Teichler Häuser- und Gebäudechronik von Seeligstadt Version 2016

 
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Teichler Gebäude Seeligstadt

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Historie über Gebäude und Häuser in Seeligstadt Zusammengestellt nach historischen Forschungen der Jahre 2009-2015 von Hans-Peter Bruneker A Besondere Gebäude B Handwerker, Gewerbetreibende und Häuslergrundstücke C Bauerngrundstücke

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A Besondere Gebäude 1) Das Lehnrichtergut-Erblehngericht, später Erbgericht Seeligstadt und deren Besitzer, sowie die Lehnrichter zu Seeligstadt: alte Hausnummer 19 In den Dörfern der Oberlausitz hatte neben der Kirche, der Schule, der Mühle auch das Erbgericht eine besondere Bedeutung. Die historische Betrachtung des Erbgerichts, ist deshalb auch zugleich Orts-und Heimatgeschichte. Deshalb reizte mich der Versuch, mit Hilfe von alten Akten, Urkunden und den Kirchenbüchern Licht in das Dunkel altersgrauer Vorzeit zu bringen. In der Regel übte der sogenannte „Lehnrichter“ im Ort die niedere Gerichtsbarkeit aus. Dafür war er von Abgaben, Zins und Diensten befreit und in späterer Zeit stand ihm auch das Schankrecht zu. Meistens dort wo der Lehnrichter wohnte wurde vom Lehnrichtergut gespochen. Da das Lehnrichteramt erblich war, wurde aus dem „Lehnrichtergut“ das „Erblehngericht“ und schließlich der Name „Erbgericht“, der bis heute erhalten geblieben ist. Für Seeligstadt begann die Geschichte des heutigen Erbgerichts gemäß einer alten Chronik zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Vorab ist zu erwähnen, daß das alte Lehnrichtergut die Nr. 13 (heute Mai) war. Das Erbgericht wird als 1 1/2 Hufengut bezeichnet. So steht nun in dieser Chronik „bereits 09.07.1509 Montag nach Kiliani ward Nickel Hering mit den hiesigen Gerichte vom Stolpen aus belehnt, danach folgen; „16.11.1519 Mittwoch nach Martini Paul Merten, Urban und Matz Hering die Lehn über das Gericht allhier von Stolpen erhalten“, dann „04.10.1525 am Tage Francisci ist Thomas Weber damit beliehen worden dessen Haußfrau zugleich ihr Leibgedinge bekam“, „29.07.1557 Freytag nach Jacobi reichte Bischof Johann IX. Urban Weber zu Lehn“. Letzterer wird auch als der Richter von Seeligstadt genannt. 1559 Gregor Boden, 1618 ist ein Matz bzw. Matthes Boden (Taufe am 19.01.1597 Großröhrsdorf +Jan.1652 Großröhrsdorf, war verh. 1624 Großröhrsdorf mit Anna geb. Kleinstück *Okt.1601) wird als erster Erblehnrichter erwähnt.

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Am 10.05.1652 wird das Erbgericht von seinen Sohn Johann (Hans) Boden für 900 Gulden gekauft. Er wird als Richter aber auch als Erb-und Lehnrichter bezeichnet und kauft auch für 170 Gulden Acker am 25.08.1663 dazu. Dann nach 1682 besitzt das Erbgericht seine Witwe Anna Boden geb. Paul aus Seeligstadt, dann 1695 ist ein Matthes Boden genannt, am 10.05.1718 kauft Hannß (Johann) Boden das Grundstück für 1500 Gulden, er verstirbt ohne Manneserben 1729. Seine Frau ist Anna Dorothea Boden, 12.03.1729 folgt Johann Michael Eysoldt der ebenfalls für 1500 Gulden kauft vermutlich von den Erben. Kändlergiebel (2009) am Nebengebäude des Erbgerichts (Kändler war ein Zeitgenosse Pöppelmanns ) Am 15.10.1731 erhält der Erbauer des Dresdner Zwingers Matthias Daniel Pöppelmann durch Übertragung Erbgut Alodium, vermutlich vom Kurfürst August den Starken das Erbgericht der Lehnschein ist am 15.10.1732 datiert, ein Kaufdatum existiert nicht. So ist zu vermuten, daß der Kurfürst August der Starke vorher im Besitz des Erbgerichts war oder ein Vorrecht hatte. M. Pöppelmann war bis zum Tode 1736 Besitzer, die Erben von Pöppelmann verkaufen das Erbgericht am 17.09.1737 an den hiesigen königl.-sächsischen Oberförster Johann Friedrich Ziegenblag (*19.12.1692 Dresden +18.03. 1779 Seeligstadt) und dessen Sohn Christlieb (*11.12.1722 Seeligstadt +1750) für 2100 Taler, der aber starb bereits 1750 als Theologiestudent in Wittenberg. Die Frau von Friedrich Ziegenbalg Anna Sophie geb. Schumann (*1701 +07.01.1756 Seeligstadt) erbt das Erbgericht und verpachtet es für 3 Jahre ab 01.05.1748 für 100 Taler an einen Wehner Johann (Hannß) der das Richteramt in Seeligstadt bekleidet. Am 01.03.1752 verkauft sie

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für 2200 Taler an einen königl..-sächsischen Steuereinnehmer zu Stolpen Johann Gottfried Barthel, dieser verpachtet es wiederum an einem Bauernsohn Hauffe Johann aus Großröhrsdorf. Für 2550 Taler verkauft Barthel an Daniel Stäglich am 04.05.1759. Er wird in einem Pateneintrag seiner Frau Rosina vom 03.07.1760 auch als Erb-und Lehnrichter bezeichnet. Der wiederum verkauft schon am 02.10.1760 an den Bauern und bisherigen Pachtrichter aus Fischbach Gregor Eysoldt (*25.04.1724 Seeligstadt +04.06.1800, verh. mit Anna Rosina geb. Nizsche aus Geißmannsdorf *um 1727) für 2300 Taler. Dieser wird als Erb-und Lehnrichter bezeichnet und auch erstmalig als Schenk-und Gastwirt. 1763 wird an einen Johann George Barthel verpachtet. Der Sohn von Gregor Johann George Eysoldt (*26.08.1752 +21.03.1817 verh. mit Anna Dorothea geb. Körner aus Hauswalde *1758 +29.04.1831 Seeligstadt) kauft für 2100 Taler am 07.01.1771. Dieser verpachtet wiederum 6 Jahre lang für je 100 Taler an einen Kühne Johann Christoph. Johann George Rußig vermutlich aus Rennersdorf kommend kauft vor 1784 das Erbgericht er wird 1799 als Erb-und Lehnrichter bezeichnet. Sein Sohn Johann Christian Rußig (*um 1740) bisher Vicericloter? in Rennersdorf kauft am 04.08.1787 für 2000 Taler das Ergericht und ist bis zum Tode am 04.06.1802 Erbund Lehnrichter. Sein Sohn Johann Gottlieb Rußig (*um 1773 Seeligstadt +08.01. 1837 Seeligstadt, verh. 24.02.1803 Seeligstadt mit Johanna Rosina Eysoldt *um 1780) vermutl. eine Tochter von George Eysoldt kauft am 04.06.1802 für 3300 Taler das Erbgericht. Um 1822 ist er als Erb-und Lehnrichter um 1830 als Ortsrichter von Seeligstadt bezeichnet. Sein Sohn wiederum Johann Carl Gottlieb Rußig kauft das Lehngericht 1829 für 6000 Taler. Nach dem Tode also nach 08.01.1837 kauft ein Schankwirt Johann Gottlieb Huste aus Frankental das Erb-und Lehngericht und wird auch Lehnrichter im Ort, wohnt aber in der Nr. 13 (heute Mai) dem alten Lehnrichtergut. Er stirbt vermutlich 1860 und entgegen der alten Chronik, war er nicht der letzte Ortsrichter, sondern sein Sohn Karl. Dann am 14.11.1843 kauft sein Sohn Karl Gottlieb Huste (noch in Frankenthal geb. verh. dort 1842 mit Johanne Caroline Huste) für 6000 Taler wird als Lehnrichter und Besitzer des Erbgerichts bezeichnet und verpachtet das Erbgericht 1855. In einem alten Pacht-Contract steht „Erblehnrichter zu Seeligstadt Karl Gottlieb Huste, als Verpächter und Heinrich Wilhelm Senf, als Pächter ist mit heutigem Tage 17.04.1855-17.04.1861 ein PachtContract geschlossen worden, die auf seinen Erblehngerichte allhier bestandenen Schank, Schlacht-und Gasthofsge- rechtigkeit in seinem neu restaurierten Hauptgebäude des Erblehngerichts“. 1867 verkauft er Land und einen Steinbruch, das sogenannte Kiesloch am Ortsgrund an die Gemeinde und stirbt am 09.03.1871. Ab ca. 1867 besitzt ein Johann Gottfried Räbiger das Erbgericht er verschuldet sich. Am 12.07.1870 ersteigern die Fabrikanten Florian Julius Schöne und Gottfried Bruno Schöne aus Großröhrsdorf das Ergericht. Diese verpachten dann zunächst an Carl August Zieschang (*1833), jedenfalls ist er als Besitzer 1881 eingetragen und hat es gerade gekauft als dieses beim grossen Brand am 19.07.1881 abbrennt. Beim Brand des Erbgerichts kommen 2 Feuerwehrleute ums Leben als die Deckenstütze in der Mitte der Gaststube einstürzt. Wohl aus Gram darüber stirbt Herr Carl August Zieschang am 13.11.1881.

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Ältestes Schriftstück vom Erbgericht 1843 b) jetziges Gebäude: erbaut 1881 Die Witwe von Carl August Zieschang Emilia Charlotte Zieschang geb. Gebauer (* 26.12.1836) lässt das Erbgericht wie wir es heute kennen aufbauen. Älteste Ansicht vom Erbgericht um 1895

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Hierbei wurden die Gebäude etwas weiter westlich versetzt und die Straße, die früher durch den Hof des Anwesens führte begradigt und sie verschuldet sich dabei sehr. Am 17.02.1882 ist sie als Eigentümerin im Grundsteuerkathaster eingetragen. Sie heiratet nochmal am 15.02.1887 einen Herrn Fritzsche und stirbt am 21.04.1892. Der Schwiegersohn Otto Gottwald Wustmann (*13.05.1868) aus Schmiedefeld kauft am 11.02. 1892 das mit 30.000.--Mark verschuldete Erbgericht stirbt aber 10 Jahre später am 01.10.1902 durch Selbstmord. Nach 5-jährigen Erbformalitäten wird seine Witwe 1907 am 14.06. Anna Bertha Wustmann geb. Zieschang (*02.05.1868 +16.02.1953) Besitzerin des Erbgericht. Sie läßt die heutige Saalbühne, statt der vorhandenen Galerie einbauen und um 1911 auch den nordlichen Saalanbau errichten. Sohn Paul Wustmann (*30.09.1890 Schmiedefeld verh. mit Helene geb. Schütze *17.08.1892 Arnsdorf) übernimmt am 24.07.1942 das Erbgericht. 1963 geht das Erbgericht nach dem Tode von Paul Wustmann am 28.03.1963 in eine Erbgemeinschaft Wustmann über (Gottfried Wustmann,Günter Wustmann, Maja Rüdiger geb. Wustmann und seine 2 .Frau Wella Wustmann). Im Früjahr 1976 übergibt die Erbgemeinschaft, nach Verhandlungen mit dem Kreisrat und der Gemeinde das Erbgericht in Form eines Tausch -und Ausgleichsvertrages mit dem Gemeindeamt auf der Mittelgasse. Seitdem gehört das Erbgericht der Gemeinde Seeligstadt die dann dort das Gemeindeamt einrichtet und auch sonst wurde und wird es bis heute in vielfältigerweise genutzt zum Wohle des ganzen Ortes. Der Saal des Erbgerichts zur Kändlerausstellung 2006

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ANHANG; Am 01.09.1975 gibt die Gaststättenleiterin Irene Wustmann ihr Gewerbe endgültig ab, damit endet auch das langjährige Gastgewerbe der Familie Wustmann. Die ehemaligen heruntergekommenen Gasträume werden in Pacht von Rosel Burkhardt von ca. 1976-Mitte 1977 betrieben. Im Jahre 1978 Juni/Juli übernimmt Lissy Krebs (*10.06.1925, +10.07.1993) aufopferungsvoll bis 1991 die Gasträume in Pacht. Danach wird die Gaststätte von kurzzeitig ständig wechselnden Pachtbetreibern bewirtschaftet. Von 2003 an werden die Gasträume von Liane Liße bewirtschaftet. Vorher wird die Gaststube geschmackvoll vorgerichtet und auch neu eingerichtet. Eine Edelstahlküche wird entsprechend den neuen Anforderungen eingebaut. In vielfältiger Weise versucht Sie den Anforderungen des Marktes standzuhalten, doch durch die geringe Auslastung gibt Sie 2010 auf und seitdem steht die Gaststätte leer. Ab 1979 erfolgen immerwieder große Rekonstruktionen und Umbauten, es soll ein Dorfkulturzentrum entstehen. Auch die Gemeindebücherei zieht ein und 1987 wird ein neuer Sanitärtrakt angebaut. Im Jahre 1990 wird ein kleiner Konsum-Minishop durch Hans-Joachim Teich in den leerstehenden Räumen eingerichtet, der sich später FRIMA-Markt nennt und schließlich ca. 1999 schließt. Um 1998-ca.2002 werden 2 Räume des ehemaligen Gemeindeamtes als Arztsprechzimmer von Dr. J.Flieger genutzt. Mit der Eingemeindung von Seeligstadt 1994 nach Großharthau werden auch die Gemeinderäume nach und nach beräumt bis ca. 1998. Ab 1994 wird der Saalraum und die anderen Räume des Erbgerichts im 1.Stock durch den Kulturverein genutzt. Die leerstehenden Räume des ehemaligen Gemeindeamtes und die Arztsprechzimmer, später auch die Räume des Minishops werden ab 2005 von dem gegründeten Natur -und Heimatverein genutzt. Dieser Verein setzt sich auch für die Rekonstruktion der alten Schelltanksäule, der Gestaltung des Vorplatzes 2007 und vorallem für das Kändlermemorial 2009 am Erbgerichtsscheunengiebel ein. Ebenso für die Gestaltung des Giebelvorplatzes mit Rekonstruktion einer Dorfpumpe. 2011 werden neue Fenster und Türen eingesetzt und die Gebäudeflächen neu verputzt und gestrichen.

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Erbaut nach 1346 genaues Datum unbekannt vermutlich vor 1450. 09.01.1559 hier Einführung der Reformation. Kostbarer barocker Altar und die Kanzel wurde 1630 von der Kirche Eschdorf angekauft, dann zu einem Kanzelaltar zusammengefügt. Altarbild und Bild von der Kanzeltür nach neusten Forschungen vom Maler Schenker. Wertvoller spätbarocke Sandsteinephitaph von 1693 des kurfürstl.-sächs. Oberförster Michael Schumann. Besondere wertvolle Kassettendecke mit 18 Apostelbildern ca. 300 Jahre alt. 3 bronze Glocken von 1952 Glockengießerei Apolda. Überliefert ist, dass August der Starke 1705 eine Orgel stiftet, die der Pfarrer von Fischbach und Seeligstadt Johann Joachim Kändler hat setzen lassen (s.Notitz unten). Dessen Sohn gleichen Namens wird 1706 in der Kirche getauft, es ist der bekannte Meissner Porzellanmodelleur. Die jetzige Orgel von 1935 ist von der Firma Jemlich Dresden. Die beiden zinnernen Altarleuchter sind 1616 von den Oberförster Michael Schumann gestiftet worden. Besonders alt ist der Altartisch und der Taufstein sowie die Messing vergoldete Taufschale. Auf der Taufschale ist der Spruch einzisiliert „Ick bart Geluk alzeit“ (ich bereite stets Glück). Der mit Vergoldung versehene silberne Abendmalskelch 22 1/2 cm hoch ist 1762 vom Oberförster Chr. Gottlieb Martini gestiftet. Das Vortragekreuz zu Beerdigungen ist eine weitere Kostbarkeit und ca. 180 Jahre alt. Ebenso die barocke Liederanstecktafel von 1797 gestiftet vom kurfürstl.-sächs. Oberförster Christian Leberecht Heinrici. P.S. Die Pastoren sind auf der Tafel in der Sakristei vermerkt. Hier aus alten Chroniken einige Ergänzungen. Chronik Bischofswerda von Mittag Karl Wilhelm vom Jahre 1861. „1559 Fischbach, visitiert den 9. Januar, Collateur der Bischof von Meißen. Der dortige Pfarrer, Andreas Kesseler von Weißig, ein alter ungelehrter Papist resignirte. An seiner Stelle wurde Johann Judicus (Richter), gewesener Pfarrer zu Seeligstadt, zum ersten evangelischen Prediger berufen. Seeligstadt, das früher Filial zu Fischbach gewesen war, wurde als Filial zu Fischbach gewiesen und dadurch zugleich ein evangelischer Geistlicher, an denen damals Mangel war, gewonnen.“ 1761 ist der Pastor Magister Johann August Ziegler Pate bei Joh.Gottlieb Eysold. Organisten um 1718 Johann Gottlob Junghans (Frau ist Anna Marie Junghans) Der Chronist Friedrich Ehregott Prasser schreibt; „Vom 19. bis zum 22. Oktober habe ich die Seeligstädter Kirchenorgel abgetragen, gereinigt, wieder aufgesetzt und eingestimmt.“ In der Neuen sächsischen Kirchengalerie von Leipzig 1904 Ephorie Pirna Spalte 551 steht; „Kirche Seeligstadt steht in lateinischer Inschrift an einem Männerstande links vom Altar, auf Kosten des allmächtigsten Polenkönigs und auserkorenen Herrn Sachsens Kurfürsten des Herrn Friedrich August haben die Orgel hierin zum Ruhm höchsten göttlichen Willens, sowie zu dem in heiliger Verehrung vorgebrachten Geloben und Aufmerken aufzurichten besorgt. An wohlgestellten Titeln Herr Magister Johannes Schneider Superintendent zu Bischofswerda, Herrn Carl Christian Mache, erwählter Präfekt von Stolpen, Herr Magister Johann Joachim Kändler dieser und der Fischbacher Kirche Pastor im Jahre des durch Christus erneuerten Heils 1705.“ P.S; Zur Kirche siehe auch gesonderte Chronik

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3) Das obere Freigut bzw. Lehngut und seine Besitzer alte Hausnummer 53 Baujahr des jetzigen Wohnhauses 1779 VORWORT In den Dörfern der Oberlausitz spielten neben der Kirche, der Schule, der Mühle, dem Erbgericht, dem Lehngut auch die Freigüter eine besondere Rolle. Die historische Betrachtung der Freigüter, ist deshalb nicht nur Familiengeschichte deren Besitzer, sondern auch zugleich Orts -und Heimatsgeschichte. In den alten Chroniken wurden eigenartigerweise den Freigütern wenig historische Beachtung geschenkt. Aus diesem Grunde und zugleich auch aus Anlaß, daß wir in diesem Jahr 1998 das 200 jährige Jubiläum des oberen Freigutes in Seeligstadt begehen, reizte mich der Versuch mit Hilfe von uralten Akten, Urkunden, Chroniken und Schriften Licht in das Dunkel altersgrauer Vorzeit und deren Vorfahren zu bringen. Besonders durch die Einsicht in alten Gerichtshandelsbücher des Ortes Seeligstadt und durch die von mir und Dr. M.Eysoldt erstellten Personenstandsbücher, konnten vollkommen neue bisher unbekannte Erkenntnisse in Bezug auf das Alter des oberen Freigutes gewonnen werden. Dadurch ist das obere Freigut nachweislich bedeutend älter als 200 Jahre. Unsere Heimat, eingebunden in das großartige Geschenk der Schöpfung gilt es wieder neu zu entdecken und zu schätzen, nachdem gerade in den letzten Jahrzehnten nur der Mensch als Alleskönner mit seinem Sein zur Ideologie erhoben wurde. Diese bescheidene Betrachtung aus unserer näheren Heimat, sollte meinerseits ein kleiner Beitrag sein. Seeligstadt, den 20. September 1998, Hans-Peter Bruneker Überarbeitete und ergänzte Forschung vom Jahre 2014 Zur Historie Ältester Nachweiss über ein Bauerngut stammt von 1570, in dem historischen topographischen Beschreibungen der Amtsmannschaft Pirna von Alfred Meiche steht; „1570 Oktober 15. Kurfürst August macht ein Bauernguth und Gehölz zu Selchstadt inn dem Ambt Stolpen, die von den Bauern Matz Eysoldt später an Gregor Schilling auf Schönfeld verkauft worden sind, zu Mannslehn.“ Somit hing das obere Freigut durch den erwähnten Verkauf mit dem Kammergute zu Schönfeld ab und gehörte damit den Grafen von Schönfeld. Alfred Meiche schreibt weiter „1752 ein Freyguth zu Seeligstadt gehört unter die gräfliche Friesische Herrschaft nach Schönfeld (Amtsgerichtsarchiv Stolpen).“ Diese verpachteten bzw. verkauften das Freigut. Behielten aber noch einige Zeit die Vorherrschaft. Untermauert wird die Verbindung zu den Herren von Schönfeld noch, indem ich interessanterweise einen Taufeintrag aus dem Kirchenbuch zu Seeligstadt vom Jahre 1696 vom 16. Juli fand. Dort ist ein Pate bei Johanna Rosina Müller, ein Herr Ostermann, welcher „Seoretariy (Sekretär) bey den Herren Grafen zu Schönfeld war.“

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Hier nun die nachweislichen Besitzer; Ein Matz Eysold der Obere (*um 1640 +um 1699 verh. im November 1681 in Seeligstadt mit Martha Steiner aus Großröhrsdorf) Besitzer vor 1680 und wird auch als Lehngutsbesitzer bezeichnet. Um 1680 wird das Lehngut von Ihm verkauft an den Herrn Gregor Schilling Graf zu Schönfeld, die es langjährig verpachten. Danach kauft am 02.06.1712 Johann Christian Ulbricht dieser ist Erb-und Lehnrichter in Fischbach in einen alten Taufeintrag von Seeligstadt steht auch, daß Herr Christian Ulbricht Ortsrichter in Helmsdorf ist, seine Frau Anna Marie war Pate bei der Taufe von Jacobs Eysoldts dem Gerichtsschöppens Tochter namens Anna Rosina. Er war *Mai 1690 vermutl. in Helmsdorf (+17.02.1745 Seeligstadt verh. mit Anna Maria Eysoldt *Dez.1685 +26.03. 1769 Seeligstadt) das Gut, was nun als oberes Freigut bzw. als Hochgräfliches Friesische Frey-Guths bezeichnet wird. Die Besitzer werden als Freysassen d.h. befreit von Abgaben bzw. teilbefreit und frei von Lasten des Freigutes betreffend. Dann am 13.04.1745 für 2000 Taler kauft von der Mutter Sohn Johann Christoph (Christian) Ulbricht (*31.10.1717 Seeligstadt +28.06.1776 Seeligstadt verh. Anna Rosina geb. Walther aus Arnsdorf vermutlich vor 1742 in Arnsdorf, sie ist *August 1722 Arnsdorf +18.05.1769 Seeligstadt). In einem Personenstandsbuch ( v.H.-P.Bruneker und Dr.M.Eysoldt ) wird obiger als Freysasse des Hochgräflichen Friesischen Freyguthes in Seeligstadt und Besitzer des Oberen Freyguthes bezeichnet. Er stiftet auch ein Apostelbild Jacob der Große in der Kassettendecke der Kirche. Es folgt wiederum sein Sohn gleichen Namens Johann Christoph Ulbricht (*08.05.1746 Seeligstadt verh. mit einer geb. Berthold aus Lommnitz) kauft vom Vater für 2200 Taler am 27.02.1767. Vermutlich stirbt er, seine Frau und auch der 1771 geborene Sohn an der im Ort in dieser Zeit grassierenden Krankheit, die Kirchenbücher von Seeligstadt sind in dieser Zeit unvollständig. Denn dann folgt durch Kauf von 3200 Talern am 22.11.1779 dessen Bruder Johann Gottfried Ulbricht nachdem er das Freigut vorher schon gepachtet hat (*09.10.1742 Seeligstadt +vermutl. 1788, verh. 23.10.1765 mit Anna Rosina geb. Hantzsch *17.06.1745 Seeligstadt +Mai 1784 bei der Geburt der Tochter, 2 Frau Ana Marie geb. Stiebitz aus Tröbigau verh. 1786). In dieser Zeit erfolgen grosse Umbauten die das heute Bild vom Freigut weitgehend prägen. Dann folgt am 16.03.1788 sein Sohn Johann Gottfried Ulbricht (*10.10.1766 Seeligstadt +26.09.1818 Seeligstadt, verh. mit Eva Dorothea geb. Eisold *04.03.1770 Seeligstadt +03.09.1834 Seeligstadt). Sie hinterlassen 2 Töchter Johanna Eva Dorothea verh. mit Johann Traugott Leuner und Johanna Rosina verh. mit Johann August Gottlieb Schossig. Nach dem Tod von Johann Gottfried Ulbricht wird seine Witwe Eva Dorothea mit dem Freigut belehnt. Danach kauft der Schwiegersohn Johann Traugott Leuner am 16.12.1818 kurzzeitig für 13.040 Taler das Freigut er ist Richter in Lauterbach. Doch schon am 11.08.1819 kauft der andere Schwiegersohn Johann August Gottlieb Schossig (*21.02.1786 Arnsdorf +26.01.1867 Seeligstadt verh. Johanne Rosine geb. Ulbricht *März 1792 +06.12.1841 Seeligstadt) für 14.500 Taler das Freigut. Er besitzt auch schon seit 01.01.1807-04.02.1822 das niedere Freigut. Die Familie der Schossigs stammen aus Arnsdorf, wobei die Familie verwandschaftlich durch die hiesige Familie Eysoldt ( Eisold ) verbunden war, welche wiederum durch Einheiratung mit Familie Ulbrich liasoniert war. Dies erklärt auch, daß dadurch die Familie Schossig einige Zeit gleichzeitig Besitzer des niederen Freigutes waren. Sein einziger Sohn Johann August Gottlieb Schossig (*12.05.1814 +23.02.1858 Seeligstadt verh. am 08.09.1843 Seeligstadt mit Johanna Christiane geb. Eisold *19.07.1820 aus Seeligstadt +11.06.1901 Seeligstadt) kauft vom Vater für 10.041 Taler am 01.07.1843 das Freigut. Laut einer Verordnung vom 17.02.1823 besteht auf

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dem Freigut die Berechtigung zum Bier-und Branntwein ausschencken, sowie zum Musik-und Tanz veranstalten. Nach dessen frühen Tod am 23.02.1858 nahm dessen Witwe Johanne Christiane Schossig bis 13.12.1879 die Führung des oberen Freigutes. Dann verkauft Sie für 78 000,- Mark an Ihren Sohn Friedrich August Schossig (*25.04.1852 Seeligstadt +14.07.1925 Seeligstadt/Selbstmord, verh. am 14.02.1890 Johanna Magdalene geb. Säring aus Osling *04.06.1858 Osling +23.10.1928 Seeligstadt) das Freigut. Dieser verkauft schwer erkrankt am 19.02.1907 für 133 000,- Mark an Ernst Franze aus Kleincotta und zieht in das Auszüglerhaus heute Kindergarten ein. Nach dem Tode von Johanna Magdalene Schossig verkaufen die Erben auch das Auszüglerhaus 1928 an das Lehrerseminar Dresden. Ernst Franze verkauft wiederum am 18.12.1913 an Arthur Bergmann (*17.10.1875 Arnsdorf +08.1945 verh. mit Hedwig Kirbach *05.11.1883 Neukirchen, 2 Frau Anna Ida geb. Richter *19.09.1878 +1934) und besitzt das Freigut bis 1936. Dann übergibt er an seinen Sohn Arno Bergmann im Grundbuch eingetragen am 04.05.1938 (*14.11.1910 Arnsdorf +15.02.2005 verh. am 24.05.1946 mit Erna geb. Zeiler verw. Bergmann *17.09.1914 Fischbach +10.06.2012 Seeligstadt), der es bis August 1991 besitzt. Danach geht es an die Stieftochter Erika geb. Bergmann mit Mann Gotthard Schäl über, jetzt gehört das obere Freigut Tochter Martina Noah geb. Schäl. PSALM 65, Vers 10-12 Du suchst das Land heim und bewässerst es und machst es sehr reich. Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle. Du lässest ihr Getreide gut geraten, denn so bauest du das Land. Du tränkst seine Furchen und feuchtest seine Schollen, mit Regen machst du es weich und segnest sein Gewächs. Du krönst das Jahr mit deinem Gut und deine Fußtapfen triefen von Segen. Quellenangaben; 1) Kirchenbücher der Kirchgemeinde Seeligstadt 2) Alte Chronik Seeligstadt von Otto Odrich und Martin Burkhardt 3) Personenstandsbuch der Familie Eysoldt zu Seeligstadt von Hans-Peter Bruneker und Dr. Manfred Eysoldt 4) Historisch-Topograhische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna von Alfred Meiche 5) Chronik von Prasser 6) Chronik von Störtzner 7) Gerichtshandelsbuch der Amtsmannschaft zu Stolpen 8) Sächsische Kirchengalerie Großenhain 9) Skizzen zur Geschichte des Wesenitzgebietes und seiner Nachbarschaft von Dr. G. Sommerfeldt

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4) Unteres Freigut; alte Nr. 86 Baujahr 1844 Die Besitzer des unteren Freigut waren über Jahrhunderte auch die Besitzer der Sträuermühle. Die Ältesten, aber nach nicht gesicherten Angaben beginnen 1530 mit einen Simon Eyßlt, um 1559 Simon Eiselt und 1561 Simon Eisoldt vermutlich handelt es sich hier um den selben Besitzer. Dann folgt ein Peter Naumann 1570 auch 1574 und 1585 ein Naumann vermutlich wieder ein und die selbe Person. 1602 ein Haubold Göbel, dann 1612 Haubold Gyäbell es ist anzunehmen das es sich wiederum um die selbe Person handelt. Belegt ist nun, daß Andreas Priller ein Schösser zu Stolpen am 01.04.1622 ausser der Sträuchermühle auch das untere Freigut für gesamt 3560 Gulden verkauft. Der Hofrat zu Dresden Dr. Gabriel Tünczel erwirbt beides auch datiert am 26.06.1622 als Belehnung. 1670 ist sein Sohn Dr. Friedrich Tünczel, er wird auch als Appelations-und Oberconsitorialrat in einem Forsterlaß vom 30.09.1622 bezeichnet, als Besitzer genannt. 1672 ist die Witwe von Dr. Friedrich Tünczel, Maria Magdalena als Besitzerin genannt. Die Witwe und Kinder verkaufen schliesslich 1689 am 09.03. für 2000 Taler Gut und Mühle samt der freien Hutung in der Massenei an den Bauern in Seeligstadt Matthes (Matz) Eysold (*um 1630 +vor 1709). Am 18.01. 1709 verkauft die Witwe von Matthes Eysold Anna Dorothea Eysold mit Vormund Johann Eysold, Richter zu Belmsdorf und Tochter Anna Maria vhl. mit Ambros Weber das hinterlassene Erbu.Freigut nebst Sträuchermühle an Sohn und Bruder Landschöppe Johann Michael Eisold für 1150 Taler ( *25.09.1674 +21.02.1747 „stirbt durch Blitzschlag in Helmsdorf bei Stolpen auf der Straße auff Johann Geißlers Guthe“ heiratet 17.11.1700 in Altstadt/Sa. Anna Elisabeth Mittag *09.04.1681 +21.10.1744), in dieser Zeit werden an Stallinventar erwähnt 2 Pferde, 2 Ochsen, 6 Kühe, 3 Kälber, 2 jährige Kälber, 2 heurige Kälber, 1 Haushahn und 8 Hühner an angeführten Getreidevorräten fehlt der Weizen und die Kartoffel, diese werden erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Seeligstadt eingeführt. Am 20.04.1747 verkaufen die Erben von Landschöppe Johann Michael Eysold an den ältesten Sohn und Bruder Johann Michael Eysold für 2500 Taler (*12.11.1706 +26.03.1758 heiratet um 1733 die Johanna Rosina Haase *09.01.1713 +13.06.1754 und in 2.Ehe die Anna Rosina Gebauer am 17.08.1755 in Seeligstadt diese ist *27.12.1733 +30.01.1801) die 2 Söhne Johann Michael Eysold Bauer in Arnsdorf und sein Bruder Johann Christilieb Eysold Bauer in Seeligstadt, verkaufen das väterliche Freigut am 10.05.1758 an Bruder Johann Christoph Eysold für 2500 Taler (*1736 heiratet 11.06.1760 in Seeligstadt Johanna Sophia Ulbricht *21.03.1744 +21.09.1818 er stirbt am 15.10.1814). Um 1763 steht in einen alten Forstbuch des Stolpener Reviers; „Joh. Christ. Eysoldt, Niedergut zu Seeligstadt, hat einen gewissen Distrikt in der Massenei (von Fl. 7-8 und von Grenze bis Querflügel) zur Hutung, solange die Felder noch nicht geräumt sind, „auch nicht mehr als 10 St. Rindvieh, keine Ziegen oder Böcke noch Schafe. “ (Erlaubnis verliehen dem Dr.Düntzel, Appelations- und Oberconsistorialrat, 30.Sept. 1622). Besitzer nachweislich 1802 Johann Gottlieb August Schossig senior aus Arnsdorf dieser verkauft am 01.01.1807 das Gut nebst allem Zubehör und Gerechtsamen wegen zunehmenden Alters an seinen ältesten Sohn Johann August Schossig junior (*21.02.1786 +26.01.1867 Seeligstadt verh. 1813 mit Johanne Rosine geb. Ulbricht aus Arnsdorf *März 1792 +06.12.1841 Seeligstadt) für 2800 T+ aler vollzogen in Gegenwart des Erb-und Lehnrichters Johann Gotthelf Russig und des Landschöppen Johann Georg Boden. Dann verkauft Schossig junior am 04.02.1822 an den aus Altstadt bei Stolpen stammende Christian Gottlieb Mittag *28.05.1803 für 6200 Taler, er erbaut 1844 das heutige Hauptgebäude und setzt wichtige Neuerungen wie Stromausnutzung, Fischwasser und Hutung durch.

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Die Ablösungsurkunde wegen der Hutung, der zufolge der Staat bedeutende Ländereien zur Vergrößerung des Freigutes kostenlos hergab ist aus Stolpen vom 13.05. 1829 datiert. Seine 1. Frau war eine geborene Frenzel, 2. Frau ist Johanne Friederike geb. Schurig (*24.05.1807 Großröhrsdorf +03.02.1878 Seeligstadt, er +23.11.1885). Er verkauft am 10.08.1872 für 20.000,- Taler an den 22 Jahre alten Seeligstädter Friedrich August Rüdiger (*31.07.1850 +23.04.1929 Seeligstadt 1.Ehe verh. 13.05. 1873 mit Caroline Alwine geb. Krause *14.09.1852 Oberoderwitz +19.01.1909 in Seeligstadt, 2.Ehe Berta Marie geb.Streich *14.09.1868 +04.07.1948) Sohn von Karl Traugott Rüdiger. Friedrich August Rüdiger verkauft wiederum am 15.08.1907 für 84.000,- Mark. Inbegriffen alle Gebäude samt Inventar, Vieh und ca. 90 Acker (ist alte Flächenbezeichnung), Felder, Wiesen, Teiche und Wald an den Landwirt Max William Bellmann aus Somsdorf bei Tharandt (*10.01.1884 +03.04.1954, verh. mit Selma Grosch *17.10.1877 Sachsenvorwerk + 03.11.1963), nach dem Kauf ziehen Sie nach Seeligstadt, Friedrich August Rüdiger hat aber noch eine Hypothek von 20.000.- Mark auf die Grundstücke davon werden 5400.-Mark verrechnet als der nunmehr Privatmann Rüdiger das Auszugshaus als Alterssitz, alte Ortslistennummer 1b für diesen Preis am 02.01.1908 zurückkauft. Ebenso werden nochmal 4000.-Mark für Flurbereinigungen um das Auszugshaus herrum verrechnet, so das die Hypothek nur noch 9.600.-Mark beträgt die William Bellmann übernehmen muß. Er behält aber das Vorkauftsrecht für das Ausgedingehaus. Dort hat auch die Tochter von August Rüdiger, Frieda Alma verw. Hentschel (*19.06.1881 +15.02. 1929) lebenslanges Wohnrecht. Sohn Kurt Bellmann (*18.11.1907 Seeligstadt +12.11.1943 Newel/Rußland, verh.Hanna geb. Freund *29.09.1914 Königswalde) sollte das Gut weiterführen ist aber 1943 gefallen. Dann nach 1954 Bellmann Erben, Witwe Selma Bellmann, Schwiegertochter Frau Hanna Bellmann, Tochter Ilse Odrich geb. Bellmann, Tochter Gerda Groschwald geb. Bellmann. Dann nach dem Tode von Hanna Bellmann Sohn Dieter Bellmann und Tochter Karin Eisold geb. Bellmann durch Auszahlung der Anderen Erben. Ab ca. 1990 nur noch Karin Eisold geb. Bellmann Unter diesen Eigentümern werden die Stallungen und die Scheune um 1991 abgerissen. Es bleibt nur noch das Wohnhaus stehen und wird anschließend renoviert und ausgebaut.

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5) Das Forsthaus; alte Nr. 51, Baujahr 1753 Schon Jahrhunderte hindurch wurde die Massenei von Seeligstädter Forstleuten betreut. Im Jahre 1559 sind 2 amtierende Förster genannt, dazu steht im Amtserbbuch von Stolpen; „ Valten Hornigk zu Seligstadt betreute den halben Teil der Masteney, dergl. begehet Michel Faselt, auch zu Seligstadt wohnhaft, den anderen Teil der Masteney.“ Doch bereits vorher ist Hornigk sen. als Förster erwähnt, er soll 48 Jahre hier Förster gewesen sein. Es ist zu vermuten dass schon eine Försterei an der Stelle stand, wo 1753 das heutige Forsthaus erbaut wurde. Im Vorgänger Forsthaus ist vermutlich der berühmte Porzellanmodelleur Johann Joachim Kändler 1706 geboren. Sein Vater war Pfarrer von Seeligstadt und Fischbach und durch seine 2. Ehefrau mit der Försterfamilie Schumman liiert. Das heutige Bauerngut Petschel an der Fischbacher Str. 2 könnte aber auch als Wohnhaus bzw. Forsthaus für die Förster vor 1753 gedient haben. Es wird auch als Wohngut der Oberförsterfamilie Schumann bezeichnet. Die Försterfamilien Schumann besassen noch andere Grundstücke im Ort. Besitzer des Forsthauses waren die obersten Dienstherren bzw. das jeweilige Forstamt. In den vergangenen Jahrhunderten waren waren die hiesigen Förster gleichzeitig auch Bauern. Dafür spricht heute noch der landwirtschaftliche Charakter der Förstereigebäude. Der letzte Förster, der die Forstfelder noch selbst bewirtschaftete war J.T.Hauswald. Bis 1945 wohnten die Förster auch noch im Forsthaus. Nach dem 2. Weltkrieg waren darin Wohnungen für die Waldarbeiter, Flüchtlinge u.a. eingerichtet und 1957 kurzzeitig auch das Gemeindeamt untergebracht. Nach jahrelangem Leerstand und Verfall versteigerte das Forstamt die Gebäude 2001 an einem Steinmetzen Herrn Landgraf, der es seitdem schrittweise ausbaut. Die Förster von Seeligstadt pflegten und hegten Flora und Fauna des sagenumwobenen Masseneiwaldes. Bis 1918 gehörte die Massenei zum königlich sächsischen Besitztum und auch August der Starke hat hier so manche Stück Rot und Schwarzwild erlegt. Über die Besoldung der Förster steht im Amtserbbuch von 1559 noch folgendes; „Die Besoldung ist 30 Schock 30gl an Geld, 8 Ellen gemeinen Tuch zu 5gl. Eine Laaßwiese an der Steinbach noch 2 Fuder Heu“ und weiter steht „Michael Faselt ist vergangenen Ostern Valten Hörnigken zum Mitgehilfen verordnet, dem kein Lohn gegeben, denn izzo zum Abzuge von 1 Schock 20gl Holz. Das Schreibgelt hab Förster Hörnigk nit ihme zugleich geteilet.“ Förster die noch im alten Forsthaus wohnten: Valten Hornigk: (Hörnig) Senior 1500-1547 Valten Hornigk: (Hörnig) Junior 1547 gemeinsam mit Michel Faselt. Ende der Amtszeit 1559 und ab diesem Jahr wird er im Stolpener Amtserbbuch als Einhüfer (Bauer) bezeichnet. 1563 wird er auch als Pächter des Niederteiches und des Masseneiteiches auf 11 Jahre gemeinsam mit Pächter Urban Weber, Simon Eisellenn, Sebastian Remmsattel u.a. Einwohnern erwähnt. Michael Simon: vermutlich erster Oberförster, gestorben 1560 Johann Friedrich Ziegenbalg: Oberförster, gestorben 1572

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Hans Gastel: Oberförster, gestorben 1582. Er kauft sich „ein Gütlein“ und war zuletzt Pirschmeister in Dresden und wird auch als Wildmeister bezeichnet. Soll der erste berittene Oberförster gewesen sein. Hanß Taffelt: Oberförster, bezeugt 1583 (Stolpener Revierbuch) Caspar Zoest: auch Zoß geschrieben, Oberförster, bezeugt 1586 (Stolpener Revierbuch), gestorben 1587 Wullf Hallacher: Oberförster, bezeugt 1591 (Holzordnung des Stolpener Reviers) Raßel Rohrbacher: Oberförster 1598 Hieronymus Röhrbacher: ev. Sohn vom Vorgänger, bezeugt 1606 (Stolpener Revierbuch) gestorben 1616 Hans Heinrich Kühn: Oberförster vermutlich von 1632-1654, geboren um 1610, verstorben 08.06.1663 Matthias Zeibig: kein Oberförster (ein 1 Hüfer) vermutlich von 1655-1663 Michael Schumann: Senior, kurfürstlich sächsischer Oberförster von 1663-1693 Er wurde in einer Gruft unter dem Altarraum in der Kirche bestattet. Die Gruft wurde 1934 entdeckt und der Grabstein im Altarraum aufgestellt. Darauf steht; *am Tage Michaeli 29.09.1630 in Kirchhain, +am 11.09.1693, heiratete in Altendreßden Anno 1654 am Tage Galth. eine Frau Anna geb. Schlettern und zeuget mit ihr 3 Söhne und 6 Töchter, war hier 30 Jahre und 11 Wochen und 5 Tage Oberförster, Alter 63 Jahre weniger 2 Woch. Er stiftete auch 1674 die Altarleuchter in der Kirche. Kinder von Michael Schumann; Johann Michael Anna Marie, verh. mit Christoph Keyling, Gleismann in Königbrück Anna Dorothea, verh. Mai 1686 in Seeligstadt mit Valentin Ziegenbalg (*19.05.1655 +23.09.1706), Steinmetz in Dresden, der 3. te Sohn aus dieser Ehe ist der spätere Förster Johann Friedrich Ziegenbalg, 2. Ehe am 16.04.1709 in Dresden mit Johann Gottfried Krellmann Anna Elisabeth , verh. mit Hanns Christoph Süßemilch Anna Sophia, verh. mit Zacharias Zittmann Anna Catharina, verh. mit Hanns Christoph Sommer, Heege Bereutheer aus Kleinröhrsdorf von 1677-1714, + 20.12.1741 Kleinröhrsdorf. Anna Margaretha, verh. mit Gottlob Theodory Volkmann Candidat Justiana Johann Michael Schumann: Junior, Oberförster von 1693-1717 bezeugt 1699 (Stolpener Revierbuch) um 1698 ist er auch Besitzer der Brett -und Mahlmühle auch Sträuchermühle genannt gemeinsam mit Michael Eysoldt, seine Ehefrau ist Anna Katharina. Sie stiftet ein Bild mit Abraham an der Kasettendecke in der Kirche und einzigste Tochter ist Johanna (Anna) Sophie *1701 Seeligstadt +07.01.1756 Seeligstadt

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