Frisches Ufo vor der Stadt #4

 

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Frisches Ufo vor der Stadt #4

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№ 4 Finish 2015 g: Starrin Pitz Pluta Dorothea rner Jonas Do inger Uli Dahl yer Maria Ba la Te x t Tr u l andhaft Mena St gel Sonja Ga h C robot Marietta us Luca Kla Te i n d l Andreas ipsky Gisela L er Erdostit 4 ... und andere Stücke

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„Gibt‘s bei Dana in Schwabach und Vittorio in Lucca.“ Süffig-weich. Chianti Terre di Romignano Das clevere azin. ÄHRE-Mini-Mag at Jeden Mon neu! NATURKOST Ihr Stadtladen. Zöllnertorstraße 8 · 91126 Schwabach · Tel. 09122-15520

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4 ist hier. Kickstart mit Aufnahmen vom Uli Dahlinger sowie C y d o n n a , A l e x A l e x , S e c r e t g a r d e n . Es fehlt neugierigen ein See, es singt Helene – dann schon wieder ein halber Arztroman. ( S t a n d h a f t, G a g e l , L i p s k y e t c . ) Titel-Illustration: Dorothea Pluta ... zu den Stücken 3

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Gast zum Wirt – wegen Weltlage: »Irgendwas kommt. Ir-gend-was. … Naa wassd Holger, ich spür dess. Scho immer. … Irgendwas kommt. Sagen ja alle. Ir-gend-was. … Naja, was soll‘s.« 4 Irgendwas kommt · Text: Gast · Foto: Uli Dahlinger

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übergangsmantel, schuhe: 2nd hand jeans: aus recyceltem stoff anstecker und tuch: irgendwelche kleinen labels rest: h&m cripple creek ferry, tears dry on their own und cavalleria rusticana stülpner-legende, persepolis, der pate III wissenschaft ist nur bewusstwerdung, kunst kann lehren zwei mal gefragt worden, ob ich schwanger bin anna, die mir das gefühl gibt, mich vergessen zu haben und die ich ein bisschen verrate, was mich sogar noch ein wenig befriedigt ein kirschkernkissen mit variablem mehrkammersystem durch zufall im kopf rundstricken gelernt alle fäden des hippietuches versäubert den lychenschal fertiggestellt viel zu wenig geschrieben, ach mönchspfefferfabrikat. teurer scheiß! beim blick aus dem fenster, welche pracht: all die winzigen, hellgrünen birkenblättchen, die unter der wucht der landenden eichelhäher erzittern zwei coole kuben, in einem schuttcontainer gefunden, regale in bauhausoptik beim nachspielen der endszene des trenktrickfilms, ich als zerknirschter wertold, die kinder wechseln sich ab als zähnef letschendes ferkelchen eine art golem? ein shirt mit häschendruck, eventuell albern frauenmanteltee gk: zähne sitzen plötzlich wieder fest, mütze weggenommen worden, hüfte killert, bein killert, sodbrennen, kann noch nicht lesen und schreiben kk: mit dem hinterkopf auf metallkante gedonnert, alpträume und angst vor dem mond ich muss genscher und seiner frau auf einer fußballtribüne winzige gelbe gummistiefelchen anziehen xxxxxx trägt eine schwangerschaft für mich zuende aus und nennt das kind in meiner abwesenheit claudia. bin irritiert, warum claudia? 6 warum claudia? · Text: Pitz · Foto: Uli Dahlinger getragen: warum claudia? gehört: gesehen: gedacht: gekränkt: gemacht: geirrt: gestaunt: abgestaubt: gelacht: gekauft: getröstet: geträumt:

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Seeblick Also, Hochsommer, vor ungefähr 35 Jah- ren. Windsurfbrett erfolgreich überführt vom Norden bis hier. Halbwüchsige Söhne sind zufrieden. Mit dem Ding auf dem Autodach die ganze Strecke von fast ganz oben bis hierher. Die Jungs freuen sich. Sind ja jetzt immerhin zuhause hier statt fast ganz oben. Ist schon ganz anders hier. Aber da war doch dieser See. Entdeckt auf der Karte von hier. Da können sie ja trotzdem surfen, so wie fast ganz oben. Die Karte von hier, noch fast ganz oben gekauft, um das alles schon mal rauszufinden – was hier so ist. Ja da ist er, der See, gleich hier. Da fahren wir hin am Wochenende, ist ja schon eine Weile her, das letzte Mal Surfen da ganz oben. Alle ins Auto, Surfbrett wieder hier oben drauf. Ist es noch weit? Nein, gleich hier. Auf der Karte gleich hier. Da ist schon die Pension Strandcafe AM UFER, und SEEBLICK. Aber kein See hier. Ist wohl noch ein Stück. Und jetzt? Noch weit? Nein, ist gleich hier. Also müsste gleich hier sein. Also auf der Karte eigentlich hier. Und wo ist der See? Bestimmt außerhalb. Besser mal jemanden von hier fragen. »Allmächd, na, See? Naa. Da lassns erst nächstes Jahr des Wasser rein.« 8 Seeblick · Text: Mena Standhaft · Foto: photocase.com/cydonna

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On MY mailbox. » S ü ß e? W a s machst du eigentlich? D u bist vorh i n n i c h r a n g e g a n g e n . Ganze zwei Stunden warst du offline, Süße. Silke hat sich auch schon Sorgen gemacht. Ist wegen mir, stimmt’s. Wegen gestern Abend, stimmt‘s? Nu schmeiß dich nich gleich vor’n Zuch, Süße. Icke kehr den Dreck nich weg. Nu komm. Denk doch an ’nen Regenbogen. Weisste noch – wie der von letzter Woche. Alle sind ’se auf die Straße gerannt. »Ui, ui, schau der schöne Regenbogen«. Knips, knips, und noch ’n Foto. Naja, nicht mein Ding – ich fand ihn einfach nur kitschig. Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Lila. Total unentschlossenes Farb-Mix. MädchenDeko, hab ich Recht? Hihi. Einfallslos. Stillstand am Himmel – nix Neues – naturtechnisch. Jetzt hab dich nich so. ––––– ––––– Scheiß Mailbox ––––– Süße, ruf zurück. Haste gehört? Ruf zurück. Krrrrk ––––– Mist-Akku ––––– ––––– shit Regenbogen, hörste.« 10 On My Mailbox · Text: Mein Ex · Foto: photocase.com/secretgarden

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Gedränge in der S-Bahn-Linie 2 Richtung Frankenstadion ... ja, heißt jetzt Grundig-Stadion. Man merkt, hier spielt heute nicht der Club. Viele Frauen in erhöhter Kommunikationsbereitschaft. Mich spült es sofort in den Gang. Meine Mutter kriegt noch einen Platz am 4er. Sofort ist sie mit anderen Damen im Gespräch... »... die ist ja so natürlich geblieben ... « »... Ja, ganz toll! Und der Silbereisen ... der kann da nimmer mithalten!« Ein Flaschensammler, junger Typ, eigentlich nicht unsympathisch, quetscht sich in letzter Sekunde durch die Tür der S-Bahn. Es wird auffallend ruhiger im Eingangsbereich. Es ist heiß. Ich stehe im Gang. Er arbeitet sich mit seinem Rollwägelchen zu mir. Jetzt nehmen die Gespräche im Eingangsbereich wieder Fahrt auf. Ok, ja, er riecht etwas streng... Ich stelle auf Mundatmung um. So geht’s. Der Zug fährt los »Zu Helene Fischer?« Ich überlege, ob ich ihm erzähle, dass ich nur hier bin, als Geschenk für meine Mutter, quasi Milieustudie, und ich – ich schwöre – nur ein Lied kenne und hoffe, dass ich dort niemanden treffe ... . Ich: »Ja.« »Sie auch?« frage ich verkrampft höflich. Am liebsten hätte ich gefragt, warum er Flaschen sammelt … Er: »Nö...kann ich mal die Karte sehen?« Ich: »Nein.« Ich ärger mich über meine Unfreundlichkeit. Er zieht zurück in den Türbereich. Die Gespräche kommen dort wieder ins Stocken. Zwei sportliche Frauen ignorieren ihn, indem sie ihr Gespräch wieder intensivieren. »Trinken Sie die noch aus?« fragt er freundlich, als eine der beiden ihn doch aus Versehen ansieht und zeigt auf die schicke, kleine 25 Cent-Long-Neck-Flasche, in der ein kleines Restchen hin und her schwappt. »Nein«, sagt die sportliche Frau und hält sich an Ihrem Getränk fest … wohl aus Trotz. Ich krame in meiner Tasche nach Kleingeld... Ihre Begleitfrau zückt ein kleines Sprühfläschchen und sprüht etwas davon auf das Hemd des Flaschenmannes. Die Damen lachen. Er lacht mit. Trotzdem trinkt die Frau ihre Flasche nicht aus. Wir sind angekommen. Ich habe 70 Cent zusammengekramt. Beim Aussteigen treibt uns die Strömung weg voneinander. Bei Helene 12 Bei Helene · Text: Sonja Gagel · Illustration: ADE2013

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Unfall. Nach dem Ich hole sie ab, wie ausgemacht. Klingle, einmal, zweimal. Warte. Sie öffnet die Tür: „Ist es schon fünf ?“ »Es ist halb zwölf«, sage ich, »wir müssen los.« Seit dem Unfall darf sie nicht mehr Autofahren. Blöd, wenn man auf dem Kaff wohnt. Im Wartezimmer sagt sie zu mir: »Aber halt den Mund, ja? Ich muss meine Fragen stellen.« Zum Arzt sagt sie dann, ihr Fahrrad sei kaputt. Der schaut mich ratlos an. Ich übersetze. Prompt spricht er über ihren Kopf hinweg, mit mir. »Reden Sie bitte mir ihr«, sage ich. »Sie hat nur eine Sprachfindungsstörung.« Das stimmt nicht ganz, aber egal. Ich füge hinzu: »Sonst reißt sie mir den Kopf ab!« Draußen sieht sie sich mit großen Augen um. Man kann das Weiße um die Iris herum sehen. »Schau mal, ein Pferd!« Sie deutet auf eine rote Katze, die über den Marktplatz flaniert. Strahlt übers ganze Gesicht. Der Markt mit seinen Farben und Düften. Sie kauft Pfirsiche, Tomaten, frischen Salat. Zwei Riesentüten voll. Vor der Buchhandlung ein Stand mit reduzierten Bänden. Sie blättert, seufzt, geht weiter, zieht ein T-Shirt aus einem Ständer. »Komm«, sage ich, »gehen wir eine Kaffee trinken.« Im Café sagt sie: »Du hast wieder zu viel geredet.« Ich grinse. »Ja, weil ich weiß, dass du deine Brille meinst, wenn du Fahrrad sagst. Der Arzt weiß es nicht.« Sie lacht. Dann möchte sie noch Zinsel kaufen. »Zinsel?« – »Wie soll ich das erklären … Vergiss es. Ich bin alle.« Ich stelle es mir vor wie nach einem Einbruch: die Schubladen herausgerissen, alles kreuz und quer verstreut. Einiges zerstört, manches verschwunden. Die Leute sagen, sie hätte großes Glück gehabt. Manchmal sieht sie das auch so. Auf jeden Fall gibt es noch viel aufzuräumen. 14 Nach dem Unfall · Text: Gisela Lipsky · Foto: photocase.com/view7

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