten zum erstenmal Juden aus Brody an die Stadt mit der Bitte um einen eigenen Begräbnisplatz heran. Bis dahin waren in Leipzig verstorbene Juden in Naumburg oder Dessau beerdigt worden. 1814 erteilte die Stadt die Konzession für einen Friedhof in der Stephanstrasse, der noch im selben Jahr eingeweiht wurde. 1864 wurde der Friedhof geschlossen, da er voll belegt war. Die Gemeinde wich auf einen neuen Friedhof in der Berliner Strasse 123 aus. 1936 kündigte die Stadt der Gemeinde das Grundstück, da hier ein Park angelegt werden sollte. Die Toten und auch einige Grabsteine konnten auf den neuen Friedhof in der Delitzscher Strasse umgebettet werden. Dieser Park wurde jedoch nie angelegt und das Gelände wurde nach dem Krieg in die Kleingartenanlage „Johannistal“ eingegliedert. Grabsteine des ehemaligen jüdischen Friedhofs im Johannistal Grab der Familie Kroch Alter jüdischer Friedhof Da der Friedhof in der Stephanstrasse zu klein wurde, bemühte sich die Gemeinde um ein weiteres Gelände und konnte dieses auch erwerben. Der Friedhof in der Berliner Strasse 123 konnte zu Beginn des Jahres 1864 eingeweiht werden und wurde bis 1928 genutzt. Auf diesem Friedhof sind unter anderem Henriette und Abraham Meyer Goldschmidt bestattet. Seite 11

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Neuer Israelitischer Friedhof Da auch der Friedhof in der Berliner Strasse absehbar für die stetig wachsende Gemeinde nicht ausreichen würde, wurde 1901 ein Grundstück in der Delitzscher Strasse 224 erworben. 1925 begann man mit der Bepflanzung des Geländes und zwei Jahre später wurde der Grundstein zur Feierhalle gelegt. 1928 konnte der Friedhof eingeweiht werden. Im Jahr 1951 wurde an der Stelle der in der Reichskristallnacht beschädigten und später abgerissenen Feierhalle ein Mahnmal eingeweiht. Dieses wurde 1953 versetzt, da man an der Stelle eine neue Feierhalle errichtete, die 1953 eingeweiht werden konnte. Auf diesem Friedhof fanden unter anderen Felix Goldmann und Chaim Eitingon ihre letzte Ruhestätte. Grab auf dem Neuen israelitischer Friedhof Feierhalle auf dem Neuen Israelitischer Friedhof Seite 12

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Kroch-Hochhaus 1927/28 erbaut, wurde es von dem Architekten German Bestelmeyer entworfen. Es ist mit seinen 11 Geschossen 43 m hoch und überragt die umliegenden Gebäude um drei Stockwerke. Diese drei letzten Stockwerke durften jedoch erst aufgesetzt werden, nachdem vorher mit Hilfe einer Attrappe die städtebauliche Wirkung des Hochhauses geprüft worden war. Es handelt sich bei dem Hochhaus um das erste in Stahlbetonbauweise gefertigte in Leipzig. Des weiteren wäre noch auf das Glockenspiel auf dem Dach hinzuweisen, welches volle und viertel Stunden anzeigt, sowie auf die Turmuhr darunter, welche auch die Mondphasen anzeigt. Kroch, Hans (1887-1970) war Besitzer des Bankhauses Kroch jun. KG. A.A. in Leipzig. Auch dort geboren, verstarb er in Jerusalem, wohin er vor den Nationalsozialisten geflohen war. Kroch-Siedlung 1930 wurde die von den A rchitekten Paul Mebes und Paul Emmerich entwor fene und von Hans Kroch finanzierte Siedlung fertiggestellt. Sie umfasst über 1000 Wohnungen in drei- und viergeschossigen Häusern. Das Krochhochhaus In der Krochsiedlung Seite 13

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Königsbau Hierbei handelt es sich um das 1910-12 erbaute Geschäftshaus der Leipziger Filiale des Wormser Bekleidungshauses Bamberger & Herz. Sie belegte den ersten und zweiten Stock. Während der Reichskristallnacht brannten die Stockwerke, auf denen sich das Bekleidungshaus befand, aus, die Räume in den darüber und darunter liegenden Geschossen konnten vor dem Feuer gerettet werden. 1998-2000 wurde das Gebäude saniert. Riquet-Haus 1908/09 errichtete der Architekt Paul Lange für die Firma Riquet & Co. ein Geschäftshaus in der Leipziger Innenstadt. Die bis in das 18. Jahrhundert zurückreichende Ostasien- und Orienthandelstradition der Firma übte einen großen Einfluss auf die Gestaltung des Gebäudes aus. Heute befindet sich im Geschäftshaus der Tee- und Spezialitätenhandelsfirma ein Café. Seite 14

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Mendelssohn-Haus In diesem Haus in der Goldschmidt Strasse 12 lebte und starb Felix Mendelssohn-Bartholdy. Das Haus wurde 1844 gebaut und von 1845 an von MendelssohnBartholdy bewohnt. Kurz darauf, im Jahre 1847, verstarb er hier. 1991 rief Kurt Masur die Internationale Mendelssohn Stiftung e.V. ins Leben, mit dem Ziel das Gebäude zu erhalten und zu restaurieren. Nachdem zunächst 1993 das Haus erworben werden konnte, begann man im darauffolgenden Jahr mit ersten Restaurierungsarbeiten. Unter großem Einsatz war es möglich die Sanierung des Gebäudes und die Einrichtung des Museums rechtzeitig zum 150. Todestag Mendelssohn-Bartholdys fertig zustellen. 1997 konnte es der Öffentlichkeit übergeben werden. Im Jahre 2003 wurde unter Mitwirkung der Stadt Leipzig die Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung gegründet, deren Ziel neben der Unterhaltung des Hauses und des MendelssohnMuseums, auch die Veröffentlichung des künstlerischen Gesamtwerkes von Felix Mendelssohn-Bartholdy ist. Mendelssohn-Bartholdy, Felix (1809-1847) wurde 1816 protestantisch getauft. In Hamburg geboren, zog die Familie 1811 nach Berlin. Dort erhielt er seinen ersten Musikunterricht und trat 1818 zum ersten Mal öffentlich auf . 1835 zog Mendelssohn-Bartholdy nach Leipzig um das Gewandhausorchester zu dirigieren und gab im Oktober dort sein erstes Konzert. 1837 heiratete er Cécile Charlotte Sophie Jeanrenaud, die er in Frankfurt kennen gelernt hatte. 1843 gründete er das Conservatorium, welches er am 3. April eröffnete. Seite 15

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