Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten Ausgabe 05/2015

 

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Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten Ausgabe 04/2015

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Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten Oktober 2015 Interpersonal Competence: Human Factors – be prepared Behandlung von Kindern: Medicolegale Aspekte DGU-Spendenaktion: 340.000 Euro und OP-Material für Nepal

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Editorial Prof. Dr. Michael Nerlich, Präsident DGU, DGOU ­ Prof. Dr. Rüdiger Krauspe, ­ Präsident DGOOC, Stellv. ­ Präsident DGOU, Dr. Hans-Jürgen Hesselschwerdt, Kongresspräsident BVOU Hinterm Horizont .... Herzliche Einladung zum Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie DKOU 2015 Der DKOU mit ca. 12 000 Teilnehmern hat sich zum größten medizinischen Fachkongress in Europa und zu einem der größten Orthopädie und Traumatologie Kongresse weltweit entwickelt. Mit unserem Motto „Hinterm Horizont“ möchten wir die Perspektiven erweitern – über den Tellerrand blicken. Der DKOU muss als der zentrale Kongress für unser Fach allen Interessenslagen gerecht werden und seine Rolle als die führende Veranstaltung innerhalb einer ausufernden Kongresslandschaft wahrnehmen. Der DKOU will Orientierung bieten: Die Jüngeren brauchen eine verläss­­ liche Übersicht über alle Bereiche unseres breiten Faches, der Fortgeschrittene wünscht sich die Vermittlung einer differenzierteren Sichtweise. Der Fachmann erhält den aktuellsten Stand für seinen persönlichen Benchmark. An diesem bewährten Muster des Kongressaufbaues wird festgehalten. Die Sektionen und Arbeitsgruppen haben genug Möglichkeiten, sich am Dienstag intern auszutauschen, aber auch Interessierte durch attraktive Darstellungen ihrer Spezialitäten anzulocken. Während der Mittwoch schwerpunktmässig den Unfallchirurgen und der Donnerstag den operativ tätigen Orthopäden interessieren dürfte, ist der Freitag vornehmlich dem konservativ tätigen Fachmann gewidmet. Wir haben in mühevoller Kleinarbeit versucht, für jede Interessenslage in sich schlüssige „Tracks“ zusammen zu stellen, in denen sich die Spezialitäten des Faches wiederfinden können. Die „Blockbuster“ dürften wieder die „Expertenrunden“ und „Tipps und Tricks“-Sitzungen werden, die unsere alltäglichen Herausforderungen adressieren. Besonders hervorzuheben ist die Aufmerksamkeit, die dem Nachwuchs in O&U gilt. Spezielle Vortragssitzungen gehen auf die Fragen und Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzte in Fachweiterbildung ein. So wurden die Seminare in zwei Wissensebenen aufgeteilt, eine Reihe – erstmals gemeinsam O & U von Kopf bis Fuß – für den jüngeren Assistenten (Basics) und eine Reihe für den fortgeschrittenen, facharztnahen Weiterbildungsassistenten. Darüber hinaus ist der DKOU eine wunderbare Bühne für unsere ambitionierten „High Potentials“, um sich wissenschaftliche Sporen zu verdienen. Geeignete Auszeichnungen werden einen entsprechenden Ansporn bieten. Die Themenvielfalt des Kongresses spiegelt die Breite unseres Faches wider und lässt keine Wünsche offen. So kann jeder sich in seiner Spezialität vertiefen, oder auch mal über den Tellerrand schauen. Gerade die berufspolitischen Themen betreffen „heiße Eisen“, bei denen es um die Zukunft unseres Faches geht. Aus der Vielzahl spannender Themen haben wir nachfolgend einige Schwerpunkte herausgestellt: Pauwels Gedächtnis Vorlesung: Schmerz ist das Kardinalsymptom der meisten unserer Patienten, damit gehört die Schmerztherapie zu unseren vorrangigen Aufgaben. Es ist uns ein besonderes Anliegen, Ihnen die diesjährige Pauwels Gedächtnisvorlesung sehr zu empfehlen. Als Sprecher zum Thema Schmerz konnten wir den international herausragenden Schmerzforscher Herrn Prof. Dr. Hans-Georg Schaible gewinnen. Prof. Schaible hat sich beharrlich über Jahrzehnte mit der Nozizeption sowie den peripheren und zentralen Mechanismen des Schmerzes, insbesondere des Gelenkschmerzes, beschäftigt. Jüngste Ergebnisse seiner Forschung zeigen Wechselwirkungen von Schmerz und Entzündung auf: Zytokine der Entzündungskaskade beeinflussen die Nozizeption und eröffnen damit neue therapeutische Ansätze. Wir sind gespannt auf seine Vorlesung und laden Sie alle herzlich dazu ein, das Neueste zur Schmerzforschung zu erfahren. Kinderorthopädie und -traumatologie Dieses Hauptthema hat sehr große Resonanz gefunden: Die Zahl der eingereichten Abstracts aus diesem Spezialgebiet war bei einem DKOU Kongress noch nie so hoch wie in diesem Jahr! Auch internationale Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015 409

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Editorial Abstracts aus dem Gebiet „Kinderorthopädie“ wurden in hoher Qualität eingereicht. Die Kinderorthopädischen und -traumatologischen Seminare und wissenschaftlichen Sitzungen beim DKOU 2015 sind, unterstützt durch die Vereinigung für Kinderorthopädie (VKO), hochkarätig besetzt und sicher eine besondere Attraktivität für die Besucher unseres Kongresses. Seit 1996 besteht in Deutschland das sehr erfolgreiche sonografische Hüftscreeningprogramm im Rahmen der U-3 Vorsorgeuntersuchung. Das Hüftscreeningprogramm hat dank seiner Erfolge auch in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern – hinter unserem Horizont – Einzug gehalten in nationale Programme, jüngst in der Türkei. So hat sich ein wichtiges Präventionsprogramm der Orthopädie bereits etabliert, lange bevor das Präventionsgesetz in Kraft getreten ist. Unsere Expertise zum Screening und zur Behandlung der Hüftgelenkdysplasie wird in zahlreichen Vorträgen und Sitzungen, auch in internationalen, dargestellt. Die Standardisierung beim Hüftdysplasie-Screening ist beispielgebend für andere Bereiche. Prävention Für die Zukunft gilt: Präventionsprogramme, mehr Sport und Bewegung auch zur Prävention von Übergewicht sind umzusetzen. Schul- und Freizeitsport ist ein vorrangiger Stellenwert zuzuordnen. Unser Vorschlag: Mehr Stunden am Ball als am Bildschirm. Analog bestehen unsere Aufgaben auch darin, Maßnahmen zur Prophylaxe von Sportverletzungen und Sportschäden zu entwickeln und kontinuierlich umzusetzen. Sport, Spiel und Bewegung sind bereits im Kindesalter anzubieten, damit die Freude an Sport und Bewegung sowie der Nutzen durch Sport früh verinnerlicht werden. So bleiben den Menschen Beweglichkeit, Kraft und Koordination bis ins höhere Alter erhalten, was zu Sturzund Verletzungsprophylaxe beiträgt. Diese wichtige Aufgabe der (Kinder-)Orthopädie und Unfallchirurgie kommt der Gesamtgesellschaft in vielerlei Hinsicht zu Gute! Gemeinsam klug entscheiden „Choosing wisely“ ist ein vor vier Jahren in den USA entwickeltes Konzept. Choosing Wisely wird in Deutschland mit „Gemeinsam klug entscheiden“ übersetzt. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) hat im Februar 2015 die Einrichtung einer Ad Hoc Kommission zum Thema „Gemeinsam klug entscheiden“ beschlossen. Diese will ein Bewusstsein für das Thema schaffen, sagt aber auch, dass die amerikanischen Listen nicht ohne weiteres auf die deutschen Verhältnisse übertragen werden können. Das deutsche Gesundheitssystem braucht im Unterschied zu den USA keine neuen Streichlisten unnötiger Leistungen, da wir in den letzten beiden Dekaden permanent mit Mittelkürzungen, -deckelungen und -pauschalierungen von der Politik bedient wurden. Es geht vielmehr um den informierten Patienten und ein Gespräch auf Augenhöhe im Sinne einer partizipativen Entscheidungsfindung. Beide, Arzt und Patient, entscheiden gemeinsam über die anstehenden Untersuchungen und Behandlungen, die dann auch gemeinsam verantwortet werden. Die Fachgesellschaften für Orthopädie und Unfallchirurgie setzen gemeinsam mit dem Berufsverband das Thema „Gemeinsam klug entscheiden“ jetzt ebenfalls auf ihre Agenda. Inhaltlich werden zunächst die Leitlinien beim unspezifischem Kreuzschmerz beleuchtet, weitere Themen werden wir auf dem DKOU in einer eigenen Sitzung am Mittwoch, den 21.10.2015 erörtern. Endoprothetik 2015 Eine etablierte Erfolgsstory ist die Endoprothetik. Der demografische Wandel schafft wachsenden Bedarf und zahlreiche Patienten, die ihren Endoprothesenwechsel erleben. Bei einer Zahl von ca. 400 000 Endoprothesenoperationen pro Jahr in Deutschland darf man von einem Routineeingriff sprechen. Doch Routine ist gefährlich und kann zu Nachlässigkeit führen. Um stets auf höchstem Niveau zu handeln und auch auf individuelle Gegebenheiten vorbereitet zu sein, sind Standards und (Selbst-) Kontrollen notwendig. Die patientenbezogenen Daten und Informationen zur Operation, die Planung und Vorbereitung im Operationssaal mit einem instruierten Team sowie die Dokumentation aller Schritte sind erforderlich, um gute Ergebnisse zu erzielen. Die Nachbehandlung mit Weitergabe aller notwendigen Informationen sowie die postoperativen Kontrollen gehören außerdem zum Gesamtkonzept. Die genannten Parameter sind wesentliche Grundlagen des Deutschen EndoCert Systems. Viele Kliniken sind bereits im dritten Zertifizierungs-Durchgang und die Lehren daraus führen sowohl in den einzelnen Kliniken wie im EndoCert System zu einer positiven Weiterentwicklung der Endoprothetik in Deutschland. Erste Daten werden beim DKOU präsentiert und diskutiert. Im engen Zusammenhang damit steht das Endoprothesenregister Deutschland EPRD. Die DGOOC hat beharrlich dieses Projekt vorangetrieben und im jüngsten Zwischenbericht die ersten Erfolge aufgezeigt. Es wird 5- und 10-Jahresergebnisse brauchen, um den Wert von EndoCert und EPRD anhand von klinischen Daten zu belegen. Das EPRD wird dann gesicherte Daten zu Standzeiten der Endoprothesen, Qualität der Implantate sowie der Endoprothesenzentren und vor allem zur Entwicklung der implantatassoziierten Infektionen liefern. Unsere Erfolge in der Endoprothetik müssen wir besser in der Öffentlichkeit darstellen: Wir arbeiten auf hohem Niveau, präsentieren Daten unter strenger Beachtung des Datenschutzes und größtmöglicher Transparenz! Der DKOU 2015 bietet eine Vielzahl deutschsprachiger und internationaler Sitzungen zur Primär- und Revisionsendoprothetik und damit eine erstklassige Gelegenheit zum internationalen Datenvergleich. Die Frakturendoprothetik und Therapiekonzepte bei periprothetischen Frakturen gehören ebenso in die Spezialität „Endoprothetik“, auch darüber wird in mehreren Sitzungen berichtet. Der DKOU 2015 bietet darüber hinaus die ideale Gelegenheit zum Austausch mit Ingenieuren und Entwicklern von Implantaten und Instrumenten, denn die klinische Weiterentwicklung ist nur denkbar in Zusammenarbeit von Klinikern und Industrie. Das Verhältnis muss transparent gelebt werden, es darf keinesfalls diskreditiert oder gar kriminalisiert werden. Dafür setzen wir uns ein und wollen gemeinsam mit den Industriepartnern zum Wohle der patientenorientierten Medizin streiten. Jeder Fehlschlag in der Endoprothetik ist bedauerlich. Komplikationen haben häufig mehr als nur eine Ursache. Die schwierigste Entscheidung ist die Ablehnung einer hilfreichen Operation, wenn das allgemeine oder spezielle Risiko zu groß und damit der Eingriff zu risikoreich erscheint. So können auch Fehlschläge und Komplikationen vermieden werden, defensive Medizin aber kann den Patienten schaden. Mit dieser Problematik und der 410 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015

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Editorial „gemeinsamen klugen Entscheidung“ haben wir uns auch in der Endoprothetik zu befassen und unsere Patienten und die Öffentlichkeit mit einzubeziehen! Mehrere Sitzungen aus dem Bereich „Forschungs-, Gesundheits- und Berufspolitik“ nehmen auch zu diesen Themen Stellung. Der DKOU lädt Sie ein, sich dazu aus erster Hand zu informieren. Rehabilitation „Reha rechnet sich!“ Die Rentenversicherungen haben berechnet, dass sich die Aufwendungen für die Reha schon ab dem vierten Monat nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz rechnen. Einer Studie des Prognos-Instituts zufolge erhält die Volkswirtschaft für jeden in die Rehabilitation investierten Euro fünf Euro zurück. Patienten erhalten durch die Rehabilitation Fähigkeiten und Fertigkeiten zurück, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Wer sich alleine versorgt, braucht keine Pflege. Damit der von der Politik formulierte Grundsatz „Reha vor Pflege“ allerdings tatsächlich umgesetzt werden kann, brauchen die Rehabilitationsträger entsprechende Rahmenbedingungen. Derzeit werden in Deutschland nur 2,9 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben für Rehabilitationsleistungen ausgegeben. Die Pflegeversicherung finanziert keine Leistungen, obwohl sie selbst am meisten davon profitiert. Wir brauchen eine Vergütung, die sich nach der Schwere der Fälle richtet und eine anteilige Finanzierung von Leistungen zur Vermeidung von Pflege durch die Kranken- und Pflegeversicherung, wie es unlängst auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen gefordert hat. Internationalisierung Das hohe wissenschaftliche Niveau des DKOU hat sich mittlerweile in der Welt herumgesprochen. Viele ausländische Kollegen sind aufmerksam geworden und haben Interesse an einer Teilnahme gezeigt. Ziel der Erweiterung des internationalen Programms ist die Intensivierung des wissenschaftlichen Dialogs mit unseren nicht deutsch-sprechenden Kollegen in Europa und darüber hinaus. Dafür gibt es durchgehend englischsprachige Sitzungen, in die führende internationale Fachgesellschaften, wie die ORS, EORS, EHS, OTA und andere aktiv in unser wissen- schaftliches Programm eingebunden sind. Die Anerkennung unserer wissenschaftlichen und klinischen Standards ist uns Ansporn für einen fachlich und persönlich großartigen Kongress 2015. Gastland Türkei Die internationalen Kooperationen werden traditionell mit dem jeweiligen Gastland gepflegt. Mit unserem Gastland Türkei haben wir bereits im Vorfeld eine intensive Zusammenarbeit entwickelt. Für die Deutsch-Türkische Kooperation in Orthopädie und Unfallchirurgie wird anlässlich des DKOU 2015 die „Berlin Declaration“ in einem feierlichen Akt im Beisein seiner Exzellenz des Botschafters der Türkei in der türkischen Botschaft in Berlin unterzeichnet. Wir werden beim DKOU 2015 zahlreiche Teilnehmer aus dem Gastland Türkei begrüßen können. Zu den wissenschaftlichen Sitzungen gehören die Themen: „Hot-Topics“ der Kinderorthopädie: Hüft- und Wirbelsäulenerkrankungen im Wachstumsalter, Tumoren und Alloarthroplastik der großen Gelenke, Fuß- und Sprunggelenkverletzungen und -erkrankungen sowie Hand- und plastische Chirurgie. Auch bei den Medizinstudenten zeigt sich ein großes Interesse, alle 10 Plätze für türkische Studenten in unserem Studentenprogramm waren umgehend vergeben. Festredner bei der feierlichen Eröffnung des DKOU 2015 Ein alljährlicher Höhepunkt bei der feierlichen Kongresseröffnung ist die Festrede. Da in O & U zahlreiche Wechselwirkungen nach „außen“ bestehen und sowohl in Praxis wie auch Klinik eine zunehmend unerträgliche Bürokratie und Dokumentationsflut um sich greift, ist eine (sehr) kritische Betrachtung der jüngsten Entwicklung in Unternehmen und Gesellschaft überfällig. Diese Aufgabe haben wir Herrn Prof. Gunter Dueck gestellt. Prof. Dueck ist Mathematiker und hat als Chef-Entwickler bei IBM Unternehmensstrukturen erlebt, erlitten und beeinflusst. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben und nimmt Stellung zu sogenannten Kenngrößen von Unternehmensentwicklungen und -zielen mit ihren Auswirkungen auf die einzelnen Mitarbeiter und das Gesamt-Unterneh- men. Mal launig, mal witzig, z. T. aber auch bedrückend hält er uns den Spiegel vor. Er zeigt Wege und Ergebnisse von Analysen und empirischen Daten auf, die uns davor bewahren können, der „Schwarmdummheit“ zu verfallen. Wir haben genug negative Entwicklungen erlebt, leider kam es oft schlimmer, aber wo blieb der Widerstand?? Hoffen wir auf eine treffende „Dueck-Analyse“ mit brillanten Ausführungen zu Wegen aus der Krise und damit zur Verbesserung unserer Arbeitswelt. Lauftreff ”TOGETHER WE RUN / WALK FOR CHARITY!” heißt die Devise wieder beim DKOU Lauftreff, der am Donnerstag, 22.10.2015, stattfinden wird. Neben einer Laufgruppe werden auch Nordic Walker an den Start gehen, Stöcke können bei Bedarf ausgeliehen werden. Prof. Dr. Thomas Wessinghage übernimmt die Patenschaft für den Lauftreff des DKOU 2015 und gibt als Pacemaker das Tempo vor. Er war in den 70er und 80er Jahren einer der erfolgreichsten deutschen Leichtathleten. Neben zahlreichen nationalen Meisterschaften und Rekorden gewann er Titel bei Europameisterschaften, Welt- und Europacups und hält bis heute die deutschen Rekorde über 1500 m und 2000 m. Mit dem Startgeld erwirbt jeder Teilnehmer ein Laufshirt und einen –gürtel, der Erlös kommt komplett in Form einer Spende der Babeluga e. V. zu Gute! Sie unterstützen damit die von Adipositas betroffenen Kinder, Jugendlichen und ihre Familien, denen mit Ihrem Einsatz wieder etwas geholfen wird. Wir danken allen Kolleginnen und Kollegen sehr herzlich für die umfassende Unterstützung bei der Erstellung des Programms und für die Übernahme vieler Vorträge und Aufgaben. Wir laden Sie herzlich zum DKOU 2015 nach Berlin ein! Prof. Dr. Michael Nerlich, Präsident DGU, DGOU Prof. Dr. Rüdiger Krauspe, ­ Präsident DGOOC, Stellv. Präsident DGOU, Dr. Hans-Jürgen Hesselschwerdt, ­ ongresspräsident BVOU K 412 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015

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Editorial Hinterm Horizont .... 409 Recht BEHANDLUNG VON KINDERN Medicolegale Aspekte bei der Behandlung von Kindern Gesetzliche Änderungen bzgl. Endoprothesen 434 Impressum Nachrichten 418 437 Termin für E-Card nicht zu halten 420 Interpersonal Competence: Human Factors – be prepared: Die Pilotphase für das neue Kursformat „IC – Interpersonal Competence by DGOU and Lufthansa Flight Training“ war erfolgreich. Nun folgen die eigentlichen Kurse. Unterwegs D G U -S P E N D E N A K T I O N 424  Erste Präsidentin des DGCH SpiFa Mitglied der Allianz Sommer-Special „Fit After Eight“ Kliniken entlassen zu früh in die Reha Rauchen beeinträchtigt Wundheilung OTWorld 2016 – Hilfsmittelversorgung Neues Forschungsinstitut an BG-Klinik Neue App zur Kreuzbandruptur DKOU: Keine Operation bei kindlicher Hüftfehlstellung 420 420 420 340 000 Euro und OP-Material STIPENDIUM DER DGU 438 Visceral Trauma Fellowships in Johannesburg 441 421 Namen Personalia „Wir gratulieren …“ 444 445 421 422 422 423 Für Sie gelesen 478 Behandlung von Kindern: Medicolegale Aspekte: Viele Besonderheiten müssen bei der Behandlung von Kindern aus rechtlicher Sicht beachtet werden, es geht auch immer um das eigene Selbstbestimmungsrecht des Kindes. 434  423 Aus unserem Fach INTERPER SONAL COMPE TENCE IC-Kurs: Human Factors – be prepared INTERVIEW 424 „Der Faktor Mensch ist in der Medizin entscheidend“ ENDOCERT 428 Frakturendoprothetik integriert – Kooperation mit DGU erfolgreich 430 DGU-Spendenaktion: 340 000 Euro und OP-Material: Kurz nach dem Erdbeben in Kathmandu in Nepal im April 2015 hat die DGU einen Spendenaufruf gestartet. Die Resonanz bei Kliniken und Privatpersonen war außerordentlich groß. 438  6 3 . J A H R E S TA G U N G D E R N O R D D E U T S C H E N O R T H O PÄ D E N U N D U N FA L L C H I R U R G E N Für und mit den Generationen X und Y 432 414 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015

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BVOU Fortbildungsveranstaltungen Landesverband Berlin Funk Ärzte Police (FÄP) TOGETHER WE RUN FOR CHARITY – 2. Lauftreff zum DKOU 2015 447 448 DGOU Jahresbericht der Sektion Vereinigung für Kinderorthopädie 456 Bericht der Sektion der GOTS – Sportorthopädie / Sporttraumatologie Bericht der DGORh zu dem Konzept: „Auditierte operative Schwerpunktklinik für Orthopädische Rheumatologie“ Stellungnahmen zum Gesetzentwurf der Bundesregierung Bericht der Sektion DKG Neue Mitglieder DGU Abschiedsbericht der AG „Geschichte der Unfallchirurgie“ Polytrauma Kurs 458 Tätigkeitsbericht der Arbeitsgemeinschaft Becken III der DGU Jahresbericht der Sektion Handchirurgie der DGU Erfolgreiche Entwicklung des AltersTraumaZentrum DGU® Nachruf Neue Mitglieder 468 469 449 470 Der BVOU ist das Soziale Netzwerk in Orthopädie und Unfallchirurgie 450 Neue Mitglieder 454 459 472 462 464 465 473 474 474 DGOOC Für unsere Mitglieder Kursangebote OU Medizin und Markt 480 490 EPRD wächst und baut Geschäftsführung aus Neue Mitglieder Dr. Peter Bischoff zum 80. 466 466 467 VLOU Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) – mehr Schein als Sein? 476 F O L G E N S I E U N S A U F FA C E B O O K : www.facebook.de/dgou.ev 416 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015

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Impressum Herausgeber Für den Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Präsident Dr. med. Johannes Flechtenmacher Für die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Bernd Kladny Für die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann Schriftleitung DGOOC Prof. Dr. med. Bernd Kladny (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle DGOOC Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: bernd.kladny@fachklinikherzogenaurach,de Schriftleitung BVOU Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle BVOU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 30 02 40 92 12 Fax: (0 30) 30 02 40 92 19 E-Mail: dreinhoefer@bvou.net Schriftleitung DGU Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann Joachim Arndt Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de Schriftleitung VLOU Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller Geschäftsstelle VLOU Straße des 17. Juni 106-108 10623 Berlin Tel.: (030) 340 60 36 60 Fax: (030) 340 60 36 61 E-Mail: info@vlou.de Redaktion Ines Landschek Tel.: (0 30) 340 60 36 00 E-Mail: ines.landschek@snafu.de Verlag Georg Thieme Verlag KG Dr. Grit Vollmer Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 630 Fax: (07 11) 89 31 408 E-Mail: grit.vollmer@thieme.de www.thieme.de/oumn www.thieme-connect.de/products/oumn Verantwortlich für den Anzeigenteil Christine Volpp, Thieme Media, Pharmedia Anzeigen- und Verlagsservice GmbH Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 603 Fax: (07 11) 89 31 470 E-Mail: christine.volpp@thieme.de Erscheinungsweise 6 x jährlich: Februar/April/Juni/August/ Oktober/Dezember Zur Zeit gültiger Anzeigentarif Nr. 19 vom 1. Oktober 2014 ISSN 2193-5254 Satz und Layout L42 Media Solutions, Berlin Druck Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG Gewerbering West 27 39240 Calbe Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Vorstand Präsident Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Karlsruhe Vizepräsident Dipl.Med. Frank-Ullrich Schulz, Brandenburg Vizepräsident Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer, Berlin Vizepräsident Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Schatzmeister Dr. med. Helmut Weinhart, Starnberg Vorstandsmitglied PD Dr.med. habil. Axel Sckell, Greifswald Vorstandsmitglied Dr. med. Andreas Gassen, Düsseldorf Vorstandsmitglied Prof. Dr. med. Alexander Beck, Würzburg Generalsekretär der DGOU Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Herzogenaurach Geschäftsstelle des BVOU Straße des 17. Juni 106 –108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 79 74 44 44 Fax: (0 30) 79 74 44 45 E-Mail: bvou@bvou.net www.bvou.net Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Michael Nerlich, Regensburg Erster Vizepräsident Prof. Dr. med. Bertil Bouillon, Köln Zweiter Vizepräsident Prof. Dr. med. Florian Gebhard, Ulm Dritter Vizepräsident Prof. Dr. med. Ingo Marzi, Frankfurt/Main Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/ Main Schatzmeister Prof. Dr. med. Joachim Windolf, Düsseldorf Schriftführer Prof. Dr. med. Andreas Seekamp, Kiel Geschäftsführer der AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH Prof. Dr. Johannes Sturm, München/Münster Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106 –108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de www.dgu-online.de Mitglieder der oben genannten Verbänden und Gesellschaften erhalten die Z ­ eitschrift im Rahmen der Mitgliedschaft. JHSUIW)DFKDU]W6WXGLH Mitglied der Arbeitsgemeinschaft LA-MED Kom­munikationsforschung im Gesundheitswesen e. V. Mitglied der Informationsgesellschaft zur Fest­ stellung der Verbreitung von ­Werbeträgern e.  V. Bezugspreise 2015* Persönliches Abonnement Abo Versandkosten Inland Europa Weltweit 36,80 44,90 36,80 44,90 Gesamtkosten Inland 266,60 452,60 Europa 368,80 454,80 Weltweit 276,90 462,90 232,00 34,60 Institutionelles Abonnement 418,00** 34,60 * Jährliche Bezugspreise in € (D); unverbindlich empfohlene Preise. Preisänderungen vorbehalten. Preis für ein Einzelheft 9,50 € zzgl. Versandkosten ab Verlagsort. Das Abonnement wird zum Jahreswechsel im voraus berechnet und zur Zahlung fällig. Die Bezugsdauer verlängert sich jeweils um ein Jahr, wenn nicht eine Abbestellung zum 30. September vorliegt. **der institutionelle Jahresbezugspreis inkludiert Online-Zugriff für 1 Standort 418 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten |Oktober 2015

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Impressum Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident (und Präsident der DGU) Prof. Dr. med. Michael Nerlich, Regensburg Stellv. Präsident (und Präsident der DGOOC) Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf 2. Vizepräsidenten von DGU und DGOOC Prof. Dr. med. Florian Gebhard, Ulm Prof. Dr. med. Heiko Reichel, Ulm Generalsekretär (und Generalsekretär der DGOOC) Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Herzogenaurach Stellv. Generalsekretär (und Generalsekretär der DGU) Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/Main Schatzmeister (und Schatzmeister der DGU) Prof. Dr. med. Joachim Windolf, Düsseldorf Vertreter der nichtselbständigen Ärzte aus dem nichtständigen Beirat Dr. med. Richard Stange, Münster Leiter des Ausschusses Versorgung, Qualität und Sicherheit Dr. med. Daniel Frank, Düsseldorf Leiterin des Ausschusses Bildung und Nachwuchs Prof. h.c. Dr. Almut Tempka, Berlin Leiter des Ausschusses Wissenschaft und Forschung Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka, Bad Abbach Vertreter des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Karlsruhe Vertreter des Berufsverbandes Deutscher Chirurgen (BDC) Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg, Bremen Vertreter des Jungen Forums der DGOU Dr. med. Matthias Münzberg, Ludwigshafen DGOU-Geschäftsstelle Straße des 17. Juni 106 –108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 00 Fax: (0 30) 340 60 36 01 office@dgou.de www.dgou.de Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf 1. Vizepräsident Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Hannover 2. Vizepräsident Prof. Dr. med. Heiko Reichel, Ulm Generalsekretär Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Herzogenaurach Schatzmeister Prof. Dr. med. Werner E. Siebert, Kassel Präsident des Berufsverbandes BVOU Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Karlsruhe Orthopädischer Vertreter des „Konvent der Universitätsprofessoren für Orthopädie und Unfallchirurgie“ (ehemals gKLOU) Prof. Dr. med. Volker Ewerbeck Vorsitzender VLOU Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Geschäftsstelle der DGOOC Straße des 17. Juni 106 –108 (Eingang Bachstraße) 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: info@dgooc.de www.dgooc.de Österreichische Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Vorstand Präsident Prim. Dr. Peter Zenz, Wien/Österreich 1. Vizepräsident Univ. Prof. Dr. Stefan Nehrer, Krems/Österreich 2. Vizepräsident Prim. Univ. Prof. Dr. Mag. Bernd Stöckl, Österreich Generalsekretär Univ. Prof. Dr. Alexander Giurea, Wien/Österreich Kassierer Prim. Univ. Prof. Dr. Martin Dominkus, Österreich Schriftführer Univ. Prof. Dr. Catharina Chiari, Wien/Österreich Fachgruppenobermann Dr. Rudolf Sigmund, Oberwart/Österreich Sekretariat der ÖGO c/o Medizinische Akademie Alserstraße 4 A-1090 Wien Kontakt: Dagmar Serfezi Tel.: +43-1 - 405 13 83 21 Fax: +43-1 - 407 13 82 74 E-Mail:ds@medacad.org Verband leitender Orthopäden und Unfallchirurgen Deutschland e.V. Geschäftsführender Vorstand 1. Vorsitzender Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig 2. Vorsitzender Prof. Dr. med. Dietmar Pennig, Köln Schatzmeister Dr. med. Wilhelm Baur, Schwarzenbruck Schriftführer Dr. med. Walter Schäfer, Gummersbach Geschäftsstelle des VLOU Straße des 17. Juni 106 -108 (Eingang Bachstraße) 10623 Berlin Tel.: (030) 340 60 36 60 Fax: (030) 340 60 36 61 E-Mail: info@vlou.de www.vlou.de Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015 419

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Kurz und bündig Termin für E-Card nicht zu halten Muss der Gesundheitsminister bei der E-Card wieder einen Gang zurückschalten? Fest steht, Online-Tests und Rollout der Telematikinfrastruktur sind einmal mehr im Verzug. Nun beginnt das Schwarze-Peter-Spiel auf der Suche nach dem Schuldigen. „Es gibt also viele gute Gründe, künftig Termine einzuhalten, aber keine Ausreden mehr – weder für die Selbstverwaltung noch für die Industrie“, so die deutlichen Worte des Ministers. Auch wenn es an einzelnen Stellen Kritik gab, generell wurde das Gesetz von allen Seiten als wichtiger Impuls für die in der Dauerwarteschleife hängende Gesundheitskarte und ihre zugehörige Telematikinfrastruktur (TI) gesehen. Und nun ein Rückschlag: Die Online-Tests, die im Herbst starten sollten, müssen einmal mehr verschoben werden, wie der gematik-Vorsitzende Dr. Thomas Kriedel erklärte.  (ÄZ) Sommer-Special „Fit After Eight“ Als Arzt in der Weiterbildung können Sie sich jetzt Ihren Platz für den nächsten „Fit After Eight“-Kurs in Mannheim reservieren und von unserem Sommer-Special profitieren. „Fit After Eight“ ist die berufsbegleitende Weiterbildung und Facharztvorbereitung der DGOU. „Fit After Eight“ ist für alle Weiterbildungsassistenten in O & U, die Konzeptwissen, Kleingruppen und aktivierende Lehrmethoden suchen, interessant. Weiterführende Informationen: http://fae-kurs.de Und hier geht’s zur Anmeldung: www.auc-kursportal.de/course/courseDetails.action?course=624 Erste Präsidentin des DGCH Zum ersten Mal in der 143-jährigen Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) übernimmt eine Frau deren Präsidentschaft: Professor Dr. med. Gabriele Schackert, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. Sie löst damit turnusgemäß Professor Dr. med. Peter M. Vogt aus Hannover ab. Der neue DGCH-Vorstand hat seine Arbeit zum 1. Juli 2015 aufgenommen. Mit dem Antritt der Präsidentschaft wird Gabriele Schackert auch Tagungspräsidentin des 133. Kongresses der DGCH, der vom 26. bis 29. April 2016 in Berlin stattfinden wird. Unter dem Motto „Chirurgie im Spannungsfeld von Technik, Ethik und Ökonomie“ setzt sich der Kongress mit heutigen Herausforderungen für Chirurgen auseinander. „Der technische Fortschritt verbessert die operativen Möglichkeiten enorm und macht Erkrankungen heilbar, die früher als inoperabel galten“, erläutert Schackert ihre Pläne für den Kongress.  (red) Foto: DGCH Doppelmodul 7 / 8 „Fit After Eight“ besteht aus 4 x 2 Modulen, also 4 Doppelmodulen. Jedes Doppelmodul umfasst vier Kurstage und adressiert mehrere Leit- und Querschnittsthemen. Pro Jahr werden mindestens zwei unterschiedliche Doppelmodule angeboten. Innerhalb von zwei Jahren können also alle vier bestehenden Doppelmodule absolviert werden. Ein Einstieg ist jederzeit, also zu jedem Doppelmodul möglich. Das Doppelmodul 7 / 8 umfasst Fehlbildungen, Formabweichungen und Rückenschmerz und findet vom 7. – 11. Oktober 2015 an der Universitätsklinik Mannheim statt. Was macht „Fit After Eight“ so besonders? ■■ Lösung von Problemen auf Facharztstandard im Team. ■■ Kleine Gruppen von 8 bis 10 Teilnehmern erlauben den SpiFa Mitglied der Allianz Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) ist neuer Teil der Allianz deutscher Ärzteverbände. Der Zusammenschluss aus den großen fachübergreifenden Verbänden nahm den SpiFa in seiner jüngsten Sitzung einstimmig als neues Mitglied auf. „Damit bilden wir den Übergangsprozess der GFB zum SpiFa auch innerhalb der Allianz ab“, erklärt der derzeitige Sprecher der Allianz und Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. Dirk Heinrich. Die Allianz geht damit gestärkt in die gesundheitspolitische Debatte der kommenden Monate. Die Allianz deutscher Ärzteverbände wurde im Mai 2007 aus dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) e.  V., dem Bundesverband der Ärztegenossenschaften e.  V., der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) e.  V., dem Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands e. V., aus MEDI-GENO Deutschland e. V. und dem NAV-Virchow-Bund, Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e.  V. gegründet. Mit dem SpiFa tritt nun der Dachverband von derzeit 26 Mitgliedsverbänden bei, der rund 120 000 Fachärzte repräsentiert. www.SpiFa.de höchsten Grad an Interaktion, eine individuelle Betreuung und ständiges Feedback. ■■ Obligate Evaluation des individuellen Lernerfolges durch schriftliche und mündliche Prüfung. ■■ Permanente Weiterentwicklung der Veranstaltungsmodule durch ein Editorial Board von 15 Experten aus Orthopädie / Unfallchirurgie. Masters of Medical Education bringen neueste Lernkonzepte ein. ■■ Garantierte Unterstützung der Fachgesellschaften DGOU, DGOOC, DGU, BVOU, BDC und der AO-Foundation. Wir würden uns freuen, wenn Sie auch Weiterbildungsassistenten in Ihrer Klinik oder Praxis darauf aufmerksam machen und wünschen allen Teilnehmenden viel Glück. Prof. Dr. Udo Obertacke, Leiter „Fit After Eight“ Kontakt für Rückfragen: AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH kurse@auc-online.de Telefon: 089 89 053 76 25 420 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015

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Nachrichten Reha-Kliniken haben Probleme Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie Berlin 20. - 23. Oktober Bedingt durch das deutsche Gesundheitssystem kämpfen Reha-Einrichtungen jedoch zunehmend mit Problemen. „Immer häufiger entlassen Akut-Kliniken ihre Patienten zu früh“, warnt Hesselschwerdt. Besonders häufig handele es sich dabei um betagte Patienten, die ein neues Hüft- oder Kniegelenk bekommen haben. Ihr durchschnittlicher Aufenthalt in der Akut-Klinik hat sich zwischen 2003 und 2011 um etwa fünf Tage reduziert. Dieser Trend setzt sich fort, wie aktuelle Zahlen des Barmer GEK Krankenhausreports 2015 zeigen. Den falschen Anreiz für die frühe Klinikentlassung schaffen nach Meinung der Orthopäden und Unfallchirurgen die Fallpauschalen, nach denen Klinikleistungen vergütet werden. Die Konsequenzen tragen die Patienten und Reha-Kliniken: „Etwa jeder vierte Patient  benötigt ein umfangreiches medizinisches Monitoring in engem Austausch mit dem Operateur. Vereinzelt sind auch Rückverlegungen bei Komplikationen notwendig“, sagt Hesselschwerdt, Chefarzt der Theresienklinik in Bad Krozingen, einer Reha-Klinik. Auf diesen erhöhten medizinischen und pflegerischen Aufwand sind wir eingestellt, er wird jedoch nicht in den Reha-Sätzen abgebildet, kritisiert Hesselschwerdt und fordert verbindliche Kriterien zur Festlegung der Reha-Fähigkeit frisch operierter Patienten: „Wir brauchen einen Index, der den Zustand der Patienten erfasst und der an einen bestimmten Reha-Satz gekoppelt ist, analog dem neurologischen Phasenmodell.“ 2012 haben die Krankenkassen in Deutschland etwas mehr als eine Million medizinische Reha-Maßnahmen finanziert, knapp 700.000 Anträge wurden abgelehnt. Die Kassen geben nur 2,9 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben für Rehabilitations-Leistungen aus – ein Zehntel der Kosten, die sie für Krankenhausbehandlungen ausgeben. „Ein unausgeglichenes Verhältnis“, finden die DKOU-Präsidenten. „Vor allem wenn man bedenkt, dass wir in der Reha einmalig etwa 4000 Euro benötigen, um einen älteren Patienten wieder fit zu bekommen, wohingegen ein Jahr stationäre Pflege 40 000 Euro kostet.“  PM DKOU Abstracts bis 15.01.2015 Abstracts until 15.01.2015 www.dkou.de Kliniken entlassen zu früh in die Reha Akut-Kliniken verlegen ihre Patienten nach einer Operation aus Kostengründen immer früher in Rehabilitations-Kliniken. Diese versorgen die Neuankömmlinge mit Schmerzmitteln und Antibiotika und übernehmen mit dem Wundmanagement zunehmend Aufgaben analog zum Krankenhaus. In Einzelfällen werden Patienten in Abstimmung zwischen Operateur und Reha-Mediziner auch wieder zurück in die Klinik geschickt, wenn Komplikationen den Reha-Erfolg gefährden. Die Rahmenbedingungen für Reha-Leistungen bedürfen daher dringend einer Neuordnung, fordern Experten im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), der vom 20. bis 23. Oktober in Berlin stattfindet. Jede dritte genehmigte Reha-Maßnahme bezieht sich auf orthopädische Erkrankungen, etwa um Schmerzen nach einer Rücken-, Schulter-, Hüft- oder Knieoperation zu mindern. „Für viele Senioren ist eine Reha die einzige Chance, wieder in ihr altes Leben zurückzukehren“, so Dr. Hans-Jürgen Hesselschwerdt, einer der Kongresspräsidenten des DKOU 2015. Und nicht nur der Patient profitiert davon: Einer Studie des Prognos-Instituts zufolge erhält die Volkswirtschaft für jeden in die Rehabilitation investierten Euro fünf Euro zurück. Rauchen beeinträchtigt Wundheilung Raucher, die ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk erhalten haben, sind gefährdeter für Wundkomplikationen als dies Nichtraucher nach derselben OP sind. Rauchen mindert den Blutfluss im Gewebe, löst eine Hypoxie aus und senkt die Kollagensynthese. Nach ermutigenden Hinweisen aus einigen kleineren Studien, dass es sich mit Blick auf die postoperativen Komplikationsraten lohnt, Raucher vor Eingriffen zum Hüftoder Kniegelenkersatz dem Tabak zu entwöhnen, haben Forscher der University of Iowa jetzt dazu Infos zu den Krankheitsverläufen von 78 191 Patienten mit totalendoprothetischem Ersatz des Hüft- oder Kniegelenks analysiert. Die bewerteten Infos sind in der Datenbank des American College of Surgeons National Surgical Quality Improvement Program (ACS NSQIP) niedergelegt. 82 Prozent der Patienten waren Nichtraucher, 8 Prozent ehemalige und 10 Prozent aktive Raucher. Die univariate Analyse ergab für die ersten 30 Tage nach Op eine höhere Rate an Wundkomplikationen unter den AktivOrthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015 rauchern, sie lag bei 1,8 Prozent verglichen mit 1,3 und 1,1 Prozent bei Ex- und Nichtrauchern (J Bone Joint Surg Am 2015; 97 (13): 1049 – 1058). Tiefe Wundinfektionen traten bei Rauchern doppelt so häufig auf. Exraucher trugen mit sieben Prozent das höchste Gesamtrisiko für Komplikationen, zu denen neben den genannten Wundproblemen andere Zwischenfälle wie Thrombosen und Embolien bis hin zum Tod gehörten (Aktivraucher 5,9 Prozent, Nichtraucher 5,4 Prozent). In puncto Gesamtkomplikationen lagen Raucher und Exraucher etwa gleichauf, ihr Risiko gegenüber den Nichtrauchern lag rund 20 Prozent höher. Dabei zeichnete sich ein Trend zur Abhängigkeit von der Tabakdosis im Sinne von Packungsjahren ab. Keine Unterschiede waren hinsichtlich der Mortalität festzustellen. (ÄZ) 421

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Nachrichten OTWorld 2016 – Hilfsmittelversorgung Erwartungen, Fortschritte und Herausforderungen an die moderne Hilfsmittelversorgung stehen vom 3. bis 6. Mai 2016 im Zentrum von Weltkongress und Weltleitmesse OTWorld. Unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Braatz, Private Hochschule Göttingen  /  Universitätsmedizin Göttingen (UMG), und in enger Zusammenarbeit mit dem interdisziplinär wie international namhaft besetzten Programm-Komitee werden auch beim Kongress 2016 sämtliche Kernthemen der Hilfsmittelversorgung besetzt. An vier Tagen tauschen sich hier Orthopädie-Techniker, Orthopädieschuhmacher, Ingenieure, Mediziner und Therapeuten aus der ganzen Welt über verbesserte Versorgungsoptionen, neue Weichenstellungen und zukunftsorientierte Konzepte der Hilfsmittelversorgung aus. „Bei der Zusammenstellung der Kernthemen der OTWorld 2016 folgte das Programm-Komitee konsequent den Herausforderungen, die der Alltag an die Hilfsmittelversorgung von Patienten stellt. So wird die Qualität der Versorgung maßgeblich durch die routinierte Arbeit im interdisziplinären Team, die Kommunikation mit Krankenkassen und dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK), aber auch die erfolgreiche Werbung um kompetente und motivierte Nachwuchskräfte bestimmt“, sagte Braatz. 50 Vortragsblöcke und vorstrukturierte Symposien, 8 Keynote-Vorträge und mehr als 20 (Praxis-)Kurse sowie neue Formate wie Werkstattgespräche oder das „Offene Forum“ stehen auf dem Programm. Moderne Versorgungskonzepte Entwicklungen in Ingenieurskunst und Versorgungstechnik haben den medizinisch-technischen Fortschritt exponentiell wachsen lassen. Die Leistungsstärke der orthopädietechnischen Versorgung zeigt sich heute an den öffentlichen Diskussionen um das „Technik-Doping“ im paralympischen Spitzensport. Aber auch die breite Bevölkerung profitiert von dem Fortschritt. Heute können Orthopädie-Techniker und Orthopädieschuhmacher bei Alltagsbeschwerden und belastungsabhängigen Problemen zum Beispiel durch Funktionsdiagnostik hervorragend weiterhelfen. Zudem stellt die Zielgruppe der sogenannten Best Ager höchste Ansprüche an ihre Bewegungsfreiheit. Die junge Generation möchte eine höhere Leistungsfähigkeit in Beruf und Freizeit sowie schnelle Rehabilitation bei Verletzungen. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) richtet der Weltkongress 2016 einen Fokus auf die Sportlerversorgung. Unter dem Vorsitz von Dr. Casper Grim und Orthopädieschuhmacher Fatmir Langmeier werden spezielle Probleme von Sportlern wie z. B. Achillessehnenreizungen oder das Tarsaltunnelsyndrom (Fersenschmerz) erörtert.  Kirsten Abel Neues Forschungsinstitut an BG-Klinik Mit einem Symposium und einem offiziellen Festakt gründete die BG Klinik Ludwigshafen am 31. Juli 2015 das „Andreas Wentzensen Forschungsinstitut an der BG Klinik Ludwigshafen“. „Wir setzen damit ein klar erkennbares Zeichen des herausragenden Stellenwertes der Forschung an unserer Klinik und unterstreichen die Bedeutung der Kooperation mit der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg“, betonte Prof. Dr. Paul Alfred Grützner, Ärztlicher Direktor der BG Klinik Ludwigshafen. Mit der Benennung des Forschungsinstitutes nach dem früheren Ärztlichen Direktor Prof. Andreas Wentzensen ehrt die Klinik zugleich eine große Persönlichkeit der Unfallchirurgie, die die Geschicke der Klinik viele Jahre geleitet hatte. Die Kooperation beider Häuser besteht seit rund 18 Jahren. Prof. Andreas Wentzensen trieb als damaliger Ärztlicher Direktor die Intensivierung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit maßgeblich voran und bekleidete als Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie den 1997 neu gegründeten Lehrstuhl an der Heidelberger Universität. Seitdem nimmt die BG Klinik Ludwigshafen die Aufgaben der Unfallchirurgie, Hand-, Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgie in Lehre, Forschung und teilweise in der Patientenbehandlung für die Universität Heidelberg wahr. In interdisziplinären Forschungsgruppen arbeiten Wissenschaftler der Universität und Mitarbeiter der BG Klinik gemeinsam an aktuellen Forschungsprojekten. Der medizinische Nachwuchs erhält intensive Einblicke in die klinische Arbeit und hat die Möglichkeit zu promovieren oder sich zu habilitieren. Auf rund 800 Quadratmetern im neunten Stock des nördlichen Turmes gelegen, bietet der Bereich optimale Bedingungen für die Forschung. Wissenschaftler und Studierende finden hier eine moderne wissenschaftliche Ausstattung, darun- ter ein neues S1 / S2-Labor und die Möglichkeit, mit Röntgenstrahlen zu forschen und die Laborbildgebung zu nutzen. Neben der medizinischen Grundlagenforschung steht vor allem die Weiterentwicklung medizinischer Behandlungsmethoden im Fokus. (red) Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015 422 Foto: Joana Lopes - Fotolia

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Nachrichten Neue App zur Kreuzbandruptur Medizinische Forschung braucht Daten, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten und Behandlungsmethoden zu verbessern. Doch leider ist es oftmals schwierig, Studienteilnehmer zu finden. Die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Norbert Südkamp) ist als erste universitäre Einrichtung in Deutschland mit einer neuen App zur Datenerhebung über die medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit einer vorderen Kreuzbandruptur an den Start gegangen: „Back on Track: Kreuzbandriss-Studie“. Die App, die bald in vier weiteren Sprachen verfügbar sein soll, sammelt aber nicht nur weltweit Daten zur Versorgungsstrategie und zur Behandlungszufriedenheit von Patienten mit einer Kreuzbandinstabilität, sondern kann auch „die kulturellen Unterschiede der medizinischen Therapie zwischen einzelnen Ländern und Kontinenten abbilden“ sagt Prof. Dr. Philipp Niemeyer, Sektionsleiter Knie- und Knorpelchirurgie in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg, der das Projekt leitet. Die App wurde von Martin Zens vom Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK, Lehrstuhl: Prof. Dr. Peter Woias) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Kooperation mit der Firma DESIGN-IT (Frankfurt) entwickelt. Die technische Grundlage für die App liefert die Firma Apple. Sie hat Anfang des Jahres angekündigt eine spezielle Plattform für klinische Studien über Mobile Devices, also beispielsweise Smartphones und Tablet-PCs, einzuführen; diese heißt „Apple Research Kit“. Grundinnovation ist es, dass Patientendaten sicher und komplett außerhalb der Apple-Server-Struktur (Open-Source-Software-Framework) durch Wissenschaftler oder Studienteilnehmer erhoben, verwaltet und ausgetauscht werden können. Die Einwilligung zur Teilnahme kann rechtssicher direkt per Unterschrift auf dem Mobile Device erfolgen. Ein großer Vorteil der Idee ist, dass Studienteilnehmer beispielsweise Tests oder Fragebögen bequem von zu Hause am mobilen Gerät beantworten können. Außerdem kann jeder Anwender auch auf seine Daten zugreifen und diese kontrollieren. Die Forscher haben die Möglichkeit, die Daten einfacher auszuwerten und zu analysieren. Derzeit ist das Research Kit als Open-Source-Software ausschließlich für Apple-Geräte verfügbar. Eine Ausweitung auf Android-Systeme und Windows-Telefone ist in Planung. Mit der mobilen Anwendung aus Freiburg kann eine Vielzahl von Angaben zum Heilungsverlauf sowie der Sportfähigkeit des Patienten nach einem Kreuzbandriss gemacht werden. „Die App ist ein wichtiger Beitrag, um in Zukunft optimierte Versorgungsstrategien für die Patienten zu entwickeln“, sagt Prof. Niemeyer. „Die Daten könnten helfen, eine neue Grundlage zu generieren, für welche Patienten eine operative Versorgung notwendig und sinnvoll ist.“  (red) DKOU: Keine Operation bei kindlicher Hüftfehlstellung „Bei der Fehlbildung der Hüfte handelt es sich um eine der häufigsten orthopädischen Erkrankungen im Säuglingsalter. Mittels Ultraschall erkennen Ärzte die sogenannte Hüftdysplasie unmittelbar nach der Geburt und können sie frühzeitig ambulant behandeln. Eine Arthrose schon im mittleren Erwachsenenalter und spätere Operationen werden so verhindert. Seit 1996 ist das Diagnoseverfahren fester Bestandteil der U3-Untersuchung. Dennoch wird die Hüftsonografie immer noch 50 bis 70 Tausend Säuglingen pro Jahr vorenthalten, kritisieren Experten im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU). „Studien zeigen, dass die Säuglings-Sonografie nicht nur ökonomisch überlegen ist – sie halbiert auch das Risiko für eine Operation“, so Prof. Dr. Rüdiger Krauspe, Kongresspräsident des DKOU. „Manche Eltern nehmen die Vorsorgeuntersuchungen nicht wahr, aber auch einige Kinderärzte halten das Hüft-Screening für überflüssig“, so Krauspe. So wurde in den Jahren 2006 bis 2009 nur bei 83 bis 85 Prozent der Säuglinge die empfohlene Hüftsonografie bei der U3-Untersuchung angewendet. Hinzu kommt, dass jeder vierte Hüft-Ultraschall nicht sachgemäß durchgeführt wurde. Ein qualitätssicherndes Programm, das auf der Pressekonferenz am 21. Oktober vorgestellt wird, soll hier Abhilfe schaffen. Denn professionell durchgeführt, lässt sich die Zahl der Operationen bewiesenermaßen deutlich senken. „Insgesamt können wir 10 bis 15 Prozent aller Hüft-Prothesen-OPs bei Patienten unter 50 Jahren auf eine Hüftdysplasie zurückführen“, so Krauspe. Unbehandelt könne es zudem zu Komplikationen kommen, beispielsweise einer Fehlstellung, bei der der Gelenkkopf aus der Hüftpfanne herausspringt. Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015 Foto: Westhoff Die Kinder können die Beine dann nicht mehr richtig vom Körper abspreizen. Ein Hohlkreuz oder Watschelgang können bei Kindern Anzeichen sein. „Entdecken Eltern diese Symptome, sollten sie einen Orthopäden aufsuchen“, so Krauspe. Ansonsten droht auch noch eine Wirbelsäulenverkrümmung. Eine Operation, bei der der Orthopäde das Becken an drei Stellen durchtrennt, die Hüftpfannenposition normalisiert und in der korrigierten Stellung das Becken wieder zusammenschraubt, sei bei einer frühen Diagnose mittels Ultraschall nicht nötig, so Krauspe. „Unser Ziel muss es daher sein, alle Neugeborenen mittels Ultraschall zu untersuchen.“ Wie diese Präventionsmaßnahme bei Kindern vor einer Hüftarthrose im Alter und unnötigen Operationen schützen kann, diskutieren Orthopäden und Unfallchirurgen anlässlich des DKOU 2015 in Berlin. PM DKOU 423

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Aus unserem Fach INTERPER SONAL COMPE TENCE IC-Kurs: Human Factors – be prepared Zwei Wochenenden, je 16 Teilnehmer – so sah die zügige und bestens organisierte Pilotphase für das neue Kursformat „IC – Interpersonal Competence by DGOU and Lufthansa Flight Training“ aus. Mitte Juli ist sie zu Ende gegangen. Sehr erfolgreich, wie die Testteilnehmer, allesamt junge Ärzte in den ersten Weiterbildungsjahren, befanden. Nun ging es am 11. und 12. September in die erste „echte“ Fortbildungsrunde, wieder im Lufthansa Training  &  Conference Center in Seeheim. Rund ein Jahr lang hatten Orthopäden und Unfallchirurgen gemeinsam mit erfahrenen Coaches von Lufthansa Flight Training (LFT) am Konzept für diesen Kurs gefeilt, in dem der „Faktor Mensch“ im Vordergrund steht. Vorbild war die Luftfahrt. Bereits in den 1970er Jahren hatte man dort spezielle Trainingsprogramme für Flight Crews eingeführt, in denen die sogenannten Human Factors eine große Rolle spielen. Mittlerweile sind solche Kurse in der Luftfahrt verpflichtend. Doch was sind die speziellen Anknüpfungspunkte für Orthopäden und Unfallchirurgen? Wo gibt es Analogien, wo liegen die Unterschiede zur Luftfahrt? Um dies zu erkunden, hatte das Junge Forum der DGOU im Vorfeld der Kursgestaltung eine Umfrage unter allen Mitgliedern der Fachgesellschaft durchgeführt, die ergab: Zeitdruck, mangelnde Kommunikation, Personalmangel und Stress sind die Faktoren, die junge wie ältere Chirurgen am häu- figsten als Ursache für Fehler identifizierten – ganz ähnlich wie in der Luftfahrt. 70 Prozent der Fehler insgesamt ließen sich auf „Human Factors“ zurückzuführen. „Interpersonelle Kompetenzen sind extrem wichtig in unserem Beruf“, sagt IC-Instruktor Dr. Matthias Münzberg, der die Umfrage auf den Weg gebracht hatte. „Aber man erkennt aus den Ergebnissen der Umfrage auch genau, dass dies noch nicht in allen Krankenhäusern und in allen Hierarchien angekommen ist.“ Verbesserung der Kommunikation Dieses Manko offenbarte sich auch gleich am ersten IC-Kurstag bei der Erfragung der Erwartungshaltungen bei den Teilnehmern: Verbesserung der Kommunikation im Klinikteam, Verbesserung im Umgang mit Fehlern – dies waren die am häufigsten formulierten Wünsche an die Kursinhalte. Mit einem exakt auf die Ziel- gruppe zugeschnittenen Filmclip über die Ereignisse und Teamhandlungen bei einer vermeintlichen Routine-OP stiegen die Teilnehmer inhaltlich gleich in das ein, was sie später in Gruppenarbeit aktiv erarbeiten sollten: den Umgang mit Zeitdruck, Egos, Hierarchien und Fokussierungen. „Wir alle haben häufig ein Mindset im Kopf, in dem wir verharren“, erklärte Kursinstruktor Prof. Bertil Bouillon zum Auftakt der Diskussion. Wichtig sei es, neben Fachwissen und Fertigkeiten auch interpersonelle Kompetenzen zu einem größeren Prozentsatz zu standardisieren. Insbesondere für Situationen, die plötzlich und unter Zeitdruck sehr unterschiedliche Anforderungen an das gesamte Team stellten. Dazu gehöre auch immer die Frage, wer wofür die Verantwortung trägt. Aber Denkschablonen wirken nicht nur bei Handlungen und Ereignissen, son- 424 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015 Foto: DGOU/Miriam Buchmann-Alisch

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Aus unserem Fach dern ebenso bei Menschen, die uns begegnen. „Wir filtern nach dem ersten Eindruck einer Person und neigen zu Urteilstendenzen“, erklärte LFT-Trainer Steffen Dias, der schon seit Jahren Flight Crews zur Thematik Human Factors schult. Dies bestätigten dann auch die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen, die mit Fotos zu Standardsituationen aus der Klinik ausgestattet wurden, die sie zu beurteilen hatten. Hin zu einer neuen Sicherheitskultur Doch wie funktioniert eine effektive Zusammenarbeit? Bei einem kreativen Wettbewerb in kleinen Teams zeigten sich ganz unterschiedliche Herangehensweisen an die zu lösende Aufgabe. Ausgestattet mit filigranem Material, das zu verarbeiten war, hatten die einen sich gleich zu Beginn auf einen Teamleader verständigt, bei den nächsten ergab sich die Rollenverteilung automatisch, die einen kamen mit Trial and Error zum Ziel, wieder andere wägten zunächst theoretisch ab, bevor sie unter Zeitdruck kreativ wurden. Sogar die für die Lösung erforderliche Arbeit mit den Händen fiel ganz unterschiedlich intensiv aus, je nach Muster des Teambuildings. Welche Herangehensweise hierbei den meisten Erfolg verzeichnete, sei hier nicht verraten. Zu einem funktionierenden Miteinander gehört aber auch, potenziellen Missverständnissen auf allen Ebenen der Kommunikation vorzubeugen. Anhand verschiedener Kommunikationsmodelle und deren Diskussion mit den Teilnehmern veranschaulichten die Instruktoren, wie jeder Einzelne im Klinikalltag kommunikative Warnsignale besser wahrnehmen und Störfaktoren entgegenwirken kann. Hierbei kam auch unter die Lupe, welche detaillierten Handlungsempfehlungen für den täglichen Gebrauch den künftigen Kursteilnehmern in einer Art IC-Werkzeugkoffer an die Hand gegeben werden könnten. Der zweite Kurstag begann, wieder mit medialer Unterstützung, mit der Beleuchtung verschiedener Facetten des Fehlermanagements. „Eigentlich möchten wir langfristig aber weg vom reinen Fehlermanagement, hin zu einer neuen Sicherheitskultur“, sagte Bouillon. Auch wenn die meisten Kliniken mittlerweile das CIRS-Meldesystem nutzten und das „Team-time-out“ als letzte Sicherheitsstufe im OP etabliert sei, um Verwechs- Teamwork .... lungen etc. vorzubeugen, seien Fehler immer noch zu einem zu großen Prozentsatz an der Tagesordnung. Eine andere Kommunikationsstruktur entwickeln Und so stand vor allem die Fehlerprävention auf der Tagesordnung. Wie kündigen sich Fehler an? Wie lassen sie sich kategorisieren? Welche werden individuell, welche teamspezifisch ausgelöst? Rund um die Stichworte Threats, Errors und Critical Situations wurden hierbei Pläne und Gegenmaßnahmen ausgelotet. Auch die Arbeitsmethodik selbst kam in den Blick. Am filmischen Beispiel eines schwer überlastet wirkenden Chirurgen ging es um die Fragen, wie einfache Prinzipien des Zeit- und Workload-Managements bei der Bewältigung des Arbeitsalltags helfen können: Wie trenne ich Wesentliches von Unwesentlichem? Was ist aufschiebbar oder delegierbar, Lufthansa Training & Conference Center in Seeheim Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015 425

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Aus unserem Fach TEILNEHMER BERICHTEN Prof. Michael Nerlich: „Der IC-Kurs wird dafür sorgen, dass wir mehr Patientensicherheit bekommen. Und zwar dadurch, dass alle unsere Mitarbeiter in einem offenen Kommunikationswesen geschult werden und eine neue Dimension im Miteinander entstehen wird.“ Prof. Reinhard Hoffmann: „Dieses Kursformat ist ein Meilenstein für die berufsbegleitende Persönlichkeitsentwicklung der Ärzte. Kommunikationstechniken, Teamverhalten und Fehlermanagement sind bisher in der Aus- und Weiterbildung nicht systematisch abgebildet.“ Prof. Bernd Kladny: „Das ist ein hervorragendes neues Konzept, das man allen empfehlen kann. Ich bin sehr glücklich, dass ich heute erleben durfte, wie Menschen, die das entwickelt haben, mit einer wahren Begeisterung dabei sind, dieses neue Konzept zu vermitteln, und wie diejenigen, die daran teilnehmen, ganz begeistert sind, dass sie so ein neues Konzept jetzt auch in ihr Programm aufnehmen können.“ Dr. Paola Koenen: „Ich halte den IC-Kurs für sehr sinnvoll, gerade für Kollegen aus den ersten Weiterbildungsjahren. Wir kommunizieren in unserem Arbeitsalltag täglich mit ganz verschiedenen Menschen, mit Kollegen aus verschiedenen Berufsgruppen, mit Angehörigen und mit den Patienten selbst. Ich habe hierfür in diesem Kurs viel gelernt und konnte meine Skills im Bereich Kommunikation deutlich erweitern.“ Tobias Fitz: „Besonders der Teil, in dem man die Management- und Lösungsstrategien aufgezeigt bekam – das sind die Punkte, die man unbedingt forcieren muss, trainieren muss, üben muss, umsetzen muss. Ich denke, das ist der richtige Weg. Das sollte man auf jeden Fall so weiterführen.“ Dr. Christopher Spering: „Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Sensibilisierung für gewisse Situationen, für das eigene Auftreten, für die Selbstreflextion und für das Gefüge in einer Teamarbeit. Das ganz Besondere an diesem Kurs ist der Vergleich zur Fliegerei, wo ja letztlich eine Fehler- und Sicherheitskultur besteht, die ihresgleichen sucht. Ich denke, dass dies eine Eröffnung ist für eine ganz neue Kultur, die in unseren Kliniken Einzug halten sollte, nicht nur auf Assistentenebene.“ Dr. Matthias Münzberg, Prof. Dr. Bertil Bouillion, Rainer Herzog (Human Factor Trainer LFT) (v.li) was nicht? Und was habe ich mir selbst eingebrockt, zum Beispiel durch mangelnde Vorbereitung? „Be prepared“ – ein einfacher Satz, aber vielleicht eine der wichtigsten generellen Devisen, wie Instruktoren und Teilnehmer gemeinsam festhielten. Anhand zahlreicher Beispiele aus der täglichen Praxis beleuchteten sie, wie eine gute Vorbereitung die Arbeitsabläufe im Klinikalltag effizienter gestalten lässt, von wichtigen Fragen zur Diagnosestellung bis hin zur rechtzeitigen und detaillierten Vorbereitung auf OPs. Denn Orthopäden und Unfallchirurgen kommunizieren und arbeiten im Arbeitsalltag täglich mit ganz verschiedenen Menschen – mit Kollegen aus verschiedenen Berufsgruppen, mit Vorgesetzten, mit Patienten und deren Angehörigen. So unterschiedlich diese Zielgruppen, so unterschiedlich auch die Aufgabengebiete, für die entsprechende Kapazitäten eingeplant werden müssen. Das Fazit: Teilnehmer wie Instruktoren haben von den intensiven Kurstagen profitiert. Durch das Feedback der Testteilnehmer und die Profilierung in der Praxis konnten die Instruktoren hier und da noch Feinjustierungen im Konzept vornehmen. Und die Teilnehmer nahmen viele Denkanstöße mit nach Hause. Dies soll aber erst der erste Schritt auf dem Weg zum Interpersonal-Management-Profi sein, denn nach Kurs 1 sind im IC-Gesamtkonzept noch drei Ausbau- stufen über die gesamte berufliche Laufbahn vorgesehen – vom Assistenzarzt bis zum Chefarzt. „Wir brauchen einen langen, aber stetigen Weg, um eine andere Kommunikationsstruktur zu entwickeln“, resümierte Bouillon. „Nicht nur im OP, sondern ebenso auf der Station.“ INFOK ASTEN Die nächsten Kurstermine: 30. bis 31. Oktober 2015 13. bis 14. November 2015 Veranstaltungstipp: 21. Oktober 2015, 11:00 Uhr, FO19 Offizieller Launch des Kurses „Interpersonal Competence by DGOU und Lufthansa Flight Training” Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin Weiterführende Informationen: ■■www.ic-kurs.de ■■www.auc-online.de ■■www.dgou.de ■■www.lufthansa-flight-training.com ■■www.lh-seeheim.de Miriam Buchmann-Alisch, Online-Redakteurin 426 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2015

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