Bootsangeln auf Wels

 

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Profitipps vvon Stefan Seuss

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64 Taktik Bild und Text Stefan Seuß Bootsangeln auf Wels Teil1 Ein Zuhause auf dem Wasser Jeder der sich tapfer stellt, den Naturgewalten dieser Welt, braucht ein trautes und sicheres Plätzchen bereitgestellt, wo er dann und wann die ganze weite Welt vergessen kann.

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65 Taktik Mein Skiff, mein erstes großes Boot ein Boot kann ich mit Sicherheit als »Zuhause« bezeichnen. Ich kenne mich aus, fühle mich sicher und verbringe mehr Zeit auf den schwimmenden GFK Wänden, als an einem anderen Ort. Gemütlichkeit, Flexibilität und Ruhe, das sind für mich Schlagworte, die ich heute mit dem Leben und Ausharren auf einem Boot verbinde. Noch vor einigen Jahren konnte ich nicht glauben, dass diese Gefühle und Gedanken in mir aufsteigen, denn ein Boot war ein Mittel zum Zweck. In erster Linie um Material von einem Ufer zu einem anderen zu schippern. Dort wurde dann das Boot entladen und ein Camp am Ufer errichtet. Äste wurden auf schlammigen Boden gelegt, um Trittstabilität zu bekommen, Hänge wurden abgegraben, um die Liege und das Zelt in eine notdürftig, stabile Lage zu bekommen und die Rutenständer je nach Angel- Territorium in bestimmte Richtungen ausgerichtet. Ich war mir sicher und prophezeite dieses Vorgehen auch anderen Anglern, dass ein Uferangler viel unauffälliger und effektiver aus dem Versteck heraus agieren kann, als es einem Bootsangler möglich ist. Heute sehe ich diesen oftmals harten und von Schlamm und Hindernissen geprägten Ufereinsatz aus M einem anderen Blickwinkel und muss gestehen, dass ich mein »Zuhause« auf dem Wasser jedem Angelcamp am Ufer vorziehe. Schon seit meinem 14. Lebensjahr benutze ich Boote für meine ausufernde Passion. Anfangs waren es günstige Badeboote aus dem Großmarkt, dann baute ich mir mein erstes »Belly Boot« aus einem Traktorreifen, bis ich genug Geld gespart hatte,um mir ein Faltboot leisten zu können. Mit dem Faltboot eröffneten sich mir enorme Weiten und ich bereiste die großen, französischen Flüsse mit einem stinkenden, röhrenden und oftmals unzuverlässigen 5 PS Zweitaktmotor. Ich genoss meine Freiheit mit diesem flexiblen Bootsmodel und konnte überall Stefans Zuhause, ein Beiboot ist Pflicht. und in jeder Uferregion, sofort mein Boot zu Wasser bringen und in das Abenteuer Wildnis starten. Andere Angler hatten zwar geräumigere und leistungsstärkere Boote, waren aber immer auf Slip-Anlagen und sichere Parkplätze angewiesen und vertrödelten auf der Suche nach diesen, wichtige Angelzeit. Irgendwann vor zirka zehn Jahren kam dann doch ein großes Boot in mein Anglerleben. Ein Skiff, unverwüstlich, einfach aufgebaut und jederzeit zuverlässig. Dieses Boot wurde zu meinem wichtigsten Begleiter und ermöglichte mir enorme Vorteile auf den großen Gewässern Europas. Doch ein Wohnen und Schlafen auf dem Boot kam mir sehr selten in den Sinn. Mein Boot war Arbeitsgerät, meist von Schlamm überzogen und überladen mit Angelausrüstung. Manchmal aber war eine Übernachtung auf dem Boot unumgänglich, wenn nämlich plötzlich unsere Ufercamps in sekundenschnelle vom Hochwasser überspült wurden. Das Ausharren bis zum Morgengrauen war keineswegs gemütlich, denn zusammen gekauert, zwischen notdürftig evakuiertem Angelequipment dem Regen zu trotzen, macht nicht wirklich Spaß. Nach vielen gemeinsamen Touren rückte die Zeit der Trennung heran und mein Skiff fand einen neuen Besitzer und ich begann mich mit dem Thema »schwimmendes Zuhause« erneut auseinander zu setzen. Zusammen mit einer Schweizer Werft konstruierte ich dann einen speziellen Bootsaufbau, der mir alle Facetten des Bootsangelns ermöglichen sollte. Jeder, der ein eignes Boot hat, kennt sicherlich das Problem der Verbindung von Stauraum und freier begehbarer Fläche. Mir war es wichtig einen enormen Stauraum zu besitzen, der meine komplette Ausrüstung vor Nässe und ➜

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66 Taktik Mit einem Drei-Meter-Schlauchboot habe ich die Flüsse Südfrankreichs erkundet Bootsangeln bringt einen näher an den Fisch. ➜ Dreck schützt aber zugleich keinen Platz im Boot wegnimmt. Die beste und gängigste Lösung war, den kompletten Bugbereich mit einer großen Liegefläche zu versehen, deren Hohlräume als Materiallager dienen sollten. Das neue Projekt wurde innerhalb von sechs Monaten realisiert und seit dem Jahre 2014 habe ich mein «Swiss Cat« im Einsatz. In diesem Zeitraum hat sich meine Einstellung zum Bootsangeln drastisch geändert und ich habe meine Fischerei optimal dem Leben auf dem Wasser angepasst. Bootsangeln ist sehr flexibel, schnell, sauber und geordnet. Man hat freie Platzwahl auf allen Gewässern der Welt und kann sekundenschnell auf wechselnde Bedingungen reagieren. Bootsangeln kann sehr erfolgreich sein, vorausgesetzt, man weiß als Angler mit dem schwimmenden und wasserverdrängenden Resonanzkörper umzugehen. Boote haben eine enorme Scheuchwirkung und in stark von Anglern fre- quentierten Revieren kann sich ein im Wasser verankertes Boot sofort auf die Fangaussichten auswirken. Bootsangeln, fern ab des Ufers, gewährleistet den Insassen Sicherheit vor ungewollten Besuchern, kann aber auch bei falscher Vorgehensweise schnell sehr gefährlich werden. Ich habe mittlerweile über 200 Tage und Nächte auf meinem Boot verbracht und positive, sowie negative Erfahrungen sammeln können. Ich möchte Euch nun mitnehmen auf mein Boot und von einer klaren Novembernacht berichten. Der Herbst ist für mich eine tolle Angelzeit. Die Landschaft erleuchtet in bunten Farben, die letzten warmen Sonnenstrahlen sind Vorboten der eisigen Jahreszeit und die Fische werden aufgrund fallender Wassertemperaturen positiv zum Fressen angeregt. Im November finden jährlich unsere Abschlusstouren am Po Mittellauf statt. Moderne Bootsangler sind sehr flexibel und Faltboote sind unzerstörbar und sehr flexibel. betreten das Ufer oft tagelang nicht.

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67 Taktik Ein Boots-Herbstkracher für Stefan. In der Regel eine Hochwasserzeit und eine Schlammschlacht vom Feinsten. In diesem Jahr war aber alles anders… Warme Temperaturen tagsüber, mischten sich mit kühlen und teilweise frostig geprägten Nächten. Nur wenige Stunden Tageslicht machen den Angeltag im Herbst zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Spät am Nachmittag bin ich in Italien angekommen, die Müdigkeit war mir anzusehen, doch ich wollte und musste noch Luft schnappen. Kurzerhand packte ich das Nötigste zusammen und steuerte mein Boot mit der untergehenden Sonne den Flusslauf hinunter. Ich hatte ein Zeitfenster von 30 Minuten, bis völlige Dunkelheit über mich hereinfiel. Der Fluss war Tage zuvor leicht angestiegen, doch jetzt sank der Pegel und die braune Wasserfärbung klarte wieder auf. Inseln von Treibholz kreuzten meinen Weg. Fallendes Wasser bedeutet für mich, auslaufende Gräben aufzusuchen, in denen noch Leben vorhanden ist und welche mit sinkendem Pegel ihre Schätze freispülen. Solche Gebiete werden oftmals von Großfischen angelaufen, sie warten dann am Ausgang auf leichte Beute. Mit den letzten Lichtstrahlen finde ich einen interessanten Angelplatz, eine alte Steinpackung mitten im Flusslauf, welche langsam in ein Naturufer übergeht und an ihrem Fuße eine Tiefe von 4 Meter aufweist. Die Strömung wird hier leicht gebrochen und eine Menge an Treibgut dreht an der Oberfläche langsam seine Kreise. Ich umfahre den Spot und verankere mein Boot in gutem Abstand hinter einem fest sitzendem Schwemmholzhaufen. Das Verstecken des wasserverdrängenden Bootes hinter natürlichen, Reflektor, Ausleger und Schnell-Clips sind beim Leichte Auftriebskörper fangen immer. Bootsangeln sehr wichtig im Wasser liegenden Hindernissen, hat für mich höchste Priorität. Über den Bug und über das Heck verankere ich mein Boot sicher und erhalte so eine stabile Lage auf dem Wasser. Ich schalte mein Positionslicht am Steuerstand ein und verlasse das Hauptboot. Im Schein der Kopflampe bringe ich mit meinem Beiboot zwei Montagen aus. Um das Gebiet optimal zu befischen, lege ich eine Grundmontage mit leichtem Auftriebskörper (10-g-U-Pose) rund 100 Meter unterhalb meines Ankerplatzes ab. Direkt im Fuße der Steinpackung wird der Köder präsentiert und um kein Treibgut in der Hauptschnur einzufangen, lenke ich die Schnur direkt in die Packung um und leite sie von dort aus über Wasser weiter. Die zweite Montage fahre ich flussauf, hier ragt ein alter Baum im Fluss empor, welcher von harter Strömung durchspült wird. Direkt dahinter bildet sich ein kleiner, ruhiger Bereich. Hier befestige ich meinen Reflektorausleger, nutze ein kurzes Stück Reißleine und lasse den Köderfisch kurz unter der Oberfläche seine Bahnen ziehen. Ruhe kehrt ein, mein Beiboot ist beidseitig am Hauptboot befestigt, um keine Geräusche zu verursachen. Leise brodelt mein Gasbrenner bis die Suppe ihre Temperatur erreicht hat. Im Zeltinneren leuchtet eine kleine Lampe und verbreitet Gemütlichkeit. Der abnehmende Vollmond lässt die Nacht aufklaren und steht wachend über mir. Plötzlich wird die Stille der Nacht vom Kreischen der Multirolle unterbrochen und ich folge schlaftrunken dem Verursacher mit dem Beiboot in die Dunkelheit… Stefan Seuß www.team-black-cat.com

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